Polster- und Innensanierung für Reisemobil und Caravan (Seite 1 von 2) von Theo Gerstl

Frischzellenkur
Falten auf den Bezügen und Flecken im Stoff sind die offensichtlichen Zeichen dafür, dass der Zahn der Zeit nicht spurlos an der Wohnlandschaft des mobilen Ferienheims vorbeigegangen ist. Schmerzt dann beim gemütlichen Sitzen auch noch der „verlängerte Rücken“, wird es höchste Zeit, die durchgesessenen Polster einer Grundsanierung zu unterziehen.

Die Spezialisten
Idealer Anlaufpunkt für solche Renovierungsarbeiten sind zum einen jene Firmen, die ohnehin bereits die Serienpolster für die Wohnwagen- und Reisemobil-Hersteller produzieren. Wie beispielsweise die G+S Sitz- und Polstermöbel GmbH, die nicht nur rund 25.000 bis 28.000 Inneneinrichtungen pro Jahr an Hersteller wie Niesmann+Bischoff, Hymer, Carthago, Knaus oder Fendt liefert – zusätzlich rollen jährlich auch noch rund 250 bis 300 Privatkunden auf den Hof der Bad Kreuznacher Polstermacher, um ihrem Reisegenossen ein Innenraum-Update zu spendieren.
Seit 1999 widmet sich auch die Cowan Textiles GmbH der „kompletten Neugestaltung im Bereich mobiles Wohnen“ und fertigt seit 2001 ebenfalls Serienausstattungen – unter anderem für die Hersteller Dethleffs, Bürstner, Sunlight und Carado sowie LMC.
Wie groß das Angebot bei der Stoffauswahl ist, zeigt sich exemplarisch am Beispiel des Remscheider Spezialisten Wohnwolke: In seinem Sortiment konkurrieren rund 1.500 verschiedene Polsterstoffe, sodass sich für jeden Kunden-Geschmack zueinander passende Designs im Lager finden lassen.

Sanierung in Eigenregie
Als preiswertere Alternative zur Komplettüberarbeitung des Interieurs durch den Fachbetrieb bietet sich für handwerklich geschickte Zeitgenossen aber auch die Do-it-yourself-Methode an. Für diesen Zweck bieten die Zubehörspezialisten alles Benötigte an Materialien: von diversen Stoffqualitäten über Leder für Sitzbezüge bis hin zu den Originaldesigns der Seriensitze der Automobilhersteller.
Ergänzt wird das Angebot durch Schaumstoffe in den verschiedensten Ausführungen sowie dem erforderlichen Zubehör – von Reißverschlüssen über Klettbänder bis hin zu Spezialklebern. So gerüstet kann der engagierte Heimwerker den Innenraum seines Caravans oder Reisemobils selbst auffrischen.
Für den Fall, dass der Selbstausbauer dann doch bei den umfangreichen Polsterarbeiten an seine Grenzen stößt, bietet beispielsweise Reimo einen Polsterservice an, der bei Bedarf die Fertigung von Polstern, Bezügen oder Vorhängen übernimmt. Die einfachen Arbeiten können ja trotzdem in Eigenregie durchgeführt werden.

Die häufigsten Sanierungsarbeiten
„Fahrer- und Beifahrersitzbezüge sowie Polsterbezüge nutzen sich ab, ziehen Fäden, und Haustiere setzen ihnen zu. Nicht wirklich kaputt, aber schnell durchgelegen oder von Anfang an unbequem, sind in stark zunehmenden Maße Matratzen. Auch der Polsterschaum ist schon mal durchgesessen beziehungsweise zu weich“, zählt man bei Cowan die Hauptschäden auf, die an den Wohnlandschaften gebrauchter Reisemobile und Caravans saniert werden müssen.
„In erster Linie werden Polster, Vorhänge und Matratzen saniert“, weiß Gernot Schank von G+S und ergänzt: „Neuerdings geht der Trend auch zu Schonbezügen.“ Mit denen versuchen Besitzer von Neufahrzeugen ihre Polster präventiv zu schützen, wenn sie beispielsweise ein Haustier haben – in der Hoffnung, dass eine spätere Sanierung erst gar nicht nötig wird.
Aber auch Individualisten, die ihre ganz speziellen Vorstellungen umgesetzt haben wollen, suchen die Unterstützung der Polstermacher. Und selbst Besitzer von nagelneuen Reisemobilen lassen sich das Interieur neu gestalten, wenn sie ein spezielles Reisemobil- oder Caravan-Modell unbedingt ihr Eigen nennen möchten, mit den verfügbaren Stoffen und Designs der Hersteller jedoch nicht glücklich sind.

Betten und Matratzen
Für sensible Schläfer sowie Menschen mit Rückenproblemen sind auch viele Betten bereits im Neuzustand unbequem, und nach etlichen Jahren sind sie auf jeden Fall so durchgelegen, dass an einen erholsamen Schlaf nicht mehr zu denken ist. Spätestens jetzt steht ein Austausch der Matratzen an. Doch während im häuslichen Bereich die Bettenformate rechteckig und auf einige Größen genormt sind, erfordern die Systeme in Caravans und Reisemobilen einen individuellen Zuschnitt: Zu unterschiedlich sind die Maße und Formen, die jeden Zentimeter Innenraum ausnutzen. Darauf sind die Hersteller von Matratzen für den mobilen Einsatz vorbereitet: Anhand von Zeichnungen oder zugeschnittenen Papierschablonen stellen sie passgenaue Maßanfertigungen her. Möchte man diese Vorlagen nicht selbst anfertigen, hilft eine Reise zum Bettenprofi weiter, der übernimmt dann diese Aufgabe.

Textil oder Leder
Bei der Sanierung von Reisemobilen und Wohnwagen kommen praktisch alle im Polstergewerbe verwendeten Materialien zum Einsatz – von verschiedensten Stoffen über Alcantara bis hin zu Leder, je nachdem was sinnvoll ist und dem Geschmack des Besitzers entspricht. Eine Materialbesonderheit weisen die mit Teflonfäden abgedeckten Bezugsstoffe für die Innenausstattung auf: Sie sind nicht nur „sonnenbeständig“ sondern auch schmutzabweisend – der Inhalt eines umgefallenen Rotweinglases perlt auf ihnen einfach ab. Zusätzlich sind Nähte in allen denkbaren Kombinationen und Farben Standard. Auch die Wahl der Polsterschäume und ihrer Härten, Kniewülste, Lordosenstützungen auf den Polsterrücken, Kissen oder Stickereien werden nach Kundenwunsch umgesetzt.
Bei nahezu der Hälfte ihrer Innenausstattungen verwendet die G+S GmbH Leder als Bezugsmaterial, bei der Rühl Leder GmbH sind es – wie der Name bereits vermuten lässt – einhundert Prozent. Der Traditionsbetrieb aus Mühlheim an der Ruhr verarbeitet seit über 120 Jahren das Naturprodukt und hat sich inzwischen darauf spezialisiert, Fahrzeuge aller Art mit Leder auszustatten. Egal ob geliebter Oldtimer, strapazierter Brummi oder Reisemobil: Lenkräder, Armaturenbretter, Sitze, Türinnenseiten, Dachhimmel oder die Manschetten für Schalthebel und Handbremse – Rühl bezieht und verfeinert alles mit Leder, was der Kunde wünscht.
Im Reisemobil geht die Belederung nach dem Fahrerhaus natürlich noch weiter, wozu Rühl selbst hergestellte und entwickelte Lederbezüge verwendet. Sitzgruppen, Garderoben, Wand- und Bettverkleidungen werden auf Wunsch mit Möbel- oder Automobilleder veredelt, Mehrfarbigkeit bei der Lederauswahl ist ebenso möglich wie Nappaleder oder eine Kombination aus Alcantara und Leder: Nur der individuelle Geschmack setzt hier die Grenzen.

Der Weg zu neuen Polstern
Nach dem Sammeln erster Informationen, ob auf den Internetseiten der Sanierungsspezialisten oder bei Messebesuchen, sollte man sich telefonisch beraten lassen – nur so kann ein passendes und verbindliches Angebot erstellt werden. Hat man sich dann für ein Angebot entschieden, wird ein Termin vereinbart: Die Reisemobil-Sanierer benötigen für ihre Arbeit in der Regel drei bis fünf Werktage pro Fahrzeug. Vor Ort werden schließlich noch die Details geklärt und auch eventuelle weitere Verschönerungsmaßnahmen abge­sprochen – wie beispielsweise die Erneu­erung von Garderoben oder der Einbau von Utensilientaschen.

Krönender Abschluss
Zwar sind nun die Polster erneuert, der Schlaf- und Sitzkomfort ist optimiert, doch erst die Details runden die Innenraum-Auffrischung ab. Schließlich fällt jetzt auf, dass die Gardinen vergilbt sind und das Muster der Vorhänge so gar nicht mit dem Design der neuen Polsterlandschaften harmoniert. Auch der Fußbodenbelag wirkt plötzlich älter und abgetretener denn je. Doch das ist für die Spezialisten ebenfalls kein Problem, allein im Sortiment von Cowan finden sich 30 verschiedene Teppichqualitäten, die in 160 Farben zur Wahl stehen. Zu guter Letzt runden Blenden, Taschen und Garderoben – aus Stoff oder Leder und sogar mit integrierten Spiegeln versehen – das Finish des neuen Wohnambientes ab.
Mit dem so verjüngten Reisemobil oder Wohnwagen kann es nun wieder über Jahre hinweg auf Touren gehen – für wohnliches Ambiente ist jedenfalls gesorgt. Und das zu deutlich geringeren Kosten als sie bei einer Neuanschaffung anfallen würden.

Die Preisfrage
Bei welchen Fahrzeugen sich eine Sanierung noch lohnt, hängt nicht nur von den tatsächlichen Kosten ab. Schließlich entspricht der individuelle Wert eines Fahrzeuges nicht immer dem realen Gebrauchtpreis – man denke nur an Erbstücke mit hohem Erinnerungswert oder objektiv alte Fahrzeuge, die eines Tages zum gesuchten Oldtimer reifen sollen.
Die Kostenprognose wird zusätzlich dadurch erschwert, dass der Restaurierungsumfang von Fahrzeug zu Fahrzeug unterschiedlich ausfällt. Da spielt aber neben dem Umfang der Arbeiten auch deren Komplexität eine Rolle: Beispielsweise setzen sich die Sitzgruppen eines Caravans oder Reisemobils aus einer Vielzahl individueller Einzelteile zusammen, die oftmals speziell auf Maß gefertigt werden müssen. In jedem Fall bringt erst ein detailliertes Angebot Klarheit hinsichtlich der zu erwartenden Kosten. Vor Beginn der Restaurierungsmaßnahmen muss generell auch sicher sein, dass das Chassis noch in einem guten Zustand ist und der Aufbau absolut dicht hält.


Seite 2 – “Auf einen Blick”: Reinigungs-Tipps, Kleinreparatur in Eigenregie & Wohnmobilausstatter

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