Im Land der bemalten Fliesen – Portugal (Seite 1 von 2) von Udo Frunzek | Mathis Paus (Guide)
Tourist Info
Portugiesisches Fremdenverkehrsamt
Zimmerstraße 56 · D-10117 Berlin
Tel. 030-2541060
www.visitportugal.com/de


Deutsches Konsulat
Campo dos Mártires da Pátria, 38
1169-043 Lisboa
Tel. 00351-218810210
www.lissabon.diplo.de

Es geht nur mühsam vorwärts. Der Verkehr auf französischen Landstraßen ist kein fortwährender Fluss, vielmehr ein zähes Vorantasten entlang der Regionen Lorraine, Champagne-Ardennes, Bourgogne, Auvergne, Limousin und Aquitaine. Immer wieder sorgen Lkws oder Trecker für Verzögerungen. Unsere Anreise in den Norden Portugals haben wir uns zügiger vorgestellt, aber wenigstens tröstet die schöne Aussicht. Über Hendaye und das spanische Palencia erreichen wir nach Stunden Portugals Nordosten, Miranda do Douro. Das Land der großen Seefahrer und Entdecker zeigt sich von seiner rauen Seite. Kein Meer, aber dafür der Fluss Douro, Namensgeber der Stadt, schlängelt sich an den massiven Felsformationen entlang. Sonnenstrahlen lassen das Wasser grün funkeln.
Die kleine Stadt, die im 16. Jahrhundert sogar kurz Bischofssitz war, zeigt sich sehr naturnah, und wir beschließen der wohl bekanntesten Sehenswürdigkeit des Ortes einen Besuch abzustatten, der Kathedrale Miranda. Zwei Türme umschließen einen mächtigen Quader aus Sandstein. Wie der gesamte Ortskern steht auch das 1545 errichtete Gotteshaus unter Denkmalschutz.

Beeindruckende Landschaften auf dem Weg nach Bragança
Wir verlassen den Ort und schwenken auf die N218 Richtung Bragança. In Reiseführern habe ich gelesen, dass die Portugiesen ein sehr freundliches und hilfsbereites Volk sind. Auf einer einsamen Landstraße machen auch wir die erste positive Bekanntschaft mit einem Einheimischen. Eine Abzweigung hat uns auf den falschen Weg gelotst, wir greifen schon zum Navigationsgerät und wollen es neu programmieren als ein kleiner Pkw neben uns hält. Ein freundlicher Herr fragt zu unserer Überraschung in perfektem Deutsch, ob wir Hilfe benötigen. Ortkundig und sehr freundlich führt er uns wieder auf den richtigen Reiseweg. Wir verabschieden uns, und es geht weiter.
Über die Kleinstadt Vimioso führen uns die Straßen durch imposante Berglandschaften. Der Blick in die tiefen Schluchten ist atemberaubend und lässt die Fahrzeit von mehr als einer Stunde schnell vergehen. Abends angekommen in Bragança nächtigen wir auf einem schön gelegenen Stellplatz unterhalb der Oberstadt mit seiner mächtigen Festung. Ausgeschlafen besichtigen wir am nächsten Morgen die sehr gut erhaltene Burg. Auf dem riesigen Innenhof dominiert der 34 Meter hohe Torre de Menagem. In ihm ist ein Militärmuseum untergebracht. Zur Linken steht die Kirche Santa Maria do Castelo mit ihrem herrlichen Renaissanceportal. Direkt daneben, ganz aus Granit gebaut und mit vielen Rundbogenfenstern ausgestattet, der historische romanische Domus Municipalis. Auf dem Weg zum unteren Tor passieren wir kleine Gassen, bis wir vor dem Denkmal des Herzogs von Bragança, Fernando II, stehen. Nach einem Vormittag voller Eindrücke schlendern wir entlang der Burgmauer zu einem Aussichtspunkt. Hier genießen wir den Blick über die Stadt.

Durch das Hochland nach Chaves
Zurück auf der Straße wird das mittelalterliche Bragança immer kleiner im Rückspiegel, bis es ganz verschwindet. Auf der N103 Richtung Chaves zeigt sich das portugiesische Hochland von seiner schönsten Seite. Riesige Kastanienbäume, Eichenwälder und tiefe Schluchten prägen die Landschaft. Am frühen Nachmittag erreichen wir unser Ziel Chaves, das geschichtlich gesehen als eine Art portugiesisches Gallien gilt. Gleich zweimal leistete die Stadt Widerstand – 1807 in den napoleonischen Kriegen sowie 1912 beim Angriff der Royalisten. Historiker mit viel Fantasie glauben, die Wehrhaftigkeit der Bevölkerung wäre auf die alten Thermalquellen, für die Chaves auch heute noch bekannt ist, zurückzuführen. Sicher ist, dass die Quellen früher als auch heute die körpereigenen Abwehrkräfte stärken und damit der Gesundheit dienen.
Die Stadt ist aber noch viel mehr als nur ein Wasserkurort mit sagenumwobenen Heilkräften. Die römische Brücke über den Fluss Tâmega mit ihren zwölf Steinbögen zeugt von der bewegten Geschichte des Ortes und ist darüber hinaus noch ein ideales Fotomotiv. Wir lassen uns über Kopfsteinpflaster und enge Gassen treiben, bis wir vor einer alten Befestigungsanlage, dem Castelo de Menagem, zum Stehen kommen. Überwältigt von der pittoresken Parkanlage, die sich der Festung anschmiegt, verweilen wir, halten inne und lassen unseren Gedanken freien Lauf.

Weinbauregion Alto Douro
Südlich von Chaves, circa 80 Kilometer entfernt, wollen wir uns von dem sagenhaften Ruf der Weinregion Alto Douro überzeugen. Sie ist die älteste geschützte Weinbauregion der Welt und gehört seit 2001 zum UNESCO-Welterbe. Die Fahrt in Richtung des Örtchens Pinhão hat es in sich, ein ständiges Auf und Ab auf engen, kurvenreichen Straßen. Links und rechts Weinfelder, soweit das Auge reicht. Ein wenig durchgeschüttelt kommen wir in Pinhão an und finden gleich am Hafen einen schnuckeligen Übernachtungsplatz. Hier begegnen uns zum ersten Mal bewusst die Azulejos, die quadratischen und bemalten Keramikfliesen, die in Pinhão den Hauptbahnhof schmücken und in einem Wandgemälde die Geschichte des Portweins erzählen. Später auf unserer Reise werden wir feststellen, dass die verzierten Fliesen fester Bestandteil – mal mehr, mal weniger – eines jeden Stadtbildes sind.
Die Nacht haben wir gut verbracht. Nach dem Frühstück wollten wir eigentlich einen Abstecher in den Parque Natural do Alvão machen. Das Naturschutzgebiet an der Westflanke des Alvão-Gebirges besteht aus einem Bergmassiv und einer einzigartigen Vegetation. Der starke Regen, der plötzlich auf unsere Windschutzscheibe prasselt, lässt uns umdenken. In der Hoffnung dem schlechten Wetter auszuweichen, beschließen wir in Richtung Braga weiter zu fahren. Und in der Tat: Nach einigen Kilometern verfliegt das Unwetter, sodass wir für einen Zwischenstopp bei Guimarães die A7 verlassen. Die Altstadt gehört zum UNESCO-Welterbe, das wollen wir uns nicht entgehen lassen. Eindrucksvollste Sehenswürdigkeit, vor allem wegen der Dimensionen, ist die romanische Burg, die majestätisch über der Stadt thront. Der quadratische Bau aus dem 10. Jahrhundert soll laut einer Legende die Wiege des ersten portugiesischen Königs sein.

Historische Zahnradbahn bei Braga
Die Historie und vor allem die sakralen Bauten Portugals lassen uns nicht mehr los. In der Nähe von Braga soll die berühmte Wallfahrtskirche Bom Jesus do Monte sein. Sie gilt als eine der wichtigsten religiösen Zentren des Landes. In Tenões werden wir fündig. Die Kirche liegt an der Westflanke des 564 m hohen Monte Espinho, inmitten eines Parks. Zur Kirche gelangt man entweder zu Fuß, mit dem Auto oder mit einer Zahnradbahn. Wir entscheiden uns für die Bahn aus dem Jahre 1882, welche die 300 Höhenmeter in nur drei Minuten überwindet. Oben angekommen begrüßt die Kirche die Besucher mit ihrer märchenhaften Fassade. Im Inneren beeindruckt der gewaltige Altar. Lebensgroße Figuren stellen hier die Kreuzigungsszene nach.

Reges Treiben in Porto
Nach diesem Erlebnis führt uns unsere Weiterfahrt durch ein großes Gemüseanbaugebiet nach Porto. In regelmäßigen Abständen werden an der Straße auf Leiterwagen oder Verkaufsständen Obst und Gemüse angeboten. Nur kurze Zeit später überqueren wir die berühmte Eisenbrücke aus dem Jahre 1886 über den Rio Douro, um zu unserem Stellplatz in Vila Nova de Gaia zu gelangen. Es ist mittlerweile später Nachmittag, trotzdem wollen wir noch einen Spaziergang nach Porto unternehmen. Entlang des Douro-Ufers, ein kurzes Stück mit der Seilbahn und dann über die Brücke Ponte Dom Luis – und schon stehen wir mitten in Porto. In der Innenstadt und am Bahnhof herrscht reges Treiben, es ist jetzt früher Abend, und die Menschen kehren von der Arbeit nach Hause. Auch hier überall die reich verzierten Azulejos an den Wänden. Sie prägen das einmalige Stadtbild Portos.
Noch vor dem Schlafengehen beschließen wir am nächsten Tag ans Meer zu fahren, der Atlantik liegt nur wenige Kilometer entfernt. Entlang der Costa de Prata gibt es reichlich geeignete Badeplätze mit Parkplatzmöglichkeiten für Wohnmobile. Auch das freie Übernachten ist hier möglich. Wir brauchen aber Frischwasser und müssen entsorgen, deshalb fahren wir zum offiziellen Wohnmobilstellplatz in Praia da Vagueira. Wir sind auf diesem großen Platz die einzigen Gäste und genießen den Rest des Tages an einem wunderschönen Strand.

Gemütliche Gassen in Coimbra
Am nächsten Morgen nehmen wir Kurs auf Santa Comba Dão. Bei Luso passieren wir den Parque Nacional do Buçaco. Hier kann man herrlich spazieren gehen und den Sommerpalast der königlichen Familie, der heute ein Luxushotel ist, bewundern. Eine halbe Stunde später sind wir in Coimbra, eine der ältesten Universitätsstädte Europas. Wir suchen uns einen geeigneten Stellplatz und besichtigen am nächsten Tag die Stadt mit ihrem historischen Zentrum. In einer kleinen Seitengasse stoßen wir auf die Porta de Almedina, sie ist das Eingangstor zum oberen Stadtteil. Auf unserem Weg erklimmen wir zahlreiche Treppen und plötzlich stehen wir vor dem Museum Machado de Castro. Es beherbergt eine großartige Sammlung von portugiesischen historischen Artefakten. Nur noch ein paar steile Gassen nach oben und wir stehen, etwas außer Puste, auf dem riesigen Innenhof der alten Universität von Coimbra. In einer kleinen Bar für Studenten genießen wir Kaffee und Gebäck. Zurück geht es durch die Altstadt. Wir schlendern gemütlich durch die vielen kleinen Gassen, vorbei an farbenfrohen Gemüseläden, Kunstgewerbeläden und Geschäften des täglichen Gebrauchs.

Halbzeit – der Süden Portugals wartet
Zum Abschluss unserer Wohnmobil-Tour durch den Norden Portugals besuchen wir noch die Städte Batalha und Tomar. In der Kleinstadt Batalha erwartet uns ein weiteres Highlight Nordportugals, das wohl schönste Kloster des Landes, die Mosteiro de Santa Maria da Vitória. Die Entstehungsgeschichte klingt märchenhaft: Im Jahre 1385 schlug das portugiesische Heer unter König João die Spanier. Aus Dankbarkeit über die gewonnene Schlacht ließ der König das Kloster erbauen.
Mit diesen und vielen weiteren Eindrücken geht es zurück auf die Straße. Ziel ist Tomar, das wir eine halbe Stunde später erreichen. Hier bezirzt ein weiterer sakraler Bau den Besucher mit einer Besonderheit. Das Convento de Cristo, das Christuskloster, beherrscht seit der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts das Stadtbild. Die Kombination von Burg und Kloster machen das Bauwerk, das einst als Sitz der Tempelritter diente, zu einer der wichtigsten und schönsten kulturellen Sehenswürdigkeiten des Landes.
Vor Anbruch der Dunkelheit wollen wir bereits in Portugals Süden sein, daher verlassen wir Tomar mit einem Gefühl aus Wehmut und Vorfreude auf das Unbekannte, was auf unserer Reise noch vor uns liegt.

Tipp: Portwein
In vino veritas – Im Wein liegt die Wahrheit. In Portugal trifft das Sprichwort auf den Portwein zu. Dabei hängt die Qualität des Wahrheitsgehalts respektive des Ports von der Reife der Trauben, der Art der Lagerung und dem Verschnitt ab. Als einfach gelten der weiße Port, der als Aperitif getrunken wird, sowie die roten Ruby und Tawny, die nach drei Jahren Lagerung auf den Markt kommen. Sie werden als Digestif gereicht. Die unterschiedlichen Färbungen sind auf die Dauer der Lagerung in Holzfässern zurückzuführen. Mit zunehmender Reife verliert der Portwein seine Fruchtigkeit, und seine Blume erinnert an Nüsse und Feigen. Lagerungszeiten von 10 bis 40 Jahren sind charakteristisch für qualitativ hochwertige Portweine.
Tipp: Maisspeicher
Im ganzen Norden Portugals fallen die zahlreichen Maisspeicher ins Auge. Überall stehen sie in kleinen Grüppchen über das Land verteilt, zumeist in Nähe eines gemeinschaftlich genutzten Dreschplatzes. Die Vorliebe der Portugiesen für die aus Granit gefertigten Aufbewahrungslager stammt zwar aus dem spanischen Galizien, doch sind die Bauten hierzulande auf Stelzen gebaut, um damit den Mäusen den Weg zur Ernte zu erschweren. Fast jede Familie auf dem Land besitzt auch heute noch so einen Speicher. Der Maisanbau hat zwar generell für die Region an Bedeutung verloren, aber die »espigueiros« sind noch immer von Nutzen – sei es als Abstellkammer oder als luftiger Schlafplatz für unerwartete Gäste.

Seite 2 – Guide Portugal der Norden mit Infos zur Anreise, besonderen Verkehrsbestimmungen, Campingplätzen, Stellplätzen und vielem mehr …

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