Unterwegs im Spar-Reisemobil – Kroatien (Seite 1 von 2) von Ann-Kathrin Hartmann | Thomas Gajewski
Deutsche Botschaft
Botschaft der Bundesrepublik Deutschland
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Leiter Thomas Schultze
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Öffnungszeiten:
Montag–Donnerstag: 7.45–17.00 Uhr
Freitag: 7.45–13.45 Uhr

Die Grundidee: Wir statteten unsere Mazda-6-Limousine mit einem gemütlichen Bett aus. Mit 5 Zentimeter dickem Schaumstoff, den wir im Internet bestellt haben, konnten wir diesen passgenau mit einer herkömmlichen Schere auf unser Auto zuschneiden. Das funktioniert bei jedem Auto, bei dem bei vollständig umgeklappten Rücksitzen eine gerade Fläche entsteht. Diese und der komplette Kofferraumboden sollten vom Schaumstoff bedeckt sein. Zusammen mit dem Bettzeug aus dem heimischen Schlafzimmer steht dieses Reisebett dem eigenen Bett in nichts nach. Zum Schutz vor neugierigen Blicken dienten uns Sonnenschutzüberzüge, die über die hinteren Türen gestülpt werden. Und tatsächlich können wir diese tolle Erfindung nur empfehlen – selbst wenn im Innenraum Licht brennt, kann man von außen nicht hineinblicken. Das Beste aber ist: Man kann die Autofenster komplett öffnen – ohne lästige Stechmücken ins Auto zu lassen. Die kommen durch den dichten Stoff gar nicht erst hindurch. Für die Heckscheibe existieren leider keine Sonnenschutzüberzüge, hier mussten wir zu einer deutlich unkomfortableren Methode greifen: der üblichen Sonnenschutz mit Saugnäpfen. Wenn man mit deren vier die Scheibe ausfüllt, sind sie zwar genauso effektiv, können einem nachts aber schon einmal auf den Kopf fallen. Letzteres hat jedoch den Vorteil, dass man dann zumindest romantisch Sterne gucken kann. Was fehlt noch? Richtig. Durch die Windschutzscheibe hat man volle Einsicht in den Innenraum. Unsere Lösung: Ein schlichter schwarzer Vorhang. Einfach die Breite des Autos abmessen, eine Vorhangstange dieser Länge kaufen und mit Klebehaken links und rechts direkt hinter den Kopfstützen der Vordersitze befestigen. Jetzt noch ein großes Stück schwarzen blickdichten Stoff darüber hängen – und fertig ist eine komplett von der Außenwelt abgeschirmte Schlafkabine. Fließend Wasser, Strom, eine Dusche und ein WC – dafür nutzen wir selbstverständlich die Campingplätze.

Ankunft auf Insel Murter
Am 8. Mai 2015 starteten wir in unseren einwöchigen Campingurlaub nach Kroatien. Mit an Bord: eine große Tasche mit Reiseproviant. Ohne Kühlschrank fällt die Auswahl schmal aus. Wasser, Müsliriegel, Äpfel, Thunfischsalate, Dosenfisch, Brot und ungekühlte Würste.
Unsere erste Etappe endete nach sieben Stunden Fahrt in Feldkirchen, Österreich. In der Nähe der Diakonie verbrachten wir unsere erste Nacht auf einem großen Parkplatz in Waldnähe. Für eine einzelne Übernachtung zwischen zwei Fahrten ist das völlig okay, für ein Mindestmaß an Komfort sollten hier jedoch keinesfalls Flüssigseife und einige Flaschen Wasser zum Händewaschen und Zähneputzen sowie Handtücher fehlen.
Am nächsten Morgen ging es weiter Richtung Biograd na Moru, wo wir nach acht Stunden Fahrt ankamen. Im 11. Jahrhundert war die Stadt Sitz der kroatischen Könige. Allerdings wurden wir direkt bei der Ankunft an unserem Traumurlaubsziel enttäuscht: Weit und breit war nichts von den einladenden schön angelegten Campingplätzen zu sehen, die im Internet angepriesen werden. Stattdessen glich die Umgebung einer Ruinenlandschaft mit baufälligen Gebäuden: Die Reste des Doms, einer dreischiffigen Basilika, sind vollkommen zerstört, die Überbleibsel der Klosterkirche St. Johannes konnten erforscht und vor dem Zerfall bewahrt werden. Von der Thomaskirche sind nur geringe Reste erhalten.
Wir trafen lediglich ein paar einheimische Kinder beim Ballspielen anstatt der erwarteten Touristenmassen an. Nach kurzer Recherche war für uns klar, weiter auf die Insel Murter zu fahren, die nur eine Autostunde entfernt liegt. Hier wurden wir für die Enttäuschung in Biograd na Moru entschädigt, denn diese Insel bleibt auch im Nachhinein die schönste Station unseres gesamten Urlaubs. Die Insel Murter ist eine der norddalmatinischen Inselgruppen. Während der Saison (Mai bis Mitte September) ist sie, vom Ort Tisno aus, über eine Drehbrücke mit dem Festland verbunden und somit für alle Urlaubsgäste leicht zu erreichen. Ein großer Teil ihrer Fläche ist mit beeindruckenden, hundertjährigen Oliven- und Feigenbäumen bedeckt. Von dem kargen Boden, der früher die Landwirtschaft erschwerte, konnten wir jetzt profitieren, denn die öden Sandbuchten wurden zu langen Sandstränden und zu kleinen versteckten Buchten, in denen wir unsere Ruhe und unseren Urlaub genießen konnten. Zwei Nächte blieben wir hier, auf einem gepflegten Campingplatz direkt am Meer mit vielen schattigen Bäumen und großzügigen sauberen Sanitäranlagen. Tagsüber fuhren wir mit dem Fahrrad oder spazierten durch felsige Hügellandschaften und genossen die Abendstunden am Wasser in vollen Zügen.

Altstadt von Zadar und Nin
„Unser nächstes Ziel war die wunderschöne antike Stadt Nin. Auf dem Weg dorthin liegt Zadar mit rund 75.000 Einwohnern. Die Stadt wird als eine Perle der kroatischen Kultur und Geschichte gepriesen und hat vier Tore, darunter das Marinetor mit einem eingesetzten Stück eines römischen Triumphbogens sowie die nach dem Entwurf von Sanmicheli erbaute Porta di Terraferma. Hier ist nicht nur der große Hafen beeindruckend, sondern auch die Innenstadt. Antike römische Säulen und Gesteine, geschmackvoll platziert. In Zadar findet man ebenfalls zahlreiche Kirchen, darunter die Domkirche der Heiligen Anastasia aus dem 13. Jahrhundert. Der „Platz der fünf Brunnen“ aus dem Jahr 1575 entstand über einer Zisterne, welche die Stadt bis Mitte des 19. Jahrhunderts mit Wasser versorgte.
An der Promenade wird man mit einem Blick auf das scheinbar grenzenlose Meer belohnt. Zadar ist ein Paradies für Segler, viele kleine und große Inseln lagern vor dem Festland. Als Fischliebhaber kamen wir in einem Fischrestaurant ganz besonders auf unsere Kosten. Das „Hafen Fosa“ gilt als bestes Fischlokal von Zadar. Im vorherigen Jahr wurde es renoviert und bietet jetzt in einem eleganten und noblen Ambiente feinste Fischküche. Man sitzt auf einer herrlichen Terrasse unmittelbar am Meer oder im klimatisierten Innenraum und genießt das wunderbare Essen, das zwar auch seinen Preis hat – aber es lohnt sich. Wenn es sich nicht gerade um das beste Restaurant am Platze handelt, kostet ein Essen in der Mittagszeit samt Vorspeisensuppe zwischen 30 und 40 Kuna, das entspricht umgerechnet vier bis fünf Euro.
Weiter ging es nach Nin. Es liegt nur rund 20 Kilometer von Zadar entfernt und beeindruckte uns mit seiner Altstadt. Zahlreiche römische Gebäude, Säulen und Torbögen verleihen ein ganz besonderes Flair. Kleiner Geheimtipp: Besonders bekannt für sein selbstgemachtes Eis ist das Lokal Slasticarna Donat. Das beste Eis von Zadar soll es dort geben – und es war wirklich das beste Eis, das wir jemals gegessen haben; ein absolutes Muss für jeden Eisliebhaber.
Auch die nähere Umgebung hat so einiges zu bieten. So entdeckten wir eine süße antike Gedenkstätte, die aussah wie eine Burg im Miniaturformat – die kleinste Kathedrale der Welt, die Sveti Kriz. Sie wurde im 9. Jahrhundert erbaut. Ihre Besonderheit: Sie wurde so errichtet, dass durch ihr krummes Mauerwerk das Licht zu jeder Jahreszeit anders hineinfällt. So kann sie als gigantische Sonnenuhr genutzt werden.
Auch in Nin wurden uns wieder lange Sandstrände, wie der Kraljicina Plaza, Prodorica, Zrdijac oder das Zaton Holiday Resort, geboten. Sie gelten als die schönsten Strände Kroatiens und wurden mit der blauen Flagge für ihre hohe Sauberkeit, den vielfältigen Dienstleistungsangeboten und sehr guter Wasserqualität ausgezeichnet. Ein beliebtes Ausflugsziel in der Nähe von Nin ist die 13 Kilometer entfernt gelegene Insel Zecevo, zu welcher man bei Ebbe waten kann und auf der sich eine kleine Kirche zu Ehren der Madonna von Zecevo befindet. Weitere Sehenswürdigkeiten sind unter anderem das Salzmuseum und der antike Hafen. Nach einem langen Tag ließen wir uns schlussendlich in einer Pizzeria mit angenehmer südländischer Atmosphäre nieder und verbrachten einen schönen Abend bei Pizza, kalten Getränken und Kerzenschein. In Nin blieben wir zwei Nächte.

Plitvicer Seen
Auf ging es Richtung Senj. Ist man erst einmal in dieser Gegend, ist ein Besuch des Nationalparks Plitvicer Seen schlicht ein Muss. Er ist flächenmäßig der größte Nationalpark Kroatiens und gleichzeitig der älteste in Südeuropa. Hier läuft man auf Holzstegen wie einst Winnetou durch eine beeindruckend schöne Flusslandschaft mit unzähligen Wasserfällen. Die Plitvicer Seen wurden Ende der 70er-Jahre als eines der ersten Naturdenkmäler weltweit in das UNESCO-Weltnaturerbe aufgenommen. Jährlich besuchen über eine Million Besucher den Park. Nun zählen auch wir dazu.
Unser weiterer Weg führte uns durch eine schier endlose Ruinenlandschaft. Hier wird man unweigerlich an den Krieg erinnert, der von 1991 bis 1995 tobte. Die kroatische Armee kämpfte damals gegen die Armee der Republik Serbische Krijina. Insgesamt sollen etwa 200.000 Menschen durch die Kriege ihr Leben verloren haben und 2,7 Millionen Menschen innerhalb des Landes vertrieben worden sein. Rund 3,8 Millionen Menschen sind geflohen. Wo man auch hinsieht, Schilder, die vor Minen warnen. Schließlich tauchen zwei massive Panzer am Straßenrand auf, umrandet vom hohen Zaun eines Militärstützpunktes. Dies also ist die andere Seite Kroatiens, die dunkle, die ein Urlauber normalerweise nicht zu Gesicht bekommt.
In Senj verbrachten wir schließlich zwei Nächte. Hier gibt es die sehr gut erhaltene Festung „Nehaj“ der Uskoken aus dem 16. Jahrhundert. Bei einer Rekonstruktion der Festung im Jahre 1965 fand man die Überreste der Kirche des Heiligen Juraj aus dem 11. bis 12. Jahrhundert. Sie war bei einem Türkenüberfall im Jahr 1520 abgebrannt und die Reste beim Festungsbau abgerissen worden. Inzwischen befindet sich ein Museum in der Festung, das einem die Geschichte dieses erstaunlichen Volkes näherbringt.
Im Café, das sich ebenfalls in dem alten Gemäuer befindet, herrscht eine unvergleichlich mittelalterliche Atmosphäre. Die Abende verbrachten wir mit romantischen Spaziergängen auf einem schönen gepflasterten Strandweg.

Park vojaške zgodovine
Leider verflog unser einwöchiger Trip wie im Flug, sodass der Tag der Rückfahrt schneller kam, als wir dachten. Auf dem Rückweg durch Slowenien schlug unser Herz für verlassene Ruinen höher. Bunker und alte Gemäuer am Straßenrand, immer wieder. Wir freuten uns sehr auf den Besuch im Militärhistorischen Park „Park vojaške zgodovine“ in Pivka. Einmal lieb gefragt, erlaubte uns der Aufseher sogar, in das U-Boot hineinzuklettern. Dies ist eigentlich nur mit Reservierung möglich.
Nach einem aufregenden und unvergesslichen Trip sind wir wohlbehalten zurück. Unser Fazit dieser Reise: Das war eindeutig der schönste Urlaub,
den wir bisher verbracht haben. Einen großen Teil hat nicht zuletzt unser Mazda 6 dazu beigetragen. Stundenlange Fahrten, keine Panne, keine Probleme – und das bei Temperaturen jenseits der 30 Grad. So muss ein Auto sein. Wer genau so abenteuerlustig ist wie wir, dem empfehlen wir nur: Ab ins Auto und los. Die Eindrücke und Erlebnisse sind unvergesslich!

Tipp: Zaton
Zwischen Nin und Zadar befindet sich die Stadt Zaton, die nur 980 Einwohner zählt. Zaton hat sich im Laufe der Jahre zu einem kleinen Touristenzentrum entwickelt, da sie mit zahlreichen Campingplätzen und großen Ferienanlagen aufwartet. Besonders interessant ist diese Stadt für Aktivurlauber. Ein breites Angebot an Sport- und Freizeitaktivitäten wartet auf die Besucher. Ob Tauchen und Schnorcheln, Rad fahren, Reiten, Wasserski, Windsurfen, Parasailing, Paddelboote – hier bleiben keine
Wünsche offen.
Tipp: Höhlen von Cerovac
Im südlichen Teil des Nationalparks Velebit in Gracac befinden sich die Höhlen von Cerovac. Sie gehören zu den bekanntesten Höhlen in Kroatien. Die drei Höhlenkomplexe haben gemeinsam eine Gesamtlänge von vier Kilometern, davon stehen 700 Meter zur Besichtigung offen. Diese Höhlen sind äußerst reich an Funden aus vergangenen Epochen und großen Mengen an archäologischen Überresten. Die Temperatur liegt zwischen 8 bis 11 °C. Daher ist warme Kleidung samt festem Schuhwerk empfehlenswert.

Seite 2 – Guide Kroatien mit Infos zur Anreise, besonderen Verkehrsbestimmungen, wichtige Telefonnummern, Wohnmobilstellplätzen und vielem mehr …

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