Ein Gefühl von Karibik – Sardinien (Seite 1 von 2) von Frank Siepmann | Johannes Kühner
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Deutsches Konsulat
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Der schwere Bug der Fähre öffnet sich langsam, wir können das Schiff im Hafen von Golfo Aranci zügig verlassen. Der neue Fährhafen liegt sehr günstig, um direkt auf Entdeckungstour gehen zu können: Keine Großstadt, die zuerst zu durchqueren ist, sondern nur ein kleines Fischerdorf, das wir umfahren. Schon geht es entlang der Costa Smeralda gen Norden. Wer mit seinem Reisemobil an der „Smaragdküste“ freie Standplätze oder Campingplätze sucht, wird sie hier nicht finden. Trotzdem lohnt es sich, das Treiben in Porto Rotondo oder Porto Cervo anzuschauen. Reiche und Superreiche leben hier wie in einer anderen Welt – unter anderem Berlusconi besitzt eines der prachtvollen Domizile.
Wir finden in Palau unseren ersten Campingplatz. Der Ort ist umgeben von netten kleinen Buchten und bei weitem nicht so überlaufen wie vermutet – ein idealer Ort, um erst einmal auf Sardinien anzukommen.
Wir bleiben ein paar Tage, entdecken die Küste vom Wasser aus mit Kajaks und fahren mit unseren Bikes zum Capo d’Orso. Hier findet vor allem eine bizarre Felsenverwitterung unsere Aufmerksamkeit. Granitfelsen, vom Wetter zu einem „Bärenkopf“ geformt, stehen auf einem Hügel. Zu Fuß, durch eine fantastische Felslandschaft mit bizarren verwitterten Tafoni-Felsen und wunderbaren skurrilen Formen und Figuren, lässt sich der Hügel erklimmen und bietet zudem einen wunderschönen Blick bis Korsika.

Schafskäse direkt am Strand
Nach drei Tagen haben wir uns eingelebt und beschließen nun, die Insel von Süden her zu entdecken. Anders als in früheren Jahren gibt es inzwischen eine gute Autobahn, die uns in zwei Stunden an den Golf von Oristano an die Westküste bringt. Einst war hier das „Wildcamper“-Paradies bei Punto Is Aruttas. Heutzutage wird es etwas schwieriger, in der Hauptreisezeit Juli/August überhaupt einen Parkplatz zu ergattern. Die Strände sind ein Traum, aber in Parkplatznähe vollkommen überlaufen.
Gut, dass die Einheimischen mit ihren Liegestühlen und Sonnenschirmen weite Wege scheuen. Wir laufen nur wenige Minuten und finden tatsächlich fast einsame Strände. Kristallklares Wasser und Sand wie in der Karibik entschädigen für die heiße Anfahrt. Zudem erleben wir zum ersten Mal den speziellen sardischen Strandservice: Bauern bieten uns am Strand den wunderbaren sardischen Schafskäse an. Mmh, welch ein Paradies! Bei der Schlafplatzsuche entscheiden wir uns für die günstigen Stellplätze des Agriturismus. Nur ein paar hundert Meter vom Strand entfernt finden wir einen günstigen und ruhigen Stellplatz mit Entsorgungsmöglichkeit.
Am nächsten Morgen sind wir früh wach. Die antike Römerstadt am Capo San Marco ist unser Ziel: Tharros war einst die größte und bedeutendste phönizisch-römische Hafenstadt Sardiniens. Jahrhundertelang lag sie unter Schutt und Asche, ehe sie 1956 freigelegt wurde.
Entlang der Costa Verde, mit genügend Plätzen für einen Badestopp, geht es für uns weiter nach Iglesias. Die ehemalige Bergarbeiterstadt liegt inmitten einer waldreichen Hügellandschaft am Fuß des Colle de di Buon Cammino. Die lebendige, von Tourismus gänzlich unberührte Stadt, besitzt einen speziellen Charme mit netten Cafés und kleinen Geschäften.
Nicht weit entfernt befindet sich bei Domusnovas eine wunderschöne Tropfsteinhöhle. Der Eintritt ist kostenlos; wer die Grotta Di S. Giovanni betritt, sollte aber eine Taschenlampe mitnehmen. Die Grotte lässt sich in einer viertel Stunde durchwandern, und am anderen Ende warten idyllische Picknickplätze zwischen alten, knorrigen Eichen und einem kleinen Bächlein, das auch im Sommer Wasser führt.

Nächstes Ziel: Das Meer
Nach unserer Höhlentour ist es schon spät geworden. Wir beschließen, auf den Parkplätzen vor der Höhle zu übernachten. Beim Abendessen in dem kleinen sardischen Restaurant am Höhleneingang fragen wir, ob das erlaubt ist. „Kein Problem“, sagt der Besitzer. Am nächsten Morgen nehmen wir unser Frühstück auf einem der netten Steintische ein und gehen noch auf einen schnellen Espresso ins anliegende Café. So lieben wir unsere Italienreisen! Uns ist heiß, die Kinder fangen an zu quengeln – es zieht uns zurück ans Meer. Die wunderschöne Bucht von Porto Pino mit ihren langen Sandstränden ist unser Ziel. Das kristallklare Wasser spült flach an den Strand und ist daher ideal für Familien geeignet. Dementsprechend voll ist es tagsüber. Wer aber etwas läuft, findet trotzdem ruhige Plätze. Unser Campingplatz liegt direkt am Meer. Das klingt erst einmal hervorragend. Manche Standplätze sind jedoch so sandig, dass die Gefahr besteht, einzusacken. Freundlicherweise weist uns der Eigentümer frühzeitig darauf hin, sodass wir einen netten schattigen, festen Platz finden.

Paradies für Mountainbiker
Während unsere Töchter nicht mehr aus dem Wasser zu bekommen sind, gehen wir mit unseren Bikes auf Entdeckungstour. Richtung Norden, entlang kleiner Pfade an der Steilküste, finden wir ein kleines Mountainbike-Paradies. Mal düsen wir durch Weinfelder, dann wieder auf steinigen Pfaden durch Kiefernwälder. So entdecken wir eine neue, sehr ursprüngliche Seite Sardiniens. Die Pisten führen uns hoch und runter, durch sandige Passagen, Schweißtropfen rinnen an uns hinunter. Zum Glück haben wir unsere Taschen mit Wasser, Handtüchern und einigen Früchten gefüllt und legen ein paar Pausen in den einsamen Buchten ein. Wieder zurück in Porto Pinto, ruhen wir uns erst einmal in der Hängematte aus.
Abends erleben wir dann eine kleine Strandparty. Eigentlich wollen wir nur den Sonnenuntergang am Strand sehen. Ein paar Sarden fragen uns, ob wir nicht tanzen wollen: Einmal pro Woche organisieren Privatleute ein Büfett, Getränke und einen DJ, um etwas zu feiern und zu tanzen. Gäste zahlen nur einen kleinen Beitrag – für Spaß bis tief in die Nacht.
Ein paar Tage später befinden wir uns im Herzen der Südküste – Baia Chia! Buchten wie aus einem Bilderbuch, bis zu 30 Meter hohe Dünen im Hinterland und kleine Lagunen bieten eigentlich alles, was schöne Ferien ausmacht. Dabei haben Wohnmobilreisende die Wahl, auf einen der Campinglätze zu gehen oder einfach den großen Stellplatz direkt am Strand zu nehmen. Beide haben übrigens schattige Plätze zu bieten, ein nicht ganz unwichtiger Faktor, befinden wir uns doch an der heißesten Stelle auf Sardinien – und wirklich: Es wird sehr heiß!
Wer Kajak-Fan ist, hat hier den richtigen Platz gefunden. Während meine Frauen sich ein paar Pferde gemietet haben und so die Gegend entdecken, zieht es mich auf das Meer. Ein paar Kleider trocken verpackt, dazu genug Wasser, und schon geht die Paddeltour bei ruhiger See von Bucht zu Bucht. Vom Meer aus eröffnet sich noch einmal ein ganz neuer Ausblick auf dieses wunderschöne Stück Erde.

Lebensfreude zwischen Europa und Afrika
Bis Cagliari hat die weitere Küstenfahrt von Baia Chia nicht mehr allzu viel zu bieten, und so stürzen wir uns ins Großstadtgetümmel. Im Camper Cagliari Park, nur 20 Minuten Fußmarsch vom Zentrum entfernt, finden wir einen guten Übernachtungsplatz in Cagliari zu moderaten Preisen.
Cagliari überrascht uns! Sind die Außenbezirke der Stadt nicht sehr einladend, finden wir im Zentrum eine uralte, quicklebendige Stadt am Schnittpunkt zwischen Europa und Afrika vor. Cagliari ist der Schmelztiegel der Rassen und Kulturen, die sich im Laufe der Jahrhunderte auf Sardinien niedergelassen haben. Wir lassen uns durch die Stadt treiben, besichtigen den Duomo Santa Maria, Cagliaris schönstes Bauwerk, schlecken ein Eis in einer der vielen Eiscafés, schauen uns die vielen kleinen Modeboutiquen an und beenden den Tag mit einem leckeren Abendessen in einem der vielen Restaurants am Hafen. Auf dem Heimweg werden wir dann noch Zeuge eines Tanzkurses mitten auf der Piazza Yenne – Lebensfreude pur!
Am nächsten Morgen führt uns der Weg hinaus aus Cagliari, immer der aufgehenden Sonne entgegen, in Richtung Costa Rei. An der sogenannten „Königsküste“ finden Wohnmobilfahrer immer noch kleine Geländepisten zu Strandbuden an den kilometerlangen Sandstränden, an denen es auch heute noch oft möglich ist, ungestört und frei mit dem Wohnmobil zu stehen. Aber Achtung: Kommen Regentage oder heftige Gewitter, werden diese Pisten oft schlammig und unpassierbar!
Wir entscheiden uns für einen kleinen Platz bei Capo Ferrato mit einer sehr netten Betreiberfamilie. Diese bietet immer wieder verschiedene Angebote, um ihren Gästen die sardische Kultur näherzubringen. Ansonsten bietet die Costa Rei selbst im Sommer viel Ruhe, Sand und Erholung.

Am Fluss entlang durch einsame Berge
Uns zieht es nach den faulen Strandtagen etwas weg von der Küste zum größten Stausee Sardiniens, dem Lago Alto del Flumendosa. Fast zehn Kilometer fahren wir am Südufer des Sees entlang, bis wir am Fiume Flumendosa unser Wohnmobil abstellen.
Eine erfrischende Flusswanderung im Riu Calaresu steht auf dem Programm. Der Riu Calaresu schlängelt sich wunderschön durch die einsame Bergwelt des Gennargentu, im Hintergrund immer ein Blick auf den spektakulären Schlot der Peraè Liana.
Ausgerüstet mit Badehose und Badesandalen, das Picknick wasserfest in einem Rucksack verpackt, waten oder schwimmen wir durch den Fluss. Kleine Badegumpen, dann wieder Stromschnellen, bieten in der spektakulären Schlucht viel Abwechslung und lassen die dreistündige Wanderung zu einem unbedingten Muss auf Sardinien werden! Zurück am Wohnmobil fahren wir ein paar Kilometer und finden ruhige Schlafplätze am Lago del Flumendosa.

Naturspektakel in Cala Gonone
Unsere Ferienzeit neigt sich so langsam dem Ende. Der Familienrat hat beschlossen, die letzten Tage noch einmal am Meer zu verbringen. Unser Ziel: Cala Gonone. War ich vor vielen Jahren schon einmal hier, hat sich doch jetzt einiges verändert. Ein neuer Tunnel, nun auch geeignet für große Wohnmobile, durchstößt das Küstengebirge etwa drei Kilometer vor Cala Gonone. Auch die anschließende Serpentinenstraße hinunter zum Meer ist breit genug für Reisemobile aller Art. Freies Campen ist nicht möglich – dafür ist das Ferienörtchen viel zu dicht besiedelt. Immerhin besteht die Wahl zwischen einem netten Campingplatz oder ein paar Stellplätzen nicht weit vom Meer entfernt.
Bekannt ist die Ortschaft als Ausgangspunkt für spannende Bootsausflüge an die grandiose Steilküste im Golf von Orosei, die sich fast 50 Kilometer in den Süden zieht. Gigantische Grotten, die von Cala Gonone aus gut zu erwandern sind, aber auch die steil abfallenden Felswände und paradiesischen Sandbuchten machen dieses Stück Insel zu einem Naturspektakel. Wir entscheiden uns, ein Motorboot für einen Tag zu leihen. Auf diese Weise entdecken wir die Küste Stück für Stück. Immer wieder stoßen wir auf neue kleine Buchten und Höhlen, in die wir vorsichtig einfahren können. Das kristallklare Wasser begeistert durch seine Farben. Den Abend lassen wir dann bei ein paar Cocktails an der Strandpromenade ausklingen – der richtige Ort, um Abschied zu nehmen von einem kleinen Paradies mitten im Mittelmeer, das auch uns Wohnmobilisten noch ein kleines Stückchen Freiheit lässt!

Seite 2 – Guide Sardinien mit Infos zu Verkehrsbestimmungen, Camping- und Stellplätzen und vielem mehr …

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