Der große Report: SAT, TV & Internet für Wohnmobil & Wohnwagen von Inge Gaebel

Voll auf Empfang
Bei der Anschaffung einer Sat-Anlage sind einige Grundüberlegungen anzustellen, um aus der Vielfalt der Angebote das für sich selbst passende herauszufinden. Die erste Frage ist immer die nach den künftigen Reisezielen, die angesteuert werden möchten. Denn wer im Herzen Europas unterwegs ist, dem genügt in aller Regel eine kleine Satelliten-Anlage mit einem Durchmesser des Parabolspiegels von rund 60 Zentimetern. Nordfahrer und Reisebegeisterte für die Randzonen Europas kommen um eine Spiegelgröße von 80 Zentimetern nicht herum. Nur damit erreicht man dort die Programme, die von den Satelliten der Astra- oder Eutelsat-Gruppe ausgestrahlt werden.
Wechselt man häufig oder eher selten den Standort? Auch die Frage nach dem Reiseverhalten hat Auswirkungen auf die Wahl der geeigneten Anlage. Wer standorttreu auf einem Campingplatz Urlaub macht, dem genügt meist eine manuell einstellbare Schüssel, die auf einem Gestell oder Mast montiert wird. Diese Konzeption ist vergleichsweise günstig, erfordert aber einigen Aufwand bei der Suche nach dem Satelliten. Wer hingegen täglich einen neuen Stellplatz anfährt und dann abends fernsehen möchte, ist mit einer vollautomatischen Anlage gut bedient. Diese peilt bequem auf Knopfdruck den eingestellten Satelliten an, in kurzer Zeit hat man ein klares Bild.

Direkte Sichtverbindung der Antenne zum Satelliten
Es muss allerdings gewährleistet sein, dass es eine direkte Sichtverbindung von der Antenne bis zum Satelliten gibt – auch wenn man diesen aufgrund der enormen Höhe natürlich nicht sehen kann. Bäume oder Hochhäuser würden einen guten Empfang behindern. Ist man daher im Süden unterwegs und auf Beschattung angewiesen, lohnt sich die Anschaffung einer mobilen Sat-Anlage, die neben dem Wohnmobil platziert wird. Mit ihr bleibt der Wagen im angenehm temperierten Schatten stehen, und die Verbindung zwischen Satellit und Empfangsantenne ist dennoch gewährleistet. Bei diesen externen Sat-Schüsseln muss allerdings darauf geachtet werden, dass die Kabellänge nicht allzu lang wird, da dies Qualitätseinbußen mit sich bringt. Ist das der Fall, kann mit einem Signalverstärker nachgebessert werden.
Doch zurück zu den Ursprüngen. Die TV-Signale werden von den Satellitengruppen von Astra und Eutelsat (Hotbird) gesendet. Sie stehen in Äquatornähe – aus europäischer Sicht also im Süden – in rund 36.000 Kilometern Höhe an festen Positionen im All. Von dort aus senden sie digitale Signale Richtung Erde, die dort innerhalb bestimmter Bereiche empfangen werden können. Im Kernbereich der betreffenden Gebiete herrschen optimale Empfangsbedingungen, in den Randbereichen hingegen wird das Signal schwächer. Von der zur Verfügung stehenden Signalstärke abhängig ist der für guten Empfang benötigte, eingangs erwähnte, Durchmesser der Schüssel – je schlechter das Signal, desto größer muss die Schüssel gewählt werden. Wo auf der Erde man einen bestimmten Satelliten mit welcher Stärke erreichen kann, wird über einen sogenannten Footprint, einen Fußabdruck, abgebildet. Mit ihm kann der moderne Nomade erkennen, ob er sich noch innerhalb des Fußabdrucks befindet und damit eine gute Bild- und Tonqualität erreicht.
Die Peilung selbst wird über die Ausrichtung von LNB (Empfangskonverter) und Parabolspiegel in horizontaler (Azimut) und vertikaler Richtung (Elevation) eingestellt, unabhängig davon, ob dies manuell oder automatisch erreicht wird. Beim Kauf ist es daher wichtig, zu wissen, wohin einen die Reisen der kommenden Jahre führen werden. Die meisten Anlagen decken Mittel- und Südeuropa und zumindest das mittlere Skandinavien ab, je nach Größe der Schüssel erreicht man gute Sendeleistungen auch in Nordengland, Nordafrika und einem großen Teil Osteuropas.

Skew-Funktion
Reist man in diese Randgebiete Europas, so lohnt sich die Anschaffung eines Gerätes mit Skew-Funktion, welche für eine korrekte Winkel-Einstellung des LNB und damit für den bestmöglichen Empfang an europaweiten Standorten sorgt. Während der LNB in Deutschland lotrecht montiert werden kann, wird auf Fernreisen eine Winkelkorrektur erforderlich – der Skew-Faktor. Denn je weiter man in den Süden und in Richtung der Satellitenposition fährt, desto mehr weichen die empfangenen Wellen des Signals von der Vertikalen ab. Diese Neigung (Skew = englisch für Neigung, Schrägstellung) verursacht Polarisationsverschiebungen, welche die Empfangsleistung mindern. Ab etwa 15 bis 20 Grad sollte diese Abweichung ausgeglichen werden. Auf Fahrzeugen installierte hochwertige Anlagen erfüllen dies oft vollautomatisch, andere müssen entsprechend eingestellt werden.

Der Receiver
Sat-Anlagen werden mit oder ohne Receiver angeboten. Dieser Empfänger wandelt die Signale der Empfangsantenne in solche um, die das Fernsehgerät weiterverarbeiten kann. Sehr viele moderne Fernsehgeräte haben bereits einen Receiver integriert. Verwendet man einen solchen, so kann beim Kauf der Sat-Antenne darauf verzichtet werden. Bei der Auswahl des Receivers wird man darauf achten müssen, welche Signale dieser umwandeln kann, damit man das geeignete Gerät auswählt. Die Bezeichnung DVB bezeichnet den Empfang von digitalen Daten für Video und Fernsehen (Broadcasting). Der Zusatz nach dem Bindestrich präzisiert die Empfangsart. Dabei steht T für terrestrischen Empfang, C für Kabelempfang, S und S2 für Satellitenempfang und SH für den Sat-Empfang mit einem „Handheld“-Gerät, also einem in der Hand zu haltenden Gerät wie ein Tablet oder ähnliches. Gänzlich ohne Sat-Anlage lassen sich terrestrische Signale empfangen, die von DVB-T-Empfängern verarbeitet werden. Damit lassen sich insbesondere bei Reisen im Inland viele über Funk ausgestrahlte öffentlich-rechtliche und Regionalsender empfangen.
Zurück zu den Satelliten-Empfangsgeräten. Will man Fernsehsignale in hoher Auflösung empfangen, wird man einen Receiver wählen, der den Zusatz HD für High Definition (oder 1080p) trägt. Dabei spielt es keine Rolle, ob dieser in den Fernseher integriert ist oder nicht. Diese Anforderung wird von DVB-S2-Receivern erfüllt, sofern es sich um öffentlich-rechtliche Sender handelt. Private Sender ermöglichen den Zugang zu ihren HD-Ausstrahlungen über eine Steckkarte, welche die von Sender verschlüsselten Signale entschlüsselt und zur Nutzung freigibt. Dieser Steckkartenplatz wird CI oder CI+ (Common Interface = Allgemeine Schnittstelle) genannt. Sollen also die Signale privater Anbieter entschlüsselt werden, muss zuvor die Entschlüsselungskarte gekauft und eingesetzt werden. Die hohe Auflösung des HDTV hat gegenüber der Standardversion SDTV eine sichtbar höhere vertikale und horizontale Auflösung. Natürlich muss dann auch das TV-Endgerät HD-geeignet sein, um diese hochaufgelösten Daten anzeigen und damit wirklich das hochwertige Bild abgeben zu können, das von den Signalen her bereitgestellt wird.

Zwei Programme gleichzeitig: zwei LNBs
Ferner stellt sich die Frage nach der Nutzungsart. Wenn mehrere Personen mit unterschiedlichen Wünschen unterwegs sind, möchten diese vielleicht auch manchmal verschiedene Programme sehen. In vielen Fahrzeugen sind heute zwei TV-Geräte vorhanden, womit sichergestellt ist, dass jeder zu seinem Recht kommen kann. Aber: Für den parallelen Empfang von zwei Programmen ist eine Anlage mit zwei LNBs erforderlich. Diese ermöglicht darüber hinaus, einen Film zu sehen und zeitgleich einen weiteren aufzunehmen.
Eine weitere Rolle spielt die Form der Antenne. Oftmals passen kleine Flachantennen besser auf das Dach des Reisemobils – dies ist abhängig von anderen Aufbauten auf dem Dach, wie zum Beispiel Dachhauben oder Klimageräte. Ein runder Parabolspiegel benötigt zuweilen viel Platz, vor allem, wenn er einen großen Durchmesser hat. Kuppelantennen bauen höher auf, haben aber den Vorteil, dass sie geschlossen gebaut und damit sehr unempfindlich gegen Wind und Wetter sind.
Sat-Anlagen-Hersteller versuchen, stets größtmögliche Empfangsleistung bei kleinstmöglichem Platzverbrauch zu erreichen. Hersteller ten Haaft hat unter diesem Gesichtspunkt eine Flachantenne namens Cytrax DX entwickelt, die aus unzähligen Kleinstempfängern zusammengesetzt ist. „Abgeschnittene Ecken“ verkleinern den Drehradius auf dem Dach bei größtmöglichem Footprint, gleichzeitig ist das empfangene Bild sehr stabil.

Internet unterwegs
Immer mehr Reisende möchten die Satelliten-Anlage über den reinen Fernsehempfang hinaus auch als Internet-Zugang verwenden. Hier geht es nun aber nicht mehr nur um den reinen Empfang von Daten, sondern es wird über deren Versand auch der umgekehrte Weg erforderlich, wenn man zum Beispiel E-Mails verschicken oder Bilder hochladen (uploaden) möchte. Dies erfordert natürlich eine Anlage, die dies auch zu leisten imstande ist.
Zwei weitere große Anbieter tummeln sich auf dem Markt für das mobile Internet. Das Unternehmen IPCopter nutzt den von Eutelsat betriebenen KA-SAT-Satelliten, der speziell auf den Internetbetrieb zugeschnitten und damit nach Angaben des Anbieters rund 30mal leistungsfähiger als ein Astra-TV-Satellit ist. Er versorgt derzeit 82 in Europa verteilte sogenannte Spot-Beams, die kleinere Bereiche der Erdoberfläche mit hoher Feldstärke bestrahlen, mit Breitbandinternet. Ist man allerdings viel unterwegs, so kann schon mal auf einer Strecke ein mehrfacher Spot-Beam-Wechsel erforderlich sein. Das kann lästig und teuer werden.
Anbieter Filiago bietet eine 85er-Sat-Antenne mit Ausrichtungsautomatik inklusive aller Zusatzgeräte an. Dazu kann man ein Paket buchen, das entweder nur Telefon und Internet und/oder auch die TV-Nutzung beinhaltet. Mit diesem kann man bis zu 10 Mbits/Sekunde downloaden und mit bis zu 256 Kbit/s uploaden. Vor allem Reisemobilisten, die beruflich häufig das Internet benötigen, sind damit ähnlich unabhängig wie mit einem privaten Anschluss zu Hause. Möglich sind hier auch Tarife, die nur saisonal berechnet werden, also nur für die Reisesaison, nicht aber, wenn die Anlage auf dem Reisemobil im Winterschlaf ist.
Im Zubehörbereich gibt es alles, was das Herz begehrt: Kabel als Fensterdurchführung, damit die mobile Anlage einfach nur eingesteckt werden muss, Klemmfüße für die Bierkiste bei einfachsten Schüsseln, Hightech-Sat-Finder für manuell einzurichtende Anlagen, Apps für die Fernbedienung der Geräte, USB-Steck-Module für die Wi-Fi-Übertragung von Handyfotos auf den Bildschirm und Überzüge für die eigentliche Antenne als Schutz gegen Hagel. Da sind dann auch individualisierte Aufkleber für die Schüssel mit den Bildern von Kindern und Hund keine Utopie mehr, sondern Reiserealität.

Worauf ist beim TV-Gerät zu achten?
Doch auch die beste Sat-Anlage garantiert keinen Spaß, wenn das TV-Gerät nicht dazu passt. Alle Fernseher-Neuerwerbungen sind heute Flachbildschirme, die in verschiedenen Preisklassen angeboten werden. TV-Geräte für Reisemobilisten sind leicht und handlich, Maße mit 15 bis 24 Zoll üblich, die Größe richtet sich meist nach dem, was die Formate von Schränken und TV-Kästen im Reisemobil hergeben. Die Bildschirmgrößen erscheinen auf den ersten Blick zwar eher klein, reichen aber dennoch gut aus – denn anders als zu Hause sitzt man relativ nah am Fernseher. Zur Montage bietet der Fachhandel allerlei Befestigungsplatten, Schiebe-, Klapp- und Versenkmechanismen an. Insbesondere für TV-Geräte, welche den internationalen VESA-Standard zur Befestigung von Flachbildschirmen berücksichtigen, sind leicht montierbare Zubehörprodukte erhältlich. Auf der Rückseite der Geräte befinden sich vier genormte Bohrungen, um den Bildschirm unproblematisch mit der Schwenkeinrichtung verschrauben zu können. Bildschirme der gängigen Größe im Caravaningbereich sind dabei mit einem 100 x 100 oder 75 x 75 Millimeter großen Befestigungslochmuster versehen (VESA MIS-D 100/75, C). Am VESA-Logo lässt sich auf einen Blick erkennen, ob ein TV-Gerät mit dem VESA-Standard kompatibel ist. Unterbringungsfragen werden damit gut gelöst. Man sollte beachten, dass der Fernseher während der Fahrt stets durch das Fach, einen Schieberiegel oder einen Gurt gesichert wird, um im Falle eines Schlaglochs oder gar Unfalls auf der sicheren Seite zu sein.
Geräte für den Campingbedarf haben gegenüber Haushaltsgeräten in aller Regel mehr Rüttelstabilität, sind sie doch auf der Fahrt oftmals Erschütterungen ausgesetzt. Wünschenswert ist ein möglicher 12-Volt-Betrieb, denn bei der Verwendung von 230-Volt-Geräten müsste die Spannung gegebenenfalls erst mit einem Wandler angepasst werden, woraus eine erhöhte Belastung der Batterie resultieren würde.
Die meisten Geräte auf dem Markt sind Fernseher mit TFT-Technik und verfügen über eine hohe Farbtreue und Leuchtstärke. Hochwertige Produkte zeichnen sich durch einen großen Betrachtungswinkel aus, sodass von allen Plätzen der Sitzgruppe aus dem Film gefolgt werden kann. 150 bis 170 Grad in der Horizontalen werden erreicht. Doch auch der vertikale Betrachtungswinkel spielt eine Rolle, da beispielsweise Sitzplätze in der Halbdinette von teilintegrierten Fahrzeugen unterschiedlich hoch angeordnet sind. LED-Technologie sorgt dabei nicht nur für äußerst geringen Stromverbrauch, sondern auch für eine hochwertige Hintergrundbeleuchtung, die eine beeindruckende Farbbrillanz ermöglicht. So wird eine lebendige Bildqualität erreicht.

Zahlreiche Zusatzausstattungen
Immer wieder hört man von Pixelfehlern; Qualitätshersteller achten jedoch sehr darauf, dass ihre Produkte frei von störenden Punkten auf der Bildfläche sind. Dies schlägt sich zwar im Preis nieder, dafür ist das Fernsehvergnügen dann aber ungetrübt. Dies gilt umso mehr, wenn der Fernseher sogar noch Zusatzausstattungen bietet. Die Grenzen in andere Bereiche sind dabei fließend: Beginnend bei einem integrierten Receiver für ein oder mehrere Empfangssysteme über einen eingebauten DVD-Spieler für den Filmeabend und Bluetooth-Modulen für die kabellose Übertragung von Fotos oder Filmen vom Tablet oder Handy auf den größeren TV-Bildschirm bis hin zum Blue Ray Player werden alle Wünsche erfüllt. In Verbindung mit einer entsprechenden Sat-Anlage steht weder Heimkino noch dem Anschluss ans Internet dann noch etwas im Wege.
Und wenn ärgerlicherweise doch einmal etwas beim Hightech-Vergnügen nicht funktionieren sollte: Ein spannendes Buch, ein guter Wein, nette Gespräche oder kuschelige Stunden zu zweit können einen mindestens ebenso schönen Abend bereiten.

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