Deutschland erFahren – Mecklenburger Seenplatte von Inge Gaebel
Reisebegleiterin Mali
Der Trio Style ist mein!   Foto: Inge Gaebel

Der Trio Style ist mein!

Mali entspannt
Für Mali ist die Reise durch die Mecklenburger Seenplatte aus Hundesicht die reine Freude. Zwar muss sie im Nationalpark an der Leine bleiben, außerhalb jedoch springt sie froh herum und erkundet all die spannenden Düfte. Uferbereiche haben es ihr angetan, und natürlich ist sie froh, dass diese Tour lange Spaziergänge und Radtouren mit sich bringt. Im Reisemobil schlägt sie sich dann den Bauch voll, sinkt ermattet auf ihrer Decke vor dem Beifahrersitz nieder, schließt die Augen und interessiert sich für nichts mehr. Museen? So ein Quatsch!

Mecklenburgs Reichtum
Claire und Wolfgang verdrehen alle Wörter, glucksen verschossen herum, ergötzen sich an ihrer Umgebung, lachen lauthals, tanzen zart und wild. Verliebt entflieht das Paar dem monotonen Alltag, reist für drei Tage mit dem Zug nach Rheinsberg. Albern liegen sie im Boot, erzählen Fremden wilde Märchen, treten unverheiratet als „Ehepaar Gambetta“ auf. Amüsiert lese ich Tucholskys erste Erzählung „Rheinsberg – ein Bilderbuch für Verliebte“. Die wilde Liebe der beiden ist frech, ironisch und provokativ beschrieben. Und es ist tatsächlich ein wortgewaltiges „Bilder“-Buch, das Schloss Rheinsberg, den Grienericksee und die Umgebung drum herum aufs Trefflichste bebildert.

Schloss Rheinsberg
Von Berlin anreisend ist Schloss Rheinsberg „Pflicht“, und es erwartet mich dort eine erlesene Tucholsky-Literatur-Ausstellung, die mich sofort in ihren Bann zieht (Mühlenstraße 1 Rheinsberg). Sein Schreibtisch, allerlei Originale und eine Darstellung seiner Lebensentwicklung mit passenden Zitaten und Fotografien ergeben ein umfassendes Bild des Schriftstellers. Politisch war er links-intellektuell, nahm kein Blatt vor den Mund und legte sich deutlich und zuweilen sarkastisch auch mit Machthabern an: „Satire hat eine Grenze nach oben: Buddha entzieht sich ihr. Satire hat auch eine Grenze nach unten. In Deutschland etwa die herrschenden faschistischen Mächte. Es lohnt nicht – so tief kann man nicht schießen.“ Das klingt auch heute ganz richtig so.
Wenige Pforten weiter dann der Eingang zum eigentlichen Schloss Rheinsberg. Die einst mittelalterliche Wasserburg wurde zum Vorzeigeschloss des Friederizianischen Rokokos und war sogar Vorbild für das Schloss Sanssouci. Der Alte Fritz war hier noch ein junger Friedrich und verbrachte seine wohl glücklichsten Jahre hier, frisch verheiratet und noch frei von den Lasten des Regierens. Natürlich nutze ich die Gelegenheit, so viel wie möglich vom Schloss zu sehen. Abends dann erleben Mali und ich es noch von der anderen Seite des Sees und erfreuen uns an der prächtigen Lage.

Anschluss eines Weltenbummlers
Gleich am Schloss Rheinsberg treffe ich auf Winfried. Der ehemalige Flugkapitän der Lufthansa ist mit seinem VW-Bus unterwegs. Ganz entspannt fährt er drei Monate durch Deutschland, darüber hinaus hat der 77-Jährige noch je einen Abstecher nach Polen und Frankreich auf dem Plan. Das klingt recht abenteuerlich, doch im Gespräch merke ich schnell, dass er noch weit mehr in sich trägt. Er erzählt mit Begeisterung von seinen Reisen. Als Kind früh auf eigene Faust in die Welt gezogen, machte er bald aus seiner Reiseleidenschaft einen Beruf. Und anders als sonst manch ein Pilot oder eine Flugbegleiterin entspannte er sich nicht am Pool des schicken Hotels in irgendeiner Großstadt, sondern packte sein Säckel und bereiste lieber die abgelegensten Ecken dieser Welt: Borneo, Kolumbien, Botswana, Namibia, russische Republiken, China, USA und wer weiß, wo er noch überall war. Am Abend bekomme ich die spannendsten Geschichten von Buschmännern zu hören, von Kopfjägern und nordafrikanischen Völkern … Er hat seinen PC dabei, und so tauche ich ein in eine Welt voller farbenfroher Bilder, Kinder- und runzelig-alten Gesichtern, Gnus und Krokodilen, Felsenmalereien und Unterwassergetier, Bergabrissen und Sümpfen. Zusätzlich kann er Fontanes „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ zitieren … kurz und gut: Wir beschließen, für ein paar Tage parallel zu reisen. Mali erfreut es auch, denn die beiden haben sich angefreundet und albern vor den Reisemobilen herum, während ich mal wieder für einen mehr kochen darf – so lohnt es sich auch, Leckeres einzukaufen.
Knapp südlich des Labussees biegen wir von der B 122 Richtung Mirow ab, das ist das nächste Ziel. Im 3-Königinnen-Palais stillen wir den kulturellen Hunger und landen am Ende bei leckerem Kaffee auf der Seeterrasse, ruhen die Füße aus (Schloßinsel 2a, 17252 Mirow). Ein Rundgang außen führt uns zur kleinen Liebesinsel, die vor allem Mali begeistert, die ihren Energiestau in Bewegung umsetzt und wie eine Wilde herumrast. In der Johanniterkirche steigen wir Etage für Etage aufwärts, die Ausstellung erzählt über den Orden, seine Ursprünge und das Wirken der Johanniter bis heute. Im Dachgeschoss brüten die Falken, und so sammeln sich zur Fütterung die Besucher vor der Bildschirm am Eingang. Die Webcam zeigt die flauschigen Küken und das wachsame Elternteil, da bleibt kein Auge mehr für Rettungsdienste.

Ausflugstipps
Auf dem Wasser
Mit der blau-weißen Flotte schippert es sich prächtig auf Müritz und Co. Romantische Fahrten mit gastronomischer Versorgung, Linienfahrten mit oder ohne Fahrrad, eine Entdeckertour mit dem Kutter oder einfach vorbeiziehen an Dörfchen, Wäldern und Auen.
Info: www.schifffahrt-mueritz.de


Der König der Lüfte …
… ist an der Mecklenburger Seenplatte immer wieder gut zu sehen. Die besten Spots finden sich im Naturpark Nossentiner-Schwinzer-Heide, in Krakow am See (Obersee), südlich von Röbel und bei Federow: Unbedingt das Fernglas einpacken!
Info: www.erlebe-mv.de/natur/adler.htm

Neustrelitz
Ein Abstecher nach Neustrelitz über die B 198 bringt einen reizvollen Bummel durch die barocke Residenzstadt mit sich, Schlossgarten, Orangerie, Schlosskirche; ein Essen beim leckeren Italiener rundet die Stadttour ab. Via Mirow geht es wieder gen Westen, nach Rechlin. Dort erfülle ich mir nun einen Traum und chartere endlich eine Segeljolle. Der Himmel ist bedeckt, doch es weht eine kleine Brise, und so genießen wir einige Stunden auf der Müritz, kreuzen und halsen und erfreuen uns an Wind und Wellen. Mali ist mit an Bord und genießt, nachdem sie ihre Angst überwunden hat, den kleinen Törn. Der Campingplatz Boek nimmt uns für die Nacht auf, eine heiße Dusche und ein leckeres Abendessen beschließen den Abend. Morgens tauche ich gleich erst einmal in den See, bevor wir wiederum mit zwei Fahrzeugen aufbrechen.

Klosterkirche Malchow
Über Stuer am Südrand des Plauer Sees geht es nach Malchow. Dorthin zieht es uns wegen der Klosterkirche (17213 Malchow). In der Region sind viele Kirchen in Backsteingotik ausgeführt, doch diese ist etwas ganz Besonderes. Sie thront nämlich nicht nur reizvoll über See und Städtchen, sondern beherbergt ein Orgelmuseum mit erlesenen Exemplaren. Von hier aus starten Mali und ich zu einer Wanderung rund um den Petersdorfer See. Wir brauchen viel länger als die angegebenen fünfeinhalb Stunden, müssen wir doch zwischendrin spielen, toben und baden. Abends treffe ich wieder auf Winfried, und wieder reisen wir mit seinem VW-Bus und meinem Transit TrioStyle parallel weiter. Auch die weiteren Reiseabschnitte planen wir mit dem gut recherchierten Tourguide „Mecklenburgische Seenplatte“ aus dem Reise Know-How-Verlag, mit dem ich schon in anderen Ländern gute Erfahrungen gemacht habe.

Waren, Malchin, Güstrow
Das schöne Städtchen Waren ist eine Hochburg unter den vielen besuchenswerten Orten der Mecklenburgischen Seenplatte. Dort lockt vor allem das Müritzeum, DAS Museum zur Mecklenburger Seenplatte (Zur Steinmole 1, 17192 Waren). Es lohnt sich, hier genügend Zeit einzuplanen. Und – selten genug – diesmal darf Mali mit hinein. Sie bekommt für 2 Euro eine Hundeeintrittskarte, ich im Gegenzug ein Hunde-Merkblatt und einen Schietbeutel für den Fall der Fälle. Das haben wir noch nie erlebt, normalerweise müssen die Vierbeiner draußen warten. So gefällt es uns jedoch besser, und wir stürzen uns gemeinsam in die Natur-Erlebniswelt des Museums. Ein Stadtrundgang zeigt uns anschließend die vielen Skulpturen, vor allem Bildhauer Walther Preik gestaltete das Stadtbild mit, ein Restaurant findet sich auch, und der Fisch schmeckt prima.
Über kleine Sträßchen ziehen wir nördlich bis Malchin und dann gegen den Uhrzeigersinn um den Kummerower See. Hier wollte ich eigentlich noch einmal aufs Wasser, nun zum Paddeln, doch der Wind ist heute so eiskalt, dass ich gerne darauf verzichte. Es fegt derart, dass man kaum vor dem Wohnmobil sitzen kann. So wird es stattdessen eine lange Wanderung entlang des Sees, zu Malis Glück. Zwei Füchse sind die visuelle Ausbeute, die nun am späten Abend auf Mäusejagd sind, Wasservögel kreischen, und ich bin mir nicht ganz sicher, ob das eben nicht doch ein Adler war! Nach einer Übernachtung auf dem sehr sympathischen Campingplatz Sommersdorf ziehen wir anderntags weiter, nördlich um den See in Richtung Teterow. Hier trennen uns unsere Wege, jeder zieht in seine Richtung weiter.
Über Teterow fahre ich nun nach Güstrow, um mich dort an Backsteingotik, dem klassizistischen Rathaus und den prächtigen Bürgerhäusern zu erfreuen. Mali läuft fleißig mit, später muss sie im TrioStyle warten, wenn ich ins Ernst-Barlach-Museum gehe (Heidberg 15, 18273 Güstrow). Der Schriftsteller, Zeichner und Bildhauer hat ein umfangreiches Werk hinterlassen. In der Ausstellung des Realisten und Expressionisten sind auch Zeichnungen von Alfred Kubin zu sehen, es gibt viele Parallelen zwischen den beiden Künstlern.

Auf Richtung Heimat
Die Rückfahrt führt über Goldberg Richtung Plau am See. Hier bleibt auf dieser Tour nur noch ein Tag und es kommt wieder Wehmut auf. In Plau reicht es immerhin noch zu einem Gang auf dem Turm mit der Uhr aus dem 16. Jahrhundert, doch dann geht es wieder heimwärts.
Mali und ich waren diesmal begleitet von „meinem“ Reimo, Winfried und dem Mecklenburg-Know-How-Reiseführer, der sich als gut recherchiert und fundiert erwiesen hat. Die Mecklenburger Seenplatte gehört mit zu den schönsten Reisezielen in Deutschland. Ob mit dem Hausboot unterwegs, mit dem Rad auf einem der Uferrandwege, zu Fuß im Müritz-Nationalpark oder durch kleine Dörfchen mit dem Reisemobil: Genießen wird man hier alle Strecken, der Blutdruck sinkt, der Puls entschleunigt, Entspannung pur.

Reisemobilstellplätze und Campingplätze
Marina Wolfsbruch Best Western Plus
Wolfsbruch 3 · D-16831 Rheinsberg
GPS: 53°10’49,5‘‘ N / 12°54‘0,4‘‘ O
Tel. 033921-88711
Stellplatz direkt am Hafen mit Rasengittersteinen; Preise: 10 Euro/Nacht bis 7 Meter, 15 Euro/Nacht über 7 Meter Fahrzeuglänge; Stromanschluss, Hunde erlaubt, Ver- und Entsorgungsmöglichkeiten vorhanden, Restaurants und Bäcker auf der Anlage, Waschmaschinen/Trockner vorhanden.
www.marina-wolfsbruch.de


Stellplatz Schlossparkplatz
Herrensteig · D-17252 Mirow
GPS: 53°16‘34‘‘ N / 12°48‘46‘‘ O
Tel. 039833-2800
Gebührenfreier Stellplatz für 5 Fahrzeuge. Ruhige Lage im Grünen; kein Strom, keine Wohnmobile über 8 Meter; Wasser, Entsorgungsmöglichkeiten und Chemie-WC-Leerung vorhanden.
www.mirow.m-vp.de


Campingplatz Boek
Müritzstraße 51 · D-17248 Rechlin
GPS: 53°19’46,8‘‘ N / 12°43’18,4‘‘ O
Tel. 0398253-21261
180 Stellplätze für Zelte, Caravans und Wohnmobile auf einer von Wald umgebenen Wiese; Sanitärgebäude, Strom, Entsorgungsmöglichkeiten, Kiosk, Spielplatz, Surf- und Kanubasis, eigener Badestrand, einzige Kitesurf-Strecke auf der Müritz; Wohnwagen pro Nacht ab 7 Euro in der Hauptsaison.
www.campingplatz-boek.de


Naturcamping Malchow am Plauer See
Zum Plauer See 1 · D-17213 Malchow
GPS: 53°29‘31‘‘ N / 12°22‘23‘‘ O
Tel. 039932-49907
Direkt am Ostufer des Plauer Sees inmitten der Mecklenburgischen Seenplatte gelegen; Angelraum, Babybad, Badestrand, Behindertenbad, Biergarten, Fahrradvermietung, uvm.; Stellplatz mit Caravan in der Hauptsaison 8,95 Euro/Nacht.
www.campingtour-mv.de/malchow


Camping- und Wohnmobilpark Sommersdorf
Am Kummerower See · D-17111 Sommersdorf
GPS: 53°47‘55‘‘ N / 12°52‘32‘‘ O
Tel. 039952-2973
Inmitten der Mecklenburgischen Schweiz am Kummerower See in ruhiger und idyllischer Lage; Baby- und Kinderbad, Badestrand; Entsorgungsmöglichkeiten, Komfortstellplätze, moderne Sanitäranlagen; in der Hauptsaison 8,70 Euro/Nacht mit Caravan oder Wohnmobil.
www.campingtour-mv.de/sommersdorf


Caravan Camping Hubert in Goldberg
Badestrand 6 · D-19399 Goldberg
GPS: 53°36‘26‘‘ N / 12°6’19,7‘‘ O
Tel. 038736-43940
Naturnahes Campen in familiärer Atmosphäre am westlichen Rand des Naturparks Nossentiner/Schwinzer Heide am Hochufer des Goldberger Sees; Stellplatz inkl. Pkw 5 Euro/Nacht; Strom, Hunde erlaubt, keine saisonalen Preisunterschiede, frei wählbare Stellplätze, Verleih von Rädern, Kanu und Boot.
www.camping-hubert.de


Inselcamping Werder
Wendorf 8 · D-17214 Alt Schwerin
GPS: 53° 29‘7‘‘ N / 12°19‘21‘‘ O
Tel. 039932-42074
Campingplatz auf der Insel Werder mitten im Plauer See; 13 Reisemobilstellplätze (10,80 Euro/Nacht/2 Personen); Aufteilung in FKK- und Textilbereich, Sanitäranlagen, Brötchenservice, Gasflaschentausch, Billardkneipe.
www.insel.camping-alt-schwerin.de

Das Reisemobil
Der Reimo Trio Style – klein genug für die schönsten Stellplätze.   Foto: Inge Gaebel

Der Reimo Trio Style – klein genug für die schönsten Stellplätze.

Reimo Trio Style
Der Transit Custom erweist sich auch auf dieser zweiten Reise als komfortabel. Trotz der geringen Größe ist er sehr komplett ausgestattet, hinter dem Beifahrersitz ist sogar ein klappbares E-Bike angeschnallt. Zwischen diesem und dem ausgeklappten Bett komme ich noch durch. Apropos »Bett«: Man schläft auf der Rückseite der Sitzbank und damit auf einer ebenen und gut gepolsterten Fläche. So wird die Nacht tatsächlich zur Erholung. Angenehm ist auch die großzügige Batteriekapazität, denn obwohl der Kompressorkühlschrank fleißig läuft, muss ich nicht einmal ans Netz. Die Tischplatte hat ihren Platz unter dem Heck des Bettes, das ist etwas unpraktisch, sie sitzt aber klapperfrei und fest und lässt sich mit verschiedenen Füßen entweder schwenkbar im Fahrzeug oder auch draußen aufstellen – das macht es wieder wett. Insgesamt ein durchdachtes Modell, praktisch für den Alltag und bequem im Urlaub.
Infos: www.reimo.com


Basisfahrzeug Ford Transit

  • Chassis: Ford Transit Custom
  • Motorisierung: 114 kW; 2,2 l Diesel
  • Baujahr: 2014
  • Länge: 4.972 mm
  • Breite: 2.032 mm
  • Höhe: 2.190 mm
  • Leermasse: 1.975 kg
  • Zul. Gesamtgewicht: 3.100 kg
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