Deutschland erFahren – Nordhessen von Inge Gaebel
Unser „Deutschland-erfahren-Team“
Inge und Mali
On Tour: Inge und Mali im Knaus BoxStar Solution relax.

On Tour: Inge und Mali im Knaus BoxStar Solution relax.

Darf ich vorstellen?
Dies ist Mali – Arbeitstitel „Frau Malinski“, von Beruf Haus- und Familienhund.
Sie ist eine Kreuzung aus Australian Shepherd und Sheltie. Ihre Hütehund-Abstammung ist nicht nur an ihrer Collie-Kopfhaltung gut zu erkennen, sondern auch an ihrem Jagd- und Wach-Verhalten. So schlägt sie bellend an, wenn nachts ums Wohnmobil Betrieb ist – ich bin froh darüber!
Die junge Dame ist knapp dreieinhalb Jahre alt, sehr gelehrig und lernt auch gerne mal ein wenig Unsinn, wenn ich nicht aufpasse. Mali begleitet mich auf fast allen Wohnmobilreisen und hat sich seit ihrem ersten Tag im Mobil den Platz zwischen den Vordersitzen als ihr persönliches Zuhause erkoren. Dort liegt nun also ihre Decke, weiter hinten stehen Fressnapf und ein bremstauglicher Wassernapf. Es soll ja nichts herausschlabbern, wenn es mal drauf ankommt. Mali ist ein Garant für Kontakte unterwegs: Hundefreunde sind kontaktfreudig, sprechen sich gerne an, und daraus haben sich schon die tollsten Gespräche entwickelt. So hilft sie mir bei der Arbeit.

Unterwegs im Fachwerkland
Endlich bekomme ich „meinen“ Wagen übergeben und packe fix alles Erforderliche ein. Viel benötige ich ja nicht, bin ich doch früher häufig mit dem Rucksack verreist. Ich weiß also, was man eher weglässt als einpackt. Trotzdem wird es dann doch eine ganze Menge: Bettzeug, Küche, Bücher, PC und Hundetasche für Mali wollen mit. Nordhessen ist im Hinblick auf das Wetter gerne mal kühl und heißt nicht umsonst Hessisch-Sibirien – und so müssen Pulli, Regenjacke und Wanderschuhe auch noch ins Mobil. Von wegen wenig! Im Relax passt alles gut in die Schränke, auch die Hundetasche findet ihren Platz. So, jetzt noch den Kühlschrank füllen, und los geht’s. Der sechs Meter lange Kastenwagen hat hinten ein Querbett mit ordentlicher Matratze und eine geräumige Küche. Diese kommt mir gut zupass, koche ich doch leidenschaftlich gerne. Es lacht mich ein Drei-Flammen-Kocher an, die Glasabdeckung ist geteilt, und so habe ich neben dem Topf für meinen Kaffee erstaunlich viel Arbeitsfläche. In Fahrtrichtung Mitte wurde eine Duschlösung mit zwei Halbschalen gefunden, die zusammengeschoben nicht nur eine geräumige Dusche ergeben, sondern auch die Abtrennung zu Bett und Wohnraum darstellen, wenn das WC benutzt wird. Dieses ist durch den Radkasten leider ziemlich hoch montiert, also etwas für Menschen mit langen Beinen. Natürlich muss nach einer Dusche erst einmal alles trocken gelegt werden, doch dann kommt die Abdeckung wieder auf die Duschtasse, die dank dreier Abläufe wirklich schnell leer ist. Alles ist also praktisch eingerichtet, aber ein wenig zu eng in der Bedienung.
Die aktuelle Tour führt mich durchs nördliche Hessen, und ich bin überrascht, wie vielfältig hier Landschaften, Dörfer und Menschen sind. Hier kreuzen sich Märchen- und Fachwerkstraße, die Ferienstraße Alpen-Ostsee, dazu noch die deutsche Alleenstraße … kein Wunder, dass ich die ursprünglich geplante Tour nicht schaffen werde. So viele kleine, wunderschöne Orte und Begebenheiten lassen dies einfach nicht zu, und so entschließe ich mich, die eigentliche Route über den Haufen zu werfen und mich treiben zu lassen. Das hat sich in all den Jahren des Wohnmobilreisens sowieso am besten bewährt: Einfach drauf los fahren, vorher nur eine grobe Richtung auf dem Plan, alles Weitere findet sich schon.
Nun sind wir hier ja im Märchenland; ich stolpere auf dieser Tour also allenthalben über Bilder, Darstellungen und Geschichten. Eine Schlüsselfigur ist dabei Dorothea Viehmann, die eine der wichtigsten Quellen für die Gebrüder Grimm war. Ihr hugenottisch-französischer Ursprung erklärt, warum viele unserer Hausmärchen denen aus Frankreich so ähneln.
Zum Start gibt’s also eine Stippvisite in Kassels Brüder-Grimm-Museum (Schöne Aussicht 2, 34117 Kassel), und dann geht es hoch zum Bergpark Wilhelmshöhe. Dieser ist seit 2013 UNESCO-Welterbe, und seither sind die Parkplätze mehr als knapp. Mit Touristen aus aller Welt und Mali an der Leine folge ich dem Lauf des Wassers durch die künstlich angelegten und doch natürlich aussehenden Läufe bis zur alles krönenden Fontäne.

Tour-Tipps Teil 1
Weihnachtsmarkt in Fritzlar
Die Dom- und Kaiserstadt lädt alljährlich zum Weihnachtsmarkt am zweiten Adventswochenende ein. Auf dem Marktplatz tummeln sich Menschen, die das gemütliche Ambiente in der historischen Kulisse genießen, gerne etwas Leckeres essen und einen Glühwein trinken: Zum Stellplatz ist’s nicht weit! Der Nikolaus kommt auch.
Infos: www.fritzlar.de


Nationalpark Kellerwald
Auf der Südseite des Edersees lockt der Nationalpark Wanderer und Naturfreunde. Das UNESCO-Weltnaturerbe „Alte Buchenwälder Deutschlands“ ist mehr als sehenswert. Verschiedene Veranstaltungen für Kinder und Erwachsene. In Verbindung mit dem nahegelegenen Tierpark lässt sich hier vieles erleben.
Infos: www.nationalpark-kellerwald-edersee.de

Fritzlar
Insgesamt zieht es mich aber raus aus der Großstadt, und so erreichen wir in einer knappen halben Stunde das schmucke Fachwerkstädtchen Fritzlar. Auf den ersten Blick eine kleine, etwas verschlafene Kleinstadt, finde ich auf den zweiten ein Kleinod mit vielen Details. Dominiert wird sie vom sogenannten Dom, der korrekt bezeichnet eine Basilika Minor ist. Der englische Mönch Bonifatius begründete hier bereits 723 eine erste Kirche. Der Legende nach fällte er eine dem Volk der Chatten heilige Donar-Eiche – in ihrem Glauben der Sitz des Wetter- und Donnergottes. Dass diesem Frevel weder Blitz noch Donner folgten, überzeugte die Germanen von der neuen, christlichen Religion, und so entwickelte sich hier ein religiöses Zentrum von einem ersten Kloster ausgehend. Unter Karl dem Großen wurde Fritzlar schon bald als Kaiserpfalz genutzt, war es doch perfekt gelegen: Gemäßigtes Klima, fruchtbare Lößböden, Wiesen und Wälder, mehr als zwanzig Quellen, dazu der Eder-Fluss, Goldvorkommen und ein Netz von Handels- und Pilgerwegen – auch heute kann man noch den Jakobsweg nach Santiago de Compostela hier beginnen. Kamen Kaiser und Gefolge zum Tagen, Regieren und Recht sprechen, so mussten die ansässigen Adligen für deren Versorgung geradestehen. Sie waren oft froh, wenn die vielhundertköpfige Gefolgeschar endlich wieder abreiste, damit das Land nicht ausblutete. In den folgenden Jahrhunderten festigte sich die Position der Kirche schnell, ein erstes Benediktiner-Kloster garantierte die Bildung der adligen Söhne, das fruchtbare Land versorgte seine fleißigen Bewohner reichlich, und so entstand eine solide, reiche und gebildete Struktur.
Ich laufe nun durch die Gassen und kann mir dabei gut vorstellen, wie an Markttagen die Händler rege feilschen, noble Damen von Stand zu Stand gehen, hier ein zerlumptes Kind einen Apfel klaut, dort zwei Studenten mit einem Mönch diskutieren. Nebenan preist ein Pferdehändler das gute Gebiss und die kräftigen Muskeln seines Tieres, und ich höre schon fast den Lärm des geschäftigen Treibens.
Gretel Flemming, in der Rolle der reichen Ehefrau eines Tuchhändlers, führt mich mit einer kleinen Gruppe im Rahmen einer Stadtführung in „betuchter“ Garderobe und mit schwerem Goldschmuck behangen in alte Zeiten zurück. Die junge Rentnerin ist höchst aktiv, seit sie sich aus dem Berufsleben zurückgezogen hat: Ehemals in der Pharmaindustrie tätig und weit gereist, macht sie heute Stadtführungen und engagiert sich an der Fritzlarer Tafel.
Sie vermittelt uns anschaulich den durch den Grundsatz „ora et labora“ (bete und arbeite) begründeten Reichtum von Kirche und Stadt. Sie erklärt, dass die jungen Söhne der Adelsfamilien irgendwann nur noch ungern als Mönch ein einfaches Leben führen wollten und dass die Stadtväter dann den Begriff der „Chorherren“ ins Leben riefen. Sie waren der Kirche nahestehende Adlige, hoch gebildet, und sorgten als Ärzte, Juristen oder Techniker für das Wohl der Stadt. Ja, Fritzlar ging es gut, und die große Anzahl an Schulen zeugt bis heute von einem hohen Bildungsstandard. Natürlich zog all dieser Reichtum auch den Neid anderer Völker auf sich. So musste die Stadt Überfälle der Sachsen über sich ergehen lassen und gehörte fast 800 Jahre zum Erzbistum Mainz.
Den zweiten Weltkrieg überstand Fritzlar zwar bombenlos, wurde aber bei der Sprengung der Edersee-Staumauer 1943 durch die Wassermassen massiv beschädigt. Heute hat Fritzlar eine stabile Infrastruktur durch Arbeitgeber wie Südzucker und Hengstenberg sowie das nahe gelegene Baunataler VW-Werk und hat sich dabei seinen historischen Charme bewahrt.
Vor dem Rathaus treffe ich auf die Schauspielerin Ingrid Steeger, die mit ihrem Yorkshire-Terrier auf Tour durch die Stadt ist. Beim Fototermin auf dem Marktplatz bietet sie sympathisch an, das Hundewasser zu teilen, und so schlabbern Eliza und Mali entspannt nacheinander das Wasser aus. Auch ich finde auf dem Marktplatz einen Stuhl in einem Café, und anschließend geht es weiter Richtung Edersee.

Am Edersee
Das Tal öffnet sich, und man ahnt in dem breiter werdenden Becken schon den nahen Edersee. Stuten grasen mit ihren Fohlen auf Pferdeweiden, das gelb werdende Korn strahlt mit der Sonne um die Wette. Für uns geht es an der Staumauer vorbei und „unten herum“ Richtung Bringhausen. Gegenüber thront Schloss Waldeck majestätisch über dem See. Am Wasser ist richtig viel Betrieb: Auf dem See all die Segler, Kanuten und Surfer, die sich vom noch kühlen Wasser nicht abschrecken lassen und die frische Brise nutzen, um sich auszutoben. Am Ufer Fahrradfahrer, Gruppen von Motorradfahrern, eine geführte Segway-Tour, Wanderer. Spielplätze und ein Beachvolleyballfeld finden sich direkt am Wasser. Von dort aus geht es wieder in die bergige Landschaft nach Hemfurth zu Baumwipfelpfad und Kletterpark (Brühlfeld 1, 34549 Hemfurth). Gleich um die Ecke befinden sich noch der Wildpark und die Greifenwarte, beides sehr sehenswert. Die Wölfe im Wildpark haben es mir besonders angetan.
Der Parkplatz des Baumwipfelpfades ist ganz nach meinem Geschmack für eine Übernachtung: Mutterseelenallein, ein weiter Blick ins grüne Tal, am Rande des Edersees. Mali kann frei herumlaufen und ihrem Laster, der Mäusejagd, frönen, ich sitze mit meinem Buch, Käse und Wein dick eingemummelt vor dem Reisemobil, schmökere und genieße die Umgebung.
Ein kühler Morgen zieht herauf, der Himmel ist bedeckt, die Luft klar. Nach dem Frühstück wird Schusters Rappen geschnürt, und wir ziehen auf dem Wanderweg durch den Urwald des Kellerwaldes. Naturpark, Nationalpark, ein ganzer Teil davon sogar Weltnaturerbe: Buchenwälder wachsen hier auf Schiefer und Grauwacke und erfüllen das Herz des Wanderers mit Freude. Märchenhafte Ausblicke, Steinformationen, verwunschene Nischen, dazu sattes Grün rundherum – Erholung pur. Abschließend gönne ich mir noch einen Blick von Burg Waldeck auf den See, doch dann verscheucht uns der einsetzende Regen, wir fahren weiter.

Tour-Tipps Teil 2
Märchenhaus in Alsfeld
Hier wird man in die Welt der Märchen, Sagen und Legenden entführt. Eine Märchenerzählerin versetzt einen an all die bekannten magischen Orte und entführt in eine mystische Welt. Rotkäppchen, Wolf, Prinzen und Prinzessinnen lassen grüßen.
Infos: www.alsfeld.de


Thermalbad in Herbstein
Über 30 Grad Celsius warm ist das Wasser in der kleinen, aber feinen Therme. Nebenan ist ein sehr gepflegter Stellplatz für 6,– beziehungsweise 10,– Euro, je nach Fahrzeuglänge. All das liegt im Grünen, Wander- und Radwege inklusive. Hier kann man die Seele baumeln und es sich gut gehen lassen.
Infos: www.herbstein.de

Schwalm-Eder-Kreis
Klein und überschaubar, sehr ländlich und besonders reizvoll geht es nun durch die Schwalm. Im Englischen würde man eine solche Landschaft „rolling hills“ nennen, die den Reisenden Kurve um Kurve und von Tal zu Berg zu neuen Ausblicken führt. Sanft rollen also die Hügel, und immer wieder öffnet sich der Blick über fruchtbare Felder und kleine Wäldchen, hin zum nächsten Dorf mit seinen Fachwerkhöfen, dem Kirchlein und netten Plätzen. Begegnungen aller Art sind hier inklusive: Ein netter Mitmensch weist den Weg zum Fiat-Service, zwei gut gelaunte Damen mit Walkingstöcken halten an für ein Schätzchen, in einer Metzgerei diskutieren wir die Rezepturen der Schwälmer Wurstwaren. Ein Dorf ist hübscher als das andere, gemütliche Cafés, viel Handwerk, große und kleine Höfe prägen das Bild.
Eine Empfehlung führt mich nach Willingshausen, eine der ältesten Künstlerkolonien in Europa. Hier hatte sich bereits 1814 der Aquarellist Gerhardt von Reuter zeitweilig niedergelassen, um schwere Verletzungen auszukurieren. Er verliebte sich in die Landschaft, das Leben und die farbenfrohen Trachten der Schwälmer. Immer wieder kam er zurück und zog andere nach sich: Einen jüngeren Bruder der berühmten Grimm-Brüder, Jacob Fürchtegott, Ludwig Knaus, Carl Bantzer. Viele weitere folgten im Laufe der Jahre, und so kamen über einen Zeitraum von rund 100 Jahren Maler und deren Schüler Sommer für Sommer in den kleinen Ort. Motive waren immer wieder die reizvolle Landschaft und das bäuerliche Leben bei Festen und im Alltag. Auch wenn heute die einheitliche Kolonie in dieser Form nicht mehr aktiv ist, trägt die Tradition bis heute: Seit 1996 erhalten in Willingshausen alljährlich zwei Studenten ein Stipendium für Malerei.

Ziegenhain
„So fest wie Ziegenhain“ stand für zwei Jahrhunderte sprichwörtlich für die Uneinnehmbarkeit dieser Wasserfestung. In einem unregelmäßigen Viereck bereits im 16. Jahrhundert erbaut und von Wallgräben umgeben, ist sie heute europaweit die einzige Wasserburg aus dieser Zeit, die noch geflutet werden kann. Erst in diesem Frühjahr beging die Stadt ihre 450-Jahr-Feier mit historischen Kostümen, Festzug, vielen Aktionen und einer großen „Tafeley“ in der napoleonischen Reithalle.
Hübsche Gassen mit liebevoll renovierten Fachwerkhäusern führen zum zentralen Platz innerhalb der Festung. Wie immer parke ich „Loge“, hier direkt auf dem Paradeplatz, nehme Mali an die Leine und schlendere durch die Stadt. Die Justizvollzugsanstalt am Platz ist im normalen Leben sehr präsent. Bekannt wurde sie 1993 durch einen spektakulären Ausbruch. Der Freund eines Häftlings hatte aus der nahegelegenen Kaserne mit einem VW-Golf-Schlüssel einen Panzer aus der Kaserne entwendet und mit dessen Hilfe vier Tore der Ziegenhainer JVA niedergewalzt. Im Hof des Gefängnisses, das eigentlich die höchste Sicherheitsstufe innehatte, nahm er seinen Freund und ehemaligen Mithäftling auf, und es gelang ihnen die Flucht Richtung Alsfeld. Erst Monate später konnte der befreite Mörder wieder gefasst werden.
Für mich hingegen stellt sich Ziegenhain höchst friedlich dar. Der Paradeplatz liegt in der Sonne, auf der anderen Seite sitzt eine Wandergruppe und tafelt. Die große Gruppenbank dafür hat die Stadt neben vier weiteren im Stadtgebiet verteilt aufgestellt und bietet damit Radlern und allen Vorbeikommenden Gelegenheit, Pause von ihrer Fahrt zu machen. Das eigene Picknick darf verzehrt werden, es wird allerdings gerne gesehen, wenn die Getränke von der Gastronomie genommen werden. Ich genieße einen leckeren Espresso bei „La Copa“, einem spanischen Café und Weinstube mit Konzertangebot, Flamenco und Livemusik. Dann folge ich dem Tipp der sympathischen Wirtsleute und klingele nebenan beim Dekanat. Obwohl es zeitlich gar nicht passt, führt Dekan Christian Wachter mich auf den Turm „seiner“ Kirche. Steile Stiegen geht es aufwärts, vorbei an den Glocken des Turms, der Dachstuhl duftet nach dem trockenen Holz des Gebälks. Endlich sind wir oben und haben einen atemberaubenden Blick über den Paradeplatz und weit in die Umgebung hinein. Malerische Fachwerkhäuser zur einen Seite stehen in Gegensatz zum Blick in die Justizvollzugsanstalt auf der anderen. Blitzblank liegt die Stadt einem zu Füßen. Der Dekan nimmt sich Zeit, und wir kommen rasch in eine Diskussion über ethische und moralische Werte, Fundamentalismus und die Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen den großen Religionen. Ich lerne, dass hier in Ziegenhain mit der Kirchenzuchtordnung von 1539 die evangelische Konfirmation eingeführt wurde. Mit ihr wurde ein Kompromiss geschaffen, der nach Einführung der Reformation für eine Wiedereinbindung von Anhängern der Erwachsenentaufe in die reformierte Kirche sorgte.

Trutzhain
Im Nachbarort Schwalmstadt-Trutzhain erwartet mich ein anderes Denkmal deutscher Geschichte, diesmal aber nicht malerisch und nicht erfreulich – aber eben auch Teil dieser Region. Eine Gedenkstätte zeigt das Kriegsgefangenenlager, wo unter erbärmlichen Zuständen unzählige Menschen hausten und geschunden wurden. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte sich dies fort, erst als Internierungslager für Wehrmachtssoldaten, später als Übergangslager für ausreisende Vertriebene – ständig überbelegt, eiskalt und mit schlechtesten hygienischen Bedingungen. Besonders beeindruckt mich eine Tafel, die einerseits die kaum mögliche Kommunikation zwischen Ortsansässigen darstellt und andererseits auch zeigt, dass es Menschen gab, die den Verlorenen und Vertriebenen mit einem Kanten Brot oder einem Kleidungsstück weiterhalfen. Wenigstens das. Inmitten all der Pracht und den hübschen Fachwerkdörfchen ist dieser Fleck das genaue Gegenteil. Ich ziehe mit ziemlich gedämpfter Laune weiter.

Malis Fazit
Frau Malinski zieht ein erstes Resümee.

Frau Malinski zieht ein erstes Resümee.

Bei der Nordhessentour fand sie anders als ich Stadtführungen eher nervtötend und musste anschließend lange schlafen. Geht es aber durch Kellerwald und Vogelsberg und überall sind Geräusche, Bewegungen und Gerüche, dann ist sie glücklich, rennt mit Ausdauer über Stock und Stein, springt über Gräben und in Bäche – besser könnte es nicht sein! Außer vielleicht noch, wenn Frauchen die geliebte Frisbeescheibe wirft oder im Napf nicht nur das langweilige Trockenfutter ist, sondern Ei und Joghurt noch dazu. Dann ist die Hundewelt in Ordnung.

Alsfeld
Die Pfortenstadt zum Vogelsberg empfängt mich dann aber wieder mit einem perfekten Parkplatz in der Innenstadt, auf dem ich sogar übernachte. Im letzten Büchsenlicht drehen wir unsere abendliche Abschlussrunde und erfreuen uns an einer Unzahl von schön hergerichteten Fachwerkhäusern. Wir treiben ziellos durch die Stadt und genießen die nächtliche Stille. Am nächsten Morgen gibt es Frühstück in einem kleinen Café, von dort aus geht es auf den Markt, der Lammfelle, Honig und manches mehr bietet. Am Stand des Imkers Dieter Ingbert entspinnt sich eine kleine Fachsimpelei über Bienen, Honigproduktion und die Probleme mit der Bienenmilbe Varroa, die ganze Bestände bedroht. So lerne ich etwas über Bekämpfungsmethoden, welche die Völker nicht schädigen und keinen Einfluss auf die Qualität des Honigs haben.
Gleich am Rande des Marktes zieht mich ein Buchladen in seinen Bann. Bücher über Bücher, dicht an dicht, wir kommen kaum durch. Hier kann ich natürlich nicht ohne einen Kauf fortgehen, und so finde ich auch einen Krimi, der im Vogelsberg spielt.
Zur letzten Etappe zieht es mich in die Höhen des Vogelbergs. In Lauterbach bleiben Mali und ich auf dem Obst- und Gemüsemarkt hängen, genießen das Flair des Fachwerkstädtchens, probieren mal hier, mal dort, und so bleibt leider keine Zeit mehr für die Besichtigung weiterer Ecken des Ortes. Sehr erfreulich ist, dass Lauterbach seinen Stellplatz kostenfrei anbietet. Er ist gepflegt, und wie immer kommt es auch dort zu Begegnungen mit netten Menschen.
Zum Abschluss der Reise gönnen wir uns eine Wanderung am Biotop der Schalksbach-Teiche bei Lautertal. Vogelsichtungen und eine herrliche Stimmung über den Seen lohnen die Tour. Ermattet zieht es mich dann noch in die nur wenige Kilometer entfernte Vulkantherme Herbstein. Sauna und warmes Wasser entspannen alle Muskeln, und ich bin froh, dass ich nur die paar Meter bis zum Stellplatz laufen muss, bevor ich ins Bett falle.
Nordhessen zeigte sich als erstaunlich vielfältig. Perfekt für Sportler aller Art ist auch für kulturell Interessierte allerhand zu besichtigen. Reisende mit Kindern und Enkeln kommen genauso auf ihre Kosten wie Ruhesuchende. Apropos Kosten: Das Preisniveau ist angenehm niedrig, egal ob im Museum oder Restaurant. Sicherheitshalber sollte man eine Regenjacke im Gepäck haben, Wanderschuhe sind für Bewegungsfreudige von Vorteil. Ansonsten genügen Neugier und gute Laune.

Reisemobil-Stellplätze
WOMO-Park Seeblick
Güldener Ort 12 · D-34513 Waldeck
GPS: 51°12‘11“ N/09°03‘02“ O
www.erlebnis-seeblick.de
10 Stellplätze bis 12 Meter, 10 Euro/Mobil
Strom, WC, Sanitärraum, WLAN, Stellplätze an der Uferpromenade, Gaststätte/Hotel am Platz, Fahrradverleih, Hunde erlaubt.


Wohnmobilstellplatz Hemfurth am Edersee
Kraftwerkstraße · D-34549 Hemfurth
GPS: 51°10‘12“ N/09°03‘03“ O
15 Stellplätze bis 12 Meter, 6–10 Euro/Mobil (je nach Länge)
Sani-Station 3 in 1, teilweise Schatten unter Bäumen, Gaststätten ab 500 Meter Entfernung.


Parkplatz Edersee
Bringhäuser Straße · D-34549 Edertal (Bringhausen)
GPS: 51°10‘20“ N/09°00‘26“ O
2 bis 3 Stellplätze, kein Service.


WOMO-Platz Rehbachteich
kleiner Parkplatz am Edersee · D-34549 Rehbach
GPS: 51°11‘02“ N/09°01‘35“ O
30 Stellplätze, 6 Euro/Mobil bis 8 Meter, 10 Euro/Mobil über 8 Meter, kein Service, Gaststätten ab 150 Meter Entfernung.


WOMO-Platz am Schwalmstadion
Zwalmstraße 1 · D-34613 Schwalmstadt
GPS: 50°54‘52“ N/09°11‘36“ O
10 Stellplätze bis 10 Meter, max. vier Tage, Wasser 1 Euro, sonst kein Service, Entsorgungsanlage an der Feuerwache, 10 Minuten zur Ortsmitte.


WOMO-Platz Sportanlagen-Freizeitgelände
Fünftenweg 36 · D-34613 Schwalmstadt (Ziegenhain)
GPS: 50°55‘03“ N/09°14‘45“ O
10 Stellplätze bis 10 Meter, kostenlos, kein Service, VE am Bauhof: An der Feuerwache 12, Frei- & Hallenbad nebenan.


WOMO-Platz Frankenberg
Teichweg 3 (neben Ederberglandhalle) · D-35066 Frankenberg/Eder
GPS: 51°03‘21“ N/08°48‘04“ O
4 Stellplätze, kostenlos, geschottert und beleuchtet, max. zwei Nächte, Strom 0,5 kWh 1 Euro, Wasser (01.04.–01.10.) 25 Liter 1 Euro, Entsorgung, Gaststätten, historischer Stadtkern, wunderschönes altes Rathaus in 300–500 Metern Entfernung. Im Umkreis von 100 Metern befinden sich Einkaufsmöglichkeiten, Frei- & Hallenbad, Minigolfplatz, Beachvolleyball und ein Park mit See. „Camping-ähnliches Leben“, wie das Aufhängen von Wäsche, offenes Grillen und Kochen ist nicht gestattet.
Achtung: Vom 12.–15.09.2014 geschlossen!


WOMO-Platz Alsfeld Erlenstadion
Fulder Weg – am Stadion Piktogramm folgen · D-36304 Alsfeld
GPS: 50°44‘54“ N/09°16‘45“ O
20 Stellplätze, 5 Euro/Mobil, ganzjährig, max. drei Tage, VE-Sani-Station, Strom 0,50 Euro pro kWh, historische Altstadt 300 Meter entfernt, viele Gaststätten in der Nähe.


Stellplatz Bleiche-Festplatz
Festplatz · D-36341 Lauterbach
GPS: 50°38‘18“ N/09°24‘10“ O
3 Stellplätze, gratis, Holliday Clean in der David-Eifert-Straße, Direkt am idyllischen Ufer der Lauter in unmittelbarer Altstadtnähe sind 5 geschotterte Stellplätze ausgewiesen.


WOMO-Platz Herbstein bei der Vulkan Therme
Zum Thermalbad · D-36358 Herbstein
GPS: 50°34‘07“ N/09°20‘47“ O
16 Stellplätze, 5 Euro/Mobil bis 9 Meter, VE, Strom, Wasser, WC.

Das Reisemobil
Der Knaus BoxStar Solution Relax birgt viel Stauraum und ist wendig.

Der Knaus BoxStar Solution Relax birgt viel Stauraum und ist wendig.

Gemütlicher Kastenwagen
Hier kommt der Knaus BoxStar Solution relax. Dem Namen „relax“ folgend ist dieses Kompaktfahrzeug entspannt zu fahren und zu bewohnen. Ein breites Heckbett mit eher fester Matratze lädt auch zu einem Mittagsschläfchen ein. Viele Staufächer sorgen für Ordnung. Ideal in der Nutzung zu zweit, lässt sich aber auch eine dritte Person mitnehmen, wenn man die Halbdinette mit dem Zusatzpolster zum Bett umbaut.
Infos: www.knaus.de


Basisfahrzeug Fiat Ducato 250, 2,3 l Multijet 150
• Hubraum/Leistung: 2.287 ccm | 109 kW/150 PS
• Außenmaße L x B x H: 599 x 205 x 282 cm
• Heckbett: 1.940 x 1.570/1.460 mm
• Fahrtsitzplätze: 4, Schlafplätze: 3 (bis zu 5 möglich)
• Tech. zul. Gesamtmasse: 3.500 kg
• Masse in fahrber. Zustand: 2.980 kg

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