Städte-Tour – Florenz von Johannes Kühner

Hoch oben über Florenz steht David auf der Piazzale Michelangelo auf seinem Sockel und schaut hinab auf ein beinahe flaches Häusermeer. Doch nur beinahe flach – denn dazwischen erheben sich, wie zum Zeichen ihrer Bedeutsamkeit, eine Domkuppel, ein Glockenturm und eine schmale Warte wie von einer Burg: Santa Maria del Fiori, Campanile und Palazzo Vecchio. Nur einen Steinwurf von diesen Gebäuden entfernt schlängelt sich der Fluss Arno an hoch gebauten Promenaden entlang bis zur Ponte Vecchio – der ältesten Brücke der Stadt aus dem Jahre 1345.
Zu jener Zeit lebte David noch nicht. Oder besser gesagt: Zu jener Zeit hatte Michelangelo seine berühmte Skulptur noch nicht in Marmorstein gemeißelt. Hier oben auf der Piazza steht zwar sowieso nur eine bronzene Kopie des Meisterwerks – das Original fristet seine Zeit gut geschützt unter einem Kuppeldach in der Galeria dell’Accademia. Und doch ist die Piazzale Michelangelo ein idealer Ausgangspunkt für einen Städtetrip in der Hauptstadt der Toskana: Weil man sich von hier oben im wahrsten Sinne einen Überblick verschaffen kann über die „Wiege der Renaissance“.
Und wahrlich, diese Stadt schindet Eindruck: 60 Prozent der wichtigsten Kunstwerke der Welt, so besagt eine Statistik der Unesco, befinden sich in Italien – und ganze 18 Prozent weltweit allein in Florenz. Hier arbeiteten Michelangelo, Galileo, Da Vinci, Dante – und die Aufzählung ist damit längst nicht zuende. Und hier herrschte mehr als zwei Jahrhunderte lang die Familie Medici. Deren Interesse für Kunst, Architektur und Wissenschaft verdankt Florenz bis heute seine Vielfalt an kulturellen Sehenswürdigkeiten. Bildhauer, Architekten und Gelehrte hinterließen zu Zeiten der Medici überall sichtbar ihre Spuren.

Tourist-Info
Via Cavour 1r
Tel. 003955-290832


Piazza Stazione 4
Tel. 003955-212245


www.firenzeturismo.it

Unesco-Weltkulturerbe
Zum Beispiel in der Altstadt. Seit 1982 ist sie Unesco-Weltkulturerbe. Unzählige schmale Gassen winden sich an pittoresken Häusern vorbei, bis sie früher oder später auf einen großen Platz stoßen. Beispielsweise die Piazza del Duomo vor der weltweit viertgrößten Kirche Santa Maria del Fiori. Direkt gegenüber des Doms glänzen Goldtafeln mit Szenen aus dem Alten Testament am Babtisterium. Und über eine etwas längere Gasse gelangen die täglich etwa 40.000 Touristen zur Piazza della Signoria, wo einst die Original-Statue des David stand. Statuen und Brunnen zieren den Platz bis heute, das einstige Parlamentsgebäude Palazzo Vecchio dominiert ihn wie eine Festung. Und direkt angrenzend befinden sich die Uffizien; ein Museum, das eine der größten Renaissance-Sammlungen der Welt beheimatet. Auch der Mercato Centrale – keine Sehenswürdigkeit im klassischen Sinne – ist einen Besuch wert. Denn so groß wie dieser überdachte Markt ist kein zweiter in Europa.
Angesichts solch geballter Attraktionen lässt sich der zugehörige Trubel kaum vermeiden – es sei denn, man geht ihm aus dem Weg. Das funktioniert bestens in einem Florentiner Park, vor allem wenn im Frühling die Mimosen und Mandelbäume blühen. Oder am Abend, wenn Ruhe einkehrt am Ufer des Arno, in den Gassen der Altstadt und hoch oben bei David auf der Piazzale Michelangelo. Dann wirkt die Stadt wie leisegedreht. Die „Wiege der Renaissance“ macht ihrem Namen dann alle Ehre. Und ist wie neu geboren.


In der Stadt
Die Altstadt ist für auswärtige Fahrer tagsüber gesperrt, von Mai bis September auch nachts. Zur Fortbewegung bietet sich der Nahverkehr von ATAF an (Einzeltickets: 1,20 Euro in ATAF-Kundenzentren, Kiosks oder Cafés, 2 Euro beim Fahrer). Auch zu Fuß lässt sich die Stadt gut erkunden – oder auf einem sehr günstigen Leihfahrrad von „Mille e una bici“ (Leihstationen: Piazza Stazione, Santa Croce, Ghiberti und FS Campo di Marte). Mit dem FirenzePASSport entfällt vor Museen das Anstehen, und es gibt Vergünstigungen – teils aber nur in Form von Gutscheinen.
www.ataf.net | www.bicifirenze.it | www.firenzepassport.com


Rundgänge
Die modernen zweirädrigen und motorisierten Segways wollen zwar irgendwie nicht so richtig in die historische Altstadt von Florenz passen. Aber sie machen halt einfach Spaß – und ermöglichen eine Stadtbesichtigung, wie sie zu Fuß in der Kürze der Zeit gar nicht möglich wäre. Nicht ganz günstig, aber lehrreich ist eine kulinarische Tour über den Markt mit einem Food-Experten der International School of Hospitality. Wer teilnimmt, weiß hinterher zum Beispiel, woran echter Parmigiano Reggiano zu erkennen ist.
www.segwayfirenze.com


Sehenswertes
Es ist beinahe unmöglich, die Sehenswürdigkeiten dieser Stadt auf wenige Empfehlungen zu reduzieren. Womit anfangen? Zum Beispiel mit der Ponte Vecchio, der berühmtesten Brücke von Florenz aus dem Jahr 1345? Dann ist da der Palazzo Vecchio, der mit seinen Zinnen aussieht wie eine Burg – denn einst tagte das Parlament in dem Gebäude, und die Abgeordneten wünschten von der Architektur einen Eindruck von Sicherheit. Ein Besuch im Palazzo ist unvollständig, ohne den „Saal der Fünfhundert“ mit seinen riesigen Wandgemälden gesehen zu haben. Und nicht zuletzt lebt Florenz von seiner historischen Altstadt – seit 1982 Unesco-Weltkulturerbe.
www.florentinermuseen.com | www.weltkulturerbe.com


Museen
Die Medici waren eine der einflussreichsten Familien in der Geschichte von Florenz – und sie interessierten sich für Kunst. Große Teile ihrer Sammlung machen heute die Uffizien aus, wo einige der bekanntesten Kunstschätze der Welt zu sehen sind (Empfehlung: Karten vorbestellen – denn selbst dann müssen Besucher teils Wartezeit in Kauf nehmen). Das Original von Michaelangelos „David“-Statue steht in der Galeria dell’Accademia. Die beste Sammlung italienischer Renaissance-Skulpturen besitzt das Museo Nazionale del Bargello.
www.uffizi.org | www.gallerieaccademia.org | www.polomuseale.firenze.it


Kirchen
Die Domkuppel der Santa Maria del Fiore ist ein Meisterwerk mittelalterlicher Baukunst. Wer die 463 Stufen bis zur Spitze erklimmt, wird dafür mit einem tollen Ausblick auf die Altstadt belohnt. Im Inneren der weltweit viertgrößten Kirche (107 Meter Höhe) verbergen sich Kunstschätze. Grabstätte der Medici ist die Cappelle Medicee. Die Grabmäler von Michelangelo, Galileo und Machiavelli befinden sich in der Kirche Santa Croce. Direkt gegenüber steht die Kirche Santa Maria Novella mit einer beeindruckenden Fassade und – typisch Florenz: Kunstschätzen im Inneren.
www.ilgrandemuseodelduomo.it | www.santacroceopera.it | www.chiesasantamarianovella.it


Literatur
Horst Bredekamp
Florentiner Fußball – Die Renaissance der Spiele
Verlag: Wagenbach
ISBN: 978-3803123978


Helena Julian
„Auf den Spuren von Dan Browns ‚Inferno’. Thriller-Schauplätze in Florenz, Venedig & Istanbul“
Verlag book&friends
ISBN: 978-3981533552

Spezialitäten
Es gibt Menschen, die behaupten, die französische Küche sei nur so gut, weil sie sich von der Toskana hat beeinflussen lassen. Tatsächlich bringt die Region vollmundige Weine (Chianti) und hervorragende Olivenöle hervor. Am besten sind Öle von kleinen Herstellern, weil sie aufwendiger produzieren als die Industrie. Sie sind zwar teurer, schmecken dafür aber meist auch besser. Auch Käse, Schinken, Salami und Nudeln sind Köstlichkeiten, die beispielsweise auf dem Mercato Centrale (siehe „Einkaufen“) zu haben sind. Nicht zuletzt ist die Hauptstadt der Toscana der Namensgeber für die Florentiner: ein süßes Gebäck, dessen Rezept aus Florenz stammt und das hierzulande vor allem an Weihnachten gebacken wird.


Restaurants
Das Restaurant „Latini“ serviert nicht nur leckeres toskanisches Essen, sondern die gute Laune gleich mit. Hier ist es zwar ein bisschen lauter, aber das macht den Reiz des Hauses aus. Noch lauter ist es sowieso an einem anderen Ort: Im „Nerbone“ in der südlichsten Ecke des Mercato Centrale (siehe „Einkaufen“) erinnert an einen Marktstand, gegessen wird aber an einem Tisch aus schickem Marmor. Wer mit Blick auf den Arno essen möchte, ist im „Targa“ gut aufgehoben. Dort gibt es einen Mix der Kulturen, zum Beispiel Flan aus Gorgonzola oder Huhn mit Safran. Die Preise für ein Hauptgericht liegen um die 15,- Euro.
www.illatini.com | www.targabistrot.net


Cafés
Wo gibt es das beste Eis Italiens? Manche behaupten, im Eiscafé Vivoli in Florenz. Und tatsächlich sind Qualität und Auswahl nicht zu verachten – aber das ist natürlich Geschmackssache. Ein Café mit Tradition ist das „Le Giubbe Rosse“. Wer Glück hat, bekommt Theater und Lesungen zwischen den Tischen geboten. Eine tolle Kulisse für den Nachmittagskaffee gibt es im „La Terrazza“, das etwas verborgen in der zweiten Etage des Kaufhauses „La Rinascente“ liegt. Zunächst muss man den Laden durchqueren und den Fahrstuhl aufs Dach nehmen – von wo sich ein Blick auf die Kuppel des Doms eröffnet.
www.vivoli.it | www.giubberosse.it


Einkaufen
Der Mercato Centrale ist Europas größter überdachter Markt. Unter den toskanischen Köstlichkeiten findet jeder etwas fürs Picknick im Park (siehe „In der Natur“ und „Spezialitäten“). Ein Flohmarkt (Mercato dei Pulci) ist auf der Piazza dei Ciompi aufgebaut, Kunsthandwerk gibt es im Viertel Santo Spirito oder Oltrarno (siehe Rubrik „Kunsthandwerk“) an der Ponte Vecchio. Wer ein prall gefülltes Reisesparbuch hat, dem sei auf der Brücke ein Besuch in einem der Schmuckgeschäfte aus dem 16. Jahrhundert nahegelegt. Edel – und trotzdem erschwinglich – sind die Produkte von Pineider. Dort soll auch Napoléon schon Papier gekauft haben.
www.pineider.com


Plätze
Die Piazza de Michelangelo bietet beste Aussichten: Der Platz ist als Plattform über den Dächern von Florenz konzipiert, mit grandiosem Blick auf das Häusermeer, aus dem sich Dom und Palazzo Vecchio erheben. Diese beiden Bauten haben mit der Piazza del Duomo und der Piazza della Signoria eigene Vorplätze, die einen Besuch wert sind – nicht nur des Blicks auf die Haupt-Sehenswürdigkeiten wegen. Beispiel: Die über die Jahre L-förmig gebaute Piazza della Signoria ist voll von Statuen und Brunnen, unter anderem einer Kopie von Michelangelos „David“. Ebenfalls nicht verpassen: Die Piazza Santa Croce – einer der größten Plätze der Stadt mit ihren zwei Kirchen (siehe „Kirchen“) – und die Piazza della Repubblica aus der Zeit, als Florenz Hauptstadt war.


In der Natur
Der Palazzo Pitti beherbergt nach den Uffizien das zweitgrößte Kunstmuseum der Stadt – und ist Ausgangspunkt zur Entspannung im direkt dahinter gelegenen Boboli-Garten. Ein Spaziergang oder Picknick zwischen Antik- und Renaissance-Statuen, Grotten und Fontänen erweckt ein Gefühl, als befinde man sich in einem längst vergangenen Jahrhundert. Einen lehrreichen Einblick in die Natur gewährt die Universität Florenz im drittältesten Botanischen Garten der Welt – dem Giardino dei Semplici mit einer Sammlung fleischfressender Pflanzen. Südlich des Arno bis zur Piazza Michelangelo erstreckt sich über vier Hektar der Bardini-Garten.
www.polomuseale.firenze.it | www.bardinipeyron.it


Kunsthandwerk in Oltrarno
Leder, Silber, Schuhe, Hüte direkt aus der Werkstatt: Schon vor mehr als 500 Jahren fertigten Handwerker diese und andere Nutzgegenstände im Stadtteil Oltrarno an. Was sich damals nur Könige, Prinzen und Adelige leisten konnten, ist heute auch für normale Menschen erschwinglich. Doch auch wer nichts kaufen möchte, sollte sich die vielen Werkstätten und kleinen Läden nicht entgehen lassen. Manche Handwerker gewähren sogar Einblick in ihre Arbeit – vor allem, wenn Touristen als Teil einer geführten Kunsthandwerk-Tour kommen.
www.getyourguide.de/florenz-l32


Mit Kindern 
Gut möglich, dass Kinder sich von der Renaissance-Kunst in Florenz gelangweilt fühlen – wobei Aussichtspunkte wie der Dom freilich auch die Kleinen faszinieren. Aber wie wäre es mit Rittern? Das Museo Stibbert besitzt eine Kollektion von mehr als 10.000 Rüstungen und Waffen – und hat in einem Saal mehr als ein Dutzend Ritter mit Pferden drapiert. Ein anderes Konzept verfolgt der von Künstlern geschaffene Pinocchio Park mit Ausstellungen, die sich an den Abenteuern von Pinocchio orientieren. Außerdem gibt es dort Marionetten-Werkstätten und ein Schmetterlingshaus.
www.museostibbert.it | www.pinocchio.it


Am Abend
Nach Sonnenuntergang, wenn die Warteschlangen vor den Sehenswürdigkeiten verschwunden sind und Straßenmusiker die Uffizien beschallen, präsentiert sich Florenz als romantischer Ort. Selbst Fußballer Mario Gomez, der für den A.C. Florenz auch Abendspiele bestreitet, schwärmte für die Stadt am Arno. Ein abendlicher Spaziergang – oder Besuch im Fußballstadion – kann seinen Ausklang in der Art Bar bei einem Cocktail mit Einheimischen finden. Kulturelles Abendprogramm gibt es in unzähligen Theatern wie dem Teatro Verdi, Teatro del Maggio Musicale oder Teatro Comunale di Firenze.
www.fiorentina.it | www.teatroverdifirenze.it | www.maggiofiorentino.com


Umgebung
Auf einem Hügel bei Florenz liegt der Ort Fiesole. Von dort bietet sich ein Panoramablick auf Florenz, und dort befinden sich eine archäologische Zone aus der Zeit der Römer und Etrusker, ein Dom aus dem 11. Jahrhundert und eine antike Akropolis. Bei gutem Wetter empfiehlt sich der Besuch einer Medici-Villa im Umland. Sie sind in etwa einer halben Stunde mit dem Wohnwagen zu erreichen – oder die Villa Reale di Castello vom Hauptbahnhof Santa Maria Novella mit dem Bus 28 (Ausstieg an der Haltestelle Sestese – nicht verwechseln mit Sestese III (freier Park-Eintritt ab 8.30 Uhr bis etwa 16.30 Uhr außer an jedem 2. und 3. Montag im Monat). Nahe Florenz befindet sich auch der Pratolino – größter Landschaftspark der Toskana.
www.firenzeturismo.it/en/pratolino


Fazit
Florenz hat so viele Kunstschätze zu bieten, dass zwei Tage kaum ausreichen, um sie alle zu sehen. Wahrscheinlich würde einen die schiere Menge an Eindrücken sowieso nur erschlagen. Aber auch ohne Eintritt lohnt sich ein Besuch der wichtigen Sehenswürdigkeiten. Denn die Fassaden der historischen Gebäude wie beispielsweise der Uffizien sind selbst große Kunst, die man im Vorbeigehen auf sich wirken lassen kann. Was Renaissance bedeutet? Ein Besuch in der Stadt am Arno vermittelt einem ein Gefühl davon.

Stell- & Campingplätze
Campeggio Michelangelo
Viale Michelangelo · 80, I-50125 Firenze
GPS: 43°45‘42‘‘ N / 11°16’6‘‘ O
Tel. +3955-6811977
www.ecvacanze.it
Direkt an der Piazzale Michelangelo gelegener Campingplatz, teils mit Blick auf den Dom. Öffentliche Busse fahren alle zehn Minuten in die Stadt. Das Zentrum ist aber auch fußläufig gut zu erreichen. 240 Stellplätze, ganzjährig geöffnet.


Stellplatz area di sosta camper
GPS: 43°45‘28.7“N / 11°12‘01.4“ O
Beleuchteter und bewachter Wohnmobilstellplatz mit Sanitäranlagen im Ortsteil Soffiano, Platz für etwa 80 Fahrzeuge. Mit dem Bus zehn Minuten in die Altstadt. V+E.

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