Der Sonne entgegen – Südportugal (Seite 1 von 2) von Udo Frunzek | Mathis Paus (Guide)
Tourist Info
Portugiesisches Fremdenverkehrsamt
Zimmerstraße 56 · D-10117 Berlin
Tel. 030-2541060
www.visitportugal.com/de


Deutsches Konsulat
Campo dos Mártires da Pátria, 38
1169-043 Lisboa
Tel. 00351-218810210
www.lissabon.diplo.de

Tomar erstrahlt noch einmal rot in unserem Rücklicht, dann verlassen wir das kleine Städtchen und damit Portugals Norden. Wir machen uns auf in den Süden, entlang der Küste soll es gehen. Erstes Ziel ist die kleine Gemeinde Foz do Arelho, direkt am Atlantik gelegen. Das Klima an der Küste von Portugal ist ozeanisch mild, die Strände rund um das Örtchen sind bei Badetouristen und Wassersportlern sehr beliebt. So zieht die Lagune von Óbidos viele Surfer, Ruderer und Kiteboarder an. Statt Sport zu treiben wollen wir nach einer anstrengenden Fahrt aber nur noch ins Bett.

Mittelalterliches Óbidos
Nach einer erholsamen Nacht auf dem einzigen Wohnmobilstellplatz von Foz do Arelho führt uns der weitere Weg nach Óbidos, einer reizenden kleinen Stadt in der historischen Provinz Estremadura. Der Ort ist eines der meistbesuchten und schönsten Städtchen Portugals. Nahe am Atlantik gelegen, ist der vollständig erhaltene mittelalterliche Stadtkern mit seiner schönen Burg auch ein beliebtes Ausflugsziel für Einheimische. Unterhalb der Burg, in der Nähe vom Viadukt, parken wir unser Wohnmobil. Mittlerweile sind auch einige Busse eingetroffen, und die Straßen füllen sich mit Besuchern. Wir schlängeln uns durch die schmalen Gassen, die mit Blumenschmuck liebevoll dekoriert sind. Wie schon im Norden treffen wir auch hier immer wieder auf die wunderbaren Keramikkacheln, die Azulejos. Durch Zufall gelangen wir in eine Gegend, die abseits vom Touristenstrom liegt. Hier leben in kleinen weißen Häusern mit geschmackvoll angelegten Gärten die Bewohner Óbidos. Ein wunderbares Fotomotiv.

Tosende Brandung bei Peniche
Zurück am Meer schlägt uns die Brandung ins Gesicht, in Peniche ist sie besonders stark. Der Ort liegt auf einer Halbinsel mit dem Felsenriff Papoa. Mutige können mit dem Wohnmobil bis an die Abbruchkante fahren. Wen der steife Wind nicht stört, der kann hier auch eine Nacht verbringen. Auf einem großen Fels vor der Steilküste beobachten wir dutzende von Kormoranen beim Fischfang. An den Abbruchkanten suchen auch zahlreiche Petrijünger ihr Glück, die Angelschnüre reichen in die tosende Gischt bis zu 30 Meter tief. Wir umrunden weiter die Felsenhalbinsel, immer zerklüfteter wird die Küstenlinie. Am Cabo Carvoeiro besuchen wir den Leuchtturm, in dessen Nähe auch gute Übernachtungsplätze zu finden sind.
Wir schwenken auf die Küstenstraße N247 ein und rollen weiter nach Süden. Hier ist die Landschaft von großen Gemüsefeldern mit unzähligen Gewächshäusern geprägt. Auf unserem Weg finden wir in São Lourenço noch eine schöne Bucht, hier kann man herrlich picknicken und ausspannen. Die Brandung ist nicht so heftig wie in Peniche, und man kann durchaus noch ein erfrischendes Bad im Meer nehmen.

Tief im Westen
Wenn man den Süden von Portugal bereist, sollte man zwei Highlights nicht auslassen: das Cabo da Roca im Kreis Sintra und etwas weiter südlich die Boca do Inferno. Cabo da Roca ist der westlichste Punkt des europäischen Kontinents und liegt 140 Meter über dem Meeresspiegel. Wer möchte, kann sich im Tourismusbüro den Besuch dieses Ortes auf einer Urkunde bestätigen lassen. Wir brauchen diese Urkunde nicht, haben wir als Beweis doch zahlreiche Fotos vom Leuchtturm und der Steinsäule mit dem weithin sichtbaren Kreuz. Die Boca do Inferno ist eine Schlucht in den Küstenklippen nahe der portugiesischen Stadt Cascais und ein wahrer Höllenschlund. Bei Sturm fegen die meterhohen Brecher in die durch Erosion entstandene Öffnung und werden oben an Land geschleudert. Dies erzeugt ein ohrenbetäubendes Grollen.

Die weiße Stadt Lissabon
Von hier aus ist es nicht mehr weit bis nach Lissabon. Wir lenken bei strahlendem Sonnenschein unser Wohnmobil auf einen großen Parkplatz am Fähranleger Belem. Es ist Sonntag, deshalb müssen wir ein wenig warten, bis wir unser Wohnmobil parken können. Hier werden wir die nächsten Tage verbringen. Der Parkplatz ist zwar nicht ruhig, dafür zentral und kostenlos. Allerdings verlangen einige selbst ernannte Parkplatzwächter eine „Schutzgebühr“ von zwei Euro, dafür passen sie angeblich auf das Wohnmobil auf. Wir zahlen diese und können dann beruhigt zur Stadtbesichtigung starten.
Lissabon wird wegen des vom Fluss Tejo reflektierenden Sonnenlichts auch die weiße Stadt genannt. Das milde Klima macht die Metropole ganzjährig zum idealen Reiseziel. Wir starten in Belem mit dem schönen weißen Turm Torre de Belém, der direkt an der Hafeneinfahrt wacht. Wir nehmen die Buslinie in die Innenstadt. Am wohl schönsten Platz, dem Praça do Commércio, steigen wir aus. Von dort aus gelangt man zum Elevador de Santa Justa. Erbaut hat diesen Aufzug ein Schüler von Gustave Eiffel, eingeweiht wurde er 1902. Geräumige Holzkabinen ziehen die Menschen seither nach oben. Ein Muss ist eine Fahrt mit der Tram 28 hinauf zur Festung Castelo de São Jorge und der Altstadt Alfama. Zum Abschluss des Tages gönnen wir uns noch eine Rundfahrt durch Lissabon mit einem Tuk Tuk, einer dreirädrigen Auto-Rikscha.

Ins Landesinnere
Nach vier ereignisreichen Tagen verlassen wir Lissabon. Unser nächstes Ziel führt uns ins Landesinnere, ins Alto Alentejo und Baixo Alentejo. In einem kleinen Ort namens Canha passiert es dann; ich touchiere in einer sehr engen Gasse mit dem Alkoven das Ziegeldach eines kleinen Häuschens. Ein älterer Herr kommt fassungslos aus seinem Haus gelaufen. Wir ahnen Böses, aber er ist überaus freundlich und verlangt lediglich 50 Euro für neue Dachziegel. Wir geben uns die Hand, bedanken uns mehrmals und können es kaum fassen, dass die Sache für uns so glimpflich ausgegangen ist.
Mit noch schweißigen Händen lenke ich uns zum Montemor o-Novo das Castelo. Von der Festungsmauer, die im 13. Jahrhundert errichtet wurde, ist der Hauptteil erhalten, der durch elf zylindrische Türme verstärkt wurde. Später wurde die Verteidigungsanlage ausgebaut und durch eine Mauer mit Schießscharten ergänzt. Die rechteckige Burg wird von zwei Türmen bewacht, von denen heute nur noch die Ruinen zu sehen sind. Immer tiefer dringen wir in die Region Alentejo ein. Korkeichenwälder und Olivenhaine wechseln sich ab. Unser Nachtlager schlagen wir für heute in Santiago do Cacém auf. Der Ort liegt rund um einen Berg mit der Burg­ruine. Man hat von der Ruine aus eine tolle Aussicht auf Sines, der Geburtsstadt Vasco da Gamas.

Erdölverarbeitung bei Sines
Wir wollen mehr erfahren über die Stadt des berühmten Seefahrers und machen uns am nächsten Tag auf in den Industrie- und Hafenort. Auf der Fahrt dorthin riechen wir es schon deutlich: Wir durchfahren das Zentrum der portugiesischen Erdölverarbeitung. Destillierkolonnen und riesige Öltanks reihen sich aneinander. Auch als wir unterhalb der Burg einen Parkplatz finden – der feine Öl-Benzingeruch ist allgegenwärtig. Wir erklimmen die Treppe zur Altstadt. Hier ist allerdings nicht viel zu bestaunen, nur die Burgmauer mit den Kanonen, die wie zu da Gamas Zeiten auf das Meer gerichtet sind. Nach einem kurzen Rundgang setzen wir unsere Fahrt fort. Gegenüber des Städtchens Vila Nova de Milfontes, an der Praia das Furnas am Rio Mira, finden wir einen hervorragenden Platz zum Übernachten.

Sonnenschein an der Algarve
Wir wenden den Bug unseres Wohnmobils weiter Richtung Süden, entlang der Costa Dourada nähern wir uns auf der N120 der Costa do Algarve. Kurz vor Odeceixe folgen wir dem Hinweisschild Azenhas do Mar. Hinter der Brücke über den Rio de Seixe endet die Costa Dourada und wir bewegen uns fortan an der Algarve, der südlichsten Region Portugals. Kurz vor Carrapateira biegen wir zur Praia do Bordeira ab. Die schmale Straße führt durch riesige Dünen, bis wir schließlich das wild schäumende Meer erreichen. Hier weht ein scharfer Wind. Wir beschließen den Campingplatz Orbitur in Sagres anzufahren.
Der folgende Tag zeigt sich von seiner besten Seite, Sonnenschein pur. Vor dem Sonnenbad steht aber ein Besuch der Fortaleza de Sagres an. Dieses Nationaldenkmal ist von großer Bedeutung für die Portugiesen. In der renovierten Festung soll sich die Seefahrtsschule Heinrich des Seefahrers befunden haben. Wir zahlen den Eintritt von drei Euro und schlendern über den Innenhof. Rechts sehen wir eine kleine weiße Kapelle, die innen sehr schlicht gehalten ist. Auf dem langen Plateau genießen wir die Aussicht.

Felsen Ponta da Piedade
Nun ist erst einmal Erholung angesagt, wir fahren eine kurze Strecke bis zur nächsten Badebucht, stellen unser Wohnmobil direkt am Strand ab, holen unsere Stühle raus und genießen die Sonnenstrahlen in unseren Gesichtern. Das Highlight dieses Tages aber steht uns noch bevor, die Ponta da Piedade. Diese traumhaften Felsformationen bieten ideale Fotomotive. Das Meer hat hier in Jahrhunderten tiefe Spalten, Torbögen und Grotten in die Steilküste gefräst. Die Felsen strahlen in gelben, rotbraunen und weißen Farben. Mehrere Treppen führen hinab bis zum Meeresspiegel, wo das blaue und türkisfarbene Wasser sprudelt. Noch ein kurzer Blick auf den Leuchtturm, dann gehen wir zurück zum Wohnmobil. Neben dem Stadion von Lagos schlagen wir unser Nachtquartier auf.
Von der Hafenstadt Lagos beschließen wir wieder bergigere Gefilde aufzusuchen. Wir möchten die höchste Erhebung an der Algarve erklimmen, den Fóia. Es ist ein 902 Meter hoher Berg in der Serra de Monchique. An klaren Tagen soll man vom Gipfel aus bis zum Kap St. Vincent sehen können. Leider macht uns Petrus einen Strich durch die Rechnung und Nebel zieht auf. Also machen wir uns auf die Rückfahrt Richtung Silves. Dieser Ort liegt an einem Hang am Rio Arade, den bis heute eine mittelalterliche Brücke überquert. Unterhalb der maurischen Burg verzaubert dieser Ort seine Besucher mit einer Kathedrale, die einst das Grab von João II, dem ehemaligen König von Portugal beherbergte. Nach einem ereignisreichen Tag parken wir zum Übernachten in der Nähe der Altstadt.

Goldene Sandstrände bei Faro
Am folgenden Morgen durchfahren wir weitläufige Apfelsinen- und Zitronenplantagen. Die Gegend um Silves ist die Hauptregion für den Anbau von Zitrusfrüchten. In Höhe von Albufeira weist uns ein Schild zur Badebucht Praia dos Arrifes. Es ist wohl eine der schönsten Badeplätze, die wir in Südportugal besucht haben. Gewaltige, bizarr zerklüftete kupferfarbene Felsbrocken ragen vor den glitzernden, goldenen Sandstränden aus dem Wasser. Wir können mit dem Wohnmobil direkt an der Abbruchkante stehen und das Spektakel bewundern.
Wer die Algarve bereist, sollte Faro, die Hauptstadt der Region, besuchen. Die geschäftige Stadt liegt an einem der schönsten Naturparadiese mit Lagunen, natürlichen Dünen und atemberaubenden Stränden – dem Naturpark Ria Formosa. Zudem ist Faro bekannt für seine Fischrestaurants. Hier kommt auf den Tisch, was frisch gefangen wurde. Gut gefallen hat uns auch die Kathedrale Sé, die im Inneren mit Azulejos verzierte Kirche.
Hier endet unsere Reise durch Südportugal, und wir kehren nach fünf Wochen voller schöner Erinnerungen heim. Ein Mitbringsel haben wir auch im Gepäck: natürlich eine Azulejo.

Tipp: Elevador-da-Glória-Bahn
In Portugals Hauptstadt Lissabon gibt es neben der Tram 28, einer über 80-jährigen gelben Stadtbahn, noch eine weitere Institution traditioneller Fortbewegungsmittel: Die Elevador-da-Glória-Bahn wurde 1885 eröffnet und meistert auch im hohen Alter noch immer Steigungen von 18 Prozent geradezu spielend. Zwei Standseilbahnen verkehren noch heute täglich zwischen der Unter- und Oberstadt. Über eine Strecke von insgesamt 265 Metern, es ist die meist frequentierte in ganz Lissabon, werden Einheimische und Touristen chauffiert. Diese Fahrt ist lohnenswert, kann man doch oben im Viertel Bairro Alto angelangt entspannt die Aussicht auf die Stadt der sieben Hügel genießen.
Tipp: Kork-Region
Coruche hat nur rund 9.000 Einwohner und gilt doch als das landwirtschaftliche Herzstück Portugals. Das kleine Städtchen nordöstlich von Lissabon gelegen ist neben dem Weinanbau vor allem bekannt für seine Korkproduktion. Riesige Wälder aus Korkeichen, die rund 200 Jahre alt werden können, prägen das Bild der Landschaft. Allerdings kann die Ernte nur alle acht bis zehn Jahre eingeholt werden, da eine Korkeiche erst dann ausreichend Rinde besitzt, um geschält werden zu können. Die erste Ernte eines Baumes darf auch erst nach 25 Jahren erfolgen. Zwei Drittel der Korkproduktion fließt in die Weinindustrie für die Herstellung von Flaschenkorken. Rund ein Drittel der weltweiten Bestandsfläche entfällt auf Portugal.

Seite 2 – Guide Portugal der Süden mit Infos zur Anreise, besonderen Verkehrsbestimmungen, Campingplätzen, Stellplätzen und vielem mehr …

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