Der große Report: Heizungssysteme im Vergleich von Theo Gerstl

In einem Punkt sind sich die Spezialisten einig: Die ideale Heizung für das Wohnmobil oder den Camper gibt es nicht. Zu unterschiedlich sind die Anforderungen: Kastenwagen mit ihrem beschränkten Platzangebot erfordern andere Heizungslösungen als ein Oberklasse-Wohnwagen – und wer die Wärmequelle ausschließlich für zugige Sommernächte oder die Übergangszeit benötigt, wird schon mit einfachen (und damit preiswerten) Lösungen glücklich werden; während der passionierte Wintercamper Wert auf höchsten Komfort und kraftvolle Heizleistung legt.
Entsprechend umfangreich sind die Lösungen, die von der Industrie zur Erwärmung des mobilen Heimes angeboten werden. Das erste Unterscheidungsmerkmal ist bereits die prinzipielle Frage, ob die Heizung direkt die Innenraumluft erwärmen soll oder – ganz wie bei der Zentralheizung zuhause – erst ein Wasserkreislauf erwärmt wird, der dann über Heizkörper den Wohnraum erwärmt. Eine entscheidende Frage ist auch, ob man sich für Gas oder Benzin/Diesel als Energiequelle entscheidet oder gar auf Landstrom aus der Steckdose setzt. Da jedes System seine Vor- und Nachteile hat, gibt es inzwischen auch kombinierte Heizlösungen, die das Beste aus den verschiedenen Welten in sich vereinen sollen.

Luft oder Wasserheizung
Für den mobilen Einsatz bieten sich zwei prinzipiell unterschiedliche Heizungslösungen an. Am häufigsten verbreitet ist die Warmluftheizung, die meist bereits zur Serienausstattung von Reisemobilen oder Campern in der Einsteiger- und Mittelklasse zählt. Sie saugt die Luft aus dem Innenraum an, erhitzt sie in einem Brenner und verteilt sie dann gleichmäßig wieder über mehrere Ausströmkanäle. Die Warmwasserheizung dagegen verfügt über einen geschlossenen Wasserkreislauf, der erwärmt wird und dann über Wärmetauscher die Innenraumluft erhitzt. Der Sinn dieser indirekten Wärmeerzeugung liegt im hohen Komfort (wie beispielsweise die Option auf eine Fußbodenheizung) sowie der gleichmäßigen und Zugluft-freien Erwärmung, was subjektiv als angenehmes Raumklima empfunden wird. Doch die aufwändige Konstruktionsweise hat ihren Preis – sowohl im wahrsten als auch im übertragenen Wortsinn: Die Warmwasserheizung ist in ihrer Anschaffung teuer, weshalb sie werksseitig in der Regel nur in der Oberklasse verbaut wird. Darüber hinaus schlägt sie auch stärker aufs Leergewicht als eine Luftheizung und heizt den Innenraum zusätzlich langsamer auf. Der letztgenannte Punkt lässt sich jedoch durch elektrische Zuheizer im Warmwasserkreislauf kompensieren, zumindest solange eine Landsteckdose in Reichweite ist.

Vorteile der einzelnen Heizungstypen
pro Luftheizung

  • günstig in der Anschaffung
  • geringes Gewicht
  • schnelle Erwärmung des Innenraums

pro Warmwasserheizung

  • gleichmäßige Wärmeverteilung
  • sehr angenehmes Raumklima
  • hoher Komfort

pro Gasheizung

  • ideal für Wohnwagen
  • relativ günstig
  • universelle Lösung: Auch Kocher und Kühlschrank können mit Gas betrieben werden

pro Diesel- bzw. Benzinheizung

  • problemloses Nachfüllen an jeder Tankstelle
  • geringes Zusatzgewicht
  • wenig Platzbedarf

pro Elektroheizung

  • günstigste Lösung für den
  • gelegentlichen Betrieb
  • geringes Gewicht
  • hilft als Zusatzheizung Gas zu sparen (beschränkter Gasvorrat)

Gas oder Diesel
Ob Gas oder Treibstoff die idealere Energiequelle zum Heizen ist, hängt objektiv gesehen ganz wesentlich vom Einsatzspektrum ab. Subjektiv jedoch hatte Treibstoff – also Diesel oder in der Minderheit auch Benzin – aus dem Fahrzeugtank zumindest in der Vergangenheit mit Imageproblemen zu kämpfen. Zum einen gilt Gas als umweltfreundlichere Energiequelle, zum anderen galten Dieselheizungen lange Zeit als „Stinker“, die sowohl das eigene Geruchsempfinden beleidigen als auch das der Camper am Stellplatz nebenan. Doch diese Vorurteile gehören der Vergangenheit an, seitdem es Abgasreinigungssysteme für Dieselheizungen gibt. Auch im Leistungsvermögen stehen mit Treibstoff betriebene Heizungen den klassischen Gassystemen in nichts nach – und auch bei ihnen besteht die Wahlmöglichkeit zwischen Wasser- und Luftheizungen.
Die klassische Heizung für Wohnwagen bleibt jedoch die Gasanlage. Ein Kasten für die nötigen Flaschen ist in aller Regel serienmäßig verbaut und es macht ja auch keinen Sinn, diese zum Heizen nicht zu verwenden. Anders sieht die Sache bei Reisemobilen aus, hier können mit Diesel beziehungsweise Benzin betriebene Heizsysteme Vorteile verbuchen.

Dieselheizung im Reisemobil
Wer schon einmal versucht hat, im Ausland eine leere Gasflasche gegen eine gefüllte zu tauschen, kennt das Problem: Je nach Land werden verschiedenste Gasflaschen mit unterschiedlichen Anschlusssystemen vertrieben. Um dieses Problem zu umgehen, gibt es im Campingzubehör-Handel sowohl Europa-Füll-Sets als auch Europa-Entnahme-Sets. Mit den darin enthaltenen Adaptern lassen sich im ersten Fall die deutschen Gasflaschen vor Ort wieder befüllen, im zweiten Fall können ausländische Gasflaschen mit den bei uns üblichen Anschlusstücken verwendet werden. Über solche Probleme kann der Reisemobilist, der auf eine Dieselheizung gesetzt hat, nur müde lächeln. Sein Fahrzeugtank liefert die zum Heizen benötigte Energie, und problemlosen Nachschub bietet jede Tankstelle.
Einen weiteren Pluspunkt gegenüber der Gasheizung sammelt die Dieselheizung in puncto Gewicht und Platzbedarf. So bringen zwei Standard-Stahlgasflaschen mit Elf-Kilo-Füllung knapp 45 Kilogramm auf die Waage, was die Zuladung des Reisemobils um den entsprechenden Wert reduziert. Gleichzeitig benötigen die beiden Gasbehälter einen entsprechend großen, entlüfteten Einbauraum. Beides entfällt beim Dieseltank, der ohnehin an Bord ist und so weder zusätzlichen Stauraum benötigt noch das Leergewicht erhöht.
Darüber hinaus ist die Kapazität eines vollen Fahrzeugtanks deutlich größer als die einer gefüllten Gasflasche. Entsprechend braucht der Diesel-Heizer keine Angst davor zu haben, dass mitten in der Nacht die Flamme erlischt, die Kälte in den Innenraum zu kriechen beginnt und er aus dem warmen Bett in die eisige Nacht stapfen muss, um auf die hoffentlich volle zweite Gasflasche umzuschalten.

Standheizung
Neben der klassischen Erwärmung des Innenraumes bringen Dieselheizungen noch weiteren Klimakomfort ins Reisemobil. So lassen sich viele Basisfahrzeuge bereits ab Werk – ansonsten über den Nachrüstmarkt – mit einer Standheizung ausrüsten. Diese erwärmt das Kühlwasser des Motors im Stand und bläst die über den Wärmetauscher erhitzte Luft ins Fahrzeug. Man steigt also im Winter immer in ein mollig warmes Auto, Eiskratzen gehört der Vergangenheit an, und der vorgewärmte Motor unterliegt durch die Vermeidung von Kaltstarts geringerem Verschleiß. Gleichzeitig sinkt der Spritverbrauch durch den Entfall der Warmlaufphase. Neben den üblichen Kfz-Standheizungen gibt es auch speziell für Wohnmobile entwickelte, wie beispielsweise die Thermo-Top-Zusatzheizungen von Webasto. Bei ihnen besteht die Wahlmöglichkeit zwischen reiner Motorvorwärmung, reiner Innenraumbeheizung und der Kombination beider Heizmodi.
Da moderne Dieseltriebwerke sehr ökonomisch arbeiten, produzieren sie auch wenig Abwärme – die jedoch zum Heizen während der Fahrt benötigt wird. Deshalb sind für viele Basisfahrzeuge mit direkteinspritzenden Motoren – wie beispielsweise den Fiat Ducato, Mercedes Sprinter oder VW T5 – bereits ab Werk Zuheizer erhältlich, welche die Fahrzeugheizung bei laufendem Motor mit zusätzlicher Wärme unterstützen. Eberspächer bietet nun für solche Fahrzeuge einen Aufrüstsatz an, mit dem der Zuheizer zu einer motorunabhängigen Standheizung aufgerüstet wird.
Da die Luftausströmung bei Standheizungen nur durch die Lüftungsschlitze im Fahrerhaus erfolgt, ist die Standheizung allein allenfalls in der Übergangszeit als Wohnmobilheizung ausreichend, bei großen Wohnmobilen eignet sie sich aber auch als Zusatzheizung, die speziell das mitbewohnte Fahrerhaus mit seinen großen, schlecht isolierten Fensterflächen mollig warm macht.

Systemlösungen
Die Standheizung als zusätzlicher Wärmelieferant zur Wohnmobil-Heizung ist nur eine von mehreren Möglichkeiten, wie sich verschiedene Systeme die komplexen Aufgaben beim Wintercamping teilen können. Neben der Erwärmung des Wohnraumes muss schließlich auch an die Warmwasserbereitung, das Kochen und den von Landsteckdosen autarken und dauerhaften Betrieb des Kühlschrankes gedacht werden.
Für dieses Gesamtsystem bietet sich im Reisemobil die Kombination aus Diesel und Gas als Energiequellen an. Sinn würde es hier beispielsweise machen, die Heizung als größten Energieverbraucher und den Warmwasserboiler mit Treibstoff aus dem Fahrzeugtank zu versorgen. Dann reicht bereits eine relativ kleine Gasflasche, um Herd und Kühlschrank zu betreiben. Weniger Gewicht und ein geringerer Platzbedarf stehen dabei auf der Haben-Liste.

Heizen während der Fahrt
Da die serienmäßige Heizung der Reisemobil-Basisfahrzeuge meist nur auf das Volumen des Fahrerhauses ausgelegt ist, bedarf es zur Erwärmung des gesamten Wohnraumes während der Fahrt einer zusätzlichen Heizquelle. Der Betrieb von mit Diesel oder Benzin betriebenen Heizungen beim Fahren ist generell erlaubt. Gasheizungen müssen jedoch seit 2007 über Sicherheitsausstattungen wie eine Druckregel-Anlage mit Crashsensor sowie Schläuche mit Schlauchbruchsicherungen verfügen, um auch während der Fahrt Wärme spenden zu dürfen. So gerüstet, kann nun auch der Wohnwagen bereits vorgeheizt werden, während er noch gezogen wird.

Nützliches Zubehör
Erst mit dem richtigen Zubehör können Heizsysteme ihr volles Potenzial ausschöpfen. Beim Bedienkomfort konkurrieren immer ausgefeiltere Bedienpaneele neuerdings auch mit Apps fürs Smartphone, welche die Heizungssteuerung aus der Ferne erlauben. Für ein kuscheliges Hüttenflair sorgt dagegen die nachrüstbare „Kaminfeuer-Verkleidung“ von Truma, die den blechernen Gasofen optisch und akustisch zum flackernden Kaminfeuer mutieren lässt. Mit einer elektrischen Zusatzheizung lässt sich der Gasofen auch per Landstrom betreiben, unabhängig vom Gasvorrat oder als zusätzliche Wärmequelle zur schnelleren Aufheizung des Innenraumes. Den manuellen Wechsel von einer leeren auf die volle Gasflasche ersparen automatische Umschaltventile. Geht das Gas in der Betriebsflasche zur Neige, switchen diese automatisch auf die Reserveflasche.
Frostsicherheit für außenliegende Frisch- und Abwassertanks sowie die entsprechenden Rohrleitungen bringen aufklebbare Heizfolien, die elektrisch betrieben werden. Sinkt die Außentemperatur am Tank auf unter 7°C ab, beginnt die Tankheizung das Wasser zu erwärmen; erreicht die Außentemperatur am Tank dann einen Wert von rund 19°C, beendet die Heizung den Heizvorgang. Durch diese Schaltstufen wird das Wasser zuverlässig frostfrei gehalten und gleichzeitig der Stromverbrauch minimiert.

Elektrische Alternativen
Nicht jeder Camper ist ein Freund des Wintercampings, trotzdem fordert schon so mancher feucht-kühle Abend den Einsatz einer Wärmequelle. Die günstigste Lösung hierfür ist ein Heizlüfter, den es für wenige Euro gibt. Kompakte Abmessungen und ein geringes Gewicht sprechen zusätzlich für ihn. Wenn man dann noch ein rotierendes Gerät mit eingebautem Gebläse gewählt hat, wird die erwärmte Luft auch noch relativ gleichmäßig im Raum verteilt.
Nach einem anderen Prinzip arbeiten die Infrarotheizungen. Im Gegensatz zum Heizlüfter, bei dem Heizdrähte stark erhitzt werden und so die Luft erwärmen, strahlen die Infrarotheizungen Wellen im Infrarotbereich aus, die angestrahlte Oberflächen, beispielsweise von Möbeln, erwärmen. Ihr Vorteil liegt in der extrem schmalen Bauweise, sodass sie auch in engen Durchgängen die Bewegungsfreiheit kaum einschränken. Gleichzeitig wirbeln sie keinen Staub auf, was nicht nur Allergiker zu schätzen wissen.
Da all diese Elektroheizungen auf Landstrom angewiesen sind, schränken sie die Stellplatzwahl ein – in der Übergangszeit wird man also in aller Regel Campingplätze ansteuern. Dort sind jedoch oftmals die Stromsäulen mit schwachen Sicherungen bestückt, sodass man bei der Wahl seiner Elektroheizung darauf achten sollte, dass diese im Bedarfsfall auch mit niedriger Leistung betrieben werden kann – und sobald ein zweiter großer Stromverbraucher wie beispielsweise die Kaffeemaschine ans Netz geht, sollte der Heizlüfter vorübergehend abgeschaltet werden.
Punktuelle Wärme, dort wo man sie braucht, spenden elektrische Heizfolien. Diese können beispielsweise direkt in die Sitze/Betten eingebaut oder unter dem Bodenbelag beziehungsweise als Heizteppich verlegt werden. Die im Sitzbereich aufsteigende Strahlungswärme sorgt für ein angenehmes Raumklima und warme Füße. Sie können alternativ mit 12 Volt aus dem Bordnetz oder mit 230 Volt über ein Netzteil mit Energie versorgt werden. Auch den Kältebrücken – beispielsweise an den Scheiben des Fahrerhauses – wirken elektrische Heizvorhänge entgegen.
Die elektrischen Heizsysteme sind deshalb mehr als eine „Billiglösung“ für den gelegentlichen Einsatz, die Sommercamper in kühlen Nächten vor dem Frösteln schützen. Sie können vielmehr auch eine sinnvolle Ergänzung einer Gas- oder Diesel- bzw. Benzinheizung sein.

Herstelleradressen*
Gasbetriebene Warmwasserheizungen:
Alde Deutschland GmbH
Mühläckerstraße 11
97520 Röthlein
Tel. 09723-911660
www.alde-deutschland.de


Gas- und Dieselbetriebene Heizsysteme:
Truma Gerätetechnik GmbH & Co. KG
Wernher-von-Braun-Straße 12
85640 Putzbrunn
Tel. 089-46170
www.truma.com


Diesel-/Benzinbetriebene Heizsysteme:
Eberspächer GmbH & Co. KG
Eberspächerstraße 24, 73730 Esslingen
Tel. 0711-93900
www.eberspaecher.com


Webasto Thermo & Comfort SE
Friedrichshafener Straße 9
82205 Gilching
Tel. 0395-5592229
www.webasto.com


Heizfolien und Heizvorhänge:
CampCo GmbH
Untere Gewerbestraße 1
55546 Pfaffen-Schwabenheim
Tel. 06701-20526250
www.campco-gmbh.de

*Ohne Wertung und Anspruch auf Vollständigkeit

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