Städte-Tour – Stuttgart von Johannes Kühner
Touristinfo
Tourist-Information i-Punkt
Königstraße 1 A · 70173 Stuttgart
Tel. 0711-2228100 (Buchungsservice)
www.stuttgart-tourist.de

Aufwärts, immer weiter, führen die Stufen zu einer Statue, die nackt auf Stuttgart hinunterblickt. Eine griechische Meeres-Nymphe thront auf einem Brunnen, der ihren Namen trägt: Galatea. Als das Ende des Aufstiegs und der Brunnen näher kommen, geht der Atem ein wenig schneller angesichts der sportlichen Betätigung. Dabei sind diese Stäffele noch gar nicht die längsten!
Stäffele – so nennen sie in Stuttgart ihre mehr als 400 Freitreppen, die im ganzen Stadtgebiet zu finden sind. Sie waren früher notwendig, um die in einer hügeligen Landschaft gelegene Stadt – und vor allem ihre Weinberge – zu Fuß erreichen zu können. Als die Wohnbebauung immer mehr in die Hügel vordrang, blieben die Treppen als Relikte und Abkürzungen aus früheren Zeiten zurück. Heute prägen sie das Bild von Baden-Württembergs Landeshauptstadt – auf einer Gesamtlänge von 25 Kilometern. Und verschafften den Schwaben einen Spitznamen: Stäffelesrutscher.
Das Eugenstäffele, an dessen Ende der Galatea-Brunnen steht, zählt für viele Stuttgarter zu den schönsten. Die Treppen sind vom Stadtzentrum nach wenigen Minuten erreicht (Zugang: Urbanstraße).
Wer die Stufen erklimmt, der kann sich oben im beliebten Eiscafé Pinguin belohnen und hinabblicken auf eine Stadt, die noch weit mehr Aussichtspunkte bietet.
Ab Ende des Jahres zum Beispiel wieder aus dem Fernsehturm, der aus Brandschutzgründen derzeit geschlossen ist. Das Wahrzeichen ragt wie ein Zeigefinger aus einem Wald und war nach Fertigstellung 1956 mit 217 Metern das höchste Gebäude Deutschlands. Weil er derzeit geschlossen ist, weichen viele Besucher auf den Turm des Hauptbahnhofs aus. Er ist zwar nicht ganz so hoch, dafür aber umso informativer. Denn spätestens seit der Wutbürger-Proteste gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21 weiß jeder: Der Verkehrsknotenpunkt im Südwesten soll einen unterirdischen Bahnhof bekommen. Wie der Bahnhof und die Bahnstrecke am Ende aussehen sollen, das zeigt eine Ausstellung auf vier Turm-Ebenen.
Imposante Automuseen von Porsche und Mercedes
Apropos Ausstellungen: Eine geballte Ladung davon bekommen Kunstinteressierte, wenn sie vom Bahnhof aus die Königstraße entlangschlendern. Dies ist ohnehin ein Muss – schließlich ist sie die längste autofreie Einkaufsstraße Europas. Auf halber Strecke findet sich das Alte Schloss mit dem Landesmuseum, der Kubus mit zeitgenössischer Kunst und nur wenige Minuten abseits: die Staatsgalerie.
Und natürlich erinnert Stuttgart auch an seine Vergangenheit als „Wiege des Automobils“. Gottlieb Daimler hatte das motorisierte Fahrzeug im heutigen Stadtteil Bad Cannstatt im wahrsten Sinne auf den Weg gebracht. Jetzt erinnert Mercedes im sehenswerten Mercedes-Benz-Museum daran, und auch der Sportwagenhersteller Porsche – ebenfalls ein erfolgreicher Schwabe – beeindruckt mit seinem futuristischen Museum.
Kein Wunder, dass die 604.000-Einwohner-Stadt mit ihrer Berg-und-Tal-Lage eher auto- als fahrradfreundlich daherkommt. Dennoch: An Bewegung muss es nicht mangeln. Nicht nur die Stäffele laden zu Fußmärschen ein, sondern auch das Umland mit seinen idyllischen Wanderwegen. Beim Blick von einem weiteren Aussichtspunkt – dem aus Trümmern des zweiten Weltkriegs aufgeschütteten Birkenkopf beziehungsweise liebevoll „Monte Scherbelino“ genannt – erklärt sich ein Slogan von Stuttgart wie von selbst: Stadt zwischen Wald und Reben. Ja, so grün können autofreundliche Großstädte sein.


Unterwegs in der Stadt
Stuttgart liegt eingebettet in eine hügelige Landschaft. Wer in der Stadt das Fahrrad nutzt, muss sich also auf so manche Steigung gefasst machen. Viele Sehenswürdigkeiten liegen jedoch sowieso im Tal und sind gut zu Fuß, mit dem Rad oder einer der 13 Stadtbahnlinien erreichbar. Die Stadterlebniskarte StuttCard (38 Euro für zwei Tage) ist zugleich Fahrticket für den Nahverkehr, gewährt freie Eintritte in Museen und Freizeiteinrichtungen sowie Ermäßigungen in einigen Theatern, im Einzelhandel und Restaurants.
www.ssb-ag.de | www.stuttgart-tourist.de


Rundgänge
20er-Jahre-Charme umgibt die Fahrgäste in der denkmalgeschützten Standseilbahn von Heslach hinauf zum Waldfriedhof. Auch die Zahnradbahn aus dem Jahr 1884 – Stuttgarter sagen nur „Zacke“ – ist noch in den Linienbetrieb eingebunden und eine der letzten vier Zahnradbahnen Deutschlands; genau das Richtige für eine etwas andere Stadtrundfahrt auf eigene Faust. Unterwegs öffnet sich ein toller Blick auf Stuttgart. Jeden ersten, dritten und fünften Sonntag im Monat verkehren zudem Oldtimer auf den Linien 21 und 23. Lieber per Schiff? Kein Problem bei einer Tour auf dem Neckar!
www.strassenbahnwelt.com | www.neckar-kaeptn.de


Sehenswertes
Stuttgarts Wahrzeichen – der 217 Meter hohe Fernsehturm – bestand im Jahr 1956 als erster seiner Art aus Stahlbeton und fällt vor allem wegen seines Korbs unter der Spitze auf. Seit 1986 ist er Kulturdenkmal und heimste auch weitere Architekturpreise ein. Bis Ende des Jahres bleibt er jedoch geschlossen. Im Rathaus (Marktplatz 1) fährt ein Paternoster-Aufzug. Besonders schön ist es am Schlossplatz mit dem Alten Schloss aus der Renaissance (heute: Landesmuseum) und dem noch imposanteren Neuen Schloss (mit Führungen).
www.fernsehturmstuttgart.com | www.landesmuseum-stuttgart.de | www.neues-schloss-stuttgart.de


Museen
Im Fruchtkasten (Schillerstraße 1) stellt das Landesmuseum eine Sammlung historischer Musikinstrumente aus und animiert zum Mitmachen. Eines der größten Völkerkundemuseen Europas ist das Linden-Museum. Mit der Entstehung des Lebens beschäftigt sich das Rosensteinmuseum (Rosenstein 1) und besitzt mehr als elf Millionen Objekte! Die Staatsgalerie (Konrad-Adenauer-Straße 30-32) zählt weltweit zu den Top-Adressen für Kunstliebhaber. Zeitgenössischer Kunst hat sich der Kubus (Kleiner Schlossplatz 1) verschrieben.
www.landesmuseum-stuttgart.de | www.lindenmuseum.de | www.naturkundemuseum-bw.de
www.staatsgalerie.de | www.kunstmuseum-stuttgart.de


Porsche und Mercedes
Fehlte da nicht was bei den Museen? Klar! Stuttgart ist die Wiege des Automobils und noch heute Heimat der Premium-Marken Mercedes und Porsche. Schon allein die Architektur ihrer beiden Museen ist eine Augenweide. Wie eine Spirale dreht sich das Mercedes-Benz-Museum im Inneren über neun Etagen und gibt einen Einblick in die Sportwagen-, Oldtimer- und Nutzfahrzeug-Welt des Automobilgiganten. Porsche wiederum präsentiert mehr als 80 Fahrzeuge nach thematischen Schwerpunkten. Zwei Tage in Stuttgart ließen sich allein in diesen beiden Museen um die Ohren schlagen.
www.mercedes-benz-classic.com/museum | www.porsche.com/museum


Kirchen
Und noch ein Wahrzeichen (siehe Fernsehturm unter „Sehenswertes“): Die Stiftskirche (Stiftsstraße 12) mit ihren zwei unterschiedlich hohen Türmen prägt Stuttgarts Innenstadt. Die Kirche entstand vermutlich im 10. oder 11. Jahrhundert und wandelte sich im Laufe der Zeit. Interessant: Laut Stadtrecht darf kein Stuttgarter Gebäude im Talkessel höher sein als der 61 Meter hohe Westturm (das Rathaus beispielsweise kommt deshalb nur auf 60,5 Meter). Im Westen steht die evangelische Johanneskirche aus der Neugotik auf einer Halbinsel im Feuersee, mit ihrer Fassade ragt sie in die Johannesstraße.
www.stiftskirche.de | www.johannesgemeinde-stuttgart.de


Restaurants
Pfiffige Idee: Der Schnellimbiss Running Mhhh (Kronprinzstraße 24) bietet der Schwaben liebstes Essen – die Maultasche – in kreativen Varianten wie Maultaschen-Burger, Maultaschen-Wrap oder Maultaschen-Currywurst an. Das Restaurant Sultan Saray beweist, dass türkische Küche viel mehr ist als Döner (Filderstraße 43, Rotebühlstraße 53 und Rotebühlplatz 15). Wer gehoben speisen möchte, kann dies im Restaurant Wielandshöhe tun: Dort kocht Vincent Klink, der aus dem Fernsehen bekannt ist.
www.maultaschen-snack.de | www.sultan-saray.de | www.wielandshoehe.de


Cafés
Ein Lagerfeuer züngelt im Gästeraum des Cafés Hüftengold (Olgastraße 44), mit Fell bedeckte Hocker auf dunklem Holz und Detailverliebtheit versprühen ein Gefühl von „Hier will ich verweilen!“. Dazu machen die frischen Kuchen mit saisonalen Zutaten dem Namen des Cafés alle Ehre. Im Café Zimt & Zucker (Weißenburgstraße 2c) scheint sich die Inneneinrichtung bei jedem Besuch zu ändern; alles ist bunt, und es gibt Kuchen (auch vegan und laktosefrei), Süßigkeiten und Deftiges. Weiterer Tipp: Das Café List (Liststraße 25) hat ein riesiges Tee- und Schokoladenangebot.
www.hüftengold.de | www.cafe-list.de


Buchtipp
Gabriele Kalmbach: „111 Orte in Stuttgart die man gesehen haben muss“. Beschreibungen von außergewöhnlichen, skurrilen und unbekannten Orten der Landeshauptstadt Baden-Württembergs.
Verlag: Emons, H J, ISBN: 978-3-954-51004-7

Einkaufen
Jede Stadt hat ihre Superlative. Beispiel Stuttgart: Die Königstraße ist mit 1,2 Kilometern die längste, ununterbrochene, autofreie Einkaufsmeile Europas – und auf allen Seiten gesäumt von Einkaufsmöglichkeiten. Am Marktplatz steht das Stammhaus der Warenhauskette Breuninger – eines der größten Kaufhäuser Deutschlands. Ebenfalls im Stadtzentrum lockt die Markthalle (Dorotheenstraße 4) in ein Jugendstilgebäude. Flohmarktliebhaber kommen samstags auf dem Karlsplatz auf ihre Kosten. Besondere Liköre oder Nudeln mit Obstgeschmack bietet Feinkost Minutolo.
www.koenigstr.de | www.markthalle-stuttgart.de
www.flohmarkt-karlsplatz.de | www.minutolo-stuttgart.de


Mit Kindern
Nach dem Tierpark Berlin hat die Stuttgarter Wilhelma (Wilhelmaplatz 13) deutschlandweit die größte Artenvielfalt in einem Zoo – mehr als 1.000. Vor allem mit dem Menschenaffenhaus hat sich die Wilhelma im idyllischen Rosensteinpark einen Namen gemacht. Den Sternen ganz nah kommen Kinder und ihre Eltern im Carl-Zeiss-Planetarium (Willy-Brandt-Straße 25). Die moderne Technik ermöglicht einen Blick aufs Firmament, wie ihn sonst nur Astronauten erleben. Wer die echten Krater des Mondes oder Ringe des Saturns sehen möchte, findet auf der Uhlandshöhe eine Sternwarte (Zur Uhlandshöhe 41).
www.wilhelma.de | www.planetarium-stuttgart.de | www.sternwarte.de


Stäffele
Die Stuttgarter sagen „Stäffele“, gemeint sind die mehr als 400 Treppen im ganzen Stadtgebiet. Stuttgarter empfehlen vor allem die Eugenstaffel (Beginn an der Urbanstraße), die Taubenstaffel (Böblinger Straße), die Willy-Reichert-Staffel (Tübinger Straße), die Hasenberg-Staffel (Hasenberg) und die Sängerstaffel (Sängerstraße) – Ausblick inklusive. Wer sich nicht allein auf die Suche machen möchte, kann an einer Tour teilnehmen, auf deren Verlauf es nicht nur Informationen über die Stäffele gibt, sondern auch über Gebäude, an denen die Tour vorbeiführt: von der Eugen­staffel über die Dobelstaffel und Wächterstaffel bis zum Wilhelmsplatz.
www.stuttgarter-staeffele.de | www.architektouren-stuttgart.de


Gerber- und Bohnenviertel
Sowohl im Gerber- als auch im Bohnenviertel scheint Stuttgart der Großstadthektik ein wenig zu entkommen. Schmale Gassen, urige Kneipen und inhabergeführte Boutiquen versprühen dort einen ganz besonderen Zauber. Das Bohnenviertel zum Beispiel ist der einzige erhaltene Teil der historischen Altstadt außerhalb der Stadtmauer. In ihren Läden verkaufen Künstler und Handwerker ihren Schmuck, Werkzeug und Holzwaren. Das Gerberviertel bezeichnet sich als „Mikrokosmos mit Lokalkolorit“. Um den großen Einkaufstempel „Das Gerber“ herum existieren nach wie vor schmucke Einzelhandelsgeschäfte.
www.bohnenviertel-stuttgart.de | www.das-gerber.de


In der Natur
Es grünt so grün auf Stuttgarts Weinbergen! Egal, wo man hinblickt: Reben oder Wald bestimmen das Bild. Es gibt sogar einen beschilderten Weinwanderweg durch Stadt und Umland. Ein bedeutendes Gartendenkmal ist der Höhenpark Killesberg an der Stresemannstraße. Ausgedehnte Spaziergänge oder Fahrten mit einer kleinen Bahn lassen die Zeit dort gemächlich vergehen. Aber auch das Zentrum leuchtet grün: Der mehr als 600 Jahre alte Schlossgarten – gegliedert in einen oberen, mittleren und unteren Teil – führt parallel zur Königstraße am Bahnhof vorbei bis zum Rosensteinpark (inklusive Wilhelma – siehe „Mit Kindern“).
www.stuttgarter-weinwanderweg.de | www.stuttgart.de/hoehenpark-killesberg


Am Abend
Kultur oder Entspannung? Die Abendgestaltung lässt viele Möglichkeiten offen. Im Friedrichsbau Varieté im Herzen der Stadt zeigen Artisten aus der ganzen Welt jeden Abend eine spektakuläre Show. Wer sich selbst bewegen und ein paar Runden schwimmen möchte oder wer auf einen entspannten Sauna-Abend steht, der ist im Mineralbad Leuze an der richtigen Adresse – es ist teils bis 23 Uhr geöffnet, im Gegensatz zum Mineralbad Berg, das dafür aber mit seinem 50er-Jahre-Charme erfreut.
www.friedrichsbau.de | www.stuttgart.de/baeder


Umgebung
Das ist Barock! Herzog Eberhard Ludwig – Namensgeber von Ludwigsburg – ließ in der 20 Minuten von Stuttgart entfernten Stadt ein Residenzschloss bauen, das an Versailles erinnert. Außen herum blüht das „Blühende Barock“ in der ältesten Gartenschau Deutschlands. Aus dem Rokoko stammt Schloss Solitude bei Gerlingen, erbaut von Herzog Carl Eugen von Württemberg. 30 Kilometer südlich von Stuttgart können Besucher durch Tübingens vollständig erhaltene Altstadt schlendern und die Fachwerkfassaden in den engen Gassen bewundern. Aus dem Rathaus ertönt mehrmals täglich zur vollen Stunde ein Glockenspiel.
www.blueba.de | www.schloss-solitude.de


Fazit
Die Lage zwischen Weinbergen lässt Stuttgart an vielen Ecken idyllisch erscheinen. Dafür sorgen auch die unzähligen, teils verborgenen und mit Pflanzen umrankten Stäffele. Das viele Grün – selbst in der Innenstadt – macht die ansonsten stark auf Autos angelegte Stadt zu einer gemütlichen Oase. Und für Langeweile ist angesichts der vielen Museen von Weltrang kein Platz: Mercedes und Porsche begeistern mit ihren Ausstellungen ebenso wie die Staatsgalerie. In zwei Tagen ist vieles möglich; wer noch dazu aber auch auf Einkaufstour gepolt ist, sollte lieber etwas mehr Zeit in der 604.000-Einwohner-Stadt einplanen.

Stell- und Campingplätze
Campingplatz Cannstatter Wasen Stuttgart
Mercedesstraße 40
GPS: 48°47‘42.3“ N / 9°13‘33.8“ O
In Stadionnähe gelegener Platz (zehn Minuten ins Stadtzentrum), inklusive Waschmaschinen und Wäschetrockner.
Infos: www.campingplatz-stuttgart.de


Stellplatz am Messegelände, Tor 1
Nordzufahrt der Messe Stuttgart
GPS: 48°41’47’’ N / 9°11’0’’ O
39 Stellplätze, inklusive Strom, Wasser und VE. Nahverkehrshaltestelle in der Nähe.

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Artikelbewertung
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