Von Südfrankreich an die Costa Brava – Pyrenäen (Seite 1 von 2) von Frank Siepmann
Deutsches Konsulat Frankreich | Spanien
Frankreich
3 Boulevard de Clairfont · 66350 Toulouges/Perpignan
Tel 0786-770657
Öffnungszeiten (keine Passanträge):

  • Dienstag 9.30 bis 12.00 Uhr
  • Donnerstag 9.30 bis 12.00 Uhr

Spanien
Torre Mapfre, C/Marina, 16-18, 30a · 08005 Barcelona
Tel. 03493-2921000

Die Anfahrt ist anstrengend. Große Hitze, viel Verkehr, aber nun ist es geschafft. In Höhe des französischen Narbonne verlassen wir die Autobahn und fahren parallel zu den südlichen Pyrenäen, entlang des Canal du Midi in Richtung Carcassonne. Unser erstes Ziel sind die Montangne Noire. Nur etwa 50 Kilometer vom Meer entfernt verliert sich hier selbst im Sommer nur sehr wenig Tourismus. Wer seine Ruhe sucht, gerne wandert oder Rad fährt, ist hier genau richtig. Auf der D112, einer kleinen, kurvigen Landstraße, überqueren wir den 774 Meter hohen Col de Prade und erreichen bald die kleine Ortschaft Pradelles. Idyllisch eingebettet in eine hügelige Berglandschaft, die mich doch etwas an das heimische Appenzell erinnert, finden wir einen kleinen städtischen Campingplatz am Lac Birotos. Obwohl Hauptferiensaison auch in Frankreich ist, können wir uns den Standplatz aussuchen und breiten uns erst einmal für ein paar Tage aus. Die Kinder tummeln sich direkt am kleinen Badesee, während wir die wunderschöne Landschaft mit dem Mountainbike und zu Fuß erkunden. Ortschaften gibt es kaum in näherer Umgebung, deshalb sollte man seinen Proviant schon vorher einkaufen, ehe man sich am Lac Birotos niederlässt. Stundenlange Wanderungen durch die Kastanienwälder und durch die wunderschönen Gradwanderwege mit Blick auf die Pyrenäen stehen auf unserem Programm. Überall begegnen uns hier Schafherden, und so ist es auch nicht verwunderlich, dass man bei den dortigen Bauern überall besten Käse einkaufen kann. Dazu ein Glas „Roten“ aus dem Herault – was für ein Genuss.

Festungsstadt Carcassonne
Wir bleiben drei Nächte, ehe es uns weiterzieht. Nach Einsamkeit und Ruhe wollen wir uns für ein paar Stunden die Festungsstadt Carcassonne anschauen. Die Hauptstadt des Departements Aude liegt am Südfuß der Montagne Noir an einem uralten Handelsweg durch das Tal der Garonne, auf dem Weg an den Atlantik. Bekannt wurde diese im Mittelalter entstandene Stadt durch ihre Festung, die Namensgeber des bekannten Unterhaltungsspiels „Hans im Glück“ und zugleich Vorbild für viele Hollywood Filme, wie Robin Hood, ist. Über zwei Brücken gelangt man in die Burgstadt; durchaus sehenswert, nur leider wird man von den Menschenmengen fast durch die Innenstadt geschoben. An dieser Stelle ein Tipp: Carcassonne entweder am sehr frühen Morgen oder gegen Abend besuchen, wo es doch wesentlich ruhiger und entspannter zugeht.
Trotz der vielen Touristen finden wir zu unserer Überraschung aber doch einen netten Übernachtungsplatz, östlich der Innenstadt direkt am Canal de Midi. Es ist eine kleine Nebenstraße mit anschließendem Park, in der wir ruhig stehen und an einer Schleuse in der Nähe beobachten können, wie so manches Mal ein Tourist sein Hausboot querstellt, sodass der Schleusenwärter aus dem Schimpfen nicht mehr herauskommt.

Abwechslungsreiche Landschaften
Am nächsten Tag brechen wir zeitig auf. Es geht in die Berge. Wir lassen Toulouse rechts liegen und biegen bei Montrejeau auf die N125. Über eine gut ausgebaute Landstraße geht es zügig durch das Val d‘Annan in Richtung Spanien. Ein paar Lkw sind vor uns unterwegs, aber viel Verkehr ist nicht, der unsere Fahrt beeinträchtigen könnte. Wir fahren gemütlich mit unserem Reisemobil und entdecken schöne Rastplätze an der Garone, dem kleinen Fluss, dem die Straße folgt. An einem halten wir an und fahren über eine alte Steinbrücke an das Ufer. Es gefällt uns so gut, dass wir beschließen über Nacht zu bleiben. Für Reisemobillisten, die gerne im Freien stehen, ist es hier ein Paradies. Abends gibt es zum Abrunden eines schönen Tages noch ein Lagerfeuer am Flussufer. Wilde Romantik pur.
Am nächsten Tag geht es weiter, vorbei an einem langgezogenen Stausee, der aber wenig Möglichkeiten zum Baden bietet – nach Benabarre. Wir füllen die Vorräte im Supermarkt auf und steuern unser Tagesziel, den Stausee, an. Hier wurde viel Geld in die Infrastruktur investiert, um Touristen anzuziehen. Kleine Cafés am Ufer, große Campingplätze und allerlei Wasserprogramm.
Bei uns entscheidet der Familienrat drei Nächte zu bleiben und am See etwas zu relaxen. Das genießen alle, zumal die Außentemperaturen auf fast 40 Grad steigen. Bei der Weiterfahrt gibt es direkt ein tolles Highlight. Viele Tunnel und spektakuläre Brücken führen uns durch die Rio-Esera-Schlucht. Nach ein paar Kilometern wird die Schlucht breiter und die Landschaft immer öder. Ein kurzer Tankstopp bei Barbastro, die Vorräte schnell aufgefüllt, und die Weiterfahrt führt uns durch einen fast vegetationslosen Landesteil. Die Hügel sind mit undurchdringbarer Macchia überzogen, und auch die Felder sehen trocken und öde aus. Dafür überrascht uns die N240, eine der vielen ausgezeichneten Nationalstraßen durch die Pyrenäen. Vor vielen Jahren, bei meiner ersten Tour durch diese Region, sah das noch ganz anders aus. Damals waren die Straßen eng, kurvig und voller Schlaglöcher. Nun kommen wir gut vorwärts und biegen bei dem kleinen Ort Peraltilla in den Naturpark Sierra y Canones ab. Schlagartig ändert sich das Bild wieder: Zunächst geht es durch eine bizarre Landschaft mit wild geformten Steinen, ein wenig wie eine Mondlandschaft, danach wird es wieder grüner.

Cascaden de Bierge
Hinter Bierge finden wir einen Parkplatz und eine Gaststätte, an der wir parken können, und von oben erkennen wir schon die Cascaden de Bierge. Einst wurde hier der Rio Alcanadre zur Energiegewinnung aufgestaut. Aufgrund dieses halbrunden, hohen Damms hat sich nun eine einzigartige Badelandschaft entwickelt und ist nicht nur für die Einheimischen zum Ausflugsziel geworden. Wir finden am Rande des Geländes mit unserem Reisemobil einen ruhigen Schlafplatz und im kleinen Restaurant ein gutes Abendessen. Am nächsten Tag gehen wir auf Entdeckungstour. Oberhalb und unterhalb des Dammes kann man sehr gut schwimmen, und die Mutigen wagen einen Sprung vom acht Meter hohen Damm in die Tiefe. Ein Spektakel, das viele Schaulustige anzieht. Wir suchen uns einen schattigen Platz und genießen die Zeit am kühlen Nass. Am nächsten Tag versuchen wir uns dann an einer Flusswanderung. Alles in wasserdichte Ortliebsäcke verpackt, waten wir flussaufwärts. Mal müssen wir ein Stück schwimmen, mal sind wir einige Stunden zu Fuß unterwegs. Erst geht es durch ein breites Flussbett, dann durch eine beeindruckende Schlucht, in der die Kids alle Gelegenheiten nutzen, um die Felswände hochzuklettern und von dort in die Wasserbecken zu springen. Viel Spaß für alle, ideal für aktive Familienferien.

Entspannung am Rio Gallego
Nach zwei Nächten zieht es uns noch ein wenig weiter gen Westen. Wir lassen Huesca seitlich liegen und steuern mit unserem Reisemobil den nächsten Stausee an. Unser Ziel ist der Embalse de la Pena. Auf dem Weg dorthin machen wir einen kleinen Abstecher zum Los Mallos. Die riesigen Hinkelsteine bieten eine wunderschöne Szenerie. Rostrot ragen sie in den Himmel, oft umschwebt von großen Gänsegeiern, die hier ihre Brutstätten haben. Wer will, kann sich hier im Klettern üben; aber bitte nicht in der Sommerhitze, welche die Felsen glühen lässt.
Wir suchen die milchig blauen, aufgestauten Fluten des Rio Gallego auf, um uns abzukühlen. Der Stausee ist ein Paradies für Camper. Man findet die schönsten Standplätze direkt am See, der auch im Sommer genug Wasser mit sich trägt. Nur ein paar Schritte von den Badeplätzen entfernt genießen wir ein paar entspannte Tage.

Schöne Costa Brava
Irgendwann langweilen sich unsere Töchter. Genug der Ruhe. Sie wollen etwas mehr Rummel haben und ans Meer. Also packen wir unser Mobil und fahren auf der N11 auf dem schnellsten Weg in Richtung Costa Brava. Unsere erste Anlaufstation ist das kleine Seebad Tossa de Mare. Ein paar Kilometer außerhalb finden wir einen netten Campingplatz mit jeglichem Komfort. Ein Kontrast, verglichen mit den ruhigen Plätzen in den Pyrenäen – aber das wollten wir ja. Das Terrassengelände liegt an einer zerklüfteten, steilen Felsenküste in sehr schöner Lage mit schönen Badebuchten. Über einen kleinen Wanderweg oberhalb der Klippen erreichen wir Tossa de Mare problemlos zu Fuß und genießen den Touristenrummel und das spanische Nachtleben ein wenig. Wir sind überrascht von der Schönheit der Costa Brava und haben „Blut geleckt“ – wir wollen mehr davon kennenlernen. Eine landschaftlich reizvolle Route führt uns über die sehr kurvige Küstenstraße, hoch oben über die spektakuläre, rötliche Felsenküste bis nach L‘Escala. Neben den langen Sandstränden, die besonders auch bei Surfern sehr beliebt sind, befindet sich hier die größte katalanische archäologische Ausgrabungsstätte, die durchaus einen Besuch wert ist.

Schlusspunkt Figueres
Für uns neigt sich die Ferienzeit nun dem Ende zu. Die Kinder müssen wieder zur Schule, und wir treten die Rückreise an – nicht ohne einen Stopp in Figueres zu machen. Hier befindet sich das weltbekannte. Salvadore Dali, Spaniens weltberühmter Surrealist, wurde hier 1904 geboren und verbrachte auch seine letzten Lebensjahre bis 1989 in Figueres. Das Museum ist voll mit Gemälden, Zeichnungen, Skulpturen, Schmuckstücken und vielen Kunstobjekten der skurrilen Art des Künstlers. Eine lange Schlange am Eingang schreckt uns nicht ab und so bekommen wir einen Einblick in sein exzentrisch-geniales Künstlerleben.
Mit schönen Erinnerungen und vielen Eindrücken treten wir die rund 1.000 Kilometer zurück an den heimischen Bodensee an. Die Fahrt ist zwar lang, aber sie hat sich allemal gelohnt.

Tipp: Les Templiers
Nördlich des Cap de Creus, unweit der Grenze im französischen Collioure, lässt sich vor allem in der Bar „Les Templiers“ das Flair der Zeit erahnen, als die Großen der modernen Malerei ihre Staffeleien zwischen den Fischernetzen aufstellten.
René Pous eröffnete 1898 die Kneipe und ließ sich die Zechen der Herren Matisse, Derain, Dali oder Picasso gern mit deren Werken begleichen. Farben und Stimmungen namhafter Gemälde sollen vor Ort mit Fischern und anderen Gästen diskutiert worden sein.
Infos: www.hotel-templiers.com
Tipp: La Alberca de Alboré
Eine Besonderheit sind die Feuchtgebiete und Lagunen des Rio Gállego, die heute zum Stausee La Sotonera in der Nähe von Huesca gehören. Mit ihren seichten Gewässern und der Lage am Fuße der Pyrenäen sind sie ein Rückzugsgebiet für Wasservögel und dienen zehntausenden Kranichen als wichtiger Rastplatz während ihres Zugs nach Nordeuropa. Der Besuch des „Centro de la Naturaleza Alberca de Alboré“ im Städtchen Montmesa bietet alle Informationen zu diesem Naturschauspiel und dem gesamten Habitat mit seiner besonderen Geologie, Flora und Fauna.

Seite 2 – Guide Pyrenäen mit Infos zur Anreise, besonderen Verkehrsbestimmungen, wichtige Telefonnummern, Wohnmobilstellplätzen und vielem mehr …

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