Der große Report: Finanzierung von Reisemobil und Caravan (Seite 1 von 2) von Siegfried Semper

Boomende Verkaufszahlen belegen das ungebremste Interesse an Freizeitfahrzeugen. Im abgelaufenen Jahr 2012 wurde mit über 24.000 neu zugelassenen Wohnmobilen wieder ein neuer Rekord erreicht. Dabei liegt der aktuelle Durchschnittspreis immerhin bei knapp 60.000,– Euro. Kein Wunder also, dass über die Hälfte aller Wohnmobile mit fremdem Kapital gekauft werden. Manchmal locken Händler sogar mit einem niedrigeren Kaufpreis, wenn das Fahrzeug über ihre Hausbank finanziert wird. Die zumeist nicht unerhebliche Vermittlungsprovision ist daher ein wichtiger Faktor bei der Kalkulation des Endverbraucherpreises.
So verführerisch auch die Angebote sein mögen, umso wichtiger ist ein maßgeschneidertes Kreditangebot, das zum einen die eigenen Bedürfnisse berücksichtigt und zum anderen eine reibungslose Rückzahlung garantiert, um nicht in die Schuldenfalle zu geraten. So steht zunächst die realistische Prüfung der eigenen Haushaltslage im Vordergrund um festzustellen, welche zusätzliche Belastung auch auf Dauer möglich ist. Immerhin betragen die möglichen Laufzeiten bis zu zehn Jahren, die das Budget nachhaltig belasten können. Nicht zu vergessen sind die regelmäßig anfallenden Ausgaben für Steuer, Versicherungen und Inspektionen. Über die Höhe der Kreditsumme gibt es keine allgemein gültigen Richtlinien, vielmehr prüfen die Banken die individuellen Voraussetzungen ihrer Kunden. Ausgehen kann man etwa vom fünfzehn- bis zwanzigfachen des monatlichen Einkommens. Wer also pro Monat 3.000,– Euro verdient, könnte beim Faktor 15 mit einer Finanzierungssumme von 45.000,– Euro rechnen. Ist der finanzielle Spielraum errechnet, kann man mit klaren Vorgaben die Suche nach dem Wunschmobil beginnen. Dabei zeigt sich, dass bei der Kaufentscheidung die monatliche Rate mehr im Vordergrund steht als der Kaufpreis selbst. Gerne entscheiden sich viele Kreditnehmer für niedrige Monatsraten über lange Laufzeiten und akzeptieren dabei den erhöhten Zinsaufwand. So beginnt häufig das Verkaufsgespräch seitens des Käufers mit der Frage: Was bekomme ich für ein Modell bei einer monatlichen Belastung von soundso viel Euro? Nicht umsonst haben die meisten Händler an ihren Fahrzeugen schon einen konkreten Finanzierungsvorschlag angebracht, aus dem dieses deutlich hervorgeht. Passt die monatliche Rate gut ins Haushaltsbudget, dann lässt sich vielleicht sogar ein komfortableres Mobil realisieren als ursprünglich geplant.

Leasing oder Ratenkauf?
Privat-Leasing spielt keine große Rolle im Caravaning-Handel, da zum Unterschied bei Pkw-Leasing ein Reisemobil oder Caravan fast dreimal so lange genutzt wird. Bei der Finanzierungsart Leasing zahlt der Kunde eine Art Miete für die Nutzung des Fahrzeugs, das nicht sein Eigentum ist. Der Vertrag beginnt meist mit einer Mietsonderzahlung aus dem Eigenkapital oder aus der Rücknahme eines Gebrauchten. Aus dem Kaufpreis, dem vorher festgelegten Restwert, der Sonderzahlung, der Verzinsung und der Laufzeit errechnet sich die monatliche Rate. Nach Ablauf der Leasing-Zeit muss der Leasing-Nehmer den Caravan entweder zurückgeben, least den »Restwert« weiter, oder er kauft das Fahrzeug zum festgelegten Restwert. Für Privatleute sind die Leasing-Kosten nicht als Betriebsausgaben absetzbar, das Leasing ist somit keine billige Finanzierungsart. Vorteile entstehen dem Privat-Leasing-Kunden aus der Tatsache, dass ein Leasing-Vertrag kreditneutral ist, der übliche Kreditrahmen bei der Bank wird nicht eingeschränkt. Zudem kann der Kunde immer ein fabrikneues Fahrzeug mit Garantie fahren. Zur endgültigen Klärung sollte man jedoch auf jeden Fall seinen Steuerberater befragen.

Haus- oder Händlerbank?
Ob man das gewünschte Objekt über seine Hausbank oder direkt beim Fachhandel über dessen Finanzdienstleister finanziert, muss nach sorgfältiger Prüfung jeder für sich selbst entscheiden. Wird der Kredit jedoch von der Hausbank zur Verfügung gestellt, kann man beim Händler als Barzahler auftreten und entsprechende Rabatte aushandeln. Nachteil dieser Variante ist aber der oft höhere Zinssatz und die zumeist kürzere Laufzeit. Hier fehlt es oft an mangelnder Kompetenz der Verkäufer in Sachen Freizeitfahrzeug. Dass die Mobile überdurchschnittlich lange im Besitz bleiben, eine lange Lebendauer haben und ordentlich gepflegt werden, bleibt den Hausbanken oftmals verborgen. Daher fällt die Kreditlaufzeit zumeist auch entsprechend kürzer aus, was naturgemäß zu höheren Monatsraten führt. Der andere Weg führt direkt zum Fachhandel, der das Kreditgeschäft über eine der zahlreichen Verbraucherbanken abwickelt, wie zum Beispiel bei der Commerz Finanz, Santander Consumer Bank, Autoeuropa Bank des Volkswagen Konzerns oder der S-Kreditpartner der Sparkassen. Viele Hersteller bieten ihren Handelspartnern inzwischen auch einen eigenen Finanzservice an, wie beispielsweise die Dethleffs Finance oder die Bürstner finance. In Kooperation mit der Santander Consumer Bank werden hier branchenspezifische Kredit- und Leasingangebote sowie Serviceprogramme bereit gestellt. Auch Seminare für das Verkaufspersonal gehören ebenso dazu, wie eigens für den Freizeitfahrzeugmarkt entwickelte Computer-Software. So vorbereitet und ausgestattet ist der Fachhändler ein kompetenter Ansprechpartner in allen Belangen der Wohnmobil- und Zubehörfinanzierung. Eigene Hotlines der Hersteller bieten dem Kunden schon vorab Informationen über den Kredit- und Leasingwunsch. Aber auch auf den Internetseiten kann der Kunde über den installierten Finanzierungsrechner seine Möglichkeiten (Anzahlung, Laufzeit, effektiven Jahreszins) ungestört ausloten.

Einfache Abwicklung
Die Abwicklung des Finanzierungsgeschäftes zwischen Kunde und Händler oder Bank gestaltet sich denkbar einfach und ohne lästige Laufereien. Nachdem das Kaufobjekt feststeht, die Anzahlung (je nach Bonität nicht Voraussetzung) und die monatlichen Raten ausgerechnet sind, wird der Kreditantrag ausgefüllt (Personalausweis und Einkommensnachweis sind mitzubringen) und zur Bank übermittelt. Bis zur Kreditentscheidung inklusive der obligatorischen Schufa-Auskunft vergehen meist nur wenige Minuten. Auch lange Verkaufssamstage oder Messewochenenden sind kein Hindernis für schnell entschlossene Käufer. Mit etwa zehn Prozent ist die Ablehnungsquote der eingehenden Kreditanfragen im Bereich der Freizeitfahrzeuge übrigens äußerst gering. Kaum eine Rolle spielen die privaten Leasinganfragen, da die eigentlichen Vorteile der Sofortabschreibung nur im Geschäftsleben relevant sind. Als Sicherheit dient den Banken natürlich der Fahrzeugbrief, egal ob Neu- oder Gebrauchtmobil, dessen Anteil bei etwa 40 Prozent liegt. Eine zusätzliche Absicherung für den Kreditnehmer bietet die Restschuld- oder Ratenschutzversicherung, kurz RSV genannt, die beispielsweise bei Arbeitsunfähigkeit, Arbeitslosigkeit, längerer Krankheit oder Todesfall einspringt. Allerdings kann diese Versicherung, je nach Laufzeit und Finanzierungsbetrag mehrere Tausend Euro ausmachen. Kein Wunder also, dass die RSV manchmal sehr nachdrücklich angeboten wird, damit zusätzliche Provisionsgelder fließen. Hier lohnt ein Blick in die vorhandenen Policen, ob dieses Risiko ganz oder teilweise nicht schon in den anderen Versicherungen enthalten ist.

Zusatzschutz
Einen umfassenden Zusatzschutz bietet die Santander Consumer Bank mit der Santander Safe Kaufpreisversicherung an. Im Falle eines Totalschadens oder eines Totalverlustes zahlt die Kaskoversicherung lediglich den Zeitwert eines Fahrzeuges. Dieser liegt meist einige Tausend Euro unter dem Kaufpreis für ein neues und vergleichbares Fahrzeug. Durch die Zusatzabsicherung werden die finanziellen Einbußen bei Diebstahl oder Totalschaden aufgefangen. Denn die Kaufpreisversicherung begleicht die Differenz zwischen Zeitwert und Kaufpreis und bietet zusätzlich eine dynamische Wertanpassung von drei Prozent pro Jahr als Inflationsausgleich. So ermöglicht Santander Safe trotz eventueller Marktpreiserhöhung den erneuten Kauf eines gleichwertigen Fahrzeugs. Die Höchstentschädigung beträgt maximal 15.000,– Euro und gilt für Wohnmobile und Caravans bis zu einem Alter von acht Jahren. Grundlage des Beitrags und der Versicherungsleistung ist der Kaufpreis laut Darlehensvertrag. Der Beitrag wird einmalig berechnet und automatisch in die Finanzierung einbezogen. Dabei ist die Laufzeit auf 48 Monate begrenzt. Die Laufzeit der Neufahrzeug-Finanzierung kann generell bis zu 120 Monate betragen, während der Zeitraum bei gebrauchten Fahrzeugen, je nach Zustand und Alter, deutlich kürzer ausfällt.

Finanzierungsvarianten
Nach wie vor ist der klassische Ratenkredit die häufigste Finanzierungform auch bei den Freizeitfahrzeugen. Hierbei wird der Kreditbetrag durch fest vereinbarte Monatsraten getilgt. Festgeschrieben ist ebenso der Zinssatz über die gesamte Laufzeit, die bis zu 120 Monaten betragen kann. Übrigens müssen die Banken seit dem Jahr 2010 immer den Nominalzinssatz oder den gebundenen Soll-Zinssatz angeben. Darunter ist der Zinssatz zu verstehen, der vom Kreditnehmer für das Ausleihen des Geldes an die Bank zu bezahlen ist. Gebunden ist er, da er sich über die gesamte Laufzeit nicht verändert. Wenn man zu einem niedrigen Zinssatz abgeschlossen hat, ist das sicher von Vorteil. Aber im umgekehrten Fall mit hohem Zinsabschluss könnte es sich auch nachteilig auswirken, wenn das Zinsniveau zwischenzeitig fällt. Um die Angebote verschiedener Banken zu vergleichen, ist allerdings der effektive Jahreszins entscheidend. Dieser beinhaltet alle zusätzlichen Kosten, die mit dem Kredit entstehen, und die können von Bank zu Bank recht unterschiedlich ausfallen. Ein Berechnungsbeispiel der Dethleffs Finance kommt bei einer Kreditsumme von 45.000,– Euro zu folgendem Ergebnis: Bei einer Laufzeit von 120 Monaten beträgt die monatliche Rate 508,– Euro, was einen Gesamtbetrag inklusive Zinsen und Bearbeitungsgebühren von 60.826,– Euro ergibt. Hier liegt der Sollzins bei 5,56 Prozent pro Jahr, während der effektive Jahreszins mit 6,49 Prozent zu Buche schlägt. Eine schnelle Vergleichsmöglichkeit von Kreditangeboten bieten zwar die einschlägigen Internetportale, aber hierbei sollte man auf die gleichen Rahmenbedingungen achten.
Eine weitere Finanzierungsvariante stellt die sogenannte Vario-, Ballon- oder Budgetvariante dar. Die ist dann sinnvoll, wenn in absehbarer Zukunft ein Sparvertrag oder eine Lebensversicherung ausbezahlt wird. Dann kann der Kunde diesen Betrag als Schlussrate einsetzen und muss bis dahin monatlich nur relativ kleine Raten mit festem Zinssatz bezahlen. Alternativen sind die Begleichung der Schlussrate durch den Verkauf des Gebrauchten oder eine Anschlussfinanzierung. Eine andere Möglichkeit ist das flexible Finanzierungsangebot mit frei wählbarer Ratenhöhe. Unter Berücksichtigung der festgelegten Mindestrate kann man jederzeit die Ratenhöhe und Laufzeit selbst bestimmen. Der variable Zinssatz richtet sich hierbei am Dreimonats-Euribor, dem Zinssatz für Euro-Termingelder im Interbankengeschäft. Auch Sondertilgungen sind jederzeit möglich, ebenso wie die komplette Ablösung des Kredits ohne teure Vorfälligkeitsentschädigungen.

Wunschfahrzeug und Service zum Fixpreis
Der Kauf eines Freizeitfahrzeugs zieht automatisch Folgekosten nach sich, denn regelmäßig stehen für den Besitzer Termine etwa zur Inspektion, Dichtigkeitsprüfung und Hauptuntersuchung an. Knaus Tabbert bietet hier eine Wohnwagenflatrate an, in der alle Folgekosten enthalten sind. Kunden, die sich für einen Caravan der Marken Knaus, Tabbert, Wilk, Weinsberg und T@b entscheiden, können ihr Traumfahrzeug bequem mit dem Rundum-sorglos-Paket finanzieren. Das Finanzierungspaket basiert auf einer 3-Wege-Finanzierung und beinhaltet eine einmalige Sonderzahlung im Rahmen von 20 bis 30 Prozent des Fahrzeugpreises, die monatliche Flatrate, sowie eine Ablöse am Ende der Laufzeit. Entscheidet sich ein Käufer beispielsweise für den Einsteiger-Wohnwagen CaraOne 400 LK von Weinsberg im Wert von 9.170,– Euro, liegen die monatlichen Kosten bei 89,– Euro. Die Anzahlung beträgt dabei 3.335,– Euro und nach 60 Monaten Laufzeit folgt je nach Wunsch eine Anschlussfinanzierung, die Übernahme zum Restwert oder eine Rückgabe des Fahrzeugs. Der effektive Jahreszins liegt bei 5,99 Prozent. Das Paket beinhaltet aber auch eine Verlängerung der Garantie auf fünf Jahre, alle Inspektions- und Wartungskosten, sowie zwei Hauptuntersuchungen und Gasprüfungen. Eine Teilkasko-Versicherung mit Selbstbeteiligung sowie eine Haftpflichtversicherung sind ebenfalls Teil der Flatrate. Der Kunde muss sich dann nur noch um die Kfz-Steuer kümmern. In Kooperation von Bank, Hersteller und Händler werden oft auch befristete Sonderzinsprogramme angeboten, mit zwar unschlagbar niedrigem Zinssatz, aber relativ kurzen Laufzeiten und damit hohen Monatsraten. Da diese vermeintlichen Superangebote hauptsächlich die Kunden anlocken sollen und zumeist vom Händler subventioniert werden, erübrigt sich auch die Frage nach einem zusätzlichen Rabatt. Ein maßgeschneiderter Kredit, der dem frei verfügbaren Haushaltsbudget angepasst ist und entsprechend lange Laufzeiten hat, ist meistens die bessere Alternative, als die schnelle Jagd nach einem Schnäppchen. Wer es sich allerdings leisten kann, sollte bei einem sehr niedrigen Finanzierungszins überlegen, ob sein eventuell höher verzinstes Sparguthaben zunächst unangetastet bleibt.

Fazit:
Ob so oder so, clever rechnen lohnt sich allemal. Oberstes Gebot ist aber immer eine kompetente Beratung und dabei stets das verfügbares Budget im Auge behalten. Zudem ist zu beachten, dass für Banken und Händler das Geschäft im Vordergrund steht und sie nicht aus reiner Menschenfreundlichkeit agieren. So ist es in Einzelfällen durchaus angebracht, den Zinssatz selbst auszuhandeln, jedoch immer nach dem Grundsatz: Realistisch bleiben und den Bogen nicht überspannen, denn erst wenn beide Seiten zufrieden sind, ist es ein gutes Geschäft.

Berechnungsbeispiele für Finanzierungen & einen Experten-Tipp finden Sie auf Seite 2.

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