Satellitenanlagen und Fernseher für Wohnmobil und Caravan von Theo Gerstl

Mehr als nur Fernsehen
Lichtjahre entfernt scheinen jene Zeiten, als sich der „halbe Campingplatz“ in der Strandbar versammelt hatte, um einen Blick auf den flackernden Fernseher mit den Länderspielergebnissen des Abends zu erhaschen. Verblasst sind auch die Bilder von informationshungrigen Urlaubern, die sich schon im Morgenmantel auf den Weg zum Kiosk gemacht haben, um zumindest die Neuigkeiten des Vortages aus ihrer „Bild“ zu erfahren.
Heute, im multimedialen Zeitalter, sind solche Szenarien unvorstellbar: Per Smartphone, Mobilfunk und Wifi hat der moderne Globetrotter weltweit Zugriff auf die aktuellsten „Breaking News“, kann Videos und Musik aus dem Internet streamen und jederzeit mit den Lieben zuhause in Kontakt treten. Doch wirklich komfortabel ist das nicht: Der WLAN-Hotspot deckt oft gerade einmal den Umkreis der Rezeption ab, die Bildschirme von Handy, Tablet & Co. erinnern ein wenig an die Größe von Mäusekinos, und wer seinen heimischen Lieblings-Radiosender per Mobilfunk hört, wird schnell sein Auslands-Datenvolumen aufgezehrt haben.
Da ist es eine ganz logische Entwicklung, dass auf oder neben immer mehr Reisemobilen und Caravans Satellitenschüsseln rotieren – versprechen sie doch den ungetrübten Genuss heimischer Radio- und Fernsehsender in höchster Qualität und den Zugriff auf Internet und E-Mails direkt von der gemütlichen Sitzgruppe im mobilen Feriendomizil.

Per Satellit ins Internet
Die heimischen Fernseh- und Radioprogramme auch im Ausland empfangen zu können, das war der Beginn des Siegeszuges mobiler Satellitenanlagen bei Reisemobilisten und Campern. Und auch heute noch sind dies die beiden wesentlichen Faktoren, die von solchen System erwartet werden. Doch die Satellitentechnologie hat sich rasant weiterentwickelt: So ist es inzwischen möglich, über die Schüssel am Reisemobil auch Fernseher oder Laptop mit dem Internet zu verbinden.
Während der Empfang von Radio und TV mit einer herkömmlichen Satellitenantenne mit „Ein-Wege-Technik“ auskommt, ist für die Internetkommunikation die modernere Variante mit „Zwei-Wege-Technik“ erforderlich. Während bei ersterer nämlich nur Daten vom Satelliten in Richtung Empfangsgerät fließen, können bei der letztgenannten auch Daten über die Schüssel in Richtung Satellit gesendet werden – was ja wichtig ist, sobald man Internetseiten aufrufen, E-Mails schreiben oder per Internet telefonieren möchte (VoIP). Natürlich fallen auch hier – wie bei jeder Internetnutzung – Gebühren an, da man auf die Dienste eines Providers angewiesen ist. Da deren Auslandspreise stark variieren, sind sorgfältige Kostenvergleiche ratsam.

Footprint – oder wo klappt’s?
Für den Empfang der deutschsprachigen Fernseh- und Radiosender sind die beiden Satellitengruppen von Astra und Eutelsat (Hotbird) die wichtigen. Sie rotieren in Äquatornähe – aus europäischer Sicht also im Süden – in rund 36.000 Kilometern Höhe an festen Positionen im All. Von dort aus senden sie ihre digitalen Signale in Richtung Europa. In welchen Bereichen man einen bestimmten Satelliten mit welcher Stärke empfangen kann, wird über einen sogenannten Footprint, einen „Fußabdruck“, dargestellt. Dabei gilt generell: In dessen Zentrum herrschen die optimalen Empfangsbedingungen, während in den Randbereichen das Sendesignal schwächer wird. Und: Von der zur Verfügung stehenden Signalstärke ist die für den störungsfreien Empfang benötigte Größe der Sat-Antenne abhängig – je schlechter das Signal, desto größer muss diese gewählt werden. Über die Empfangsqualität von Fernseh- und Radioprogrammen entscheidet also zum einen die geografische Lage des Urlaubsortes und zum zweiten die verwendete Satellitenschüssel – beides zusammen bestimmt den Umfang des Footprints.
Doch bevor eine Sat-Anlage überhaupt ein Bild zeigt, ist das Ausrichten der Antenne zum Satelliten hin erforderlich. Und dieses Spiel wiederholt sich regelmäßig, sobald das Reisegefährt seine Position verändert hat. Mit den einfachen und günstigen manuellen Sat-Anlagen kann das bei häufigen Standortwechseln schnell nervig werden, automatische Versionen erledigen dies ganz alleine.

Form und Größe machen den Unterschied
Bei der Wahl der Satellitenschüssel gilt die erste Frage den angepeilten Reisezielen. Wer im Herzen Europas unterwegs ist, dem genügt in aller Regel eine kleine Satelliten-Anlage mit einem Durchmesser des Parabolspiegels von rund 45 bis 65 Zentimetern. Skandinavienfans, Osteuropafahrer und Reiselustige, die es ans südliche Mittelmeer zieht, kommen um eine Spiegelgröße von rund 80 Zentimetern nicht herum.
Auch die Form der Antenne spielt eine Rolle. Am bekanntesten ist die Parabolantenne, also die klassische Satellitenschüssel, wie sie sich auch auf vielen Hausdächern finden lässt. Geringere Abmessungen sind dagegen der wesentliche Vorteil von Flachantennen: Wenn also auf dem Dach des Reisemobils „Platz sparen“ angesagt ist, empfiehlt sich die Montage einer Flachantenne – mit dem Nachteil eines geringeren Empfangsbereiches (kleinerer Footprint). Die dritte Variante sind Kuppelantennen, in denen die Technik inklusive Satellitenschüssel unter einer geschlossenen Hülle steckt – mit dem Vorteil, dass diese geschützt vor Wind und Wetter ist.
Um das Optimum an Empfangsleistung bei geringstmöglichen Abmessungen zu realisieren, hat der Sat-Anlagen-Hersteller ten Haaft eine Flachantenne mit neuer Technik entwickelt: Die Cytrac DX besteht aus rund tausend winzigen Kleinstempfängern, deren einzelne Signale auf elektronischem Weg zusammengeführt werden. Im Ergebnis ist der Empfangsbereich deutlich größer als bei konventionellen Flachantennen mit einer vergleichbaren Kantenlänge von 56 Zentimetern, zusätzlich verringern abgerundete Ecken den Drehradius auf dem Dach.

Freie Sicht
Damit eine Satellitenantenne überhaupt Signale aus dem All empfängt, benötigt sie einen ungestörten Blick auf den Erdtrabanten. Die Crux dabei: Gerade die zum Schatten spenden extra angepflanzten Bäume stören auf Campingplätzen oft den Empfang. In solchen Fällen hilft bei einer fest montierten Dachantenne nur die Suche nach einem anderen Stellplatz. Oder man entscheidet sich gleich für die Anschaffung einer mobilen Sat-Anlage, die neben dem Wohnmobil aufgebaut wird. Dann können Reisemobil oder Wohnwagen im angenehm temperierten Schatten stehen, und die Verbindung zwischen Satellit und Empfangsantenne klappt dennoch.
Nur sollte man darauf achten, dass die Kabellänge nicht allzu sehr ausufert, da dies Qualitätseinbußen mit sich bringt. Dem kann man jedoch mit einem Signalverstärker entgegenwirken, und eine Fensterdurchführung oder eine Außensteckdose für das Antennenkabel erleichtern den Anschluss der tragbaren Sat-Antenne ans Reisemobil.

Komfort oder Purismus?
Ob mehrwöchiger Strandurlaub oder Rundreise mit häufigem Wechsel des Urlaubsortes – auch das eigene Reiseverhalten ist mitentscheidend für die Wahl der geeigneten Empfangsanlage. Denn wer standorttreu auf einem Campingplatz Urlaub macht, dem genügt in der Regel bereits eine manuell einstellbare Schüssel. Diese Modelle sind vergleichsweise günstig, erfordern aber persönlichen Einsatz bei der Suche nach dem Satelliten: Auf dem Stellplatz angekommen, muss jedes Mal wieder die Satellitenantenne ausgerichtet werden, ehe der Fernsehgenuss beginnen kann. Dazu wird die Schüssel in horizontaler (Azimut) und vertikaler Richtung (Elevation) justiert – und dies geschieht eben manuell oder automatisch, je nach verwendeter Technik. Um bei einer manuell einstellbaren Satellitenantenne überhaupt eine Chance zu haben, die Schüssel in überschaubarer Zeit möglichst exakt auszurichten, ist ein Sat-Finder vorteilhaft, der die aktuelle Signalstärke anzeigt und im Zubehörhandel verfügbar ist.
Wer hingegen regelmäßig einen neuen Stellplatz anfährt und dann abends fernsehen möchte, ist mit einer vollautomatischen Anlage besser bedient. Diese peilt bequem auf Knopfdruck den eingestellten Satelliten selbstständig an, und schon nach kurzer Wartezeit erscheint ein klares Bild auf dem TV. Bei Satellitenantennen, die auf dem Fahrzeugdach montiert sind, ist ein Sicherheitssystem der Automatik-Antennen praktisch: Schaltet man die Sat-Anlage ab oder startet den Motor, fährt die Antenne von alleine wieder zurück in ihre Ausgangsposition – wichtig, damit beim Losfahren die gewohnte Fahrzeughöhe eingehalten wird und so das gute Stück auch nach der ersten Tunneldurchfahrt noch unbeschädigt am Dach verbleibt.
Für den gleichzeitigen Empfang von zwei Fernseh- oder Radio-Programmen ist eine Satellitenantenne mit zwei LNBs (Empfangskonverter) erforderlich – ebenfalls für das parallele Surfen im Internet. Doch die Kommunikationsbedürfnisse werden auch auf Reisen immer komplexer: Diesem Trend trägt beispielsweise Megasat mit dem neu entwickelten „Campingman Kompakt TV on Air“ Rechnung, der das TV-Signal auf den Fernseher sowie auf bis zu acht mobile Endgeräte, wie Tablets oder Smartphones, überträgt.
Reist man in die Randgebiete Europas, so lohnt sich die Anschaffung einer Satellitenantenne mit Skew-Funktion, die auch dort für einen bestmöglichen Empfang sorgt. Während nämlich der LNB in Deutschland lotrecht in der Mitte der Sat-Schüssel montiert ist, wird auf Fernreisen durch die Erdkrümmung eine Winkelkorrektur erforderlich – die als Skew-Faktor bezeichnet wird. Hochwertige Antennen erledigen diese Korrektur vollautomatisch, einfacher gestrickte Modelle müssen manuell eingestellt werden.

DVB-T – preiswerte Einfachlösung
Ganz ohne Satellitenschüssel kommt das terrestrische (erdgebundene) Digitalfernsehen DVB-T aus. Je nach Empfangsgebiet sind hier bundesweit die wichtigsten deutschen Fernsehsender vertreten. Der Haken: DVB-T stellt nur im Inland eine geeignete Alternative für den Empfang der gewohnten Sender dar. Möchte man sich die Sportschau oder seine Lieblingsserie in fremden Ländern sehen, kommt man mit dem terrestrischen Digitalfernsehen nicht weiter – es sind stets nur die Fernsehsender des Landes empfangbar, in dem man sich gerade aufhält.
Dafür ist die terrestrische Alternative zum Satellitenfernsehen kompakt, leicht zu handhaben und in jedem Falle preisgünstig. DVB-T-Receiver, sofern nicht ohnehin bereits im TV-Gerät verbaut, gibt es bereits ab rund 25 Euro – und auch der Antennenpreis hält sich mit wenigen Euro in Grenzen. DVB-T läuft mit entsprechenden (kompakten) Empfangsmodulen auch auf Laptops, Tablet-PCs und Smartphones, ohne dabei ohne das Datenvolumen des Mobilfunks anzuzapfen. Mehr Infos zu DVB-T gibt es unter: www.ueberallfernsehen.de.

Receiver und Fernseher
Zusätzlich zum Steuerelement der automatischen Sat-Antenne ist ein Receiver (DVB-S-Empfänger) nötig, der die Signale der Empfangsantenne so umwandelt, dass auf dem Fernsehgerät das gewünschte Programm angezeigt wird. Entsprechend werden viele Sat-Anlagen optional mit einem passenden DVB-S-Tuner angeboten – und kaum ein Fernseher geht mehr ohne dieses Feature über die Ladentheke. Will man per Satellit jedoch nicht nur TV gucken, sondern auch Radio hören, stellt ein im Fernseher integrierter Sat-Empfänger nur die Minimallösung dar – schließlich muss man in diesem Fall das TV-Gerät selbst für den reinen Musikgenuss einschalten. Der leuchtende Bildschirm nervt auf Dauer, Verschleiß sowie Stromverbrauch steigen und die Qualität der integrierten Lautsprecher überzeugt auch nicht wirklich. Verwendet man dagegen einen externen Satellitenempfänger und ergänzt die TV-Anlage mit einer Soundbar – also einer Lautsprecher-Verstärker-Kombination – erhält man sowohl beim Fernsehen als auch beim Musikhören ein optimales Klangerlebnis, und das TV-Gerät kann während des Musikgenusses abgeschaltet bleiben.
Will man Fernsehprogramme in möglichst hoher Auflösung sehen, muss man bei Receiver und TV darauf achten, dass sie HD-fähig sind (High Definition). Diese Anforderung erfüllen alle Receiver des neuesten DVB-S2-Standards. Mit ihnen klappt der HDTV-Empfang öffentlich-rechtlicher Sender, während Privatsender den Zugang zu ihren HD-Ausstrahlungen nur über eine Steckkarte freigeben. Dieser Steckkartenplatz wird CI oder CI+ (Common Interface = Allgemeine Schnittstelle) genannt, der entsprechende Einschub-Schlitz sollte am Gerät vorhanden sein. Vor dem Empfang von Privatsendern in HD-Qualität muss eine „Entschlüsselungskarte“ (HD+-Modul) gekauft werden, wodurch zusätzliche Nutzungskosten entstehen (mehr Infos unter: www.hd-plus.de).
Fernsehgeräte, die speziell für den Einsatz im Reisemobil oder Caravan konstruiert sind, unterscheiden sich in technischen Details von jenen für den heimischen Gebrauch. Da ist zum einen natürlich ihre geringere Größe, die den beengteren Platzverhältnissen geschuldet ist. Doch obwohl das Bildschirmformat (meist zwischen 15 und 24 Zoll) auf den ersten Blick eher klein erscheint, ist es dennoch ausreichend groß für den ungetrübten Fernsehgenuss: denn anders als zu Hause sitzt man im Reisemobil oder Caravan relativ nah am TV-Gerät. Als Faustregel gilt: Die Bildschirmdiagonale sollte etwa ein Drittel des Abstandes zwischen dem „Fernsehsessel“ und dem Gerät betragen. Darüber hinaus sind Fernseher für den mobilen Einsatz so gebaut, dass sie die deutlich größeren Erschütterungen während der Fahrt auf Dauer aushalten, und auch die Wahl zwischen 12 und 220 Volt Spannung ist bei heimischen Geräten nicht selbstverständlich.

Kontaktpflege
Zur einfachen Montage auf den Befestigungsplatten der TV-Halterungen verfügen die Fernseher über genormte Bohrungen auf der Rückseite, die dem internationalen VESA-Standard entsprechen sollten. Mit nur vier Schrauben können sie dann an Schiebe-, Klapp- und Versenk-Armen aus dem Zubehörhandel befestigt werden – Unterbringungsfragen sind damit im Handumdrehen gelöst. Trotz dieser sicheren Montage sollte der Fernseher während der Fahrt in einem Fernsehfach des Möbelbaus verschwinden oder zumindest per Schieberiegel oder Gurt gesichert werden. Dann reißt ihn selbst ein grobes Schlagloch nicht aus der Verankerung, und bei einem Unfall wird so verhindert, dass er zu einem lebensgefährlichen Geschoss wird.
Dem unschönen und stolpergefährlichen Kabelsalat wirken drahtlose Vernetzungsmöglichkeiten entgegen. So lassen sich bei TV-Geräten der Oberklasse Medieninhalte von mobilen Endgeräten wie Smartphones oder Tablets per WiFi auf den Fernsehbildschirm übertragen. In Gegenrichtung kommt dann der Ton per Bluetooth-Modul kabellos zu den Lautsprechern oder zum Kopfhörer.
Wie die Komplettvernetzung der Technik im Reisemobil oder Caravan aussehen kann, zeigt Teleco: Mit einem Steuergerät im Fahrzeug und einer App auf dem Smartphone lassen sich nicht nur Generator und Klimaanlage aus der Ferne regulieren, sondern auch die Satellitenschüssel kann von unterwegs eingefahren werden, sobald beispielsweise ein Unwetter im Anmarsch ist.
Alphatronics setzt dagegen mit seinen neuen Fernsehgeräten der „SL-Line Individual“, die auf der CMT 2016 in Stuttgart erstmals präsentiert wurden, ganz auf Individualisierung. So hat der Kunde bei dieser TV-Baureihe die Wahl zwischen drei Ausstattungsoptionen: In der „Variante-H“ ist ein Festplattenrecorder in den Fernseher integriert, mit der „Variante-I“ ist das Surfen im Internet per Android-Betriebssystem möglich, und die „Variante-K“ verfügt letztendlich über die neue „One-Cable-Solution“. Damit können vollautomatische Sat-Anlagen von Kathrein direkt über das TV-Gerät bedient werden – ganz ohne zusätzliches Steuergerät. Außerdem besteht die Möglichkeit, Fernsehsendungen auf ein Smartphone oder Tablet zu streamen.

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