Matratzen für Wohnmobil und Wohnwagen von Volker Hammermeister

Grundlagenforschung
Auch in Zeiten von Hightech sind Zettel, Bleistift und ein Rollmaß unverzichtbare Handwerkszeuge, zumindest für Elke Bäcker. Die Schlafberaterin inspiziert den Dethleffs-Teilintegrierten Black Edition, der auf dem Stellplatz neben der Produktionshalle steht. Sie interessiert sich für die Einbausituation des Queensbetts im Heck des Fahrzeugs. Wie stark darf die Matratze sein? Sind Klappen, Schränke oder Fenster im Weg? Wie viel darf die neue Unterlage wiegen?
Petra und Andreas Haupt aus Oranienburg warten schon auf die Analyse. Sie sind auf Urlaubsfahrt Richtung Bodensee. Das Reisemobil ist gerade erst ein paar Monate alt. „Es ist ganz wunderbar“, meint Andreas, „ein Spontankauf.“ „Allerdings“, ergänzt Petra, „haben wir schnell gemerkt, dass das Bett einfach zu hart ist. Wir sind deswegen mehrmals in der Nacht aufgewacht. Dabei ist ein erholsamer Schlaf doch die beste Voraussetzung für einen Urlaub, der seinen Namen wirklich verdient.“
„Das wundert mich nicht“, meint Bäcker, „beim Reisemobil knausern die Hersteller vorzugsweise dort, wo es der Kunde nicht gleich sieht. Teilweise auch aus Gründen der Gewichtsersparnis. Die Schäume haben große Poren, hohe Qualität wird eher für Polster, aber nicht für Betten eingesetzt. Die Matratzen sind anfänglich vielleicht noch gut, jedoch schnell durchgelegen.“

Hochwertige Schäume aus der Region
Dagegen schöpft die Traumfabrik aus dem Vollen. Sie lässt in der Region schadstoffreie, hochwertige Schäume in unterschiedlichen Stärken und Dichten herstellen und verarbeitet sie zu maßgeschneiderten Matratzen: 5.000 verlassen jährlich das Werk, rund zehn Prozent davon für Freizeitfahrzeuge, auch Boote. Die Traumfabrik in Bad Boll ist nicht der einzige Hersteller dieser individuell angefertigten Unterlagen in Deutschland, aber mit drei Verkaufsniederlassungen im Raum Stuttgart sehr präsent.
Tatsächlich hat Andreas versucht, in Berlin einen entsprechenden Anbieter zu googlen. Es ist ihm nicht gelungen. Da die Reise in den Süden geht, nutzen sie den Stop-over-Service in Bad Boll:
Beratung am Vortag abends, Übernachten auf dem Firmen-Stellplatz mit Stromanschluss und Wasser, Herstellung der Matratzen am folgenden Tag bis mittags.
Jetzt ist Bäcker in ihrem Element. Sie befragt Andreas und Petra nach ihren Schlafgewohnheiten. „Normalerweise habe ich schon bald drei Matratzen vor meinem geistigen Auge, die ich empfehle. Ein größeres Angebot macht nicht viel Sinn, weil der Kunde dann kaum noch differenzieren kann.“ Die Schlafberaterin berücksichtigt die bauliche Situation im Reisemobil, ob etwa ein Lattenrost vorhanden ist oder nur eine Holzplatte, ob eine Matratze mit integriertem Abstandgewirke – wie stark? – zum Einsatz kommen sollte, das Unterlüftung garantiert, oder ein Tellerfederungssystem von Froli.
Familie Haupt darf jetzt im Ausstellungsraum probeliegen. Bäcker kontrolliert, ob die Wirbelsäule in verschiedenen Lagen gerade bleibt und Schulter sowie Hüfte tief genug einsinken. Sie testet mit der Hand, ob die Taille genug Kontakt zur Unterlage hat. Dann fragt sie die individuellen Empfindungen der Probanden ab.
Geld spielt bis jetzt noch keine Rolle. „Natürlich geben manche Kunden einen Preisrahmen vor, in dem sie sich bewegen wollen. Und das berücksichtige ich auch“, meint Bäcker, „aber eigentlich ist das der falsche Ansatz.“ Die Traumfabrik bietet Matratzen in der Standardgröße 140 mal zwei Meter ab 500 Euro an, die meisten Kunden geben durchschnittlich 750 Euro aus. Dazu kommen Extrakosten für Sonderformen wie Abrundungen, welche auch die Fertigung des Bezuges deutlich aufwändiger gestalten.

Sechs bis acht Jahre Haltbarkeit
Im häuslichen Bereich halten die Matratzen rund zehn Jahre, in Freizeitfahrzeugen sind es nur sechs bis acht. Bäcker: „Das liegt daran, dass die Matratzen wegen ihrer Sonderformen meistens nicht regelmäßig gewendet und gedreht werden können, daher schneller durchliegen.“ Außerdem sind Feuchtigkeit und Kondenswasser ein größeres Problem. Der Mensch verdunstet pro Nacht einen Viertelliter. Wegen der räumlich engen Bauweise der Fahrzeuge kann diese Feuchtigkeit kaum entweichen. Umso wichtiger sind eine offenporige Bauweise der Matratzen und eine funktionierende Unterlüftung.
Andreas ist auf der Anreise von Kosten in Höhe von rund tausend Euro ausgegangen, tutti completti. Petra meinte, das würde wohl nicht reichen und hat schließlich Recht behalten. Im Endeffekt zahlen sie pro Matratze, die zu einer Einheit zusammengeklebt werden, jeweils 782,50 plus 79 Euro für den Zuschnitt. Das Froli-Federungssystem schlägt mit 135 Euro zusätzlich zu Buche. „Aber die Kosten“, strahlt Petra, „sind schnell vergessen, weil jetzt die Grundlage für unsere Urlaube stimmt.“


fotos_wohnmobil_matratzen_camp24magazin LINK | Fotostrecke: Herstellung passgenauer Matratzen für Reisemobil und Caravan (Auf den Text oder das Foto klicken. Der Artikel öffnet in einem neuen Fenster)

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