Der große Report: Bettsysteme von Inge Gaebel

Müde bin ich, geh’ zur Ruh’, schließe beide Äuglein zu
So manche Originalmatratze im nagelneuen Reisemobil gibt leider nicht viel her. Da spart der Hersteller schon mal am Material, an der Länge, der Breite und schneidet auch ein vermeintliches Doppelbett sehr knapp ab. Eng geht es zu. Eine ordentliche Unterfederung ist nicht vorhanden, von Unterlüftung ganz zu schweigen. Besser geht es so:

Das gesunde Bett – ein ganzes System
So unterschiedlich Menschen gebaut sind, so unterschiedlich sind auch ihre Bedürfnisse an erholsamen Schlaf: Frauen mögen es oft etwas wärmer, der eine liegt möglichst besonders weich, der andere schwitzt nachts und benötigt eine gute Belüftung. Ein jedes Bett sollte also höchst individuell und nur als komplettes System auf den Schläfer zugeschnitten sein: Unterbau, Matratze, Kissen, Decke.

Entlastet und entspannt
Die erste Grundlage für gesunden Schlaf ist eine gute Matratze. Und so verschieden Menschen gebaut sind, so verschieden sind auch die Anforderungen an die individuelle Matratze. Ideal ist eine, die es der Wirbelsäule ermöglicht, in Seitenlage gerade und entspannt zu liegen. Schultern und Hüfte sinken also tiefer ein als der mittlere Rumpf. Alle Bereiche werden optimal unterstützt. Darüber hinaus wird die Körperfeuchtigkeit gut abgeführt, sodass man trocken und warm liegt. Wenige Bewegungen in der Nacht genügen, um den Rücken rundum zu entspannen. Das sorgt für ruhigen Schlaf.
Wichtig ist also, dass die Matratze zum Schläfer passt. Daher sollte man nicht einfach zwei Einheitsmatratzen für den 120-Kilogramm-Mann und die 45-Kilogramm-Dame wählen, sondern hier lohnt es sich, individuell auf Gewicht und Schlafverhalten einzugehen. Das bedeutet erst einmal, sich über Schlafgewohnheiten klar zu werden. Gewicht und Körpergröße, Neigung zum Schwitzen oder Frieren, Vorliebe für weiche oder härtere Matratzen sind hierbei die Kriterien. Für Seitenschläfer empfehlen Hersteller eher Matratzen mit stärker ausgeprägten Zonen und ein Kissen, das den Kopf gut stützt. Bauchschläfer fühlen sich zumeist mit einer festeren und unzonierten Matratze wohler. Und Rückenschläfer
lieben häufig ein flaches Kissen sowie eine lediglich leicht zonierte Matratze. So kommt jeder zu seinem Recht.
Nun ist es Zeit zum Probeliegen: Gemütlich auf dem Rücken, der Seite, dem Bauch, dazu ein wenig dösen oder lesen, um ein realistisches Bild des Reisealltags zu bekommen. Man sollte darauf achten, dass die Wirbelsäule in der bevorzugten Lage gerade liegt, da sowohl das Durchhängen auf einer „Hängematte“ als auch das verbogene Liegen auf einer zu festen Matratze zu Rückenschmerzen und Muskelverspannungen führt. Zuweilen schlafen sogar Arme oder Beine ein.
Fürs Reisemobil soll ja alles leicht sein, in der Lagerung keine Stockflecken bekommen und pflegeleicht sein. Die Matratze selbst soll möglichst atmungsaktiv sein, verliert der Mensch doch nachts im Schnitt einen halben Liter Wasser. Diese Feuchtigkeit soll gut abtransportiert werden, und hierfür entwickelten Hersteller verschiedene Lösungsansätze. Mehr oder minder große „Tunnel“ oder Röhren innerhalb der Matratze transportieren die feuchte Luft seitlich ab. Teilweise wird diese Luft richtiggehend abgepumpt, wenn der Schläfer sich bewegt. Integrierte Klammern innerhalb der Matratze ermöglichen dies. Selbst starke Schwitzer kommen so zu ruhigem und trockenem Schlaf.
Welches Material? Latexmatratzen sind geschlossenzellige Schäume, jedoch hochpreisig, schwer und müssen sehr viel gelüftet werden. Sie werden im mobilen Bereich – so gut sie für zuhause sein mögen – daher eher selten eingesetzt. Federkernmatratzen sollten viele und nicht nur einige wenige Alibi-Federn haben. Idealerweise ist jede Feder in einer eigenen Tasche eingenäht und gut abgepolstert. Sie lassen die Luft gut zirkulieren, gelten als belastbar und robust, passen sich jedoch durch die große einheitliche Fläche nicht einzelnen Rückenzonen an. Kaltschaummatratzen werden aus FCKW-freiem Polyurethan hergestellt und bei niedrigen Temperaturen mit CO2 aufgeschäumt. Im Idealfall stützen fünf bis sieben verschiedene Liegezonen den Rücken an den richtigen Stellen und federn diesen ab. Sie gelten als langlebig, flexibel und atmungsaktiv. Kaltschaummatratzen lassen sich in allerlei Formen herstellen, so sind schräge Kanten und abgerundete Formen auch als Maßanfertigung möglich. Viskoelastische Materialien verbinden die Fähigkeit, sich in der Form dem Körper anzupassen und sich anschließend zurückzuverformen. Auf diese Weise schmiegen sich Matratzen und Kissen durch die Körperwärme an Wirbelsäule, Hüfte und Kopf an und kehren in die Ursprungsform zurück, wenn das Bett verlassen ist und abkühlt.
Als Bezugsstoff für Matratzen wird häufig ein Material namens Lyocell verwandt, das unter dem Markennamen Tencel vertrieben wird. Die Fasern weisen eine hohe Trocken- und Nassfestigkeit auf, absorbieren sehr gut Feuchtigkeit und regulieren das Mikroklima. Das Ganze fühlt sich weich und angenehm an. Darüber hinaus kann der aus Cellulose gefertigte Stoff mit 60 bis 90 Grad Celsius gewaschen werden – ideal für Allergiker.
Härtegrad und Raumgewicht? Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Der Härtegrad bestimmt tatsächlich die Härte einer Matratze, und seine Auswahl wird sich nach den Vorlieben des Schläfers richten. Als Anhaltspunkt mag folgende Aufteilung gelten: Härtegrad 1/weich für Personen mit einem Körpergewicht bis 60 kg, Härtegrad 2/mittel bis 80 kg und Härtegrad 3/hart für Reisende über 80 kg.
Das Raumgewicht entscheidet hingegen über Lebensdauer und die Vermeidung von Liegekuhlen. Ein Raumgewicht (RG) von mindestens 40 Kilogramm pro Kubikmeter sollte das Ausgangsmaterial schon haben. Das klingt nach „viel“ und „schwer“, jedoch wiegt eine Matratze mit den Maßen 200 mal 80 mal 15 Zentimeter und einem idealen Raumgewicht von 50 am Ende nur circa 12 Kilogramm.

Info
Matratze mit beheizbarem Stoff von CampCo in einem BavariaCamp: Am Ende ist das 12-Volt-Kabel unsichtbar verlegt und das Bett mollig warm

Matratze mit beheizbarem Stoff von CampCo in einem BavariaCamp: Am Ende ist das 12-Volt-Kabel unsichtbar verlegt und das Bett mollig warm

Der Stoff, aus dem Träume gewoben werden
Die findigen Unternehmer von CampCo aus Pfaffen-Schwabenheim fanden eine Lösung für ein wohliges Innenklima: Ihre Stoffe, aus denen sich Teppiche, Vorhänge und eben auch Matratzenbezüge fertigen lassen, sind beheizbar. Und nein, sie werden nicht von Heizdrähten durchlaufen, sondern die Fasern selbst werden warm. So lässt sich das Bett beheizen und wohlig vorwärmen, bevor man ohne dicke Socken in die Wärme steigt. Nutzt man die Stoffe, die zusätzlich auch dehn- und streckbar sind, anderweitig, so ergeben sich eine Menge zusätzlicher Anwendungen. So zum Beispiel Kissen, Nackenrollen und Skischuh-Wärmer.
Um den gesamten Wohnraum zu temperieren, schaltet eine schlaue 12-Volt-Schaltung wechselweise Teppich und Vorhang warm, verbraucht auf diese Weise nur wenig Batteriekapazität und produziert auch in vorher schlecht gedämmten Bereichen eine gleichmäßige Temperaturschranke nach außen. Einige Erstausrüster wie Spacecamper und BavariaCamp haben das Potenzial erkannt und bieten bereits Ausrüstungsteile mit dem Thermo-Stoff an.

Unter der Matratze
Eine gute und passende Matratze allein ist jedoch nicht ausreichend. Denn erst ein geeigneter Unterbau sorgt für entsprechende Abfederung und Entlüftung der feuchten Schlafluft. Ist nun unter der Serienmatratze nur eine durchgehende Platte vorhanden, kann die Feuchtigkeit nicht entweichen, und es bilden sich Stockflecken, die Milben tummeln sich, irgendwann fängt es an zu muffeln. Es lohnt sich eine geeignete Unterlage. Wer nur über wenig Platz in der Höhe verfügt, findet im Fachhandel „Abstandsgewirke“ – dünne Polsterunterlagen mit viel Luftdurchsatz. Bei ausreichend Platz nach oben passen nun auch ein Lattenrost oder individuell einpassbare Federteller. Diese sind in verschiedenen Stabilitätsvarianten erhältlich und adaptieren sich so perfekt an den jeweiligen Schläfer. So besteht auch bei einer eher schmalen, durchgängigen Matratze die Möglichkeit, zumindest die Unterfederung individuell an beide Schläfer anzupassen.
Wenn man zu den Bücherwürmern zählt, die nachts die Finger nicht vom Krimi lassen können, schont man seinen Rücken durch die Möglichkeit einer Höhenverstellung für den Kopf.
Ein Tipp für Fahrer von Kastenwagen oder Mietmobilen: Manchmal lassen sich die unbequemen Matratzen nicht austauschen, weil sie Teil einer Fahrzeug-Sitzbank sind oder das Mobil einem anderen gehört. Doch kann man seinem Rücken immer noch etwas Gutes tun, indem man eine Matratzenauflage verwendet. Auch diese ist besonders atmungsaktiv, fördert den Abtransport von Schwitzwasser, gleicht Unebenheiten eines Polsterpuzzles aus, ist hygienisch waschbar und lässt sich leicht verstauen. Drei bis fünf Zentimeter des viscoelastischen Schaums in einer Tencel-Hülle sorgen für eine rückenschonende Nacht und ein ausgeglichenes Klima.
Nun drücken sich nicht mehr die Ellenbogen in die Scharniere, wenn man sich umdreht, und die Ritzen zwischen den Polsterelementen und zu den Seitenwänden hin sind damit auch geschlossen. Im kleinen Kastenwagen kann man die Auflage inklusive Spannbetttuch und Schlafsack oder Decke einfach zurückklappen oder zusammenrollen, wenn das Bett wieder zur Sitzbank werden soll.

Gut gekuschelt
Nur noch wenige setzen Naturfasern für die Zudecke ein. Sie sind zwar sehr atmungsaktiv, bedürfen aber der Pflege: lüften, auslegen, noch mehr lüften, und nicht alle sind gut waschbar. So steigen immer mehr Reisemobilisten auf hochwertige Kunstfasern um. Zumeist sind dies Polyester-Decken, kaum schwerer als Daune. Sie transportieren sehr gut die Feuchtigkeit nach außen und lassen sich zudem heiß waschen. Ideal ist eine Kombidecke mit einem dünnen Sommerbett, das zusammengeknöpft mit dem etwas dickeren Übergangsdeckbett eine wunderbare warme Winterdecke ergibt. So ist dem starken Schwitzer genauso geholfen wie dem Frostbeutel.
Je nach Schlaftypus wählt man Groß- und Nackenkissen, Hörnchen und kleine Reisekissen. Diese Kissen unterstützen nicht nur bestens den Nacken in Rücken- und Seitenlage beim Schlafen, sondern können unterwegs auch gerne mal in den Rücken geschoben werden, wenn man auf dem Sitz gegenüber gemütlich die Füße hochlegen möchte. Auch hier ist Polyester mit einem Lyocell-Bezug ein geeigneter Materialmix.

Die liebe Not mit der Allergie
Tränende Augen und verschwollene Schleimhäute sind nicht die besten Urlaubserinnerungen. Wer Probleme mit Allergien hat, wird sich daher um Sauberkeit und frische Luft kümmern. Es fängt damit an, dass ordentlich gesaugt wird, um auch aus allen Ritzen Verstaubungen und Milbenkot zu entfernen. Dazu sollten die verwandten Materialien mit mindestens 60 Grad Celsius waschbar sein und regelmäßig gewaschen werden – nicht nur das Bettzeug, sondern auch Decken, Kissen und Matratzenbezüge. Die Temperatur von 60 Grad ist erforderlich, damit die allergieauslösenden Bestandteile tatsächlich herausgehen.
So genannte Encasings – besondere Hüllen für Matratzen, Kissen und Decken – helfen starken Allergikern, da sie den Kot von Hausstaubmilben nicht durchlassen. Neemöl hilft, dass die Plagegeister sich erst gar nicht erst breit machen.

Alles schön sauber
Viele Bezüge sind waschbar. Natürlich muss man sich an die eingenähte Pflegeanleitung halten. Den Weichspüler sollte man weglassen, damit die Fasern nicht verkleben. Und falls alles nach dem Waschen im Trockner landet, sollte dieser möglichst mit niedrigen Temperaturen arbeiten. Das schont die Fasern.
Zur Reinigung auf der Reise immer wieder ordentlich lüften, also mehrfach täglich stoßlüften. Beim Beziehen des Bettes die Matratzen wenden – wenn die Form das zulässt – und auch unter den Polstern und in den tiefen Ecken staubsaugen. Für die lange Winterpause lohnt es sich, die Matratzen hochzustellen, damit möglichst viel Luft herankommt. Zusätzlich die Rollos ein wenig herunterziehen, um UV-Strahlung abzuhalten. Für die Lagerung in der feucht-kalten Jahreszeit lohnt sich ein Entfeuchter, egal ob als Granulat oder elektrisch. Die Polster danken es mit einer längeren Lebensdauer.

Wie man sich bettet …
Das bekannte Sprichwort umschreibt, dass eine gründliche Vorbereitung wichtig ist, um ein gutes Ergebnis zu erlangen. In unserem Zusammenhang kann sie wörtlich genommen werden; es lohnen die Überlegung, was für ein Schläfer man ist, und die Anschaffung von hochwertigen und geeigneten Komponenten. … so liegt man – und schläft gut.

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