Hub- und Stützsysteme für Wohnmobil und Caravan von Theo Gerstl

Alles im Lot
Wer auf Reisen geht, möchte die schönsten Tage des Jahres natürlich auch an den landschaftlich attraktivsten Standorten verbringen. Doch diese scheinen – warum auch immer – eines gemeinsam zu haben: Der Untergrund ist entweder schräg, wellig, buckelig oder sonst wie einfach krumm, sodass das Reisemobil oder der Caravan immer schief steht. Und das nervt: Beim Kochen rollen die Tomaten vom Schneidebrett, und der Vino Tinto hängt traurig-schief im Glas. Spätestens sobald man sich gemütlich ins Ferienbett kuschelt, wird es dann richtig ungemütlich: Mit nach unten hängendem Kopf schläft man schlecht, und wenn die Schräglage das stete Gefühl vermittelt, jeden Moment seitlich aus dem Bett kullern zu können, ist das auch nicht gerade der Erholung förderlich.
Doch selbst bei einem mit Unterlegkeilen in die Waagerechte gebrachten Reisemobil quittiert dessen Federung jeden Schritt mit einem schwankenden Aufbau. Diese Eigenbewegungen verursachen bei vielen Reisenden Symptome wie Übelkeit, Kopfschmerzen oder Schwindelgefühle, die mit einer Seekrankheit vergleichbar sind – hier bringt nur das Überlisten der Federung Abhilfe.

Komfortgewinn beim Caravan
Unbeeindruckt von diesen Problemen sind die Eigner von Caravans. Schließlich sind an jedem serienmäßige Kurbelstützen verbaut, um der Gefahr vorzubeugen, dass er im abgekoppelten Zustand nach hinten kippt. So weit, so gut: Doch die Kurbelei im Knien ist nicht nur lästig, sondern auch anstrengend.
Folglich findet sich im Zubehörhandel ein umfangreiches Tuningangebot, das die Arbeit erleichtert. So reduzieren beispielsweise Adapter für den Akkuschrauber den Kraftaufwand sowie die Arbeitszeit beim Kurbeln drastisch. Das Arbeiten auf den Knien erspart dagegen Alkos „Komfort-Kit“, mit dem sich der Ansetzpunkt für die Kurbel von der Stütze weit unter dem Fahrzeug an den Rand des Caravans verlegen lässt. In Kombination mit einem Kardangelenk für die Ausdrehkurbel oder den Akkuschrauber kann nun in nahezu aufrecht stehender Körperhaltung gearbeitet werden.
Noch mehr Komfortgewinn verspricht der Austausch der Serienstützen, beispielsweise gegen Modelle mit fest montierten Unterlegplatten, die sich durch einen Federmechanismus während der Fahrt automatisch an die Stütze anlegen und sich bei Bodenkontakt von alleine an dessen Konturen anpassen. Deutlich einfacher wird das Abstützen und Nivellieren des Caravans mit elektrischen Stützsystemen, die von einem integrierten Elektromotor angetrieben und per Fernbedienung gesteuert werden.

Basics fürs Reisemobil
Da viele Hersteller mit Blick auf den Basispreis bei der Serienausstattung ihrer Reisemobile auf Stützsysteme verzichten, muss bereits für die waagerechte Ausrichtung auf Auffahrkeile aus dem Zubehörmarkt zurückgegriffen werden. Diese „Nivellierungs-Klassiker“ gibt es in den verschiedensten Ausführungen und Höhen sowie mit unterschiedlichen Traglasten. Doch neue, pfiffige Lösungen drängen auf den Markt. Wie beispielsweise Rundkeile, deren Bauform das Auffahren erleichtern und das Anhalten in jeder Position ermöglichen – dadurch kann jedes Rad praktisch stufenlos angehoben werden.
Ebenfalls eine interessante Alternative ist der „Air-Lift“ von Emuk – ein Luftkissen, das unter den Reifen gelegt wird und per Fahrrad-Pumpe oder komfortabel per 12-Volt-Kompressor aufgeblasen wird und so das Rad um bis zu 20 Zentimeter anhebt. Was aber auch die findigste Unterleg-Lösung nicht vermeiden kann, ist das Schaukeln des Aufbaus, sobald man sich im Fahrzeug bewegt. Doch auch für dieses Problem haben die Hersteller Systeme entwickelt und bieten vom einfachen Stützfuß bis hin zum hydraulischen Nivellierungssystem eine Vielzahl von Lösungen an.

Alko
Als Chassishersteller legt Alko bei seinen Stützsystemen den Schwerpunkt auf maßgeschneiderte Systemlösungen für die hauseigenen Unterbauten von Caravans und Reisemobilen. So können die mechanischen „Clickfix“-Hubstützen problemlos an Fahrzeugen mit Alko-Rahmen beziehungsweise -Rahmenverlängerungen montiert werden. Bereits nach einer halben Umdrehung der Kurbel schwenkt die eingeklappte Hubstütze in eine senkrechte Position und kann nun zum Abstützen des Fahrzeuges so weit wie nötig herausgekurbelt werden. Die Steckstützen-Systeme von Alko werden an den vorhandenen Aufnahmelaschen der hauseigenen Fahrgestelle mit nur zwei Schrauben ganz einfach montiert, sie können aber auch an den Chassis’ anderer Hersteller nachgerüstet werden. Mehrere Traglasten und Höhenversionen sorgen für vielfältige Einsatzmöglichkeiten.
Mehr Komfort für Caravans mit Alko-Chassis (ab Baujahr 1989) bringt das E.C.S.-Hubsystem mit elektrischem Antrieb. Bei ihm fahren alle vier Stützen per Tastendruck auf der Fernbedienung bis zum Bodenkontakt aus, anschließend kann jede Stütze einzeln solange nachjustiert werden, bis das gewünschte Niveau erreicht ist. Das E.C.S.-Hubsystem eignet sich für große Caravans mit Alko-Chassis und einem zulässigen Gesamtgewicht von bis zu 2,5 Tonnen, eine Stütze allein trägt bis zu 1.250 Kilogramm.

E&P Hydraulics
Doch die Hubkraft von elektrischen Stützen ist begrenzt, da die Stromaufnahme mit dem Fahrzeuggewicht zunimmt und die Verkabelung nicht „armdick“ verlegt werden kann. Deshalb kommen bei schwereren Reisemobilen hydraulische Stützen zum Einsatz. So besteht auch das „Levelsystem“ von E&P Hydraulics aus vier Hydraulikstützen, die in ebenso vielen Ausführungen mit zwei, dreieinhalb, sechs und zehn Tonnen Traglast pro Stütze erhältlich sind. Damit ist das System für praktisch alle europäischen Reisemobil-Modelle geeignet, die Anbringung am Fahrgestell erfolgt über Montagebleche.
Der niederländische Hersteller kombiniert seine hydraulischen Stützensysteme alternativ mit einem Bedienpanel oder einer Fernbedienung: Ein Tastendruck genügt in beiden Fällen – und schon nivelliert sich das Fahrzeug innerhalb von zwei Minuten automatisch. Dabei können alle Aktionen direkt auf der Fernbedienung überwacht werden. Für eine feinere Einstellung steht der manuelle Bedienmodus zur Verfügung: Mit ihm werden die Stützen paarweise – vorne und hinten beziehungsweise links und rechts – manuell ausgefahren.
Bei der Abreise genügt dann ein Knopfdruck, um alle Stützen innerhalb einer Minute automatisch wieder einzuziehen. Eine Sicherheitseinrichtung sorgt dafür, dass das E&P-Stützensystem nur bei ausgeschaltetem Motor funktioniert. Dem unbeabsichtigten Losfahren bei ausgefahrenen Stützen beugt darüber hinaus ein Sicherheitsmechanismus vor: Beim Starten des Motors ertönt ein Signal, und die Stützen werden automatisch eingezogen.

Goldschmitt
Je nach Einsatzgebiet und gewünschtem Funktionsumfang bietet Goldschmitt zwei hydraulische Hubstützensysteme an, die sich sowohl qualitativ als auch preislich voneinander unterscheiden: Die Light-Variante ist das Einstiegsmodell, bei der die Nivellierung manuell per Funkfernbedienung erfolgt, zum Einfahren aller Stützen genügt ein einziger Knopfdruck. Bei der Pro-Variante stehen dagegen drei Bedienmöglichkeiten zur Wahl: entweder die kabelgebundenen Bedienteile Basic und Comfort oder die „iLift“-Steuerung mittels Smartphone-App, die über umfangreiche Sicherheitsfunktionen – wie zum Beispiel eine PIN-geschützte Wegfahrsperre – verfügt. Während mit dem Light-System die Hubstützen nur einzeln oder paarweise ausgefahren werden können und das Fahrzeug manuell mittels Wasserwaage ausgerichtet werden muss, besteht bei den Bedienteilen der „Pro-Serie“ die Wahl zwischen einer manuellen und einer vollautomatischen Nivellierung.
Obwohl die „Pro-Serie“ für schwerere Reisemobile bis hoch in die Zehn-Tonnen-Klasse geeignet ist, konnte das Gewicht im Vergleich zur „Light-Serie“ um 30 Prozent verringert werden, womit diese zu den leichtesten vollhydraulischen Systemen am Markt zählt. Ebenfalls ein Alleinstellungsmerkmal ist die „HRP-Technologie“ der „Pro-Serie“, die ein ungewolltes Absacken des abgestützten Fahrzeugs selbst bei einem Druckabfall verhindert. Dazu ist am Stützenkopf eines jeden Hydraulikzylinders ein integriertes Sicherheitsventil angebracht, das auch bei Beschädigungen noch für einen stabilen Öldruck im Hydrauliksystem sorgt. Deshalb dürfen die Hubstützen der „Pro-Serie“ sogar bei einem Reifenwechsel oder der Schneekettenmontage verwendet werden. Sowohl bei der Light- als auch bei der Pro-Variante kommen – je nach Fahrzeugtyp und -größe – Vertikal-, Klapp- oder Teleskopstützen zum Einsatz.

HPC Hydraulics
Auf Knopfdruck richtet die Nivellierautomatik von HPC das Fahrzeug innerhalb von 60 bis 90 Sekunden waagerecht aus. Das Sortiment an hydraulischen Hubsystemen der Niederländer besteht aus zwei oder alternativ vier hydraulischen Aluminium- beziehungsweise Stahlstützen, einer kompakten Leichtgewichtspumpe sowie einem Touchscreen-Bedienfeld – alternativ ist auch die Steuerung per Smartphone oder Tablet möglich. Die HPC-Palette eignet sich für Fahrzeuge von drei bis 30 Tonnen, durch den modularen Aufbau des Systems können auch Zusatzfunktionen mit der verwendeten Hydraulik bedient werden: von der automatisch ausfahrenden Treppe bis hin zum ausziehbaren Slide-Out-Erker von HPC.

Kuhn Autotechnik
Das Traditionsunternehmen Kuhn hat eine stabile Scherenhubstütze im Programm, die mit dem Fahrzeug-Chassis fest verschraubt wird. Sie ist universal passend und kann entweder manuell oder mit einem externen Schrauber betrieben werden. Bei 49 Zentimetern Hubweg stemmt jede Stütze bis zu 2.250 Kilogramm. Auch die Bodenfreiheit wird durch das Kuhn-System nur geringfügig reduziert, da die Aufbauhöhe der eingefahrenen Stützen lediglich neun Zentimeter beträgt – und der Original-Wagenheber kann zukünftig zuhause in der Garage bleiben.

Linnepe
Fahrzeuge bis zu einem zulässigen Gesamtgewicht von 5,5 Tonnen bringen die elektrischen Hubstützen „AutoLift“ von Linnepe in die Waagerechte. Das 12-Volt-Stützensystem besteht alternativ aus einem Satz von vier Stützen, die vollautomatisch nivellieren können, oder aus einem Zweier-System. Durch mitgelieferte Verlängerungen können die Stützen von 300 auf 360 oder 420 Millimeter verlängert werden, womit sie für alle Reisemobile bis 5,5 Tonnen einsetzbar sind. Die Hubkraft pro Stütze beträgt 2.500 Kilogramm, die digitale Steuerung ist zur einfachen und logischen Montage vorverkabelt.
Die „QuickLift hydraulic“ ist dagegen ein hydraulisches Stützensystem, welches das Reisemobil per Tastendruck auf dem Bedienpanel in rund einer Minute automatisch waagerecht stellt. Für den Fall der Fälle, zum Beispiel beim Ausfall der Bordelektrik, hat das System eine Notbedienung, die es ermöglicht, die Stützen auch ohne Strom einzufahren. Der Klassiker im Linnepe-Programm sind die manuellen „Quicklift“-Stützen mit einer Hubkraft von 500 Kilogramm. Eine einfache Handhabung, passende Konsolen für fast alle Reisemobile und die problemlose Montage sprechen ebenso für dieses System wie die Sicherheitseinrichtung „Not-Blitz-Start“. Diese sorgt dafür, dass die Stütze einfach wegklappt, wenn versehentlich bei ausgefahrener Stütze losgefahren wird.

Sawiko
Die Alko-Tochter führt die konzerneigenen mechanischen Stützsysteme „Moca“ und „Vero Light“ in ihrem Programm. Die Moca-Hubstützen stellen dabei die „Universallösung“ für Fahrzeuge dar, die eine maximale Hebekraft von 500 Kilogramm pro Stütze erfordern. Leichtbau ist dagegen oberste Prämisse bei den aus Kunststoff gefertigten „Vero Light“-Stützen, für die Sawiko eine Gewichtsersparnis von rund 50 Prozent gegenüber konventionellen Hubstützen aus Stahl verspricht. Die einfach teleskopierbare, kürzere Version deckt einen Höhenbereich von 31 bis 43 Zentimetern ab und ist 1,9 Kilogramm leicht. Die doppelt teleskopierbare Variante für einen Höhenbereich zwischen 33 und 51 Zentimetern wiegt mit 2,1 Kilogramm auch nur 200 Gramm mehr, beiden gemeinsam ist die Tragfähigkeit von einer halben Tonne pro Stütze. Trotz des Leichtbaus gewährleisten die „Vero Light“-Stützen einen sicheren Stand, was nicht zuletzt durch eine Fahrzeuganbindung aus Aluminium sowie eine gehärtete und verzinkte Stahlspindel sichergestellt wird.

SMV
Reisemobile bis maximal 20 Tonnen Gesamtgewicht bringt das „Multi Lift“-System von SMV in weniger als zwei Minuten in die Waagerechte. Das Hydraulikstützensystem wird von einer elektro-hydraulischen Pumpe für 12- oder 24-Volt-Bordnetze angetrieben, neben der vollautomatischen Funktionsweise ist auch eine manuelle Ausrichtung des Fahrzeuges per Fernbedienung möglich. Die dabei verbauten „doppeltwirkenden Hydraulikzylinder“ kommen in zwei Versionen zur Verwendung: Beim „Multi Lift Easy“ haben sie eine Tragkraft von maximal zwei Tonnen pro Stütze, damit ist das System für Fahrzeuge mit einem Gesamtgewicht von rund 3,5 bis 6,5 Tonnen gedacht. Durch seine kompakte Bauweise ist der Multi Lift Easy darüber hinaus prädestiniert für den Einsatz bei Reisemobilen mit geringer Bodenfreiheit – wie kompakte Kastenwagen, die über wenig Platz für den Einbau von Hubstützen verfügen. In der Heavy-Version hat jede der vier Hubstützen dagegen eine Tragfähigkeit von neun Tonnen, wodurch das SMV-System auch für schwere Reisemobile nutzbar ist.
Ein Leichtgewicht von gerade einmal 1,9 Kilogramm ist die manuelle Hubstütze „Alumatic“ von SMV. Eine 76 Zentimeter lange Handkurbel erleichtert die Arbeit ebenso wie eine optionale Verlängerung oder der optionale Adapter für den Akkuschrauber. Die Aluminiumkonstruktion hat einen Hubweg von 115 Millimetern und ist bis zu einer Länge von 405 Millimetern ausfahrbar, sie kann eine Tonne abstützen und 500 Kilogramm heben.

© CAMP24MAGAZIN

Übersicht manuelle Hubstützen und automatische Hubstützen. | Zum Vergrößern auf das Bild klicken.

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