Berge bis zum Horizont – Balkan Teil 2 (Seite 1 von 2) von Dirk Schröder | Johannes Kühner (Guide)
Tourist Info
Deutsches Konsulat Albanien
Rruga Skenderbej 8 · Tirana
Tel. +355(04)2274505
www.tirana.diplo.de


Deutsches Konsulat Mazedonien
Lerinska 59 · 1000 Skopje
Tel. +389(02)3093900
www.skopje.diplo.de

Was war das doch für eine schöne Zeit in Mazedonien: Am Ohridsee sahen wir direkt hinter der Grenze das Kloster Sveti Naum und spazierten in Ohrid durch die Altstadt. Beide Orte stehen auf der UNESCO-Liste für schützenswerte Denkmäler. Nun fahren wir zurück nach Albanien, wo wir bei der Einreise wieder die gleichen Formalitäten wie zu Beginn unserer Reise erleben, als wir aus Griechenland kamen: Wieder zahlen wir für das Visum, weil es durch unsere kurze Ausreise nach Mazedonien verfallen ist. Wieder wird ein Dokument für unseren Wagen angefertigt, wieder legen wir unsere grüne Versicherungskarte und den Fahrzeugschein vor.
Die breite gute Straße hinter der Grenze windet sich über kargen braunen Boden durch eine Hügellandschaft. Wie in Gedanken herbeigesehnt, sehe ich schon an der nächsten Tankstelle einen Wasserschlauch im saftig grünen Gras liegen. Es bleibt keine Zeit mehr, den Blinker zu setzen, und schon steht unser Knaus vor einem Tankwart. Mit Zeichensprache wird schnell klar, dass wir nicht nur eine Flasche Wasser brauchen, sondern gleich den ganzen Tank voll.
Während unser Duschwasser nachläuft, versucht uns der dunkelhäutige Albaner zu erklären, dass der große Rohbau aus Beton nahe der Tankstelle ein Hotel werden soll und die Mauern daneben ein Einkaufszentrum. Der Alte löst auch das Rätsel, weshalb wir bisher so viele Mercedes gesehen haben. „Good quality!“, wiederholt er die beiden einzigen Brocken Englisch, als ein weißer alter Mercedes 240 vorfährt. Trotzdem gehören Eselkarren nach wie vor zum Straßenbild und transportieren alles, von Möbeln bis Mist.
Es ging aus der Straßenkarte nicht so deutlich hervor, dass sich die Straße auf der Hauptstrecke in Richtung Albaniens Hauptstadt Tirana durch die Berge um jede Biegung windet – schmal, ohne Seitenstreifen, ohne Befestigung. Ich bin auf der Hut und lasse lieber mal einen Bus vor, der den Gegenverkehr noch mehr beeindruckt als unser breites Wohnmobil.
Pünktlich zum Mittag taucht an der Strecke ein Restaurant auf, in dem ein Lamm schon knusprig braun gebraten an einem Spieß tropft und verführerisch lecker duftet. Der Blick von der verglasten Terrasse des Restaurants reicht weit in die grau-braune Bergwelt hinein, die karg und unwirtlich auf uns wirkt.

Großzügige Hauptstadt
Erst kurz vor Tirana rollen wir in eine Ebene ein. Die Straßen werden zwar gerade, doch schneller geht es trotzdem nicht voran, weil große Schlaglöcher unsere Geschwindigkeit reduzieren. Im Stau rollen wir durch die Vororte, in denen die Wohnblöcke höher sind als das Riesenrad im nahe gelegenen Vergnügungspark.
Die Fahrt durch Albaniens Hauptstadt ist einfacher als erwartet. Fast automatisch stoßen wir auf den zentralen Platz, der so riesig ist, dass wir sorglos unser Wohnmobil am Rand abstellen, um das Treiben in aller Seelenruhe aus dem Seitenfenster zu beobachten. Hier fahren mehr Mercedes als in Deutschland; einige davon sind als Taxen im Einsatz und fallen durch ihr knalliges Sonnenblumengelb auf. Da fährt ein flotter BMW Z4 neben Radfahrern und Eselskarren. Uns gegenüber erhebt sich spitz ein Minarett in den blauen Himmel. Nebenan war einst das Basarviertel, das dem großen Flachbau der Oper weichen musste. Daneben stehen weitere Monumentalbauten, so wie es Diktatoren lieben. Wir haben eine enge, ärmliche Stadt erwartet und sind erstaunt: Tirana präsentiert sich als pulsierende, leichtlebige, beschwingte Hauptstadt voller Kontraste.
Die 75 Kilometer bis Shkodra sind auf schnurgerader Straße in der fruchtbaren Ebene geradezu eine Erholung im Vergleich zu den ersten Zweidritteln der Strecke. Wir fahren durch Weideland – und Landschaften, in denen uns viel Müll auffällt. Selbst in Bachläufen und Flüssen liegt er herum. In Shkodra sind wir enttäuscht, dass es keinen Seezugang gibt. Wir hatten eine ähnlich schöne Uferpromenade wie in Pogradec am Ohridsee erwartet. So kaufen wir einem Fischer an der Straße einen Karpfen ab, bekommen ihn gleich pfannenfertig entschuppt und freuen uns auf den langen Sandstrand in Ulcinj. Im Restaurant Shqiponja, das unterhalb der Festung von Shkodra sehr schön am Fluss gelegen ist, trinken wir zum Abschluss noch einen Kaffee.
Wir verlassen Albanien mit einem freudigen Gefühl. Ein schwarzer Fleck auf der Landkarte hat an einigen Stellen Bilder bekommen. Wieder einmal haben wir die Erfahrung gemacht, dass es gut ist, die Bedenken anderer Menschen anzuhören und wachsam zu sein – dass es aber genauso wichtig ist, sich seinen eigenen Eindruck zu verschaffen. Wir haben mit einer positiven Einstellung das Land betreten und ausschließlich freundliche Menschen getroffen. Mehr noch: Albanien ist für uns ein Ziel für einen erneuten und längeren Urlaub – es gibt noch viel zu entdecken.

Tipp: Dubrovnik
Die malerische Altstadt von Dubrovnik.   Foto: Florin Stana | shutterstock.com

Die malerische Altstadt von Dubrovnik. Foto: Florin Stana | shutterstock

Die Stadtmauer von Dubrovnik im südlichen Zipfel von Kroatien gehört zweifelsohne zu einem der Höhepunkte bei einem Besuch. Das rund zwei Kilometer lange System aus dem Mittelalter ist so gut erhalten wie keine andere Festung in ganz Europa und umgibt die von der UNESCO geschützte Altstadt. Gegen eine Gebühr kann man die Mauer komplett begehen. Abseits davon lohnt sich ein Besuch des Stadthafens mit schöner Promenade an der Adria entlang. Außerdem locken das Dominikaner- und das Franziskanerkloster, die Kathedrale Mariä Himmelfahrt, die Kirche des Heiligen Blasius und der Fürstenpalast.

Sand und schwarze Berge
Die letzten 30 Kilometer zwischen Grenze und der Küste Montenegros gehören zum Typ Landstraße unterster Kategorie: ohne weiße Streifen, wellig und jedes Frühjahr wieder ausgebessert. Kurz: eine anstrengende „Eierei“, bis wir unseren Tag schließlich am Rande eines zwölf Kilometer langen Sandstrands mit einem Glas Wein beenden können.
Wir parken unser Wohnmobil unter Pinien mit Blick zum Meer, das sich im Horizont verliert. Das Wasser ist seicht, und bei einem Strandspaziergang kommen Erinnerungen an die Atlantikküste auf. Hier und da sind Strandrestaurants, Sport- und Freizeitmöglichkeiten eingerichtet, dann folgen lange Strecken nur wüstenhafter Sand. Die Strände reichen auf der einen Seite bis nach Albanien, auf der anderen Seite bis Ulcinj mit historischer Altstadt auf einem Felsen. So etwas ist an der Ostküste der Adria einzigartig.
Von unserem super Übernachtungsplatz, den es nur außerhalb der Saison gibt, kommen wir auf dem Weg nach Ulcinj unmittelbar an den fotogenen Hebelnetzen an der Flussmündung vorbei. Die Wassertropfen glänzen noch im Licht der Morgensonne.
Zur Hauptsaison hätten wir keine Chance, mit unserem großen Silverliner bis zum Hafenbecken vorzudringen. Nun aber steigen wir direkt neben den Fischerbooten aus dem Wagen. Hinter uns führt eine steile Stiege zur Altstadt hinauf. Uneinnehmbar thront der historische Stadtteil wie eine Festung auf dem Felsen. Zur Blütezeit war Ulcinj ein gefürchtetes Piratennest. Nach einem Erdbeben im Jahr 1979 wurden die Häuser wieder im traditionellen Stil aufgebaut und zum Teil als luxuriöse Hotels eingerichtet. In einem Restaurant auf einem großzügigen Platz stimmen wir uns auf die Altstadt ein und genießen den Weitblick über die Bucht. Zum Stadttor, das den Zugang von Land verriegeln konnte, werden die Gassen immer schmaler. An manchen Stellen passt noch nicht mal ein Eselkarren hindurch. Dahinter breitet sich der moderne Teil von Ulcinj aus, der sehr geschäftig wirkt. Ausgenommen der Hafenbereich. Wir setzen uns dort zu Einheimischen in ein Café und beobachten, wie sich ein Mann auf das frische Bad im Meer vorbereitet.
Wir nehmen die Adria-Magistrale nach Kotor. Diese Straße verläuft weitgehend an der Küste entlang und existiert erst seit 1973. Die rund 1.000 Kilometer lange Strecke (in Montenegro führt sie über die M2) gilt als eine der schönsten Küstenstraßen der Welt. Irgendwo hinter den Bergen muss sich der Skutarisee erstrecken, der zu den größten und fischreichsten des Balkans zählt. Wir passieren den Ort Bar, der sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einer Industrie- und Hafenstadt gemausert hat. Die alte Festungsstadt liegt etwas abseits der Hauptroute am Fuße gewaltiger Bergwände. Die Stadtmauern heben sich kaum vom Grau der Felsen ab. Wer nicht unbedingt von hier mit der Fähre nach Italien übersetzen möchte, fährt besser bis Budva weiter.

Ein Fjord wie in Norwegen
Viele Parkplätze umgeben dort die historische Altstadt. Es ist ratsam, sein großes Wohnmobil auf einem davon abzustellen – spätestens dort, wo auch Busse parken. Von hier sind es nur wenige Minuten zu Fuß durch den Hafen bis zu den Toren der Stadt. Enge Gassen, in die kaum ein Sonnenstrahl dringt, weiten sich unerwartet zu breiten Plätzen, auf denen meist eine Kirche steht und ein Restaurant die ideale Lage nutzt. Wir finden uns bald in einem gemütlichen Sessel wieder, genießen den Blick auf einen schlanken Glockenturm und einen hoch aufgetürmten Eisbecher auf unserem Tisch.
Wer Kotor am späten Nachmittag über die Passstraße ansteuert, erlebt die einzigartige Fjrodlandschaft neben der Straße in der schönsten Beleuchtung. Entlang der breiten Serpentinen besteht in Parkbuchten immer wieder die Gelegenheit, anzuhalten, um den eindrucksvollen Fjord mit seinen steilen, grauen Felswänden in Ruhe zu genießen. Vergleichbares gibt es wohl nur noch in Norwegen.
Die Parkplätze am Kai gegenüber dem Stadttor sind zu klein für Reisemobile, dort werden wir nicht eingelassen. Der nächste Busparkplatz befindet sich wenig davon entfernt neben der Stadtmauer und einem Wassergraben. Mehr als fünf Kilometer zieht die Stadtmauer im Zickzack einen steilen Hang hinauf, wo auf dem Wehrturm eine Fahne weht. Erst am Abend, wenn sie beleuchtet ist, wird das Ausmaß richtig sichtbar.

Stimmungsvoll beleuchtete Plätze
Bei einem Stadtbummel über das glattpolierte Pflaster scheinen die angestrahlten Mauern immer wieder zwischen den Häuserfluchten hindurch. Die Atmosphäre von Kotor ist zu dieser Zeit am schönsten: wenn Laternen für stimmungsvolle Beleuchtung auf den Plätzen sorgen, wenn Menschen die Cafés und Restaurants beleben, wenn Musik von den Wänden reflektiert wird. Das gesamte Ensemble steht auf der UNESCO-Liste schützenswerter Kulturdenkmäler. Nach dem Erdbeben 1979 wieder im Original aufgebaut, gibt es nichts Vergleichbares auf der Welt.
Bei einer Fahrt zum Lovćen-Pass hinauf wird die Schmetterlingsform des Fjords erst richtig deutlich. Zum Abkürzen gibt es bei Tivat an der engsten Stelle eine Fähre über den Fjord. Wer die Küstenstraße ausfährt, wird mit immer neuen Perspektiven belohnt. Einzigartig fotogen tauchen nach einer der unzähligen Kurven die beiden Kircheninseln bei Perast vor dem Wohnmobil auf. Woanders finden wir eine Kaffeehausterrasse über dem Wasser und große Boote bei Risan. Die Straße ist breit und gut zu fahren. Immer wieder weisen Schilder auf Badezugänge hin. „Es ist wert, jede einzelne Kurve gefahren zu sein“, lautet unser Fazit, als wir in Bijela am Fähranleger die wartenden Autos sehen.

Zu eng für Wohnmobile
Wer schon so weit in den Süden Europas gefahren ist, der darf Dubrovnik – die Perle der Adria in Süd-Kroatien – nicht verpassen. Von der Magistrale zeigt sich die Stadt von ihrer schönsten Seite. Ausflugsbusse legen in einer Parkbucht extra einen Fotostopp ein. Doch mit einem großen Wohnmobil sollte man vermeiden, in die Nähe der Altstadt zu fahren: Die Straße ist eng und die Parkplätze überfüllt. Bequemer geht es vom nahen Campingplatz: Von dort fährt ein Linienbus bis zum Stadttor.
Wer auf der Rückreise möglichst wenig hinter dem Steuer sitzen möchte, um die Inselwelt der Adria aus der schönsten Perspektive zu sehen, der wählt die Variante mit der Autofähre der Jadrolinja bis Rijeka. Über Istrien geht es dann flott retour. Preiswerter ist die Überfahrt ab Dubrovnik nach Italien, wo dann allerdings entsprechende Autobahngebühren auf der Heimreise anfallen. Doch wie auch immer die Entscheidung ausfällt: Mit Wehmut angesichts der Gastfreundschaft und der schönen Landschaften endet diese Reise durch die Balkanländer Albanien, Mazedonien, Montenegro und Kroatien allemal.

Tipp: Skutarisee
Gewässer mit 50 Inseln: der Skutarisee.   Foto: Aygul Sarvarova | shutterstock.com

Gewässer mit 50 Inseln: der Skutarisee. Foto: Aygul Sarvarova | shutterstock

Mit einer Länge von 48 und einer Breite von 14 Kilometern ist der Skutarisee der größte See der Balkanhalbinsel und steht als Reservat unter Naturschutz. Die Ufer sind fast durchgängig von Wasserpflanzen bewuchert; den einzigen Strand gibt es in Murici. Vom winzigen Ort Virpazar aus besteht die Möglichkeit, sich mit Booten auf den See und die etwa 50 vorgelagerten Inseln mit alten Klöstern und Festungen bringen zu lassen. Virpazar selbst hat ein paar Restaurants – mit Fisch direkt aus dem Skutarisee – und Cafés, ansonsten hält sich das touristische Angebot in Grenzen. Lohnenswert ist außerdem eine Fahrt um den See, denn die Straße verläuft häufig oberhalb des Gewässers, wodurch sich atemberaubende Ausblicke ergeben.

Seite 2 – Guide Albanien und Mazedonien mit Infos zur Anreise, besonderen Verkehrsbestimmungen, Campingplätzen, Wohnmobilstellplätzen und vielem mehr …

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