Der große Report – Bettsysteme für Wohnmobil und Wohnwagen von Theo Gerstl

Erholsamer Schlaf
Caravan unterscheidet sich grundlegend von dem zuhause. Beengte Platzverhältnisse, das Gebot des Leichtbaus und nicht zuletzt Kostengründe sorgen oftmals für Schlafbeschwerden und vermiesen so den tollsten Urlaub. Doch das muss nicht sein: Der Markt an Nachrüstlösungen zur grundlegenden Verbesserung des Schlafkomforts ist umfangreich und bietet für nahezu jedes Problem eine passende Lösung.
Schlafkomfort entsteht durch die optimale Unterlage. Dabei ist zu berücksichtigen, dass der Mensch nicht gerade wie ein Brett ist. Schulter und Becken ragen heraus und werden stärker belastet als der Rest. Sie sinken deshalb tiefer ein. Dieser Kontur sollte sich der Bettenunterbau anpassen, damit keine Druckstellen entstehen und die Wirbelsäule in Seitenlage eine möglichst gerade Linie beschreibt. Dies wird bei den meisten Caravans in Serienausstattung mit einer Schaumstoffmatratze erreicht, die im besten Fall auf einem Lattenrost liegt. Für sensible Naturen und Menschen mit Rückenproblemen ist das bereits im Neuzustand unbequem, und nach fünf bis acht Jahren ist das Bett so durchgelegen, dass ein Austausch in jedem Fall ansteht. Es gibt also viele Gründe um bettentechnisch aufzurüsten. Mehr Schlafkomfort steigert schließlich die Erholung und damit das Urlaubsvergnügen.

Bettentypen
Etagenbetten/Stockbetten
In der Regel als platzsparende Lösung für den Nachwuchs gedacht. Oftmals mit Gewichtsbeschränkung, geringer Länge und wenig Kopffreiheit.


Einzelbetten
Leichter Einstieg, und beim Schlafen stört kein unruhiger Partner. Oftmals per Einlegeteile zum Doppelbett umbaubar.


Queensbett
Doppelbett wie zuhause, das von drei Seiten zugänglich ist. Benötigt aber relativ viel Platz.


Querdoppelbett
Platz sparende Doppelbett-Lösung, bei welcher der hinten liegende aber über den vorderen Partner klettern muss, wenn er nach ihm ins Bett geht oder auf die Toilette muss.


Alkovenbett/Dachbett
Schafft Platz im Wohnraum, aber morgens und abends ist umständliches Auf- und Absteigen angesagt. Speziell beim Dachbett oft geringe Kopffreiheit und wenig Breite.


Hubbett
Platzsparende Lösung für ein bequemes Doppelbett. Muss abends heruntergefahren werden, was die Nutzung des Wohnraums für die anderen Camper an Bord einschränkt.


Umbau-Bett
Soll die Dinette nachts zum Bett werden, ist lästiges Hantieren mit Polsterteilen nötig. Meist entsteht keine ebene Liegefläche, und die Fugen zwischen den einzelnen Polsterelementen sind beim Schlafen unbequem.

Einzelanfertigungen
Während im häuslichen Bereich die Bettenformate rechteckig und auf Standard-Größen genormt sind, erfordern die Systeme in Caravan und Reisemobil einen individuellen Zuschnitt. Zu unterschiedlich sind die Maße und Formen, die jeden Zentimeter Innenraum ausnutzen. Darauf sind die Hersteller von Matratzen für den mobilen Einsatz vorbereitet: Anhand von Zeichnungen oder zugesandten Papierschablonen stellen sie passgenaue Maßanfertigungen her. Wer diese Vorlagen nicht selbst anfertigen möchte, dem hilft eine Reise zum Bettenprofi weiter, der diese Aufgaben dann übernimmt.
Für Matratzen im Wohnwagen und Reisemobil sind hochwertige Kaltschaummatratzen die erste Wahl. Für sie spricht zunächst einmal, dass sie problemlos auf jede gewünschte Form zugeschnitten werden können. Darüber hinaus lassen sich unterschiedliche Härtezonen ausbilden, um den speziellen Dämpfungs-Anforderungen der verschiedenen Körperregionen Rechnung zu tragen. Eine wellenförmige Oberfläche oder „Tunnelkonstruktionen“ innerhalb der Matratze machen sie atmungsaktiv, und auch bei der Lebensdauer können sie punkten.
Latex gilt zwar im häuslichen Bereich als hervorragender Matratzen-Rohstoff, im Reisemobil spricht jedoch dagegen, dass er schwer und nicht besonders atmungsaktiv ist. Dennoch empfehlen sich Latex-Matratzen für Menschen mit Rückenproblemen auch im Reisemobil. Viscoelastische Schäume glänzen dagegen mit ihren thermoaktiven Eigenschaften: Bei Einwirkung von Körperwärme und -gewicht verändert sich ihr Härtegrad, sodass sie sich förmlich um den Schläfer schmiegen. Doch da diese Veränderung zeitversetzt erfolgt, ist das Schlafgefühl gewöhnungsbedürftig und speziell in heißen Regionen funktioniert das System nur eingeschränkt. Ihre geringe Atmungsaktivität sowie das hohe Gewicht sorgen dafür, dass die Visco-Schäume genauso wie Latex als Matratzenmaterial im Reisemobil nur eine Nebenrolle spielen.

Auf die Härte kommt es an
Matratzen werden in die Härtegrade eins bis vier eingeteilt, wobei mit ansteigender Zahl die Härte zunimmt. Entsprechend empfiehlt sich für schwerere Menschen eine härtere und für Leichtgewichte eine weichere Matratze. Wobei der Härtegrad 1 kaum eine Rolle spielt, da eine solche Matratze zu weich ist, um eine gute Lagerung des Rückens zu gewährleisten – und H4 ist allenfalls für Schwergewichte geeignet. Aber auch die Körpergröße, das Alter und die Statur des Schläfers spielen beim Härtegrad eine Rolle. So sollten jüngere Menschen generell auf einer etwas härteren Matratze schlafen, während Senioren ruhig einen Grad weicher wählen können.
Da beim Schlafen der Körper an verschiedenen Stellen mit unterschiedlichem Druck auf die Matratze einwirkt, sollte diese auch mit entsprechendem Gegendruck reagieren. Deshalb besteht eine gute Matratze aus fünf bis sieben unterschiedlichen Härtezonen, im Idealfall sind dies Kopf-, Schulter-, Lenden-, Becken-, Oberschenkel-, Unterschenkel- und Fußzone. Unterschiedliche Härten erreicht beispielsweise Calypso bei seiner Dreamspring-Matratze, in der integrierte Kunststoff-Federelemente in unterschiedlichen Härtegraden die individuelle Anpassung an die verschiedenen Körperzonen ermöglichen. Die einzelnen Federelemente sind in einem speziellen Kaltschaumkern mit Hohlräumen eingebettet. Darüber befindet sich eine Kaltschaum-Abdeckung, während die Unterseite mit einem luftdurchlässigen Schaumsystem ausgestattet ist, dessen offenporige Struktur wie ein Luftpolster wirkt. Der luftdurchlässige Aufbau verhindert Kondensation sowie Feuchtigkeitsstau, und die Matratze benötigt keine weitere Unterfederung.

Qualitätsmerkmal Raumgewicht
Das Raumgewicht gibt Aufschluss über die Qualität des verwendeten Schaumstoffes und wird in kg/m3 angegeben. Dabei bedeutet beispielsweise RG 50, dass ein Kubikmeter Schaumstoff 50 Kilogramm wiegt. Je höher das Raumgewicht bei gleicher Härte, desto bessere Eigenschaften weist die Matratze auf. Dabei sind Kaltschaummatratzen mit hohem Raumgewicht in der Regel elastischer, haltbarer und tragfähiger als solche mit niedrigem RG-Wert.
Als Faustformel kann man sich merken, dass eine gute Kaltschaummatratze ein Raumgewicht vwon 40 bis 50 kg/m3 aufweist. Eine hochwertige und haltbare Kaltschaummatratze kennzeichnet ein RG-Wert von 50 bis 75 kg/m3, und High-End-Kaltschaummatratzen erreichen ein Raumgewicht von bis zu 85 kg/m3. Mit dem RG-Wert steigt auch das Gesamtgewicht der Matratze. Dennoch sollte an der Qualität des Schaumstoffes nicht gespart werden – ebenso wenig wie an der Dicke der Matratze. Wenngleich sich durch eine dünne Matratze ein paar Kilo einsparen lassen und auch die Kopffreiheit steigt, leidet doch der Schlafkomfort darunter. Denn es gilt: Je dicker die Matratze, desto besser kann sie Stauchungen vermeiden. Diese entstehen, wenn die Matratzenfüllung dem Druck des darauf liegenden Körpers nicht mehr nachgeben kann.

Der Unterbau
Eine gute Matratze ist aber nur die halbe Miete, erst ein geeigneter Unterbau sorgt für optimale Abfederung und Entlüftung des Bettes. Gerade letzteres ist wichtig, da jeder Mensch rund einen Liter Feuchtigkeit pro Nacht verdunstet, die im Laufe des Tages wieder aus dem Bett heraus müssen, sonst können sich Stockflecken und Schimmel bilden. Luftzirkulation und eine Unterfederung der Matratze bringt im einfachsten Fall der gute alte Lattenrost. Das wichtigste Bauteil daran sind die Federholzleisten, weil sie tragende Elemente sind. Entsprechend sollten sie in ausreichender Anzahl vorhanden, beweglich gelagert und im Bereich der Lendenwirbel in ihrer Härte verstellbar sein. Die moderne Alternative zum klassischen Lattenrost sind Federelemente aus Kunststoff. Beim Froli-System werden flexible KunststoffFederelemente zu einer Matte verclipst und bilden so eine unterlüftete Unterfederung der Matratze. Jede einzelne Feder passt sich „punktuell“ an die Körperkontur und das Gewicht an. Um dies optimal zu erreichen, gibt es die Kunststofffedern in unterschiedlichen Härten, zusätzlich lässt sich der Härtegrad jeden Federelements durch das Einsetzen von Spannkreuzen gezielt erhöhen.
Beim CaraWinx-Bettsystem von Lattoflex sitzen die elastischen Kunststoffelemente dagegen fest auf stabilen Querleisten aus GFK, die einem Lattenrost ähneln. Dank spezieller Gelenke ist der Unterbau in den verschiedensten Formen zusammensetzbar, wodurch sich CaraWinx nahezu überall nachrüsten lässt. Die „Sensoflügel“ sollen deutlich bessere Liege- und Einfederungseigenschaften als herkömmliche Lattenroste bieten sowie so die Wirbelsäule stützen und entlasten.
Doch die beste Unterfederung bringt ohne die passende Matratze wenig. So haben sowohl Froli als auch Lattoflex speziell auf ihre Kunststoff-Federelemente abgestimmte System-Matratzen im Programm.
Wer nur über wenig Platz in der Höhe verfügt, findet im Fachhandel auch relativ dünne Abstandsgewebe aus steifen Kunststofffasern zur Unterlüftung, die jedoch den Federungskomfort kaum erhöhen.
Federelemente aus Kunststoff sind die moderne Alternative zum Lattenrost

Zusatzbett
Pfiffig – das patentierte Zusatzbett von Camp-Sleep.   Foto: Hersteller

Pfiffig – das patentierte Zusatzbett von Camp-Sleep.

Die patentierten Zusatzbetten von Camp-Sleep verwandeln per Sperrholzplatte und Schaumstoffmatratze die Frontsitze zu einem weiteren Schlafplatz. So entsteht im Fahrerhaus – vom VW Transporter bis hin zu Ducato & Co. – ein zusätzliches Nachtlager, falls sich einmal unerwar- teter Besuch ankündigen sollte, für den im Wohnausbau keine Schlafgelegenheit mehr vorhanden ist.
Infos: www.campsleep.de

Das perfekte Bett
Wie also sieht ein optimales Bett im Reisemobil oder Caravan aus? Basis ist ein federnder und luftdurchlässiger Unterbau. Darauf kommt eine auf die persönlichen Anforderungen adaptierte Matratze, die genau so wie ihr Bezug atmungsaktiv sein soll. Doch selbst diese Minimalanforderungen sind oft nicht so einfach umzusetzen, wenn beispielsweise die Dinette nachts zur Schlafgelegenheit umgebaut wird oder bei Etagenbetten die Kopffreiheit so gering ist, dass ein optimaler Bettenbau nicht möglich ist.
Wenn die geringe Kopffreiheit einem optimalen Bettenunterbau entgegensteht, bieten sich als Lösung so genannte „Abstandsgewirke“ an. Diese Abstandsgewebe sind aus steifen Kunststofffasern gefertigt, die nur rund einen Zentimeter dick sind und trotzdem für eine ausreichende Unterlüftung der Matratze sorgen, jedoch den Federungskomfort kaum erhöhen.
Matratzenauflagen aus viscoelastischem Schaum gleichen dagegen Unebenheiten aus, die entstehen, wenn beispielsweise Sitzgruppen als Bettenunterbau verwendet werden. Diese drei bis fünf Zentimeter dicken Auflagen sind atmungsaktiv, fördern den Abtransport von Schwitzwasser und lassen sich tagsüber platzsparend zusammenrollen und somit leicht verstauen. Zum erholsamen Schlaf unterwegs gehören auch passgenaue Spannbetttücher sowie pflegeleichte Decken und Kissen. Vor allem bei den beiden letztgenannten gibt es hochfunktionelle Fasern wie beispielsweise Thinsulate, die leicht und sehr gut in puncto Klimaregulierung sind.

Probeliegen ist Pflicht
Trotz all dieses theoretischen Wissens um Materialien und Möglichkeiten beim Bettenbau führt kein Weg an einem abschließenden „Probeliegen“ vorbei – zu unterschiedlich ist das Komfortempfinden jedes Einzelnen, zu individuell gestalten sich die persönlichen Schlafgewohnheiten. Hier sollte man vor allem darauf achten, dass die Wirbelsäule in der persönlich bevorzugten Liegestellung – also auf der Seite bzw. auf dem Rücken – möglichst gerade ausgerichtet ist. Denn sowohl das Durchhängen auf einer zu weichen Matratze als auch das verkrümmte Liegen auf einem zu hart gepolsterten Bett verbiegt die Wirbelsäule. Die Folge sind Rückenschmerzen, Muskelverspannungen oder eingeschlafene Arme.
Doch auch die Größe des Bettes entscheidet über den Schlafkomfort. Als Faustregel für die Mindestmaße gilt: Die Liegefläche sollte mindestens zehn (im Idealfall zwanzig) Zentimeter länger sein als der Schläfer und ihm gleichzeitig auf jeder Seite zumindest fünf bis zehn Zentimeter Bewegungsfreiheit lassen – dann steht einer erholsamen Nachtruhe nichts mehr im Weg.

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