Städte-Tour – Kiel von Johannes Kühner
Tourist-Info
Kiel-Marketing
Andreas-Gayk-Straße 31 · D-24103 Kiel
Tel 0431-679100
Infos: www.kiel-sailing-city.de

Soeben ist eine komplette Stadt auf der Kieler Förde angekommen: Ein Kreuzfahrtschiff manövrierte schwerfällig in den schmalen Hafen und liegt nun, mit dicken Seilen vertäut, vor der Altstadt. Der 300 Meter lange Pott überragt das unscheinbare Schloss – eher schlichtes Gebäude als Prunkbau – um einige Meter. Urlauber auf dem Weg nach Skandinavien strömen in Massen in den Schiffsrumpf, andere nutzen den Aufenthalt und haben die Campanile als Ziel – jenen Turm, von dem das Anlegen des Kreuzfahrtriesen gerade so gut zu beobachten war.
Die Campanile von Kiel, die an jene auf dem Markusplatz im italienischen Venedig erinnert, ist der Turm des Alten Rathauses und eines der Wahrzeichen von Deutschlands nördlichster Landeshauptstadt. Aus 106 Metern Höhe bietet sich von dort der beste Blick auf Kiels Sehenswürdigkeiten oder die vielen Grünflächen, die zur Erholung in der 240.000-Einwohner-Stadt einladen. Oder eben auf jene Förde – eine 17 Kilometer lange Einbuchtung der Ostsee, die Kiel seinen windgeschützten Zugang zum Wasser und zu den Weltmeeren beschert.
Kein Wunder also, dass die Stadt maritim geprägt ist. Schifffahrt spielt seit jeher eine tragende Rolle. Nicht nur, weil Kreuzfahrtschiffe von hier zu Reisen nach Norwegen aufbrechen. Der Ingenieur Wilhelm Bauer hat hier das erste
U-Boot der Welt gebaut; im nahegelegenen Badeort Laboe können Besucher in das Unterwasser-Gefährt U 995 aus dem Zweiten Weltkrieg steigen (Strandstraße 92).
Während des Krieges diente Kiel zudem als Marinebasis und wurde deshalb bei beinahe 100 Bombenangriffen fast vollständig zerstört – eine Tatsache, die dem Stadtbild und seiner Architektur leider bis heute anzusehen ist. Ungeachtet dessen hat auch Kiel – wie heißt es so schön – seine schönen Ecken.
Größtes Segel-Event der Welt
Und doch ist Kiel vor allem durch eines bekannt – womit wir wieder zum Wasser zurückkommen: die Kieler Woche. Dieses Segel-Event gilt als das größte der Welt. Jeden Sommer hissen so viele Boote bei der Windjammerparade ihre Segel, dass die Förde aussieht, als würde sie von Piraten eingenommen – ein einmaliger Anblick, vor allem aus der Campanile (während der Kieler Woche gibt es Sonderfahrten auf den Turm im Halb-Stunden-Takt) und von der Kiellinie aus. Dieser Küstenweg führt nördlich der Altstadt drei Kilometer an der Förde entlang. Außerhalb der Kieler Woche nutzen Einheimische die Strecke zum Joggen, während des Events hingegen ist kaum ein Durchkommen.
Zum Rahmenprogramm der Kieler Woche gehören Musik, eine Spiellinie für Kinder sowie ein internationaler Markt auf dem Rathausplatz mit kulinarischen Genüssen aus aller Welt. Die Freilichtbühne Krusenkoppel zeigt Musik, Comedy und Kunstdarbietungen.
Wer zur Kieler Woche keine Zeit hat, kann trotzdem einen Windjammer sehen: das Segelschulschiff Gorch Fock. Denn wenn der Dreimaster nicht gerade auf der See unterwegs ist, liegt er mit seinen 90 Metern Länge in seinem Heimathafen in Kiel. 90 Meter sind zwar nicht mal ein Drittel der Länge jener Kreuzfahrtriesen, die Kiel ansteuern. Aber die Gorch Fock transportiert eben auch keine Massen an Touristen – sondern maritime Geschichte. Das steht der seehistorischen Stadt ohnehin viel besser zu Gesicht.


In der Stadt
Kiels Altstadt ist sehr kompakt – so kompakt, dass die meisten Strecken gut zu Fuß oder auf dem Fahrrad zu bewältigen sind. Außerdem: Auf der drei Kilometer langen Kiellinie zu spazieren, ist ohnehin schöner als mit einem Fahrzeug außen herumzufahren. Wer kein Fahrrad dabei hat, kann sich eines leihen, beispielsweise in der Radstation im Umsteiger (Sophienblatt 27-29), E-Bikes gibt es im Zweiradhaus Probstei (Georg-Thorn-Straße 4). Der öffentliche Nahverkehr in Kiel besteht aus Bussen – und Fähren. Damit sind auch außerhalb gelegene Sehenswürdigkeiten gut zu erreichen.
www.kiel-sailing-city.de/service/verkehr


Rundgänge
Vom Bahnhof zum Nord-Ostsee-Kanal und bis hinauf nach Laboe geht es bei einer zweistündigen Hafenrundfahrt (Start um 11.00, 13.00 und 15.00 Uhr an der Bahnhofsbrücke). Die Kapitäne erzählen während der Tour von der interessanten Marinegeschichte Kiels. Wer sonntagabends gerne den Tatort in der ARD schaut, sollte sich der unregelmäßig stattfindenden fünfstündigen Kieler Tatort-Radtour (reine Fahrtzeit: zwei Stunden) anschließen – sie führt zu Leichenfundorten auf dem Fördedampfer, an den Tiessenkai und veranschaulicht Verfolgungsjagden auf der Holtenauer Hochbrücke. Die Tour gibt’s auch als Broschüre zum Selbstfahren.
www.kiel-sailing-city.de | www.kiel.de/touristik/kiel_erkunden


Sehenswertes
Was hat der Alte Markt doch für eine Geschichte! Einst war er wichtiges Zentrum mit Nikolaikirche, Rathaus und Packhäusern für Güter aus Persien. Nach dem Zweiten Weltkrieg stand davon nichts mehr; die Nikolaikirche wurde wieder aufgebaut. Vom Markt geht die Dänische Straße ab: eine der am besten restaurierten Routen in der Altstadt. Der Landtag (Düsternbrooker Weg 70) tagt an der Kiellinie – als einziger deutscher Regierungssitz am Meer. Tipp für Technik-Freunde: Die 26,5 Meter lange Hörnbrücke fasziniert durch die Art und Weise, wie sie sich faltet, wenn ein Schiff naht.


Museen
180.000 Tiere umfasst die Sammlung des Zoologischen Museums (Hegewischstraße 3). Auch ein Blauwalskelett in voller Pracht und ein Riesentintenfisch mit drei Metern Länge sind unter den Exponaten. Mit Seefahrt und Erfindungen aus der maritimen Welt beschäftigt sich das Schifffahrtsmuseum (Wall 65), im Museumshafen ankern drei historische Schiffe. Im Maschinenmuseum (Am Kieler Kanal 44) laufen an manchen Tagen bei freiem Eintritt wieder alte Dampfmaschinen, außerdem sind uralte Otto-Motoren oder mit Muskelkraft betriebene Bohrmaschinen zu sehen.
www.zoologisches-museum.uni-kiel.de | www.kiel.de/kultur/museum | www.maschinenmuseum-kiel-wik.de


Kirchen
Die Nikolaikirche (Alter Markt) ist so alt wie Kiel selbst. Nach Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg ist das Gebäude in neuem Stil wieder aufgebaut worden. Zuvor gerettete Wandmalereien aus dem 15. Jahrhundert sowie ein Flügel- und ein Taufaltar aus jener Zeit sind erhalten geblieben, die Buntglasfenster stammen aus dem 20. Jahrhundert. Auch das Franziskanerkloster (Falckstraße 9) existiert seit Stadtgründung; lohnenswert sind der Kreuzgang und das Glockenspiel um 12.00, 15.00 und 18.00 Uhr. Das Besondere an der Bethlehemkirche (Möhrkestraße 9): Sie ist komplett aus Holz.
www.st-nikolai-kiel.de | www.kielerkloster.de | www.bethlehem-kirche.de


Spezialitäten
Die Kieler Sprotte ist die wohl bekannteste Fischspezialität der Landeshauptstadt von Schleswig-Holstein: geräucherte Sprotte, die mitsamt ihrer feinen und weichen Gräten gegessen wird; wer den Anblick nicht verträgt, kann vor dem Verzehr zumindest Kopf und Schwanz entfernen. Um in den Genuss von echten Kieler Sprotten zu kommen, sollten die Fische in einem sogenannten Altonaer Ofen geräuchert worden sein – also über offenem Holzfeuer statt über Gas mit separater Rauch-Zufuhr. Außer fischig kann Kiel auch süß: Besonders verbreitet in der kalten Jahreszeit ist Fliederbeersuppe – eine Fruchtsuppe aus reifen schwarzen Holunderbeeren. Dazu gibt es Grießklöße.


Restaurants
Günstig und lecker ist das Essen im Oblomow (Hansastraße 82), das ein bunt gemischtes Publikum begeistert – auch der marktfrischen Zutaten wegen. Auf den Bio-Zug ist das Mmhio (Knooper Weg 75) aufgesprungen – eine Kantine mit Bio-Zertifikat. Selbst die Currywurst ist dort vegetarisch. Wer Appetit auf italienische Küche bekommt, sollte Jack’s Kitchen (Westring 399) besuchen. Und nicht nur im Sommer lohnt sich ein Besuch in der Forstbaumschule (Düvelsbeker Weg 46) – einem Biergarten mit Spielplatz und Veranstaltungen.
www.oblomow-kiel.de | www.mmhio.de
www.jackskitchen.de | www.forstbaumschule.de


Cafés
Wer vor dem Café Louf (Reventlouallee 2) einen Liegestuhl ergattert, der kann während einer Kaffeepause beobachten, wie Kreuzfahrtschiffe auf der Förde vorüberziehen. Schön ist der Ausblick auch vom Café auf dem Atlantic Hotel (Raiffeisenstraße 2). Das Café Resonanz (Mittelstraße 23) wiederum begeistert mit seinen Spielereien, etwa einem offenen Schrank statt einer Tür, um zur Toilette zu gelangen. Frühstück gibt’s aus Ländern wie Russland oder Amerika. Wer französisches Flair erleben möchte, ist im Café Restez (Sternstraße 18) gut aufgehoben: Alle Zutaten und Rezepte stammen aus Frankreich.
www.louf.de | www.atlantic-hotels.de/kiel | www.restez.de


Statuen/Denkmäler
Unter einer Eiche auf dem Asmus-Bremer-Platz sitzt eine Bronzefigur jenes Bürgermeisters von 1702–1720, der dem Platz seinen Namen gegeben hat. Und es ist nicht die einzige Statue im Stadtgebiet: In Sichtweite pfeift ein bronzener Zeitungsjunge, eine weitere Skulptur am Platz zeigt ein Mädchen und ein Kind mit einer Katze. Nicht weit entfernt wacht auf dem Rathausplatz ein Schwertkämpfer über die Campanile. Symbolisch für Kiel steht die bronzene Kilia – einst Schmuckstück eines Brunnens und heute in der Dänischen Straße aufgestellt. Der Geistkämpfer vor der Nikolaikirche wiederum demonstriert den Sieg des Geistes über das Böse. An den Physiker Max Planck erinnert in der Küterstraße 17 – dem Ort seiner Geburt – ein Gedenkstein.


Am Abend
Supercup-Sieger 2014, Champions-League-Gewinner 2012, Vereinsweltmeister 2011: Die THW Kiel zählt ohne Zweifel zu den Spitzenteams des internationalen Handballs. Seine Heimspiele trägt der Verein in der Sparkassen-Arena (Europaplatz 1)
aus – und geht auch dieses Jahr nicht nur in der Bundesliga, sondern auch in der Champions League auf Torejagd. Wer selbst gewinnen möchte, kann sein Glück im Casino versuchen (Holstenbrücke 30). Poker-Neulinge können einen Kurs belegen und anschließend ohne Geldeinsatz ausprobieren, ob ihnen das Spiel zusagt.
www.thw-handball.de | www.spielbank-sh.de


Kultur
Im ältesten noch erhaltenen Adelshaus Kiels – dem Warleberger Hof – zeigt das Stadtmuseum (Dänische Straße 19) eine Dauerausstellung zur Stadtarchäologie, in den übrigen Räumen wechseln die Exponate und beschäftigten sich mit Kulturgeschichte. Die Kunsthalle (Düsternbrooker Weg 1) ist das größte Museum Kiels – mit Malereien von der Romantik bis zum Expressionismus. Und das kleine Metro-Kino (Holtenauer Str. 162-170) versetzt einen zurück in eine Zeit, als Kinos noch nicht in riesigen Komplexen untergebracht waren. Sonntags gibt es erst Frühstück und direkt danach einen aktuellen Film. Unbedingt reservieren.
www.museen-sh.de | www.kunsthalle-kiel.de | www.metrokino-kiel.de


Mit Kindern
Nun gut – sie schlafen zwar zwischendurch, aber theoretisch ist es möglich, die Seehunde des Aquariums Geomar (Düsternbrooker Weg 20) 24 Stunden am Tag von der Kiellinie aus zu beobachten. Um 10.00 und 14.30 Uhr werden sie gefüttert. Das Aquarium des Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften umfasst zudem mehr als 30 Becken mit heimischen
Wassertieren und tropischen Korallenriffs. Eine spannende Reise bis zum Mond oder Abenteuer unter Kunstschnee mit Lars, dem Eisbären? Möglich macht’s der Mediendom der Fachhochschule Kiel mit seiner 360-Grad-Projektionskuppel. So macht Bildung Spaß – auch Erwachsenen.
www.aquarium-geomar.de | www.fh-kiel.de


In der Natur/Erholung 
Kiel ist nah am Wasser gebaut. Und Kiel ist grün. Beides führt unweigerlich dazu, dass sich Besucher zwischendurch einfach mal treiben lassen können. Zum Beispiel an der Kiellinie (siehe Haupttext) mit seinen Seebadeanstalten. Oder in kleinen Parks wie dem Schlossgarten und den Kiel-Seen mitten in der Stadt. Imposant ist der Alte Botanische Garten (Düsternbrooker Weg 19) mit einem mehr als 100 Jahre alten Baumbestand und idyllischen Wegen sowie einem tollen Blick auf die Förde von der schmiedeeisernen Kuppel des Pavillons in Form einer Krone.
www.uni-kiel.de/nickol/botgar.html


Einkaufen 
Älter als die Holstenstraße ist kaum eine andere Fußgängerzone in Deutschland. Direkt angrenzend befindet sich das Einkaufszentrum Sophienhof (Sophienblatt 20). Individueller geht es in der Holtenaustraße mit kleinen Design-, Schmuck- und Kunsthandwerkgeschäften zu. Und „Stattfein“ (Kleiner Kuhberg 36) ist ein Laden, der ungewöhnliche (Kleinst-)Möbel und Dekoartikel anbietet – ein bisschen Flohmarkt, ein bisschen Nostalgie. Ein Wochenmarkt findet unter anderem auf dem Exerzierplatz statt (Mittwoch- und Samstagvormittag).
www.sophienhof.de | www.die-holtenauer.de
www.stattfein.de | www.kiel.de/touristik/maerkte


Umgebung
Schön ist anders – zumindest, was die Gebäude angeht –, aber das Olympiadorf Schilksee mit einem der größten Yachthäfen der Ostsee ist dennoch einen Besuch wert. Ein Stückchen weiter südlich mündet in Holtenau der Nord-Ostsee-Kanal in die Kieler Förde. Ein Blick auf die größte Verbindung dieser Art weltweit und vor allem ihre Schleuse ist von einem Aussichtsturm an der Südseite (Wik) möglich; spannender ist jedoch eine Führung durch die komplette Schleusenanlage, von der Nordseite (Holtenau) erreichbar. Und im Badeort Laboe kann man in das U-Boot U 995 (Strandstraße 92) aus dem zweiten Weltkrieg steigen.
www.kiel-canal.org | www.deutscher-marinebund.de


Fazit
Einmal pro Jahr wird Kiel zum Mekka des Segelsports: Während der Kieler Woche verwandelt sich die Förde in ein Meer aus Segeln und vermag wie kein anderes Event zu transportieren, wie sehr die Geschichte von Kiel mit maritimen Begebenheiten verbunden ist. Abseits des Massenansturms versprüht die Landeshauptstadt von Schleswig-Holstein eine dörfliche Großstadtatmosphäre: überschaubar, nicht allzu touristisch und trotzdem ganz putzig – und sei es nur als Zwischenstop auf dem Weg nach Dänemark.

Wohnmobil-Stellplätze | Campingplätze
Wohnmobil-Stellplatz Kiel
Mecklenburger Str. 58 · D-24106 Kiel
GPS: 54°22’00.6’’N / 10°08’48.3’’E
Direkt am Nord-Ostsee-Kanal mit Blick auf die Schleuse. Stellplätze mit Sanitäranlage sowie Ver- und Entsorgung ab 12,00 Euro.
Infos: www.wohnmobil-stellplatz-kiel.de


Stellplatz Blutau
Koesterallee · D-24106 Kiel
GPS: 54°21’50’’N / 10°08’50’’O
Nahe der Kiellinie, kostenlose Nutzung, zusätzlich Ver- und Entsorgung sowie Dusche und WC.

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