Städte-Tour – Oslo von Johannes Kühner
Touristinfo
Fridtjof Nansens plass 5 · NO-0160 Oslo
(Eingang Roald Amundsens gate)
Tel. 0047-81530555
www.visitoslo.com

Hier soll einmal eine Werft gewesen sein? Wenn dem so ist, haben die Stadtplaner gute Arbeit geleistet. An eine Werft erinnert hier nichts mehr; wo früher Maschinen geröhrt haben müssen, erklingt heute nur noch das leise Klimpern von Metallringen an den Masten von Segelschiffen, vertäute Motorboote schaukeln im Wasser, und der Holzsteg der Uferpromenade ist gesäumt von Menschen bei ihrem Abendspaziergang. Mancher gönnt sich ein Dinner oder besorgt ein Mitbringsel in einer Boutique. Rund 70 Läden und fast 50 Restaurants und Cafés haben sich auf dem ehemaligen Gelände der Werft angesiedelt und das Viertel Aker Brygge zu einer der Top-Attraktionen in Norwegens Hauptstadt gemacht.
Aber auch an anderer Stelle bewiesen die Stadtplaner das richtige Gespür für Außergewöhnliches. Seit April 2008 hat nicht mehr nur Sydney eine weltberühmte Oper direkt am Wasser, sondern auch Oslo – und diese ist nicht minder spektakulär. In Form eines Eisbergs schmiegt sie sich ans Wasser, erbaut aus teurem italienischem Marmor. Und das Prinzip „Gucken, nicht anfassen“ haben die Architekten einfach mal geflissentlich ignoriert: Wer die Norweger Oper besucht, der darf zu Fuß über ihre Flanken spazieren und dem Gebäude sprichwörtlich aufs Dach steigen.
Von dort eröffnet sich ein Blick auf die Stadt – und zeigt: Oslo gelingt es vortrefflich, diese modernen Bauten ins teils mittelalterliche Stadtbild zu integrieren. Da wäre beispielsweise die Festung Akershus direkt am Ufer des Oslo­fjords, einst zur Verteidigung der Stadt errichtet. Oder die Sprungschanze Holmenkollen – die älteste der Welt –, die wie eine Zunge über den nahegelegenen Berg ragt. Oder das Königliche Schloss aus dem Jahr 1836, auf dessen Balkon sich Kronprinzessin Mette Marit und Kronprinz Haakon nach ihrer Hochzeit vor mittlerweile 13 Jahren geküsst haben.
Wichtigste Straße: Karl Johans Gate
Das Königliche Schloss bildet den Abschluss von Oslos wichtigster Straße: der Karl Johans Gate. Bevor es Aker Brygge gab, war diese Einkaufsstraße der Haupt-Treffpunkt für Einheimische wie Touristen – abgesehen vom Viertel Grünerløkka, das allerdings bis heute einen alternativen Touch bewahrt hat wie Kreuzberg in Berlin oder das Schanzenviertel in Hamburg. Kein Wunder, stehen auf einer Länge von nur 1.500 Metern entlang der Karl Johans Gate doch unzählige Sehenswürdigkeiten: das Schloss, das Parlamentsgebäude, die Nationalgalerie, die Universität, ein imposantes Grand Hotel und der Dom.
Bis zum Rathaus sind es ebenso nur ein paar Schritte, und diesen Abstecher über die Roald Amundsen Gate sollten Oslo-Besucher unbedingt machen – denn das Rathaus mit einem Hauptgebäude und zwei Türmen prangt nicht nur monumental im Stadtbild und begeistert mit seinem Glockenspiel sowie den Fresken im öffentlich zugänglichen Rathaussaal. Es ist auch von geschichtlicher Bedeutung, weil es für die Unabhängigkeit von Schweden steht. Und: An diesem Ort wird jährlich zum Todestag von Alfred Nobel am 10. Dezember der Friedensnobelpreis verliehen. Mehr als 620.000 Menschen nennen Oslo ihr Zuhause. Wer sie vom Wasser aus besuchen kommt, nähert sich ihnen per Fähre über den 180 Kilometer langen Oslofjord. Fast so, als hätte die norwegische Hauptstadt sich einen roten Teppich ausgelegt und genösse es, schon bei der Anfahrt bestaunt zu werden.


Oslo Pass & Oslo Apps
Der Oslo Pass beinhaltet freien Eintritt zu mehr als 30 Museen und Attraktionen. Kostenloser Transfer mit dem öffentlichen Nahverkehr sowie gebührenfreies Parken auf städtischen Parkplätzen und vielen weiteren Vergünstigungen.


Oslo – Official City App: Informationen zu Attraktionen, Restaurants, Veranstaltungen und Transport. Funktioniert auch ohne Daten-Roaming.


Infos zur Pass & Apps: www.visitoslo.com

In der Stadt
Drei Ringstraßen umspannen das Zentrum von Oslo. Es herrscht Mautpflicht (die Abrechnung kommt automatisch per Post). Wer bequem reisen möchte, steigt auf den Nahverkehr um: U-Bahnen, Straßenbahnen, Busse und Fähren erschließen Stadt und Umland. Ticket am besten vor Fahrtantritt lösen – das ist günstiger. In der kompakten Innenstadt geht’s am schnellsten zu Fuß oder mit dem Fahrrad voran – zum Beispiel mit einem Stadtrad von Citybikes (Ausleihscheine in der Touristinfo). Für rund 50 Euro gibt es den Oslo Pass: Mehr als 30 Sehenswürdigkeiten sind damit kostenlos – und auch der Nahverkehr sowie städtische Parkplätze.
www.visitoslo.com


Rundgänge
Zum Preis einer normalen Fahrkarte – und mit dem Oslo Pass sogar kostenlos – geht’s mit einer Fähre zu den Inseln im Oslofjord. Insel-Hopping sozusagen. An Bord eines traditionellen Holzsegelschiffs führt die dreistündige Rundfahrt „Ein Sommerabend auf dem Fjord“ (Start um 19.00 Uhr) über das Wasser, Krabben-Buffet inklusive. Die Oslo Grand Tour (Start um 10.30 Uhr) wiederum dauert ganze sieben Stunden im Bus als auch zu Wasser und zeigt alle wichtigen Sehenswürdigkeiten. Tägliche Abfahrten vom Anleger 3 am Hafen vor dem Rathaus.
www.ruter.nowww.boatsightseeing.com


Sehenswertes
Schon von der Fähre ist die Sprungschanze Holmenkollen zu sehen. Von oben haben Besucher eine tolle Aussicht, außerdem sind dort ein Skimuseum (Kongveien 5) und ein Skisprung­simulator. Auf dem Gelände der Festung Akershus (Akershus festning) gehen mehrere Stunden wie im Flug vorbei. Grund sind die vielen Sehenswürdigkeiten auf dem Areal, etwa das Schloss Akershus. Bekannt durch die Verleihung des Friedensnobelpreises ist das markante Osloer Rathaus (Radhusplassen) im Stadtzentrum mit seinen zwei Türmen und prächtigen Wandgemälden in der Rathaushalle.
www.holmenkollen.com | www.radhusets-forvaltningstjeneste.oslo.kommune.no | www.visitoslo.com


Museen
„Der Schrei“ gehört wohl zu den bekanntesten Gemälden der Welt. Sein Erschaffer, Edvard Munch, hat in Oslo gelebt, und ihm widmet die Stadt ein Museum (Tøyengata 53). Auch das Astrum Fearnley Museum (Strandpromenaden 2) zeigt Hochkaräter wie Andy Warhol, Gerhard Richter und Francis Bacon. Mit der Herrschaft der Wikinger beschäftigt sich das sehenswerte Wikingerschiffsmuseum (Huk aveny 35) inklusive Osebergschiffs aus dem Jahr 820 und anderer Fundstücke aus jener Zeit. Und das Nobel-Friedenszentrum (Radhusplassen) dokumentiert die Ideen aller Preisträger.
www.munchmuseet.nowww.afmuseet.no
www.khm.uio.no/vikingskipshusetwww.nobelpeacecenter.org


Skulpturenparks | In der Natur
212 Skulpturen von Gustav Vigelands machen den kostenlosen Frognerpark/Vigelandspark (Kirkeveien) zur meistbesuchten Attraktion Norwegens. Mehr als 40 Jahre lang arbeitete der Künstler an diesem Projekt. Ein Besuch im Park lohnt sich auch aufgrund der Vegetation, eines Freibads und Stadions. In der Nähe ist das Vigelands-Museum. Den Titel „größter Park Oslos“ hat sich der Ekebergpark gesichert. Auch dort: Skulpturen zeitgenössischer Künstler. Und ein Stein mit Felszeichnungen aus der Eisenzeit. Beide Parks eignen sich ideal zum Erholen.
www.vigeland.museum.nowww.ekebergparken.com


Karl Johans Gate & Akker Brygge
Eine Straße und ein neu gestaltetes Viertel sind die pulsierenden Zentren der Hauptstadt. In der 1,5 Kilometer langen Straße Karl Johans Gate liegt das nicht nur an den Einkaufsmöglichkeiten, sondern auch an mehreren Sehenswürdigkeiten. Prägend für das Straßenbild ist etwa das Parlamentsgebäude mit nordischen und italienischen Elementen, am Ende der Straße thront das königliche Schloss und mittendrin der Osloer Dom, in dem Kronprinzessin Mette Marit geheiratet hat. Und Akker Brygge? Auf diesem ehemaligen Werft-Standort reihen sich mehr als 100 Läden, Cafés und Restaurants aneinander – Blick auf die Festung Akershus inklusive.
www.visitoslo.comwww.akerbrygge.no


Spezialitäten
Wie doch der Tourismus die regionale Küche, sagen wir es freundlich, verdrängen kann! Dabei lohnt es sich, Burger und Baguette links liegen zu lassen und typisch Norwegisch zu essen. Zu empfehlen ist Flesk og duppe – gebratener Schweinespeck, dazu Kartoffeln und eine weiße Soße (Einheimische essen diese Spezialität am liebsten im Restaurant Schrøder in der Straße Waldemar thranes gate 8). Weiterer kulinarischer Höhepunkt sind Käseplatten, vor allem mit Ziegenkäse. Aber es muss ja nicht immer nur ums Essen gehen: Eine andere Form von Spezialität sind die warmen Norwegerpullis mit ihrem unverkennbaren Karomuster.
www.restaurant-schroder.no


Restaurants
Versteckt in einem Hinterhof verbirgt sich das Restaurant Kolonihagen (Frognerveien 33), das Menüs (bis zu sieben Gänge) mit Zutaten aus lokaler Produktion anbietet. Eine pfiffige Idee, um Gäste ins Gespräch zu bringen, hatte das Smalhans (Waldemar Thranes gate 10 a): Wer nach 18 Uhr kommt, entscheidet sich für ein Menü und teilt sein Essen mit allen anderen am Tisch. Und in der Mathallen (Maridalsveien 17) reihen sich Verkaufsstände und Restaurant aneinander. Seinen Einkaufskorb kann man nach einem Mittagessen gleich mit norwegischen Produkten füllen.
www.kolonihagen.nowww.smalhans.nowww.mathallenoslo.no


Cafés
Tolle Idee: Das Café Fuglen (Universitetsgata 2) ist vollgepackt mit allerlei Nippes. Kleinkram. Deko. Aus gutem Grund: Das Café macht nicht nur einen der besten Kaffees der Stadt, sondern bietet auch sein gesamtes Interieur zum Verkauf. Wem beispielsweise das Kaffeegedeck gefällt, kann es für sein eigenes Zuhause erwerben, ebenso wie Mobiliar, Lampen oder – wie eingangs erwähnt – allerlei Dekokram. In der Tea Lounge (Thorvald Meyers gate 33 B) stehen Teesorten aus der ganzen Welt auf der Karte. Zu ruhiger Musik und Feuer im Kamin stehen Spiele wie Backgammon oder Schach bereit.
www.fuglen.nowww.tealounge.no


Bars
Da sind die Betreiber eiskalt: Einlass ist nur zur vollen Stunde möglich, und nach 45 Minuten ist der Spaß vorbei. Welcher Spaß? Nun ja, da wären wir wieder beim „eiskalt“: Die Oslo Ice Bar (Kristian IV’s gate 12) besteht aus Eis. Um die Kälte auszuhalten, gibt’s eine warme Decke und Handschuhe, drinnen einen Cocktail, der im Eintrittspreis von rund 20 Euro inbegriffen ist. Wem der Sinn nach Bier steht, der hat in Oslo mindestens zwei Möglichkeiten. Zum Beispiel bei Olympen (Grønlandsleiret 15), wo es 100 Biersorten gibt, oder in der Crowbar (Torggata 32) – der größten Mikrobrauerei der Stadt.
www.icebaroslo.nowww.olympen.no


Buch-Tipp
Lina Nordmeer: „Move to Oslo“
Kein Reise-Handbuch, sondern ein Roman über zwei Frauen, die mit dem Wohnmobil nach Oslo fahren und neuen Wind in ihre Midlife-Crisis bringen wollen.
Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform
ISBN: 978-1477518670

Einkaufen
Norwegerpulli gefällig? Im pulsierenden Stadtteil Grünerløkka steigt jeden Sonntag von 12.00 bis 17.00 Uhr der Markt um den Club „Blå“ herum (Brenneriveien 9 C) – eine kleine Wohlfühloase für Liebhaber von selbstgemachten Stickereien, Malereien und Taschen sowie Keramik, Glas und ausgefallener Kleidung. Nahe des Vigelandsparks geht es auf den Flohmarkt bric-a-brac (Professor Dahls Gate, jeden Samstag von März bis Dezember). Oslos ältester Markt hat Küchenware, Kunst, Kleidung und Sammelstücke im Angebot.
www.sondagsmarkedet.blogspot.dewww.vestkanttorvet.wordpress.com


Straßenkunst
Holzhäuser sind typisch für die nordische Kultur. Solche Gebäude sind in Oslo allerdings immer weiter in den Hintergrund getreten – außer in den Straßen Dramstredet und Telthusbakken, unterhalb der Kirche Gamle. Dort wird das 18. Jahrhundert wieder lebendig – auch weil die Häuser nach wie vor bewohnt sind. Kunst am Bau könnte man das Wand-Relief „Die Fischer“ des Norwegers Carl Nesjar nach Zeichnungen von Pablo Picasso an einem Regierungsgebäude in der Straße Akersgata nennen. Mit einem Sandstrahler verewigte Nesjar das Bild auf der Betonfassade.


Mit Kindern 
Jede Menge Hokuspokus: Das Norwegische Museum der Zauberkunst (Munkedamsveien 65 B) ist zwar nicht sonderlich groß, aber bietet sonntags zwischen 13.00 und 16.00 Uhr eine große Show. Wer und was die Zauberei in den vergangenen 100 Jahren prägte, zeigt das Haus ebenso wie eine Live-Zaubershow um 14.00 Uhr. Eine tolle Idee ist das Kinderkunstmuseum (Lille Frøens vei 4), das Kindern aus mehr als 180 Ländern eine Plattform bietet. Die Sammlung will aber freilich auch vermitteln, wie unterschiedliche Kulturen sich auf künstlerische Weise ausdrücken. Dies wiederum ist auch für Erwachsene spannend.
www.tryllemuseet.nowww.barnekunst.no


Am Abend 
Eigentlich würde die Oper genauso gut in die Rubrik „Sehenswertes“ passen. Denn seit sie am 12. April 2008 eröffnete, ist die zuvor unansehnliche Bucht Bjørvika um ein Schmuckstück reicher. Das Gebäude aus Marmor in Form eines Eisbergs hat eine Aussichtsplattform – und einen großen Saal mit Platz für fast 1.400 Gäste. Dieser Ort bietet Klassik-Interessierten das passende Ambiente für Opern und Ballett – und allen anderen einfach einen schönen Ort zum Verweilen. Wem der Sinn nach anderen Klängen steht, kann sich in die Traditionsbar Blå (Brenneriveien 9) aufmachen und Jazzmusik hören.
www.operaen.nowww.blaaoslo.no


Umgebung
Rund 20 Kilometer südlich von Oslo lockt Norwegens größter Vergnügungspark TusenFryd mit 30 Attraktionen, darunter mehreren Achterbahnen und einem Wasserpark. Öffnungszeiten sind von April bis Oktober. Vor allem bei schönem Wetter lockt der 430 Quadratmeter große Wald Nordmarka, der im Norden der Stadt beginnt. Mit der Linie T-bane 3 gelangen Badegäste in diesem Wald an den See Sognsvann oder Wanderer zu einem der Pfade durch den idyllisch gelegenen Forst, beispielsweise eine Stunde bis zur Hütte Ullevålseter.
www.tusenfryd.nowww.visitoslo.com


Fazit
Wer Oslo besucht, der bekommt immer wieder gezeigt, dass diese Stadt
am Wasser liegt – und im (winterlich) kalten Norden. Bezüge zum kühlen Nass stellt beispielsweise die Oper in Form eines Eisbergs her, außerdem sind Schiffe für Touristen zwischen den Inseln vor dem Festland unterwegs. Vor allem das neue Flanierviertel Aker Brygge direkt am Ufer des Oslofjords zeigt, dass die norwegische Hauptstadt sich ihrer attraktiven Lage bewusst ist. Und wenn das Land nicht ganz so teuer wäre, würden auch die Spezialitäten in den ansprechenden Restaurants und Cafés noch besser schmecken.

Stell- & Campingplätze
Sjølyst Marina
Drammensveien 164 · NO-0273 Oslo
GPS: 59°55‘14.2“N/ 10°40‘30.2“O
Tel. 0047-0-91390982
www.bobilparkering.no
Im Westen der Stadt. Strom, V+E


Parkplatz Sprungschanze
Oberer Parkplatz
GPS: 59°57‘52.6“N/ 10°39‘59.8“O
SP gratis, VE


Bogstad Camping
Ankerveien 117 · NO-0766 Oslo
GPS: 59°57‘45.2“N/ 10°38‘37.7“O
Tel. 0047-0-22510800
www.bogstadcamping.no
Neun Kilometer ins Zentrum (Nahverkehrsanbindung)

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