Der große Report: Versicherungen für Reisemobil und Caravan von Siegfried Semper

Auf Nummer sicher – Reisemobil und Caravan richtig und gut versichert
Wie beim LKW, PKW oder Motorrad schreibt der Gesetzgeber auch für die Zulassung von Reisemobilen und Caravans den Abschluss einer Haftpflichtversicherung vor. Diese tritt bei selbst verschuldeten Unfällen ein und übernimmt die Sach- und Personenschäden der anderen Unfallbeteiligten. Schäden am eigenen Fahrzeug werden hingegen nur durch die freiwillig abgeschlossene Teil- oder Vollkaskoversicherung übernommen. Anders als im LKW/PKW-Bereich, spielen bei der Versicherung eines Reisemobils PS und Gewicht keine Rolle. Auch nicht die Tatsache, ob es sich um einen Campingbus oder Luxusliner handelt. Grundlage der Prämienberechnung ist allein der Neuwert, der sich aus dem Listenpreis und den Extras zusammensetzt. Gleiches gilt übrigens auch für Caravans. Einige Versicherungen machen die Prämien aber auch vom Alter des Halters abhängig. Personen unter 23 Jahren und Führerscheinneulinge, die erst seit drei Jahren eine Fahrerlaubnis besitzen, können stärker zur Kasse gebeten werden. Andererseits räumen die Versicherer eine Vielzahl an Sondernachlässen (zumeist zehn Prozent) ein, wie etwa für Beschäftigte des öffentlichen Dienstes. Dazu gehören auch Mitarbeiter privatisierter Unternehmen von Post und Bahn, sowie kirchlicher und gemeinnütziger Einrichtungen. Sogar Mitglieder eines Reisemobilclubs oder Besitzer bestimmter Herstellermarken können mit einer Vergünstigung rechnen. Gleiches gilt für Reisemobile, die mit einem hagelresistenten GfK-Dach ausgerüstet sind. Hier reduziert sich die Vollkaskoversicherung um bis zu 20 Prozent. Einen erheblichen Kostenvorteil bringt auch die sogenannte Zweitwagenregelung. Ist man beispielsweise mit seinem PKW in der Schadenfreiheitsstufe 2 oder höher eingestuft, beginnt man mit dem Reisemobil bereits in der Stufe SF 2 der Haftpflicht- und Vollkaskoversicherung, in der nur noch 55 beziehungsweise 75 Prozent vom Grundbeitrag fällig werden. Kosten sparen kann man auch bei dem Kombi-Rabatt, den einige Versicherer anbieten, wenn PKW und Mobil bei der gleichen Gesellschaft versichert sind.

Unbegrenzte Deckungssumme
Obligatorisch ist die Haftpflichtversicherung für Schäden gegenüber Dritten. Dabei sollte auf eine unbegrenzte Deckungssumme für Sachschäden (100 Millionen pauschal) und auf eine hohe Deckungssumme für Personenschäden (maximal 8 Millionen Euro je Person) geachtet werden. Die Prämie richtet sich zwar nach dem Neuwert des Fahrzeugs, jedoch wird im Schadensfall zumeist nur der Zeit- oder Wiederbeschaffungswert ersetzt. Für Schäden am eigenen Fahrzeug kommt die Teil- und Vollkasko-Versicherung auf. So tritt die Teilkasko (TK) beispielsweise bei Diebstahl, Zusammenstoß mit Haarwild oder sogar bei Schäden durch Marderbiss ein. Bei selbstverschuldeten Unfällen, Schäden am eigenen Fahrzeug oder mutwillige Beschädigung durch Fremde wird über die Vollkasko (VK) abgerechnet. Darin sind auch die mit dem Mobil fest verbundenen Zubehörteile, wie Markise, Fahrradträger oder Klimaanlage enthalten, sofern sie im angegebenen Neuwert enthalten sind. Bei den Kasko-Versicherungen richtet sich die Prämienhöhe auch nach dem Betrag der Selbstbeteiligung (SB). Je weniger SB, desto höher die Versicherungsprämien. Eine empfehlenswerte Kombination des Eigenanteils ist 150,– Euro bei der TK und 1.000,– Euro bei der VK. Das gilt im Großen und Ganzen auch für zugelassene Caravans, wobei für die große Gruppe der abgemeldeten Caravans spezielle Angebote offeriert werden. Auf vielen Campingplätzen besteht mittlerweile auch eine Versicherungspflicht für abgemeldete Fahrzeuge. Denn selbst wenn der Caravan nur als Domizil für Dauercamper genutzt wird, kann er immer eine Gefahr für andere sein wie zum Beispiel die Ursache für einen Brand des Nachbarcaravans. Ohne Versicherungsschutz muss der Verursacher sämtliche Kosten dafür übernehmen. Die moderaten Jahresprämien für die Haftpflicht-, Teilkasko- und/oder Vollkaskoversicherung errechnen sich aus den Faktoren Baujahr und Gesamtgewicht.

Bewegliches Inventar versichern
Normalerweise ist das bewegliche Inventar eines Freizeitfahrzeuges nicht versichert. Wer mit dem Reisemobil häufig unterwegs ist, sollte zumindest eine Reisemobil-Inhaltsversicherung abschließen, denn die Werte, die man so mitführt, addieren sich schnell. Bis zu einer Summe von maximal 15.000,– Euro kann das Hab und Gut versichert werden. Bei Radios, TV, Laptops, Foto- und Filmkameras liegt die höchste Entschädigungsgrenze zwischen 2.000,– und 3.000,– Euro. Die Prämien hierfür betragen, je nach Anbieter, etwa zwischen zwei und vier Prozent der Versicherungssumme. Spezielle Reisegepäck-Versicherungen sind hingegen nicht unbedingt zu empfehlen. Hauptärgernis hierbei ist die so genannte Nachtklausel, wonach zwischen 22.00 und 6.00 Uhr der Versicherungsschutz grundsätzlich unterbrochen ist. Aber auch die Schadensregulierung gestaltet sich sehr problematisch. Wird das Reisemobil nicht genutzt, sollte man auf jeden Fall die wertvollen Dinge herausnehmen. Dagegen sollte ein Schutzbrief unbedingt vorhanden sein, der nicht nur zur Pannenhilfe dient, sondern auch Unfall- und Bergungskosten sowie Hotelübernachtungen und den Fahrzeugrücktransport beinhaltet. Wer häufig im Ausland unterwegs ist, sollte darauf achten, dass der Schutzbrief eine Auslandschutzversicherung enthält. Bei einem unverschuldeten Unfall im Ausland wird dann die Schadensregulierung nach deutschem Recht direkt über den Risikoträger abgewickelt. Das erspart monatelanges Warten auf die Zahlung der ausländischen Versicherung. Bei neuen Reisemobilen sind die Schutzbrief- oder Assistance-Leistungen bereits in der Fahrzeug-Garantie enthalten. Hier ist im Schadensfall unbedingt darauf zu achten, dass immer die Hotline der Basis-Hersteller angerufen wird. Für Mieter von Reisemobilen empfiehlt sich der Abschluss einer Reisekosten-Rücktrittsversicherung mit eingeschlossener Kautions- und Mietausfallversicherung. Denn die private Haftpflicht haftet grundsätzlich nicht für angemietete Objekte. Die Prämie richtet sich zumeist nach dem Tagesmietpreis und beträgt täglich etwa zehn Prozent davon. Sinnvoll könnte auch eine Reduzierung des Selbstbehaltes sein. So bietet beispielsweise der große Vermieter McRent eine SB-Reduzierung von 1.200,– auf 400,– Euro zum Preis von 5,40 Euro pro Tag und Mietobjekt an.

Verschiedene Angebote einholen
Da das Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen keinerlei Einfluss mehr auf die Tarifgestaltung der Assekuranzen aus dem In- und Ausland hat, können die Versicherer selbst entscheiden, welche Tarife sie ihren Kunden anbieten und welche Sonderkonditionen offeriert werden. So gilt immer noch der Tipp, sich von mehreren Versicherungen konkrete Angebote einzuholen und zu vergleichen. Hilfreich sind dabei die zahlreichen Internet-Portale, die bis zu 50 Versicherungen im Kostenvergleich haben. Das ergibt zwar einen ersten Überblick der Prämien, sagt aber wenig über die Leistungen aus. Hier helfen eigentlich nur unabhängige Versicherungsprofis wie freie Makler, Organisationen wie Automobilclubs und Stellen der Verbraucherberatung sowie die maßgeschneiderten Angebote einiger Hersteller. Speziell für die Versicherung von Freizeitfahrzeugen gibt es in Deutschland eine Handvoll Fachmakler, die den richtigen Überblick haben. Aber auch hier sollte man sich verschiedene Angebote einholen, um dann den optimalen Versicherungsschutz nach den individuellen Anforderungen zu erhalten. Dabei ist unbedingt zu beachten, dass man den Sachverständigen selbst bestimmen kann, und ob es eine Einschränkung bei den Reiseländern gibt. In einem Punkt haben allerdings alle Versicherer Recht, denn den gebotenen Service sollte man beim Prämienvergleich durchaus berücksichtigen. Aber auch das Vertrauensverhältnis und die gemachten Erfahrungen mit einer Versicherungsgesellschaft oder einem Makler spielen eine gewichtige Rolle.

Schon gewusst?
Von der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) wurde die Unfallbeteiligung von Reisemobilen und PKW mit Wohnanhänger/Caravan über den Zeitraum von 2000 bis 2010 untersucht. Hier einige interessante Auszüge aus der Studie vom März 2013:
Im Jahr 2010 wurden 743 Unfälle mit Personenschaden registriert, an denen ein Wohnmobil beteiligt war. Die Entwicklung der Unfallbeteiligung stellt sich im Zeitraum 2000 bis 2010 mit einem Rückgang von 36 Prozent bei den Unfällen mit Personenschaden sogar günstiger dar, als die Entwicklung der Unfälle unter PKW-Beteiligung (- 28 Prozent). Bei Unfällen unter Beteiligung von Wohnmobilen wurden im Jahr 2010 insgesamt 19 Personen getötet und 202 Personen schwer verletzt. Darunter waren jedoch nur vier getötete und 62 schwerverletzte Personen Insassen eines Wohnmobils; die übrigen Verunglückten wurden beim Unfallgegner registriert.
Nur rund sechs Prozent der Unfälle mit Personenschaden unter Beteiligung von Wohnmobilen waren Alleinunfälle, an denen kein weiterer Verkehrsteilnehmer beteiligt war. Dieser Anteil liegt deutlich unter dem entsprechenden Anteil von elf Prozent der PKW mit Wohnanhängern.
Mit rund 55 Prozent im Jahre 2010 ereigneten sich die meisten Wohnmobilunfälle innerorts, während sich rund 16 Prozent auf Bundesautobahnen ereigneten. Unfälle mit Personenschaden von PKW mit Wohnanhängern zeigen eine ganz andere Unfallstruktur. Hier stellen Unfälle auf Bundesautobahnen mit 47 Prozent die größte Gruppe. Übrigens wurde jeder fünfte unfallbeteiligte Wohnanhänger von einem ausländischen PKW gezogen. Dieser Anteil ausländischer PKW mit Wohnanhänger liegt seit dem Jahre 2005 bei rund 20 Prozent.
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