USA: Coast-to-Coast – Florida · Teil 2 (Seite 1 von 2) von Dr. Katrin Kern
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Wir kommen beim angeblich größten Harley-Davidson-Händler der Welt vorbei. Jetzt wissen wir auch, wieso in Florida so viele Motorräder verkauft werden. In den Südstaaten gibt es keine Helmpflicht, und bei ganzjährigem Sommerklima fahren viele Biker in kurzen Hosen oder offenen Hemden. Easy-Rider-Feeling.
Auch wir lassen uns von der guten Laune des Sonnenstaates anstecken und nutzen die Neigung der Amerikaner zu verrückten Sachen, um kurzerhand an den Strand zu fahren. Man glaubt es kaum, aber im Land der unbegrenzten Möglichkeiten darf man sogar mit dem Reisemobil zwischen den Sonnenanbetern herumfahren. Es gibt in Daytona Beach extra Strandübergänge, wo man eine Gebühr bezahlt, und dann heißt es: Freie Fahrt auf dem schmalen Stück zwischen Wellen und Dünen! Das hat man auch nicht alle Tage!
Überhaupt sind die Einwohner dieses Ortes Kraftfahrzeugen gegenüber sehr positiv eingestellt, denn Daytona Beach ist seit 1948 weltbekannt als Austragungsort der NASCAR-Rennen. Nicht nur die Stock Cars stellen hier Geschwindigkeitsrekorde auf, auch Motorrad-Rennen erfreuen sich internationaler Beliebtheit.

Cape Caneveral und Disney World
Wir rollen weiter entlang der Atlantikküste bis nach Cape Canaveral. Eine kleine Etappe für uns, ein riesiger Sprung für die Menschheit. Man kann es ahnen, wir besuchen das Kennedy Space Center und tauchen tief in die Geschichte der NASA ein. In Florida gibt es unglaublich viele Themenparks und Freizeitaktivitäten, aber nichts ist so authentisch wie ein Besuch auf Cape Canaveral. Auf dieser vorgelagerten Insel an Floridas Ostküste entstand nach der Gründung der NASA 1958 das amerikanische Raumfahrtzentrum. Daran wollen wir natürlich nicht vorbeifahren, ohne den Raketengarten und die Abschussrampen gesehen zu haben.
Die meisten Ausstellungsstücke sind Originale, und bei einer Busrundfahrt durch das Gelände, auf dem keine privaten Fahrzeuge zugelassen sind und sogar unser Nasa-Busfahrer eine Sicherheitsschranke passieren muss, wird uns bewusst, welchen historisch bedeutenden Flecken Erde wir hier erreicht haben. Seit Dezember 1968 sind von hier aus alle bemannten Raumflüge gestartet. Der einzige Platz auf der Erde, von dem aus Menschen unseren Planeten verlassen haben, um zum Mond zu fliegen.
Auch die Raumfähre „Atlantis“ ist zu bestaunen, so, wie sie am 21. Juli 2011 nach ihrer letzten Mission gelandet ist. Kein Wunder, dass man an den Hitzekacheln einige Abnutzungsspuren erkennen kann. Für uns jedenfalls ein gigantischer Anblick.
Der bekannteste Einwohner von Orlando heißt Mickey Mouse. Wir übernachten auf dem KOA-Campingplatz im Vorort Kissimmee und fahren mit dem Bus nach Disney World. Ein Besuch in dieser Fantasiewelt sprengt jede Vorstellungskraft.
Die Amerikaner sind ja Weltmeister in der Bewältigung von großen Besuchermengen und in der Durchführung von Sicherheitsmaßnahmen. Beim Betreten des „Magic Kingdoms“ werden nicht nur unsere Taschen kontrolliert, sondern auch die Fingerabdrücke eingescannt. Danach gibt es aber kein Halten mehr – wir fühlen uns zurückversetzt in die frühe Kindheit. Cinderellas Schloss zieht uns besonders an. Wie auch im Disneyland Paris wurde es im Zentrum des magischen Königreichs platziert.

Luxus in Boca Raton
Auf der nächsten Etappe wollen wir mal schauen, wo die Reichen und Schönen wohnen. Wir gelangen über eine Brücke nach Jupiter Island, einer Landzunge, die Floridas Ostküste vorgelagert ist. Die Vegetation gleicht einem tropischen Regenwald. Wir fallen mit unseren Reisemobilen sicherlich auf, denn außer uns sind auf der schmalen Straße über die Promi-Insel hauptsächlich Golfkarren unterwegs.
Großartig orientieren müssen wir uns nicht, denn unser Weg führt über weite Strecken immer schnurgeradeaus die Küste hinunter. So gelangen wir von North Palm Beach und West Palm Beach über South Palm Beach nach Boca Raton. Hier liegen links und rechts der Straße hauptsächlich Golfclubs, Yachthafen und Luxus-Resorts. Es muss in Florida ganz schön viele Leute mit ganz schön viel Geld geben. Wir können neidlos an all dem Luxus vorbeicruisen, wie die Amerikaner es nennen, wenn man nicht möglichst schnell von A nach B kommen will, sondern hauptsächlich mit dem Auto fährt, um sich die Gegend anzuschauen.
Und dann sind wir irgendwann raus aus der Traumwelt. Die nackte Realität hat uns wieder. Wir bewegen uns mit Hunderttausenden von anderen Verkehrsteilnehmern auf den Highways von Miami. Wer kennt es nicht aus der Krimiserie der Achtzigerjahre? Miami Vice lässt grüßen!
In allen großen amerikanischen Städten gibt es Campingplätze. Ein Paradies für Reisemobilfahrer – meist verkehrsgünstig gelegen und damit allerdings auch ziemlich laut. Aber das stört uns nicht wirklich. Wir bewegen uns schon tagelang in moskitofreiem Gebiet, abends ist die Luft so herrlich lau und warm, dass man gar nicht zu Bett gehen möchte, und überhaupt leben wir nun seit Wochen im scheinbar endlosen Sommer – Flip Flops und kurze Hosen, ein kühles Bier und etwas Grillfleisch, was braucht der Mensch mehr?

Miami
Nach New York und Chicago ist Miami die amerikanische Stadt mit den höchsten Wolkenkratzern. Und die meisten liegen am Wasser – natürlich mit Yacht vor der Tür! Miami ist eine sehr bunte Stadt mit vielen verschiedenen Facetten. Besonders reizvoll ist der Art Déco District. Hier könnte jedes Haus eine Geschichte erzählen. Der Baustil ist weiß oder bonbonfarben, und auch hier spiegelt sich der nicht enden wollende Sommer wider. Natürlich lockt auch der berühmte Miami Beach. Weißer Sand und grünes warmes Atlantikwasser – traumhaft!
Florida ist eine Halbinsel umschlossen im Osten vom Atlantik und im Westen vom Golf von Mexiko. Die durchschnittliche Höhe dieses Bundesstaates beträgt 30 Meter über dem Meeresspiegel. Mit anderen Worten: Der Großteil von Florida ist Küste. Und genau dort fahren wir entlang weiter nach Süden. Wir wollen alles sehen bis hinein in die letzte Spitze. Also müssen wir hinaus auf die Keys, die Koralleninseln, die ursprünglich nur von Fischern, Künstlern und Aussteigern bewohnt wurden. Die Inselkette führt quasi die Ostküste der USA bis weit in den Golf von Mexico hinein. Der US-Highway 1 verbindet über 42 Brücken die Inseln miteinander – eine der spektakulärsten Straßen der Welt! Und wir können darauf mit unserem Reisemobil zum südlichsten Punkt des amerikanischen Festlands rollen.
Ringsherum ist das Meer getupft von kleinen grünen Inselchen. Man muss immer wieder auf die Landkarte schauen, um sich vorzustellen, dass wir fast 150 Kilometer weit hinaus aufs offene Meer fahren und doch noch festen Boden unter den Rädern haben. Die längste Brücke ist die berühmte Seven-Mile-Bridge. Sie erstreckt sich über sieben Meilen – also fast elf Kilometer – auf 546 Betonpfeilern von einer Insel zur anderen. Gigantisch!

Tipp
Sloppy Joe’s
Die historische Bar in Key West besteht schon seit 1933 und erinnert mit zahlreichen Fotos an ihren berühmtesten Gast, der auch Namensgeber gewesen sein soll. Hier dachte Ernest Hemingway über die Handlung seiner Romane nach, während er eiskalten Mojito oder Daiquiri trank – jedenfalls irgendetwas mit viel weißem kubanischem Rum. In dieser Kultkneipe bekommt man aber auch eines der besten Biere Nordamerikas, das „Key West Sunset Ale“ für 5,50 $ und den berühmten Sloppy Joe Sandwich für 9,75 $ im Original. Das Ernest Hemingway Museum ist praktischerweise nur 1.000 Meter entfernt gleich in der Nachbarstraße.

Tarpune und Key West
Gegen Mittag machen wir Rast an Robbie‘s Pier. Noch so ein ausgeflipptes Geschäftsmodell. 1976 – vor immerhin vierzig Jahren – sah Robbie einen riesigen Tarpun nahe seiner Pier. Der urtümliche Knochenfisch schien sich verletzt zu haben, und seine Wunde wurde von Robbie und dem ortsansässigen Tierarzt mit einer Naht versorgt. Es klingt wie ein Märchen oder ein Hollywoodfilm, aber „Scarface“ – wie sie ihn nannten – erholte sich und kam immer wieder zurückgeschwommen, ließ sich die angebotenen kleinen Fische schmecken und brachte ab und zu einen Freund mit. Daraus wurden über die Jahre immer mehr, und heutzutage kommt täglich ein Schwarm von über 100 Tarpunen zur Pier, bleibt ein paar Stunden und lässt sich von Leuten aus der ganzen Welt füttern.
Für einen Dollar darf man sich das Spektakel aus der Nähe betrachten, für drei Dollar bekommt man ein Eimerchen mit kleinen Fischen, die die Mutigen mit bloßen Händen übers Wasser halten. Ganz urplötzlich springt dann solch ein Monsterfisch in die Luft und schnappt sich die Beute. Ganz schön spannend! Immerhin wird Robbie auf diese Weise für seine edle Tat reich belohnt – schließlich hätte er Scarface auch einfach seinem Schicksal überlassen können. Schmecken tun diese silbernen Riesenfische angeblich nicht, sonst wäre er anstatt auf dem OP-Tisch wohl damals auf dem Grill gelandet.
Am nächsten Tag schlendern wir durch Key West. Man muss sich das vorstellen: Nur eine einzige Straße führt in diese Stadt und sonst nirgendwo anders hin. Was müssen hier für Menschen leben? Die Häuser erinnern wieder einmal an die gute alte Zeit. Deshalb unter anderem kommen natürlich auch so viele Touristen nach Key West. Früher kam die Stadt zu Reichtum, weil die gestrandeten Schiffswracks geplündert wurden – heute lassen die Urlauber ihr Geld freiwillig hier.

Ganz im Süden
Wir sind am geographisch südlichsten Punkt unserer Coast-to-Coast-Tour anzukommen. Von hier aus sind es nur noch 90 Meilen bis Kuba. Die entspannte Atmosphäre in dem kleinen Ort wollen wir gern länger genießen. Allerdings nicht nur mit Shopping und einem verträumten Blick in den Sonnenuntergang. Nein, ganz früh am Morgen steht ein Boot bereit samt Kapitän und Steward, um uns mit zum Hochseeangeln zu nehmen. Was für ein Erlebnis! Die Kerle beißen tatsächlich an, und am Abend lassen wir uns den Fisch fachgerecht servieren.
In Key West gibt es viele Restaurants, die auf „hook & cook“ spezialisiert sind. Man fängt seinen eigenen Fisch, geht abends mit den Filets unterm Arm aus und kehrt in einem Lokal ein. Dort werden sie nach Wunsch zubereitet, und die Angler können ihre Frauen einladen, ohne ihnen Arbeit zu bereiten. Tolle Idee, oder?

Tipp
Wooten’s Alligatorpark
Durch die Everglades in Florida führt im Wesentlichen genau eine Straße: der Tamiami Trail. Obwohl das Wort „trail“ übersetzt Pfad, Spur oder Wanderweg bedeutet, handelt es sich um eine gut ausgebaute Straße, die Tampa im Westen mit Miami im Osten verbindet. An diesem „Pfad“ findet man immer wieder kleine Unternehmen, die Fahrten mit Propellerbooten oder Alligator-Shows anbieten. Bei Wooten’s in Ochopee zeigt ein todesmutiger Tierpfleger mit bloßen Händen, welche Kraft im Kiefer dieser Kaltblüter steckt. Und natürlich darf man, wie auf unserem Foto, die kleinen Nachwuchs-Gators auch selbst einmal in den Arm nehmen.

Die Everglades
Bis hierher hatten wir schon viel gesehen und erlebt, aber ein Highlight Floridas fehlte noch: Die Everglades. Was diese weltberühmten Everglades genau sind, ist schwer zu erklären. Es ist eine Art tropisches Marschland, das vom Pa-hay-okee durchflossen wird – dem gräsernen Gewässer – wie ihn die Indianer nennen. Die Quelle des Flusses ist in Mittelflorida, er ist 60 Kilometer breit, aber nur durchschnittlich 15 Zentimeter tief, sodass die Fließgeschwindigkeit ganz gering und kaum freie Wasserfläche zu sehen ist, weil alles mit Gras bewachsen ist.
Man muss einmal dort gewesen sein, um die Everglades zu begreifen, am besten bei einer Fahrt mit dem Airboat. Auf dem Weg dorthin kommen wir an einem kleinen Kanal vorbei, und überall um uns herum ist Alligator-Land. Hinweisschilder am Straßenrand zeigen das überdeutlich an. Und tatsächlich bewegt sich ab und zu etwas am Straßenrand im Wasser. Ob das wohl ein Alligator ist? Bei genauerer Betrachtung stellen wir fest, dass dort mehr als ein Reptil herumliegt, und manche sperren sogar erwartungsvoll ihr Maul auf. Wenn man diese Kaltblüter so lauernd im Wasser dümpeln sieht, möchte man ihnen nicht unbedingt beim Spaziergang im Gebüsch begegnen. Aber im Reisemobil fühlen wir uns sicher und fahren wie die Einheimischen tapfer an ihnen vorbei.
Mit einem Sumpfboot, das durch einen überdimensionalen Luftpropeller angetrieben wird, sausen wir dann über die Wasseroberfläche der Everglades, die nur wenige Zentimeter Tiefgang haben. Da die Maschine einen Höllenlärm macht, bekommen wir Kopfhörer und halten entlang der Mangroven Ausschau nach einem „Gator“ – wie man hier sagt. Von unserem sicheren Boot aus sehen wir die Reptile im Wasser lauern. Man möchte ihnen weiß Gott nicht an Land begegnen. Ob sie mit einem Satz das Sumpfboot entern könnten, diese Frage stellen wir uns lieber nicht.
Und so geht unsere Zeit in Florida genauso spektakulär zu Ende wie sie von Anfang an war. Wir ziehen weiter westwärts der untergehenden Sonne entgegen. Unser Ziel ist der Pazifik, denn unser Reisemotto lautet: Durch die USA von Küste zu Küste!
Seite 2 – Guide USA mit Infos zur Anreise, besonderen Verkehrsbestimmungen, wichtige Telefonnummern, Wohnmobilstellplätzen in den USA und vielem mehr …

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USA: Coast-to-Coast – Florida · Teil 2, 4.9 out of 5 based on 32 ratings

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