Der große Report: Alles über Matratzen und Zubehör von Inge Gaebel

Zu schmal, zu kurz, zu unbequem
Alle Hersteller kämpfen mit Platzproblemen und so fallen viele Betten zu klein, zu eng, zu schmal oder zu kurz aus. Da sind junge Leute immer länger als die Betten, das eine oder andere Bäuchlein möchte sein Plätzchen finden, der Oberschrank über dem Bett hängt so tief, dass man weder sitzen noch schlafen kann, im abgeschrägten Seitenbett findet die Gemahlin, auch wenn sie eher zierlich ist, keinen Raum mehr für ihre Beine. Und dann muss das Bad im Fahrzeug noch zugänglich sein und alle Türen zu Schränken, Küchenteil und Nasszelle sollen sich ordentlich öffnen lassen. Und so wird dann schon einmal mit Stoff »nachdesignt«, um einen Eindruck von Größe zu schaffen, obwohl es der Platz tatsächlich nicht hergibt. Unterwegs zeigt sich dann, dass es doch ein wenig zu knapp ist, mit zwei Erwachsenen auf einer Breite von 1,26 Meter schlafen zu wollen, und der Junior mit seinen 1,95 Meter kann leider seine Füße wegen des nächsten Schrankes nirgendwo unterbringen. Auch wenn es immer mehr Einzel- oder Queensize-Betten gibt, das Manko bleibt. Manch ein Hersteller spart nicht nur gerne am Gewicht, sondern auch am Preis, um die Gesamtheit »Wohnmobil« straßentauglich und geldbeutelfreundlich zu gestalten. Dazu wird ein wenig abgespeckt und an der Qualität gespart: Die einfache Schaummatratze hat nur ein geringes Raumgewicht, die Federkernmatratze sehr wenige Federn oder diese sind nicht ausreichend abgepolstert und so liegt mal im Laufe der Zeit wie in einer Hängematte. Andere plagen sich damit herum, dass der Wagen in die Jahre gekommen ist, vielleicht schon durch viele Hände ging und damit auch diverse Schläfer beherbergte. Sind die Polster muffelig, wurde früher im Fahrzeug geraucht, schlecht oder gar nicht gelüftet, gab es einen alten Feuchtigkeitsschaden? Dann können Stockflecken und Muff einem nachhaltig die Lust am Übernachten im Reisemobil verderben.

Wie geht denn nun »Gutes Bett«?
So unterschiedlich Menschen gebaut sind, so unterschiedlich sind auch ihre Bedürfnisse an erholsamen Schlaf: Frauen mögen es gerne etwas wärmer, der eine bevorzugt eine möglichst weiche Unterlage, der andere schwitzt des Nachts und benötigt deshalb eine gute Belüftung. Jedes Bett ist also höchst individuell und nur als durchdachtes System für den Schläfer gut: Unterbau, Matratze, Kissen, Decke.
Die menschliche Wirbelsäule ist von Haus aus in einer Doppel-S-Form gebogen und soll sich nachts von den Belastungen des Tages erholen. Am besten geht dies, wenn sie so unterstützt wird, dass sie in die Gerade kommt, die schwereren Körperteile wie Becken und Schultern also anders abgestützt werden und tiefer einsinken als die Taille. So werden Bandscheiben und Muskeln sinnvoll entlastet, der Rücken erholt sich. Auch das Kissen soll dies unterstützen, ein Nackenkissen stützt den Hals und lagert den Kopf gemütlich. Das Blut muss frei zirkulieren können, die Temperatur soll angenehm und das Schlafklima trocken und kuschelig sein, man muss frei atmen können, das ist wichtig. Hausstaubmilben, Katzen- und Hundehaare, Pollen von Gräsern, Sträuchern, Bäumen: Allergiker können ein Lied von juckenden Ohren, Husten- und Schnief-Anfällen, tränenden Augen und zugeschwollenen Schleimhäuten singen. Hausstaubmilben sind gerne ganz nah beim Schläfer, ihr Kot plagt den Allergiker. Trotzdem ist es möglich, sich unbeschwert auf den Weg in den Urlaub zu machen, denn es gibt Lösungen: Wem das häufige Absaugen und Lüften der Polster nicht reicht, dem helfen Allergiker-Bezüge, Encasings genannt, weiter. Sie werden einfach über Matratze, Decke und Kissen gezogen, und da sie besonders dicht gewebt sind, können die feinen Kotpartikel der Hausstaubmilben sie nicht passieren. Der Sanitätsfachhandel bietet sie maßgefertigt an. Dazu eine regelmäßige Wäsche aller waschbaren Teile bei mindestens 60 Grad Celsius, und der Geplagte kommt besser zur Ruhe.

Foto: Camp24 Archiv | Werk

Eine Visco Matratze mit „Gedächtnis-Schaumstoff“ aus der Raumfahrt.

Die Matratze
Es lohnt sich, ausführlich Probe zu liegen. Also nehmen Sie sich Zeit, legen Sie sich auf den Rücken, zur Seite, auf den Bauch, dösen oder lesen Sie. Finden Sie so heraus, welcher Härtegrad zu Ihrem Rücken passt. Als Faustregel gilt: Härtegrad 1/weich für Personen mit einem Körpergewicht bis 60 Kilogramm, Härtegrad 2/mittel bis 80 Kilogramm und Härtegrad 3/hart für Reisende über 80 Kilogramm. Atmungsaktiv soll die Matratze sein, denn der Mensch verliert nachts im Durchschnitt bis zu einem halben Liter Flüssigkeit, die abtransportiert werden will. Die natürlichen Schlafbewegungen sollen gefördert werden und dabei der Blutkreislauf ruhig zirkulieren. Materialien für Matratzen sind aus Schaumstoff, Kaltschaum, Latex oder einer Kombination mit Federkernen. Bei den offenporigen Schaumstoffen schwanken die Qualitäten stark, es kommt auf ein hohes Raumgewicht (40 –60 kg/m³ sind langlebiger als geringere Gewichte) sowie die Stauchhärte an. Dabei bedeutet »hart« nicht automatisch gleich »gut«. Dennoch leidet bei Schaumstoff im Laufe der Zeit die Formstabilität und Elastizität. Latexmatratzen sind geschlossenzellige Schäume, hochpreisig, verhältnismäßig schwer und müssen sehr viel gelüftet werden. Sie werden im mobilen Bereich daher eher selten eingesetzt. Federkernmatratzen sollen viele, und nicht nur einige wenige Alibi-Federn haben, idealerweise ist jede Feder in einer eigenen Tasche eingenäht und gut abgepolstert. Sie lassen die Luft gut zirkulieren, gelten als gut belastbar und robust, passen sich jedoch durch die große einheitliche Fläche nicht einzelnen Rückenzonen an. Kaltschaummatratzen werden bei niedriger Temperatur aus FCKW-freiem Polyurethan hergestellt. Im Idealfall stützen fünf bis sieben Liegezonen den Rücken an den richtigen Stellen und federn diesen ab. So ruht der Schläfer mit der gewünschten, gerade liegenden Wirbelsäule und erholt sich. Kaltschaummatratzen sind langlebig, flexibel, atmungsaktiv und transportieren sehr gut Feuchtigkeit ab. Teilweise führen Lüftungskanäle oder Lamellen die Feuchtigkeit ab, die der Schläfer nachts verliert. Viele Hersteller verwenden hochwertige Matratzenbezüge aus Lyocell, einem Cellulose-Material, bekannt unter der Marke Tencel. Dieses Material zeichnet sich durch eine hohe Stabilität, guten Feuchtigkeitstransport und eine Waschbarkeit mit 60 bis 90 Grad Celsius aus und ist damit ideal geeignet für den Einsatz im rollenden Heim. Wollen Sie die vorhandene Bezüge nicht austauschen, aber dennoch kuscheliger schlafen, können Sie sich mit einer Matratzenauflage behelfen. Diese ist besonders atmungsaktiv, fördert den Abtransport von Schwitzwasser, gleicht Unebenheiten eines Polsterpuzzles aus, ist hygienisch waschbar und lässt sich leicht verstauen. Drei bis fünf Zentimeter des viskoelastischen Schaums in einer Tencel-Hülle sorgen für eine rückenschonende Nacht und ein ausgeglichenes Klima.

Der Unterbau
Zu einer guten Matratze gehört auch ein geeigneter Unterbau. Oftmals sind unter der Serienmatratze nur Tischplatten oder durchgehende Holz- oder Kunststoffplatten vorhanden. Hier kann Feuchtigkeit nicht ablüften, dadurch entstehender Muff, Stockflecken und Schimmel ergeben ein Paradies für Milben. Nutzen Sie den Rat von Fachleuten und finden Sie eine geeignete Zwischenlage, die das gesamte System belüften und den Liegekomfort spürbar verbessern. Hochwertige Lattenroste haben geringe Abstände zwischen den Latten und lassen sich im Idealfall in ihrer Härte verstellen. Für alle Bettenformen gibt es Varianten, entweder teilbar, zusammenschiebbar, rollbar, mit und ohne Schräge oder verstellbarem Kopfteil. Der Fachhandel führt eine Vielfalt an Qualitäten und Sonderlösungen für ungewöhnliche Einbausituationen. Oder Sie greifen auf Federelemente aus Kunststoff zurück, auch sie sind in verschiedenen Härtegraden zu haben, leicht zusammenzubauen und mit allen Matratzen kombinierbar. Diese sind besonders flexibel und lassen sich perfekt auf die körperlichen Wünsche des Schläfers abstimmen. Zusätzlich helfen Abstandsgewirke oder Matratzenunterlagen aus Kokos oder Polyester, die Feuchtigkeit abtransportieren und für ein Wohlfühlklima sorgen. Leseratten rüsten sich ihr Bett mit Kopfverstellungen nach, wenn der Lattenrost keine solche Funktion aufweist.

Foto: Camp24 Archiv | Werk

Nackenstützkissen ermöglichen ein orthopädisch korrektes Liegen.

Decke und Kissen
Ein wunderbarer Stellplatz im Tal, gleich am Ufer des Flusses. Feucht-kalter Nebel hängt in der Luft. Wie wohl fühlt man sich da unter einer kuscheligen Decke. Eine gute Daunendecke weist eine Bauschkraft von mindestens 600 cuin auf, je höher der Wert, desto besser die Isolation für »Frierkatzen«. Doch auch wenn eine gut verarbeitete Daunendecke mit 60 Grad Celsius waschbar und damit durchaus für Allergiker geeignet ist, der Wasch- und Trocknungsaufwand ist groß und in der Summe leidet die Daune langfristig unter der Feuchtigkeit im Reisemobil. Auch Kamelhaardeckenkombinationen sind am Markt zu finden, sie sind im Wollwaschgang bis 30 Grad Celsius waschbar und sollten häufig gelüftet werden. Sie produzieren ein warmes Schlafklima bei geringem Deckengewicht. Viele entscheiden sich für Kunstfaserdecken. In aller Regel sind es Polyesterdecken, die mit 60 bis 90 Grad Celsius gewaschen werden können. Kunstfasern sind nur wenig schwerer als Daune, trocknen schnell und leiten Feuchtigkeit vom Körper ab. Ideal ist eine Kombidecke mit einem dünnen Sommerbett, das zusammengeknöpft mit dem etwas dickeren Übergangsdeckbett eine wunderbare warme Winterdecke ergibt. So ist dem »Stark-Schwitzer« genauso geholfen wie dem »Frostbeutel«, und die Aufbewahrung der Decken ist unkompliziert. Jetzt gilt es nur noch, eine geeignete Größe für jede Person zu wählen, damit auch die lange Enkelin keine eisigen Füße bekommt.
Für das Kissen bietet der Markt über die gängigen Maße 80 x 80 Zentimeter hinaus auch spezielle Nackenkissen mit 80 x 40 Zentimeter an. Füllmaterial ist meist Polyester, die waschbare Hülle wieder aus Cellulosegewebe. Diese Kissen unterstützen nicht nur gut den Nacken in Rücken- und Seitenlage beim Schlafen, sondern werden unterwegs auch gerne mal in den Rücken geschoben, wenn man auf dem Sitz gegenüber gemütlich die Füße hochlegen möchte. Für Druckentlastung sorgen auch Kissen mit integrierten Gelpads, die sich dem Körper anpassen und kühlend und stützend gleichermaßen wirken.

Die Pflege
Es lohnt sich immer, die Pflegehinweise auf den Textilien zu befolgen. Häufiges Waschen der Matratzen- und Kissenbezüge mit mindestens 60 Grad Celsius ist vor allem für Allergiker wichtig. Waschen Sie immer ohne Weichspüler, denn dadurch verkleben die Fasern nicht. Zum Trocknen im Wäschetrockner stellen Sie bitte niedrige Temperaturen ein. Darüber hinaus heißt es auf Reisen, täglich gründlich stoßzulüften und regelmäßig zu saugen, auch in den tiefen Ecken, unter den Matratzen und zwischen den Systemschichten. Regelmäßiges Einsprühen neuer Polster mit Neemöl-Spray hilft, die Vermehrung von Milben zu reduzieren. Zum Lagern während einer längeren Abwesenheit alle Teile, soweit möglich, waschen, Polsterelemente hochstellen, Matratzen von unten lüften, mehrfach jährlich wenden und alles vor Sonneneinstrahlung schützen. Stellen Sie im feuchten Herbst und Winter ein Entfeuchtungsgranulat im Wohnmobil auf, so bleibt es insgesamt trockener. »Pflegen« Sie auch sich selbst: Ein spätes Glas Wasser, damit die Bandscheiben sich nachts regenerieren können, ein Abendspaziergang mit oder ohne Bello und zu guter Letzt ein Tropfen Lavendelöl unter das Kissen: Das hilft beim Einschlafen.

Info
Wie Sie zu neuen Polstern kommen
Besondere Einbausituationen erfordern besondere Lösungen: Nicht nur im Bugbett einer Yacht kommen Sie kaum um eine bogenförmige, einzeln angefertigte Matratze herum. Solche können Sie auch für Ihr Wohnmobil von Polsterern zuschneiden und beziehen lassen. Firmen wie die Polstermacher, Cowan, Traumfabrik oder Rühl Leder ermöglichen Ihnen die Umrüstung auf eine neue Polstergarnitur. Rechnen Sie hierfür je nach Fahrzeug drei bis fünf Tage. Einige Anbieter rüsten Sie in dieser Zeit mit Ersatzpolstern aus, Sie können derweil die Umgebung auskundschaften und nehmen auf dem Rückweg die neuen Polster wieder mit. In diesem Zusammenhang ist es auch möglich, dem Innenraum des Reisemobils ein völlig neues Gesicht zu geben, bieten doch die meisten Polsterer auch eine Neugestaltung der Stoff-Wandflächen oder Gardinen im gleichen Zug an.

Besondere Lösungen für besondere Situationen
Nicht jedes Hubbett in einem Vollintegrierten verfügt über viel Platz in der Höhe. Hier spielt das Gewicht der Konstruktion eine Rolle, auch wenn der Mechanismus gegebenenfalls motorisch gesteuert ist. So wird man sich zuweilen auf eine auf den Körper und die vorhandene Höhe angepasste Matratze mit einer feuchtigkeitsabführenden Unterlage beschränken müssen. Im Aufstelldach eines VW-Busses oder Vans gibt es extreme Platzbeschränkungen und so mancher hat hier schon anstelle der Originalmatratze mit einer aufblasbaren Matte gearbeitet, um seinen Rücken zu schonen. Thermarest und andere Hersteller machen es möglich, hier mit minimaler Höhe einen akzeptablen Schlaf-Komfort zu schaffen. Und wer dann noch eine dünne Bettenauflage darüberlegt, freut sich sogar über ein annehmbares Schlafklima.
In vielen Kastenfahrzeugen wird die Sitzbank zum Bett umgeklappt. In aller Regel sind diese sitzfreundlich für die Reise geformt, was für die Nacht allerdings bedeutet, dass das Bett vielfach uneben ist. Um dies zu vermeiden, nutzen einige Hersteller für das Bett die Rückseite der Sitzpolster und erreichen damit ein ebenes Bett fast völlig ohne Ritzen. Dennoch ist der Liegekomfort manchem Schläfer nicht ausreichend. Im Fachhandel findet er hier Abhilfe: Komfortauflagen in verschiedenen Maßen, die Höhe variiert zwischen zwei und fünf Zentimetern, der Bezug ist waschbar und das Ganze kann leicht inklusive Bettzeug zusammengerollt werden, wenn es verstaut werden soll.
Besonders im Zelt stellt sich dazu noch die Frage der Isolation zum Boden hin. Hier scheiden sich die Geister an der Grundsatzfrage: »Auf dem Boden oder im Feldbett schlafen«. Für die Bodenschläfer seien auch hier die selbstaufblasenden Matten und Isomatten empfohlen, die gut nach unten hin dämmen und keine Bodenfeuchtigkeit durchlassen. Stabile Feldbetten dagegen sind ideal, um einen Abstand zum Boden zu schaffen und dies mit einer angenehmen Sitzhöhe zu verbinden. Legt man noch eine selbstaufblasende Matte und eine feuchtigkeitsregulierende Decke oben drauf, so schläft man im Zelt oder unter dem Sternenhimmel erstaunlich bequem. Selbstaufblasende Luftmatratzen gibt es sogar mit Daunenfüllung: Gemütlich und gut gedämmt in einem.

Fazit
Insgesamt ist das Angebot an Matratzen und Unterlagen riesig. Nehmen Sie sich viel Zeit beim Aussuchen und »Probe liegen« und lassen sich immer von Fachleuten sachkundig beraten. Es lohnt sich, die eigenen persönlichen Bedürfnisse zu »erspüren«, denn erst dann erleben Sie ihre Urlaubsreise mit einem positiv veränderten Körpergefühl. Ausgeschlafen und gut gelaunt entdecken Sie Menschen und Länder aus ganz neuen Blickwinkeln.

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2 Gedanken zu “Der große Report: Alles über Matratzen und Zubehör

  1. Wir haben 75×200 Matrazen. Wo bekomme ich passende Spannlaken?
    mfg Josef Werner

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