Der große Report: Zweiradträger am Wohnmobil und Caravan von Camp24

Vorsicht auf der A 5 in Höhe Baden-Baden: Auf der Überholspur liegt ein Fahrrad!« Dieser Warnhinweis im Verkehrsfunk sollte nicht von Ihnen ausgelöst worden sein, denn Sie haben hoffentlich Ihr Fahrrad richtig verstaut und sicher befestigt. Nicht alle Reisemobile haben eine praktische Heckgarage, in der, bei richtiger Höhe, die Räder sicher verstaut werden können. Maximal gibt es, wenn sie dort unbefestigt transportiert werden, Kratzer im Lack oder mal ein verbeultes Schutzblech. Aber der Verlust eines Fahrrads aus einer verschlossenen Heckgarage ist uns bis jetzt nicht bekannt. Weniger gut sieht die Statistik hier bei Fahrradständern am Heck des Mobils aus, auf denen die Räder mehr oder weniger sicher befestigt werden. Dann kommt noch Genosse Langfinger ins Spiel, der sich sein neues Zweirad lieber von einem Heckträger ohne Diebstahlschutz, als aus einer verschlossenen Garage organisiert. Gute Gründe, sich mit der Thematik Fahrrad im Reisemobil kritisch zu beschäftigen.

Heckträger: Flexibel und weit verbreitet
Hat das Mobil keine Garage oder handelt es sich um einen Kastenwagen, bleibt für die Unterbringung der Drahtesel während der Fahrt nur das Heck des Fahrzeugs. Ein Transport auf dem Dach, wie es die Freunde mit ihrem Wohnwagen hinter dem PKW praktizieren, scheidet wegen der Höhe des Mobils und dem Gewicht der Räder aus. Wer will schon bis zu zwanzig Kilo über die schmale Heckleiter auf knappe drei Meter Höhe balancieren und anschließend bei jeder Landstraßenbrücke kalkulieren müssen, ob die Durchfahrthöhe ausreicht? Nein, das ist keine Lösung. Bleibt also nur das Heck und die Qual der Wahl für einen geeigneten Träger. Bei Kastenwagen mit geteilten Hecktüren wird es da schon eng. Die Türen lassen sich nur noch schwierig öffnen und die Träger samt Ladung stehen über die geöffnete Türhälfte hinaus. Auch besteht die Gefahr, dass man sich bei unachtsamem Hantieren an der geöffneten Tür verletzen kann. Ansonsten sind diese Träger durchwegs stabil und leicht zu befestigen, sie werden überwiegend geklemmt und verschraubt, ohne zusätzliche Bohrungen an der Hecktür. Bei der Auswahl des Trägers und bei der Montage ist unbedingt darauf zu achten, dass das Nummernschild und die Heckleuchten des Mobils aus jedem Blickwinkel noch einwandfrei zu erkennen sind. Ist dies nicht der Fall, muss ein zusätzlicher Leuchtenträger mit drittem Nummernschild an den Träger montiert werden.
Kastenwagenbesitzer mit Heckklappe kennen das Problem mit der geteilten Öffnung nicht, dafür muss beim Öffnen der Klappe und montierten Rädern olympiareifes Stemmen praktiziert werden. Die sonst für das leichte Öffnen und für das Offenhalten der Klappe zuständigen Gasdruckdämpfer versagen hier ihren Dienst und müssen mit Muskelkraft unterstützt werden. Die Montage der Träger erfolgt in gleicher Weise wie bei Hecktüren. Oder man legt sich die neuen, praktisch umlegbaren Träger zu, die zum Öffnen der Heckklappe samt Fahrrädern nach hinten geschwenkt werden können und so die ganze Öffnung freigeben.
Anders sieht es bei Aufbauten aus. Hier sind überwiegend montagefreundliche, gerade Rückwände vorhanden. Keine Tür oder Klappe stört, der Aufbau ist so breit, dass die Räder nicht seitlich überstehen, was zum Beispiel in Spanien und vielen anderen Ländern verboten ist. Einzige Hürden sind hier die freie Sicht auf Nummernschild und Heckleuchten und die richtige Wahl der Anbau-Montage. Einfach nur in das Heck schrauben, ist bei den Sandwichwänden keine haltbare Lösung. In diesem Fall sollte der Fachmann konsultiert werden, nur er weiß, wo die meist vorhandenen werkseitigen Verstärkungen liegen, die beim Durchschrauben verhindern, dass der Isolierkern zusammengedrückt wird. Die Gefahr des Ausreißens der Schraubverbindung wird durch eine im Innenraum platzierte Gegenplatte verhindert. So montiert, hält der Träger mindestens so lange wie das Mobil. Bei Nichtgebrauch lassen sich die Heckträger hochklappen und sichern, so bleibt die Fahrzeuglänge in ungefähr gleich wie ohne Träger. Äußerst bequem zu beladen sind absenkbare Träger, die praktisch am Boden beladen und dann auf Reisehöhe geklappt oder gekurbelt werden. Hier entfällt der Kraftakt, besonders bei schweren Rädern und den immer beliebter werdenden E-Bikes eine große Erleichterung.

Anhängekupplungsträger: Universell und praktisch
Eine Alternative sind die Träger, die samt Heckleuchtengruppe und zusätzlichem Kennzeichen auf der Anhängekupplung verschraubt werden. Nicht nur Caravaner, auch Reisemobilfahrer haben heute immer öfter Kupplungen am Mobil, die solch eine universelle, wenn auch teure, Halterung verkraften. Hier wird der Heckträger wie ein Hänger befestigt und zusätzlich verschraubt, der Leuchtenträger wird elektrisch mit der Anhängesteckdose verbunden. Zuhause kann der Halter am PKW montiert werden, wenn auch hier eine Kupplung vorhanden ist. Sollte es zusätzlich einen Caravan in der Familie geben, ist zum Beispiel beim Universalträger von Alko dafür eine Deichselaufnahme lieferbar. Für die Garagenwand gibt es einen passenden Adapter, damit Halter und Fahrräder dort problemlos überwintern können. Ein wahres Vielfältigkeitsgenie. Zu beachten ist aber bei wechselseitigem Betrieb am Wohnmobil und PKW, dass jeweils das passende Kennzeichen am Träger befestigt wird. Das notwendige dritte Kennzeichen benötigt weder TÜV- noch Zulassungssiegel.
Anhängekupplungsträger gibt es auch in zusammenfaltbarer Leichtbauweise für zwei bis drei Räder, die bei Nichtgebrauch im Kofferraum oder in einem Stauraum Platz finden. Mit einer der Gründe für diese inzwischen beliebte Trägerausführung ist der geringe Höhenunterschied, über den die Fahrräder beim Beladen gehoben werden müssen. Allerdings ist bei solchen Trägern zu beachten, dass sie in unbeladenem Zustand nicht gefahren werden sollten, da sonst eine doppelte Beleuchtung (Wohnmobil und Heckträger) gleichzeitig sichtbar wäre, was der Gesetzgeber nicht mag. Für Italien ist auch bei eingeklapptem Träger ein »Panello«, also die rot-weiß gestreifte Warntafel, unbedingt anzubringen, sonst wird‘s teuer.

Ausziehbare Träger: Stabil und variabel
Soll der Roller oder gar das Motorrad mit in Urlaub, reicht ein Heckträger, verschraubt an der Wand, nicht mehr aus. Hier kommt man ohne ausziehbare Stoßstange mit Motorradbühne oder einer fest montierten oder abklappbaren stabilen Bühne nicht mehr aus. Dazu gehören dann noch Auffahrrampen aus Aluprofilen, damit das Zweirad hinauf- oder heruntergerollt und nicht gewuchtet werden muss. Solche Lastenträger gibt es einschließlich Stoßstange und Leuchteneinheit in unzähligen Varianten, auch Designerstücke sind darunter, die das Fahrzeugheck aufwerten, egal ob ausgezogen mit – oder eingeschoben ohne Zweiräder. Bei Fahrzeugen, die mit einem Zugang zum Stauraum vom Heck aus verfügen, ist es ratsam, einen Träger zu wählen, der so weit nach hinten herausgezogen werden kann, dass man auch mit geladenem Zweirad noch die Heckklappe betätigen kann. Wer sowohl Roller als auch Fahrräder transportieren will, bekommt solche Träger mit oder ohne Fahrradaufsatz, der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Fahrer von Fronttrieblern sollten bei montierten Heckträgern und aufgesatteltem Roller oder gar Motorrad daran denken, dass die Physik irgendwann einmal das Hebelgesetz erfunden hat. Ein schweres Bike auf schwerem Träger ganz hinten kann den Vortrieb zunichte machen, mit der unbeschwerten Urlaubsfahrt ist es dann schnell vorbei. Daher steht Kopfrechnen vor Beginn der Urlaubsreise auf dem Stundenplan! Natürlich ist auch bei diesen Trägern zu beachten, dass in unbeladenem und eingeschobenem Zustand keine doppelte Beleuchtung sichtbar sein darf. Am Besten ist es, wenn bei fest montiertem Träger die eventuell noch sichtbare Originalbeleuchtung außer Betrieb gesetzt und das Kennzeichen ausschließlich am Träger montiert wird. Dies ist im Einzelfall abzuklären.

Zubehör: Für alles einen Halter
Mit den Trägern, Zweiradbühnen und Grundträgern allein fängt man noch nicht viel an. Die rührige Zubehörindustrie hat für jeden Träger und für jede Art von Zweirad den passenden Träger, den entsprechenden Halter, den typischen Spanngurt oder passende Abdeckplanen und Gepäckboxen parat, ohne die ein Halter nichts taugt. Den Drahtesel einfach nur mit Gummispannern vom Discounter befestigt, dann hört man bald im Radio die Verkehrsmeldung vom Anfang des Artikels. Um den richtigen Halter einzukaufen, sollte man mit allen, zur Mitnahme angedachten Zweirädern, beim Händler aufkreuzen und das Fahrradpuzzle starten. Die Auswahl ist unübersehbar, in den Zubehörkatalogen nehmen die Fahrradträger samt Zubehör bis zu 35 Seiten Platz in Anspruch. Egal, ob der Rahmen aus Rundrohr, eckig, oval oder sonst wie gestaltet ist, man benötigt einen passenden Halter. Da diese zudem für die einzelnen Schienen unterschiedlich lang sind, muss jetzt bereits die Beladefolge fixiert werden. Papas Rad hinten, Muttis in der Mitte und Sohnemanns Kinderrad vorne, oder doch umgekehrt? Egal, aber die Reihenfolge sollte bindend sein, es sei denn, alle Familienräder sind identisch. Dazu kommen im Bedarfsfall noch für das Wintercamping passende Skihalter.
Aber nicht nur Halter umfasst das Zubehör, auch so praktische Teile wie fest verschraubbare Stauboxen in unterschiedlichen Größen für Helme, Ski- stiefel und sonstigen Kram findet man, passend zu den Trägern. Diese werden meist oberhalb der Räder montiert. Manche Hersteller von Alarmanlagen bieten auch passende Sicherungsseile für die wertvollen Räder an, die beim Durchtrennen Alarm auslösen. Zusammen mit einer kräftigen Seilsicherung mit Schloss eine nützliche Anschaffung. Geht die Fahrt in den Süden, nach Italien oder Spanien, dürfen auch die Warntafeln nicht fehlen, die andere Verkehrsteilnehmer vor der überstehenden Ladung warnen.

INFO

Eine Warntafel, amtlich Panello, ist für viele Länder Vorschrift. Diese Tafel für Italien ist allerdings seitenverkehrt montiert. Die Streifen laufen vorschriftsmäßig von rechts oben nach links unten.

Alles was Recht ist
Vor der Urlaubs-Freude haben die Gesetzgeber bekanntlich überall Hürden gesetzt. Auch bei den Lastenträgern für Reisemobile gilt es, einige Vorschriften zu beachten, die teilweise vor Unfällen schützen, teilweise den Behörden Geld einbringen sollen. Träger, soweit es sich um Heckträger handelt, die außen demontierbar angebracht sind, gelten als Ladung. Anders sieht es bei den Kupplungsträgern aus, hier wird eine EU-Zulassung oder eine Abnahme verlangt. Eine EU-Zulassung haben die meisten Träger, diese muss mitgeführt werden, eine Eintragung in die Zulassungsbescheinigung und damit eine Anbauprüfung durch einen Sachverständigen ist dann nicht erforderlich. Träger innerhalb der Heckgaragen sind nicht von den Vorschriften betroffen.
Bei ausziehbaren Heckträgern ist die Frage der Beleuchtung ein Thema, das man im Einzelfall der Fachwerkstatt zur Klärung überlässt. Diese hat die Erfahrung, festzustellen, ob an der Fahrzeugbeleuchtung hier Änderungen erforderlich sind, zum Beispiel mit der ausschaltbaren Nebelschlussleuchte.
Bei Kupplungsträgern darf die maximale Stützlast der Kupplung mit dem Gewicht des beladenen Heckträgers nicht überschritten werden. Dies gilt natürlich auch für die zulässige Achslast des Fahrzeugs.
Heckträger, ausziehbare Träger und Kupplungsträger einschließlich der Ladung sollten nach kurzer Fahrtstrecke auf guten Sitz und Sicherung der Räder überprüft werden.
Für Italien und Spanien sind Warntafeln für überstehende Ladung vorgeschrieben, das gilt auch bereits für leere und hochgeklappte Heckträger. Ein Hoch dem vereinten Europa! Beide Länder haben unterschiedlich gestaltete Warntafeln, die gegenseitig nicht anerkannt werden und genauso wie das Fehlen dieser Tafeln, mit einem saftigen Bußgeld geahndet werden. Italien schreibt Metalltafeln im Format 50 x 50 cm, reflektierend und mit fünf diagonalen, roten Streifen auf weißem Grund vor. Spanien will drei weiße Streifen und eine schwarz umrandete Tafel. Im Format 50 x 50 cm sind sich beide Länder einig. Im restlichen Europa können die bekannten Kunststofftafeln mit fünf Streifen und vier Rückstrahlern verwendet werden, hier ist keine detaillierte Spezifizierung vorgeschrieben. Eine solche Warntafel kostet zwischen 30,– und 45,– Euro und ist im Zubehörhandel erhältlich. Befestigt werden sie mit Riemen oder Spannern.

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