Der große Report: Sanierung der Innenausstattung von Theo Gerstl

In neuer Frische
Irgendwann ist man es leid: Die Rotweinflecken in den Stoffen der Dinette halten die Erinnerung an den geselligen Urlaubsabend nicht mehr wach, sondern stören bei jedem Blick. Wellige Stoffe und ein schmerzender „verlängerter Rücken“ sind klare Anzeichen für durchgesessene Polster, und auch die nicht zum Rest des Ausbaus passenden Seriensitze von Ducato & Co. beleidigen das Auge. Gründe, dem Mobiliar eine Schönheitsoperation zu spendieren, gibt es jede Menge. Und darauf haben sich einige Firmen spezialisiert, die ohnehin bereits die Serienpolster für die Hersteller produzieren.

Spezialisten für Neu und Gebraucht
So liefert die G+S Sitz- und Polstermöbel GmbH rund 25.000 bis 28.000 Inneneinrichtungen pro Jahr an Hersteller wie beispielsweise Niesmann+Bischoff, Hymer, Carthago, Knaus oder Westfalia. Darüber hinaus rollen jährlich auch noch rund 250 bis 300 Privatkunden auf den Hof der Bad Kreuznacher Polstermacher, um ihrem Reisegenossen ein Innenraum-Update zu spendieren.
Seit 1999 widmet sich auch die Cowan Textiles GmbH der „kompletten Neugestaltung im Bereich mobiles Wohnen“ und fertigt seit 2001 ebenfalls Serienausstattungen – für die Hersteller Dethleffs, Bürstner, Sunlight und Carado sowie LMC. Und genau in diesem Geschäftsbereich der Erstausrüstung für Caravan-Hersteller liegt auch einer der großen Vorteile bei der Sanierung von gebrauchten Fahrzeugen: „Cowan ist durch die Serienfertigung im Besitz von über 1.000 verschiedenen Stoffen aus den vergangenen Jahren und hat somit viele Ersatzstoffe in zueinander passenden Designs auf Lager“, erklärt Steffen Gleiche vom Gubener Unternehmen.

Unterschiedliche Kundenwünsche
„Fahrer- und Beifahrersitzbezüge sowie Polsterbezüge nutzen sich ab, ziehen Fäden oder Haustiere haben ihnen zugesetzt. Nicht so sehr kaputt, aber schnell durchgelegen oder von Anfang an unbequem, sind in stark zunehmendem Maße Matratzen. Auch der Polsterschaum ist schon mal durchgesessen bzw. zu weich“, zählt Steffen Gleiche die Hauptschäden auf, die an den Wohnlandschaften gebrauchter Reisemobile und Caravans saniert werden müssen.
Aber auch Selbstausbauer suchen die Unterstützung der Polstermacher – genauso wie Individualisten, die ihre ganz speziellen Vorstellungen umgesetzt haben wollen. Selbst Besitzer von nagelneuen Reisemobilen lassen sich das Interieur neu gestalten, wenn sie ein spezielles Womo- oder Caravan-Modell unbedingt ihr Eigentum nennen möchten, mit den verfügbaren Stoffen und Designs der Hersteller jedoch nicht glücklich werden.

Alles ist möglich
„In erster Linie werden Polster, Vorhänge und Matratzen saniert“, weiß Gernot Schank von G+S und ergänzt: „Neuerdings geht der Trend auch zu Schonbezügen.“ Mit denen versuchen Besitzer von Neufahrzeugen ihre Polster präventiv zu schützen, wenn sie beispielsweise ein Haustier haben, in der Hoffnung, dass eine spätere Sanierung erst gar nicht nötig wird.
Praktisch alle im Polstergewerbe verwendeten Materialien kommen bei einer Sanierung von Reisemobilen und Wohnwagen zum Einsatz – von verschiedensten Stoffen über Alcantara bis hin zu Leder, je nachdem was sinnvoll ist und der Besitzer eben wünscht. Dabei sind Nähte in allen denkbaren Kombinationen und Farben Standard. Auch die Wahl der Polsterschäume und ihrer Härten, Kniewülste, Lordosenstützungen auf den Polsterrücken, Kissen oder Stickereien werden nach Kundenwunsch umgesetzt.
Eine Materialbesonderheit weisen die mit Teflonfäden abgedeckten Bezugsstoffe für die Innenausstattung auf: Sie sind nicht nur „sonnenbeständig“, sondern auch schmutzabweisend – der Inhalt eines umgefallenen Rotweinglases perlt auf ihnen einfach ab.

Lohnend oder nicht?
Bei welchen Fahrzeugen sich eine Sanierung noch lohnt, lässt sich schwer sagen: Einerseits ist der Restaurierungsumfang unterschiedlich und kann bis zu 4.000 Euro betragen. Schließlich setzen sich die Sitzgruppen eines Caravans oder Wohnmobils aus einer Vielzahl individueller Einzelteile zusammen – Rundsitzgruppe, Dinette, einfache Seitensitzgruppen oder spezielle auf Maß gefertigte Sitzgruppen. Dem gegenüber steht, dass der individuelle Wert eines Fahrzeuges nicht immer identisch mit dem realen Gebrauchtwert ist – man denke nur an Erbstücke oder objektiv alte Fahrzeuge, die aber eines Tages zum geschätzten Oldtimer reifen sollen. Doch generell gilt: Chassis und Aufbau sowie die Einbauten müssen noch in einem guten Zustand sein. Besonders wichtig ist auch, dass kein Wasser in den Innenraum eingedrungen ist, die Dichtigkeit der Außenhaut also noch gegeben ist.

Wie man sich bettet …
Wechselnde Temperaturen, Feuchtigkeit und die Belastung vieler Nächte – die Matratzen im mobilen Heim müssen viel aushalten. Entsprechend haben die Ausbauspezialisten spezielle Lösungen für den Matratzen-Aufbau entwickelt. Verschiedenste Materialien – von Poren- über Visco- bis hin zu Kalt- und PUR-Schaum – werden dabei in mehreren Lagen miteinander kombiniert, wobei jedes Material seine Stärken (und natürlich auch Schwächen) hat.
Gleichzeitig ist für Matratzen im mobilen Heim meist nur wenig Platz: Breite und Höhe können eingeschränkt sein, und diverse Einschnitte, Rundungen oder Aussparungen ändern die Konturen. So passt nicht jeder Matratzentyp für jedes Bett, da hilft nur die persönliche Beratung durch die Spezialisten vor Ort weiter.

Individuelle Beratung
„Als erstes sollte man sich nicht nur im Internet oder auf Messen, sondern auch mit uns telefonisch beraten“, empfiehlt Steffen Gleiche die ersten Schritte, wenn man sich für eine Sanierung interessiert und erklärt weiter: „Nur so kann ein passendes, verbindliches Angebot erstellt werden. Eine Auswahl an Materialien und Möglichkeiten findet sich zwar auf unserer Webseite, aber das ersetzt nicht die Erfahrung und Fachkompetenz unserer Beraterinnen. Natürlich senden wir auf Wunsch auch gerne in Farbe und Design zusammenpassende Materialmuster zu. Ist man dann mit der Beratung und unserem Angebot zufrieden, wird der Ausführungszeitraum abgestimmt. Wir benötigen in der Regel drei bis fünf Werktage für ein Fahrzeug. Meist ist es so, dass die Kunden zu Beginn einer Arbeitswoche zu uns kommen. Manchmal gibt es auch zusätzlich Kleinigkeiten wie Garderoben, Utensilientaschen etc., die noch erneuert werden sollen. Darauf sind wir vorbereitet, vor Ort lässt sich das mit unseren Fachleuten absprechen. Danach geht unser Team gleich ans Werk, und die Kunden können derweil ihr Fahrzeug bei uns stehen lassen oder auch im Fahrzeug wohnen bleiben.“ Für letzteren Fall unterhalten die Sanierungsspezialisten eigene Stellplätze und sind bei der Zimmervermittlung oder der Leihwagensuche behilflich.

Lederspezialist
Der Polstermacher G+S verwendet bei 43 Prozent der Innenausstattungen Leder als Bezugsmaterial, bei der Rühl Leder GmbH sind es – wie der Name bereits vermuten lässt – einhundert Prozent. Seit über 120 Jahren beschäftigt sich der Traditionsbetrieb aus Mülheim an der Ruhr mit der Verarbeitung von Leder und hat sich inzwischen darauf spezialisiert, Fahrzeuge aller Art damit auszustatten. Egal, ob geliebter Oldtimer, strapazierter Brummi oder Reisemobil und Caravan: Ob Sitze, Lenkräder, Armaturenbretter, Türinnenseiten, Dachhimmel oder die Manschetten für Schalthebel und Handbremsen – bei Rühl wird alles mit Leder bezogen, was sich der Kunde wünscht.
Im Reisemobil geht die Belederung nach dem Fahrerhaus natürlich noch weiter, wozu Rühl selbst hergestellte und entwickelte Lederbezüge verwendet. Sitzgruppen, Garderoben, Wand- und Bettverkleidungen werden auf Wunsch mit Möbel- oder Automobilleder veredelt, Mehrfarbigkeit bei der Lederauswahl und Wunschfarben der Nähte sind ebenso möglich wie Nappaleder oder eine Kombination aus Alcantara und Leder: Nur der individuelle Geschmack setzt hier die Grenzen.

Vollendete Optik
Sind die Polster neu, der Schlaf- und Sitzkomfort optimiert, bringen die Details die Vollendung der Innenraum-Auffrischung. Plötzlich fällt nämlich auf, dass die Gardinen eher gelb denn weiß sind und die Farbe der Vorhänge so gar nicht mehr zum Design der neuen Polsterlandschaften passen will. Und erst der Teppich, der wirkt plötzlich älter und abgetretener denn je. Doch auch das ist für die Spezialisten kein Problem, allein im Sortiment von Cowan finden sich 30 verschiedene Teppichqualitäten, die in 160 Farben zur Wahl stehen.
Schließlich runden Blenden, Taschen, und Garderoben – aus Stoff oder Leder und sogar mit integrierten Spiegeln versehen – das Finish des neuen Wohnambientes ab. Nun steht vielen weiteren Urlaubsreisen mit dem renovierten Weggefährten nichts mehr im Wege. Für wohnliches Ambiente ist jedenfalls gesorgt – und das zu deutlich geringeren Kosten als bei einer Neuanschaffung des kompletten Wohnwagens oder Reisemobils.

Adressen von Wohnmobilausstattern*
Cowan Textiles GmbH
Elsterweg 2 · D-03172 Guben
Tel. 03561-546650
www.cowan.de


G+S Sitz- und Polstermöbel GmbH
Untere Gewerbestr. 1 · D-55546 Pfaffen-Schwabenheim
Tel. 06701-205260
www.diepolstermacher.de


Rühl Leder GmbH
Mainstraße 42 · D-45478 Mülheim an der Ruhr
Tel. 0208-9409490
www.ruehl-leder.de


Cleves GmbH
Schwabenstr. 19 · D-47169 Duisburg
Tel. 0203-501034
www.clevespolster.de


Bettenkontor Hages
Nietzschestraße 30 · D-68165 Mannheim
Tel. 0621-12282758
www.bettenkontor-hages.de


Saarschaum GmbH & Co. KG
Lichtenkopferweg 1 · D-66450 Bexbach
Tel. 06826-935720
www.saarschaum.de

*Ohne Wertung und Anspruch auf Vollständigkeit

VN:F [1.9.20_1166]
Artikelbewertung
Bewertung: 0.0/5 (0 Stimmen)

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *



− 6 = 1

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>