Städte-Tour – Lissabon von Mathis Paus
Touristinfo
Turismo de Lisboa
Rua do Arsenal 23 · 1100-038 Lissabon
Tel.: 0351-210312700
www.visitlisboa.com

Es rumpelt kräftig. Die alten Holzbänke quietschen, sie haben ihre beste Zeit schon hinter sich. Geht es bergauf, schlägt die Schwerkraft zu, und der Körper wird in die harte Rückenlehne gedrückt. Bergab klammert man sich an den Sitz des Vordermanns. Immerhin frischer Wind weht einem stets ins Gesicht, denn die seitlichen Schiebefenster sind auch im Herbst geöffnet. Für die Passagiere gibt es viel zu entdecken während einer Fahrt mit der nostalgischen Tram 28 durch Lissabon. Ein Geheimtipp ist die betagte Straßenbahn längst nicht mehr, aber ihre Route vom Praça Martim Moniz durch die Altstadtviertel Gracia, Alfama, das Zentrum Baixa am Flussufer des Tejo, den Berg hinauf in den vornehmen Stadtteil Chiado und in das Ausgehviertel Bairros Altos in der westlichen Oberstadt hält viele Sehenswürdigkeiten bereit und ersetzt so manch kostspielige Stadtrundfahrt.
Auch wenn Einheimische die Bahn eher meiden und auf schnellere Verkehrsmittel wie Busse und vor allem die Metro setzen, gehört die Tram zum Stadtbild von Lissabon wie die azulejos, die blau-weißen Kacheln, die in den unzähligen schmalen Gassen die Hauswände zieren. Das freut vor allem die Besucher der portugiesischen Hauptstadt, die so ein echtes Stück Geschichte erleben. Seit über 100 Jahren quält sich die elektrische Straßenbahn über das Kopfsteinpflaster der Stadt der sieben Hügel.
Wer die Tram nutzen möchte, sollte aber auf ein paar Spielregeln achten. Es scheint, als würden sich die Fahrer regelmäßig einen Spaß erlauben und offensichtlich unwissende Touristen an den gelb markierten Haltestellen einfach stehen lassen. Das passiert, weil ein Tramfahrer nur stoppt, wenn eine winkende Hand Zeichen gibt. Und an dieser Regel wird nicht gerüttelt. Am cleversten ist es, sich an den Endhaltestellen der Linie 28 zu postieren, dem Platz Martim Moniz im Osten der Innenstadt und dem Prazeres, einem sehenswerten Friedhof, der mit prunkvoll verzierten Grab­mälern aufwartet.
In den Kurven wird es eng
Nach ein paar Stopps erklimmt das altertümliche Vehikel den Graça-Hügel, nicht unweit des berühmten Mauren Kastells. Der Platz bietet eine von unzähligen wunderbaren Aussichten auf die Stadt mit den roten Ziegeldächern. Spektakulärster ­Abschnitt ist die Fahrt durch die engen Gassen des Viertels Alfama. Besonders in den Kurven kommen die Wände der Bahn gefährlich nahe – hier heißt es, Kopf und ­Fotoapparat einziehen.
Wem nach rund 45-minütiger Tramfahrt das Gesäß und der Rücken schmerzt, sollte am Hafen aussteigen, das sanfte Wellenrauschen am Ufer des Tejo genießen und sich zu Fuß aufmachen, um die Geschichte der einst großen Seefahrernation zu ergründen. Nur wenige Schritte entfernt wartet östlich das ehemalige Expogelände. Im Zuge der Weltausstellung 1998 entstand hier ein neuer Stadtteil. Moderne architektonische Bauten bilden den Kontrast zum alten Lissabon. Blickfang ist die Ponte Vasco da Gama. Die Brücke ist mit über 17 Kilometern eine der längsten der Welt und die längste in Europa. Benannt ist sie nach dem gleichnamigen portugiesischen Seefahrer, Vasco da Gama, der Ende des 15. Jahrhunderts als erster Mensch über den Seeweg nach Indien gelangte.
Die 475.000 Einwohner Lissabons sind stolz auf ihr Kolonialerbe und pflegen die Prunkstücke des goldenen Zeitalters der portugiesischen Entdeckungen. So leitet auch 500 Jahre später der Leuchtturm Torre de Belém im Westbezirk der Stadt die ankommenden Schiffe sicher in den Hafen und heißt Besucher willkommen.


In der Stadt
In Portugal sind Schnellstraßen und Autobahnen überwiegend mautpflichtig. Auch in Lissabon. So werden für das Überqueren der großen Brücken, Ponte Vasco da Gama und die Brücke des 25. Aprils, Gebühren erhoben. Aufgrund der schmalen Gassen sowie der vielen Anhöhen empfiehlt es sich, Lissabon mit dem Nahverkehr zu erkunden. Das Netz von Bus, Tram und Metro ist gut ausgebaut. Mit der Eléctrico 28, der Nostalgie-Straßenbahn, durchquert man Lissabon und erhält einen guten Überblick über die Stadt. Mit der „Viva viagem“-Karte – erhältlich in den Metrostationen –, kostet ein Einzelticket nur 1,40 Euro.
www.carris.pt | www.metrolisboa.pt


Rundgänge
Architektur, Kultur und Kulinarisches – Lissabon hat viel zu entdecken, das Angebot an individuellen Führungen ist sehr vielfältig. Den besten Eindruck von der Hafenstadt am Rio Tejo erhält man aber in der Straßenbahn 28. Die 45-minütige Fahrt von Baixa in das Viertel Maritim Moniz bietet erstaunliche Ein- und Ausblicke. Aufregend wird es, wenn die Bahn sich die steilen Straßen hochkämpft. Oben angekommen auf der Miradouro Santa Luzia genießt man das Panorama der Stadt. Wer es aktiver mag, sollte sich speziellen Segway-Touren anschließen. Allerdings sind die Preise, ab 35 Euro für 60 Minuten, nicht gerade günstig.
www.insidelisbon.com/de | www.lissabon-stadtfuehrung.de | www.lisbonbysegway.com


Sehenswertes
Auf ihre Kolonialgeschichte sind die Portugiesen bis heute stolz. So erinnern in Lissabon Denkmäler und Tafeln, beispielsweise das Entdeckerdenkmal am Ufer des Tejos, an die frühere See- und Handelsmacht. Eine Brücke ist nach dem berühmten Seefahrer Vasco da Gama benannt, der als erster Europäer auf dem Seeweg nach Indien gelangte. Mit über 17 Kilometern ist sie zudem die längste Europas. Viel kleiner, aber nicht minder beeindruckend ist der Torre de Bélem (Avenida Brasília). Der Turm gilt als das Wahrzeichen Lissabons. Früher Leuchtturm und Festung zugleich, ist der 35 Meter hohe Turm heute eine Aussichtsplattform für Besucher und gehört seit 1983 zum UNESCO-Weltkulturerbe.
www.lissabon.com


Museen
Wer sich für die Geschichte der Stadt interessiert, sollte das Museu da Cidade (Campo Grande 245) besuchen. Von der Antike bis zur heutigen Zeit wird der Weg Lissabons nachgezeichnet anhand von Landkarten, Felsmalereien und archäologischen Funden. Zeitgenössische Kunst erwartet Besucher im Convento de S. Francisco. Das alte Ziegelgebäude ist mit Skulpturen und Bildern portugiesischer Künstler bestückt. Zudem wechselnde Ausstellungen. Das Marinemuseum (Praça do Império) beschäftigt sich einmal mehr mit der großen Zeit der Entdeckungen der früheren Seefahrernation und gibt Einblicke in den Schiffsbau.
www.museudacidade.ptwww.museuartecontemporanea.pt | www.museu.marinha.pt


Kirchen
Die Catedral Se Patriarcal (Largo da Sé) ist die älteste Kirche Lissabons. 1147, nach der Vertreibung der Mauren, wurden die Bauarbeiten begonnen. Die Fassade der Kirche sieht aus wie eine Festung, zwei Glockentürme flankieren den Eingang zum Dom. Neben gotischen Bauelementen (Altarraum) gibt es Bemalungen aus der Zeit der Barocks (Decken) und Merkmale romanischer Architektur (runde Torbögen). Höhepunkt aller sakraler Bauten ist die Klosteranlage Mosteiro dos Jeronimos (Praça do Império) im Westen der Stadt. Zum einen wegen der Architektur, zum anderen weil Vasco da Gama und der Dichter Fernando Pessoa hier ihre letzte Ruhestätte gefunden haben.
www.mosteirojeronimos.pt | www.patriarcado-lisboa.pt


Spezialitäten
Deftig und bodenständig, so wird Portugals Küche zumeist beschrieben. Und es stimmt: Sardinen oder Kohlsuppe finden in unzähligen Variationen auf so gut wie jeder Speisekarte Platz. Als Spezialität gilt der bacalhau. Ob aus frischem oder für die Lagerung gedörrtem Fisch zubereitet, der Stockfisch (gesalzener und getrockneter Kabeljau) wird in jedem Restaurant Lissabons aufgetischt. Angeblich soll es exakt 365 Rezepte für die salzige Gaumenfreude geben. Gegessen wird der Fisch roh, mariniert, gegrillt, frittiert oder gekocht. Nachtschwärmer essen die Delikatesse aus der Dose.
www.acasadobacalhau.com | www.restaurantebacalhau.com


Cafés
Da das Frühstück für Einheimische in Lissabon meist ausfällt, kehren sie auf dem Weg zur Arbeit in eines der vielen Cafés ein, bestellen einen Espresso, bica, und naschen dazu süßes Gebäck. Berühmtestes Kaffee-Haus der Stadt ist das Café a Brasileira (Rue Garrett 120) mit seinen goldenen Kronleuchtern und dem schwarz-weiß gekachelten Boden. Ebenfalls beliebt ist das älteste Café der Stadt, das Café Martinho da Arcada (Praça do Comercio 3). Neben bica gibt es auch Mittagessen. Einladend ist auch das Café Nicola direkt am Rossio, dem Zentrum der Innenstadt. Neben Espresso und Süßem kann man hier Menschen beim Flanieren beobachten.
www.martinhodaarcada.pt


Restaurants
Das kleine Petiscaria Ideal (Rua da Esperanca 100) ist ein Kleinod der portugiesischen Essenskultur. Im schummrigen Licht speisen die Gäste an langen Tafeln. Urlauber und Einheimische lernen sich so kennen, und gemeinsam lässt man sich den frischen Oktopus schmecken. Portugiesische Designer-Cuisine und Sushi serviert das Bica do Sapato (Av. Infante D. Henrique, Armazém B Cais da Pedra a Sta Apolónia 1950). Durch die Glasfront im ehemaligen Hafenlager hat man eine tolle Aussicht über den Tejo.
www.bicadosapato.com


Bars
Das Nachtleben in Lissabon konzentriert sich seit einigen Jahren im Bairro Alto. Die meisten Lokalitäten befinden sich zwischen der Rua do Norte und der Rua da Rosa. Eine typische Bar ist das Arroz Doce (Rua da Atalaia 117-119). Im traditionellen Kantinenstil gehalten ist sie der ideale Ort, um ein kleines Bier, genannt imperial, zu trinken. Gute Cocktails und eine entspannte Atmosphäre finden Nachtschwärmer im Le Chat, direkt neben dem Museum für alte Künste im Hafen. Die Aussicht auf der Dachterrasse bei Sonnenuntergang ist atemberaubend.
www.lechat-lisboa.com


Buchtipp
Pascal Mercier: „Nachtzug nach Lissabon“
Kein Reiseführer, sondern ein fesselnder Roman über einen Lehrer, der sich auf den Weg nach Lissabon begibt, um einen geheimnisvollen Autoren aufzuspüren.
Verlag: btb, ISBN: 978-3-442-73436-8

Einkaufen
Ob Antiquitätenladen oder Shoppingcenter, in Lissabon findet jedes Käuferherz das richtige Mitbringsel. Bekannt sind vor allem die azulejos. Die weiß-blauen Kacheln prägen das Stadtbild und sind neben den Keramikwaren in fast jedem Kurzwarengeschäfte zu haben.
Bei Sant’Anna (Calçada da Boa-Hora 96, Rua do Alecrim 95 und Calçada da Boa-Hora 94 B) wird auch nach Maß gefertigt. Zweimal in der Woche (dienstags und samstags) findet auf dem Campo de Santa Clara ein Flohmarkt statt. Neben Krimskrams finden sich auch schöne Antiquitäten. Bekannte Modemarken gibt es in der Mall Centro Comercial Vasco da Gama auf dem ehemaligen Expogelände.
www.santanna.com.pt | www.centrovascodagama.pt


Karneval
Ausgefallene Kostüme, Musik und Tanzeinlagen, die dem brasilianischen Karneval in nichts nachstehen: Das einst heidnische Volksfest in Lissabon dauert in der Hauptstadt am Tejo insgesamt eine Woche. Nördlich von Lissabon findet der berühmte und bei Portugiesen populäre Torres-Vedras-Karneval statt, der auch als der „portugiesischste in Portugal“ gilt. Hier wird mit einzigartigen Gewändern in einer Parade vornehmlich die Politklasse aufs Korn genommen. Mittlerweile kommen Touristen aus der ganzen Welt, um die Festzüge zu bestaunen.


Mit Kindern
Auch für die kleinsten Besucher ist Lissabon gut gerüstet. Eine wunderbare Spielwiese für Kinder ist der Parque das Nações. Im Oceanário bestaunen die Kids Haie sowie possierliche Seeotter, und im Pavilhão do Conhecimento balancieren sie mit dem Rad auf einem Hochseil.
Zudem ist der Eintritt in Museen für Kinder meist kostenlos oder Eltern zahlen nur den halben Preis. Für Kinder unter fünf Jahren sind alle öffentlichen Verkehrsmittel umsonst.
www.portaldasnacoes.pt | www.oceanario.pt | www.pavconhecimento.pt


Kultur
Untrennbar mit der Kultur Lissabons verbunden ist der Fado. Bei der melancholischen Volksmusik der leisen Töne dreht sich alles um Leidenschaft, Liebe und unerfüllte Sehnsucht. Begleitet wird mit der viola, einer klassischen Gitarre. Häufig wird die Musik in Restaurants gespielt. Am besten im Parreirinha de Alfama (Beco Espírito Santo 1), das von der Fado-Familie Rodrigues/Santos geführt wird, lauschen und essen.
www.parreirinhadealfama.com


Am Abend
Das Teatro Nacional de São Carlos (Rua Serpa Pinto 9) ist das Opernhaus, das im südlichen Teil der Hauptstadt liegt. Hier ist auch das portugiesische Symphonieorchester zu Hause. Das Orchester mit seinen rund 40 Mitgliedern spielt klassische bis moderne Stücke. Viel zu sehen und zu hören gibt es auch im Centro Cultural de Belem (Praça do Império). Verschiedene Veranstaltungen in den Bereichen Tanz, Filmpräsentation und Lesungen lassen diesen Ort nie langweilig erscheinen.
www.tnsc.pt | www.ccb.pt


Umgebung
Cacilhas ist der verschlafene Vorort Lissabons und liegt genau auf der anderen Seite des Tejo. Größte Attraktion ist der Cristo Rei, eine 110 Meter hohe Christusstatue, die stark an das brasilianische Pendant in Rio de Janeiro erinnert. Mutige, die keine Höhenangst haben, können mit dem Aufzug hinauf zu einer Plattform gelangen, wo sich eine spektakuläre Aussicht auf Lissabon bietet. Ein absolutes Postkartenmotiv – Kamera also nicht vergessen. Im Sommer fünf, im Winter vier Euro Eintritt.
www.cristorei.pt


Fazit
Lissabon ist eine Stadt der Gegensätze. Alt, teilweise heruntergekommen, dann wieder modern, urban und wunderschön – dabei immer lebenswert. Das Klima – selbst in den Wintermonaten wird es nie kälter als zehn Grad –, die einzigartige Architektur, die hügeligen, mit ächzenden gelben Straßenbahnen befahrenen Straßen sowie die multikulturelle Gesellschaft tragen zum Charme dieser Perle am Atlantik bei. Lissabon gilt zu Recht als eine der schönsten europäischen Städte und ist definitiv eine Reise wert.

Stell- & Campingplätze
Lisboa Camping & Bungalows
Estrada da Circunvalação, 1400-061 Lisboa
GPS: 38°43‘29“ N/ 9°12‘28“ W
Insgesamt stehen 171 Stellplätze auf dem Campinggelände zur Verfügung. Eine Familie mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern zahlt in der Hauptsaison pro Nacht 36 Euro. Im Preis sind Stellplatz, Strom, Wasser und Ortstaxe enthalten.
Infos: www.lisboacamping.com
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