Schöne Wüsten, wüste Stürme – Marokko Teil 1 (Seite 1 von 2) von Bernd Loewe | Johannes Kühner (Guide Marokko)
Tourist Info
Marokkanisches Fremdenverkehrsamt
Tourisme Marocain
Graf-Adolf-Str. 59 · D-40210 Düsseldorf
Tel. 0211-370551
www.visitmorocco.com


Deutsche Botschaft Marokko
7, Zankat Madnine
B.P. 235,MA-10000 Rabat
Tel. +212 (0)537-218600
Notruf +212 (0)661-147059
www.rabat.diplo.de

Was für ein toller Start im Land der Berber, der unendlichen Weite und der abwechslungsreichen Landschaften mit grünen Hügeln auf der einen und schroffen Bergen auf der anderen Seite! Als wir die Fähre in Tanger verlassen, reißt der bewölkte Himmel langsam auf, die Sonne kommt zum Vorschein. Wir könnten jetzt zunächst Richtung Süden nach Asilah fahren, aber die dortige Altstadt mit ihren portugiesischen Festungsmauern werden wir erst am Ende unserer 26-tägigen Reise besichtigen. Stattdessen führt uns die Küstenstraße 60 Kilometer weit an der Mittelmeerküste entlang, das Wasser glitzert – ein schönes Panorama, kilometerweit, das nur von ausgedehnten Ferienanlagen, Hotels und Betonklötzen gestört wird.
Wir erreichen den Küstenbadeort Martil, wo wir unsere erste Nacht in Marokko verbringen. Der Ort ist unser Ausgangspunkt für eine Fahrt im Sammeltaxi in die Medina – die Altstadt – von Tétouan. 500.000 Einwohner leben in der etwa zehn Kilometer von Martil entfernten Metropole, deren malerische weiße Häuser zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören.
Wir lieben dieses orientalische Leben in den Souks, also den kommerziellen Vierteln arabischer Städte. Und unsere Erwartungen werden voll erfüllt. Die schmalen Gassen, manchmal überdacht, mit unzähligen Ständen und kleinen Geschäften sind von einer fünf Kilometer langen Stadtmauer umgeben, die von sieben Toren unterbrochen ist. Was die Marokkaner zum Leben brauchen, gibt es hier zu kaufen, sämtliche Handwerkszweige sind vertreten: Kupfer- und Silberschmiede, Tischler, Gerber, Töpfer – aber es gibt auch Fleisch vom Metzger, Kleidung von Schneidern und gebrauchte Ware auf einem Flohmarkt. Herrlich anzusehen, und herrlich sind auch die Düfte der Essensstände, der Gewürze und der Waren auf dem Fischmarkt.

Blick über die Dächer der Medina
Ein eifriger fliegender Händler lotst uns auf eine Dachterrasse in einem historischen Haus mit tollem Blick auf die Dächer der Medina. Natürlich sollen wir anschließend durch einen Teppichladen, auch die vielen Souvenirs ansehen, aber das wehren wir freundlich und standhaft ab. Der nette Führer bekommt ein kleines Trinkgeld und verschwindet. Nach gut drei Stunden ist der Einstand in die aus unserer Sicht liebenswerte marokkanische Mentalität gelungen.
Die erste Nacht endet früh: Noch im Dunklen kläffen die Hunde Martils ringsherum; dann folgen die Gebetsaufforderungen der Muezzine aus den Moscheen. Sie erwecken die Stadt zum Leben, und uns auch. Das gehört eben zu einem muslimischen Land dazu. Schließlich gehören offiziell 96 Prozent der Bevölkerung der sunnitischen Richtung des Islam an.
Als wir aufbrechen und auf der Küstenstraße weiterfahren, genießen wir abermals tolle Panorama-Aussichten und beobachten, wie sich zwischen Meer, Strand und Straße die Landschaft ändert: Das schroff bergige Gelände wird etwas lieblicher, die tief stehende Sonne bietet interessante Farbspiele und faszinierende Bergformationen.

Tipp
Pferde im prunkvollem Geschirr sind eine Touristenattraktion am Strand von Saida.   Foto: Rolf Langohr | fotolia

Pferde im prunkvollem Geschirr sind eine Touristenattraktion am Strand von Saida.

Saidia
Unglaubliche 14 Kilometer misst der Strand des Badeorts Saidia am Mittelmeer und lockt in der Ferien­zeit rund 200.000 Marokkaner und ausländische Urlauber, die sich einfach mal die Sonne auf den Bauch knallen lassen wollen. Denn viel mehr als seine Traumstrände und Promenaden hat die „Blaue Perle Marokkos“ nicht zu bieten. Wer aber auf der Suche nach türkisfarbenem klarem Wasser, feinen Sandstränden sowie Segel-, Tauch- und Wasserski-Schulen ist, der wird seine Erfüllung finden. Und ein bisschen Kultur gibt es auch: Eine Militär-Kasbah aus der Zeit Hassans I. Sonntags wird auf dem Palmenplatz vor dem Tor ein Souk – ein Markt – abgehalten, und im August lockt ein zweiwöchiges Musik- und Kulturfestival.

Sandsturm verschlingt alle Geräusche
Auf einem Stellplatz bei einem Restaurant zwischen Alhoceima und Nador erleben wir zum ersten Mal die Naturgewalten des Landes der Wüsten und Berge: Der Wind bläst nachts so stark, dass unser Bimobil sich wiegt wie auf hoher See. Selbst als wir in den Windschatten des Restaurants umparken, haben wir nicht genügend Schutz und fahren in die Dämmerung hinein. Bald erreichen wir Nador und holen auf einem großen Platz in einer fremden Stadt eine Runde Schlaf nach. Immerhin: Nach dem Frühstück kommt endlich wieder die Sonne durch, und wir hätten Zeit, in den Badeort Saidia am Mittelmeer zu fahren.
Doch das sollte es noch nicht gewesen sein: Nachmittags auf der N 17 taucht vor uns plötzlich eine bedrohliche dunkle Wolkenwand auf. Kurze Zeit später wissen wir, was es damit auf sich hat: Ein Sandsturm fegt über die karge wüstenartige Gegend. Rund 60 Kilometer dauert die konzentrierte Fahrt durch Sandwolken – lediglich der Mittelstreifen bietet Orientierung. Schlechte Sicht und hohe Sandverwehungen machen das Vorwärtskommen zu einem Geduldsspiel. Aber wir wollen ja etwas erleben, und das bekommen wir jetzt geboten. Erst am späteren Abend lässt der Wind fast schlagartig nach, plötzlich sind wieder die normalen Geräusche zu hören: bellende Hunde, schwatzende Menschen, wenige Autos.
Weiter geht die Fahrt – und das Staunen, wenn wir aus den Fenstern schauen. Diese fantastische Landschaft steht für ein Marokko, das uns immer wieder aufs Neue fasziniert: Der Verlauf der gut ausgebauten N 17 wirkt an manchen Stellen fast unendlich. Wir kommen über weite Ebenen und halten in Bouarfa, einem gepflegten Ort mit einem schönen Stadttor. Mit der Zeit wird es leicht bergig. Und immer noch bekommt das Auge nicht genug angesichts der kargen, aber abwechslungsreichen Landschaft. Ein Schild warnt davor, dass Kamele die Straße überqueren könnten.

Oasenstadt Figuig
Unser nächstes Ziel – die wenig touristische Oasenstadt Figuig – liegt nahe an der seit 1994 geschlossenen Grenze zu Algerien, am Rande der Sahara. Die Grundlage der Oasenbewirtschaftung bilden die rund 200.000 Dattelpalmen, die zum Teil von unterirdischen Kanälen bewässert werden. Der Ort selbst erscheint uns nicht allzu attraktiv. An einem Kreisverkehr versammeln sich einige fliegende Händler und bieten allerlei gebrauchte Waren an, viele kleine Geschäfte versorgen zudem die rund 12.500 Einwohner der Stadt und der Umgebung, überwiegend Berber. Einzig im Ortszentrum liegt ein schön angelegter Park. So schlendern wir zum Campingplatz zurück und laufen noch ein Stück durch die „alten“ Palmengärten. Überall sind noch Reste der ursprünglichen Ksare (Orte aus Lehmbauten) zu sehen.
Von den Dattelpalmen-Gärten versprechen wir uns mehr, und wir werden nicht enttäuscht. Von einem Plateaurand aus windet sich eine Gasse hinunter in die Anlage, zunächst vorbei an Lehmbauten. Ein wahrer Irrgarten von Wegen führt zwischen den Dattelpalmen hindurch. Die Bewässerung erfolgt traditionell durch ein weit verzweigtes Kanalsystem mit verschiedenen Zwischenbecken. Figuig verfügt über ein ausgeklügeltes Wasserrecht, das die Verteilung des kostbaren Nasses regelt.
Der entspannende Spaziergang durch die Palmengärten endet auf dem Markt, wo auf einer großen Fläche viele Dinge des täglichen Bedarfs, Kleidung, Schuhe, Teppiche sowie Obst und Gemüse angeboten werden. Wir kaufen saftige Äpfel und Orangen.
Jetzt fahren wir zum Bauernhof „Ferme Abdou“ in der Nähe von Mengoub. Wir wollen abkürzen über die unbefestigte Straße D 603 und merken schnell, dass wir uns 50 Kilometer Piste dann doch nicht antun wollen, nur um 30 Kilometer zu sparen. Also fahren
wir zurück über Bouanane und durch das schöne Stadttor. Heute kreuzen kleine Dromedare, Schafe und Ziegen unseren Weg.
Die „Ferme Abdou“ – inklusive Stellplätzen mit Stromanschlüssen und richtig heißen Duschen – ist noch nicht lange an dieser Stelle bei Mengoub. Es gibt sogar einen großen Pool in der ersten Etage mit Blick auf die Schafskoppel. Bei einem geführten Rundgang sehen wir die Tierhaltung aus der Nähe, Pferde und viele Kaninchen in Ställen. Hühner und anderes Federvieh laufen im Innenhof in einem geräumigen Gehege herum.

Tipp
Fiche: Vorausgefülltes Formular.   Foto: Bernd Loewe

Fiche: Vorausgefülltes Formular.

Fiche für Polizeikontrollen
Wegen der Nähe zur algerischen Grenze sind Polizeikontrollen im Osten von Marokko an der Tagesordnung, oft sogar mehrmals auf einer kurzen Strecke. Reisende werden aufgefordert, die Daten aus ihrem Reisepass sowie Reiseziel und Angaben zum Fahrzeug in ein Buch einzutragen. Das geht aber auch schneller: Mittlerweile sind vorab ausgefüllte Zettel (französisch: Fiche) akzeptiert, die man vor seiner Reise am Computer ausfüllen und in sehr großer Anzahl (zur Sicherheit mindestens 20 Exemplare) mit sich führen sollte. Das erspart lange Wartezeiten.

Kleiderkammer für Nomaden
Nach zwei sehr ruhigen Nächten wollen wir weiter zur Olivenfarm Thomas Friedrich – um Gutes zu tun: Wir haben Spenden für seine Kleiderkammer dabei. Auf dem Weg zur Farm durchqueren wir abermals fesselnde Landschaften, sehen eine Oase und einen Friedhof mit einem Marabut – der Grabstelle eines Heiligen.
An der Olivenfarm begrüßt uns eine Großfamilie vom Stamm der Berber. Sie sind sesshaft gewordene Nomaden. Die ältere Generation lebt zumindest im Sommer noch immer gerne im traditionellen Zelt, das am heutigen Tag von den Frauen aufgebaut wird. Der Verwalter spricht ein wenig Deutsch, einer seiner Söhne aber fast perfekt. „Habe ich von Thomas gelernt!“, sagte er stolz. Ein älteres Paar kommt zum Mobil und bietet alte Münzen an, die Kinder stehen stumm daneben. Die Idylle auf dem Hof ist beschaulich, drei Enten watscheln durch die Gegend, ein kleiner Hund jagt eine Katze, die Kinder toben herum. Wir stehen auf einer großen Fläche, ringsherum freier Blick auf die Ebene, auf die faltigen Berge, einfach herrlich.
Später am Abend kommen zwei Kinder mit einem gut gefüllten Blechteller und zwei Löffeln. Unser Essen! Es gab Couscous – ein Gericht der nordafrikanischen Küche, das aus befeuchtetem und zu Kügelchen zerriebenem Grieß von Weizen, Gerste oder Hirse hergestellt wird. Dazu kommt Hühnchen, garniert mit Möhren.
Drei Brunnen versorgen das Grundstück von Thomas Friedrich mit Wasser. Das ist auch nötig, denn seit sechs Jahren hat es in dieser Gegend so gut wie nie geregnet. Mit dem Brunnenwasser können die rund 4.000 Olivenbäume halbwegs versorgt werden, allerdings sind die Erträge wegen der klimatischen Verhältnisse nicht mehr allzu gut. Außerdem sind im Laufe der Jahre die Preise für Oliven stark gesunken. Neben der Farm exportiert Thomas Friedrich deshalb auch Heilkräuter aller Art für homöopathische Medikamente in Deutschland, sogar mit Auszeichnung.
Weshalb wir überhaupt zur Farm des Deutschen Thomas Friedrich gekommen sind? Weil er auch eine Kleiderkammer für die in der Umgebung lebenden Nomaden betreibt, die zu den Ärmsten der Bevölkerung gehören. Unser Heckstauraum ist voll mit Kisten und Säcken gut erhaltender Kinderkleidung einer Familie aus unserer Heimatstadt und auch der Heimat von Thomas Friedrich. Der deutsche Farmbesitzer trifft am Nachmittag ein, und zwei Helfer tragen unsere Kisten und Säcke in ein Lager. Wir sind uns sicher, hier ist die Kleidung gut aufgehoben.
Am nächsten Morgen füllen wir Brunnenwasser in unseren Tank – es ist in Deutschland analysiert und für gut befunden worden – und nähern uns über eine schmale Straße der Schlucht des Flusses Ziz. Ein kleiner roh in den Fels gehauener Tunnel der Legionäre ist in jedem Reiseführer erwähnt. Nach der Durchfahrt halten wir an – der Tunnel, die Schlucht und der Fluss ergeben ein herrliches Bild.
Weiter geht die Fahrt durch die Schlucht, mit sehenswerten Palmenoasen, begrenzt von steil aufragenden Bergen – unser Marokko, wie wir es lieben. Am frühen Nachmittag erreichen wir den Campingplatz „Source Bleue de Meski“ – mitten in einem tiefen, von Palmen umgebenen Taleinschnitt.

Meski, die alte Kasbah
Auf der anderen Seite des Flusses steht die halbverfallene und schon lange verlassene Festung Kasbah Meski auf einem Felssporn. Sie wirkt fast wie eine Burg und war in der Tat früher auch verteidigungsfähig. Den Weg durch die Oasengärten finden wir schnell, den seichten Fluss kann man an einer Waschstelle überqueren. Sieben Frauen sitzen am Ufer und rubbeln ihre Wäsche sauber, die auf Eseln an den Fluss transportiert worden ist – eine Waschstelle, wie es sie vermutlich auch schon vor Jahrhunderten gegeben hat. Es sind zwar auch einige Plastikschüsseln unter den Wasch-Utensilien, überwiegend aber Metallschüsseln, die genau in die Ringe passen, welche die Esel tragen.
In der Kasbah sind viele Mauern zerfallen, aber eine gewisse Vorstellung vom dortigen früheren Leben können wir uns durchaus machen: überall Gassen, Häuser, Lehmwände und viele Steine. In der Moschee sind noch Säulen zu erkennen, und die Kanzel des Imam ist zu sehen. Der immer noch tiefe Brunnen fördert Wasser für die rituellen Waschungen. Immer wieder erhaschen wir einen Blick auf die Palmenoase im Taleinschnitt und die Wüste in der Ferne. Von oben erblicken wir einen Marabut, nicht weit davon entfernt einen alten Friedhof. Zum Abschluss des Ausflugs erobern wir noch das gegenüberliegende felsige Plateau, steigen irgendwann wieder in das Oasental hinunter und durchqueren die Oasengärten.
Nur zehn Kilometer weiter finden wir einen großen Parkplatz – inklusive Aussichtsterrasse mit schönem Blick auf das tief eingeschnittene Ziz-Tal, mit Palmen und Lehmdörfern. Später erreichen wir eine Wasserfontäne, die aus einem Becken mit hohem Druck mehrere Meter hoch sprudelt. Hier wurde vor längerer Zeit nach Wasser gegraben und auch reichlich gefunden. Nur ist das kalzium- und salzhaltige Wasser nicht so recht genießbar. Der Wind fegt über den Platz, die Fontäne sprüht weit in die Landschaft.

In diese Landschaft bahnen wir uns nun weiter unseren Weg. Unsere nächsten Ziele sind die höchsten Dünen Marokkos, außerdem werden wir ein Gebirge durchqueren, bunt bemalte Granitfelsen zu sehen bekommen und auf fast 2.000 Metern Höhe in tiefe Täler hinabblicken. Uns erwarten pulsierende Königsstädte wie Marrakech und Meknès sowie Römerstätten und Wallfahrtsorte. All diese Sehenswürdigkeiten haben wir noch vor uns auf unserer 26-tägigen Reise durch ein wunderbares Land mit gastfreundlichen Menschen und spannender Kultur. Und auch eines der sieben Weltwunder wird uns begegnen in Teil 2 unserer Reise durch Marokko – in der Camp24Magazin-Ausgabe Dezember 2014.

Seite 2 – Guide Marokko mit Infos zu Verkehrsbestimmungen, Camping- und Stellplätzen und vielem mehr …

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2 Gedanken zu “Schöne Wüsten, wüste Stürme – Marokko Teil 1

  1. Liebe Herr Loewe und Kühner,

    wo bzw. unter welcher Seite kann ich solch ein Fiche d’etat civil in Blanko-Form herunterladen bzw. bekommen?

    Herzlichen Dank für die Hilfe!

    Beste Grüße

    Saurle

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