Sound und Navigation für Wohnmobile von Theo Gerstl

Die meisten Fahrer – ob im Reisemobil oder Caravan-Gespann – wollen auf großer Tour nicht mehr nur Musik hören, die ihnen Kurzweil auf langen Strecken beschert, sondern auch sicher ans Ziel geführt werden und mobil per Smartphone kommunizieren können. Moderne Car-Entertainment-Systeme beherrschen dies, entsprechend gibt es für jeden Einsatzzweck und praktisch alle persönlichen Ansprüche die passenden Lösungen. Doch die Wege zum Ziel sind vielfältig, das Angebot unüberschaubar, und beim finanziellen Aufwand gibt es gravierende Unterschiede.

Systemlösungen der Hersteller
Der einfachste Weg ist es natürlich, gleich bei der Neuanschaffung eines Zugwagens oder Reisemobils eine maßgeschneiderte Systemlösung vom Automobilhersteller einbauen zu lassen. Für alle, die nicht jeden Groschen zweimal umdrehen müssen, bieten die Aufpreislisten der Hersteller einen reich gedeckten Tisch mit den feinsten Filetstücken der automobilen Unterhaltungselektronik. Doch die Preise sind meist happig. So belassen es viele beim Standardradio und ärgern sich anschließend über diese Entscheidung: Mau ist der Klang, windig der Empfang, und die Verbindung mit dem Smartphone ist auch nur ein Wunschgedanke.

Klangvolle Aufrüstung
Einfache Autoradios können jedoch um weitere Komponenten ergänzt und so zum kompletten Entertainment-System aufgerüstet werden. Wie der Volksmund weiß, macht der Ton die Musik – und entsprechend sorgt auch erst die Kombination aus einem hochwertigen Verstärker und vernünftigen Lautsprechern für guten Sound. Moderne digitale Leistungsverstärker liefern nicht nur genügend Watt bei geringem Energieverbrauch, sondern sorgen auch für einen erstklassigen Klang, da dieser per Software-Justage optimal an die speziellen Schallbedingungen des Fahrzeugs angepasst werden kann.
Im Hinblick auf die Lautsprecher sind neben ihrer technischen Qualität auch der Einbauort im Fahrzeug und die fachgerechte Montage entscheidend für den Klang. Optimal sind für das Fahrzeug maßgeschneiderte Lautsprechersysteme. So bietet beispielsweise der Car-HiFi-Spezialist Jehnert zwei angepasste Klang-Pakete für den neuen VW T6. Das 3-Wege-Lautsprechersystem beinhaltet zwei 26-Millimeter-Hochtöner, 70-Millimeter-Mitteltöner und 16,5-Zentimeter-Tieftöner. Alternativ zum 3-Wege-Basic-System ist auch ein Komplett-Soundpaket mit digitalem Fünfkanal-Verstärker und zusätzlichen Subwoofern für den neuen VW Transporter bei Jehnert zu haben. Ein speziell auf die Akustik im Fiat Ducato abgestimmtes und einfach einzubauendes Lautsprechersystem hat Zenec unter dem Lautsprecher-Label Axton entwickelt.
Einen ganz anderen Weg geht die aus dem maritimen Bereich stammende Firma „Fusion Entertainment“: Die Neuseeländer bieten nun auch in Europa ihre wasserdichten Außenlautsprecher der „Signature-Serie“ für Reisemobile und Caravans an. Die Lautsprecher sind in einem 6,5-Zoll- und 7,7-Zoll-Format mit optionaler zweifarbiger LED-Beleuchtung und in verschiedenen Farben erhältlich.

Die Antenne ist entscheidend
Wenn Rauschen und Knacken den Empfang stören, ist der Schuldige vermeintlich schnell ausgemacht: das Radio. Doch selbst beim besten Empfänger hängen die Empfangsqualität und damit auch die Anzahl der verfügbaren Sender von der Qualität und der Platzierung der Antenne ab. Als Faustregel kann hier gelten, dass für den UKW-Empfang eine auf dem Fahrzeugdach montierte und 80 Zentimeter lange Antenne die technisch optimale Lösung darstellt. Bei den Autoradios für digitalen Rundfunkempfang werden oft Scheibenklebeantennen zum zusätzlichen Empfang von DAB+ mitgeliefert. Bessere Ergebnisse bringen jedoch Kombi-Antennen am Fahrzeugdach mit eingebauter Weiche. Erst mit ihnen kann der Digitalempfänger seine volle Leistung abrufen und sowohl das UKW- als auch das DAB+-Signal optimal wiedergeben.
In Deutschland sendet DAB+ nahezu flächendeckend, nicht aber überall im europäischen Ausland. Aber auch dafür ist vorgesorgt: Fährt man in ein Sendeloch, schaltet das DAB+-taugliche Radio auf die entsprechende UKW-Frequenz des eingestellten Senders um. Es spricht also vieles dafür, bei der Neuanschaffung des Autoradios nicht auf das digitale Empfangserlebnis zu verzichten. Und auch bei Radios, die DAB+ noch nicht empfangen können, ist häufig eine Nachrüstung mit einem digitalen Empfangsteil möglich.

Maßgeschneidertes Entertainment
Neben der klassischen Anforderung, Radiosender wiederzugeben, müssen moderne Car-Entertainment-Systeme eine Vielzahl von weiteren Funktionen erfüllen – das beginnt bei der Verbindung mit dem Smartphone und endet bei der Navigation noch lange nicht. Der Funktionsumfang dieser Multitalente erfordert natürlich einen entsprechend großen Bildschirm zur Bedienung und Darstellung – dieser wiederum verlangt in der Regel nach einem üppig bemessenen Einbau-Raum im Doppel-DIN-Format.
Die optisch attraktive Integration dieser dominant in Erscheinung tretenden Entertainment-Systeme ins Armaturenbrett erfordert spezielle Einbaulösungen – sofern es sich um Nachrüst-Lösungen handelt. Entsprechend haben viele der Car-HiFi-Spezialisten inzwischen spezielle Modelle für die wichtigsten Reisemobil-Basisfahrzeuge entwickelt. Diese integrieren sich nahtlos ins Armaturenbrett und sind zum Teil auch über die Lenkrad-Fernbedienung ansteuerbar. Doch damit nicht genug: Al-Car hat sein „EasyNav Drive“ für den Fiat Ducato jüngst in der weiterentwickelten Version 3.5 vorgestellt. Diese vernetzt sich nun per CAN-Bus-Schnittstelle mit dem Bordcomputer des Ducato und ermöglicht das Auslesen von dessen Daten, wie beispielsweise Verbrauch, Durchschnittsgeschwindigkeit oder Reisezeit.

Camper-Navigation
Neben der Musikwiedergabe ist auf Reisen die Navigationshilfe die zweite Disziplin, die ein modernes Audio-System im Fahrzeug beherrschen muss. Das können natürlich die meisten Geräte, doch ist ihre Software in der Regel für die Nutzung im Pkw ausgelegt. Caravan-Gespanne und Reisemobile stellen jedoch aufgrund ihrer Größe und des hohen Gewichts ganz besondere Anforderungen an die Routenwahl. Dem tragen spezielle Reisemobil-Navis Rechnung, die auf die Besonderheiten dieser Fahrzeuge abgestimmt sind. Nach der einmaligen Eingabe von Höhe, Breite, Länge, Gewicht, Anhänger und Achslast erfolgt die Routenberechnung auf Basis dieser Profildaten. Das Reisemobil-Navi berechnet dann nur noch Fahrstrecken, die für den Camper tatsächlich geeignet sind. Am Urlaubsziel angekommen, hilft die integrierte Stellplatzdatenbank des Navis bei der Suche nach dem passenden Camping- oder Stellplatz.
So bietet beispielsweise Pioneer mit dem Avic-F160 ein externes Navigationsmodul für Camper, das versteckt im Armaturenbrett eingebaut wird und die hauseigenen Entertainment-Systeme zu Camper-Navis aufrüstet.

Immer Online
Insbesondere auf Reisen spielt die Verbindung mit den Zuhausegebliebenen eine wichtige Rolle – ebenso wie die Möglichkeit, auf Neuigkeiten aus der Heimat zugreifen zu können. Diesen „Social-Media-Anforderungen“ kommen moderne Entertainment-Systeme inzwischen souverän nach: Ist das „Autoradio“ erst einmal mit dem Smartphone verbunden, steht dem Reisenden die ganze Welt des Internets offen. Die Musik wird per App live vom Streaming-Dienst geliefert, und wer Radio hören will, kann sich seinen Lieblingssender von zuhause per Internet-Radio über die Autolautsprecher vorspielen lassen. Aber Vorsicht: Ohne die passende Auslands-Flatrate für die Mobilfunk-Verbindung kann das Vergnügen teuer werden.
Mit Handy-Apps wie CarPlay von Apple oder Android Auto sowie MirrorLink für Android-Smartphones lassen sich kompatible Handys direkt auf das Display des Autoradios spiegeln. Die Bedienoberfläche des Smartphones findet sich dann leicht erreichbar auf dem Monitor des Entertainment-Systems, die Icons erscheinen in vernünftiger Größe, und selbst eine Sprachsteuerung ist möglich. Der Nutzung verschiedenster Apps (aber nicht aller), dem Schreiben oder Lesen von E-Mails oder dem Surfen im Internet steht also nichts mehr im Wege. Die wesentlichen Vorteile dieser Technik sind, dass man sich bei der Bedienung nicht umgewöhnen muss und die kompatiblen Apps des Handys nutzen kann – vom Medienbrowser bis hin zur Navi-App oder Google Maps.
So bietet beispielsweise der „PerfectView“-Naviceiver von Waeco per Android-Betriebssystem Zugang zu über 1,3 Millionen Apps, während Dynavin bei seinen für den Ducato maßgeschneiderten „N6“-Entertainment-Systemen auf die Integration von iPhone und iPad setzt.

Rundumblick
Wenn der Naviceiver über einen entsprechenden Eingang verfügt, kann sein Bildschirm auch als Monitor für eine daran gekoppelte Rückfahrkamera genutzt werden. Neben dem klassischen elektronischen Auge am Fahrzeug-Heck gibt es inzwischen auch 360-Grad-Kamerasysteme, die aus der Vogelperspektive die komplette Umgebung des Reisemobils aufnehmen. Diese auch „Bird-View“ genannten Systeme bestehen aus vier Weitwinkel-Kameras – jeweils eine auf jeder Seite des Fahrzeugs – sowie einem Prozessor, der die vier Bilder auf dem Display darstellt.
In Kombination mit einer Frontkamera lassen sich Top-Naviceiver sogar zu einem modernen Sicherheits-Assistenzsystem aufrüsten. Die Frontkamera ermöglicht dann beispielsweise beim Abbiegen an unübersichtlichen Kreuzungen einen „Blick um die Ecke“: So können andere Verkehrsteilnehmer, wie Radfahrer oder spielende Kinder, die von parkenden Autos verdeckt sind, früher erkannt werden, und die Gefahrensituation wird entsprechend entschärft.

Portable Navis
Die Integrationsmöglichkeit des Smartphones und spezielle Navigationslösungen für Camper gibt es inzwischen auch für die beliebten portablen Navis. Diese können es bei der camping-spezifischen Routenfindung mit den Einbau-Modellen durchaus aufnehmen, zudem punkten sie mit günstigen Preisen. Die hochwertigeren Vertreter dieser Gattung sind auch über Bluetooth mit dem Smartphone koppelbar und können als Freisprecheinrichtung genutzt werden.
Zwar muss man bei den portablen Navigationssystemen Komforteinbußen (Kabelsalat, Saugnapfhalterung etc.) in Kauf nehmen und mit der schlechteren Tonqualität aufgrund des kleinen integrierten Lautsprechers leben. Dafür überzeugen sie mit anderen Qualitäten: Am Urlaubsort angekommen, kann das portable Navi per Lenkerhalterung am Fahrrad oder Roller verwendet werden, und auch die Position des geparkten Autos lässt sich auf dem Navi speichern. Nach der Stadterkundung, die einem das tragbare Navi natürlich auch erleichtert, zeigt es auf Knopfdruck den Rückweg zum abgestellten Fahrzeug.
Diese Vorteile haben inzwischen auch die Reisemobilhersteller erkannt. So stellte die Hymer-Gruppe auf der CMT in Stuttgart Anfang des Jahres das gemeinsam mit dem Navigationsspezialisten Tom Tom entwickelte „Bridge“ vor. Das Paket besteht aus einem Telefunken-Radio und einem Tablet-PC in einem besonders robusten Gehäuse. Bridge ist wie alle anderen Tablets internet- und app-fähig, besitzt eine Kamera für Urlaubsschnappschüsse und eine E-Mail-Funktion. Darüber hinaus dient das Tablet als Camper-Navigationsgerät, Monitor für die Rückfahrkamera und Fernbedienung für das Radio.

Einfachlösung: Smartphone-Navigation
Ein Smartphone hat heute nahezu jeder. Verfügt dieses über einen integrierten GPS-Empfänger, findet man mit der vorinstallierten Navi-App ohne weiteres Zutun jedes Ziel – für den gelegentlichen Einsatz kann es durchaus als Navi-Ersatz dienen. Auch hier gilt, dass Handys zwar alles können, aber nichts perfekt – entsprechend sollte man keine allzu hohen Ansprüche an Bedienkomfort und Funktionsumfang stellen. Und: Vorsicht bei Auslandsreisen. Die integrierten Navi-Apps verwenden in aller Regel Online-Karten, auf die sie während der Fahrt per Mobilfunknetz zugreifen. Was zuhause dank Flatrate problemlos möglich ist, kann im Ausland empfindliche Zusatzkosten verursachen. Deshalb sollte man sich vor Reisebeginn eine Auslands-Flatrate besorgen oder sich gleich für eine App zur Offline-Navigation entscheiden. In diesem Fall lädt man das digitale Kartenmaterial der auf der Urlaubsreise zu befahrenden Länder bereits zuhause für ein paar Euro auf die Speicherkarte des Smartphones. Dann ist während der Navigation keine Verbindung zum Mobilfunknetz mehr nötig und es entstehen auch keine weiteren Kosten. |

Hersteller und Bezugsquellen*
Al-Car
Am Rackerschlag 1-7 · 23909 Ratzeburg
www.al-car.de


Alpine
Wilhelm-Wagenfeld-Straße 1-3 · 80807 München
www.alpine.de


Auvisio/Pearl
Pearl-Straße 1-3 · 79426 Buggingen
www.auvisio.de


Becker/Falk | United Navigation GmbH
Marco-Polo-Straße 1 · 73760 Ostfildern
www.united-navigation.com


Blaupunkt
Robert-Bosch-Straße 200 · 31139 Hildesheim
www.blaupunkt.com/de


Camos/IMC
Nikolaus-Otto-Straße 16 · 22946 Trittau
www.camos-multimedia.com


Car Guard
Westfälische Straße 169c · 44309 Dortmund
www.carguard.de


Caratec
Buschurweg 4 · 76870 Kandel
www.caratec.de


Clarion
Hessenring 19-21 · 64546 Moerfelden-Walldorf
www.clarion.de


Conrad Electronic
Klaus-Conrad-Straße 1 · 92240 Hirschau
www.conrad.de


Dometic WAECO International GmbH
Hollefeldstraße 63 · 48282 Emsdetten
www.dometic-waeco.de


Dynavin GmbH
Siemens Straße 7 · 76316 Malsch (Karlsruhe)
www.dynavin.de


ESX Audio Design
AM Breilingsweg 3 · 767009 Kronau
www.esxaudio.de


Fusion Entertainment
Vertrieb über Movera, Frankana/Freiko und Reimo
www.fusionentertainment.com


Garmin
Parkring 35 · 85748 Garching
www.garmin.com/de


Jehnert Sound Design
Porschestraße 15 · 70794 Filderstadt
www.jehnert.de


Falk/Becker | United Navigation GmbH
Marco-Polo-Straße 1 · 73760 Ostfildern
www.united-navigation.com


JVC Deutschland GmbH
Konrad-Adenauer-Allee 1-11 · 61118 Bad Vilbel
www.jvc.de


Kenwood
Konrad-Adenauer-Allee 1-11 · 61118 Bad Vilbel
www.kenwood.de


Parrot
174-178 quai de Jemmapes · F–75010 Paris
www.parrot.de


Pioneer
Hanns-Martin-Schleyer-Straße 35 · 47877 Willich
www.pioneer.de


Pure
Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße 2-14 · 64589 Stockstadt/Rhein
www.pure.com/de


Sony
Kemperplatz 1 · 10785 Berlin
www.sony.de


Teleco GmbH
Franz-Josef-Strauss-Str. 41 · 82041 Deisenhofen (Oberhaching)
www.telecogroup.com


Zenec/ACR
Bohrturmweg 1 · CH-5330 Bad Zurzach
www.zenec.com/de


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