Städte-Tour – Konstanz von Johannes Kühner
Tourist-Info
Bahnhofplatz 43 | im Bahnhof · D-78462 Konstanz
Tel. 07531-1330-30
www.konstanz-tourismus.de

Ein Fenster öffnet sich, ein Geistlicher ruft hinaus aufs Bodensee-Ufer: „Habemus papam – der Papst ist gewählt!“ So ähnlich muss es am 11. November 1417 in Konstanz geschehen sein. Moment: Papstwahl? In Konstanz? Auf deutschem Boden? Ja, tatsächlich – eine Ausnahmesituation: Weil das christliche Abendland zu Beginn des 15. Jahrhunderts tief gespalten war und drei Päpste gleichzeitig regierten, forderte der deutsche König Sigismund ein Konzil, um die Probleme innerhalb der Kirche aus der Welt zu schaffen – und entschied sich als Versammlungsort für die zentral in Europa gelegene Stadt am Bodensee. Es war die einzige Papstwahl nördlich der Alpen.
600 Jahre sind seitdem vergangen – das Konklave hatte sich damals für Martin V. entschieden –, aber das ehrwürdige Konzilgebäude, das als Kaufhaus erbaut worden war, ziert bis heute das Ufer des Bodensees.
Und nicht nur hier sind die mittelalterlichen Spuren der Stadt hervorragend erhalten geblieben. Denn die 82.000-Einwohner-Stadt am Bodensee hatte das Glück, während des Zweiten Weltkriegs von sämtlichen Bombenangriffen verschont zu bleiben. Wer ein Stück ins Zentrum spaziert, erreicht zwischen Münster und Rhein das älteste Viertel von Konstanz: die Niederburg. Dort wohnten einst Bedienstete des Bischofs, und noch heute tragen die Häuser die Namen aus dem Mittelalter. Das gesamte Ensemble aus alten und neuen Gebäuden steht seit 1982 unter Denkmalschutz.
Früher war die Niederburg von 27 Türmen der Stadtmauer umgeben; heute sind es noch drei: Am Ende der schmalen Gassen dieses zauberhaften Viertels ragen der Rheintorturm und der Pulverturm – früher auch als Gefängnis genutzt – in die Höhe. Etwas abseits gelangen Besucher zum Schnetzenturm, der als Baudenkmal nationaler Bedeutung geschützt ist.
Heute steigen in der Niederburg von Mai bis Oktober an jedem ersten Freitag des Monats die Gassen-Freitage. Dann haben die Weinstuben und Boutiquen in den mittelalterlichen Gebäuden bis 22 Uhr geöffnet, in den Gassen erklingt Musik, Kleinkünstler zeigen ihr Können, und Händler bauen einen Tischflohmarkt auf.
Wandmalereien in der Altstadt
Diese Tage sind zugleich wie ein Spaziergang durch eine Bildergalerie. Unzählige Fachwerkhaus-Wände in der Altstadt sind filigran bemalt. An der Fassade des Hauses „Zum Hohen Hafen“ am Obermarkt beispielsweise prangt Kunst der Jahrhundertwende von Max Rahn. Seine Motive zeigen Szenen aus dem Mittelalter, der Konzilszeit und dem 19. Jahrhundert. Auch das „Hohe Haus“ an der Ecke Zollernstraße/Hohenhausgasse – 1294 erbaut – beschäftigt sich in seinen Fassadenmalereien mit Geschehnissen aus dem Mittelalter. Die Malereien am Wohnturm „Zum Goldenen Löwen“ stammen sogar ursprünglich aus dem Jahr 1580.
Malerisch ist auch der Rest der „Stadt zum See“. Kein Wunder: Wer am Ufer entlangschlendert oder es sich im Stadtpark bequem macht, sieht Segelboote auf dem Wasser treiben, in der Ferne erheben sich die schneebedeckten Alpen, und Badeplätze am Hörnle machen Lust auf eine Runde im kühlen Nass. Im nahenden Winter wird sich das Ufer außerdem wieder in einen Weihnachtszauber verwandeln, wenn zum Weihnachtsmarkt unzählige Hütten aufgebaut werden. Konstanz wird dann wieder zu einem Anziehungspunkt einer ganzen See-Region, wie 1417, als im November das Konzil nach Deutschland kam.


In der Stadt
Das Fahrrad eignet sich in Konstanz am besten, um vorwärtszukommen. Wer kein eigenes dabei hat, findet Leihstationen für Tourenräder und E-Bikes an mehreren Stellen im Stadtgebiet. Zweite Möglichkeit zur Fortbewegung: der „Rote Arnold“. Das sind 59 typische rote Stadtbusse, die auf 16 Linien verkehren. Einen Park-&-Ride-Parkplatz gibt es in der Byk-Gulden-Straße (kostenlos). Für weitere Strecken – zum Beispiel nach Friedrichshafen oder Meersburg – muss niemand den Überlinger See umfahren. Es geht auch einfacher mit den Fähren und Katamaranen der Weißen Flotte.
www.faehre.konstanz.de | www.stadtwerke.konstanz.de | www.bsb.de


Rundgänge
Die Führung „Wände erzählen Geschichten – Kostbare Wandmalereien in Konstanz“ geht an unzähligen Verzierungen an den Fassaden der Bodensee-Stadt vorbei und erklärt, worum es in den Bildern geht; jeden dritten Samstag im Monat um 11.00 Uhr und jeden dritten Mittwoch um 14.30 Uhr (Treffpunkt: Tourist-Info). Zu Drehorten der ARD-Krimis „Tatort“ geht’s unregelmäßig bei den Führungen „Dem Bodensee-Tatort auf der Spur“. Wer einen ganzen Tag Zeit hat, kann auf dem Dampfschiff „Hohentwiel“ eine Rundfahrt um den Bodensee unternehmen.
www.konstanz-tourismus.de | www.hohentwiel.com


Sehenswertes
Eigentlich war es ein Kaufhaus, aber das 1388 errichtete Gebäude am Bodenseeufer heißt bei den Konstanzern einfach nur Konzilgebäude (Hafenstraße 2) – denn dort fand 1417 die Papstwahl statt. Heute ist es Konzert- und Veranstaltungssaal. Unbedingt sehenswert ist das Rathausensemble (Hussenstraße 15), das aus mehreren Gebäuden zusammengefügt ist. Besonders prägend ist hier das ehemalige Zunfthaus der Leinweber. Der Innenhof erinnert an die italienische Renaissance, und auch hier gibt es imposante Fassadenmalereien mit Themen der Stadtgeschichte. Das „Haus zum Wolf“ (Marktstätte) lockt mit einer Rokokofassade.
www.konzil-konstanz.de | www.konstanz-tourismus.de


Museen
Das Rosgartenmuseum (Rosgartenstraße 3-5) begeistert mit hervorragend erhaltenen Sälen und Kunstwerken aus dem Spätmittelalter. Zudem gibt es Ausstellungen zum Verhältnis zwischen Deutschen und Schweizern sowie zum Dritten Reich und Kunst aus dem Bodenseegebiet. Im Archäologischen Landesmuseum (Benediktinerplatz 5) sehen Besucher das älteste Schiff des Bodensees und weitere Funde von der Steinzeit bis ins Mittelalter. Mit dem als Ketzer hingerichteten Reformator Jan Hus beschäftigt sich das Hus-Haus (Hussenstraße 64), und im Rheintorturm zeigt das Fasnachtsmuseum 40 Figuren der Konstanzer Fasnacht.
www.konstanz.de/rosgartenmuseum | www.konstanz.alm-bw.de | www.konstanz.de


Kirchen
Nach dem Kölner Dom hat das Konstanzer Münster (Münsterplatz 1) das zweitgrößte Geläut in Deutschland. Die Fassade stammt aus der Gotik, der Innenraum ist geprägt von unterschiedlichen Epochen seit dem 7. Jahrhundert. Von der Turmspitze ergibt sich eine tolle Fernsicht. Es gibt auch Führungen. Die Dreifaltigkeitskirche (Sigismundstraße 17) ist der letzte Rest des Augustinerklosters und beherbergte während des Konzils einige Kardinäle. Auf die Unesco-Welterbeliste hat es die Klosterinsel Reichenau geschafft. Zehn Kilometer von Konstanz entfernt ist dort eines der drei bedeutendsten Klöster der karolingischen Zeit zu sehen (Münsterplatz 2).
www.konstanz-kirche.de | www.reichenau-tourismus.de


Statuen und Brunnen
Wer mit der Fähre kommt, wird sie direkt bei der Einfahrt sehen: die neun Meter hohe Statue der Imperia (Hafenstraße) – Darstellung einer Prostituierten aus der Konzilszeit. In der ganzen Stadt stehen immer wieder Denkmäler, die Geschichten erzählen. Der Kaiserbrunnen (Marktstätte) aus dem Jahr 1897 zum Beispiel, der vier deutsche Dynastien zeigt – und seit 1990 eher sarkastisch mit dieser Vergangenheit und dem Konstanzer Konzil umgeht, indem neue Büsten hinzukamen. Oder der Lenk-Brunnen (Untere Laube 24), in dem sich der Bodensee-Künstler Peter Lenk mit mehr als 30 Figuren teils bekannter Persönlichkeiten über das Freizeitverhalten lustig macht


Spezialitäten
Schon vor 800 Jahren hatte Konstanz
einen eigenen Weinberg. Aus den Reben entstehen jedes Jahr 60.000 Liter in der Spitalbrauerei. Die Rot- und Weißweine sind mineralisch und kräftig; vor allem der Riesling und der Grauburgunder stehen in Verbindung mit der Region. Der Lage am Bodensee verdankt Konstanz außerdem seinen Fischreichtum. Zu empfehlen ist der Flussbarsch, der hier Kretzer genannt wird und als „Knusperli mit Reichenauer Salatteller“ auf dem Tisch steht. Die beste Zeit für Kretzer ist im April und von Juli bis Oktober – dann haben ihn die Bodenseefischer in ihren Netzen. Eine dünne badische Pizza trägt den Namen Dünnele – der ideale Snack für unterwegs.


Restaurants
Konzepte wie das des Holly’s (Reichenaustraße 19a) sind immer mehr im Kommen: Gegenstände aus dem Interieur bietet das Restaurant zum Kauf an. Kulinarisch geht’s auf eine Reise um die Welt, vor allem nach Amerika. Im Suppengrün (Sigismundstraße 19) gibt es – wen wundert’s – Suppen; von der kleinen Portion für Zwischendurch bis zur großen Schüssel für den großen Hunger. Auch frische Säfte und Salate stehen auf der Speisekarte – mit Zutaten aus der Region. Sehr urig ist die Tapas-Bar La Bodega (Schreibergasse 40). Um einen Platz zu ergattern, ist meistens eine Reservierung notwendig.
www.hollys.de | www.suppengruen.biz


Cafes und Bars
Begonnen hat I love Leo in München; mittlerweile gibt es auch ein Café in Konstanz (Bodanplatz 7) – mit Frozen Yoghurt, Milchreis, Saft-Yoghurt-Kombinationen (Smoothies), frischen Säften und Kaffeevariationen. Wer dienstags oder freitags den Wochenmarkt besucht (siehe Einkaufen), kann sich eine Pause im Café Zeitlos gönnen (Sankt-Stephans-Platz 25). Durch den Innenraum mit schönem Fachwerk geht es hinaus auf einen schnuckeligen Innenhof. Im Keller der Niederburg serviert die Cocktailbar (Sankt-Johann-Gasse 4) 150 verschiedene Cocktails und 400 Spirituosen.
www.iloveleo.de | www.cafe-zeitlos.net | www.die-cocktailbar.de


Einkaufen
Die Bodensee-Region hat hervorragende Anbaubedingungen. Vor allem im Herbst lohnt sich ein Besuch des Wochenmarkts auf dem Sankt-Stephans-Platz (Dienstag- und Freitagvormittag) – auch mit Exotischem aus dem Ausland. Danach ist ein Abstecher zur Gewürzschatulle (Sigismundstraße 6) mit seinen Gewürzmischungen anzuraten, die man auch selbst zusammenstellen kann. Ein Flohmarkt mit mehr als 1.300 Ständen auf zwölf Kilometern Lauflänge steigt immer am ersten Wochenende nach den Baden-Württembergischen Pfingstferien. Besonderheiten: Der Markt dauert 24 Stunden und überschreitet die Grenze in die Schweiz.
www.gewuerzschatulle.de | www.flohmarkt-konstanz.de


Am Abend
1984 eröffnete das Zebra-Kino in einer verlassenen französischen Kaserne (Joseph-Belli-Weg 5), die Idee entsprang einer Studenten-WG. Bis heute lautet das Motto: „Andere Filme anders zeigen.“ Statt Hollywood-Blockbuster laufen im Saal mit 99 Plätzen nur Filmklassiker, Dokumentar-, Experimental- und Kurzfilme. Eine Institution mit langer Vergangenheit: Das Konstanzer Stadttheater (Konzilstraße 11) mit 400 Plätzen gibt es seit 1607. Es ist Deutschlands älteste bespielte Bühne. Im Theater Mephisto & Co. (Eichhornstrasse 86) spielen freischaffende Künstler. Hier gibt’s unter anderem Humoristisches.
www.zebra-kino.de | www.theaterkonstanz.de | www.mephisto-co.de


Baden
Wer mit dem Slogan „Stadt zum See“ wirbt, der braucht Badeplätze. Zugänge zum Wasser gibt es an der Uferpromenade des „Hörnle“: entlang der Seestraße und weiter auf einem Fußweg bis zur Schmugglerbucht, an der Hunde erlaubt sind. In Sichtweite liegt die Bodensee-Therme mit 34 Grad warmem Außenbecken und Blick auf den See; zur Anlage gehört auch ein Freibad mit Spaß-Rutschen. Weiter geht es über den Wendelgardweg bis zu einem 600 Meter langen Naturstrand; direkt daneben befindet sich eine Wiese so groß wie drei Fußballfelder. Auf der anderen Seite des Rheins – und somit in der Schweiz – ist es am Kuhhorn (Badistraße) sehr schön.
www.therme-konstanz.de


Mit Kindern
Trap Konstanz (Fritz-Arnold Strasse 16) ist wie ein Computerspiel, übertragen ins wahre Leben: Für eine Stunde lassen sich die Teilnehmer in einen Raum sperren und müssen Rätsel lösen, um sich wieder zu befreien; geeignet für Kinder ab zwölf Jahren und Erwachsene. Zu aufregend? Wie wäre es dann mit einem Blick in die Sterne im Planetarium Kreuzlingen (Breitenrainstraße 21)? Oder einem Besuch des Sea Life (Hafenstraße 9), das nicht nur den Lebewesen des Rheins von dessen Quelle bis zur Nordsee folgt? Und auf der Insel Mainau gibt es den Erlebniswald zum Klettern (St.-Katharina 1).
www.trapkonstanz.com | www.aplf-planetariums.org
www.visitsealife.com/konstanz | www.erlebniswald-mainau.de


In der Natur
Die Insel Mainau versammelt 5.000 Pflanzenarten auf einem Flecken – allein 400 Rosensorten in einem einzigen Garten. Wer die Insel verlässt, landet auf dem Bodanrück – dem Gebiet zwischen dem Ober- und dem Untersee. Dort lohnt sich vor allem eine Wanderung in die Marien­schlucht zwischen Bodman-Ludwigshafen und Wallhausen. Bis zu 30 Meter ragen dort Felswände in die Höhe. Orchideen, Mehlprimeln, Schwertlilien – die Wiesen des Wollmatinger Rieds am Südufer des Obersees entlang sind so artenreich wie kaum andere in Mitteleuropa. Auch 290 Vogelarten haben sich hier angesiedelt. Es gibt einen Infopfad durch das Naturschutzgebiet.


Umgebung
Vielfältige Region: Rund 60 Kilometer von Konstanz entfernt stürzt der zweitgrößte Wasserfall Europas – der Rheinfall – in Neuhausen bei Schaffhausen in die Tiefe. Nur halb so weit entfernt steht in Singen die Festungsruine Hohentwiel auf einem 680 Meter hohen Berg vulkanischen Ursprungs – mit sagenhaftem Blick über den Bodensee. In Unteruhldingen befinden sich die Unesco-geschützten Pfahlbauten, und von dort ist es nicht weit bis zum Affenberg in Salem. Dieser Tierpark ist Deutschlands größtes Affenfreigehege mit 200 Berberaffen, die mit speziellem Popcorn gefüttert werden dürfen.
www.rheinfall.ch | www.festungsruine-hohentwiel.de
www.pfahlbauten.de | www.affenberg-salem.de


Fazit
Konstanz hat nicht nur den Bodensee, sondern auch den Rhein. An dessen Mündung bezaubert die 82.000-Einwohner-Stadt mit einem sehenswerten mittelalterlichen Viertel – inklusive Münster, künstlerischen Brunnen und engen Gassen. Doch nicht nur Kunst-, sondern auch Naturliebhaber kommen in der „Stadt zum See“ voll auf ihre Kosten. Wem das alles noch nicht genug ist, für den ist Konstanz der ideale Ausgangspunkt für Ausflüge in die Bodensee-Region – sei es ins Zeppelin-Museum nach Friedrichshafen, zu den Pfahlbauten nach Unteruhldingen oder zum Affenberg in Salem – die gute Anbindung ans gegenüberliegende Seeufer mit Fähren und Katamaranen macht’s möglich.

Wohnmobil-Stellplätze | Campingplätze
Parkplatz Döbele
Döbelestraße, Einfahrt über den Kreisverkehr Grenzbachstraße
GPS: 47°39‘28.9“N/9°10‘09.4“O
24 Stunden zugänglicher Parkplatz, gebührenpflichtig von 9.00 bis 20.00 Uhr.


Campingplatz Klausenhorn
Hornwiesenstr. 40/41 · D-78465 Konstanz-Dingelsdorf
Tel. 07533-6372
GPS: 47°44‘46‘‘N/9°08‘52‘‘O
www.camping-klausenhorn.de


Campingplatz Bruderhofer
Fohrenbühlweg 50 · D-78464 Konstanz
GPS: 47°40‘26.6“N/9°12‘37.3“O
Tel. 7531-31388
www.campingplatz-konstanz.de

VN:F [1.9.20_1166]
Artikelbewertung
Bewertung: 0.0/5 (0 Stimmen)

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *



4 − = 1

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>