Erholung pur – Kreta (Seite 1 von 2) von Michael Strobel
Deutsches Konsulat Kreta
Honorarkonsulin der Bundesrepublik Deutschland
Digeni Akrita 1 · 73100 Chania/ Kreta
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Gleißende Sonne. Traumhafte Strände. Saftiges Gyros. Mildes Olivenöl. Fangfrischer Fisch. Und der Geruch des Meeres: Als sich unsere Fähre im Sonnenuntergang der Insel Kreta nähert, tauchen all diese Bilder vor dem inneren Auge auf. Der Blick schweift zum Festland; sind das dort – ganz in der Nähe des Fähranlegers in Souda – etwa schon die ersten Sandstrände, an denen wir unseren Erholungsurlaub beginnen werden?
Acht Stunden sind wir mittlerweile auf dem Wasser: Nach einer ruhigen Nacht auf einem Campingplatz in der Nähe von Piräus machten wir uns schleunigst auf zum Hafen – denn zwei Stunden vor Abfahrt um 12.00 Uhr sollten wir uns dort einfinden. Nun haben wir das Brummen des Motors und das Rauschen der Wellen im Ohr, als wir bei Chania auf Kreta das Schiff verlassen und uns einen Stellplatz suchen – natürlich direkt am Meer. Die ausgewählte Option etwas außerhalb der Stadt Chania in Agii Apostoli stellt sich als optimal heraus – eine kleine Bucht mit Meer auf beiden Seiten des Stellplatzes! So schön kann Urlaub sein!
Und am nächsten Morgen bekommen wir sie auch schon: die ersten kulinarischen Genüsse: Es ist Samstag, und wir fahren auf den Wochenmarkt nach Chania. Welch große Auswahl wir dort vorfinden! Obst, Gemüse, diverse frische Gewürze, Honig, Olivenöl, Wein und fangfrischen Fisch! Mit etlichen vollgepackten Tüten fahren wir zurück zum Stellplatz und frühstücken ausgiebig, später brechen wir noch einmal auf zum venezianischen Hafen von Chania. Der Weg dorthin und wieder zurück ist ziemlich chaotisch und verwinkelt; wir sind froh, wieder auf normale Straßen zu kommen.

Idylle statt Menschenmassen
In unserem Urlaub auf Kreta – so haben wir uns vor der Reise entschieden – wollen wir viele Strände anfahren. Und uns einfach erholen. Wo es uns gefällt, wollen wir schließlich ein paar Tage länger bleiben. Auf unserer Liste steht der Superstrand von Falassarna an der Westküste, etwa 50 Kilometer von Chania entfernt. Leider steigt dort heute eine Beach-Party, sodass wir uns ein Plätzchen etwas abseits suchen müssen. Bei Limeniskos werden wir fündig – zwar ohne Sandstrand, dafür aber schön an Steinklippen gelegen und ganz idyllisch in einer verlassenen Gegend.
Unser Frühstück – frische Pfannkuchen – bereiten wir direkt am Strand zu. Eigentlich wollen wir danach testen, wie traumhaft der Strand von Falassarna in Wirklichkeit ist. Das Wasser schimmert tatsächlich in verschiedenen Blautönen, und der Sand erstreckt sich meilenweit am Ufer entlang – aber der Ort ist leider voller Menschen. Am nächsten Morgen werden wir früher dort sein und ein paar Runden schwimmen, wenn es noch nicht so überfüllt ist. Heute kehren wir lieber auf unseren abseits gelegenen Strandabschnitt zurück. Denn klares Meerwasser zum Schnorcheln finden wir auch dort.
Durch das Hinterland auf teilweise sehr engen Straßen, aber mit herrlichen Aussichten, brechen wir über Platanos, Sfinari und Keramoti auf nach Elafonisi – unser nächstes Strand-Ziel. Nach zwei Stunden Fahrzeit für 50 Kilometer kommen wir an. Die Tagesausflügler brechen gerade auf, die herrliche Bucht wird nun ebenso herrlich leer: Gerade einmal sechs Wohnmobile verlieren sich auf dem Gelände. Wir warten noch ein bisschen und suchen uns einen schönen strandnahen Stellplatz für die nächsten drei Tage.

Spaziergang zur Insel Elafonisi
Am ersten Tag an diesem neuen Ort ist Entspannung am Traumstrand angesagt. Früh morgens sind wir noch ganz allein und genießen die Stille und Einsamkeit. Gegen 11.00 Uhr treffen die ersten Busladungen mit Touristen ein. Leider weht den ganzen Tag über ein starker Wind; das Sonnenbaden macht nicht richtig Spaß. Bei einem Spaziergang entdecke ich aber einen alten Bootsanleger, an dem das Meer mehrere Meter tief und von Felsen umrahmt ist – dort lässt es sich hervorragend schnorcheln. Wir kehren mit unserer Ausrüstung dorthin zurück und sehen einige Fische, aber sehr fischreich ist das Meer hier nicht. Später in unserer Bucht bei Elafonisi entdecke ich immerhin noch einen Tintenfisch unter einem Felsen und hole meine Kinder, damit sie sich den Kerl auch mal ansehen können – schließlich hat noch keiner vor ihnen einen live gesehen.
Vor dem Strand liegt die vorgelagerte Insel Elafonisi, die dem Ort seinen Namen gibt. Als wir nach einer Wanderung dort ankommen, sind wir fast allein hier und entdecken herrliche Schnorchelreviere.
Mittlerweile hat sich der Hauptstrand gefüllt. Man kommt sich vor wie in Rimini, alle Liegen und Sonnenschirme sind nummeriert, und die Besitzer kassieren fleißig ab – sieben Euro für einen Schirm mit zwei Liegen. Ein Rettungsschwimmer erzählt, dass er mit einem einzigen Kollegen für den gesamten Strand zuständig ist – und täglich etwa 6.000 Besucher!
Um dem Trubel zu entkommen, gehen wir zur Bootsanlegestelle nach Paleochora. Da das Wasser gleich hinter dem Steg mehrere Meter tief ist, können wir dort ins Meer hechten und mehrere hundert Meter am Strand entlangschnorcheln. Die Fischausbeute ist jedoch
gering. Bei einem türkisfarbenen Strand­abschnitt klettern wir aus dem Wasser, um uns zu erholen. Am nächsten Tag wird es Zeit, wieder aufzubrechen in Richtung Chania. Unser Navi zeigt uns für rund 70 Kilometer eine Fahrzeit von zwei Stunden an – es wird also wieder eine schwierige Fahrerei. Und tatsächlich geht es mit unserem Mobil zunächst durch die Berge auf engen Straßen an steilen ungesicherten Abhängen vorbei, ehe wir nach rund 30 Kilometern wieder auf gut befahrbare Straßen kommen.

Altstadt voller Tavernen
Zu Fuß statt mit dem Fahrzeug schlendern wir in 15 Minuten in die Altstadt und zum alten Hafen von Chania – denn Parkplätze sind dort Mangelware! Eine Taverne reiht sich an die andere, die Gassen sind voller Menschen. Das ist eher nichts für uns; einfach zu stressig. Den Hafen und die Gässchen sollte man mal gesehen haben, mehr aber auch nicht. Nach kurzer Fahrzeit sind wir wieder in der uns bekannten Bucht von Agii Apostoli und finden auch gleich wieder einen schönen Parkplatz direkt am Meer.
Nach einer Shoppingtour in der Stadt machen wir uns auf nach Plakias auf der anderen Seite der Insel, wo angeblich die Möglichkeit besteht, bei einer Taverne kostenfrei direkt am Strand unter Bäumen zu stehen. Nach einer teils abenteuerlichen Strecke durch die Berge und ihre Dörfer kommen wir nach einem kurzen Wasser-Tank-Stopp in Souda im Süden der Insel an. Der Parkplatz der Taverne ist belegt, der Wirt gibt uns aber einen Stellplatz auf der Rückseite des Gebäudes und teilt uns mit, dass wir nach vorne umparken können, wenn die Badegäste wieder weg sind. Die Bucht und der Strand sind herrlich, sodass wir eigentlich ein paar Tage bleiben könnten.
Wir vertreiben uns die Wartezeit mit einem Frappé – einem griechischen kalten Kaffee – und gehen in der Taverne lecker essen. Als wir uns danach an den Strand stellen möchten, weist uns eine Mitarbeiterin darauf hin, dass wir dort lediglich über Nacht stehen können und uns morgen wieder hinter die Taverne stellen sollen, um Platz zu machen für griechische Touristen. Das sehen wir überhaupt nicht ein und entschließen uns, die Nacht hier zu verbringen und morgen weiterzufahren. Die Vorschusslorbeeren anderer Reiseberichte für diesen Ort können wir nicht nachvollziehen. Anscheinend möchte der Wirt nur Wohnmobile in der Nebensaison bei sich stehen haben, um noch ein paar Einnahmen zu generieren.
Wir wollen zeitig an den Strand vom Ammoudie aufbrechen: Es ist Sonntag und mit großem Andrang zu rechnen. Unter schattenspendenden Bäumen finden wir einen Stellplatz und machen es uns am Strand gemütlich. Die Bucht ist traumhaft; es gibt eine kleine Kantina und eine Stranddusche. Lediglich die Steinplatten im Wasser erschweren das Ein- und Aussteigen aus dem Meer. Wir unterhalten uns mit unseren griechischen und englischen Nachbarn, und der Tag vergeht wie im Flug.

Bergtour, Tiere und Ruinen
Da es schon wieder windig ist, entschließen wir uns kurzfristig weiterzufahren und einen anderen Platz zu suchen. Unsere Fahrt geht zunächst in die Berge über Lefkogia durch die wunderschöne Schlucht Kourtaliotis, ehe wir auf einer Ebene eine schöne Strecke erreichen. Wenig später zweigen wir von der Hauptstraße ab, kommen durch Spili und Akoumia. Die Straßen sind dort so eng, dass wir fast stecken bleiben. Für Wohnmobile über sieben Meter Länge ist diese Route nicht zu empfehlen!
Wenige Kilometer später erreichen wir den Strand von Triopetra. Stellplätze ohne Ende und auch Tavernen, Kantinas und Duschen wären vorhanden. Eigentlich ein Traumstrand; wenn der Wind – beziehungsweise Sturm – nicht wäre. Er schüttelt unser Wohnmobil kräftig durch, und wir fühlen uns am Strand wie sandgestrahlt. Vielleicht haben wir mehr Glück in Komos, einem vier Kilometer langen Sandstrand?
Auf dem Weg dorthin finden wir in Kamilari eine super Wasserstelle und parken letztlich an einer Klippe unter Bäumen – direkt neben einer Ausgrabungsstätte, für welche die Gegend bekannt ist: Der Strand um Komos herum darf nicht bebaut werden, weil er sich in einer archäologischen Schutzzone befindet. Auch Tavernen gibt es nur wenige. Von einer davon – Mystical View – haben wir in Reiseberichten gelesen. Und tatsächlich: Sie liegt oberhalb einer Bucht, hat eine herrliche Aussicht und gutes Essen.
Nach dem Essen fahren wir noch in das nahegelegene Dorf Matala und parken an einer Einfallstraße. Bekannt ist der Ort für seine Wohnhöhlen: Hippies hatten sich in den 1960er-Jahren angesiedelt und eine Kommune gegründet – auch Cat Stevens, Bob Marley und Joni Mitchell sollen dazugehört haben.
Der Sandstrand von Komos ist herrlich, das Meer schön sauber. Lediglich ein paar Steinplatten am Ufer trüben das Vergnügen. Drei junge Männer machen sich am Nest einer Caretta-Caretta-Schildkröte zu schaffen – aus gutem Grund: Die Schildkröte hat ihre Eier zu nahe am Wasser gelegt. Damit sie nicht fortspülen, werden sie umgebettet. Wir verbringen einen schönen Tag am Meer und genießen unseren Urlaub. Abends grillen wir direkt an den Ausgrabungsstätten des alten Hafens von Festos.
Um an unser nächstes Ziel – Paleochora im Südwesten – zu gelangen, müssen wir zunächst den kompletten Weg nach Chania zurückfahren. Wir machen einen Zwischenstopp in Spili am Fuße einer steilen Felswand inmitten herrlicher wald- und baumreicher Umgebung. Bekannt ist Spili für seinen venezianischen Löwenbrunnen – aus 25 Löwenköpfen sprudelt kühles Wasser aus den Quellen oberhalb von Spili. Wir spazieren durch den schön herausgeputzten Ort und genehmigen uns einen Frappé in der Nähe des Brunnens. Als Übernachtungsort entscheiden wir uns für unseren bekannten Strand bei Agi Apostoli.
Nach der Fahrt durch die Berge finden wir in Paleochora einen strandnahen Stellplatz, trotzen dem Sturm und gehen ins herrlich klare, aber auch relativ kühle Meer. Am Abend besuchen wir das Touristenörtchen mit vielen engen Gassen und entsprechender Infrastruktur: Cafés, Tavernen, Souvenirshops. Wir essen leckere Holzofenpizza im Restaurant »Odyssia« direkt am östlichen Hafen.

Paradies für Schnorchler
Da es nachts teilweise recht stürmisch ist und auch am Morgen der Wind nicht nachlässt, frühstücken wir im Wohnmobil. Die Bucht weiter östlich soll windgeschützter sein. Wir fahren am Camping Paleochora vorbei auf eine gut befahrbare Schotterpiste; von dort sind es nur zwei Kilometer bis zum Anidri-Beach. Dort gibt es keine Stellmöglichkeit für ein Wohnmobil, aber auf dem Weg dorthin finden wir ein schönes Plätzchen – zwar nicht windgeschützt, aber der Strand besteht aus großen Kieselsteinen. Wir verbringen dort einen angenehmen Tag; trotz teilweise starken Wellengangs. So viele Fische wie hier haben wir beim Schnorcheln sonst nirgends zuvor auf Kreta gesehen.
Zum Abschluss unserer Reise soll es noch einmal für vier Tage nach Elafonisi gehen. Die Entfernung von Paleochora beträgt Luftlinie geschätzte 15 Kilometer, aber es führt kein direkter Weg dorthin. Wir müssen also zunächst in die Berge zurück. 60 Kilometer sind so in 90 Minuten zu bewältigen. Als wir in Elafonisi ankommen, ist es bereits dunkel, aber unser Stellplatz vom letzten Mal ist frei. Wir genießen unsere verbleibende Zeit im Sand, beim Fußballspielen, beim Schnorcheln und lassen es uns einfach gutgehen.
Als wir den Ort verlassen müssen, werfen wir einen wehmütigen Blick zurück in diese Traumbucht. Auf dem Rückweg kaufen wir noch einmal Honig bei einer netten alten Dame, die wir schon zweimal beehrt haben. Wieder übernachten wir auf unserem bekannten Platz in Agi Apostoloi, und wieder essen wir Gyros im Restaurant Thraka, wo wir schon öfter gewesen sind.
Für die Überfahrt zurück aufs Festland besorgen wir Brot bei einem Bäcker und treffen wenig später am Hafen von Souda ein, wo unsere Fähre bereits wartet. Bevor wir auffahren, frühstücken wir noch in aller Ruhe. Uns ist zwar bewusst, dass unser Urlaub mit der Rückfahrt und Zwischenstopps in Serbien und Österreich weitergeht und somit noch nicht ganz zu Ende ist. Und doch werden wir wehmütig. Kreta hielt für uns traumhafte Strände bereit. Und gleißende Sonne. Und saftiges Gyros. Und mildes Olivenöl. Und fangfrischen Fisch.
Immerhin den Geruch des rauschenden Meeres – den haben wir auch auf unserer achtstündigen Rückfahrt noch um uns. So verweilen wir wenigstens in Gedanken noch ein bisschen länger auf dieser schönen Insel.

Tipp: Iraklio
In Griechenlands viertgrößter Stadt und der größten auf Kreta sind bis heute zahlreiche Bauwerke aus der venezianischen Zeit zu sehen: Die Hafenfestung Koules aus dem 16. Jahrhundert beispielsweise ist mitsamt ihrer Lagerhallen erhalten, ebenso wie die 5,5 Kilometer lange Fes­tungsmauer mit ihren Grünanlagen. Im italienischen Renaissance-Stil ist die zweigeschossige Loggia erbaut. Als Meisterwerk der Technik gilt der Morosini-Brunnen im Stadtzentrum: Sein Wasser bekam er über ein 15 Kilometer langes Aquädukt. Doch Iraklio ist nicht nur geschichtlich interessant, sondern lockt in der Marktstraße Odos 1866 mit grie­chischem Flair zwischen Verkaufsständen, ringsum finden sich zudem viele Lokale.
Tipp: Phaistos
In der Bronzezeit befand sich im Süden Kretas die Siedlung Phaistos (neugriechisch: Festos) – inklusive eines 8.400 Quadratmeter großen Palasts. Im Jahr 1900 begannen die Ausgrabungen der Ruinen aus den Jahren 1700–1450 vor Christus. Sowohl die Grundmauern des großen Palasts als auch ein kleinerer Bau kamen so wieder ans Tageslicht, ebenso wie ein Theaterhof.
Die Siedlung ist frei zugänglich, die Besichtigung der Paläste kostet Eintritt, auf dem ehemaligen Quartier der Archäologen steht heute ein Touristenpavillon. Die Tonscheibe „Diskos von Phaistos“ aus dem Jahr 1700 vor Christus stammt aus dem Nordkomplex des Palastes und ist im Archäologischen Museum in Iraklio ausgestellt.

Seite 2 – Guide Kreta mit Infos zur Anreise, besonderen Verkehrsbestimmungen, Campingplätzen, Wohnmobilstellplätzen und vielem mehr …

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