Städte-Tour – Madrid von Johannes Kühner
Tourist-Info
Plaza Mayor, 27 (Casa de la Panadería) · E-28012 Madrid
Tel. +34 91-4544410
Öffnungszeiten: täglich 09.30–20.30 Uhr
www.esmadrid.com

Es scheint so, als würden sie in Madrid nur darauf warten. Darauf, dass ihnen das Tageslicht abgedreht wird. Denn wenn der Himmel in Dunkelheit versinkt, beginnt die Gran Vía zu erstrahlen. Bewohner kommen aus ihren Häusern und vermischen sich mit Touristen, die über die Straße schlendern, um in Bars, Theatern und Kinos zu verschwinden oder einfach nur die letzten Stunden des Tages im Freien zu genießen.
Das Edificio España wirkt dabei in der Nacht vergleichsweise unspektakulär – anders als tagsüber, wenn das mit 117 Metern einst höchste Gebäude Spaniens an der Spitze der Plaza España thront. Das Hochhaus markiert jedoch den Beginn der Gran Vía, die seit 1910 das Zentrum durchquert. Links und rechts erheben sich monumentale Gebäude aus den Anfangsjahren des 20. Jahrhunderts – fast so, als wäre die Zeit stehengeblieben. Hier das Theater Coliseum, dort der schmale Eingang ins Musical-Theater Lope de Vega – und dann ist auch schon die Plaza del Callao mit dem gleichnamigen monumentalen Kino erreicht. Handgemalte Plakate zieren das Filmhaus, am Gebäude nebendran bewegt sich hoch oben ein Werbeschriftzug als Leuchtreklame. Wenn man es nicht besser wüsste, so könnte man behaupten: die Gran Vía ist der Broadway, und hier ist der Times Square.
Dabei ist der Höhepunkt noch gar nicht erreicht: Nachdem die „Große Straße“ einen Knick macht, erscheint das Telefonica-Gebäude im Blickfeld. Auf dem 82 Meter hohen komplett illuminierten Haus drehen sich die Zeiger einer ebenfalls beleuchteten Uhr sturköpfig im Kreis. Und nur wenige Schritte sind es bis zu zwei weiteren Häusern aus den Anfangsjahren der Gran Vía, die mit ihrer triangel-förmigen Bauweise den Stil der Gegend geprägt haben: zunächst das Grassy-Hochhaus, an dessen Fassade die Logos von Uhrenherstellern leuchten, und gleich daneben das Metropolis-Haus. Jedes Detail seiner feingliedrigen Fassade scheint ins Licht eines eigenen Scheinwerfers getaucht zu sein, ganz oben breitet eine Victoria-Statue ihre Flügel aus.
Und auch wenn die Straße hier zu Ende ist: Die Illumination zieht sich noch weiter fort. Linker Hand führt der Weg über die Calle de Alcalá zu einem imposant beleuchteten Springbrunnen an der Plaza de Cibeles, wo die Anhänger von Real Madrid schon unzählige Meistertitel ihres Fußballteams gefeiert haben. Dann geht es hinein in den Paseo del Prado und auf die Plaza de las Cortes mit dem Hochhaus der Versicherung Plus Ultra. Seine Beleuchtung kann mit jener des Metropolis-Gebäudes locker mithalten.
Erleuchtung in der Kneipe
Wer es bis hier geschafft hat, der sollte jetzt dem Menschenstrom folgen – denn der Abend hat gerade erst begonnen, und mit großer Wahrscheinlichkeit zieht es die meisten, die noch unterwegs sind, ins Viertel Huertas. Vor allem um die Plaza de Santa Ana herum reiht sich eine Bar an die andere. Und eine Bar – das ist für Madrilenen so etwas wie ein zweites Wohnzimmer, ein Treffpunkt nach Feierabend, ein Ort für erleuchtende Gespräche. Ihr Bier oder ihren Wein bestellen die Spanier am Tresen – dort kosten Getränke weniger als an einem Tisch oder gar auf der Terrasse. Wer Spanisch spricht, wird sehr schnell in Gespräche einbezogen; ganz schnell ist man Stammgast und Freund.
Zumindest so lange, bis alle nach Hause gehen und sich schlafen legen, ehe das Tageslicht zurückkehrt. Und das erste Madrid erwacht.


In der Stadt
Die Anfahrt nach Madrid gestaltet sich über die Ringautobahn M-30 entspannt. In der verkehrsberuhigten Innenstadt hingegen gibt es kaum Parkplätze. Einfacher ist die Fortbewegung mit den elf Hauptlinien der Metro (Grundpreis in der Regel: 1,50 Euro; Zehnerkarten: 12,20 Euro; Zeitkarten für das Stadtgebiet: 14,20 Euro für zwei Tage). Auch Fahrradfahren wird beliebter: An mehr als 120 Ausleihstellen stehen rund 1.500 E-Bikes zur Verfügung. Preis pro Stunde: 2,00 Euro. Mit der Madrid Card (60,00 Euro) kostet die Nutzung des Nahverkehrs nichts, außerdem ist der Eintritt in mehr als 50 Sehenswürdigkeiten frei.
www.metromadrid.es | www.bicimad.com | www.madridcard.com


Rundgänge
Von oben sieht die Welt gleich anders aus: Die Tour „Madrid von oben“ führt auf drei Aussichtsterrassen, zudem über die Gran Vía – und dazu gibt’s Infos über die Flaniermeile. Im Gokart durch Madrid, das ist wirklich mal eine besondere Art der Stadtrundfahrt – wenn einem auch mal etwas mulmig werden kann im dichten Stadtverkehr. Per GPS-Navigation werden die Fahrgäste zu Sehenswürdigkeiten gelotst. Es geht aber auch klassisch: Doppeldeckerbusse fahren alle 20 Minuten auf zwei Routen: zum historischen Madrid und zum modernen Madrid. Tickets in der Tourist-Info.
www.madridaufdeutsch.net | www.gocartours.es


Sehenswertes
1738 entstand die Residenz der Königsfamilie: der Königspalast (Calle Bailén s/n) mit mehr als 3.000 Räumen. EU-Bürger haben zwei Stunden täglich kostenlosen Eintritt (offiziell: 10,00 Euro). Von außen aus ist der Blick auf das Barockgebäude vom Parque del Campo del Moro am besten. Gleich um die Ecke finden sich im Parque del Emir Mohammed I. Reste der Stadtmauer. Die Puerta de Alcalá (Plaza de la Independencia, 1) wiederum gilt als Symbol für Madrid. An die Terroranschläge vom 11. März 2004 erinnert ein Mahnmal am Bahnhof Atocha (Plaza Emperador Carlos V): ein nach oben offener Zylinder, in den Besucher unterirdisch hineinblicken.
www.patrimonionacional.es


Museen
Zwischen 4,00 und 8,00 Euro kostet der Eintritt in alle Museen – darunter Hochkaräter wie das Prado (Paseo del Prado, s/n), eines der wichtigsten Kunsthäuser der Welt. Was für Paris die Mona Lisa, ist für Madrid das Gemälde „Guernica“ von Pablo Picasso im Centro de Arte Reina Sofía (Calle de Santa Isabel, 52). Spannend am Caixa Forum (Paseo del Prado, 36) sind neben Kunst auf sieben Etagen die „vertikalen Gärten“ an der Gebäudefassade. Wen Stierkampf nicht abstößt, der bekommt 250 Exponate im Museum der Arena Las Ventas (Calle de Alcalá, 237) zu sehen.
www.museodelprado.es | www.museoreinasofia.es | www.las-ventas.com


Kirchen
Die 73 Meter hohe Almudena-Kathedrale (Calle Bailén, 10) gleicht dem nebenliegenden Palacio Real, das Innere des 1993 geweihten Gotteshauses besticht mit seinen immensen Ausmaßen und tollen Fresken und Fenstern. Im Kloster Convento de las Descalzas Reales (Plaza de las Descalzas, s/n) lohnt ein Besuch der Kapelle. Einzige gotische Kirche der Stadt: die Iglesia de San Jerónimo el Real (Calle de Moreto, 4), in der Juan Carlos I. gekrönt worden ist. Unscheinbar liegt die Kirche Iglesia evangélica alemana (Paseo de la Castellana, 6) zwischen Hochhäusern. Besonderheit: Der Gottesdienst ist auf Deutsch.
www.catedraldelaalmudena.es | www.patrimonionacional.es
www.sanjeronimoelreal.es | www.friedenskirche.es


Plätze
Auf die Plätze – (fertig) – los: Die Plaza Mayor ließ König Juan de Herrera im Jahr 1619 anlegen; am 130 mal 100 Meter großen Hauptplatz Madrids inmitten von dreigeschossigen Gebäuden kommt die ganze Stadt zusammen. An der Puerta del Sol beginnen sechs Fernstraßen am Kilometerstein „Zero“, der Platz selbst ist verkehrsberuhigt und beliebter Treffpunkt – etwa an der Statue „El oso y el madroño“ (Der Bär und der Erdbeerbaum). Wunderschön vor dem Königspalast liegt die Plaza de Oriente mit 20 Herrscher-Statuen. An der Plaza de la Villa wirkt Madrid wie ein Dorf, und nachts lohnt sich ein Besuch der Plaza de Cibeles mit ihrem beleuchteten Springbrunnen.


Spezialitäten
Ganz schön deftig schmeckt der Cocido madrileno: ein Eintopf aus Kichererbsen und ein bisschen Gemüse, vor allem aber Fleisch, beispielsweise Kalbshaxe und Blutwurst. Überhaupt zählt Fleisch aufgrund der provinziellen Vergangenheit Madrids zu einem Hauptbestandteil vieler Speisen. Kutteln zum Beispiel. Der Namenszusatz „à la madrilena“ ist dabei das Merkmal für Essen, das mit wenigen Gewürzen auskommt. Für Schleckermäuler führt kein Weg an Chocolate con churros vorbei. Hinter diesem Namen verbirgt sich sehr dickflüssige heiße Schokolade mit einem Fettgebäck als Beilage zum Eintunken. Gehaltvoller frühstücken geht wohl kaum.


Madrid | Lektüre
Peter Richter, „Gran Vía“: Wie sind sie eigentlich, die Madrilenen?
Das erzählt dieser Roman mit Ironie: über Kunst, Essen, Deutsche im Ausland und schräge Typen entlang der Gran Vía. Verlag: Goldmann, ISBN: 978-3-442475-53-7

Einkaufen
Wer sonntags in Madrid ist, für den ist El Rastro (Calle de la Ribera de Curtidores, s/n) ein Muss. Weit mehr als 3.000 Händler verkaufen auf dem auch von Madrilenen besuchten Flohmarkt allerlei Trödel, Antiquitäten und Kurioses. Auch das Kaufhaus Popland (Calle de Manuela Malasaña, 24) hat Altes im Angebot: allerlei Spielzeug aus längst vergangenen Zeiten. Kulinarische Leckereien aus spanischen Klöstern gibt es im Jardín del Convento (Calle del Cordón, 1). Die sehr schöne Markthalle Mercado de San Miguel (Plaza de San Miguel, s/n) hat ihren Fokus auf hochwertige Lebensmittel gelegt, um gegen Supermärkte bestehen zu können.
www.popland.es | www.eljardindelconvento.net | www.mercadodesanmiguel.es


Restaurants
Madrids besten Cocido (siehe „Spezialitäten“) verspricht La Bola (Calle Bola, 5), das seit fast 150 Jahren existiert. Eine Alternative, um das traditionelle Gericht zu essen: Cruz Blanca (Carlos Martín Álvarez, 58). Tradition umweht auch die Tapas-Bar Almendro 13 in der gleichnamigen Straße. Zu empfehlen sind die Paella Negra in der Markthalle Mercado de San Miguel (siehe „Einkaufen“). Hausmannskost steht in El Puchero (Calle Padre Damián, 37) auf der Speisekarte, Touristen sind hier kaum. Beliebt bei Prominenten: Posada de la Villa (Calle Cava Baja, 9). Ihre Namen sind in die Sitze eingraviert.
www.labola.es | www.almendro13.com
www.elpuchero.com | www.posadadelavilla.com


Cafés
Vier Cafés aus alten Zeiten: Zum Frühstück sollte man sich in der Chocolateria de San Ginés (Pasadizo San Ginés, 5) die Trinkschokolade und einen Churro (siehe „Spezialitäten“) gönnen. El Espejo (Paseo de Recoletos, 31) lebt vom Charme seiner Kaffeehausatmosphäre. Noch älter ist das fast benachbarte Gran Café de Gijon (Paseo de Recoletos, 21), das Intellektuelle und Schriftsteller seit 1888 anlockt. Eine riesige Auswahl an Konditoreiwaren bietet El Riojano (Calle Mayor, 10). Die Leckereien gibt’s zum Mitnehmen – oder in einem Ambiente aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.
www.chocolateriasangines.com | www.restauranteelespejo.com | www.cafegijon.com


Bars
Im Stadtteil Huertas reiht sich eine Bar an die nächste – und in fast jeder lohnt sich ein Besuch. Erlebnisgastronomie bietet beispielsweise die Bar Naturbier (Plaza de Santa Ana 9): Gäste zapfen sich ihr Getränk dort selbst. Sehr unscheinbar verbirgt sich La Venecia (Calle de Echegaray, 7) im Stadtzentrum, wo Einheimische abends ihren Sherry trinken; die Rechnung wird auf eine Tafel geschrieben. Die Bar El capricho extremeño (Calle de Carlos Arniches, 30) öffnet nur am Wochenende und ist wegen ihrer Lage neben dem Flohmarkt El Rastro (siehe „Einkaufen“) völlig überlaufen – aber zugleich ein Ort des authentischen Madrider Lebens.
www.naturbier.com


In der Natur
Erst 2012 hat der Parque Madrid Río entlang des Flusses Manzanares eröffnet. Wo zuvor die Autobahn verlief, stehen heute 33.000 Bäume und 5.500 Ruhebänke. Nur wenig kleiner ist der Parque de Retiro (Plaza de la Independencia, 7) mit künstlichem See und vielen Liegeflächen. Eine Verwandlung hat der Altbau des Bahnhofs Atocha (Plaza Emperador Carlos V) durchgemacht: Wo früher Gleise verliefen, wachsen heute Palmen unter einem Glasgewölbe. Zum Wald Casa de Campo (Paseo Puerta del Angel, 1) mit Zoo, Freibad und See fährt eine Seilbahn. Endstation der Bahn in der Stadt ist nahe des ägyptischen Templo de debod (Calle Ferraz, 1) inmitten einer langen Grünfläche.
www.esmadrid.com


Mit Kindern
Im Vergnügungspark Parque de Atracciones (Casa de Campo s/n) kommen action-begeisterte Kinder in allerlei Fahrgeschäften auf ihre Kosten. Direkt nebenan liegt der Zoo mit 3.000 Tieren, unter anderem mit Delfinen. Da kann der Naturpark Faunia (Avenida de las Comunidades 28) gut mithalten: Auf 140.000 Quadratmetern gibt es Streichelgehege, Pinguin-Welten, Korallenriffs und Lernstationen über Insekten. Fußballfans jeden Alters werden vom Museum und einer Tour im Stadion Bernabeu von Real Madrid (Av de Concha Espina, 1) begeistert sein. Außergewöhnlich ist eine Seilbahnfahrt mitten in der Stadt (siehe „In der Natur“).
www.parquedeatracciones.com | www.zoomadrid.com
www.faunia.es | www.realmadrid.com


Umgebung
Größter Renaissance-Bau der Welt – mit diesem Superlativ schmückt sich die Schloss- und Klosteranlage Monasterio in San Lorenzo de El Escorial, 50 Kilometer westlich von Madrid. Die Anlage mit Kapelle, Bibliothek, Königsgräbern und Gartenanlage gehört seit 1984 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Ganz in der Nähe befindet sich das Valle de los Caídos mit dem größten freistehenden Kreuz der Welt auf dem Grab von Diktator Francisco Franco. Im Felsen darunter liegt eine mehr als 250 Meter lange Basilica. Im größeren Umkreis um Madrid lohnt sich ein Abstecher in die drei historischen Metropolen Toledo, Segovia und Ávila, allesamt auf der UNESCO-Liste.
www.monasteriodelescorial.com | www.valledeloscaidos.es


Fazit
Aufregende Architektur, Museen von Weltruhm, weitläufige Parks, aber vor allem die Lebensart seiner Bewohner macht die spanische Hauptstadt zu einem lohnenswerten Ziel. Denn egal ob an der Puerta del Sol, an der Plaza Mayor oder auf dem Flohmarkt El Rastro: Einheimische lassen sich ihre Lieblingsplätze nicht von Touristen nehmen, und so wirkt die 3,1-Millionen-Einwohner-Stadt an vielen Orten doch noch wie ein – wenn auch dicht besiedeltes – Dorf. Mit ein bisschen Offenheit und Sprachkenntnissen werden Gäste von den neugierigen Spaniern schnell in ihrer Mitte aufgenommen – und sei es nur für ein, zwei Bier, ehe jeder wieder seiner Wege geht. Madrid – ein leuchtendes Beispiel für gelebte Gastfreundschaft.

Wohnmobil-Stellplätze | Campingplätze
Camping Osuna
Calle Jardines de Aranjuez · E-28042 Madrid
GPS: 40°27‘13.6“N/3°36‘12.2“W
Zehn Minuten von der Metro entfernt, die Fahrt ins Zentrum dauert 45 Minuten. Dennoch der verkehrsgünstigste und am besten ausgestattete Campingplatz im Westen der Stadt.
www.campingosuna.com
VN:F [1.9.20_1166]
Artikelbewertung
Bewertung: 0.0/5 (0 Stimmen)

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *



8 − 7 =

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>