Sonnendach, Markise und Vorzelt für Wohnmobil und Wohnwagen von Theo Gerstl

Vom Sonnendach zum Vorzelt
Schon ein einfaches Sonnendach oder eine komfortable Markise erweitern den Wohnraum ins Freie – ist man unter ihnen doch vor der gleißend herunterbrennenden Mittagssonne ebenso geschützt wie vor der Nässe eines kurzen Regenschauers. Entsprechend groß ist das Angebot.

Sonnendach – preiswert und simpel
Mit Einstiegspreisen von unter einhundert Euro bieten Sonnendächer den günstigsten Witterungsschutz, gleichzeitig spricht ihr geringes Gewicht von gerade einmal ein paar Kilogramm für sie. Dem gegenüber steht ein recht hoher Aufwand beim Aufbau. Bis solch ein Dach endlich steht, sind mehrere Arbeitsschritte nötig: Da es im Innenraum transportiert wird, muss es am Urlaubsort erst einmal entpackt, dann auseinandergefaltet und schließlich am Fahrzeug befestigt und abgespannt werden. Die Verbindung mit dem Caravan wird durch das Einschieben in dessen Kederleiste hergestellt, die Befestigung an Campingbussen erfolgt entweder mit großen Saugnäpfen an der Karosserie oder mittels einer Stange im Hohlsaum des Sonnendaches und Schraubenschellen an der Regenrinne des Fahrzeuges. Auf der gegenüberliegenden Seite sorgen zwei bis drei Aufstellstangen und das Abspannen mit mehreren Schnüren sowie Heringen für sicheren Stand.

Manuelle Markisen – die Einstiegsklasse
Zwischen den Sonnendächern und den klassischen Kurbelmarkisen sind die manuellen Markisen angesiedelt. Sie verzichten auf einen Kurbelmechanismus und im Fall der Sack- beziehungsweise Etuimarkisen auch auf ein stabiles Gehäuse, glänzen dafür aber mit geringen Preisen ab rund 300 Euro und niedrigem Gewicht ab rund sechs Kilogramm.
Die Besonderheit der Sack- beziehungsweise Etuimarkisen besteht darin, dass sie nicht mit dem Fahrzeug verschraubt, sondern bei der Erstmontage in die Kederleiste des Campers eingezogen werden. Dies bedeutet zwar zunächst ein wenig Aufwand, der aber auch nur einmal zu bewerkstelligen ist. Das Dachtuch befindet sich zusammen mit den Stützfüßen und Spannarmen zusammengerollt in einem Markisensack. Am Stellplatz angekommen wird die Markise von Hand ausgerollt, wobei die Stützbeine und Spannarme automatisch ausschwenken. Genau so funktionieren auch manuelle Kastenmarkisen, doch werden diese mit dem Fahrzeug verschraubt, während die Sackmarkisen jederzeit wieder abgenommen werden können – beispielsweise beim Verkauf des Fahrzeuges.
Da praktisch alle Wohnwagen, aber nur wenige Reisemobile, über eine Kederleiste verfügen, finden Etuimarkisen vor allem bei Campern Verwendung, während bei Reisemobilen auch die einfachen manuellen Markisen in einem starren Gehäuse untergebracht sind.

Kurbelmarkisen – die Klassiker
Der Aufbau gestaltet sich bei einer klassischen Kurbelmarkise natürlich nochmals deutlich einfacher – lässt sie sich doch quasi im Handumdrehen aus- und einfahren. Allerdings erhöht sie das Fahrzeuggewicht – je nach Ausführung – um bis zu 65 Kilogramm. Und zuletzt bleibt da auch noch der Preis: Bei Kurbelmarkisen darf man – je nach Größe – ab rund 500 Euro aufwärts für manuelle und ab etwa 1.250 Euro für elektrisch betriebene Versionen rechnen.
Das Programm der marktbeherrschenden Hersteller dieser großen Schattenspender – Dometic-Waeco, Fiamma und Thule – umfasst eine Vielzahl unterschiedlicher Markisen-Modelle, deren Gehäuse entweder auf dem Dach oder an der Seitenwand fest montiert werden. Ausschlaggebend für den Ort der Anbringung sind die Dachform, vom Fahrzeughersteller vorgegebene Befestigungspunkte und die Frage, ob sich die Einstiegstüren auch bei ausgefahrener Markise noch öffnen lassen. Passende Adapter zur Montage an den unterschiedlichsten Fahrzeugformen – vom Camper über den Kastenwagen bis zum Alkovenmodell – lassen sich problemlos finden.

Aufbau ohne Tücken
Konventionelle Markisen-Konstruktionen, ob nun manuell ausgerollt, gekurbelt oder per Elektromotor entfaltet, stützen sich auf Teleskopstangen ab, die vorne in der Abschlusskante des Auszugstuchs eingeklinkt sind. Diese werden in der Regel senkrecht auf den Boden gestellt und mit Abspannschnüren und Erdnägeln fixiert, damit die Markise nicht schon vor dem ersten Windstoß kapituliert. Doch das funktioniert nur auf weichem Untergrund, nicht aber auf Asphalt oder Pflastersteinen: In diesem Fall werden die Stützfüße in angeschraubte Aufnahmen an der Karosseriewand eingehakt.
Nähert sich eine Schlechtwetterfront, sollte die Markise vorsorglich mit Sturmbändern gesichert werden. Außerdem kann es nicht schaden, Wasseransammlungen auf der Markise vorzubeugen, indem man zusätzliche Spannstangen anbringt oder durch „schiefes Aufstellen“ für ein Gefälle sorgt, über das Regenwasser ablaufen kann.

Freitragende Markisen
Alternativ und voll im Trend sind freitragende Markisen, die auf Stützfüße komplett verzichten. Bei diesen Modellen sorgt ein hoch belastbares Schultergelenk in den Spannarmen für Stabilität. Der Vorteil dieses Konzepts: Auf der „Terrasse“ vor dem Reisemobil stören keine Stützfüße und ein Stolpern über die dünnen und in der Dämmerung leicht zu übersehenden Abspannschnüre gehört der Vergangenheit an.
Allerdings lastet bei freitragenden Markisen das gesamte Gewicht an den Befestigungspunkten am Fahrzeug, entsprechend solide muss die Fahrzeugwand verstärkt werden. Zur unverzichtbaren Serienausstattung einer stützenlosen Markise gehört ein Elektroantrieb, kombiniert mit einem „Windsensor“, der in der Abschlusskante installiert ist. Diese Technik stellt sicher, dass die Markise bei aufkommendem Wind automatisch einfährt. Da ein Abspannen bei freitragenden Markisen nicht möglich ist, wird diese Sicherheitseinrichtung benötigt – falls man beispielsweise bei einem plötzlich aufkommenden Gewitter nicht „zuhause“ ist oder vor dem Schlafengehen das Einziehen vergessen hat.

Die Markise wird zum Vorzelt
Mit optionalen Seiten- und Frontelementen mutiert die Markise im Bedarfsfall zum leichten Vorzelt. Das bietet dann nicht nur weitestgehenden Witterungsschutz, auch der Wohnraum erweitert sich spürbar nach draußen. Ein Vorzelt schafft zusätzlichen Stauraum, in ihm kann man sich ungestört umziehen, und selbst das Kochen mit all seinen ungeliebten Geruchsnuancen lässt sich hierher verlegen.
Aufgrund seiner kurzen Aufbauzeit – das Zeltdach steht ja bereits dadurch, dass die Markise ausgefahren ist – und seiner Variabilität ist das Markisen-Vorzelt für Kurzaufenthalte ideal: Bei Sonnenschein ein luftiger, schattiger Platz, der bei Schlechtwetter schnell und ohne großen Aufwand zum geschlossenen Zusatz-Zimmer wird. Zu beachten ist, dass die Seiten- und Frontelemente in verschiedenen Höhen angeboten werden – und die muss zur Montagehöhe der Markise passen.

Vorzelte – die Alleskönner
Vom schweren, aber massiven Caravan-Vorzelt für Wintercamper bis hin zum leicht aufbaubaren Kastenwagen-Vorzelt mit aufblasbarem „Gestänge“ – es gibt nichts, was es nicht gäbe. Beschränken wir uns der Übersichtlichkeit halber auf die Vorzelte für Reisemobile. Gegenüber den Markisen-Vorzelten haben diese den Vorteil, dass das Zelt stehen bleiben kann, wenn das Fahrzeug auf Ausflugsfahrten geht. Das Auf- und Abbauen mit dem entsprechenden Zusammenpacken entfällt also, und auch der Stellplatz ist nicht verwaist, sobald man auch nur zum Einkaufen fährt.
Die Verbindung zwischen Vorzelt und Reisemobil stellt eine Verbindungsschleuse her, die am Fahrzeug angebracht wird und die möglichst wind- und wasserdicht sein sollte. Werden Zelt und Reisemobil getrennt, sorgt eine verschließbare Rückwand für einen geschlossenen Innenraum.
Beim Kauf sollte auch hier darauf geachtet werden, dass die Befestigungshöhe des Vorzelts zur Höhe des Reisemobils passt. Ebenso wichtig ist, dass Größe und Ausstattung den Anforderungen und den Reisegewohnheiten entsprechen. Beispielsweise sollte man sich darüber im Klaren sein, wie viele Personen regelmäßig in trauter Runde im Vorzelt zusammensitzen sollen oder ob ein Innenzelt für zusätzlichen Schlafraum sorgen muss.
Für Campingbusse und Kastencamper sind Heckzelte eine weitere Möglichkeit, den Wohnraum nach draußen zu erweitern. Da auch hier bei der Montage die Abmessungen des Zeltes mit jenen des Fahrzeuges kompatibel sein müssen, bietet der Zubehörmarkt maßgeschneiderte Heckzelte beispielsweise für den VW Transporter oder den Fiat Ducato an.

Vielfältiges Zubehör
Ob Markise oder Vorzelt, erst mit passendem Zubehör laufen beide zu ihrer Höchstform auf. Entsprechend umfassend ist die Palette an sinnvollen Accessoires: vom Funk-Wandschalter für Elektromarkisen über LED-Lichtkits bis hin zum „Wetterkit“ mit Abspannmaterial. Für den Boden gibt’s ausrollbare Vorzeltteppiche oder zusammensteckbare Roste – sie sind jeweils perforiert, damit Schmutzpartikel durchfallen und man sie nicht in den Innenraum des Campers hineinträgt. Schlafkabinen sorgen schließlich für eine Moskito-freie und vor Bodenfeuchte geschützte Nachtruhe im Vorzelt.

Markisenpflege
In der Regel wird die Markise vor der Heimfahrt einfach eingerollt – feucht oder gar nass, inklusive Staub und Schmutz. Versteckt in ihrem Kasten wird sie nach der Ankunft zuhause und bei der jetzt fälligen Fahrzeugreinigung gerne vergessen. Auf jeden Fall sollte sie so schnell wie möglich, spätestens am ersten sonnigen Tag, zum Säubern und Trocknen wieder ausgefahren werden.
Die Reinigung erfolgt mit viel Wasser aus dem Gartenschlauch und einem Feinwaschmittel sowie Schwammtüchern oder einem Wischmop. Nicht zu empfehlen sind die Hochdruckreiniger der Autowaschanlagen, da sie zu aggressiv mit dem feinen Markisenstoff umgehen. Diesem schadet es auch, Flecken trocken auszubürsten, denn dadurch könnte seine Oberfläche beschädigt werden.
Sollte der Markisenstoff einen Riss abbekommen haben, lässt sich dieser mit einem guten PVC-Kleber oder mit speziellen Reparaturkits aus dem Fachhandel kitten. Speziell bei älteren Markisen schadet es auch nicht, sämtliche Gelenke, Scharniere und die Seitenklappen des Gehäuses mit Kriech- bzw. Multifunktionsöl einzusprühen. Anschließend die Markise ein- und ausfahren, damit sich das Öl gleichmäßig verteilt.

Wer liefert was?*
Markisen


Dometic Waeco International GmbH
Hollefeldstr. 63 · D-48282 Emsdetten
Tel. 02572-879195
www.dometic.de/rv


Fiamma SpA
Via S. Rocco, 56 · I-21010 Cadarno al Campo (VA)
www.fiamma.com/de


Thule nv
Kortrijkstraat 343 · B-8930 Menen
Tel. +32-56-528899
www.thule.com



Vorzelte


Brand Zelte
Jahnstraße 33 · D-32361 Preußisch Oldendorf
Tel. 05742-9400
www.brand-zelte.de


Brunner Outdoor
via Buozzi, 8 · I-39100 Bolzano
Tel. +39-0471-542900
www.brunner.it/de


Euro Trail
(auch Sonnendächer)
Postbus 131 · NL-3640 Mijdrecht
www.eurotrail.info


Herzog GmbH
(auch Sackmarkisen und Sonnendächer)
Max-Eyth-Str. 8 · D-74366 Kirchheim am Neckar
Tel. 07143-89440
www.herzog-freizeit24.de


Isabella Vorzelte
Max-Planck-Str. 4 · D-34253 Lohfelden
Tel. 0561-512033
www.isabella.net/de


Outwell Vorzelte | Oase Outdoors
Kornvej 9 · DK-7323 Give
Tel.: +45-70228500
www.outwell.com


Vaude Sport
Vaude Straße 2 · D-88069 Tettnang
Tel. 07542-53060
www.vaude.com


Ventura
Max-Planck-Str. 4 · D-34253 Lohfelden
Tel. 0561-512033
www.ventura-camping.com/de


Walker Campingstyle
Florijn 3 · NL-5751 PC Deurne
Tel.: +31-493-314828
www.walker-zelte.de


Wigo Zelte
(auch Sackmarkisen und Sonnendächer)
Industriestr. 35–37 · D-37235 Hessisch Lichtenau
Tel. 05602-917380
www.wigo-zelte.de



Sonnendächer


Taubenreuther
(z. B. Rhino Rack Foxwing)
Taubenreuther GmbH
Am Schwimmbad 8 · 95326 Kulmbach
Tel. 09221-95620
www.taubenreuther.de


Movera GmbH
(Eigenmarken, Sonnendächer, made by Wigo)
Holzstraße 21 · D-88339 Bad Waldsee
Tel. 07524-7000
www.movera.com



Verkauf | Versandhandel


Der Freistaat
Ohmstraße 16 · D-85254 Sulzemoos
Tel. 08135-937100
www.derfreistaat.de


Frankana Caravan und Freizeit GmbH
Südstraße 4 · D-97258 Gollhofen
Tel. 09339-9713600
www.frankana.de


Movera GmbH
Holzstraße 21 · D-88339 Bad Waldsee
Tel. 07524-7000
www.movera.com


Reimo Reisemobil-Center GmbH
Boschring 10 · D-63329 Egelsbach
Tel. 06103-400521
www.reimo.com


Fritz Berger GmbH
Fritz-Berger-Str. 1 · D-92318 Neumarkt
Tel. 09181-330159
www.fritz-berger.de



* ohne Wertung und Anspruch auf Vollständigkeit

VN:F [1.9.20_1166]
Artikelbewertung
Bewertung: 0.0/5 (0 Stimmen)

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *



9 − = 6

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>