Von Kreideklippen zu Königsschlössern – Dänemark (Seite 1 von 2) von Dirk Schröder | Johannes Kühner
Tourist Info
Dänisches Fremden­verkehrsamt
Glockengießerwall 2 · D-20095 Hamburg
Öffnungszeiten: Mo.–Fr.: 9.00–17.00 Uhr
Tel. 01805-326463 (0,12 Euro pro Minute)
www.visitdenmark.de


Deutsches Konsulat
Stockholmsgade 57 · 2100 Kopenhagen
Tel. (Botschaft) 0045-3545-9900
Tel. (für Notfälle) 0045-4017-2490
www.kopenhagen.diplo.de

Ist das schon die Erfüllung unseres ersten Wunsches? Wir wollen Strand! Und hinausschauen aufs Meer! Deshalb setze ich – nach der Fährüberfahrt gerade erst in Rødby auf der Insel Lolland angekommen – den Blinker nach links, in der Hoffnung, an den langen Sandstrand zu kommen, der von Deck aus so schön zu sehen gewesen ist.
Wir haben tatsächlich Glück: Schon bald stellen wir den Motor auf dem großen Parkplatz neben dem Tropenbad Lalandia wieder ab. Es sind nur noch wenige Schritte über den Damm, bis sich die Weite der Ostsee zeigt. Auf einem Steg lassen wir die Beine baumeln, beobachten Kormorane auf Holzpfählen. Das ruhige Ambiente überträgt sich auch auf uns. Ausspannen und doch etwas erleben, treiben lassen und doch eine Richtung vorgeben – unter diesem Motto wollen wir uns die Inseln Dänemarks erschließen.
Von Rødby fahren wir in die Stadt Maribo. Sie wird wegen ihrer Seen und Waldgebiete in der Umgebung als das „Grüne Herz der Insel“ bezeichnet. Im Touristenbüro erhalten wir Prospekte von der Oldtimer-Eisenbahn und den Hinweis auf eine Fahrt durch den Safaripark in Knuthenborg, wo Giraffen, Tiger, Strauße und andere exotische Tiere zu sehen sind.
Uns zieht es in den Süden nach Nysted. Vom Hafen aus erspähen wir hinter Bäumen das Schloss Ålholm. Innen ist es prächtig ausgestattet, und in einer Scheune sind schicke Oldtimer geparkt. Die niedrigen Häuser der Altstadt wirken auf uns wie Puppenstuben mit reichlich Nippes in den Fenstern. Sie sind kaum höher als unser Alkovenfahrzeug.

Falster – die südlichste Insel
Einen Katzensprung ist es von Lolland über die Brücke nach Nykøbing, der größten Stadt auf Falster. Als südlichste dänische Insel hat sie den südlichsten Leuchtturm, den südlichsten Findling und vieles mehr, was diesen Zusatz verdient. Wer die Anreise über Berlin und Rostock wählt, landet in Gedser und findet nur wenige Minuten vom Fähranleger entfernt den schönsten Ostseestrand Dänemarks: mehr als 20 Kilometer feinsten Sandstrand mit Dünensaum.
Mit unserem rollenden Heim rollen wir auf der E 47 zur Insel Møn und sehen schon von der Brücke über die Meerenge Storstrømmen einige Wohnmobile stehen. Auch wir bleiben, mit Blick auf die elegante Brückenkonstruktion.

Møn – imposante Naturdramatik
Møn ist bekannt für seine Steilküste  – die Mønsklint. Mit dem Schiff „Discovery“ könnten wir die bis zu 128 Meter hohen Kreidefelsen von der See aus erkunden, doch wir fahren lieber auf festem Boden an einer Fischräucherei vorbei über Nebenstraßen dorthin. Eigentlich wollten wir nur durch den mächtigen Buchenwald spazieren und den Ausblick genießen, doch die Neugierde zieht uns in ein modernes Gebäude mit der Aufschrift „Oplev Danmarks fødsel“: ein Geocenter.
Schon wenige Schritte nach der Empfangshalle tauchen wir in eine andere Welt ein. An der Decke schwebt ein Hai, große Modelle zeigen winzige Lebewesen, die vor 70 Millionen Jahren die Kreidefelsen gebildet haben. Die Themen auf interaktiven Bildschirmen sind so spannend, dass wir Raum und Zeit vergessen.
Gut vorbereitet und warm angezogen gehen wir schließlich durch eine einzigartige Küstenlandschaft. Noch nie haben wir die Naturgewalten so deutlich gespürt wie an diesem Tag, an dieser Stelle. Vor uns rollen Wellen, vom Sturm getrieben, mit einer ungeheuren Gewalt heran. Laut knallt die Brandung gegen die Kreidewand und reißt beim Rückzug dicke Steine mit sich. Wir beobachten dieses Schauspiel lange auf der obersten von mehreren hundert Stufen, die hinunter ans Meer führen.
Gegen Abend fahren wir wieder durch Stege, den Hauptort auf Møn. Ach, wie muss das damals gemütlich gewesen sein, als die Fähren noch von einem Ufer zum anderen pendelten. Nun liegt die kleine „Møn“ als Restaurantboot am Kai neben dem Touristenbüro. Brücken verbinden jetzt die Inseln. Über eine feste Verbindung mit Deutschland wird diskutiert. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis die Strecke von Puttgarden bis zur Insel Lolland gebaut wird.

Hauptstadtinsel mit Königsschlössern
Ehe wir uns versehen, sind wir auf der Insel Seeland und parken unser Wohnmobil am Rande der Ortschaft Præstø nahe einer markanten Backsteinkirche und einem Fischerhafen. Auf der Landnase Feddet erstrecken sich über Kilometer die schönsten Sandstände weit und breit in einem wunderschönen Naturschutzgebiet.
Die Nähe zum Wasser ist eine Besonderheit Dänemarks. Kein Punkt des Landes ist weiter als 50 Kilometer vom Meer entfernt. Mal enden Straßen an einem langen Sandstrand, mal an einem Campingplatz oder einem Hafen. So auch am Stevens Klint, wo wir eine halbe Stunde später den Motor unseres Zugpferdes abstellen. Diese Kreideklippe ist mit rund 40 Metern deutlich niedriger als die Mønsklint und liegt touristisch etwas im Schatten des großen Bruders. Auch hier gibt es aber einen schönen Weg oberhalb der Klippen, die sich ständig verändern. Deutlich sind die verschiedenen Schichten der Kreide zu sehen.

Kopenhagen im Wasserbus
Unser nächstes Ziel ist Dänemarks Hauptstadt: Kopenhagen. Vom Camping Absalon fahren wir in 15 Minuten bequem mit der S-Bahn bis zum Hauptbahnhof, wo der Vergnügungspark Tivoli angrenzt, das Wachsfigurenmuseum und die Ny Carlsberg Glyptotek. Durch den ältesten noch erhaltenen Teil der Stadt schlendern wir zur Schlossinsel Christiansborg, wo im Südflügel das Parlament tagt. Der Innenhof dient heute noch als Paradeplatz. Im Süden sind das erste Theater und eine Rüstkammer mit Waffen verschiedener Epochen zu sehen.
Auch Kopenhagen ist von Meer, Wasser und kleinen Kanälen geprägt. Bei einer Fahrt mit den breiten offenen Booten, die in regelmäßigen Abständen über die Wasserstraßen fahren, bekommen wir eine spezielle Perspektive auf die Stadt: Wir lassen uns bequem an der Holmenkirche und der eindrucksvollen Handelsbörse mit drei ineinander verschlungenen Drachen vorbei nach Christians Havn bringen. Diesen Stadtteil ließ König Christian IV. im 17. Jahrhundert komplett auf Pfählen bauen und auf diese Weise eine gewaltige Festung errichten, in welcher der neue Kriegs- und Handelshafen ebenso Platz hatte wie Reparaturwerften und Lagerhäuser.
Auch die kuriose Außenwendeltreppe auf den Turm der Erlöserkirche ist vom Boot aus zu sehen. Wer hier einen Zwischenstopp einlegt, hat von der 90 Meter hohen Spitze den besten Blick über die Stadt.
Die Wasserbusse verlassen am Trangraven den Kanal und fahren hinüber zum Nyhavn. In diesem historischen Hafen befindet sich im alten Lagerhaus nun ein Romantikhotel, am Kai liegen Oldtimersegelboote. Die einstige Seilerstraße mündet in den größten Platz der Innenstadt: Kongens Nytorv, umgeben von Prachtbauten wie dem Schloss Charlottenborg – heute Kunstakademie –, dem königlichen Theater und dem ersten Kaufhaus der Stadt – Magasin du Nord.
Gestärkt und voller Lust am Entdecken steigen wir noch einmal in das nächste offene Boot ein und lassen uns an den Fassaden des Nyhavn vorbei zur Statue der kleinen Meerjungfrau bringen – dem Wahrzeichen der Stadt.
Unser Rückweg führt durch das einstige Kastell direkt zum Schloss Amalienborg, wo die große Wachablösung um 12 Uhr Zuschauer aus der ganzen Welt anzieht. Die Prachtgebäude um den Platz sind nicht als Schloss konzipiert, sondern 1750 von Kopenhagener Adeligen in Auftrag gegeben worden. Erst als 1794 Schloss Christiansborg vollkommen ausbrannte, zog König Christian VII. samt Hofstaat in die Räumlichkeiten ein. Heute gilt der Stadtteil Kopenhagens als stilreinste Rokoko-Anlage Europas.

Schlösser und Strände
Wir steuern unser Wohnmobil Richtung Norden. Die Küstenstraße gibt immer wieder Blicke nach Schweden frei, bis wir Schloss Kronborg in Helsingør erreichen. Das wuchtige Renaissancegebäude war ursprünglich zur Kontrolle des Seewegs nach Kopenhagen erbaut worden, was die Kanonen auf der Festung bis heute verdeutlichen. In den 20 Sälen entstand das größte Handels- und Seefahrtsmuseum des Landes. Vom Einbaum bis zum Containerschiff gibt es unzählige Modelle und Original-Einrichtungen zu sehen.
An der Nordküste stoßen wir immer wieder auf wunderbare Strände und malerische Orte. Einer davon ist Hornbæk, der Anfang des Jahrhunderts Anziehungspunkt für Maler war und heute Ziel vieler Badeurlauber ist. Gilleleje ganz im Norden ist der größte Fischerhafen Nordseelands mit einem Gewirr aus Masten und bunten Markierungsfähnchen. Unseren schönsten Strand finden wir in Tisvildeleje, wo die Straße auf einem großen Parkplatz endet und wir schon bald über feinen Sand neben seichtem Wasser kilometerweit laufen können.
Auf dem Weg nach Hillerød ist ein Stopp in Frederiksværk vorgesehen, der ältesten Industriestadt Dänemarks. Mit Wasserkraft wurden dort Anfang des 18. Jahrhunderts Halb-Edelsteine geschliffen. Als aber König Frederik V. neue Betriebe zur Herstellung von Munition benötigte, ließ er am Kanal die ersten Rüstungsfirmen errichten. Über 100 Jahre alte Gerätschaften sind heute im Krudtværksmuseum zu sehen.
Das Lustschloss Frederiksborg strahlt Leichtigkeit aus. Nach einem Großbrand wurde das Wasserschloss vom Kunstmäzen und Bierbrauer Jakobsen wieder originalgetreu aufgebaut und mit Mobiliar aus Museen und Herrensitzen ausgestattet. So ist daraus ein Nationalhistorisches Museum entstanden, das einen spannenden Spaziergang durch 500 Jahre dänischer Geschichte ermöglicht.

Wikinger und Räucherfische
Unser nächster Stopp gilt den Wikingerschiffen in Roskilde, die direkt am Fjord in einem lichtdurchfluteten Museum ausgestellt sind. Es sind fünf Schiffe, die einst als Sperre im Fjord versenkt wurden. Das Größte davon war ein Kriegsschiff mit 28 Metern Länge. Roskilde war zur Wikingerzeit die Hauptstadt eines Reichs, das Norwegen und Schweden einschloss. Wikingerkönig Harald Blauzahn legte hier den Grundstein für die erste Holzkirche, die heute ein prächtiger Dom geworden ist. Seit dem 15. Jahrhundert werden in der „Vor Frue Kirke“ die Könige bestattet, was mehrere hunderttausend Besucher im Jahr anzieht.
Nahe dem Großen Belt liegt Trelleborg, das durch die Funde einer Wikingerfestung bekannt geworden ist. Ein Rundgang verschafft uns ein gutes Bild von den Ausmaßen der Anlage, die in vier Quadranten eingeteilt war. Die Rekonstruktion eines Langhauses, in dem 1.000 bis 1.300 Menschen lebten, hilft unserer Fantasie auf die Sprünge.

Fünen inspiriert Maler
Die zweitgrößte Insel Dänemarks – Fünen – ist angenehm überschaubar und sehr abwechslungsreich. Die kontrastreiche Landschaft und das besondere Licht haben viele Maler zu großen Werken inspiriert. Einer davon ist Johannes Larsen, der in Kerteminde auf dem Møllebakken nahe einer Windmühle lebte. In seiner Heimat sind rund 400 seiner Werke zu sehen.
Weil uns Kerteminde mit seiner Vielfalt überrascht, bleiben wir länger als gedacht. Was uns reizt, ist die Mischung eines beschaulichen Städtchens mit fotogenen Lagerschuppen am Lillestrand, lebendigem Treiben auf See und Fischern auf ihren Booten, die allabendlich ankommen und ihren Fang direkt von Bord verkaufen. Was sich so alles im Meer tummelt, lernen wir im Fjord- und Beltzentrum, das ungewohnt in einem 50 Meter langen Unterwassertunnel eingerichtet wurde.
Gleich am Ortsrand beginnen lange Sandstrände, die sich bis Hirtsholm erstrecken. Diese Halbinsel ist mit dem Naturschutzgebiet Fyns Hoved bestens für Radtouren und Spaziergänge geeignet. Einmal fahren wir von unserem Quartier aus zu einer vorbildlich restaurierten Windmühle in Viby und besuchen das Wikingermuseum Ladby, wo das einzige Grab eines Wikingers samt seinem Kriegsschiff und reichen Grabbeigaben freigelegt wurde.
Der Süden Fünens wird wegen der vielen vorgelagerten Inselchen als „Dänische Südsee“ bezeichnet. Besonders eindrucksvoll wirkt die Region im Sommer bei der Oldtimerregatta „Fyn rundt“, wenn Prachtboote in voller Takelage um die Insel kreuzen. Landratten können das Spektakel am besten vom Hafen in Svendborg beobachten.
Sehenswert ist auch das Renaissanceschloss Egeskov aus dem 16. Jahrhundert. Es preist sich als bestes Beispiel eines repräsentativen Herrenhauses in Nordeuropa und ist ein Wasserschloss wie aus dem Bilderbuch mit runden Türmchen, Zugbrücke, prunkvollen Räumlichkeiten, schmucker Gartenanlage und als Sahnehäubchen einer Oldtimerausstellung mit Fahrrädern, Kutschen und einem der ersten Wohnmobile.

Mehr Abwechslung im Süden
Die Südhälfte Fünens ist abwechslungsreicher als der Norden. Die Landschaft wird hügelig, und immer wieder schauen Herrenhäuser zwischen Bäumen hervor. Auf der Fahrt zum Brückenkopf in Middelfart entdecken wir Fachwerkhäuser mit typischen Reetdächern und stehen schließlich vor der ältesten noch betriebenen Wassermühle Dänemarks.
Lagerhäuser und große Kaufmannshöfe prägen das Bild der 6.000-Einwohner-Stadt Fåborg im schönsten Winkel der Insel. Wir stellen unser Wohnmobil am Kai ab, entdecken bei einem Bummel viele unbekannte Details aus vergangenen Zeiten und sehen uns den Kaufmannshof „Gamle Gaard“ an. Er wurde 1725 erbaut und zeigt nun sehr anschaulich das Leben in der Stadt während der letzten 200 Jahre.
Wer schnell wieder Richtung Heimat fahren muss, kann in Fåborg die Fähre über den Kleinen Belt nach Fynshav nehmen und über Sønderborg weiter zur Autobahn nach Hamburg. Wer hingegen noch ein paar Tage Zeit hat, kann in Jütland den Runenstein bei Jellinge sehen, im Legoland einen ganzen Tag verbringen und in Badeorten wie Henne Strand und Blåvands Huk die Salzluft der Nordsee einatmen – als Abschluss einer Reise, für die wir uns vorgenommen hatten, auszuspannen und doch etwas zu erleben. Und Strand zu sehen. Ja – das ist auf Dänemarks Inseln vortrefflich gelungen.

Seite 2 – Guide Dänemark mit Infos zu Verkehrsbestimmungen, Camping- und Stellplätzen und vielem mehr …

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