Der große Report: Mobile Kühlboxen von Inge Gaebel

It’s cool, man!
Draußen steht brütend die Sonne, kein Lüftchen regt sich, die Luft flirrt über den Feldwegen. Wir raffen uns auf, wollen an den Baggersee und dort mit Freunden gemeinsam grillen. Schorsch hat zwar ein Wohnmobil mit Kühlschrank, kommt aber mit dem Dickschiff nicht an die Wiese ran. Corinna fährt immerhin einen Bus mit irgendwas Kleinem zum Kühlen drin, das reicht aber lange nicht für uns alle. Glücklicherweise hat der Fachhändler noch geöffnet, und wir finden eine tragbare Box, die uns alle zufrieden stellt.
Welche Boxen gibt es überhaupt?
Aus technischer Sicht stehen vier technische Varianten zur Auswahl:

Passiv-Boxen und Kühltaschen
Eigentlich kann man sie nicht über einen Kamm scheren. Gemeinsam haben die Passiven, welche nicht aktiv die Temperatur im Inneren herunterkühlen, „nur“ eine isolierte Hülle – die jedoch in äußerst unterschiedlicher Qualität ausgeführt sein kann. Natürlich kann die 7,99-Euro-Kühltasche aus dem Verbrauchermarkt mit einer Waeco Ice-Box für 69,00 Euro nicht mithalten. Gemeinsam ist ihnen jedoch das Ziel, dass Lebensmittel in einem isolierten Gefäß und genügend Kühlakkus oder Eis drumherum nicht gleich wieder warm werden. Das kann erstaunlich gut funktionieren, wenn denn die Dämmung hochwertig genug ist.
Große Unterschiede gibt es in der Verarbeitung von Tasche oder Box. Waeco ist preislich mit seiner Cool-Ice-Serie am oberen Limit angesiedelt, verarbeitet jedoch auch eine stabile Box mit Edelstahlscharnieren, die kaum mit einer Kühltasche vergleichbar ist. Die Kühlleistung hängt zudem stark von der „Vorbereitung“ des zu kühlenden Inhalts ab: Ideal ist es, Grillfleisch und Getränke zu Hause vorzukühlen, die Box vorab an einem kühlen Ort zu lagern und erst kurz vor dem Ausflug zu beladen. Schön voll packen und mit eisigen Kühlakkus umgeben: Dann hält es am längsten. So sind die Herstellerangaben auch nur als Richtwert zu betrachten – kann dieser doch nicht ahnen, ob die Box wie eben beschrieben beladen wurde oder schon ein paar Stunden leer im knallheißen Auto stand und mit nur einem Scheibchen Wurst beladen wird, sodass dieses durch viel warme Luft drumherum alsbald wellige Ränder bekommt. Auf dem Markt tummeln sich Hersteller wie Campinggaz, Coleman, Dometic Waeco, Ezetil und Outwell.

Thermoelektrische Kühlboxen
Ab dieser Kategorie wird aktiv gekühlt. Sogenannte Peltier-Elemente haben den Vorteil der Kühlung in Kombination mit einem recht geringen Gewicht für einen moderaten Preis. Der durch einen thermoelektrischen Wandler fließende Strom schafft eine Temperatur-Differenz; diese Wirkung wurde nach seinem Entdecker Jean Peltier benannt. Umgekehrt lässt sich mit diesem Effekt auch Wärme bis zu 65 Grad Celsius erreichen, was so manchem Verein beim Wintertreffen die Erbsensuppe warm hält. Eine gut gedämmte Thermoelektrische Box schafft bis zu 30 Grad Celsius unterhalb der Umgebungstemperatur. Als Unterbringungsort ist daher eine schattige Ecke im Fahrzeug ideal, dann genügt diese Leistung auch im Sommer. Knallt aber die Sonne auf einen dunklen PKW und produziert im Innenraum 50 bis 60 Grad Celsius, bleibt natürlich auch in einer solchen Box die Cola warm. Peltier-Elemente lassen sich mit 12, 24 oder 230 Volt betreiben und sind vergleichsweise preisgünstig – verbrauchen aber recht viel Strom. Ein Ventilator schafft die erwärmte Abluft fort und schnurrt manchem Nutzer ein wenig zu laut. Quasi alle Anbieter haben solche thermoelektrischen Kühlboxen (auch TEC genannt) im Sortiment, sie unterscheiden sich durch die Größe, besondere Formen, Verarbeitung von Scharnieren, Deckeln, Riemen und Schultergurten, Bedienelementen und vor allem hinsichtlich der Dämmung.
Es lohnt sich also die Herstellerangaben zu prüfen. Warum? Wir freuen uns an einem schönen Sommertag über Temperaturen um 30 Grad Celsius. Ruckzuck sind dies aber innerhalb des Fahrzeugs auch mal 50 oder mehr. Ziehen wir davon die maximal denkbare Kühlleistung von 30 Grad ab, kommt uns die Limo mit klebrigen 20 Grad daher: Das ist kein Genuss! Und leistet die Box weniger, wird es noch unleckerer. Stand die Box aber vorher zu Hause im Keller, wurde mit vorgekühlten Getränken beladen und steht jetzt in der Heckgarage, sind alle über ordentlich gekühlte Getränke glücklich.

Absorber-Kühlgeräte
Bei diesen Geräten wird in einem geschlossenen und wartungsfreien System eine konzentrierte Ammoniaklösung erwärmt und unter Druck bewegt. In einem Kondensator wird das Gas verflüssigt und verdampft, was der Umgebung Wärme entzieht. Dieser Effekt sorgt für die Verringerung der Temperatur im Kühlraum. „Absorber“ sind geräuschlos und können auch unabhängig vom Netz mit Gas betrieben werden. Sie können eine Absenkung der Temperatur von bis zu etwa 30 Grad Celsius erreichen. Neben Gas lassen sie sich auch mit 12, 24 oder 230 Volt betreiben. Letzteres führt aber eher dazu, dass vorhandene Temperaturen gehalten werden, da mit reiner Batterieleistung technisch keine höhere Kühlleistung zu erzielen ist. Dometic Waeco führt seit vielen Jahren den Reigen mit seiner Combicool-RC-Serie an. Ein Modell ist zusätzlich mit einer Gaskartusche zu betreiben. So lässt sich auch außerhalb jeglicher Stromversorgung die gute Kühlleistung über den Gasbetrieb nutzen.
Die thermoelektrische Kühlbox Mobicool W48 nimmt einen kompletten Bierkasten auf. Der Deckel ist zweigeteilt, damit das Restbier schön kühl bleibt. Rollen hat die Box auch, also: Auf zum WM-Finale!

Kompressortechnik
In diesen Boxen treibt ein Kompressor ein Kältemittel um, das vom flüssigen in den gasförmigen Zustand gebracht wird. Bei der Ausdehnung im Verdampfer wird der Umgebung Wärme entzogen und in einem Kältemittel gebunden. Die Abwärme wird über einen Kondensator nach außen abgeleitet. Kompressorgeräte liefern unabhängig von der Außentemperatur beste Kühlleistung und verbrauchen relativ wenig Strom. Sie stören sich nicht an Schräglagen und lassen sich mit 12, 24 und 230 Volt betreiben. Die aufwändige Technik hat jedoch ihren Preis, der sich allerdings durch robuste Bauweise bei hochwertigen Geräten auf Jahre rechnet. Neuwertige Kompressoren widerlegen den Ruf, dass die Geräte zu laut seien, umso mehr, als dass Kältespeicher dafür sorgen, dass die Kompressoren nur noch einen geringen Teil der früheren Laufzeiten benötigen, um den Inhalt der Box zu kühlen. So sind teilweise nur noch Laufzeiten von 25 bis 40 Prozent des Tages erforderlich, um alles schön kalt zu halten. Die Technik ermöglicht Temperaturen mit echter Tiefgefrierfunktion von minus 22 Grad, aber auch „normales“ Kühlen mit bis zu 10 Grad Celsius. Und nun wird auch eine Energieeffizienzklasse von A+ und A+++ erreicht, wie man sie von Haushaltsgeräten her kennt. Firmen wie Dometic Waeco, Webasto und Engel bieten ein umfangreiches Sortiment an Kompressor-Boxen. Innen steckt dann Hightech mit automatischer Temperaturanpassung, digitaler Anzeige, LED-Beleuchtung und vielem mehr.
Dometic Waeco ergänzt dies noch mit einer Hybridversion, die Thermoelektrik und Kompressortechnik vereint. Mit 230 Volt wird zu Hause der Kompressor betrieben, fleißig vorgekühlt, und unterwegs setzt das 12-Volt-Peltier-Element diese Arbeit fort. Ebenso und doch anders „fächer-übergreifend“ arbeitet auch die Coolfreeze-CFX-Serie, die drei Fächer beinhaltet und so innerhalb einer einzigen Kühlbox Kühlen und Tiefgefrieren gleichzeitig ermöglicht. Jetzt steht dem Sommer wirklich nichts mehr im Wege.

Und welche Kühlbox stellt nun wen zufrieden?

So hat es sich bewährt:

  • Medikamente kühlen: kleine Kompressorboxen stellen eine gleichmäßig niedrige Temperatur sicher
  • Zum kleinen Grillausflug: Kühltaschen oder Passivboxen ordentlich voll packen, Eis drumherum, fertig
  • Für den Angler, der Lachs aus Schottland mitbringen will: Kompressortechnik, runtergekühlt auf minus 22 Grad Celsius
  • Reisemobile, in deren Kühlschrank kein Obst und Gemüse mehr passt, und draußen sind es 35 Grad: Thermoelektrische Box, möglichst in der Heckgarage oder unter dem Tisch, also im Schatten
  • Großeinkauf von Tiefkühlware im Verbrauchermarkt: für kurze Dauer auch mal mit einer Passivbox, besser und länger mit mehr Kühltechnik à la Kompressor

Sinnvolles Zubehör

  • Ein Netzgerät sollte man vor allen nutzen, um zu Hause die Kühlbox vorzukühlen und dann schon kalt einzuladen. Der Netzadapter macht aus 230 Volt im Haushalt die gewünschten 12 Volt und ist auch für andere Verbraucher zu verwenden. Je nach Modell liegt der Eigenverbrauch bei circa sechs Volt. Er ist auch für die Dauerverwendung im Wochenendhaus geeignet.
  • Wer zwischen Wohnmobil und LKW wechselt, ist mit einem Spannungswandler von 24 auf 12 Volt gut bedient.
  • Ein Spannungswächter signalisiert, wenn die Bordbatterie ein wenig schlapp wird. Zwischen Batterie und Kühlgerät gesteckt, schaltet er bei circa 11,6 Volt Spannung ab und schont so die Batterie.
  • Das Waeco Funkdisplay für rund 50 Euro kommuniziert mit Waecos CFX-Kühlboxen, liefert eine drahtlose Anzeige der Kühlboxtemperatur und alarmiert den Nutzer, wenn die Stromspannung absinkt. Komfortabel, wenn die Box am anderen Ende des Reisemobils in der Garage steht.
  • Ein klappbarer Ständer für Kühlboxen hält das gute Stück vom Boden weg, und man muss sich nicht mehr nach dem Mineralwasser bücken.
  • Kühlakkus für Passivboxen und Kühltaschen gibt es in Verbrauchermärkten schon ab 1,90 Euro. Ideal ist es, davon einen ganzen Pack zu besitzen und wechselweise zu verwenden.
  • Einfache Thermometer für Passivboxen und Taschen gibt es im Fachhandel ab 1,95 Euro.
  • Kunststoffdosen, um Gemüse von Wurst von Käse zu trennen. Praktisch sind stapelbare Boxen, rechteckige nutzen die Ecken gut aus, und alles bleibt sauber sortiert. Gut bewährt haben sich Serien mit rundum hermetisch verschließbaren Deckeln, die nicht auslaufen können.
  • Ein Aktivkohlefilter reduziert Muffelgerüche und sorgt für Sauberkeit.
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