Skiurlaub mit Christkind – Tirol (Seite 1 von 2) von Dirk Schröder | Mathis Paus (Guide)
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Für unsere Ankunft in Innsbruck haben wir uns genau den richtigen Tag ausgesucht. „Heute zieht das Christkind mit großem Gefolge in die Stadt ein!“, begrüßt uns eine Dame auf dem Campingplatz Kranebitterhof. „In Tirol bringt nicht der Weihnachtsmann den Kindern die Geschenke, sondern das Christkind“, klärt sie uns auf. Sofort ist unsere Neugierde geweckt, und unsere Kinder stehen schneller in den Startlöchern als sonst.
Mit dem Linienbus ersparen wir uns die Parkplatzsuche zur Rushhour. Die Maria-Theresien-Straße ist bereits für Autos gesperrt, und hinter Absperrbändern warten Kinder mit ihren Eltern im Dämmerlicht auf den großen Augenblick.
Bald schon wird die Menge unruhig. In der Ferne tut sich etwas. Viele kleine Fackeln bewegen sich aus dem Dunkel langsam auf uns zu, gehalten von Kindern, die in Loden eingehüllt sind. Ihnen folgt eine weitere Gruppe, die genau vor uns anhält und Weihnachtslieder zu singen beginnt. So folgt eine Schulklasse der anderen.
Dann glaube ich meinen Ohren nicht zu trauen. In den Kindergesang mischt sich ein Geräusch, das sich wie Schafe anhört – mitten in der Stadt? Tatsächlich kommen braune, schwarze und weiße Tiere vorbei, begleitet von echten Hirten, die lange Stöcke in den Händen halten. Dann ertönt das Geräusch von Pferdehufen auf Asphalt, viele kleine funkelnde Lichter kommen auf uns zu.
Ein prunkvoller Wagen nimmt Konturen an, der von stämmigen Rappen gezogen wird. An den Seiten fahren Engel mit, und unter einem Baldachin aus kleinen Lämpchen sitzt ein Kind in weißem Gewand mit blonden Haaren – darauf haben alle gewartet! Das Christuskind winkt bedächtig der Menge zu, mal nach rechts, mal nach links. Blitzlichter funkeln auf.

Schafe, Hirten und das Christkind
Diese Inszenierung, die im Jahre 2004 erstmals stattfand, zieht auch in diesem Jahre wieder die Menschen in ihren Bann. 500 Schulkinder aus ganz Tirol sind daran beteiligt, hinzu kommen 150 Schafe. Mit dem Christkindl-Einzug im Rahmen einer Bergweihnacht will die Stadt einen besinnlichen Gegenpol zum lauten und geschäftigen Treiben in der Adventszeit setzen. Das rund 35.000 Euro teure Spektakel wird vom Verein Innsbrucker Weihnacht organisiert und ist wegen seiner hohen Kosten in der Bevölkerung umstritten. Doch damit wird eine Tradition aus den 1950er-Jahren wiederbelebt.
Wir folgen dem Zug noch eine Weile durch die Stadt, bis dieser durch den Marktgraben und die Herrengasse zum Landestheater weiterzieht. Dort endet mit dem traditionellen Lied „Stille Nacht“ das Ereignis.

Märchenfiguren und ein Goldenes Dachl
In den engen Straßen der Altstadt übertrifft das Lichtermeer all unsere Erwartungen. Immer wieder sind an den Fassaden große Figuren aus Märchen zu entdecken: Schneewittchen mit den Sieben Zwergen steht nahe der Frau Holle, die über einem Maronenstand schwebt. An der nächsten Ecke greift sich Pinocchio an seine Nase, und zwei Urlauber aus Italien lassen sich einige Schritte weiter vor einem Riesen fotografieren.
Uns zieht es nun zum berühmten Goldenen Dachl am Ende der Friedrichstraße.
Vom Wahrzeichen der Stadt – einem Erker mit mehr als 2.600 vergoldeten Kupferschindeln – dringt unerwartet der Klang von Trompeten zu uns herunter. Wir mischen uns mit einem Becher Glühwein unter die Besucher aus Korea, Italien, Holland – und Tirol. Für viele Einheimische ist der Weihnachtsmarkt in den besinnlichen Tagen ein beliebter Treffpunkt. „Ab 19 Uhr wird es so richtig voll!“, erklärt neben mir eine Dame mit Pelzmantel und Fellmütze.
Statt Bratwurst oder Reibekuchen wünscht sich unser Gaumen eine echte Sachertorte, die nur wenige Schritte von hier entfernt in der Konditorei Munding angeboten wird. Die älteste Konditorei Tirols ist in der Kiebachgasse 16 an einem Ausleger mit Baumkuchen-Symbol zu erkennen. Die süßen Leckereien, aber auch die deftigen Speisen entpuppen sich als reine Gaumenfreude.Kinder erwartet nicht weit von der Altstadt entfernt, auf dem Landhausplatz, ein vorweihnachtliches Paradies. Am dortigen Christkindlmarkt, der schon in der zweiten Novemberhälfte täglich geöffnet ist, bringen Kasperletheater, Märchenerzähler, ein Streichelzoo und das 100 Jahre alte Ringelspiel die Kleinen zum Staunen. An den vier Adventssonntagen gibt es speziell für die jüngsten Besucher sogar eine „Weihnachtsshow“.
Wer nicht genau zum Einzug des Christkinds in Innsbruck einrollt, der findet zur Weihnachtszeit in der Hauptstadt oder in den umliegenden Ferienorten mit Sicherheit trotzdem genügend andere Attraktionen. Hirten und Engel begleiten zum Beispiel nicht nur das Christkind, sondern auch den Nikolaus, wenn dieser am 5. Dezember über die Innbrücke in die Altstadt kommt. Der mildtätige Mann mit weißem Rauschebart winkt dann im Gefolge von jungen Engeln allen Kindern zu.
In früheren Jahren wurde der Nikolaus in Tirol vom bösen Klaubauf oder Krampus begleitet, der mit Bocksfuß, Teufelsfratze und Kettenrasseln die weniger Braven einschüchtern sollte. Seit aber Nikolaus aus pädagogischen Überlegungen in der Altstadt nur noch ohne Krampus auftritt, führt der finstere Geselle ein munteres Eigenleben: Vielerorts treffen sich die kleinen und großen Krampusse zum Krampuslauf. Besonders eindrucksvoll sind diese „teuflischen“ Auftritte in Axams, wo am 5. Dezember am Dorfplatz der „Tuifllauf“ (Teufellauf) startet. Dann ist auch der „Nikolo Markt“ geöffnet.
In Igls ist der Auftritt des furchterregenden Gesellen schon am 3. Dezember im Dorfzentrum, dazu gibt’s an verschiedenen Ständen kulinarische Tiroler Schmankerl und Glühwein. Ganze drei Tage dauert das Krampuslaufen in Zirl, wo die „Teufel“ ab dem 1. Dezember jeweils am frühen Abend für Überraschung sorgen.

Wintersport im Dreiländereck
Wer Weihnachten in Innsbruck verbringt, sollte am 23. nach Igls hinauffahren. Seit mehr als 1950 Jahren wird dort abends die Bergweihnacht begangen. Am Dorfplatz finden sich dann rund 200 Engel, Hirten und Tiere ein und ziehen durch das Dorfzentrum zur „Lebenden Krippe“.
Wen es nach so viel weihnachtlichem Trubel in die Natur hinauszieht, der ist rund um Innsbruck in Tirol gut aufgehoben: Über die Autobahn erreichen wir bald das Kaunertal. Die mobilen Zweitwohnungen sind dort auf dem Campingplatz Aktiv in Prutz mit Neuschnee überzogen. Wir fahren in der Früh mit unserem Wohnmobil durch die idyllische Winterlandschaft nach Pfunds. Im Skiverleih Monz erhalten wir unsere Ausrüstung und noch zahlreiche Tipps von Skilehrer Toni: „Der Schnee kommt heute von Norden und ist nicht sehr ergiebig“, sagt er. „Ich würde euch raten, nach Nauders zu fahren. Dort soll es heute aufreißen.“
In diesem Winter haben wir uns Ried im Kaunertal als Stützpunkt ausgewählt. Es gilt als schneesicher und ist eines der schönsten Skizentren im Dreiländereck Österreich, Schweiz und Italien. 80 Anlagen sind hier zu einem Großraum-Skigebiet zusammengeschlossen – 550 Kilometer präparierte Piste über Ländergrenzen hinweg.
Auf der Fahrt zur Talstation in Nauders wird es hinter den Bergen immer heller; die Sonne blendet, als wir die Gondel verlassen. Die Pisten sind breit und vorbildlich präpariert. Skilehrer Toni empfiehlt dieses Gebiet für Wintersportler, die sich schnell ihren Lieblingshang für die ersten Schwünge suchen. Selbst als Profi fährt er dort am liebsten. Und wer sich dann eingefahren hat, kann sein Können unterhalb des Gueser Kopfs testen.
Auch Kinder sind dort gut aufgehoben: Unweit der Liftstation Bergkastel breitet sich das Kinderland Nauders aus, wo Sprösslinge spielerisch alle Grundlagen vom Lift-Fahren bis zum ersten Schwung mit Ski oder Snowboard gezeigt bekommen und ihre Eltern ihre eigenen Touren fahren.

Ab in die Silvretta-Arena
Nach der Mittagspause in der Lärchenalm folgen wir Tonis Empfehlung und fahren einige Kilometer weiter zum Reschensee, wo der Glockenturm aus dem Eis herausschaut. Der alte Schneehase hatte uns von breiten schwarzen Pisten in Schöneben vorgeschwärmt – zu Recht!
„Heute fahrt ihr nach Samnaun!“ sind Tonis erste Worte nach der Begrüßung am nächsten Morgen. Dann holt der Skilehrer eine Karte aus der Schublade und zeichnet in Rot einige Punkte ein. „Nun gebe ich Euch eine schwere Aufgabe! Ihr seid doch gute Skiläufer, oder?“ Wir schauen uns an, doch Toni wartet unsere Antwort nicht ab und sagt überzeugt: „Das schafft ihr gut an einem Tag.“
Eine halbe Stunde später warten wir auf die gigantische Doppelstockbahn, die hier im Dreiländereck nun über Schweizer Boden schwebt. 180 Personen kann die riesige Anlage in einer Tour auf den Alp-Trida-Sattel in die Silvretta-Arena befördern. Das Skigebiet ist gewaltig! Genau das Richtige für Fans von sogenannten Skischaukeln – also Skigebieten, die mit Liftanlagen miteinander verbunden sind.
Wir brauchen etwas Zeit, bis wir uns bei den vielen Möglichkeiten in über 2.500 Metern zurechtfinden. Dann aber geht es bequem mit dem Viderjoch-Sessel zur Greitspitz hinauf. Wolken haben sich wieder vor die Sonne geschoben, die Dreitausender um uns herum sind eingehüllt, und die Konturen der Piste wurden vom Weiß verschluckt. Schmale Abfahrtsbänder ziehen an grau-braunen Felsgiganten vorbei, sodass wir uns wie Zwerge in einer gigantischen Landschaft vorkommen.

1.472 Höhenmeter am Stück
Mit einem beherzten Schwung geht es auf die schwarze Piste im Höllenkar. 13 Kilometer sind von hier bis Ischgl möglich, 1.472 Höhenmeter in einem Rutsch! Das Panorama am Funpark, dicht an den Felswänden, ist trotz der Bewölkung beeindruckend. Vor uns liegt die Idalp, wo so viele Lifte zusammenkommen, dass wir den Überblick verlieren. Wir rauschen über die „Wilde 13“, die traumhaft präpariert ist, hinunter ins Getümmel und schaukeln uns auf diese Weise bis zur Tajahütte weiter, wo wir wieder österreichischen Boden unter unseren Füßen haben.
Die Gaststätte ist eine alte Blockhütte aus dem Jahr 1830, die in Kärnten abgetragen worden ist und hier eine neue Heimat gefunden hat. Der Familienbetrieb bietet die Wahl zwischen Schnellküche, Pizzeria oder im Restaurant eine Speisekarte, die von Fisch bis Speckknödel ein breites Angebot beinhaltet. Empfehlenswert ist die Tajapfanne mit verschiedenen Fleischsorten vom Grill.
Wer wieder zum Ausgangspunkt zurück muss, sollte seine Strecke gut planen und am Nachmittag noch etwas Kraftreserven haben, denn zum Fahrzeug kann es lang werden. Nach einer Aufwärmpause ist die Rote 28 wieder ein einziger Skigenuss. Die Abfahrt ist so lang, dass die Talstation nur zu ahnen ist.
„Vergesst nicht zu tanken!“, gab uns Toni noch mit auf den Weg, als wir die Klinke der Glastüre schon in der Hand hatten. Bei der Rückfahrt wissen wir warum. In der zollfreien Zone ist alles etwas günstiger, und die Geschäfte überbieten sich förmlich mit preiswerten Angeboten.

Serfaus – Fiss – Ladis
Nachdem uns gestern eisiger Wind um die Ohren gepfiffen ist, tragen wir heute auf Tonis Rat hin dick Sonnencreme auf. Bei Kaiserwetter steuern wir unser Reisemobil über teilweise exponierte Bergstraßen nach Fiss hinauf. Am Ortseingang von Samnaun fällt uns eine Schaukäserei auf. Wir merken sie uns für den Rückweg.
Speedstrecke, Funpark, Panoramarestaurant: Die Auswahl ist so groß, dass wir uns für heute auf das Gebiet zwischen Fiss und Ladis begrenzen wollen – schließlich sind wir hier, um uns zu erholen. Der Komfort in den Skigebieten wird immer besser. Es gibt kaum noch einen Schlepplift, und die Sesselbahnen werden immer breiter. Gestern haben wir die schützende Plastikhaube vor uns genossen, heute ist es die Sitzheizung der Schöngampenbahn. Das Skigebiet ist ein Traum – übersichtlich, abwechslungsreich, vielseitig.
Wer sich mal einen ganz anderen Kick geben möchte, der findet zum Beispiel als Langläufer unzählige Loipen – beim Reschensee sogar grenzüberschreitend. Als Fissflieger können Wagemutige an einem Drahtseil fliegen. Wer zu Fuß gehen möchte, für den sind rund um Pfunds 30 Kilometer Wanderwege geräumt. Eine schöne Alternative und schnell zu lernen sind die Schneeschuhwanderungen: Mit breiten Sohlen können Winterfreunde bequem die Naturparkregion im Schnee erleben oder in die Pfundser Tschey wandern.
Wer es bequem und romantisch liebt, der hüllt sich in eine warme Wolldecke und lässt sich in der Pferdekutsche durch die Winterlandschaft fahren. Dabei kommen einem dann schnell wieder die Erinnerungen an den Anfang der Reise ins Gedächtnis, als das Christkind im märchenhaften Innsbruck romantische Weihnachtsgefühle weckte. Auf diese Weise verwandelt sich das frohe Fest in eine ebenso fröhliche Reise.

Tipp: Bobbahn Innsbruck
Die Olympiastadt Innsbruck ist heute noch berühmt für ihre Bobbahn, die 1976 als erste Kunsteis-Bobbahn Österreichs erbaut worden ist. Wer als Gast die Erfahrung machen möchte, die Rennstrecke im Sechser-Bob mit Steuermann hinunterzurasen, braucht schon einigen „Schneit“ – also Mut –, wie die Tiroler sagen. Von jenem Punkt aus, an dem normalerweise die Damen ins Rennen gehen, erwartet die Teilnehmer eine Strecke von 900 Metern Länge mit zehn Kurven und einem Kreisel. Dabei werden 100 Höhenmeter in einer Geschwindigkeit von bis zu 85 Stundenkilometern überwunden. Der Spaß wird zu festgelegten Terminen angeboten und kostet 30 Euro pro Person. 1.270 Meter Länge sind es im Rennbob vom Herrenstart zum Preis von 95 Euro.
www.knauseder-event.at
Tipp: Tiroler Skihütte
Was kann es Schöneres geben als nach – oder während – eines langen Skitags in einer Skihütte einzukehren? Besonders zu empfehlen: Am Reschenpass mit dem Glockenturm, der aus dem Eis herausschaut, steht im Bereich Schöneben die Tiroler Skihütte. Sie ist wegen ihres ungewöhnlichen Ambientes mit alten Sofas zum Herumlümmeln und einem Unikum an Wirt einen Einkehrschwung wert. Die meisten Hütten in diesem Gebiet werden von den Bergbahnen betrieben, hier aber sitzen Gäste entweder in der alten Berghütte oder in einem modernen Anbau, den Künstler gestaltet haben – inklusive eines großen Fensters zur Piste. Die Stühle waren früher vom Sperrmüll, sind aber inzwischen durch farbiges Mobiliar ersetzt worden. So schlägt die Tiroler Skihütte geschickt eine Brücke zwischen Nostalgie und Moderne.

Seite 2 – Guide Tirol mit Infos zu Verkehrsbestimmungen, Camping- und Stellplätzen und vielem mehr …

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