Moderne Heizungssysteme für Wohnmobil und Wohnwagen von Theo Gerstl

Komfortable Wärme
Wie immer, wenn verschiedene Systeme für die gleiche Problem­stellung konkurrieren, wird es schnell zur Glaubensfrage, welche Lösung „die beste von allen“ ist: So werden in Camper-Runden seit Jahrzehnten erhitzte Diskussionen darüber geführt, ob nun Diesel oder Gas die bessere Energiequelle für die Erwärmung des Innenraumes ist oder ob man eine Warmwasserheizung einem Luftheizsystem vorziehen sollte. Solche Streitgespräche werden vermutlich nie ein Ende finden, denn die ideale Heizung gibt es nicht; zu individuell sind die Anforderungen: Kastenwagen mit ihrem beschränkten Platzangebot erfordern andere Lösungen als ein Oberklasse-Wohnwagen – und wer die Wärmequelle ausschließlich für zugige Sommernächte oder die Übergangszeit benötigt, wird schon mit einfachen (und damit preiswerten) Lösungen glücklich werden. Der passionierte Wintercamper dagegen legt eher Wert auf höchsten Komfort und eine kraftvolle Heizleistung.

Der Trend zur App-Steuerung
Gerade beim Thema Komfort machen die Heizsysteme für Reisemobile und Wohnwagen momentan einen Riesenschritt nach vorne: Die Steuerung per Smartphone verspricht – unabhängig vom Heizsystem – einen Quantensprung bei der Bedienung. So stand der Messeauftritt von Truma auf dem diesjährigen Caravan Salon in Düsseldorf ganz im Zeichen der Publikumspremiere des neuen „iNet Systems“, mit dem Heizung und Klimaanlage jederzeit und von überall aus ferngesteuert werden können. Herzstück des neuen Bediensystems ist die „Truma iNet Box“. Sie dient als zentrale Steuereinheit und ermöglicht die Kommunikation zwischen der App auf dem Smartphone oder Tablet und den Truma-Geräten. Im Nahbereich geschieht dies kostenfrei per Bluetooth, verlässt man aber dessen Reichweite, schaltet die iNet Box automatisch auf SMS-Kommunikation um.
Auch der schwedische Hersteller Alde folgt dem Trend zu ferngesteuerten Heizungssystemen: Mit der „Alde App Start“ auf dem Smartphone und der entsprechenden Empfänger-Box im Fahrzeug lässt sich die Heizung von Reisemobil oder Wohnwagen per SMS ebenfalls von überall aus fernsteuern. Mit der „HUB 3 in 1“ hat zudem Teleco eine kostenlose App vorgestellt, mit der künftig eine Vielzahl von Geräten über das Smartphone gesteuert werden können – von der automatischen Sat-Anlage über die Klimaanlage bis hin zur Heizung.
Und die nächste Entwicklungsstufe ist bereits geplant: Für die Zukunft sieht Truma sein iNet-System nicht nur als Fernsteuerung für Heizung und Klima­anlage, sondern als Grundstein für eine vernetzte Welt im Freizeitfahrzeug. So sollen alle zukünftigen Truma-Geräte Teil des iNet-Systems werden. Dazu könnten sich die Putzbrunner beispielsweise vorstellen, Füllstandanzeigen für Wasser und Gas in das iNet-System zu integrieren.

Wasser- contra Luftheizung
Bei der Heizung selbst stellt sich zunächst die prinzipielle Frage, ob mit ihr direkt die Innenraumluft erwärmt werden soll oder – ganz wie bei der Zentralheizung zu Hause – erst ein Wasserkreislauf erhitzt wird, der dann über Heizkörper für Wärme im Wohnraum sorgt.
Zur Serienausstattung der meisten Reisemobile und Wohnwagen – von der Einsteiger- bis zur Mittelklasse – gehört eine Warmluftheizung. Diese saugt die Luft aus dem Innenraum an, erhitzt sie in einem mit Gas oder Treibstoff betriebenen Brenner und verteilt sie dann über mehrere Ausströmkanäle gleichmäßig im Fahrzeug. Diese Heiztechnologie macht eigentlich alles richtig: Durch ihre simple Konstruktion bleibt sie günstig in der Anschaffung und bringt wenig Gewicht auf die Waage – beides sind wesentliche Vorteile, gerade bei kompakten Reisemobilen und Caravans mit ihrer relativ geringen Zuladungskapazität.
Als komfortable Alternative bietet sich die Warmwasserheizung an, bei der zunächst ein geschlossener Wasserkreislauf erhitzt wird, der dann über Heizkörper die Innenraumluft erwärmt. Die Wärmeverteilung erfolgt bei einer Warmwasserheizung darüber hinaus sehr gleichmäßig und vollkommen zugluftfrei im gesamten Innenraum; was subjektiv zu einem angenehmen Raumklima führt. Doch die aufwändige Konstruktionsweise bringt auch Nachteile mit sich: Sie ist schwerer als eine Luftheizung und erwärmt den Innenraum durch den Umweg über den Wasserkreislauf langsamer – was sich jedoch durch elektrische Zuheizer im Warmwasserkreislauf kompensieren lässt; zumindest solange eine Landsteckdose in Reichweite ist. Zu guter Letzt ist die Warmwasserheizung in der Anschaffung teuer, weshalb sie werksseitig in der Regel nur in der Oberklasse verbaut wird.
Werden die Warmwasserleitungen oder Heizluftkanäle im Boden verlegt, erwärmen sie diesen, sodass eine zusätzliche Fußbodenheizung „entsteht“. Maximaler Heizkomfort ist auf diese Weise gewährleistet.

Vorteile der einzelnen Heizsysteme
pro Luftheizung
+ günstig in der Anschaffung
+ geringes Gewicht
+ schnelle Erwärmung des Innenraums


pro Warmwasserheizung
+ gleichmäßige Wärmeverteilung
+ sehr angenehmes Raumklima
+ zugluftfreie Erwärmung


pro Gasheizung
+ ideal für Wohnwagen
+ relativ günstig
+ universelle Lösung: Auch Kocher und Kühlschrank können mit Gas betrieben werden


pro Diesel-/Benzinheizung
+ problemloses Nachfüllen an jeder Tankstelle
+ geringes Zusatzgewicht
+ wenig Platzbedarf


pro Elektroheizung
+ günstigste Lösung für den gelegentlichen Betrieb
+ geringes Gewicht
+ punktuelle Wärme, dort wo sie gebraucht wird
+ hilft als Zusatzheizung, Gas zu sparen (beschränkter Gasvorrat)
+ verhindert Kältebrücken
+ Frostschutz für Tanks und Leitungen

Glaubensfrage Gas oder Diesel
Woher soll die Energie kommen, die den mobilen Wohnraum erwärmt? Diese oft hitzig diskutierte Frage lässt sich – emotionslos betrachtet – relativ einfach beantworten: Die klassische Heizung für Wohnwagen ist und bleibt die Gasanlage. Schließlich ist sie im Caravan in aller Regel bereits serienmäßig verbaut (inklusive eines Staukastens für die Gasflaschen), während ein Diesel- oder Benzintank nachgerüstet werden müsste. Welchen Sinn sollte es da machen, diese Serieninstallation zum Heizen nicht zu verwenden und stattdessen einen aufwändigen Umbau vorzunehmen? Darüber hinaus gilt Gas als umweltfreundliche Energiequelle.
Anders sieht die Sache bei Reisemobilen aus, hier können mit Diesel beziehungsweise Benzin betriebene Heizsysteme durchaus Vorteile verbuchen. Im Leistungsvermögen stehen Dieselheizungen den klassischen Gassystemen in nichts nach, und auch bei ihnen besteht die Wahlmöglichkeit zwischen Wasser- und Luftheizungen. Außerdem sind die Zeiten längst vorbei, in denen Dieselheizungen als „Stinker“ verschrien waren – Abgasreinigungssystemen sei Dank.
Einen wesentlichen Pluspunkt gegenüber der Gasheizung sammelt die Dieselheizung in puncto Gewicht und Platzbedarf. Schließlich bringen zwei Standard-Stahlgasflaschen mit elf Kilogramm Füllung knapp 45 Kilogramm auf die Waage – was die mögliche Zuladung des Reisemobils um den entsprechenden Wert reduziert. Gleichzeitig benötigen die beiden Gasbehälter einen entsprechend großen, entlüfteten Einbauraum, während ein Treibstofftank ja ohnehin bereits an Bord ist.
Letztendlich fällt auch die Kapazität eines vollen Fahrzeugtanks deutlich größer aus als die von Gasflaschen. Entsprechend braucht der Diesel-Heizer keine Angst davor zu haben, dass mitten in der Nacht die Heizung erlischt und die Kälte in den Innenraum kriecht.
Sowohl der Betrieb von mit Diesel als auch mit Gas betriebenen Heizungen ist während der Fahrt erlaubt. Gasanlagen müssen dazu jedoch seit 2007 über Sicherheitsausstattungen wie eine Druckregel-Anlage mit Crashsensor sowie Schläuche mit Schlauchbruchsicherungen verfügen.

Von der Standheizung zum Heizsystem
Viele Basisfahrzeuge lassen sich bereits ab Werk – ansonsten über den Nachrüstmarkt – mit einer Standheizung ausrüsten. Diese erwärmt, ohne dass der Motor läuft, entweder direkt die Luft der Fahrzeugheizung oder das Kühlwasser und bläst dann die über den Wärmetauscher erhitzte Luft ins Fahrzeug. Man steigt also im Winter immer in ein mollig warmes Auto, Eiskratzen gehört der Vergangenheit an. Zudem gibt es bei den Wasserheizsystemen auch keine Kaltstarts mehr, was den Motorverschleiß ebenso reduziert wie den Spritverbrauch.
Da die Luftausströmung bei konventionellen Standheizungen nur durch die Lüftungsschlitze im Fahrerhaus erfolgt, ist diese allein allenfalls in der Übergangszeit als Reisemobilheizung ausreichend. Oder als Zusatzheizung, die speziell das mitbewohnte Fahrerhaus mit seinen großen, schlecht isolierten Fensterflächen mollig warm macht. Neben den üblichen Standheizungen aus dem Automobilbereich gibt es jedoch auch speziell für Wohnmobile entwickelte Systeme, wie beispielsweise die Thermo-Top-Zusatzheizungen von Webasto. Bei ihnen besteht die Wahlmöglichkeit zwischen reiner Motorvorwärmung, reiner Innenraumbeheizung und der Kombination beider Heizmodi.
Da neben der Erwärmung des Wohnraumes auch die Warmwasserbereitung, das Kochen und der von Landstrom autarke und dauerhafte Betrieb des Kühlschranks an den Energiereserven zehren, bietet sich für dieses Gesamtsystem die Kombination aus Diesel und Gas als einander ergänzende Energiequellen an. Sinn würde es hier beispielsweise machen, die Heizung als größten Energieverbraucher – auf sie entfallen im Winter über 80 Prozent des gesamten Gasverbrauchs – und den Warmwasserboiler mit Treibstoff aus dem Fahrzeugtank zu versorgen, was über ein Kombi-Heizgerät platzsparend erfolgen kann. Dann reicht bereits ein relativ kleiner Gasvorrat, um Herd und Kühlschrank zu betreiben. Weniger Gewicht und ein geringerer Platzbedarf stehen dabei auf der Haben-Seite.

Zubehör
Doch erst mit dem geeigneten Zubehör können Heizsysteme ihr volles Potenzial ausschöpfen. Wer schon einmal versucht hat, im Ausland eine leere Gasflasche gegen eine gefüllte zu tauschen, kennt das Problem: Je nach Land werden verschiedenste Gasflaschen mit unterschiedlichen Anschlusssystemen vertrieben. Um dieses Problem zu umgehen, gibt es im Campingzubehör-Handel sowohl Europa-Füll-Sets als auch Europa-Entnahme-Sets. Mit den darin enthaltenen Adaptern lassen sich im ersten Fall die deutschen Gasflaschen vor Ort wieder befüllen, im zweiten Fall können ausländische Gasflaschen mit den bei uns üblichen Anschlusstücken verwendet werden. Das manuelle Umschalten von einer leer gewordenen auf die volle Reserve-Gasflasche ersparen automatische Umschaltventile.
Da die Qualität von Flüssiggas auf Reisen schwanken kann, kommt es durch Verunreinigungen immer wieder zu verölten Reglern, verschmutzten Gasanlagen und defekten Geräten wie Heizung, Kühlschrank oder Herd. Hier schaffen Gasfilter Abhilfe, die bis zu 99 Prozent der öligen Partikel abscheiden.
Für ein kuscheliges Hüttenflair sorgt dagegen die nachrüstbare „Kaminfeuer-Verkleidung“ von Truma, die den blechernen Gasofen optisch sowie akustisch zum flackernden Kaminfeuer mutieren lässt. Und mit einer elektrischen Zusatzheizung lässt sich der Gasofen auch per Landstrom betreiben, unabhängig vom Gasvorrat oder als zusätzliche Wärmequelle zur schnelleren Aufheizung des Innenraumes.

Wir liefert was?*
Gasbetriebene Warmwasserheizungen:


Alde Deutschland GmbH
Mühläckerstraße 11 · D-97520 Röthlein
Tel. 09723-911660
www.alde-deutschland.de


Gas- und Dieselbetriebene Heizsysteme:


Truma Gerätetechnik GmbH & Co. KG
Wernher-von-Braun-Straße 12 · D-85640 Putzbrunn
Tel. 089-46170
www.truma.com


Diesel-/Benzinbetriebene Heizsysteme:


Eberspächer GmbH & Co. KG
Eberspächerstraße 24 · D-73730 Esslingen
Tel. 0711-93900
www.eberspaecher.com


Webasto Thermo & Comfort SE
Friedrichshafener Str. 9 · D-82205 Gilching
Tel. 0395-5592229
www.webasto.com


Heizfolien und Heizvorhänge:


CampCo GmbH
Untere Gewerbestraße 1 · D-55546 Pfaffen-Schwabenheim
Tel. 06701-20526250
www.campco-gmbh.de


Pro Car GmbH + Co. KG
Hälverstr. 43 · D-58579 Schalksmühle
Tel. 02355-893200
www.pro-car.de


*ohne Wertung und Anspruch auf Vollständigkeit

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