Deutschland erFahren – Allgäu von Inge Gaebel
Wegbegleiter
Glücklich auf der sattgrünen Wiese.

Glücklich auf der sattgrünen Wiese.

Was ist mein Hund hier froh: Weite Wiesen und steile Hänge machen Frau Malinksi glücklich! Endlich hat sie genug Auslauf und Anregung; Berge klettern, durch Bäche waten und Dohlen jagen stehen auf der Hunde-Hitliste ganz oben.
Im Bavaria Camp hat sie einen neuen Schlafplatz gefunden. Normalerweise kringelt sie sich in allen Fahrzeugen vor dem Beifahrersitz zusammen. Diesmal habe ich jedoch die Abtrennung zwischen dem Stauraum unter dem Bett und dem Durchgang herausgenommen – eigentlich, um bei Regen meine Taschen auszupacken, ohne um das Fahrzeug herumlaufen zu müssen. Ruckzuck ist sie umgezogen und liegt nun in ihrer Privathöhle unter dem Bett. So schläft sie zurückgezogen und zieht erst am Tage in den Fußbereich an der Schiebetür um – wegen des besseren Überblicks nach außen.

Eine Herbstreise durch das Allgäu
Diese Reise beginnt mit einer Betriebsführung bei Bavaria Camp Geschäftsführer Rudi Schmidmair übergibt mir nicht nur mein rollendes Zuhause für die nächsten Wochen, sondern zeigt mir auch gleich die Produktion. Heute ist der Betrieb Teil des Knaus-Verbundes, man versteht sich innerhalb der Gruppe als Premium-Anbieter. Ich bin gespannt, zu erfahren, ob dem so ist. Die Produktion hat eine Fertigungslinie, nebenan und in Seitenräumen wird vormontiert, und ich erfahre, dass fast alle Komponenten selbst gefertigt werden. Alle Arbeitsbereiche sind sauber und gepflegt. Es wird von außen nach innen gebaut, beginnend mit einer hochwertigen Dämmung – auch der Holme, was selten ist bei Kastenwagen – Kabel, Fenster, Möbel mit ordentlich ausgerichteten Spaltmaßen und stabilen Scharnieren, anschließend die Technik. Herr Schmidmair fordert mich auf, ihn unbedingt zu unterrichten, wenn bei der Fahrt irgendetwas klappern oder knarren sollte; das könne er gar nicht leiden. Heute kann ich berichten, dass dies nicht der Fall ist. Ich packe also meine Siebensachen in „meinen“ Vanverto, dazu den Hunderucksack und los geht’s!

Schmuck in Kaufbeuren, Kunst in Füssen
Bis Kaufbeuren komme ich noch am Abend und finde einen Parkplatz direkt am Rande der Innenstadt. Die Stadt mit rund 43.000 Einwohnern hat einen multikulturellen Hintergrund, der Stadtteil Neugablonz wurde als Spätaussiedlergemeinde in den Siebziger Jahren eingemeindet. Frau und Hund schlendern durch die Stadt, genießen das herbstliche Föhnwetter und den strahlenden Himmel. Wir klettern zum mittelalterlichen Wehrgang auf der Stadtmauer und bewundern den Fünfknopfturm. Von dieser Ecke aus hat man eine prima Sicht über die Dächer der hübschen Altstadt. Wieder zurück in der Stadt, landen wir in einem Bio-Café gleich rechts des Rathauses; dort gibt es leckeren Kaffee und hausgemachten Kuchen. Ins Gespräch gekommen, erhalte ich wieder einmal tolle Tipps und folge einem davon bei meinem späteren Besuch in Füssen zu einer ehemaligen Fabrikation direkt am Lech, der hier türkisblau durch die Stadt strömt. In den Hallen sind heutzutage Fertigungsbetriebe angesiedelt sowie eine Ausstellung mehrerer Künstler. Deren Bilder sind bei meinem Besuch gerade abgehängt, doch das hat seinen Grund – denn donnerstags abends steigt hier eine Jam-Session. Hier toben sich also Musiker aus, und es scheint eine nette Szene zu sein (Mühlbachgasse 2-4, 87629 Füssen). Nördlich des Kaufbeurer Zentrums, in Neugablonz, besuche ich aber zunächst die Berufsfachschule für Glas und Schmuck (Dürerweg 5). Hier werden nicht nur Silber- und Goldschmiede, sondern auch Graveure und Glasmaler ausgebildet. Es ist gerade Mittagspause, und so treffe ich nur einige Schüler an, die mir mit Begeisterung von ihrer Arbeit erzählen. Sie zeigen mir, an welchen Stücken sie gerade arbeiten, und man sieht, dass sie keine Anfänger mehr sind. Im dritten Ausbildungsjahr fertigen sie längst sehr filigrane Stücke. Spannend, das Ganze. Doch wir wollen weiter. Zur Abwechslung geht es jetzt mal mit den Rad los; es gibt hier Radwege en masse, gut ausgeschildert und befestigt.
Von Kaufbeuren aus zuckeln wir auf der B 16 Richtung Süden und halten zu einer Stippvisite in Marktoberdorf an. Auch wenn wir hier im Bundesland Bayern sind, so ist hier doch die Sprachverwandtschaft zum Schwäbisch-Alemannischen hörbar, und ich erfreue mich an altvertrauten Lauten aus Studienzeiten. Doch weiter geht’s nach Süden, denn wenigstens einen Kulturtag will ich auf meiner Reise einlegen. So lande ich am Abend in Füssen, stöbere noch ein wenig durch den Werksverkauf von Vaude (Schäfflerstraße 19b), und dann übernachten wir für sieben Euro unversorgt am Fuße der Königsschlösser. Die Klassiker Neuschwanstein und Hohenschwangau sind nun dran.

Schloss Neuschwanstein
Früh morgens geht es los, will ich doch nicht stundenlang auf den Eintritt warten und möglichst vor den Touristenmassen ins Schloss Neuschwanstein (Neuschwansteinstraße 20, 87645 Schwangau). Mali wird ausgiebig bespielt und müde getobt, denn sie muss den nächsten halben Tag alleine im Reisemobil bleiben. Nun denn, gut eineinhalb Kilometer geht es zu Fuß auf einer geteerten Waldstraße bergauf, zuweilen wird man von Kutschen überholt, die Lauffaule stilgerecht vor das Schloss fahren. Ludwig II. bewunderte sein Leben lang die alten Ritterburgen des Mittelalters und setzte sich mit Neuschwanstein ein Juwel in bester Lage. Seine Liebe zum Mittelalter war jedoch kombiniert mit einer Leidenschaft für technische Neuerungen seiner Zeit, und so entstand eine Kombination aus ritterlicher Nobelburg mit den Annehmlichkeiten des 19. Jahrhunderts. Wassergespülte WCs sogar für die Dienerschaft und Telefon wurden hier kombiniert mit Elementen des Historismus. Überall sieht man Szenen aus Opern von Richard Wagner, den der König sehr verehrte; sein Lieblingstier, der Schwan, erscheint über hundert Mal in Wandmalereien, Türgriffen, Figuren und Wasserspendern. Dazu rundherum sensationelle Ausblicke in alle Richtungen. Zu den Alpen hin blickt man auf Bergwände und Schluchten, die Wälder in bunten Herbstfarben, nach Norden hin ins freie Land und auf Forggen- und Bannwaldsee inmitten satt-grüner Wiesen. So ließ es sich leben! Nicht aber für König Ludwig, dessen Leben – abgedriftet in eine Traumwelt – nach nur 172 Tagen im Schloss unter mysteriösen Umständen verlosch. Es ist egal, ob man diese Art von Lebensweise befürwortet oder ihr entgegensteht: Ich bin überrascht, wie sehr die Mitbesucher der Führung das Schloss lieben und welche Anziehungskraft es als Ausdruck des Urdeutschen vor allem auf ausländische Besucher hat, die voller Begeisterung Gegend und Schlösser bereisen. Welch‘ einen Eindruck müssen die vielen japanischen Touristen haben, die von Deutschland vor allem das Heidelberger Schloss und Neuschwanstein sehen, aber kaum etwas von unserer Lebenswirklichkeit mitbekommen?

Hohenschwangau und Halblech
Eine kurze Pause am Alpsee, der in den schönsten Farben leuchtet, dann geht es nach Hohenschwangau (Alpseestraße 30, 87645 Schwangau), alles fußläufig erreichbar. Die ehemalige Burgruine mit dem schon bekannten Namen Schwanstein ließ Kronprinz Maximilian in den 1830er-Jahren im neugotischen Stil wieder aufbauen. König Ludwig verlebte hier seine Jugend, und die Bauarbeiten seines Traumschlosses Neuschwanstein überwachte er mit dem Fernrohr aus dem Fenster. Sogar ein drittes Schloss, Falkenstein, war noch geplant, wurde aber niemals realisiert. Nach diesem kulturellen Pflichtprogramm in der geballten Packung ist es an der Zeit, dass wir uns mal wieder bewegen müssen. Die wunderbare Herbstsonne will genutzt werden. Außerdem brauchen wir wieder ein bisschen Strom, und so fahren wir Richtung Halblech, wandern durch die unglaublich grünen Wiesen, die Frisbeescheibe fliegt, der Hund fegt hinterher, und unser beider Welt ist in Ordnung. Ein Wegweiser schickt uns zur Königlichen Kristall-Therme; Solewasser und Sauna, Bücher und Leckereien, Massage oder Fußpflege: Hier kann man sich verwöhnen lassen. Aus dem Ruhebereich der Sauna blickt man wahlweise wettergeschützt oder in der Sonne auf Berge und Neuschwanstein. Die Nacht verbringen wir auf dem Stellplatz Schwangau, direkt vor dem Campingplatz am Bannwaldsee (Münchner Straße 151). Dort ist es eben, und man ist bestens versorgt mit Strom, Wasser und endlich auch wieder Internet. Ansonsten ist direkt vor den Alpen die Netzabdeckung für Telefon und Internet leider äußerst dürftig und wackelig; an Arbeit und Surfen ist nicht zu denken, und so kann ich hier mal das eine oder andere aufarbeiten.

Tour-Tipps Teil 1
Miniwelt Oberstaufen
Faszinierende Flusslandschaften zwischen Rhein und Mosel, detailgetreu im H0-Format aufgebaut auf 300 Quadratmetern Fläche. Auch ein Streckenabschnitt zwischen Koblenz und Bingen ist dabei, der im Jahr 2002 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde.
Infos: www.miniwelt-oberstaufen.de


Museum Ravensburger
Nicht nur Ravensburger Spiele sind in diesem Museum zu finden, sondern auch Bilderbücher und eine ganze Lesewelt. Wimmelbilder im XXL-Format können bestaunt und die Geheimnisse von Sagaland kennengelernt werden. Eltern und ihr Nachwuchs sind hier nicht nur bei schlechtem Wetter gut aufgehoben: Zeit zum Spielen!
Infos: www.museum-ravensburger.de

Spannende Breitachklamm
Kreuz und quer, mal links mal rechts touren wir anderntags in Richtung Süden, an Sonthofen vorbei bis kurz hinter Fischen (E 532, B 19). Diesmal gibt’s keine weiteren Städte – mögen sie auch noch so schön sein, sie bleiben am Weg liegen, denn nun sind Berge und Gewässer angesagt. Der nächste Morgen gehört der Breitachklamm. Um acht Uhr stehen auf dem Parkplatz, der KEIN Stellplatz ist, drei Kastenwagen, und wir Wohnmobilisten sind dann auch die ersten in der Schlucht, die noch im Morgenschatten liegt. Von unten geht es in die immer enger werdende Spalte, man hat das Gefühl, als könne man die andere Felsseite berühren. Fünf, sechs, sieben Meter unter dem Steg rauscht und dröhnt die Breitach, Stämme liegen quer, dicke Felsbrocken stauen das Wasser streckenweise auf. Schaut man hoch, beleuchten die ersten Sonnenstrahlen eines perfekten Herbsttages die oberen Hangabschnitte. Ich schaue an der Brücke ebenfalls nach oben und erschrecke mich ordentlich. Dort ist ein Pegelmaß angebracht, und das Schild mit den Höchstständen vergangener Jahre zeigt, dass erst vor wenigen Jahren die Breitach hier sechs Meter über der Brücke stand, nicht wie jetzt sechs Meter darunter. Erst hier wird mir bewusst, wie viel Kraft die Wassermassen haben, die hier besonders zur Schneeschmelze im Frühjahr herunterdonnern, den Fels beständig abschmirgeln, Stämme und Felsen mitreißen. Erst im Jahr 1995 brach ein Teil der Wand in den Fluss ab, es stauten sich 300.000 Kubikmeter Wasser etwa 30 Meter hoch auf, ein immenser Druck entstand auf das verklemmte Geröll. Im März 1996 brach die Verblockung auf, und die ganze Schlucht wurde verwüstet. Glücklicherweise ist damit heute nicht zu rechnen, und so genieße ich das Naturschauspiel und Mali lernt, dass das donnernde Geräusch nicht so gefährlich ist, wie sie erst glaubte. Nur gut, dass wir gleich morgens starteten, denn schon auf dem Rückweg ist der enge Weg viel begangen, es wird touristisch.

Allgäuer Bergbauernmuseum
Über Immenstadt geht es auf der B 308 Richtung Oberstaufen. Allerdings muss ich immer wieder mal einem Schild folgen, auch wenn ich so niemals „voran“ komme. Doch das ist das Schöne am Wohnmobilfahren: Man kann sich auf alles einlassen, was einem über den Weg läuft. So fahre ich gleich hinter Immenstadt über eine kleine Seitenstraße Richtung Diepolz und besuche dort das Bergbauernmuseum (Diepolz 44, 87509 Immenstadt). Hier hat ein Profi aus der Museumspädagogik das Konzept entwickelt. Es sind nicht nur Exponate aus den alten Häusern zu sehen, sondern der Besucher kann alles anfassen, ausprobieren und erleben. Der Schwerpunkt liegt auf der Milchviehhaltung, das klingt erst einmal nicht so spannend. Ist es dann aber doch, denn auch als Erwachsener freut man sich über die Rasselbande, die „ins Heu springen“ spielt, geht mit magerem Halbwissen in den begehbaren Magen einer Kuh und erfährt spielerisch wie dieser funktioniert. Im Sattlerhof kann man in alte Kleider schlüpfen, sich auf Strohsäcke betten und so eine Zeitreise um 100 Jahre zurück machen. Da spürt man mal am eigenen Leibe, wie das Leben einst auf einem Hof war. Das Museum bietet in der Saison fast täglich Mitmachaktionen für alle Generationen und Geschlechter an, egal ob schnitzen, Edelweißsticken oder buttern. Käse gibt es natürlich auch und nicht nur hier, sondern in der ganzen Region sind Schilder zu Höfen, Produktionen und Verkaufsstellen. Hier hilft nur eines: Selbst probieren! Ich für meinen Teil habe längst in meinem Tagesrucksack eine Flasche Wasser, einen Apfel und ein oder zwei ordentliche Stücke Käse, die leider nie lange vorhalten. Das kann natürlich nur an Mali liegen, die Käse liebt und für besonders wichtige Übungen ein klitzekleines Belohnungsstückchen davon bekommt.

Hochgratbahn Oberstaufen
Doch nun wirklich auf nach Oberstaufen, wollen wir doch nun endlich eine Tour in die Höhe unternehmen. Auf dem Weg dorthin fahren wir an einer Attraktion vorbei, die offensichtlich gut besucht ist: die Alpsee Bergwelt. Hier sind Deutschlands größte Sommerrodelbahn, der „Alpsee Coaster“, mit dem man fast drei Kilometer den Berg herabsaust und ein riesiger Hochseilgarten. Beides ist allerdings nicht so hundetauglich, ich habe anderes vor, und so entscheide ich mich zum Weiterfahren. Von Oberstaufen führt die Straße gut ausgeschildert weiter zur Gondelbahn Richtung Süden. Parken an der Talstation der Hochgratbahn, Wanderschuhe an, Hund an die Leine, los geht’s (Lanzenbach 5, 87534 Oberstaufen). Mali ist schon beim Ankommen an der Seilbahn recht verunsichert, schweben doch diese gefährlichen gelben Eier direkt über dem Weg nach oben und müssen erst einmal angebellt werden. Mit Geduld und vielen Leckerli kann ich sie davon überzeugen, dass die Gondeln nicht bedrohlich sind, und dann hält sie auch tapfer den Einstieg in die ruckelig startende Gondel aus. Je höher, desto heller wird es. Oben erwarten uns eine unerwartete Wärme und eine grandiose Fernsicht in drei Länder. Selbst der Bodensee ist von hier aus zu sehen. Wir steigen den kurzen aber steilen Weg bis zum Gipfelkreuz und genießen die herrliche Aussicht. Die Alpendohlen warten hier auf Kundschaft, besser gesagt Futtergeber, und räumen die Picknickkrümel von Tischen, Bänken und aus dem Gras.
Dann machen wir uns an den Abstieg, der mit immer neuen Blicken aufwartet. Wunderbare alte Bäume begrüßen uns da, die Gegend ist bekannt für ein paar steinalte (oder müsste man sagen „baum­alte“?) Exemplare: Bergahorn, Eibe, Vogelbeere, Weißtanne und Rotbuche sind nur einige der Bäume, die der Steibis-Prospekt nennt und von denen ich auf meinem Weg einige sehen kann. Es geht wirklich Kraft von ihnen aus, und in der Abendsonne sehen sie besonders schön aus. Diese Tour ist gleichzeitig eine Premiere für meine neuen Wanderstiefel, und ich hatte vorab große Bedenken, ob ich blasenfrei zurückkommen würde. Nachdem ich also herausgefunden habe, dass ich besser zurechtkomme, wenn ich sie unten weiter und oben enger schnüre, läuft es sich wunderbar. Ein guter Kauf, den ich in einem der vielen Sport- und Trekkinggeschäfte hier in der Gegend getätigt habe. Dort wurde ich auch sehr gut von einer Fachfrau beraten, die sich für meine Füße Zeit nahm und alle Besonderheiten berücksichtigte.

Scheidegger Wasserfälle
Auf der B 308 geht es noch am Abend Richtung Westen, dem Bodensee zu. Eigentlich wollen wir ja noch bis Lindau kommen, doch dann steht da wieder eines dieser verlockenden Schilder „Wasserfälle“. Dort gibt es einen relativ ebenen Parkplatz, und so übernachten wir hier und können am nächsten Morgen schon in aller Herrgottsfrühe auf das Gelände der Scheidegger Wasserfälle (88175 Scheidegg). Jetzt im Herbst läuft hier nur wenig Wasser, und dennoch sind die 18 und 22 Meter hohen Fälle sowie die Gesteinsüberhänge beeindruckend. Sehr gut erläutern Tafeln Wissenswertes über die Geotope. 237 Stufen steigen Mali und ich hinab und hinauf, sie ist nicht ganz glücklich, weil ein Teil der Stufen aus Metallgitter besteht, das sie an ihren Pfoten nicht mag – sie schafft es aber trotzdem tapfer.

Tour-Tipps Teil 2
Lindauer Marionettenoper
Zauberhafte Aufführungen von Hänsel und Gretel, Fledermaus und Schwanensee führen einen in eine fremde Welt. Man vergisst, dass hier Marionetten bewegt werden, so naturgetreu sind die Bewegungen. Etwa 400 Marionetten hat Gründer Bernhard Leismüller inzwischen gebaut, das Ensemble umfasst 12 Puppenspieler.
Infos: www.marionettenoper.de


Ballonfahrt Steingaden
Dem Alltag entschweben, die winterliche Fernsicht genießen oder den goldenen Herbst bei einer 1- oder 1½-stündigen Ballonfahrt erleben. Dabei bloß nicht zu warm anziehen, denn man fährt ja mit dem Wind und genießt die sensationelle Aussicht auf die Bergkulisse.
Infos: www.skygate-ballonfahrten.de

Auf nach Lindau!
Nicht weit entfernt ist Isny und nein – ich werde diesmal hier keine Reisemobilhersteller besuchen. Stattdessen zieht der Bodensee. Von der B 308 geht es auf die B 12 Richtung Lindau und Wasserburg. In Wasserburg laufen Mali und ich erst einmal die Hattnauer Prielrunde, eine nicht allzu schwere Nordic Walkingstrecke zum Austoben – dann kann’s weitergehen. Am Kreisel steht ein handgemalter Hinweis zu einem Traktortreffen, also rechts einschlagen und hin. Hier lacht das Herz von Motorenfans, denn auf der Festwiese stehen rund 80 historische Traktoren und landwirtschaftliche Maschinen, Unimogs. Viele Fahrzeuge sind aus den 50er- und 60er-Jahren. Sie sind liebevoll gepflegt, anderen sieht man an, dass sie noch voll im Einsatz sind. Auf dem benachbarten Acker rücken kaum 12-Jährige mit ihren Treckern dicke Holzstämme, Väter haben die Kleinsten hinter sich sitzen und nehmen die dicken Brocken auf die Schaufel; dort hinten zieht ein Jugendlicher mit seinem Traktor einen anderen aus dem Schlamm, in dem der sich festgefahren hat. Die können das!
In Lindau angekommen, hat sich gerade der herbstliche Nebel von Stadt und See gelöst und Sonnenstrahlen wärmen die Dächer. Frau und Hund schlendern durch die Gassen der Lindauer Insel und genießen das sonntägliche Flair. Nur gut, dass die meisten Geschäfte sonntäglich geschlossen haben, denn hier gibt es schicke Mode, Schmuck und vieles mehr. Doch dort reizt eine Bücherauslage in der Fischergasse 33, wie ich sie noch nicht gesehen habe: Korbsessel stehen neben kleinen Tischchen, darauf und in Kisten daneben Bücher aller Art, gespickt mit Kartons, die Kommentare zu den Werken tragen. Hier bin ich richtig und lasse mich verführen: Mit einem Arm voller Bücher trete ich ein, will bezahlen und finde mich in einem traumhaften Café wieder: Eine Mischung aus Café mit Buchhandel mit Namen „Augustin“. Auch Zeitungen liegen zum Schmökern aus, auf Sofas und Sesseln sitzen Menschen, unterhalten sich, lachen, lesen. Welch‘ schöne Atmosphäre! Mit einem großen Pott Kaffee lasse ich mich nieder und beginne das erste Buch; Mali rollt sich unter dem Tisch zusammen, sie kennt das schon: Das kann dauern. Eine Dame setzt sich zu uns an den Tisch, die Bücher werden beiseitegeschoben, und wir erfreuen uns einer kleinen Diskussion, tauschen sogar Kontakte aus. Irgendwann muss sie zum Zug. Auch ich zahle und wandere mit Mali zum Hafen. Spätnachmittägliche Sonne, ein paar Segelboote sind draußen, über allem schwebt ein Zeppelin am blauen Himmel. Ich fühle mich als Teil einer lebenden Postkarte. Ein Fahrgastschiff läuft tutend in den Hafen ein, auf dem unteren Deck spielt munter eine Kapelle, Schaulustige drängen sich am Pier. Übungshalber wage ich mich mit Mali an den Rand der Menge. Sie ist sehr aufgeregt, die vielen Menschen, der Lärm, Kinderwagen, Skater … einfach alles beunruhigt und verängstigt sie. Nach einer Weile wird sie gelassener und bekommt, wann immer sie sich entspannt, einen Hundekeks nach dem anderen in die Schnauze geschoben. Schon nach wenigen Minuten können wir tatsächlich an durchhängender Leine in die Mitte der Menschen gehen, ohne dass sie sich den Stress anmerken ließe; sie bleibt in meiner Nähe und ist entspannt. Bootchen schauen, Artisten zusehen, Anden- und Blasmusik hören, mit Kindern schäkern – ruckzuck ist der Nachmittag verflogen. Zu guter Letzt lande ich im wunderschön bemalten Stadtmuseum Lindau (Marktplatz 6) und kann dort eine Foto- und Video-Ausstellung des Künstlers Christoph Brech sehen. Mali wartet brav eine halbe Stunde draußen, die netten Damen vom Kunstverein achten darauf, dass sie nicht gestohlen wird, und ich fahre bei den ruhigen Filmen des Künstlers innerlich herunter. Besonders ein Film über die Starschwärme über Rom hat es mir angetan, diese bilden zu musikalischem Hintergrund die tollsten Formationen und Figuren in der Luft, und mit ihnen beginnt auch mein Geist, Kapriolen zu schlagen und sich gleichzeitig zu entspannen. Abschließend ein kurzer Film über Schwäne, die voller Grazie einfach nur dahintreiben wie draußen auf dem Bodensee – und so schließt sich der Kreis zum schwanenliebenden König, mit dem unsere Reise begann.

Bodensee, ich komme wieder!
Den letzten Abschluss der Reise finde ich in einem Konzert im alten Gemäuer des evangelischen Hospitals zu Lindau (Schmiedgasse 18). Das 800 Jahre alte Gebäude ist heute nicht nur Senioren- und Pflegeheim, sondern auch Schauplatz für allerlei Veranstaltungen. Stadt und Bewohner blicken zurück auf ein außerordentlich erfolgreiches Mittelalterfest, und ich genieße am letzten Abend ein Konzert mit Werken von klassisch bis modern, den Chor, ungewöhnliche Gitarrentöne und weiche Klänge aus dem Steinweg-Flügel. Morgen geht es wieder zurück, und ich bedauere, trotz der Fülle der Erlebnisse nur so wenig von der Region gesehen zu haben. Für weitere Ziele am Bodensee reicht die Zeit diesmal leider nicht mehr, und so wird es später noch eine andere Reise hierher geben.

Reisemobil-Stellplätze
Campingplatz Elbsee
Am Elbsee 3 · D-87648 Aitrang
GPS: 47°48‘11.2‘‘ N / 10°33‘14.8‘‘ O
Tel.: 08343-248
www.elbsee.eu
5-Sterne-Campingplatz am Elbsee, überwiegend in Terrassen angelegt, Stellpl. 80–100 qm; Stellplatz: 6,80–12,80 Euro, Person: 6,60–8,00 Euro, Kinder: 3,50–4,30 Euro (je nach Saison/Kategorie), Hund: 4,50 Euro, Strom: 0,70 Euro/kWh + 2,20 Euro einmalig; ganzjährig; 12 km bis Marktoberdorf, 15 km bis Kaufbeuren


Camping Hopfensee
Fischerbichl 17 · D-87629 Füssen
GPS: 47°36‘4.5‘‘ N / 10°41‘01.3‘‘ O
Tel. 08362-917710
www.camping-hopfensee.com
5-Sterne-Campingplatz am Hopfensee; Stellplatz: 12,65–14,00 Euro, Person: 8,85–10,10 Euro, Kinder: 5,40–6,30 Euro (je nach Saison/Kategorie), Hund: 4,15 Euro; Strom: 0,60 Euro/kWh; Kurbeitrag (ab 15 J.): 2,20 Euro/Tag; Hallenbad mit 31°C (im Übernachtungspreis); ganzjährig; 9 km bis Schloss Neuschwanstein


Wohnmobilpark Schwangau
Münchener Straße 151 · D-87645 Schwangau
GPS: 47°35‘30.6‘‘ N / 10°46‘22.8‘‘ O
Tel. 08362-93000
www.camping-bannwaldsee.de
24 Stellpl. neben Campingplatz Bannwaldsee; Stellplatzgröße: ca. 6 m Breite und ca. 8–10 m Länge, VE-Station; 2 Pers. + Mobil: 13,50 und 18,50 Euro/Nacht (je nach Saison), zus. Erw.: 5,00 Euro, zus. Jugendl.: 3,00 Euro, Kinder bis 5 J.: frei, Hund: 2,00 Euro, Strom: 2,50 Euro, Kurbeitrag: 0,85–1,70 Euro; 5 km bis Schloss Neuschwanstein


Stellplatz am Viehmarktplatz
Badeweg · D-87509 Immenstadt
GPS: 47°33‘42.0‘‘ N / 10°12‘30.9‘‘ O
Tel. 08323-99880
www.immenstadt.de
Ca. 10 Stellplätze am Rand eines großen Platzes, der des Öfteren für Veranstaltungen genutzt wird; Schotteruntergrund; gebührenpflichtig: 8,00 Euro/Mobil; kein Strom, Wasserversorgung, VE, öffentliche Toiletten; 25 km bis Breitachklamm


Camping-Aach
Aach 1 · D-87534 Oberstaufen
GPS: 47°31‘20.4‘‘ N / 9°58‘24.2‘‘ O
Tel. 08386-363
www.camping-aach.com
Ca. 120 Stellplätze, terrassenförmig angelegt, Preise auf Anfrage, ganzjährig, begrenzte Anzahl an Stellplätzen für Wintercamper, Hunde erlaubt; schneesichere Gebiete in der Nähe, 1 km bis zur Grenze nach Österreich, ca. 7 km bis Oberstaufen


Wohnmobilpark Scheidegg
Am Hammerweiher 1 · D-88175 Scheidegg
GPS: 47°34‘20.7‘‘ N / 9°50‘41.3‘‘ O
Tel. 08381-3055
www.womo-scheidegg.eu
Ca. 20 Stellplätze, 10 davon bis 12 Meter; tw. geplastert, tw. Kies; öffentliche Toiletten am Kurhaus (ca. 150 m); VE-Stadion (ohne Übernachtung: 2,00 Euro), Mobil: 6,00 Euro, Strom pauschal 3,00 Euro, Kurbeitrag Erwachsene: 1,70 Euro, Kind 8–16 Jahre: 0,50 Euro; Dusche: 2,00 Euro; 3,5 km bis zu den Scheidegger Wasserfällen


Park-Camping Lindau am See
Fraunhoferstraße 20 · D-88131 Lindau/Bodensee
GPS: 47°32‘16.2‘‘ N / 9°43‘52.1‘‘ O
Tel. 08382-72236
www.park-camping.de
Stellpl.: 15,00–22,00 Euro (je nach Saison/Ausstattung), Erwachsener: 8,50–15,00 Euro, Hund: 2,00–3,00 Euro, Kurtaxe; 200 m eigener Badestrand; Winterpause; Womo-Stellplatz am Park-Camping: 10 Stellpl. ohne Strom vor Eingangsbereich des Campingplatzes; 10,00 Euro/Nacht; Nutzung der VE-Station und Campingeinrichtungen inkl.

Das Reisemobil
Vanverto FB von Bavaria Camp: klassischer Grundriss in hochwertiger Verarbeitung.

Vanverto FB von Bavaria Camp: klassischer Grundriss in hochwertiger Verarbeitung.

Bavaria Camp – Vanverto FB aus der Serie Primeur
Der Vanverto hat zwar einen klassischen Grundriss und ist auf den ersten Blick kaum von anderen Kastenwagen zu unterscheiden, im Detail zeigt er jedoch eine besonders hochwertige Verarbeitung und Ausstattung. Die Solaranlage lädt tagsüber die Wohnraumbatterie auf und verlängert dadurch die Intervalle bis zum nächsten Stellplatz. Optional kann man gleich ab Werk anstelle des vorhandenen AGM-Akkus eine LiFePo-Version wählen, der Aufpreis rechtfertigt sich durch die extrem hohe Lebensdauer und Leistung. In der Küche warten ein Dreiflammkocher und ein Kompressor-Kühlschrank auf Hobbyköche. Deren Utensilien sind in fünf großen Auszügen mit Softclose gut untergebracht, Unterteilungen passt sich jeder selbst nach seinen Wünschen ein. Im Kleiderschrank ganz unten sind gut zugänglich die Hähne zum winterlichen Wasserablassen angebracht, dennoch bleibt viel Platz für die Schuhsammlung. Der kleine Doppelboden unter der Sitzgruppe ist mit einer weiteren Schublade gut ausgenutzt. Für kalte Frauenfüße wurde wohl die Warmluftführung entworfen: Ein Ausströmer weist vom Fahrerhaus Richtung Eingangs- und Kochbereich, und ein Bodenausströmer beheizt den Fußraum vor der Sitzgruppe. Auch Bad und Heck werden gleichmäßig erwärmt, ohne dass der Bettbereich zu heiß werden würde. In der Summe ist der Vanverto ein durchdachtes Fahrzeug, ideal für zwei Personen mit Ansprüchen an Kompaktheit und hohe Qualität.
Infos: www.bavariacamp.de


Basisfahrzeug Fiat Ducato

  • Chassis: Fiat Ducato
  • Motorisierung: 109 kW; 2,3 l Diesel
  • Baujahr: 2014
  • Länge: 5.998 mm
  • Breite: 2.050 mm
  • Höhe mit Hochdach: 2.580 mm
  • Leermasse: 2.940 kg
  • Zul. Gesamtgewicht: 3.300 kg
VN:F [1.9.20_1166]
Artikelbewertung
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