Der große Report: Lastenträger für Reisemobil und Caravan von Siegfried Semper

Zweirad an Bord
Mobilität ist Trumpf, so das Motto der allermeisten Caravaning-Freunde. Egal ob für ausgedehnte Touren, oder nur für die Fahrt bis zum nächsten Bäcker außerhalb des Campingplatzes – das Fahrrad oder E-Bike ist Fortbewegungsmittel Nummer eins. Auch wenn inzwischen auf vielen Campinganlagen Leihfahrräder angeboten werden, greifen die meisten Camper doch lieber auf ihren eigenen Drahtesel zurück. Auch die Zahl der mitgenommenen Motorräder und Roller steigt stetig. Transportprobleme gibt es heute nicht mehr, denn die Industrie bietet für alle Arten der Reisemobile verschiedene Trägersysteme an. Abzuraten ist grundsätzlich vom Transport von Rädern im Wohnteil. Eine sichere Befestigung ist im Innenraum kaum möglich, herumrutschende Fahrräder können die Möbel beschädigen, oder aber bei einem Unfall zur akuten Verletzungsgefahr für die Mitreisenden werden. Unpraktisch ist auch der Dachtransport, obwohl viele Reisemobile über serienmäßig montierte Grundträger verfügen. Bei einem durchschnittlichen Gewicht von 15 Kilogramm pro Fahrrad wird das Verladen in gut drei Meter Höhe zum kraftraubenden Balanceakt, der bei häufigen Standortwechseln den Spaß am Radfahren gehörig verderben kann. Optimal ist natürlich die Unterbringung in einer Garage, denn hierfür gibt es spezielle Befestigungssysteme und für motorisierte Räder entsprechende Auffahrrampen. Zudem lässt sich das »Beiboot« wettergeschützt transportieren.

So wird die Hinterachsbelastung bei Heckträgern berechnet.

So wird die Hinterachsbelastung bei Heckträgern berechnet.

Fahrrag am Heck
Für Fahrzeuge ohne integrierte Transportmöglichkeit bleibt also nur die Ausrüstung mit einem außen angebrachten Trägersystem, das entweder an der Heckwand, am Chassis oder auf dem Kugelkopf der Anhängerkupplung befestigt wird. Für die Montage an der Heckwand haben die Hersteller zumeist schon Verstärkungen in den Aufbauten der Reisemobile und Caravans eingebaut, die eine stabile und sichere Anbringung ermöglichen. Unbedingt zu beachten ist jedoch die erlaubte Traglast des jeweiligen Fahrzeugherstellers. Wenn der Fahrradträger nicht werksseitig montiert wird, muss der Fachbetrieb die von außen nicht sichtbaren Verstärkungen vor dem Anbau genau ausmessen und exakt positionieren. Nur so kann ein Ausreißen unter größerer Belastung verhindert werden. Immerhin kommen bei mehreren Fahrrädern einige Kilos zusammen, die sich durch die Bewegung beim Transport noch deutlich erhöhen. Aber auch die weite Ausladung der Tragfläche setzt bei maximaler Belastung enorme Kräfte frei, die auf die Haltepunkte am Aufbau einwirken. Wer schon einmal hinter einem Reisemobil mit bepacktem Fahrradträger hergefahren ist, weiß wie sich die Fahrräder auf dem Träger bewegen. Selbstverständlich sind beim Transport alle nicht fest verbundenen Teile, wie beispielsweise Luftpumpe, Kindersitz oder Packtaschen zu entfernen. Zudem sollte die sichere Befestigung bei einem Pausen- oder Tankstopp regelmäßig überprüft werden. Maximal bieten die Träger Platz für vier Fahrräder, wobei die Nutzlast von meistens 60 Kilogramm aus Sicherheitsgründen nicht überschritten werden darf. Wer also mehrere Räder transportiert, sollte unbedingt das Gesamtgewicht seiner Drahtesel kennen. Für einen sicheren Halt während der Fahrt sorgen ausgeklügelte Fixierungen, die nahezu für alle Radtypen geeignet sind. Zunächst werden die Räder mittels Riemen in der Schiene arretiert, wobei zusätzliche Radschalen die Seitenbewegungen perfekt verhindern. Danach wird der Rahmen an den starren Spannarmen befestigt. Zumeist sind die einstellbaren Aufnahmen für Rahmenstärken von 25 bis 80 Millimeter geeignet. Wer dann noch die Fahrräder mit Spanngurten fixiert, ist in jedem Fall sicher unterwegs Rahmen an den starren Spannarmen befestigt. Zumeist sind die einstellbaren Aufnahmen für Rahmenstärken von 25 bis 80 Millimeter geeignet. Wer dann noch die Fahrräder mit Spanngurten fixiert, ist in jedem Fall sicher unterwegs.

Spezielle Trägersysteme
Im Schnitt liegt die Ladehöhe bei den Heckträgern bei etwa 1,5 Meter, so dass sich der Ladevorgang noch einigermaßen leicht bewerkstelligen lässt. Bei hohen Reisemobilen hilft jedoch ein absenkbares Modell für bequemes Auf- und Abladen der Fahrräder, wie zum Beispiel der Carry Bike Lift von Fiamma oder der Lift von Thule. Mittels Handkurbel oder Elektroantrieb kann der Träger um zirka 70 Zentimeter herunter gelassen werden. Eine niedrige Ladehöhe bieten auch die sogenannten Multifunktionsträger, die samt Heckleuchten und zusätzlichem Kennzeichen auf dem Kugelkopf der Anhängekupplung befestigt werden. Ein Zweifachnutzen ergibt sich, wenn Reisemobil und PKW mit einem Haken bestückt sind, so dass man den Multifunktionsträger wechselseitig verwenden kann. Allerdings muss dann das jeweils richtige Kennzeichen montiert sein. Dabei sind TÜV- und Zulassungssiegel nicht notwendig. Mit einem speziellen Adapter ist sogar eine Montage auf der Caravandeichsel möglich. So können Caravaner den Träger während der Fahrt zum Urlaubsort auf der Deichsel befestigen und danach ohne zusätzliche Anbauteile am Zugwagen weiter benutzen. Zu beachten ist bei allen Kupplungsanbauten die zulässige Stützlast, die mindestens 60 Kilogramm betragen sollte. Großen Einfluss auf die Stützlast haben auch die Fahrradträger, die beim Caravan auf der Deichsel montiert werden. Zudem kann der Knickwinkel durch die weit ausladenden Fahrräder deutlich eingeschränkt werden. Das kann insbesondere bei engem Rangieren zu Kratzern und Beulen am Zugwagen führen. Hier hilft nur eine ausführliche Beratung beim Fachhandel, welcher Träger auf welche Caravandeichsel passt. Zumeist werden diese Träger mit einfachen U-Profilen an der Deichsel befestigt, wobei darauf zu achten ist, dass sich der Haltebügel weit genug abklappen lässt, um an den Deichselkasten zu kommen. Es gibt aber auch Trägersysteme, die sich samt Fahrrädern abklappen lassen und somit jederzeit den Zugang zu dem Stauraum ermöglichen. Eine weitere Spezies stellen die Trägersysteme für die neuerdings wieder stärker gewordene Gruppe der Kastenwagen dar, die entweder mit einer doppelten Hecktür oder einer großen Heckklappe ausgestattet sind. Insbesondere bei den doppelflügeligen Hecktüren sind spezielle Fahrradträger erforderlich, die wahlweise an der rechten oder linken Tür befestigt werden, damit das Öffnen jederzeit möglich ist. Da die Trägerschienen zur Mitte versetzt sind, steht das Fahrrad dennoch zentriert in der Mitte des Hecks. Die Montage erfolgt heute überwiegend mit Spannschienen, die rechts und links an den Türkanten eingehängt und dann verspannt werden. Somit entstehen weder unansehnliche Bohrlöcher im Fahrzeugblech, noch hässliche Montagespuren am Lack. Auch bei den Kastenwagen mit Heckklappe werden die Trägersysteme ohne Bohrungenmontiert.Hierbei wird die Halterung einfach in die Oberkante der Klappe eingehängt und durch eine L-Schiene an der Unterkante fixiert. Das Öffnen der Klappe ist bei befestigten Fahrrädern zwar möglich, aber durch das zusätzliche Gewicht ziemlich kraftraubend. Zu beachten ist bei allen Trägervarianten, dass die Heckleuchten und das Kennzeichen frei sichtbar bleiben. Ansonsten muss eine Beleuchtungsleiste mit Kennzeichenwiederholung montiert werden. Dazu sollte eine 13 polige 12-Volt Steckdose bereits vorhanden sein. Bei Nichtgebrauch lassen sich übrigens die Plattformen mit den Aufnahmeschienen einfach hochklappen, so dass die Fahrzeuglänge nur wenig beeinträchtigt wird. Auch der Abbau ist bei den meisten Fahrradträgern ebenso schnell erledigt, wie das Anbringen in den dafür vorhandenen Aufnahmen.

Für schwere Lasten
Soll der Roller oder gar das Motorrad mit auf Tour gehen, gestaltet sich der Anbau eines stabilen Heckträgers mit einer Nutzlast bis zu 170 Kilogramm schon deutlich aufwändiger. Zunächst steht hier die Gewichtsabgleichung im Vordergrund, die sich aus verschiedenen Faktoren wie beispielsweise Zuladung, Radstand und Achslasten ergibt. Dabei berücksichtigt die Formel g x R: A = H auch den Hebelarm der nach hinten herausragenden Last. So wird also die maximale Hecklast (H) errechnet: Das Gewicht des Zweirads inklusive Träger (G) wird mit dem Abstand zur Vorderachse (A) multipliziert und durch den Radstand (R) geteilt. Zusätzlich sind natürlich die Angaben der Fahrzeughersteller zu beachten, ob das Chassis überhaupt für eine Montage eines solchen Trägersystems geeignet ist. Die Grundrahmen dieser Träger werden durchweg am Fahrzeugchassis verschraubt, wobei sich aber die Plattformen bei Nichtgebrauch abnehmen oder einschieben lassen. Da sich der ohnehin lange Hecküberhang durch den Anbau noch vergrößert, ändert sich auch der Böschungswinkel des Reisemobils. Daher ist bei steilen Auffahrten Vorsicht geboten, damit keine massiven Schäden am Träger oder am Chassis verursacht werden. Generell sollte darauf geachtet werden, dass beim nachträglichen Anbau eines Träger-Systems eine Freigabe des jeweiligen Fahrzeug- oder Reisemobil- Herstellers vorliegt. Ansonsten sind etwaige Garantieansprüche an diese meist nur schwerlich durchzusetzen. Da nahezu alle Trägersysteme mit einem EG-Gutachten geliefert werden, sind eine TÜV-Vorführung und die Fahrt zur Zulassungsstelle nicht erforderlich. Hingegen ist in einigen europäischen Ländern die Anbringung einer 50 x 50 Zentimeter großen, rotweißen Warntafel vorgeschrieben. DochnunzueinerAuswahlderverschiedenen Systeme und Produkte, die von der Zubehörindustrie angeboten werden.

Alko
Für Reisemobile, die mit einem Alko AMC-Chassis ausgerüstet sind, hat der Fahrwerksspezialist einen speziellen Lastenträger konzipiert. Ohne Werkzeug kann der Träger mittels Schnellverschlusshebeln am Chassis an- und abmontiert werden. Die stabile Ausführung mit integrierter Auffahrrampeermöglichteine Nutzlast bis zu 150 Kilogramm und ist so ein sicheres Transportsystem für alle Zweiräder. Ebenso gibt es für das AMC-Chassis eine spezielle Anhängevorrichtung mit abnehmbarer Kugelstange.

Fiamma
Ein umfangreiches Angebot an Trägern bietet der italienische Hersteller Fiamma an. Für alle Aufbau-Reisemobile gibt es die entsprechende Lösung für die Montage an der Heckwand. Für Mobile mit Heckfenster wird der Carry Bike Pro C angeboten: Die Montage erfolgthierunterhalbdesFensters,wobei das Öffnen des Fensters gewährleistet bleibt. Der Carry Bike Pro ist dank der serienmäßigen Höhenverstellung universell einsetzbar. Grundsätzlich verfügen alle Modelle der Pro-Serie über einen ausziehbaren Aufladebügel, der maximal vier Räder aufnehmen kann. Der Carry Bike Lift bringt die Räder auf bequeme Ladehöhe. Dank eines Windensystems mit Handkurbel werden biszuvierFahrräderhochgehobenund abgelassen. Alle Fiamma-Träger sind mit Halterungen und Schrauben aus Edelstahl, sowie Kunststoff-Abschlusskappen an den zweifach verstärkten Schienen ausgerüstet. Erhältlich sind zudem Trägersysteme, die speziell auf die Modellpalette einiger Reisemobilhersteller zugeschnitten sind. Aber auch für Kastenwagen mit Flügeltüren oder Heckklappen gibt es eigene Lösungen. Hinzu kommen noch klappbare oder ausziehbare Haltesysteme für die Montage in den Heckgaragen.

Fiedler
Seit mehr als 25 Jahren stellt Fahrzeugtechnik Fiedler in Bremerhaven im Eigenbau hochwertige und schnell abnehmbare Heckträger aus Aluminium für alle gängigen Reisemobile, Transporter und Geländewagen her. Der Familienbetrieb ist in der Lage, individuelle Wünsche zu berücksichtigen und Sonderteile zu fertigen. Fiedler befestigt einen speziellen Anbausatz am Fahrzeugrahmen, der Träger (Gewicht: 19 Kilogramm in Alu-Ausführung) kann mittels Schnellverschluss einfach montiert und demontiert werden.

Liberco
Die Männer um Thomas Wieg in Bad Essen bieten unter Liberco Systems ein komplette abgestimmtes Paket von Rahmenverlängerungen, Anhängekupplungen, Stützen und Zusatzluftedern sowie Trägersysteme an. Mit den Trägersystemen Sonny Apoyo, Schivano und Socorro kann Liberco Lastenträger vom Kastenwagen bis zum Aufbaufahrzeug anbieten. Speziell für den Roller-Transport bis 150 Kilogramm Nutzlast gibt es von Liberco für Kastenagen die Trägerplattform Socorro, Schiavo und Apoyo sind für Aufbaufahrzeuge bestimmt.

Linnepe
Die Motorrad- und Fahrradträger von Linnepe werden mittels Unterzüge fest am Chassis verbunden. Dabei bleibt der Träger abnehmbar. Selbst bei schlechtesten Straßen und auf unebenem Gelände sind die Zweiräder immer mit dem Reisemobil-Chassis fest verbunden und nicht mit dem Aufbau. Für die Eurochassis mit tragfähiger Rahmenverlängerung von Fiat, Peugeot und Citröen sowie für den Mercedes Sprinter, eignen sich die Trägersysteme ebenso, wie für alle Reisemobile mit Alko Chassis. Die mit maximal 200 Kilogramm belastbaren Träger verfügen über eine designte Lichtleiste und sind serienmäßig mit einer Auffahrschiene ausgerüstet.

Thule
Vom belgischen Zubehörspezialisten kommt der praktische Thule Lift für drei Fahrräder, der eine Höhe von 70 Zentimetern überbrückt. An der Heckwand des Reisemobil montiert, lässt er sich mit Handkurbel oder mittels 12-Volt-Motor absenken. So können die Räder mühelos auf- oder abgeladen werden. Auch im Programm sind eine Vielzahl von Universalträgern, die bis zu vier Fahrräder aufnehmen. Verschiedene Träger gibt’s auch für Kastenwagen mit einteiliger Heckklappe oder zweiflügliger Hecktür, sowie klappbare Halterungen für Heckgaragen.

Sawiko
Für Reisemobile präsentiert Sawiko ein umfangreiches Angebot an Lastenträgern für Räder und Roller. Der Lastenträger Bambino wird an die Rahmenverlängerung oder am Alko-Fahrgestell angebracht. 100 Kilogramm Nutzlast sorgen für die Aufnahme von Fahrrädern und Motorroller. Der sonst baugleiche Träger Mikro erlaubt eine Nutzlast von 120 Kilogramm, während der Plattformträger Kawa sogar 200 Kilogramm bietet. Durch die Plattform lassen sich in Verbindung mit optionalen Befestigungsmöglichkeiten beispielsweise Rollstühle oder andere sperrige Gegenstände ohne Probleme transportieren. Der Kawa besteht zu größten Teilen aus eloxiertem Aluminium. Lediglich die Grundrohre sind aus verzinktem Stahl. Vielfältige Zubehörteile, von der Schutzhülle bis zur Gepäckbox und Innensicherungen für Heckgaragen ergänzen das Angebot.

SMV
Die Lastenträger von SMV sind für Reisemobile und Kastenwagen ausgelegt. Voraussetzung ist immer die Montage eines Grundmoduls, das mit dem Chassis des Basisfahrzeugs fest verbunden ist. Daran werden nun die verschiedenen Lastenträger montiert. Fahrradschienen bis zu vier Rädern oder Motorradträger mit Auffahrhilfe können so installiert werden. Der Lastenträger Alu Star kann bis zu 150 Kilogramm Nutzlast aufnehmen, während die Alu-Plattform 200 Kilogramm verträgt.

Tipp
Abschließend seien noch zwei Tipps erwähnt.
1. Wer beim Umstieg vom Reisemobil aufs Fahrrad nicht jedes Mal zum Putzlappen greifen will, sollte sich eine Schutzhülle für die Drahtesel anschaffen.
2. Verschiedene Hersteller bieten für Träger und Zweiräder festmontierte Schlösser an, die wirkungsvoll vor Diebstahl schützen. Wenn man so ausgerüstet auf Reisen geht, sollte dem Freizeitvergnügen »Zweiradfahren« mit oder ohne Motor nichts mehr im Wege stehen.
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