Andalucía en primavera – Andalusien (Seite 1 von 2) von Dirk Schröder | Mathis Paus (Guide)
Tourist Info
Spanisches Fremdenverkehrsamt
Lietzenburger Straße 99, 5. OG · D-10707 Berlin
Tel. 030-8826543
Mo.–Fr.: 10.00 bis 14.00 Uhr


Deutsches Konsulat
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Die Scheibenwischer unseres Reisemobils pendeln mit Höchstgeschwindigkeit über die Frontscheibe. Das Wasser wird vom Sturm über die Fahrbahn gefegt. Lastwagen versprühen graue Fontänen um sich. Der Nordosten Spaniens empfängt uns von seiner unwirtlichen Seite. Keiner von uns möchte das schützende Heim auf Rädern verlassen, als wir an Figueres, der Geburtsstadt von Salvador Dalí vorbeifahren. Auch der historische Stadtkern von Girona mit Kathedrale, Festungsturm und einem gut erhaltenen jüdischen Viertel lockt uns bei diesem Wetter nicht vor die Tür. Wir sehnen uns nach der wärmenden Sonne Südspaniens, wo wir den Frühling in diesem Jahr genießen wollen.
Erst als wir Barcelona hinter uns gelassen haben, können die Scheibenwischer ihren Dienst einstellen. Am Horizont taucht vielversprechend der blaue Himmel auf. Eine Fahrstunde später erreichen wir die Küstenstadt Tarragona: römische Bauwerke, Amphitheater, Foren und einiges mehr verheißt unsere Reiselektüre. Doch wir steuern direkt das Meer an und genießen die warmen Sonnenstrahlen auf unserer Haut, gehen barfuß über den Sand und hören das Rauschen der Wellen, wie sie unermüdlich auf die Küste klatschen. Surfer nutzen die Brandung und Jogger die lange Promenade für ihre sportlichen Aktivitäten. Uns steht nur der Sinn nach Rasten.
Als Bleibe für die Nacht hat meine Frau den kleinen Ort L‘Ametlla de Mar ausgesucht. Er ist nicht weit von der Autobahnausfahrt und doch am Meer. Über schmale Straßen führt uns das Schild „al puerto“ direkt zum Fischerhafen, wo wir freie Parkplätze neben kleinen Booten finden. Auf einer der Holzbänke am Kai lassen wir den Tag noch einmal Revue passieren, der mit Windböen und Wassermassen begonnen hatte und nun am ruhigen Meer unter Sternenhimmel endet.

Ein Hauch von Frühling
Am nächsten Morgen, wir fahren weiter, verraten Blicke durch das Seitenfenster den stillen Wandel der Flora. Braune Baumgerippe ohne Blätter bekommen einen zarten Grünschimmer – Knospen brechen auf, leuchtend grün, diese Farbe, die es nur im Frühling gibt. Es ist grandios, wie sich Kilometer für Kilometer die Natur verändert. Die ersten Blüten in weiß und rosa, dann Orangenbäume zu Tausenden, in gelb die Mimosen und der Ginster. Wir rollen gemütlich auf der E15 dahin, das Meer zur Linken.
Nächster Halt ist Cartagena. Hier erwarten uns prachtvolle Jugendstilhäuser im „Centro ciudad“. Auf der Suche nach einem Stellplatz versuchen wir unser Glück am Hafen. Wir fahren den Prachtboulevard entlang, erhaschen einen Blick auf die schmucken Fassaden der Altstadt, sehen aber keinen Parkplatz. Erst nach einer Ehrenrunde um die Burgmauern des Castillo de La Concepcion stellen wir nah dem historischen Zentrum das Wohnmobil ab und erkunden die Stadt zu Fuß.

Küstenlandschaft ohne Ferienanlagen
Mit der „rushhour“ verlassen wir die Stadt in Richtung Almeria. Doch vorher wollen wir einen ganz besonderen Teil der Küste besichtigen: den „Cabo de Gata“. Dieser Abschnitt wird als der schönste in ganz Andalusien gepriesen. Quer durch das karge Küstengebirge, das zu dieser Zeit mit grünen Tupfen überzogen ist, steuern wir dem Meer entgegen. Das Gestein ist grau, braun bis schwarz und teilweise wie ein Schweizer Käse durchlöchert. Ein Vulkanausbruch vor ca. acht Millionen Jahren hat diese Landschaft geprägt und damit ein „Kuckucksei“ in die Sandküste Spaniens gelegt. Heute hätte das Land gerne mehr solcher naturbelassener Gebiete. Gleich am Ortsrand von Las Negras stellen wir unser fahrendes Heim ab und schlendern durch die Gassen. Selbst in dieser Jahreszeit ist das Restaurant „Las Palmas“, das sich direkt am Strand neben den kleinen Fischerbooten als das Beste herausstellt, auf Besuch eingestellt (Calle Bahia de Las Negras, 21). Bei angenehmen Temperaturen genießen wir auf der Terrasse im Windschatten den Rotwein und warten auf den Fisch, der in der Küche frisch zubereitet wird.
Die Nacht verbringen wir auf dem Campingplatz Los Escullos, nur eine Bucht weiter (Paraje Los Escullos, 04118 Los Escullos). Er gehört zu den wenigen entlang der Strecke, die das ganze Jahr über geöffnet haben. Hier füllen wir den Tank mit Frischwasser bis zum Rand, entleeren die Toilette und können über Wifi Lebenszeichen und Bilder in die Welt senden. Die Küste ist bekannt für die herrlichen Wandermöglichkeiten von Bucht zu Bucht, und der Campingplatz, auf dem einige den Großteil des Winters verbringen, ist ein idealer Ausgangspunkt dafür.

Die Sonnenstadt
Wir können die Statistik nicht nachprüfen, die Almería die meiste Sonnenscheindauer bescheinigt, doch die Tage, die wir an der Costa de Almeria verbracht haben, waren sonnig und haben das Thermometer allein im Schatten auf 18 Grad steigen lassen. Allerdings ist die 190.000 Einwohner zählende Provinzhauptstadt nicht auf Reisemobile eingestellt. Wer die Fahrt ins Zentrum vermeiden will, steuert am besten von der Autobahn aus den fünf Kilometer westlich vom Zentrum gelegenen Campingplatz La Garrofa an (Carretera Nacional) und fährt mit dem Linienbus bis zum Hauptbahnhof. Statt mit den Fahrrädern durch die engen Gassen der Altstadt den Berg hinauf zu fahren, lassen wir uns bequem mit dem Bus L1 – Casco Historico bis vor den Eingang der Festung „Alcazaba“ bringen. Sie wird als größte und eindrucksvollste Festung Andalusiens gepriesen und thront mit einem dreifachen Mauerring über der Stadt. Die Kräutergärten überraschen uns ebenso, wie die Wildtiere der Steppe Afrikas, die wir von den Mauern in Gehegen neben den Burgmauern entdecken.

Almerimar: Eine Perle an der Küste
Die Küste um Almería ist etwas Besonders in Spanien, weil sie zu beiden Seiten naturbelassene Abschnitte bewahren konnte und Reisemobilurlauber auf eigenen Bereichen willkommen sind. Im Kontrast dazu stehen die Gewächshäuser, die sich über Quadratkilometer zwischen den Siedlungen ausbreiten. Jedes Jahr werden hier Millionen von Tonnen an Gemüse und Obst produziert. Diese weltgrößte Konzentration von Intensivkultur ist auch für die Bezeichnung „mar del plástico (Plastikmeer) verantwortlich. Ein ökologischer Wahnsinn, den Bedarf an „Grünzeug“, nicht nur für Europas Tische, ausgerechnet aus dieser wasserarmen Region zu decken. Auf dem Weg nach Almerimar blicken wir von der Steilküste auf das Naturschutzgebiet „Punta Entinas-Sabinar“, das sich wie ein grüner Streifen am Meer erstreckt. Mit den Rädern wollen wir es vom Ortsrand aus erkunden.
Der Küstenort ist ein Ergebnis jüngster Städteplanung. Vor der Küste warten Hotels auf, und dahinter schmiegt sich ein großer Golfplatz an. Maritimen Glanz verspricht der Hafen mit seinen Yachten. Appartementwohnungen mit Meeresblick ziehen zudem ein zahlungskräftiges Publikum an. Vor allem ist Almerimar für seine Wellen bekannt und gilt unter Wassersportlern als der beste Surfspot weit und breit. So ist es nicht verwunderlich, dass sich hier Reisemobile aus ganz Europa einfinden.

Schneebedeckte Berge
Am nächsten Tag machen wir uns Richtung Granada auf. Unterwegs fällt uns ein, dass wir bislang keinerlei Maut zahlen mussten. Das heißt freie Fahrt auf den Autobahnen im Süden Spaniens. Auf den letzten Kilometern sehen wir Granada in einer weiten Senke liegen und steuern auf die Stadt zu, um mit den Rädern die Innenstadt zu erkunden. So ist unser Plan, doch wo sollen wir unser langes Gefährt abstellen? Wir fragen Passanten, die uns freundlich Auskunft geben und weiterhelfen können. Die Tiefgarage für Wohnmobile liegt ca. drei Kilometer vom Zentrum entfernt und soll wesentlich billiger sein als Parkplätze in der Stadt, verrät ein älterer Herr. So programmieren wir unser Navi mit „Torre de Comares“ und werden zuverlässig zum Geyse-Park geführt. Auch wenn mir im ersten Moment etwas mulmig ist, in die Tiefgarage hinunterzufahren, wage ich es und parke bald neben anderen, die mit Alkoven noch etwas höher sind. Hier ist unser Heim sicher bewacht, und wir radeln entspannt ins Zentrum zurück.
Zu Fuß machen wir uns auf zur größten Sehenswürdigkeit unserer Reise – die Alhambra (Calle Real de la Alhambra). Dass die Palastanlage eine der beliebtesten Sehenswürdigkeiten Europas ist, wird klar, als wir die vielen anderen Besucher erblicken. Wir schlendern mit Amerikanern, Japanern sowie anderen Nationen durch die Prachträume der Kalifen. Überwältigt sind wir von der Ornamentik an den Torbögen, den Säulen, den Decken. Alles aus weißem Marmor herausgearbeitet und verziert. Aber auch die Brunnen, vor allem der Löwenbrunnen im Innenhof, zeugen von hoher Architekturkunst und Einfallsreichtum.
Nach der Zeit in Granada fahren wir wieder zurück an die Küste, um bald bei Nerja ins Hinterland abzubiegen. Die Orte am Fuße der Sierra de Almijara sind als „die weißen Orte“ bekannt. Von Weitem schon leuchten die Häuser von Frigiliana, unserem ersten Ziel, am Hang. In der Altstadt angekommen, geht es zur Fuß weiter. Schon nach wenigen Schritten kommen uns Vergleiche mit den weißen Städten in Griechenland. Auch hier sind die Türen und Fenster in knalligen Farben abgesetzt. Blumen dekorieren die Fassaden. Hätte das Restaurant „La Bodeguilla“, das für seine hausgemachten Gerichte bekannt ist, eine Sonnenterrasse gehabt, wären wir geblieben (Calle Chorruelo, 7). So genießen wir die Wärme und den frisch gepressten Orangensaft im Restaurant neben der kleinen Kirche. Frigiliana ist auf jeden Fall eine Reise wert und bekommt von uns das Zertifikat „besonders sehenswert“.
Wir fahren tiefer in den Süden, und in der Ferne können wir schon Málaga erahnen. Auf der breiten Uferstraße gelangen wir direkt ins Zentrum. Als am Ende des „Paseo de los Curas“ das große Schild des Touristenbüros zu sehen ist, parke ich den Sky im Halteverbot und lasse mir von der Dame hinter dem Tresen einen Parkplatz empfehlen. So einfach wie hier hatten wir es noch in keiner Großstadt. Wir brauchen nur zwei Kilometer die Straße weiter am Hafen entlangzufahren und stellen unser Wohnmobil hinter einem Reisebus ab. Wieder kommen unsere Fahrräder zum Einsatz.
Spanier mit Einkaufstaschen weisen uns den Weg zum „Mercado de Atarazanas“, die über 100 Jahre alte Markthalle Málagas (Calle Atarazanas, 10). Das Angebot ist unglaublich: Berge von Gemüse türmen sich vor uns auf, eine riesige Auswahl an Fisch, Gewürzen und Oliven.
Die Konditorei „La Canasta“ gegenüber der Markthalle ist die Adresse für süße Schleckermäuler und für uns der beste Platz, um zu verschnaufen. Wer Tapas und Wein lieber mag, der kommt gleich nebenan in der Bodega auf seine Kosten. Ein echtes Original ist das Lokal „Antigua Casa de Guardia“, das seit mehr als 150 Jahren Malagawein ausschenkt (Alameda Principal, 18). Die Theke misst gut 20 Schritte, und dahinter stapeln sich die Fässer mit Hochprozentigem, aus denen die Bestellung gleich abgezapft wird.
„Wenn ihr richtig gut Fisch essen gehen wollt, dann müsst ihr nach El Palo fahren“, hatte mir ein Landsmann in der Casa de Guardia empfohlen. So sitzen wir am Abend in einem der Lokale mit Meerblick und lassen es uns schmecken.

Wo die Flamingos fliegen
Auf dem Weg nach Córdoba liegt nicht weit von der Costa del Sol entfernt das „Reserva Natural Laguna de Fuente de Piedra“. Hier kommen Vogelliebhaber voll auf ihre Kosten. Flamingos mit ihren rosafarbenen Federn, die sonst in Florida und den Weiten Afrikas vermutet werden, tummeln sich hier in Scharen und mögen das seichte und salzige Wasser der Landschaft. Der gleichnamige Ort ist bequem über die Autobahn zu erreichen.
Knapp zwei Stunden Fahrtzeit später erreichen wir Córdoba. Sprachlos stehen wir in der „Mezquita“ mit ihren unzähligen Säulen und Bögen (Calle del Cardenal Herrero, 1). Die berühmte Kathedrale aus der Zeit des maurischen Spaniens überwältigt mit ihrer schieren Größe. Allein das Gelände, auf dem das Bauwerk steht, umfasst eine Fläche von rund 23.000 Quadratmetern. Die Kathedrale ist mit einer Länge von 179 Metern und einer Breite von 134 Metern eine der größten Sakralbauten weltweit. Wir genießen nach der Besichtigung einen frisch gepressten Orangensaft in einem Café, das sich gleich gegenüber der Mezquita im Innenhof des ehemaligen Erzbischöflichen Palastes befindet. Für Nachtschwärmer bieten sich in der Altstadt mehrere Möglichkeiten, den Tag mit einer Flamencoaufführung abzuschließen.
Mit über 300.000 Einwohnern ist Córdoba die drittgrößte Stadt Andalusiens. Da wir den Massen in der Innenstadt aus dem Weg gehen wollen, machen wir uns an einem Sonntag auf den Weg. Das Reisemobil stellen wir gegenüber einer Tankstelle an dem breiten Paseo de la Victoria ab. Durch schmale gewundene Gassen spazieren wir durch das ehemalige jüdische Viertel zur Puerta de Almodóvar. Weiter über die berühmte Römische Brücke, die einst von den römischen Besatzern errichtet wurde, am Fluss Guadalquivir geht es ins historische Zentrum. Wir genießen das Wetter und die Eindrücke bei Eintopf und Geschmortem, der typischen Küche Córdobas.
Trotz der einzigartigen Vegetation, dem milden Klima und der vielfältigen Landschaft wird es Zeit heimzukehren. Unsere Route führt uns durch das Landesinnere in Richtung Madrid. Wie wir die unzähligen Orangenbäume an der Küste bewundert haben, so sind wir jetzt fasziniert von den Olivenhainen der Region. Sie prägen das Bild für viele Fahrkilometer. Die Heimreise führt uns über Nordspanien, San Sebastián und das französische Toulouse. Von dort über Clermont Ferrand und Lyon steuern wir der Heimat entgegen – gut erholt und mit faszinierenden Eindrücken.

Tipp: El Torcal
„Paraje Naturale el Torcal de Antequera“, kurz El Torcal, ist eine Felslandschaft, die für Spanien so einzigartig ist, dass sie unter Naturschutz steht. Mit seinen außergewöhnlichen Karstformationen zieht der Park viele Touristen, Geologen und Botaniker an. Allein die Pflanzenwelt wartet mit über 30 Arten von Orchideen auf. Daneben ist der Ort ein Anziehungspunkt für Wanderer und Kletterer, insbesondere im Sommer. Da das bizarre Felslabyrinth schon einmal zu Verwirrungen führen kann, sind zwei abgesteckte Routen mit Pfeilen gekennzeichnet. Jährlich locken die einzigartigen Felsformationen, die vor 100 Millionen Jahren durch eine Anhebung der Erdkruste entstanden, über 100.000 Besucher an.
Tipp: Elche
Es ist augenscheinlich, warum Elche auch Spaniens Palmenstadt genannt wird. Der Ort, auch bekannt unter dem Namen Elx, gehört zu der Autonomen Region Valencia und wirkt, als sei er direkt in einen Palmenhain gebaut worden. El Palmeral nennen die 230.000 Einwohner die berühmte Anlage, die sich über eine Gesamtfläche von rund 1,5 Quadratkilometern erstreckt und mit ihren 11.000 Palmen seit der Jahrtausendwende zum Weltkulturerbe der UNESCO zählt. Vom hauseigenen Museum aus können Besucher die Anlage besichtigen und dabei an den nach Sissy benannten „Kaiserlichen Palmen“ sowie den Dattelpalmen mit ihren schmackhaften Früchten entlangspazieren. Einige dieser Gewächse, die nicht zu den Bäumen zählen, werden bis zu 200 Jahre alt.

Seite 2 – Guide Andalusien mit Infos zu Verkehrsbestimmungen, Camping- und Stellplätzen und vielem mehr …

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