Deutschland erFahren – Hessens Westen von Inge Gaebel
Unser „Deutschland-erfahren-Team“: Inge und Mali
On Tour: Inge und Mali im Knaus BoxStar Solution relax.

On Tour: Inge und Mali im Knaus BoxStar Solution relax.

Darf ich vorstellen?
Dies ist Mali – Arbeitstitel „Frau Malinski“, von Beruf Haus- und Familienhund.
Sie ist eine Kreuzung aus Australian Shepherd und Sheltie. Ihre Hütehund-Abstammung ist nicht nur an ihrer Collie-Kopfhaltung gut zu erkennen, sondern auch an ihrem Jagd- und Wach-Verhalten. So schlägt sie bellend an, wenn nachts ums Wohnmobil Betrieb ist – ich bin froh darüber!
Die junge Dame ist knapp dreieinhalb Jahre alt, sehr gelehrig und lernt auch gerne mal ein wenig Unsinn, wenn ich nicht aufpasse. Mali begleitet mich auf fast allen Wohnmobilreisen und hat sich seit ihrem ersten Tag im Mobil den Platz zwischen den Vordersitzen als ihr persönliches Zuhause erkoren. Dort liegt nun also ihre Decke, weiter hinten stehen Fressnapf und ein bremstauglicher Wassernapf. Es soll ja nichts herausschlabbern, wenn es mal drauf ankommt. Mali ist ein Garant für Kontakte unterwegs: Hundefreunde sind kontaktfreudig, sprechen sich gerne an, und daraus haben sich schon die tollsten Gespräche entwickelt. So hilft sie mir bei der Arbeit.

Bei schönstem Wetter reisen wir durch das hessische Bergland an. Mali und ich sind guter Dinge, als wir uns nach einer Wanderung am südlichen Ende des Rothaarsteigs dem Städtchen Dillenburg nähern. Am Rande der Stadt ist ein Stellplatz ausgewiesen, eben, asphaltiert und gleich vor dem großen Freizeitbad. Es ist alles vorhanden, was man sich wünschen kann, und die paar Meter in die Innenstadt sind schnell zu Fuß gelaufen. Dort leuchten uns bunte Fachwerkhäuser entgegen. Wir schlendern durch die Gassen, verschaffen uns einen ersten Eindruck, und für einen Kaffee reicht es auch. Steil geht es bergauf Richtung Burg und Villa Grün (Schloßberg, 35683 Dillenburg). Und grün ist es wirklich vor der prachtvollen Front des neoklassizistischen Gebäudes, das 1914/15 erbaut wurde. Durch die Blätter der Hainbuchen leuchtet die Sonne, und das Dach der Bäume beschattet einen Teil des gepflegten Rasens vor der hochherrschaftlichen Villa. Der Gruben- und Hüttenbesitzer Carl Grün bewohnte dieses Gebäude, das seit 1983 wirtschaftsgeschichtliches Museum der Stadt Dillenburg ist. Zuvorkommend werde ich nicht nur zum Besuch, sondern auch zu Kaffee und Kuchen eingeladen. Ich sehe mir eine kleine, aber feine Beatles-Ausstellung an, lerne etliches über Bergwerke und bestaune Küchen aus verschiedenen Zeiten, inklusive einer Flugzeugküche. Enorm ist die Vielfalt der Ausstellung.

Hessisches Landgestüt Dillenburg
Nun geht’s die steile Straße wieder bergabwärts, da duftet es schon nach Pferd und Heu. Seit meiner Kindheit liebe ich diesen Geruch nach Stall, den warmen Leibern und den Geräuschen gemächlichen Kauens. Wir sind im Hessischen Landgestüt Dillenburg angekommen (Wilhelmstraße 24, 35683 Dillenburg). Es ist bekannt für seine Hengstparade, und ich freue mich schon auf die eleganten Tiere. Neben einem Tor sitzt eine Gruppe junger Damen, und ich frage sie nach dem Weg zur Geschäftsleitung. Wir kommen ins Gespräch, und es zeigt sich, dass hier 14 Azubis kurz vor Ende der Ausbildung zum Pferdewirt sind. Zwei beziehungsweise drei Jahre haben sie in verschiedenen Fachbetrieben unter der Leitung ihrer Pferdewirtschaftsmeister und -meisterinnen gelernt und gearbeitet, nun sind sie zum Abschlusslehrgang ins Gestüt gekommen. Morgen ist Abschlussprüfung! Wir sprechen über Prüfungsinhalte, Fütterung, Vermarktung von Pferden, Reitunterricht, Krankheiten und Pflege und natürlich auch über Prüfungsangst und Lampenfieber. Ich bin erstaunt, wie gelassen die Prüflinge sind. Alle sind völlig entspannt, und ich verspreche ihnen, fest die Daumen zu drücken, damit die Noten besonders gut ausfallen.
Sie machen mir die Freude und holen einen der prachtvollen Hengste aus dem Stall, die Sonne schimmert auf seinem blitzblank geputzten Fell. Rhodeus ist ein 19-jähriger Hengst und eines der Pferde, mit denen die Dillenburger Reiterei so bekannt geworden ist. Nun hat er also einen Fototermin mit Camp24. Ich ziehe noch einige Runden durch die Stallungen, genieße die Atmosphäre. Hier stehen Pferde mit klangvollen Namen:
Casanova und Picasso, Lord of Liberty und Mogli. Darth Vader lässt sich erstaunlicherweise mit Wonne kraulen, Campino hingegen legt die Ohren an.
Die Geschichte des Gestüts reicht zurück bis ins 16. Jahrhundert, in dem schon andalusische Hengste in die Zucht der Nassauischen Reit- und Kutschpferde eingekreuzt wurden. Heute werden hier wertvolle Hengste gehalten, die als Väter von erfolgreichen Turnierpferden den besten Ruf haben. Und natürlich stehen Aus- und Fortbildung von Pferdeprofis im Vordergrund. Ich genieße hingegen ohne jeden Leistungsdruck die schöne Atmosphäre und trenne ich mich nur schwer von dem ruhigen Platz an der Tränke.

Tour-Tipps Teil 1
Der Rothaarsteig
Auch der „Weg der Sinne“ genannt, verbindet der Rothaarsteig Brilon und Dillenburg auf 154 km Länge. Der Weg führt in acht Etappen auf schmalen Pfaden durch den unberührten Wald und über kleine Bäche. Von Wanderführungen werden zudem Themenwanderungen angeboten.
Infos: www rothaarsteig.de


Naherholungsgebiet Wieseckaue
Die Seele baumeln lassen die Einwohner Gießens im Naherholungsgebiet Wieseckaue, welches südlich vom Gießener Stadtteil Wieseck aus entlang dem Fluss Wieseck bis kurz vor die Innenstadt reicht. Bis 5. Oktober findet auf dem Gelände die Landesgartenschau statt. Von den gut ausgebauten Feldwegen kann man die Flugzeuge des Flugsportvereins Gießen sehen. Bei Interesse lässt es sich auch als Gast mitfliegen.
Infos: www.ich-geh-wandern.de/gießen-wieseck

Weiter geht es durch das Städtchen, Sonne liegt auf den Fachwerkhäuschen und lässt die Stadt strahlen. Dennoch ist wenig Betrieb auf den Straßen. Ich komme ins Gespräch mit Anja Plaasch, der Inhaberin eines Modehauses. Sie ist gut gelaunt, obwohl sie schwierige Zeiten vor sich hat. In der Diskussion zeigt sich, dass der Eindruck nicht trügt und auch hier die Unternehmen, wie in vielen anderen Kleinstädten, Überlebensschwierigkeiten haben. Auch dieses Modehaus wird in der nächsten Saison schließen, jammerschade, denn es ist gut sortiert, und man sieht, dass der Einkauf mit Liebe und Verstand gemacht wird. So ergeht es vielen Betrieben. Draußen sieht man kaum junge Leute, keinen Kinderwagen, wenig Bummler. Demzufolge wird auch zu wenig umgesetzt, um wirtschaftlich arbeiten und Mieten und Personal bezahlen zu können. Internetkäufe und Outlet-Center ruinieren den Einzelhandel, selbst in bester Lauflage. Dennoch sind Frau und Herr Plaasch guter Dinge, was die Zukunft betrifft und strahlen Zufriedenheit und Zukunftsorientiertheit aus, dass es eine Freude ist. So verlasse ich den gastlichen Ort und hole Mali aus „meinem“ Knaus, in dem sie in der Zwischenzeit brav gewartet hat. Vor dem Restaurant werden wir von einer kleinen neunjährigen Dame adoptiert, die nach woher und wohin fragt und Mali ohne Unterbrechung krault. Wir drei genießen dieses Intermezzo bei Kaffee und Kuchen.
Am Abend fahren wir noch einmal hoch zur Villa Grün. Nun abendlich verlassen, genieße ich die Stille und erneut die satten Farben, die ausgewogene Architektur der Villenfront. Mali jagt ein paar Frisbeescheiben nach, schnuffelt links und rechts, tobt sich aus. Dann geht es hoch zur Burg, einer der größten mittelalterlichen Burgen Europas. Im Jahre 1533 Geburtsort des Grafen Wilhelm von Nassau-Dillenburg, dem Stammvater des niederländischen Königshauses der Oranier, wird sie heute von vielen Niederländern besichtigt, um die Ursprünge ihres Königshauses zu würdigen. So verwundert es nicht, dass Erklärungsschilder nicht auf Deutsch und Englisch, wie sonst üblich, geschrieben sind, sondern in Niederländisch als zweiter Sprache. Unter der Burg sind riesige Befestigungsanlagen, die ich zur Schonung von Malis Nerven dieses Mal nicht besuche – alles geht einfach nicht.
Ich will noch bis Marburg fahren und erfreue mich an der Abendsonne auf der Bundesstraße 255 durch die Täler dorthin. Das Korn auf den Feldern steht gut, in den Vorgärten blühen die Rosen, Zäune werden gestrichen, Kinder toben durch die Gärten. Bis Marburg komme ich jedoch nicht, denn auf dem Weg dorthin blitzt mich der Aartal-See durch die Bäume an. Ich finde einen riesengroßen Parkplatz, stelle mich fernab aller anderen hin und ziehe erst einmal mit Mali meine Runde. Eine gute Art, die nähere Umgebung zu entdecken. Wir finden eine kleine Bucht, also schnell zurück zum Auto, Wassersandalen und Bikini an und ab ins kühle Nass. Frau Malinski schwimmt zwar ganz gerne, muss aber immer wieder überredet werden, etwas tiefer ins Wasser zu gehen. Mit der Frisbeescheibe, ihrem Lieblingsspielzeug, gelingt es mir dann auch, sie weiter hinaus zu locken. Wie immer in einer solchen Umgebung, bricht nun schlagartig die Stufe erhöhter Faulheit aus: Campingstuhl vor der Tür, ein Bierchen, ein dickes Buch, der Hund stöbert links und rechts um mich herum – so lässt es sich aushalten!

Marburg
Der frühe Morgen bricht an, und nach dem letzten Stück auf der B3 erwartet uns Marburg. Auf dem Parkplatz direkt an der Lahn finden wir einen schattigen Platz, die Lahn selbst ist schon früh bevölkert von spielenden Kindern, Studenten, jungen Müttern und Opas mit ihren Enkeln. Diesmal darf Mali mit, und wir schlendern hoch zum Marburger Landgrafenschloss des Landgrafen Philipp, bevor es zu heiß wird. Leider darf Mali nicht mit hinein, das ist aber kein Problem. Ich leine sie im Hof des Renaissanceschlosses an einem Schattenplätzchen an, die netten Herren vom Empfang geben mir sogar eine Schüssel voller Wasser für sie, und so kann ich gelassen und hundelos die Ausstellung besuchen. Besonders die Märchenabteilung mit den Illustrationen des Künstlers Otto Ubbelohde hat es mir angetan. Ich folge ein wenig einer Führung und bleibe dann jedoch bei der spannenden Erläuterung des deutschen „Märchenwaldes“ hängen. Welch einen Symbolwert transportieren Figuren wie Wolf, Rabe, Taube, Jäger, Köhler oder Eichen- und Buchenwälder! Vielfach verbinden sich positive und negative Züge: Einerseits nähren und schützen sie, andererseits haben sie auch eine sehr bedrohliche, gefahrvolle Komponente. In diesem Zusammenhang kommt mir wieder eine Szene aus Costa Rica in den Sinn, über die wir uns vor einigen Jahren prächtig amüsiert haben: Zu viert saßen wir im Spanischkurs, und die Lehrerin setzte uns ein „typisch costa-ricanisches Märchen“ zum Lernen vor: Heidi. Wir krümelten uns vor Lachen, als wir erklärt bekamen, dass die japanische Verfilmung des Schweizer Märchens als US-Import die Herzen von vor allem Costa-Ricanerinnen berührte und so Teil der Volkserzählungen wurde. Noch heute wird dort generationsübergreifend die Familie vor das Fernsehgerät gerufen, wenn endlich wieder eine Wiederholung gezeigt wird. Dabei von größter Wichtigkeit: Es müssen genügend Taschentücher griffbereit sein, damit auch ordentlich mitgefiebert und geweint werden kann, wenn die Gouvernante wieder so richtig fies ist. So ziehen Märchen ihre Runde durch die Welt, und auch in dieser Ausstellung zeigt sich, dass einige der vermeintlich deutschen Legenden ihre Ursprünge in Frankreich oder Skandinavien haben. Deutsche Märchen sind Studienthema weltweit, Adriana de Máximo Santo, eine meiner Freundinnen, promoviert in Frankfurt über die Aufbereitung deutscher Märchen in ihrer Heimat Brasilien. Ich verlasse das Landgrafenschloss und bedanke mich bei den Herren, die Hütehund Mali fürstlich bewacht haben. Ein Tritt vors Tor, und da ist Marburg: Der Blick vom Schloss ist atemberaubend, Sonne glänzt auf Schieferdächern, roter Buntsandstein speichert die Wärme, von unten tönen die Glocken von Marburgs Kirchen. Wir folgen dem Grimm-Dich-Pfad hinunter in die Stadt. Dieser zieht sich durch die Innenstadt, und so kann man erneut einige Bekannte aus der Märchenwelt entdecken. Ob Lebkuchenhaus, die sieben Fliegen des tapferen Schneiderleins oder Aschenputtels Schuh, alles ist da.
Auf dem Weg zurück durch die Stadt finden wir in einer kleinen, abschüssigen Seitengasse eine kuschelige Restauration, die „Pause“ (Wettergasse 16, 35037 Marburg, www.die-pause-marburg.de). Mit Blick über Marburg sitzen wir hier, speisen für kleines Geld eine knackig-frische Kleinigkeit, gönnen Füßen und Pfoten eine Rast und der Kehle ein kühles Wasser. Nette Tischgespräche, ein Buch, was könnte es Schöneres geben? Irgendwann reiße ich mich doch los und fahre mit dem Stadtaufzug hinab, will ich mir doch das Audimax der Universität ansehen. Marburg ist eine der Universitätsstädte mit dem größten Anteil an Studenten, und diese sind im Stadtbild allgegenwärtig. Jetzt am Nachmittag ist jedoch nicht mehr viel Betrieb, einige Studenten sitzen noch vor ihren Laptops, gedämpfte Gespräche hier und da, insgesamt eine ruhige, konzentrierte Atmosphäre. Im großen Hörsaal, dem Auditorium Maximum, ist leider gerade keine Vorlesung – ich hatte gehofft, noch rechtzeitig zu einer Veranstaltung anzukommen. Stattdessen treffe ich auf einen Mitarbeiter der Universität, der mir die Marburger Uni näherbringt. Praktisch alle Fakultäten sind hier vertreten, ob Medizin, Geisteswissenschaften, Archäologie oder Jura. In „seinem“ Gebäude haben gleichzeitig 3.200 Studenten Platz, allein 900 davon im großen Hörsaal. Er zeigt mir den riesigen Beamer für die Übertragungen und die Kameras, mit denen Vorlesungen aufgezeichnet werden. So können sie auch in anderen Universitäten mit einem geringeren Lehr-Angebot gehört werden. Spannend ist auch die Lüftungstechnik in einem solchen Gebäude. Genügend Frischluft muss herein, damit die vielen Menschen sich konzentrieren können, Abluft heraus, und dabei darf es nicht ziehen. Hier ist dies über ein komplexes Belüftungssystem im Fußbereich gelöst, die Abluft wird oben abgesaugt. Solche technischen Details abseits der normalen touristischen Ziele finde ich immer wieder spannend. Natürlich besichtige ich auch die Elisabethenkirche (Elisabethstraße 3, 35037 Marburg), bewundere Fassade, Tor und Innenleben, aber andere Geschichten machen das Salz in der Suppe einer Reise aus. So fährt erst seit wenigen Wochen eine kleine Bimmelbahn durch die steilen Straßen Marburgs. Sie darf aber vorerst nicht hoch bis zum Schloss fahren, weil die Steigung für das Gerät vom TÜV noch nicht freigegeben wurde. So müssen bis auf Weiteres die letzten Schritte bis zum Schloss zu Fuß zurückgelegt werden. Wie gut, dass nicht immer alles perfekt ist! Wir beide sind weiter zu Fuß unterwegs. Auf dem Rückweg zum Knaus kühlen wir uns noch kurz die Füße in der Lahn, kaum ein Plätzchen ist nun noch frei, quer durch die Generationen tummelt man sich am seichten Ufer.

Tour-Tipps Teil 2
Grüner Mühle
Die alte Ölmühle unterhalb der schönen Weidenhäuser Brücke über die Lahn in Marburg wurde bereits im 13. Jahrhundert urkundlich erwähnt. Vom Wehr aus hat man einen schönen Blick auf die Mühle, die heute jedoch nicht mehr in Betrieb ist. Dennoch lässt sich einiges entdecken und danach in der Gaststätte stärken. Infos zu Marburg: www.marburg.de


Burg Greifenstein
Im 12. Jahrhundert wurde die Greifensteiner Höhenburg erstmals urkundlich erwähnt. Von den Doppeltürmen aus bietet sich eine tolle Aussicht über das Dilltal. Über 100 Glocken umfasst die in ihrer Art bedeutendste Glockensammlung Deutschlands, Besucher können dabei viele Glocken selbst klingen lassen. In naher Umgebung der Burg gibt es zahlreiche Wanderwege, die allein schon einen Besuch lohnen.
Infos: www.burg-greifenstein.net

Gießen
Von Marburg aus geht es auf der B3 entlang nach Süden. Ein kurzer Abstecher führt uns hoch zur Burg Staufenberg (Burggasse 10, 35460 Staufenberg) aus dem 13. Jahrhundert. Die Oberburg ist weitgehend verfallen, Reste des alten Palais sind zu sehen, des repräsentativen Saalbaus. Die Unterburg ist heute ein schickes Hotel, das zu mancherlei Event einlädt. Eine ausführliche Gassi-Runde eröffnet uns wunderbare Blicke, dann geht es nach Gießen. Noch eine Universitätsstadt in nur kurzer Distanz zu Marburg. Doch diesmal zieht es mich nicht in die Uni, sondern zum Mathematikum (Liebigstraße 8, 35390 Gießen) und zur Landesgartenschau (Südanlage 4, 35390 Gießen). Letztere ist prima ausgeschildert, und so starten wir am Morgen ins Grüne. Das Wort „wir“ ist hier allerdings eine Fehlanzeige, denn Hunde sind bei der Ausstellung nicht zugelassen, was wirklich schade ist. Denn gerade die Freiflächen hätten Gelegenheit zu Freilauf geboten, innerhalb der Anlagen hätte Mali gut an der Leine gehen können. Schade auch, dass es keine Hundeboxen gibt und Schattenparkplätze für Reisende rar sind. Egal, ich gehe also alleine los und lerne nun die Verbindung von Wissenschaft und Natur in gärtnerischer Interpretation kennen. Ein Wettbewerb wurde ausgeschrieben, um rechteckige Flächen zu einem Thema zu interpretieren, und so kann man unter anderem die Entwicklung der Stadt Gießen im „Schlammbeißer Garten“ sehen, von Sumpfland über Bebauung und Kriegszerstörung bis in die heutige Zeit. Das Mathematikum wartet mit einer Denkaufgabe auf. So ist in ihrem Feld ein Brunnen, den man verschieden schalten kann. Das binäre An und Aus von Computer-Schaltungen wurde umgesetzt in Wasser-Marsch und Wasser-Aus. Der Betrachter kann sich nun mit anderen Besuchern vergnügen, bis es gemeinsam geschafft ist, als Lösung der Aufgabe alle Fontänen gleichzeitig sprühen zu lassen. Viele weitere Felder setzen Ideen aller Art gärtnerisch um. Mit der Landesgartenschau gelingt es Gießen, die beiden Flüsschen Lahn und Wieseck quer durch die Stadt in die Ausstellung mit einzubeziehen, auch der Eintritt des Schwimmbades ist enthalten, und so nehmen Gießens Bewohner regen Anteil am Besucherstrom aus der Ferne.
Das Mathematikum ist ein Museum für Mathe-Muffel und Experimentierbegeisterte. Ich spiegle mich im Faxenspiegel, stehe in einer Seifenblase und stelle fest, dass eckige Räder auch rollen können. Eine Kugelbahn begeistert rundherum alle Besucher und erinnert an die kleinen Versionen der Kindheit. Dort lerne ich einige Verbindungsstudenten kennen. Im Gespräch kommen wir auf Corps-Verbindungen und Burschenschaften, und sie beklagen das besonders konservative und schlechte Image, dass Burschenschafter haben. Ich frage nach und werde zu einer Veranstaltung eingeladen. Es erstaunt und erfreut mich, dort auf eine Gruppe von Verbindungsstudenten zu treffen, die zwar alte Traditionen pflegen, dazu jedoch ihre Freundinnen und Mitglieder einer weiblichen Verbindung einladen, gemeinsam singen und feiern. Wir kommen schnell auf das Vorurteil des unmäßigen Trinkens zu sprechen, und mir wird ein praktizierender Muslim vorgestellt, der auch ohne Alkoholkonsum voll von den anderen „Burschen“ akzeptiert wird. Ein japanischer Germanistikstudent der gleichen Verbindung berichtet begeistert, wie wohl er sich in Deutschland fühlt. Sie finden ihren Zusammenhalt heute im gemeinsamen Studieren, Leben und Feiern und dem Generationsübergreifenden, Helfenden durch die Alten Herren, die für sich den Kontakt zu den jugendlichen Studenten auch als Bereicherung ihres eigenen Lebens gefunden haben. Meinerseits gehe ich mit einem geänderten Bild der Burschenschafter zum Wohnmobil.
Nun muss es wieder Richtung Heimat gehen. Der Boxstar Solution Relax muss zurück ins Knaus-Werk und will vorher noch geleert und geputzt werden. Mali und ich genießen die Fahrt Richtung Rhön, über Mittelgebirgshänge und Täler, und nehmen noch ein paar Touren auf bestens ausgeschilderten Wanderwegen mit. So könnte es bleiben, doch jetzt geht’s erst einmal wieder zurück ins echte Leben.

Reisemobil-Stellplätze
WOMO-Platz Gießen auf dem Messeplatz
Gutfleischstraße 24 · 35390 Gießen
GPS: 50°35‘23.1‘‘ N / 08°40‘56.8‘‘ O
www.giessen-tourismus.de
5 Stellplätze, gratis Strom, keine VE, direkt am Stadtpark,
bei Veranstaltungen Einschränkungen. Ganzjährig.


35460 Staufenberg
Parkflächen nicht beschildert, auch für Womos geeignet
Bergstraße/Ecke Obergasse · 35460 Staufenberg
GPS: 50°39‘50.9‘‘ N / 08°43‘45.6‘‘ O
4 Stellplätze, unbegrenzt kostenfrei, ruhige Lage, asphaltiert, dahinter viel Auslauf für den Bordhund, keinerlei Service, alte Burganlage, brauchbarer Burggasthof, etliche weitere Gaststätten im Ort.


WOMO-Platz Marburg
Jahnstraße · 35037 Marburg
GPS: 50°48‘12.1‘‘ N / 08°46‘31.2‘‘ O
www.tourismus.marburg.de/gastgeber/camping-wohnmobil
4 Stellplätze, bis 7 Meter, 10 Euro/Mobil, Strom, Wasser, VE, historisches Stadtzentrum 600 m.


WOMO-Platz gegenüber Hotel Gasthaus Rosengarten
Hoherainstraße 45-47 · 35075 Gladenbach
GPS: 50°46‘27.5‘‘ N / 08°34‘45.8‘‘ O
www.rosengarten-gladenbach.de
8 Stellplätze, 5,50 Euro/Mobil, Strom, Wasser, Casettenentleerung möglich, Gaststätte: Dienstag Ruhetag!


WOMO-Platz Bad Endbach
Landstraße am Bewegungsbad · 35080 Bad Endbach
GPS: 50°45‘21.0‘‘ N / 08°28‘50.2‘‘ O
www.bad-endbach.de
Nur kleine WOMOS! 18 Stellplätze, bis 6 Meter, 5 Euro/Mobil, schräge Plätze, Wasser, Strom, Entsorgung an der Kläranlage
Bade und Saunalandschaft mit Café und Imbiss.


WOMO-Platz am Aartalsee
B255/Am See · 35644 Hohenahr-Ahrdt
GPS: 50°42‘09.9‘‘ N / 08°28‘31.7‘‘ O
www.bischoffen.de
10 Stellplätze, über 8 Meter, 5,50 Euro/Mobil, Nacht von 22.00 bis 8.00 Uhr, 3 Euro Tageskosten, Tiere erlaubt,
kein Service.


WOMO-Platz Dillenburg am Aquarenabad/Sportpark
Stadionstraße · 35683 Dillenburg
GPS: 50°44‘26.7‘‘ N / 08°16‘42.2‘‘ O
www.dillenburg.de
8 Stellplätze, gratis, auf Asphalt, Entsorgung gratis, Wasser: 1 Euro, 8 x Strom 8 Stunden: 1 Euro, Hallenbadbistro 100 m.

Das Reisemobil
Der Knaus BoxStar Solution Relax birgt viel Stauraum und ist wendig.

Der Knaus BoxStar Solution Relax birgt viel Stauraum und ist wendig.

Gemütlicher Kastenwagen
Der Knaus BoxStar Solution Relax ist ein kompaktes Fahrzeug, klassisch für die Benutzung von zwei Personen ausgelegt, jedoch auch gut zu dritt nutzbar. Eine Halbdinette wird zum zentralen Wohnraum, dahinter schließt das Bad mit einer ungewöhnlichen Duschkabine an, zwei halbrunde Duschabtrennungsschalen und ein Hochkant-Rollo sorgen dafür, dass Fahrzeug und WC-Bereich beim Duschen trocken bleiben. Gegenüber die Küche mit geräumigem Kühlschrank und 3-Flammen-Herd sowie gut verarbeiteten Auszügen für die Küchenutensilien. Im Heck quer das Bett mit Technik und reichlich Stauraum, bei gutem Wetter bleibt die Hecktüre auf, der Blick ins Grüne wird mitgeliefert.
Infos: www.knaus.de


Basisfahrzeug Fiat Ducato 250, 2,3 l Multijet 150
• Hubraum/Leistung: 2.287 ccm | 109 kW/150 PS
• Außenmaße L x B x H: 599 x 205 x 282 cm
• Heckbett: 1.940 x 1.570/1.460 mm
• Fahrtsitzplätze: 4, Schlafplätze: 3 (bis zu 5 möglich)
• Tech. zul. Gesamtmasse: 3.500 kg
• Masse in fahrber. Zustand: 2.980 kg

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