Der große Report: Sound und Navigation für Wohnmobil und Caravan von Theo Gerstl

Ich hab’, ich will, ich brauch’ Musik …
Ohne Musik wäre jede Langstrecken-Urlaubsfahrt lang­­weiliger, und auf die freundliche Stimme mit den Routenempfehlungen des Navis möchte kaum mehr ein Reisender verzichten. Dies gilt in gleichem Maße für Reisemobilisten wie für Fahrer von Wohnwagen-Gespannen. Glücklich ist derjenige, der vor der Neuanschaffung eines Zugwagens oder Reisemobils steht und nicht jeden Groschen umdrehen muss. Für ihn bieten die Aufpreislisten der Hersteller einen reich gedeckten Tisch mit den feinsten Filetstücken der automobilen Unterhaltungselektronik. Doch die Preise sind meist happig, das Angebot unüberschaubar, und so belässt es mancher beim Standard-Serienradio – ärgert sich aber später über diese Entscheidung: Mau ist der Klang, windig der Empfang, und die Verbindung mit dem Smartphone ist auch nur ein Wunschgedanke. Es wird also Zeit zum Auf- oder Nachrüsten des Autoradios hin zum feinen Kommunikations- und Entertainmentsystem.

Eine Frage des Formats
Nur Musik hören war gestern, moderne Car-Entertainment-Systeme sind Multitalente, deren Funktionsumfang allenfalls von der Einbaugröße und dem zur Verfügung stehenden Etat abhängt. Während die „kleinen“ Elektronikwunder zwar in den normalen DIN-Radioschacht passen, müssen sie auf der anderen Seite aus Platzgründen meist auf ein großes Display verzichten – nur wenige dieser kompakten Geräte verfügen über ein ausfahrbares Display, das dann aber oft andere Bedieninstrumente am Armaturenbrett abdeckt. Ein großer Bildschirm erfordert also in der Regel einen doppelt so großen Einbau-Raum (Doppel-DIN-Format), dafür ist mit solchen Radios – falls gewünscht – auch die Kartennavigation möglich, ebenso wie das Betrachten von Bildern oder Videos.

Handy im Radio
Eine immer größere Rolle spielt inzwischen auch im Auto das „Social Media“ – also die Kommunikation mit Freunden über das World Wide Web sowie die Nutzung verschiedenster Internet-Dienste. Hat man das Entertainmentsystem erst einmal mit dem Smartphone verbunden, steht einem die gesamte Welt des Internets offen. Die Musik kommt nicht mehr von der CD oder dem Speicher des Handys, sondern wird per App live vom Musik-Streaming-Dienst geliefert. Und wer Radio hören will, kann sich seinen Lieblingssender per Internet-Radio über die Autolautsprecher vorspielen lassen. Ist natürlich schon toll, wenn auf Urlaubsreisen in fernen Länder die Nachrichten von zuhause empfangen werden können. Doch sollte man sich vorher die passende Auslands-Flatrate für die benötigte Mobilfunk-Verbindung besorgen, sonst kann es am Ende teuer werden.
Mit Handy-Apps wie CarPlay von Apple oder MirrorLink für Android-Smartphones lassen sich kompatible Handys direkt auf das Display des Autoradios spiegeln, die Bedienoberfläche findet sich also auf dem festeingebauten Monitor. So lassen sich die Apps direkt über den Touchscreen steuern – dem Schreiben oder lesen von E-Mails steht also nichts mehr im Wege, genauso wenig wie dem Verfassen von Facebook-Einträgen. Die wesentlichen Vorteile dieser Technik sind, dass man sich bei der Bedienung nicht umgewöhnen muss und die ungezählten Apps des Handys nutzen kann – vom Medienbrowser bis zur Navi-App oder Google Maps.

Rückfahrkamera
Doch der Bildschirm des Radios muss nicht immer nur dem Entertainment dienen. Er kann auch als Wiedergabegerät für eine daran gekoppelte Rückfahrkamera genutzt werden, wenn das Entertainment-System über einen entsprechenden Eingang verfügt. Neben der klassischen Kamera am Fahrzeug-Heck gibt es inzwischen auch 360-Grad-Kamerasysteme, die aus der Vogelperspektive all das auf dem Bildschirm zeigen, was rund um das Wohnmobil geschieht. Solche Bird-View-Systeme bestehen aus vier Weitwinkel-Kameras – jeweils eine auf jeder Seite des Reisemobils – sowie einem Prozessor, der die vier Bilder auf dem Display darstellt.
Und selbst mit modernen Sicherheits-Assitenzsystemen lassen sich die Top-Autoradios nachrüsten. Wie beispielsweise einer Frontkamera, die beim Abbiegen an unübersichtlichen Kreuzungen einen „Blick um die Ecke“ ermöglicht. So können dann beispielsweise Radfahrer, die von parkenden Autos verdeckt sind, deutlich früher ­erkannt werden.

Navis für Camper
Klar, dass ein modernes Audio-System im Fahrzeug nicht ohne Navigationsfunktion auskommen kann. Doch die elektronischen Wegweiser sind in der Regel für den Einsatz im Pkw ausgelegt, Wohnwagen-Gespanne und Reisemobile stellen jedoch aufgrund ihrer Größe und des hohen Gewichtes ganz besondere Anforderungen an die Routenwahl. Dem tragen spezielle Reisemobil-Navigationslösungen Rechnung, die über eine spezielle Software verfügen, welche auf die Besonderheiten von Gespannen und Reisemobilen abgestimmt sind: Nach der Eingabe von Höhe, Breite, Länge, Gewicht, Anhänger und Achslast erfolgt die Routenberechnung auf Basis dieser Profildaten. So werden nur Fahrstrecken empfohlen, die für den Camper auch wirklich geeignet sind. Und ist man dann sicher am Urlaubsziel angekommen, hilft die integrierte Stellplatzdatenbank bei der Suche nach dem Campingplatz.

Einbautipps vom Profi*
Antennensplitter/ -verstärker
Durch die Verwendung eines Antennensplitters/-verstärkers, kann die passive Stabantenne des Basisfahrzeuge als DAB+ Antenne genutzt werden. Dadurch entfällt der Einbau einer DAB+ Scheibenklebeantenne, die durch die Montage innerhalb des Fahrzeugs keinen optimalen Empfang bringt und optisch störend wirkt.


Spannungsstabilisator
Alternativ zum Stabilisator kann der Naviceiver auch an der Wohnraumbatterie angeschlossen werden. So wird die Starterbatterie im Standbetrieb nicht belastet. Jedoch sollte dieser Einbau von einem Fachmann durchgeführt werden, da die Batterien nicht einfach miteinander verbunden werden dürfen. Sonst könnten größere Ausgleichsströme zwischen den Batterien über die Radioverkabelung fließen und einen Kabelbrand verursachen.


*Matthias Jost, Key Account Manager

Festeinbau oder portables Navi?
Diese Navigationslösungen für Camper gibt es nicht nur für fest eingebaute Navigationssysteme, sondern auch für die beliebten portablen Navis. Für sie spricht neben den günstigen Preisen auch, dass sie im Funktionsumfang den Einbau-Modellen in nichts nachstehen. Die hochwertigeren Vertreter dieser Gattung dienen auch als Freisprecheinrichtung fürs Handy, das über Bluetooth gekoppelt wird. Ist man dann am Urlaubsort angekommen, kann das portable Navi per Lenkerhalterung auch am Fahrrad oder Roller befestigt werden. Und noch ein praktisches Detail: Parkt man sein Auto in einer fremden Stadt, kann man dessen Position auf dem Navi speichern. Nach der Stadterkundung, die einem das Navi natürlich auch erleichtert, zeigt es auf Knopfdruck den Rückweg zum abgestellten Fahrzeug.
Doch auch das Smartphone kann zum Navi werden, falls es über einen eingebauten GPS-Empfänger verfügt. Mit Karten aus dem Internet und der entsprechenden App kann es durchaus als Naviersatz für den gelegentlichen Einsatz dienen. Auch hier gilt, dass Handys zwar alles können, aber nichts perfekt – entsprechend sollte man keine allzu hohen Ansprüche an Bedienkomfort und Funktionsumfang stellen. Wichtig – speziell bei Auslandsreisen – ist, dass man sich für eine Offline-Navigation entscheidet. Hier lädt man sich das digitale Kartenmaterial der auf der Urlaubsreise befahrenen Länder bereits zuhause auf die Speicherkarte des Smartphones. Mit dem Effekt, dass dann während der Navigation im Ausland keine Verbindung zum Mobilfunknetz nötig ist und somit auch keine weiteren Kosten entstehen. Demgegenüber stehen Apps für die Online-Navigation: Hier holt sich das Smartohone-Navi während der Fahrt das gerade benötigte Kartenmaterial über das Mobilfunknetz, was natürlich insbesondere im Ausland zusätzliche Kosten verursacht.

Digitalradio DAB+
Eigentlich sollte der digitale Übertragungsstandard DAB (Digital Audio Broadcasting) für terrestrische Radiosender die UKW-Frequenz bereits abgelöst haben. Doch die Begeisterung für diese Technik hielt sich sowohl bei den Geräteherstellern als auch bei den Kunden in Grenzen. Nun soll die Weiterentwicklung DAB+ dem digitalen Empfangserlebnis zum Durchbruch verhelfen. Und die Chancen stehen ganz gut: DAB+ glänzt mit einer Klangqualität auf CD-Niveau, zusätzliche Datendienste versorgen den Hörer darüber hinaus beispielsweise auch mit Reise- und Verkehrsinformationen. In Deutschland ist DAB+ nahezu überall empfangbar, was aber nicht für alle Länder Europas gilt. Doch auch dafür ist vorgesorgt: Fährt man in ein Sendeloch, schaltet das DAB+-taugliche Radio einfach auf die entsprechende UKW-Frequenz des eingestellten Senders um. Es gibt also keinen Grund, bei der Neuanschaffung des Autoradios auf das digitale Empfangserlebnis zu verzichten. Und falls das Autoradio-Wunschmodell DAB+ noch nicht empfangen kann, ist eine Nachrüstung auf die moderne Technik möglich – das gilt übrigens auch für ältere Radios, die bereits im Reisemobil verbaut sind.

Die Antenne macht’s
Egal, ob UKW oder DAB+: Ohne gute Antenne schrumpft die Empfangsqualität und damit auch die Anzahl der verfügbaren Sender. Für die UKW-Frequenzen ist eine auf dem Fahrzeugdach montierte, 80 Zentimeter lange Antenne die technisch optimale Lösung. Bei den DAB+-Autoradios werden dagegen oft Scheibenklebeantennen zum zusätzlichen Empfang der digitalen Programme mitgeliefert. Bessere Ergebnisse bringen jedoch Kombi-Antennen mit eingebauter Weiche. Mit ihnen kann der Digitalempfänger seine volle Leistung ausspielen und sowohl das UKW- als auch das DAB+-Signal optimal wiedergeben. Auch für Kombi-Antennen empfiehlt sich das Autodach als bester Montageort.

Toller Sound
Der Klang macht die Musik, weiß der Volksmund, und erst ein Verstärker sorgt in Kombination mit vernünftigen Lautsprechern für guten Sound. Damit die Tonsignale des Radios auch in ausreichender Stärke an den Lautsprechern ankommen, ist der Einbau eines sogenannten Leistungsverstärkers nötig – speziell wenn der Wohnraum des Reisemobils ebenfalls mit eigenen Lautsprechern beschallt werden soll. State-of-the-Art sind digitale Leistungsverstärker, die genügend Watt bei geringem Energieverbrauch liefern. Gleichzeitig sorgen sie für einen erstklassigen Klang, da dieser per Software-Justage optimal an die individuellen Schallbedingungen des Fahrzeugs angepasst werden kann.
Am Ende der Soundkette stehen die Lautsprecher. Neben ihrer technischen Qualität sind ihre Positionierung und der fachgerechte Einbau entscheidend für die Klangqualität der gesamten Soundanlage. Entsprechend bietet die Industrie maßgeschneiderte Einbausysteme für die Fahrerkabinen von Ducato, T5 & Co. Auch in den Innenraum von Wohnwagen oder Reisemobilaufbauten lassen sich Lautsprecher perfekt integrieren. Im Design angepasste Lautsprechergehäuse sehen nicht nur besser aus und sparen Platz, sondern dämmen die Vibrationen des Schalls auch gegenüber den Möbeloberflächen oder der Innenraumverkleidung ab. Ein zusätzlicher Subwoofer in der Sitztruhe oder einem Unterschrank mit Schallaustrittsöffnung sorgt schließlich auch noch für satte Bässe.

Aufrüsten für wenig Geld
Ob Pkw oder Wohnmobil, praktisch in jedem Fahrzeug findet sich serienmäßig bereits ein Autoradio. Und so mancher scheut sich, das gute Stück einfach auszubauen und durch ein hochwertigeres Gerät zu ersetzen. In aller Regel erfüllen diese Basisgeräte zumindest die Minimalansprüche, was Radioempfang, Klang und das Abspielen von CDs betrifft – und selbst eine Schnittstelle zum Anschluss digitaler Musikspeicher ist in Form einer Klinkenbuchse oder eines USB-Anschlusses oft bereits vorhanden. Damit lässt sich schon mal die Musik vom Smartphone abspielen.
Doch mit dem Handy während der Fahrt telefonieren darf man nun noch lange nicht. Denn zum Freisprechen, wie es der Gesetzgeber fordert, müssen Radio und Mobiltelefon per drahtloser Bluetooth-Verbindung gekoppelt werden – diese Funktechnik fehlt jedoch bei vielen Autoradios der Einsteigerklasse. Abhilfe schaffen hier Nachrüst-Lösungen, kleine Geräte, die sich per Bluetooth mit dem Handy verbinden und über ein eingebautes Mikrofon verfügen. Die Sprachausgabe erfolgt dann entweder über einen integrierten Lautsprecher oder über das Autoradio, mit dem die Freisprecheinrichtung per UKW-Frequenz kommuniziert.
Wer iPhone & Co. über längere Zeit im Fahrzeug nutzen möchte, sollte sich einen Ladeadapter für den Zigarettenanzünder zulegen, der die 12-Volt-Bordspannung auf die fünf Volt der USB-Ladebuchse am Smartphone reduziert. Nicht nötig ist dies bei Autoradios mit USB-Buchse, da über sie bereits die dauerhafte Stromversorgung des Abspielgerätes sichergestellt ist. Zu guter Letzt muss das Smartphone noch einen sicheren Platz im Fahrzeug finden, der gut erreichbar ist und im Blickfeld des Fahrers liegt – auch hierfür bietet der Markt eine Vielzahl an Lösungen zum Nachrüsten an. So kann man bereits für wenig Geld den Funktionsumfang des Serienradios deutlich erweitern – bis dann vielleicht etwas später doch die Aufrüstung zum kompletten Entertainment-System folgt.

Hersteller und Bezugsquellen*
Al-Car
Am Rackerschlag 1-7 · D-23909 Ratzeburg
Infos: www.al-car.de


Alpine
Wilhelm-Wagenfeld-Str. 1-3 · D-80807 München
Infos: www.alpine.de


Auvisio/Pearl
Pearl-Straße 1-3 · D-79426 Buggingen
Infos: www.auvisio.de


Becker/Falk
United Navigation GmbH
Marco-Polo-Str. 1 · D-73760 Ostfildern
Infos: www.united-navigation.com


Blaupunkt
Robert-Bosch-Str. 200 · D-31139 Hildesheim
Infos: www.blaupunkt.com/de


Camos/IMC
Nikolaus-Otto-Str. 16 · D-22946 Trittau
Infos: www.camos-multimedia.com


Car Guard
Westfälische Str. 169 c · D-44309 Dortmund
Infos: www.carguard.de


Caratec
Buschurweg 4 · D-76870 Kandel
Infos: www.caratec.de


Clarion
Hessenring 19-21 · D-64546 Moerfelden-Walldorf
Infos: www.clarion.de


Conrad Electronic
Klaus-Conrad-Str. 1 · D-92240 Hirschau
Infos: www.conrad.de


Dynavin GmbH
Siemens Str. 7 · D-76316 Malsch (Karlsruhe)
Infos: www.dynavin.de


ESX Audio Design
AM Breilingsweg 3 · D-767009 Kronau
Infos: www.esxaudio.de


Garmin
Parkring 35 · D-85748 Garching
Infos: www.garmin.com/de


Jehnert Sound Design
Porschestr. 15 · D-70794 Filderstadt
Infos: www.jehnert.de


Falk/Becker
Marco-Polo-Str. 1 · D-73760 Ostfildern
Infos: www.united-navigation.com


JVC
JVC Deutschland GmbH
Konrad-Adenauer-Allee 1-11 · D-61118 Bad Vilbel
Infos: www.jvc.de


Kenwood
Konrad-Adenauer-Allee 1-11 · D-61118 Bad Vilbel
Infos: www.kenwood.de


Parrot
174-178 quai de Jemmapes · F-75010 Paris
Infos: www.parrot.de


Pioneer
Hanns-Martin-Schleyer-Str. 35 · D-47877 Willich
Infos: www.pioneer.de


Pure
Friedrich-Ludwig-Jahn-Str. 2-14 · D-64589 Stockstadt/Rhein
Infos: www.pure.com/de


Sony
Kemperplatz 1 · D-10785 Berlin
Infos: www.sony.de


Zenec/ACR
Bohrturmweg 1 · CH-5330 Bad Zurzach
Infos: www.zenec.com/de


* ohne Wertung und Anspruch auf Vollständigkeit

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