Neuseeland – Die Südinsel (Seite 1 von 2) von Dr. Kathrin Kern
Deutsche Botschaft Neuseeland
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Honorarkonsul der Bundes­republik Deutschland Südinsel
Theodor Kurt Giesen, Honorarkonsul
5 Wairarapa · Christchurch
Tel. +64-3-3446270

Fast 19.000 Kilometer Luftlinie liegen zwischen Frankfurt und Christchurch, dem Startpunkt unserer Neuseeland-Rundreise. Um die langen Flugstrecken abwechslungsreicher zu gestalten und die Zeitverschiebung von 12 Stunden langsam auf unseren Körper wirken zu lassen, machen wir einen Zwischenstopp und besichtigen den Stadtstaat Singapur. Mit elf Millionen ausländischen Touristen zählt die Tropen-Metropole zu den zehn meist besuchten Städten der Welt. Am nächsten Tag besteigen wir wieder den Flieger und lassen uns von den anmutigen Flugbegleiterinnen der Singapur Airlines mit asiatischen Speisen verwöhnen. Nächste Station des Inselhoppings: Australien! Sehr große Insel – 22 Mal so groß wie Deutschland.
Wir landen im Südosten, in der Millionenstadt Sydney, und haben bereits Konzertkarten für das legendäre Opernhaus in der Tasche. Wie gesagt, der Weg ist das Ziel und das wollen wir mit allen Sinnen genießen. Doch bereits hier in Australien heißt es: Aufpassen! Linksverkehr! Damit die vielen ausländischen Besucher nicht gleich als Fußgänger überfahren werden, steht an jedem Zebrastreifen deutlich sichtbar geschrieben „look right“ – also beim Überqueren der Straße nicht links-rechts-links schauen, wie auf dem europäischen Festland, sondern immer zuerst nach rechts, denn von da kommt der Verkehr auf der linken Fahrspur.

Tipp
Nins Bin
Die neuseeländische Antwort auf unsere gute alte Pommesbude. Mit dem Unterschied, dass hier keine frittierten Kartoffeln, sondern fangfrische Langusten mit Zitronenspalten serviert werden. Der Kult-Imbiss direkt an der Küstenstraße etwa 15 Autominuten nördlich von Kaikoura besteht aus einem Wohnwagen, ein paar Picknicktischen und schier endlosem Strand. Die orangefarbenen Krustentiere sind das einzige, was auf der Speisekarte steht. Je nach Größe zu einem Preis von 60 – 90 NZ$ zu haben. Wenn man das Kartenlesegerät weit genug zur Tür hinaushält, kann man sogar mit Kreditkarte bezahlen.

Türkis ist die alles überstrahlende Farbe
So langsam wächst dann aber die Sehnsucht, das Hotelbett gegen einen gemütlichen Schlafplatz im Reisemobil einzutauschen. Wir machen einen letzten kleinen Hopser von Australien nach Neuseeland und landen auf der Südinsel, die zwar größer ist als die Schwesterinsel im Norden aber lediglich von etwa einer Million Menschen bewohnt wird. Eine ideale Voraussetzung, um sich auf einsamen Straßen in traumhafter Landschaft an den Linksverkehr zu gewöhnen. In Christchurch klappt die Übernahme des Mietmobils reibungslos. Die größte Stadt der Südinsel war im Februar 2011 von einem schweren Erdbeben heimgesucht worden. Noch immer sind die Schäden mitten im Zentrum deutlich sichtbar und wir sind froh, schnell raus aus der Stadt und rein in die Natur zu steuern. Den ersten Abend verbringen wir auf einem idyllischen Campingplatz am türkisgrünen Lake Tekapo. An seinem Ufer steht die kleine Steinkirche „Zum guten Hirten“, über deren bescheidenem Altar ein weites Fenster den Blick auf den Gletschersee freigibt.
Türkis ist auch die bestimmende Farbe des nächsten Fahrtages. Die wilde, einsame, abgeschiedene Landschaft der Südinsel ist geprägt von den Southern Alps, dem parallel zur Westküste verlaufenden Gebirgszug mit dem 3.724 Meter hohen Aoraki/Mount Cook. Der höchste Berg Neuseelands grüßt uns mit schneebedeckten Gipfeln und seinem intensiv blaugrün gefärbten Gletschersee. Die Parkplätze am Ufer bieten sich natürlich für idyllische Picknick-Pausen im Reisemobil an.
Egal, wo man sich in Neuseeland befindet, man ist nie weiter als 128 Kilometer vom Meer entfernt. So machen wir auf dem Weg nach Süden einen kurzen Abstecher zum Strand, wo die Moeraki Boulders dekorativ im Sand liegen. Die riesigen nahezu perfekt runden Steinkugeln wurden durch Erosion geformt und sind teilweise durch Calcit-Einlagerungen auffällig gelb gefärbt.
Unser nächstes Ziel ist die Halbinsel Otago, wo wir die einzige Königsalbatros-Kolonie weltweit auf Festland besuchen wollen. Die Vögel haben eine Flügelspannweite von bis zu drei Metern und tun uns den Gefallen, über unserem Ausflugsboot ein paar Runden zu drehen. Es weht eine steife Brise und das ist auch gut so. Der Kapitän berichtet, dass am Vortag bei windstillem Wetter den Albatrossen die Thermik zum Fliegen fehlte und sich kein einziger in die Lüfte erhob. Glück gehabt!
Weiter geht unsere Reise entlang der Küste zur Südspitze der Insel. Wir passieren die Studentenstadt Dunedin, deren Zentrum von vielen ehrwürdigen Häusern geprägt wird. Der 1906 eröffnete Bahnhof soll das am meisten fotografierte historische Gebäude Neuseelands sein. Keine Frage, auch wir lassen die Kamera klicken und nehmen das hübsche Bild als Erinnerung mit nach Hause.
Eine Fahrstunde später zeigen die Catlins ihre schroffe Schönheit. Diese zerklüftete Küstenlandschaft lockt uns mit dem Nugget Point, an dem ein ausgesetzter Leuchtturm hoch über der tosenden Brandung seinen Dienst tut. Auch der südlichste Punkt unserer Reise liegt an diesem Küstenabschnitt. Von hier aus sind Äquator und Südpol fast gleich weit entfernt. Allerdings lassen die Temperaturen und das wechselhaft raue Klima eher vermuten, dass wir der Antarktis schon recht nahe sind. So drehen wir bei und rollen ab jetzt dem 5.140 Kilometer entfernten Äquator entgegen.

Hier ist also der Wendepunkt!
Wir haben auf dieser Tour noch nicht viele Neuseeländer kennen gelernt, einfach deshalb, weil das Land so dünn besiedelt ist und fast kein Verkehr auf den Straßen herrscht. Die Menschen, mit denen wir Kontakt hatten, waren sehr hilfsbereit, liebenswürdig, very british und unkompliziert. Hauptsächlich treffen wir Schafe, denn auf jeden Einwohner kommen etwa zehn dieser Wollknäuel. Das bedeutet 40 Millionen Schafe! Meist haben sie grandiose Weideplätze, oft mit unverbaubarem Wasserblick.
Auch die olivgrünen Papageien, die uns auf dem Weg zum Milford Sound bei jeder kleinen Pause aufs Autodach hüpfen, machen uns Freude. Diese frechen Keas leben in den alpinen Regionen der Südinsel Neuseelands und können auch im Schnee überwintern, während fast alle ihrer Artgenossen in den warmen Tropen zu Hause sind. Keas gelten als besonders neugierig und technisch versiert. Daher ist kein geschlossener Rucksack und kein Dichtungsgummi vor ihnen sicher.

Tipp
Lost Gypsy Gallery
Ein kleines verstecktes Juwel im rauen Küstengebiet der Catlins ist die „Lost Gypsy Gallery“. Das Künstlercafé mit seinem Garten voller Dinge, die man noch nie gebraucht hat und auch nie brauchen wird, liegt direkt an der Straße bei Papatowai. Ein alter grüner Bus wurde zu dem Café umgebaut und erlaubt nur artigen Kindern den Zutritt. Kein Wunder! Es sind so viele bewegliche und bewegte Fundstücke ausgestellt, dass auch Erwachsene wieder zu Kindern werden. Eine schöne Einkehrmöglichkeit! Spaß und Unterhaltung garantiert!

Robben, Delfine und Extremsport
In Milford besteigen wir ein Schiff, mit dem wir den 15 Kilometer langen Fjord bis hinaus zur Tasmansee befahren. Rings um uns herum ragen die Felswände bis zu 1.200 Meter in die Höhe. Der Fjord liegt in einer der regenreichsten Gegenden der Erde. Deshalb nehmen wir die aufziehenden Wolken gern in Kauf und sind einfach nur dankbar, dass es trocken bleibt.
Als wenn die spektakuläre Landschaft nicht schon Fotomotiv genug gewesen wäre, aalen sich zwischendurch Robben auf Felsen am Ufer und immer wieder ruft der Kapitän: „Delphine in Sicht!“ Rings um uns herum stürzen Wasserfälle von den senkrechten Wänden des Fjords herab. Die Landschaft an der Westküste der Südinsel erinnert wirklich sehr an Norwegen – wenn man sich die Robben und Delphine wegdenkt!
Neuseelandurlaub ist Aktivurlaub. Man kann wandern, vom Wasserflugzeug aus die Landschaft bestaunen, Bungee jumpen, Speedboat fahren, Gleitschirm fliegen und vieles mehr. Auf unserem Weg zur Abenteuerhauptstadt des Landes fahren wir wieder einmal begeistert durch eine landschaftlich unfassbar schöne Gegend. Ohne Verkehr in sanftem Auf und Ab rollen wir tiefenentspannt entlang des Lake Wakatipu bis nach Queenstown. Hier wurde das Bungee-Springen 1988 erfunden, von einer Hängebrücke über den Shotover-River. Wagemutige Zeitgenossen können sich am Knöchel an ein elastisches Gummiband binden lassen und stürzen sich dann kopfüber hinunter in den Canyon. Die Profis der Firma AJ Hackett sind in der Lage, das Seil so exakt einzustellen, dass die Springer vorher entscheiden können, ob sie ins Wasser eintauchen wollen und wenn ja, wie weit.
Wer keine dieser adrenalintreibenden Aktivitäten braucht, um seinem Tag einen Kick zu geben, der kann auch ganz gelassen mit der Seilbahn auf den Hausberg Bob‘s Peak gondeln und im Panorama-Restaurant beim Brunch die Aussicht genießen.
Am nächsten Tag fällt es wieder schwer, Abschied zu nehmen, doch wir wollen ein gutes Stück weiter gen Norden. Es gibt praktisch nur eine einzige Straße, die vom Landesinneren hinaus an die Westküste führt, dazwischen sind Berge und Seen und grandiose neuseeländische Landschaft.
Unser erster kleiner Zwischenstopp heißt Arrowtown, eine alte Goldgräberstadt, die zu einem bekannten Touristenort umgestaltet wurde. 1862 war hier das erste Gold gefunden worden, heute wird mit goldenen Kreditkarten bezahlt. Die historischen Gebäude sind erhalten, aber im Inneren findet man nun Shops mit hochwertigen neuseeländischen Produkten und Souvenirläden.
Und dann kommen wir ihnen immer näher, den weltberühmten Gletschern der Westküste. Fox Gletscher und Franz Josef Gletscher ziehen jedes Jahr Tausende von Urlaubern in ihren Bann, die sich bei einem Hubschrauber-Rundflug ins ewige Eis bringen lassen. Leider ist die Westküste der Südinsel auch das mit Abstand regenreichste Gebiet Neuseelands, und so sehen wir die blauen Eismassen zunächst vor lauter Nebel gar nicht. Doch wozu sind wir mit einem Reisemobil unterwegs? Auf einem Parkplatz sitzen wir gemütlich das schlechte Wetter aus. Als der Berg sich endlich zu enthüllen beginnt, machen wir uns zu Fuß auf den Weg zum Gletscher, bis wir der hunderttausend Jahre alten bläulich gefärbten Gletscherzunge ganz nah sind.
Der nächste Übernachtungsplatz heißt nicht umsonst „Westport“ – von dort aus führt noch ein kleines Stichsträßchen gen Norden an der Küste entlang aber eigentlich ist hier Schluss! Wir müssen uns nun wieder ostwärts über die Berge schlagen und das ist vielleicht auch ganz gut so.
Nach Westen fallen die zum Teil 3.000 Meter hohen Südalpen innerhalb von nur 50 Kilometern auf Meeresniveau ab. Durch dieses starke Gefälle regnet sich ein Großteil der Wolken auf dieser Seite des Gebirges ab, was zu der typischen Regenwald-Vegetation führt – und zu unserem zweiten heftigen Regentag in Folge. Wie gut, dass wir auf praktisch allen Campingplätzen funktionell eingerichtete Großküchen mit Aufenthaltsräumen vorfinden.
Ein extra schöner Zwischenstopp der nächsten Tagesetappe sind die „Pancake Rocks“. Vom Parkplatz aus kann man entlang der Steilküste wandern, mit phänomenaler Aussicht auf die pfannkuchenartig aufgeschichteten Sandsteinformationen. In Neuseeland wartet hinter jeder Kurve ein anderes spektakuläres Naturphänomen oder Nervenkitzel auf teilweise in den Fels gehauener Fahrbahn. Viel Platz bleibt da nicht für den Gegenverkehr. Manchmal fragen wir uns, wieviel unsere „Festplatte“ im Kopf eigentlich noch aufnehmen kann.
So langsam haben wir nun die Südinsel umrundet und sind in Kaiteriteri angekommen, Der Ort ist bekannt für seine ausgedehnten Sandstrände und geht auf eine Maori-Siedlung zurück. Geschützt von drei Seiten bot die Bucht einen idealen Ort, um sich gegen Feinde zu verteidigen. Für uns ist es einfach ein idealer Ort, um so richtig Urlaubsfeeling aufkommen zu lassen. Wieder haben wir eine andere Klimazone erreicht. Hier, an der Nordspitze der Südinsel, scheint die Sonne das ganze Jahr über und zaubert ein wahrhaft tropisches Klima.
Weite Teile dieses Küstenabschnitts sind nicht durch Straßen erschlossen, und so kann man nur auf dem Seeweg in die kleinen Buchten des Abel Tasman Nationalparks gelangen. Mit einem Katamaran lassen wir uns mitten hineinbringen in die urwaldartige Vegetation. Der Kapitän setzt uns aus und verspricht, uns in ein paar Stunden aus einer anderen Bucht wieder abzuholen. Dazwischen liegt der „coastal track“, ein Küstenwanderweg mit traumhaften Aussichten. Hier gibt es kein Handy-Netz, keine Imbissbuden, nur goldgelbe Strände und karibisch grünes Meer.
Am nächsten Tag wollen wir unsere Rundreise über die Südinsel Neuseelands mit einem Bootsausflug zum „whale watching“ krönen. Kaikoura ist einer der besten Plätze der Welt, um Pottwale zu sehen. Ganz selten fällt der Festlandsockel so steil ab wie hier. Schon nahe des Ufers bildet eine 1.000 Meter tiefe senkrechte Felswand einen Unterwassercanyon, der ideale Lebensbedingungen für die Wale schafft. Mit einem Schnellboot geht es hinaus in die Bucht. Ein professioneller Späher sucht den Horizont nach Walen ab und ortet mit einem speziellen Hörrohr ihre Geräusche. Wir halten den Atem an und starren auf die spiegelglatte See. Irgendwo da draußen soll ein 20 Meter langer und 60 Tonnen schwerer Meeressäuger sein … unser Späher kann bereits seine typischen Klicklaute vernehmen. Und dann ist es so weit! Die Fontäne schießt in die Höhe, der Koloss taucht auf! Ein unvergeßliches Erlebnis!

Die Musik unseres Planeten
Auf den T-Shirts, die wir hinterher als Andenken kaufen, steht geschrieben: „The earth has music for those who listen.“ Die Erde hat Musik für die, die genau hinhören.
Wir hören nun wahrscheinlich die Musik der Erde, und das Ausatmen der Wale und all diese Eindrücke kann uns keiner mehr nehmen.
Von hier aus geht unsere Reise mit der Fähre über die „Cook Strait“, eine der windigsten Wasserstraßen der Welt, hinüber zur Nordinsel.
Seite 2 – Guide Neuseeland mit Infos zur Anreise, besonderen Verkehrsbestimmungen, wichtige Telefonnummern, Wohnmobilstellplätzen in Neuseeland und vielem mehr …

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