Frankia Selection I 65 SD Exclusiv – Profi-Check von Egbert Schwartz
Herstellerinfo
Frankia-GP GmbH
Bernecker Str. 12 · D-95509 Marktschorgast
Tel. 09227-7380
www.frankia.de

Handliche Größe
Sagte ich da was von „Lupe“? Na gut, Sie sollten den Begriff nicht allzu wörtlich interpretieren. Weil wir ein solches optisches Hilfsmittel bei diesem 6,46 Meter langen, 2.330 Millimeter breiten und knapp 290 Zentimeter hohen Integrierten dann doch nicht brauchen. Das normale Augenmaß reicht völlig, um die wesentlichen Features dieses Modells aus der fränkischen Reisemobilmanufaktur (nomen est omen: Frankia) zu entdecken.

Der Scheinriese
Beginnen wir die Besichtigungstour erst einmal ganz konventionell mit der äußerlichen Begutachtung: „Schaut ja richtig groß aus, der Kleine“, möchte man da auf Anhieb sagen. In der reinen Front- beziehungsweise Heckansicht wirkt der Frankia Selection I 65 SD durchaus recht wuchtig. Sprich: Für alle Verkehrsteilnehmer, die dieser überwiegend weiß lackierten Schrankwand im Windschatten folgen oder in deren Rückspiegel die breitmaskige Front auftaucht, wirkt dieser Integrierte eben wie ein typischer Vertreter seiner Gattung. Massig. Bullig. Und dann sind sie heftig erstaunt, dass jenes Mobil im ersteren Fall gar nicht so lang ist wie vermutet, wenn sie es überholen. Oder im anderen Fall zügiger als gedacht dahinrollt. Weil ihr Überholvorgang, erstens, bereits nach weniger als sieben Metern absolviert ist; beziehungsweise, zweitens, dieser vermeintliche Koloss dann doch mit über 100 km/h an ihnen vorbeizieht und anschließend davonsprintet. Letzteres macht mit diesem auf einem Fiat Ducato 35 L mit Alko-AMC-Chassis aufgebauten 3,5-Tonner übrigens richtig Spaß. Vor allem im Falle unseres Testwagens, weil dieser von der 109-kW/148-PS-Variante des 2,3-Liter-Vierzylinder-Common-Rail-Turbodiesel befeuert war. Damit lässt es sich gut im Alltags- oder Urlaubsverkehrsfluss mitschwimmen: Die Tachonadel auf 130 km/h hochziehen, dann den Tempomat aktivieren, im komfortablen Fahrersitz zurücklehnen, die Arme auf den klappbaren Lehnen ablegen und den Weit- und Breitblick durch die Panoramascheibe genießen. Etwas eingeschränkt präsentiert sich mitunter die Rücksicht in den großen Busspiegeln – je nach Sonneneinstrahlung wird der Fahrer von Reflexionen irritiert. Frankia hat das Problem aber bereits erkannt und eine kurzfristige Lösung versprochen.

Reise-Ambiente der Großen
Das Cockpit des kompakten I 65 SD unterscheidet sich aus naheliegenden Gründen prinzipiell nicht von jenen der größeren Schwestermodelle, die ebenfalls auf dem Fiat Ducato basieren. Rechts und links gibt’s also die üblichen Staufächer und Ablagen, das Armaturenbrett verströmt in unserem Testwagen einen wertigen Charme dank aufpreisigem Wurzelholzdekor. Leicht händelbare Sonnenrollos für Fahrer und Copilot gehören ebenso zur Serienausstattung wie der leichtfüßige Einstieg durch die linke, per Fernbedienung abschließbare Tür mit ihrem elektrischen Fensterheber.

Einladende Gäste-Lounge
So groß kann klein sein: Betritt man den Wohnraum des Frankia I 65 SD durch die für 2016 neu installierte Hartal-Eingangstür, mag man erst einmal durchschnaufen. Aber nicht etwa, weil der Zugang so anstrengend war – immerhin bietet das Portal nun sechs Zentimeter mehr in der Breite, effektiv sind es jetzt 69 Zentimeter. Es ist vielmehr der luftige Eindruck der großen Lounge, der einen kräftigen Aha-Erlebnis-Lungenzug auslöst: ein raumdominierender Eyecatcher im wahrsten Wortsinn. Um den höhenverstellbaren Tisch herum lassen sich auf der L-Sitzbank gegenüber dem Eingang, dem Sofa auf der rechten Seite sowie den beiden drehbaren Cockpitsesseln mit gutem Willen sieben Erwachsene platzieren. Ganz schön großzügig für ein 6,46-Meter-Mobil. Das Besitzer-Paar darf sich also gerne des Öfteren mal Gäste einladen. Oder anders gesagt: Der I 65 SD wäre durchaus als Clubmobil geeignet … Wir atmen wieder aus. Und der unbedarfte Betrachter stellt alsbald die ernüchternde Frage nach dem Sinn und Zweck solcher Raumopulenz im Kompaktformat: Braucht’s das wirklich in einem reinen Zwei-Personen-Mobil dieser Größe? „Ob die Lounge effektiv als solche genutzt wird, wissen wir nicht“, erläutert Frankia-Vertriebsmann Markus Beck. „Aber ein großer Teil der Kunden wünscht sich diese Sitzkonstellation auch in einem kompakten 3,5-Tonner. Also bieten wir sie an.“
Letztlich ist’s halt eine Geschmacksfrage: Ich persönlich würde mir eine kleinere Lounge zu Gunsten von mehr Raumgefühl und Ellenbogenfreiheit in Küche und Raumbad wünschen. Aber dazu später mehr … Notabene: Dank des Hubtischs lassen sich die beiden Sitzbänke zu einer Schlafstätte kombinieren.

Variabel nächtigen
Das reguläre Bett befindet sich im Oberstübchen, über der Lounge: in der Standardausführung in Gestalt eines konventionellen, elektrisch absenkbaren Hubbettes mit zwei quer angeordneten Schlafplätzen. Unser Testmobil brillierte mit dem so genannten „Duo-Bett“ für 980 Euro Aufpreis. Das Frankia-typische Konzept der variablen Liegestatt wirkt auf den ersten Blick umständlich, überzeugt aber bei eingehender Betrachtung durch seine praktischen Aspekte: Man kann sowohl quer als auch längs schlafen. Dazu wird der Unterbau in den Wohnraum ausgezogen, und die Zusatzpolster für die Kopfenden der Längsflächen werden per Reißverschluss an die Matratze gezippt. Die Variante kommt Paaren mit unterschiedlichem Schlafrhythmus entgegen; da muss der eine nicht über den anderen klettern. Und zum gelegentlichen Kuscheln kann man ja wieder umbauen …

Kleine große Küche
Hubbett hoch, die Lounge will genutzt werden: Gilt es doch, mindestens die beiden Bewohner mit einem Frühstück zu versorgen. Oder, im Extremfall, auch die zusätzlichen fünf Gäste – wenn sie auf der L-Bank zusammenrücken. Die allfällige Frage, ob der Kühlschrank ausreichend Kapazitäten für den Frühschoppen bietet, beantwortet sich auf den ersten Blick: Brutto stehen 141 Liter zur Verfügung, rein netto 135,5 Liter. Als dicken Pluspunkt notieren wir dabei den Auszug im Erdgeschoss, der auch große 1,5-Liter-Flaschen fasst. Ein Dreh um die Körperachse, schon steht der Maître an der geschwungenen Arbeitsplatte der Winkelküche. Die bietet zwischen dem Standardherd (plus effizienter Dunstabzugshaube) und dem Frankia-typischen Doppelspülbecken reichlich Fläche zum Abstellen und Schnipseln. Zudem lässt sich (ebenfalls ein charakteristisches Merkmal aller frankianischen Küchen) eine der beiden Spüle-Abdeckplatten als Tablett an der Trennwand zur L-Bank einhaken. Und überhaupt gefällt die große Küche in diesem kleinen Integrierten durch reichlich Stauraum inklusive eines Schubauszugs mit Flaschenständern und Mülleimer. Zwei 230-Volt-Steckdosen mehr an der Wand für Toaster, Wasserkocher etc. – und die Ausstattung wäre quasi perfekt.

Mehr Raum-Bad
Von Schmalhans als Küchenmeister kann im I 65 SD also keine Rede sein. Aber er passt von seiner sinngemäßen Statur her ganz gut in das Querbad im Heck: Es zwickt zwar nicht klaustrophobisch, könnte aber durchaus jenes Quäntchen Raum vertragen, das die Lounge im Wohnraum zuviel hat. Dabei haben die Frankianer mit der Anordnung der Komponenten konzeptionell nichts falsch gemacht: Toilette links, Waschtisch mittig und Duschkabine rechts – das passt in puncto Praktikabilität soweit. Und man freut sich auch hier wieder über die Detailverliebtheit der Reisemobilbauer aus Marktschorgast, die sich beispielsweise in Klapphaken an der Tür, variablen Haltern für Zahnputzbecher sowie Seifenspender, je einer Handtuchstange in der Dusche und neben der Toilette oder einer heimelig anmutenden LED-Illumination äußert.
Frisch geduscht muss man auf der Suche nach sauberer Kleidung nicht weit greifen: Gleich rechts neben der Tür zum Bad ist der Kleiderhochschrank eingebaut, dessen Einlagebretter wir uns allerdings etwas variabel fixiert anstatt fest verschraubt wünschen. So könnte man sie eher nach Bedarf anordnen, um beispielsweise auch die obere der beiden Hängestangen für Jacken nutzen zu können. Ansonsten präsentiert sich der kompakte I 65 SD als wahrer Stauraum-Wunderkasten – bietet er doch neben den üblichen Oberschränken unter anderem ein praktisches Schuhkasterl im Eingangsbereich sowie ein durchgehendes Staufach im Doppelboden, dessen rechte Seite via des Seitensofas auch von innen/oben zugänglich ist. Das für Frankia charakteristische Zentralversorgungsfach in der linken Fahrzeugseite erweist sich in der Praxis mal wieder als äußerst übersichtlich-zweckführende Einrichtung, hat man doch hier alle camperlebensnotwendigen Anschlüsse übersichtlich zur Hand. Beim knapp 82.000 Euro teuren I 65 SD darf es aber gerne in der Serienausstattung enthalten sein, statt 480 Euro Aufschlag zu kosten.

Fazit
Im Kern ist der Frankia Selection I 65 SD Exclusiv ein durchaus intelligentes Raumkonzept in einem kompakten Integrierten mit sogar leicht sportlichen Attitüden. Eigentlich ideal für zwei Urlauber. Das Hubbett über dem Wohnbereich und das Querbad im Heck ermöglichen die handlich würzige Kürze von nur 6,46 Metern. Und der für die Saison 2016 konsequente Leichtbau von Frankia erlaubt bei diesem 3,5-Tonner im Falle unseres Testwagens immerhin 410 Kilogramm Zuladung, mit denen ein reisendes Paar wohl auskommen mag. Wer mehr davon braucht, darf auf die ein bis andere gewichts- wie auch preisintensive Sonderausstattung verzichten. Nur die große Sitzlounge passt aus unserer Sicht nicht so recht in das Zwei-Personenmobil-Konzept. Sie wirkt zwar einladend und gemütlich, ist für diese Kompaktklasse aber im Grunde überdimensioniert.

Bewertung | 1-6 Sterne
Außendesign
Übersicht
Handlichkeit
Testwagen-Motorisierung/Agilität
Fahrverhalten
Verbrauch
Zuladungskapazität
Garage/Staufächer
Grundriss
Innendesign
Möbelbau
Küche
Bad/Sanitär
Wohn-/Sitzbereich
Schlafkomfort
Elektrik/Installation
Wasserkapazität
Stauraumkapazität innen
Verarbeitungsqualität
Ausstattung
Preis
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Artikelbewertung
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 Technik-Guide: Frankia I 65 SD 
Außenmaße L x B x H 6.460 x 2.300 x 2.890 mm
Radstand 3.980 mm
Stehhöhe 1.980 mm
Hubbett 2.000 x 1.600 mm (Testwagen, Option Duo: 2.000 x 2.000 mm)
Sitzgruppen-Bett 1.800 x 880 mm (Option)
Schlaf-/Sitzplätze 2 (+2) | 4
Technisch zulässige Gesamtmasse 3.500 kg
Masse im fahrbereiten Zustand 2.980 kg
Zusatzgewicht durch Extras 128 kg
Testwagengewicht gerechnet/gewogen 3.078/3.090 kg
Zuladung Testwagen gerechnet/gewogen 422/410 kg
Anhängelast 2.000 kg
Basisfahrzeug | Chassis Fiat Ducato 35 L | 35 Light mit Alko-AMC-Tiefrahmenchassis
Reifen 215/70 R 15 CP 109 R
Motor | Schadstoffklasse 130 Multijet (Testwagen: 150 Multijet II) | Euro 5+
Hubraum | Leistung 2.287 ccm | 96 kW/130 PS (Testwagen: 109 kW/148 PS)
Antrieb | Getriebe Front | 6-Gang manuell
Testverbrauch 11,7 l/100 km (148-PS-Motorisierung)
Sicherheitseinrichtung ABS, ESP, ASR, Hillholder, Traction+, Fahrer-/Beifahrerairbag

Sandwich-Konstruktion mit integrierten Aluprofilen und GFK-Verkleidung,
Wand-/Dach-/Boden-Iso: RTM-Hartschaum (34 mm), Innenverkleidung: velourkaschierte Aluplatte (Thermo Guard Plus); GFK-Frontmaske, beheizter Doppelboden (228 mm Stauraumhöhe); Eingangstür Hartal mit Fenster, Insektenschutztür, elektr. Trittstufe; Schuhfach, 3 Seitz-SP-7-Ausstellfenster, 1 Schiebefenster, 3 x Bügel-Heki, 1 Kurbelhebedach, Verdunkelungsrollo Frontscheibe, Plisee-Rollos seitlich; Serviceklappen

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Möbelbau aus mehrfach verleimtem Balsa-Holz, Wohnwelt Wald, Holzdekor Latte o. Oak/White; L-Sitzgruppe mit Seitensofa, verschiebbarer Tisch auf Hubsäulen, drehbare Cockpitsitze; elektr. Hubbett mit Kaltschaum-Matratzenelementen und Tellerfedern; Glasvitrine, Apothekerschrank, Oberschränke, Kleiderschrank

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Küchenblock li., versenkte Edelstahleinheit mit Doppel-Spülbecken, 3-flammiger Gasherd, Dunstabzug, Unterschrank mit Besteckschublade, Schubauszügen und Staufächern; 1 Oberschrank, 141-l-Absorber-Kühlschrank (brutto), 15-l-Frosterfach, sep. Flaschenauszug

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Multifunktionsbad im Heck mit sep. Duschkabine, Waschbecken-Unterschrank, Spiegelschrank, offene Ablagen; Toilette: drehbare Cassettentoilette Thetford, Fahr-/Frisch-/Abwassertank (isoliert: 20/150/120 l)

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Heizung: Truma Combi 6 inkl. 10-l-Warmwasserboiler, Aufbaubatterie: 1 x 85 Ah; 3 x 230-V-Steckdosen, 3 x 12-V-Steckdosen; LED-Beleuchtung, Halogen-Spots; Gasvorrat: 2 x 11 kg

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Grundpreis: 81.990,– Euro
Testfahrzeugpreis: 94.949,– Euro
Extras des Testfahrzeugs:

  • Compact Chassispaket: 2.725,– Euro
  • Hubfahrradhalter: 1.040,– Euro
  • manuelle Heck-stützen: 350,– Euro
  • Thermo Guard Plus: 1.690,– Euro
  • Wurzelholzdekor Cockpit: 330,– Euro
  • Duo-Bett: 980,– Euro
  • Kühlschrank-Ventilator: 120,– Euro
  • DuoControl: 320,– Euro
  • Zentralverriegelung: 480,– Euro
  • Toiletten-Ventilator m. Kohlefilter: 205,– Euro;
  • CD-Radio-Navi Alpine: 1.599,– Euro
  • Split-Rückfahrkamera: 990,– Euro
  • Rückfahrsensoren: 610,– Euro;
  • TV-Flachbildschirm: 890,– Euro
  • Teppich-Set: 630,– Euro

Summe Extras: 12.959,– Euro

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 Der Frankia I 65 SD im camp24 Zufriedenheits-Check
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Sitzposition Fahrerhaus
Handling
Motorisierung
Verbrauch
Bremsleistung
Klappergeräusche
Sitzkomfort Wohnbereich
Platz beim Essen
Platzierung TV
Stauraum & Schränke
Lüftung
Raumgefühl
Platzangebot Betten
Bequemlichkeit
Platzierung TV
Stauraum & Schränke
Ausleuchtung
Lüftung
Ausstattung
Platzangebot & Arbeitsfläche
Lüftung & Abzug
Stauraum & Schränke
Ausleuchtung
Benutzerfreundlichkeit
Bewegungsfreiheit WC
Bewegungsfreiheit Dusche
Spritzwasser & Ablauf Dusche
Lüftung & Abzug
Stauraum & Ablagen
Funktionalität
Verarbeitungsqualität
Heizleistung
Zuladung
Alterstauglichkeit
Design
Funktionalität

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