Der große Report: Klimaanlagen für Wohnmobil und Wohnwagen von Theo Gerstl

Hitzefrei
Weißer Sandstrand, die Sonne brennt vom blauen Himmel, und das Meer strahlt wie tausend Sterne. So sieht der perfekte Urlaubstag für die meisten von uns aus! Aber nur so lange, bis es zurück zum Stellplatz geht: Im geschlossenen Wohnwagen beziehungsweise Reisemobil staut sich die Hitze des Tages und sorgt für unerträgliche Temperaturen im Innenraum. Glücklich ist, wer jetzt eine Klimaanlage an Bord hat; sonst wird selbst das Umkleiden zur Qual und an einen erholsamen Schlaf ist auch nach stundenlangem Lüften noch nicht zu denken.

Dach- oder Stauraum-Klimaanlage?
Dachklimaanlage
+ Einfache und schnelle Montage
+ Kein Stauraum im Fahrzeug nötig
+ Einbau in fast jedem Fahrzeug möglich
+ Bedienelement im Gerät integriert
- Platzbedarf auf dem Dach
- Windgeräusche möglich (Mindestabstände einhalten!)
- Eventuell geringfügig höherer Treibstoffverbrauch
- Fahrzeug-Schwerpunkt verschiebt sich nach oben (Dachlast beachten)
- Geringfügige Verringerung der Stehhöhe im Innenraum
- Fahrzeughöhe wächst (Tunnel, Carport)
- Verteilung der Kaltluft nicht optimal steuerbar


Einbau-Klimaanlage
+ Schwerpunkt des Fahrzeuges bleibt unverändert
+ Fahrzeughöhe bleibt unverändert
+ Optimale Luftverteilung
+ Individuelle Klimatisierung verschiedener Räume möglich
- Stauraum im Fahrzeug nötig
- Umfangreichere Einbauarbeiten

Gefühlte Hitze & reale Temperatur
Selbst in gut isolierten Campingfahrzeugen steigt unter stundenlanger Sonneneinstrahlung die Temperatur enorm an: Schnell sind 30 Grad und mehr erreicht, und das nicht nur im heißen Süden sondern auch in gemäßigten Klimazonen. Dabei entspricht unser Wärmeempfinden noch nicht einmal den tatsächlichen Lufttemperaturen, entscheidend für unser Gefühl ist nämlich auch die Luftfeuchtigkeit. Ist diese hoch, wird die Wärme besonders stark wahrgenommen. Denn in feucht-warmem Klima kann der Schweiß – anders als bei trockener Hitze – nicht mehr verdunsten, um denKörper abzukühlen.
Was liegt also näher, als die Klimaanlage einzuschalten und die erfrischend kühle Brise zu genießen: Temperaturen von 18 bis 23 Grad und eine Luftfeuchtigkeit von 40 bis 70 Prozent empfinden wir als Wohlfühltemperatur, sagen die Experten – und warnen gleichzeitig, dass die Innenraumtemperatur maximal acht Grad unter der Umgebungstemperatur liegen sollte, sonst drohen Schnupfen und Co. Eine gute Klimaanlage muss also nicht nur die Raumluft abkühlen, sondern diese gleichzeitig auch entfeuchten.
Doch wie leistungsstark muss die Klimaanlage sein, um das Wohlfühlklima auch zu erreichen? Dafür gibt es leider keine allgemeingültige Formel: Zum ersten sind natürlich die klimatischen Verhältnisse vor Ort entscheidend – Skandinavien-Liebhaber benötigen logischerweise eine weniger starke Anlage als Reisende, die es regelmäßig nach Südeuropa zieht. Von Bedeutung ist aber auch die Größe des Fahrzeuges, entscheidet sie doch über den zu kühlenden Rauminhalt. Aber selbst gleich große Freizeitmobile stellen aufgrund ihrer verschieden großen Fensterflächen unterschiedliche Anforderungen an die Leistungsfähigkeit einer Klimaanlage: Am stärksten wird sie von vollintegrierten Fahrzeugen mit ihren riesigen Panoramafenstern gefordert, während bei Alkovenmobilen der Vorbau seinen Schatten auf die Frontscheibe wirft und der Innenraum dadurch weniger aufgeheizt wird. Die relativ kleinen und nahezu senkrecht stehenden Fenster eines Wohnwagens bereiten der Klimaanlage den geringsten Stress.Grundsätzlich haben die elektrisch betriebenen Klimaanlagen für Reisemobile und Wohnwagen eine geringere Kühlleistung als die vom Motor betriebenen Fahrzeugklimaanlagen. Das ist dem Umstand geschuldet, dass sie bei einer ansonsten zu starken Stromaufnahme die Sicherungen der Campingplatz-Steckdosen über ihre – oft bescheidenen – Grenzen hinaus belasten würden. Deshalb ist eine hohe Energieeffizienz beziehungsweise ein hoher Wirkungsgrad wichtig, um eine optimale Kühlleistung bei geringem Stromverbrauch zu erzielen.

Kompressor-Klimaanlagen
Die Doppelaufgabe, die Wohnraumluft nicht nur zu kühlen sondern auch zu entfeuchten – und das selbst bei sehr hohen Umgebungstemperaturen – schaffen Klimaanlagen mit Kompressortechnik am effektivsten. Entsprechend arbeiten die meisten Geräte nach diesem Funktionsprinzip, bei dem ein gasförmiges Kältemittel unter dem Druck eines Kompressors verflüssigt wird. Das flüssige Kältemittel wird dann zu einem Verdampfer geleitet, in dem es sich entspannt und wieder zu Gas wird. Dabei nimmt es Wärmeenergie aus der Umgebung auf und verringert so die Innenraumtemperatur. Anschließend strömt das Kältemittel wieder in den Kompressor, und der Kreislauf beginnt von vorne. Gleichzeitig wälzt die Kompressor-Klimaanlage die Raumluft um und entzieht ihr Feuchtigkeit.
Viele Kompressor-Klimaanlagen können aber auch das genaue Gegenteil – nämlich heizen. Dabei gibt es zwei technische Lösungen: Verfügt die Klimaanlage nur über ein einfaches elektrisches Heizelement, reicht die Wärmeleistung allenfalls für kühle Abende. Arbeitet die Klimaanlage dagegen mit Wärmepumpentechnik, die das Verfahren der Kompressor-Kühlung umkehrt und dann statt Kälte Wärme produziert, bleibt es auch in den Übergangszeiten mit Außentemperaturen rund um den Gefrierpunkt noch warm im Fahrzeug. Sinkt das Thermometer tiefer in den Minusbereich, kommt die Wärmepumpentechnik aber an ihre physikalischen Grenzen. Diesen Effekt kompensieren Kombi-Klimaanlagen, die neben der Wärmepumpentechnik über ein zusätzliches Heizelement verfügen.

Preiswerte Alternative
In gemäßigten Klimaregionen eine Überlegung wert – ein Dachventilator-System.   Foto: Hersteller

In gemäßigten Klimaregionen eine Überlegung wert – ein Dachventilator-System.

Wer in gemäßigten Klimaregionen bleibt, für den bietet sich ein Dachventilator-System an. Dies verzichtet zwar auf das Kühlaggregat, schafft aber zügig die gestaute Hitze aus dem Innenraum und ist deutlich preiswerter. Ein solches Gerät zum Nachrüsten ist beispielsweise die Maxxfan, die der Klimaspezialist Euram für 351 Euro im Programm hat. Sie wird anstatt der Dachhaube montiert, wiegt nur sechs Kilogramm und leistet einen Luftdurchsatz von 26 m³ pro Stunde.

Ein- oder Aufbaumontage?
Prinzipiell unterscheidet man bei den Klimaanlagen für Reisemobile und Caravans zwischen Geräten zur Dachmontage und solchen, die ihren Platz in Staukästen, der Heckgarage oder dem Doppelboden finden. Aufbauklimaanlagen werden auf die ohnehin vorhandene Dachluke montiert und blasen die kalte Luft über mehrere verstellbare Ausströmer an ihrer Unterseite in den Wohnraum. Dabei nutzen sie den physikalischen Effekt, dass kalte Luft eine höhere spezifische Dichte hat als warme und somit ganz von alleine nach unten sinkt – also dorthin, wo sie gebraucht wird. Die verschiedenen Größen der Dachluken werden durch entsprechende Einbaurahmen ausgeglichen.
Der einfachen Montage von Dachklimaanlagen steht die Verschiebung des Fahrzeugschwerpunktes nach oben als größter Nachteil gegenüber. Darüber hinaus kann es Probleme geben, wenn bereits andere Anbauteile auf dem Dach montiert sind, wie beispielsweise Satellitenschüsseln oder Dachboxen. Damit die Aufbauklimaanlage optimal arbeiten kann und während der Fahrt keine lauten Windgeräusche entstehen, sind Mindestabstände zwischen den einzelnen Aufbau-Komponenten einzuhalten.
Findet sich dagegen in den Stauräumen des Fahrzeuges noch genügend freier Platz, spricht einiges dafür, dort eine Stauraum-Klimaanlage zu montieren. Mit ihr bleiben der Schwerpunkt tief und damit die Fahreigenschaften unverändert. Die Verteilung der Kaltluft muss aufgrund der verdeckten Montage jedoch mit Hilfe von Luftrohren gesteuert werden. Aber der höhere Montageaufwand lohnt sich, da die Kaltluft optimal im Innenraum verteilt werden kann, sodass beispielsweise die Luftströme ganz gezielt in den Ess- oder Schlafbereich gelangen.
Zu beachten ist jedoch, dass die bereits vorhandenen Warmluftrohre der Heizung für den Luftstrom der Klimaanlage nicht verwendet werden dürfen. Denn die Warmluftrohre haben keine geeignete Isolierung zum Schutz gegen Kondenswasserbildung: An ihrer Außenseite würde sich beim Durchströmen der Kaltluft Feuchtigkeit bilden, was die Rohre selbst und auch die umliegenden Stauräume auf Dauer beschädigen würde.

Richtig kühlen
  • Stellplatz im Schatten wählen
  • Vor dem Einschalten der Klimaanlage kräftig lüften, um die gestaute Hitze aus dem Wohnraum zu entfernen
  • Sobald die Klimaanlage in Betrieb ist, Fenster und Dachhauben schließen Innenraum nicht zu stark herunter­kühlen (Erkältungsgefahr)
  • Bei Einbau-Klimaanlagen die Luftzirkulation unter dem Fahrzeug nicht durch das Anbringen von „Wohnwagen-Schürzen“ behindern

Woher kommt der Strom?
Kompressorklimaanlagen sind alles andere als Kostverächter, was den Stromverbrauch betrifft. Ohne Landsteckdose geht da erst einmal gar nichts, da sie generell mit 220 Volt arbeiten. Doch ihr hoher Anlaufstrom bringt sogar so manche schmalbrüstige Campingplatz-Sicherung zur Weißglut. Zwar wirken die Hersteller den Verbrauchsspitzen beim Einschalten der Klimaanlage mit technischen Finessen entgegen, sodass diese nur für Sekundenbruchteile auftreten. Sind aber noch zusätzliche Verbraucher in Betrieb, unterbricht die Campingplatz-Sicherung den Stromfluss. Diesem Effekt wirken spezielle, für den Klimaanlagenbetrieb ausgelegte Wechselrichter entgegen, die den kompletten Stromhaushalt an Bord überwachen. Stellt so ein Gerät eine begrenzte Leistungskapazität an der externen Energiequelle fest, wird diese durch Batteriestrom unterstützt, sodass Verbrauchsspitzen abgefangen werden. Auch während der Fahrt sorgen für den Klimabetrieb ausgelegte Wechselrichter dafür, dass die Klimaanlage betrieben werden kann. Sobald eine Entladung der Starter- oder Aufbaubatterie droht, schaltet der integrierte Ladestromverteiler die Klimaanlage ab. Wenn dann wieder genügend Lichtmaschinenleistung zur Verfugung steht, wird diese automatisch wieder eingeschaltet.
Der Betrieb einer Kompressor-Klimaanlage ohne externe Stromversorgung während der Standzeit – also ausschließlich über die Bordbatterie und Wechselrichter – macht jedoch keinen Sinn. Selbst eine kleine Anlage mit 1.000 Watt Leistungsaufnahme hat einen Stromverbrauch von immerhin 100 Ampèrestunden – das leisten selbst größere Batterien mit hoher Kapazität nicht lange. Wer Stellplätze in freier Natur ansteuern und trotzdem nicht auf den Betrieb der Kompressor-Klimaanlage verzichten möchte, hat die Möglichkeit, den aufgeheizten Innenraum kurzfristig herunterzukühlen und das Gerät dann wieder auszuschalten – oder sich zum dauerhaften Betrieb einen Stromgenerator anzuschaffen (Einen ausführlichen Bericht zur autarken Stromversorgung finden Sie hier: Der große Report: Energieversorgung für Wohnwagen und Wohnmobil).

Nischenlösungen
Solche Energieprobleme kennt die 12-Volt-Klimaanlage Ebercool Holiday III von Eberspächer nicht: Mit einer maximalen Stromaufnahme von 7,5 Ampère lässt sie sich auch längerfristig aus der Bordbatterie mit Energie versorgen. Die aus dem Lkw-Programm stammende und für den Einsatz im Freizeitbereich adaptierte Aufbauklimaanlage arbeitet jedoch nach dem Verdunster-Prinzip: In ihrem Gehäuse wird Luft über eine per Wasserpumpe befeuchtete Filtermatte geblasen. Das Wasser verdunstet dabei, und die entstehende Kühlung nutzt die Klimaanlage zur Verringerung der Innenraum-Temperatur.
Auf der Haben-Seite kann die Ebercool Holiday III neben dem niedrigen Stromverbrauch auch ihr geringes Gewicht von nur 19 Kilogramm verbuchen. Ihr Wirkungsgrad sinkt jedoch prinzipbedingt bei hoher Luftfeuchtigkeit stark: In trockener Hitze erzielen Verdunster-Klimaanlagen ihre beste Kühlleistung, während sie bei feucht-warmem Klima deutlich schwächeln und auch der Luft keine Feuchtigkeit entziehen. So stellt die Ebercool Holiday III eine einfache Nischenlösung zur autarken Kühlung dar – mit Abstrichen beim Komfort.
Ebenfalls eine Außenseiterrolle spielt das Klimaanlagen-Split-Gerät Eurom AC 2400, bei dem der Kompressor im Freien steht und der mit ihm über Schläuche verbundene Kondensator im Wohnraum. Dieses im häuslichen Bereich verbreitete Klimaanlagen-System des niederländischen Herstellers Eurom hat in Freizeitfahrzeugen den Vorteil, dass die Klimaanlage nur auf Reisen in heiße Länder mitgenommen werden muss, relativ wenig
Gewicht auf die Waage bringt und eine geringe Stromaufnahme von 350 bis 450 Watt hat – entsprechend niedrig fällt aber auch die Kühl­leistung aus.

Hersteller von Klimaanlagen*
www.airva.eu


www.dometic-waeco.de


www.eberspaecher.com


www.euram.com


www.euromac.nl


www.telecogroup.com


www.truma.com


*ohne Wertung und Anspruch auf Vollständigkeit

Für eine Marktübersicht "Klimaanlagen" im PDF-Format einfach auf den Link unter dem Foto klicken.

Für eine Marktübersicht “Klimaanlagen” im PDF-Format einfach auf den Link unter dem Foto klicken.


LINK: CAMP24-Marktübersicht | Klimaanlagen

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