Entlang der englischen Riviera – Cornwalll (Seite 1 von 2) von Ilona & Ernst-Jochen Metzler
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Deutsches Konsulat
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Nach 20 Jahren Abstinenz haben wir beschlossen, der großen Insel wieder einmal einen Besuch abzustatten. Inspiriert durch eine TV-Dokumentation – unterwegs mit dem Wohnmobil durch Cornwall – ist unsere Wahl schnell auf den Südwesten Großbritanniens gefallen. Steile Klippen, blaues Meer, endlose grüne Weiten – Cornwall erinnert im Sommer mehr an die französische Atlantikküste als das vorherrschende Bild über ein immer verregnetes England. Die Anreise planen wir mit der Fähre. Nach einer kurzweiligen Fahrt von Deutschland nach Frankreich legen wir in Calais ab. Unser Ziel: Dover. Nach Zoll und Passkontrolle trudeln wir gemächlich in nur 90 Minuten Fahrtzeit an der englischen Küste ein und haben dabei einen herrlichen Blick auf die berühmten Kreidefelsen von Dover.
Unsere erste Anlaufstelle in England ist einer der wenigen freien Stellplätze, ideal gelegen an der St.Margarets Bay am Dover Patrol Memorial vor oder nach der Überfahrt. Von hier aus haben Ankömmlinge einen besonders schönen Ausblick auf den regen Schiffsverkehr, zudem ist der Platz ein guter Ausgangspunkt für Erkundungen der näheren Umgebung, wie zum Beispiel die Parkanlagen des National Trusts. Am nächsten Morgen, gleich nach dem Frühstück, starten wir sportlich in den Tag und unternehmen eine kleine Wanderung am Rande der steilen Klippen von Dover. Zurück am Wohnmobil starten wir mit Elan und viel Sauerstoff im Blut in das Linksverkehr-Abenteuer. Wir entscheiden uns am Rand von Dover vorbei in Richtung Brighton Pier zu fahren. Zuerst auf einer der wenigen Autobahnen, dem Motorway M20, und dann schließlich an der Küste entlang. Leider müssen wir uns bald von der Vorstellung verabschieden, dass es im Süden Englands Küstenstraßen wie in Italien oder Spanien gibt. Statt Serpentinen mit Meeresblick geht es auf Stichstraßen in Richtung Meer. Viele dieser Straßen sind so schmal, dass das Manövrieren mit dem Wohnmobil zum Vabanquespiel wird. Besonders anspruchsvoll wird es, wenn uns alte, englische Doppeldeckerbusse entgegenkommen.
Wir bleiben unfallfrei. Vielleicht auch, weil wir unsere Tour vorab digital am heimischen Rechner nachgefahren sind. So waren uns die Tücken der Küstenstraßen nicht gänzlich unbekannt. Damit wir schnell unserem eigentlichen Ziel Cornwall näherkommen, nutzen wir die Schnellstraßen. Es geht zügig voran, und bald ist der bekannte Badeort Brighton erreicht. Direkt am Pier gibt es einen Stellplatz für Wohnmobile. Wir ergattern mit etwas Glück einen der schmalen und fast immer ausgebuchten Plätze. Mit Blick auf den berühmten Pier stehen wir unterhalb der Arkaden, keine fünf Minuten vom Zentrum entfernt.
Nun gilt es den Ort zu entdecken, vielleicht einen Pub zu besuchen. Also auf in die nächste Wechselstube. Wir tauschen unsere ersten Euro gegen englisches Pfund um. Zwei Sehenswürdigkeiten sollten Besucher des Badeorts gesehen haben: den Brighton Pier und die charakteristischen schmalen Gassen der Altstadt „The Lanes“. Den Abend beschließen wir bei einem Snack, einem Ale und englischem Fußball.
Immer in Küstennähe geht es weiter nach Südwesten. Auf dem Weg halten wir immer wieder, um interessante Ortschaften zu besichtigen. Sehr empfehlenswert, jedoch ohne passenden Stellplatz, ist die Swanage Bay, die einen schönen alten Hafen, Pier und Klippen vorweisen kann. Hier verbringen wir den Nachmittag. Wieder lädt der imposante Küstenstreifen zu einem Spaziergang ein. Zurück auf der Straße peilen wir in East Boldre den nächsten Stopp an. Über die Plattform Brit Stops, über welche einheimische Winzer, Bauern und Brauerreibetreiber Wohnwagen-Touristen kostenlos einen Stellplatz für 24 Stunden bieten, haben wir hier unser Nachtquartier gefunden. Der Chef vom ortsansässigen Pub weist uns einen Stellplatz hinter der Schenke zu. Wir verbringen einen schönen Abend und kommen ins Gespräch mit den Einheimischen.

Goldene Klippen erstrahlen in der Sonne
Am nächsten Morgen lassen wir das Frühstück im Pub aus und greifen auf unsere Verpflegung zurück. Gestärkt brechen wir auf in Richtung Jurassic Coast. Diese erstreckt sich bereits ab Swanage bis nach Exmouth, und einer ihrer schönsten Abschnitte liegt in der goldenen Mitte der Strecke – vielleicht auch deshalb der Name des Berges und gleichnamigen Holiday Parks „Golden Gap“. Malerische Straßen lotsen uns in die Nähe des Strandes, kurz davor am Anchor Inn biegen wir scharf links ab, um zum Park zu gelangen. Eine klasse Anlage mit einem unschlagbaren Panorama über die englische Küste. Am Abend erstrahlen die Klippen im warmen Sonnenlicht wirklich golden. Es ist wunderschön hier, wir bleiben zwei Nächte. Am Morgen machen wir uns wieder auf Wanderschaft, um den Golden Gap zu erklimmen. Der Weg ist beschwerlicher als angenommen. Mehrere Klippen wollen überquert werden, bis wir endlich am Ziel ankommen. Dort wartet eine Belohnung in Form von Versteinerungen, Fossilien sowie auch Fish and Chips.
Nach einer erholsamen Nacht zuckeln wir weiter an der Küste entlang, wo mehrere schöne Ortschaften warten: Exeter, Torquay, Totnes, Dartmouth oder Kingsbridge sowie unzählige Gärten und Schlösser. Unser nächster Anlaufpunkt ist ein Farm Camp, das wir per Zufall im Internet entdeckt haben. Direkt oberhalb der Looe Bay gelegen verspricht dieser Spot atemberaubende Ausblicke. Zuvor gilt es aber, die anspruchsvolle Route zu meistern. Hier schwitzt man wirklich Blut und Wasser. Die Straßen sind so schmal, dass einfaches rangieren zur Mammutaufgabe wird.
Unsere weitere Reise führt uns nun in einen der schönsten und größten Gärten in Cornwall, den „Lost Gardens of Heligan“. Gelegen in der Nähe von Pentewan beziehungsweise der Hafenstadt Mevagissey. Da wir einen vollen Tag in den Gärten eingeplant haben, übernachten wir auf dem benachbarten Heligan Woods Camping und Touring Park. Die Lage ist klasse, sodass wir nur eine Gartentür öffnen müssen und uns inmitten des Gartenparks befinden. Ein nah gelegenes Fischerdorf kann bequem zu Fuß oder mit dem Fahrrad, das man sich im Park gegen einen kleinen Aufpreis leihen kann, erreicht werden. Zu Fuß benötigen wir rund eine halbe Stunde, ehe wir am Dorf ankommen. Es lohnt sich auf alle Fälle Mevagissey zu besuchen, und wir haben sogar das Glück, das Karnevals-Fest mitzuerleben. Der Umzug war ein buntes und lautes Spektakel mit allem was dazugehört. Fußgänger sollten für den Heimweg an eine Taschenlampe denken. Unser anschließender Weg zu den zwei Landzungen im Süd-Südwesten von Cornwall führt uns über Truro und Falmouth auf ein weiteres Farm Camp. Dieses Mal ist der Weg nicht so beschwerlich, aber dafür etwas versteckt. Wir verfahren uns einige Male, bevor wir die im satten Grün strahlende Tregedna Farm erreichen. Nun gilt es die Ruhe zu genießen und Kraft für die bevorstehende Weiterfahrt zu tanken – denn wir haben uns vorgenommen, den Lizard Point, den südlichsten Punkt Englands zu erwandern. Gut ausgeruht fahren wir tags darauf über viele Nebenstrecken zur National Trust Teneriffe Farm Camping and Caravaning Site. Von dort aus wollen wir über den Southwestcoast Path den Lizard Point erreichen. Leider ist unser großer Wandertag wolkenverhangen und sehr nass – das erste Mal, dass wir hier echtes englisches Wetter erleben. Wir lassen uns die Laune nicht verderben, der Regenkleidung sei Dank. Auch wenn die mäandernden Wege anspruchsvoller sind, so ist allein die Aussicht rund um die Klippen alle Mühen wert. Zudem haben wir noch Seehunde zu Gesicht bekommen und ein vorzügliches Essen in einem kleinen Restaurant direkt am Lizard Point genossen.

Das Mekka der Surfer
Nach diesen wunderbaren und vielseitigen Eindrücken verlassen wir schweren Herzens die Südküste und wechseln quasi auf die Nordseite. Über die Autobahn A394-A30-A3071 fahren wir möglichst weit am Küstenrand übers Lands End entlang der alten Zinn­minen dem Freilichttheater The Minack Theatre. Unser eigentliches Ziel liegt weiter östlich am Beginn der Heritage Coast. Es sollte nämlich eigentlich das Künstlerstädtchen St Ives werden. Doch zum ersten Mal scheitern wir mit unserem großen Wohnmobil. Es gibt einfach keine Parkplätze, die uns aufnehmen mögen, keinen Stellplatz, der passt und zudem nur volle, beziehungsweise zu kleine Campingplätze in Stadtnähe. Da es schon spät geworden ist, fahren wir auf den Polmanter Touring Park St Ives. Als Ersatz und Strandtag-Besuch fahren wir ein Stück die Küste weiter, um hinter Newquay, dem Mekka der Surfer, zu stoppen. Wir halten endgültig auf dem Marver Camping Park. Hier richten wir uns ein und planen unsere Weiterfahrt nach Tintagel.
Über viele Buchten, tief ins Land reichende Klippen und kleine Fischerhäfen erreichen wir schließlich King Arthur´s Land in Tintagel. Für alle Freunde von Ritterfilmen, der berühmten Tafelrunde von Camelot ein absolutes Muss. Sicher, es ist schon sehr touristisch hier – das alte Post-Gebäude und der Hotelnachbau von Schloss Camelot – aber trotzdem eine Besichtigung, vor allem des Castle Felsens, wert. Wir behalten den Ort als schön und kitschig in Erinnerung und verlassen die „Cornish Riviera“. Trotzdem bleiben wir an der Küste, denn das Wandern auf dem Küstenpfad hat es uns angetan. So viel Landschaft, Ruhe, Natur und frische Luft, einfach herrlich. Deshalb steuern wir als nächstes Hartland an und fahren vor zum Hartland Quay, um von dort aus zum Hartland Point und Leuchtturm zu wandern. Das alte Wrack, das dort vor der Küste liegen soll, kann man mit bloßem Auge gar nicht mehr erkennen. Hier empfiehlt sich eindeutig ein Fernglas.

Die Jugend steckt in Neoprenanzügen
Unser Weg bringt uns nach Bideford Bay. Hier finden wir in Appledore direkt am Quay des River Torridge einen Park- und Stellplatz. Zuvor haben wir uns einmal mehr wagemutig in den Straßenverkehr geschmissen. Der Linksverkehr macht uns mittlerweile gar keine Schwierigkeiten mehr, aber die schmalen, engen Nebenstraßen stellen uns in regelmäßigen Abständen vor größere Herausforderungen mit unserem Wohnmobil. Zum Glück ergeht es nicht nur uns so. Auch viele andere Caravaner, die wir auf unserer Tour durch Cornwall treffen, berichten von ihren teils abenteuerlichen Fahrmanövern. So geriet die Ankunft in Bideford Bay zu einem echten Manövrierakt. Denn auf einer der Nebenstraßen kam uns wie aus dem Nichts ein anderes Wohnmobil entgegen. Im Schneckentempo sind wir aneinander vorbeigeschlichen – mehr als ein Blatt Papier hätte wohl nicht mehr zwischen die Fahrzeuge gepasst. Aber: Alles gut gegangen. Angekommen lassen wir uns bei schönstem Wetter treiben und schauen der Jugend zu, die im Neoprenanzug den kühlen Wassertemperaturen trotzt und sich ohne mit der Wimper zu zucken halsbrecherisch von der Kaimauer in den Fluss wirft. Wer genug von „Seemannsköppern“ hat, wechselt das Metier und fängt flussaufwärts Krebse. In den schönen kleinen Sträßchen von Appledore finden sich viele kleine Läden, Pubs und natürlich Fish and Chips oder leckere Eiscreme. Über der Flussmündung erleben wir einen tollen Sonnenuntergang und beobachten den Schiffsverkehr insbesondere von den großen Mannschaftsruderbooten. Am nächsten Tag geht es weiter in Richtung Nordwesten an der Bristol Bay entlang. Ein besonderer Ort soll hier der Ort Lynton-Lynmouth sein, der gleich an zwei Flüssen liegt. In West Lyn finden wir einen netten Campingplatz. Zu Fuß gehen wir ins Tal und schauen uns bei einem ausgedehnten Spaziergang um. Zu empfehlen ist besonders das Flusstal des Est Lyn Rivers. Hier gibt es auch einen Wasserfall.

Cornwall – das Land der Rosamunde-Pilcher-Filme
Nächster Stopp ist das „The Bell Inn“ an der A36 vor Salisbury. Hier nutzen wir wieder das Brit-Stop-Angebot. Wir lassen uns einmal mehr durch die Straßen treiben, um das Örtchen kennenzulernen. Die Stadt ist ganz schön, aber außer einer Kathedrale gibt es keine wirklichen Sehenswürdigkeiten. Hauptsächlich gibt es Shopping Mals und alte Stadttore zu sehen. Wir ziehen weiter zu unserem letzten Brit Stop an die Normans Bay und finden am „Star Inn“ einen guten Parkplatz für unser Wohnmobil. Ein uriges Lokal mit Biergarten und einer Inneneinrichtung, als befände man sich auf einem Piratenschiff. Hier machen wir unser obligatorisches Abschlussessen, gehen zum letzten Mal an den Steinstrand und verabschieden uns von Südengland. Am nächsten Tag wartet auf uns die Fähre zurück ans französische Festland.
So schnell vergehen drei Wochen im Süden Englands, Devon und Cornwall mit vielen schönen Eindrücken und bleibenden Erinnerungen. Das Land der Rosamunde-Pilcher-Filme war auf alle Fälle die Reise wert, und sicherlich hat uns die große Insel Britannien nicht das letzte Mal gesehen. Ob es wieder 20 Jahre dauert? Bestimmt nicht!

Tipp: National Trust Touring Pass
Ob spektakuläre Kunstsammlung oder beeindruckende Viktorianische Architektur – mit dem National Trust Touring Pass erhalten Besucher Eintritt zu einzigartigen Häusern, Schlössern sowie Gärten und damit einen faszinierenden Einblick in die englische Kultur und Geschichte. Der Touring Pass beinhaltet den Eintritt zu über 300 herrschaftlichen Anwesen in ganz England. Zum Pass gibt es einen hilfreichen und informativen Reiseführer. Auf einer Übersichtskarte sind alle National-Trust-Standorte eingezeichnet. Der Touring Pass kann online über die Seite des britischen Fremdenverkehrsamt bestellt werden. Erwachsene zahlen 36 Euro, für Familien mit Kindern unter 18 Jahren kostet der Pass 72 Euro.
Tipp: St Ives
St Ives ist für viele der Inbegriff Cornwalls und gilt als schönster Ferienort an der englischen Westküste. Die typischen Backsteinhäuser, die sich eng an den Hafen schmiegen, die farbenprächtigen Fischerboote sowie die wunderschöne Aussicht auf die Umgebung von einem der vielen grünen Hügel machen den Ort zu einem wahren Kleinod. Berühmt wurde der Fischerort um 1900, als sich hier zahlreiche Künstler niederließen, um sich von der Natur inspirieren zu lassen. Zunächst Maler wie William Turner, später Künstler wie Terry Frost und Patrick Heron. Heute ist die berühmte Tate Gallery St Ives weit über England hinaus bekannt und macht mit ihren modernen Ausstellungen sogar London Konkurrenz.

Seite 2 – Guide Cornwall mit Infos zur Anreise, besonderen Verkehrsbestimmungen, Campingplätzen, Wohnmobilstellplätzen und vielem mehr …

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