Neuseeland – Die Nordinsel (Seite 1 von 2) von Dr. Kathrin Kern
Deutsche Botschaft Neuseeland
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Honorarkonsul der Bundes­republik Deutschland
Neuseeland Nordinsel

Erich Bachmann
188 Quay Street · Auckland 1010
Tel.: +64-9-3758718
Mo. bis Fr. von 10 bis 12 Uhr

Wir nähern uns mit der Fähre der Nordinsel und sehen als erstes den Hafen von Wellington. Warum die Hauptstadt Neuseelands „Windy City“ genannt wird, erschließt sich uns sofort. Die exponierte Lage an der Südspitze der Nordinsel, umgeben von Bergen, sorgt für starke Windströmungen und heftige Fallwinde. Aber die stürmischen Böen auf dem Weg zum Campingplatz stören uns nicht wirklich. Wir sind einfach nur froh, dass die Fährüberfahrt auf der Cook Strait so viel ruhiger war als befürchtet. In den letzten knapp drei Wochen hatten wir auf der Südinsel bereits alle Wetterlagen von sintflutartigen Regenfällen über nächtlichen Frost und Nebel bis hin zu tropischer Hitze in schnellem Wechsel erlebt. Man sagt: „Wenn Dir das Wetter auf Neuseeland nicht gefällt, warte fünf Minuten, dann ändert es sich.“ Eine Lebensweisheit, die wir als Erfahrungsschatz mit nach Hause nehmen werden.
So lassen wir uns in der ersten Nacht auf der Nordinsel in unserem Alkoven sanft in den Schlaf schaukeln. Wir wollen ja schließlich fit sein für die Stadtbesichtigung am nächsten Tag. Erst 1865 zog Neuseelands Hauptstadt aus dem wesentlich größeren im Norden gelegenen Auckland nach Wellington um. Auf der Südinsel hatte man Gold gefunden und wollte sich nicht länger von einer Stadt regieren lassen, die derartig abgelegen und abgehoben war.

Wellington
Wellington dagegen liegt fast an der Schnittstelle der beiden Inseln nur durch die Wasserstraße getrennt und ist heute die zweitgrößte Stadt des Landes. Das Parlament residiert im „Beehive“. Der Rundbau erinnert tatsächlich an einen Bienenkorb und ist eines der Wahrzeichen der Stadt. Ein weiteres Wahrzeichen hat für Touristen sogar einen praktischen Wert: Der berühmte Cable Car bringt uns in die oberen Stadtteile. 120 Meter werden in fünf Minuten überwunden. Seit 1902 ist dieses Transportsystem in Betrieb, zunächst dampfbetrieben, seit 1933 mit Elektrizität. Als wir an der Bergstation den roten Wagen verlassen, bietet sich ein spektakulärer Ausblick auf die Hafenstadt.
Wellington hat viel zu bieten. Das beeindruckende Nationalmuseum Te Papa kann man sogar gratis erleben. „Te Papa“ ist der Ausdruck der Maori für „Unsere Heimat“. Man lernt viel über die Geschichte des Landes und kann sich bei einer Erdbeben-Simulation durchschütteln lassen.
Nach so viel Kultur folgen wir aber liebend gern wieder dem Ruf der Natur. Durch grüne Hügel, auf einsamen Straßen gelangen wir zum Tongariro Nationalpark. Schon von Ferne grüßt der ganzjährig schneebedeckte Ruapehu. Der 2.797 Meter hohe Vulkan ist der höchste der drei aktiven Feuerberge in dieser Gegend. Viele Kultstätten liegen hier, denn die Vulkane sind den Maori heilig.
Naturliebhaber finden ideale Bedingungen zum Wandern, Skilaufen und Fotografieren. Die beste Perspektive für spektakuläre Aufnahmen hat man an Bord eines Kleinflugzeuges. Kaum hat die Cessna abgehoben, zeigt uns der Pilot, wo es im Berg aus der Erde dampft; bei einem unterirdischen Gewässer oberhalb des Siedepunkts. Zwischen den Vulkanen Ngauruhoe und Tongariro liegen wie Edelsteine der Blue Lake und die grellgrünen Emerald Lakes. Für die Verfilmung der Trilogie „Herr der Ringe“ diente diese Kulisse als Schicksalsberg. Wer einmal hier war, versteht sofort, warum.
Auf Neuseelands Nordinsel ist die Erdkruste so dünn wie kaum anderswo. Unterwegs Richtung Rotorua halten wir immer wieder an, um in dieser geothermal aufgewühlten Landschaft kleine Abstecher zu machen; zum Beispiel zu den „Craters of the moon“. Hier dampft und zischt und brodelt es überall aus dem Boden. Auf erhöhten Holzwegen kann man durch Dampf speiende Löcher und kochenden Schlamm hindurchspazieren. Überall stehen Warnhinweise, dass man die Stege nicht verlassen darf, und man kann sich in der Tat vorstellen, hier für immer verschluckt zu werden, falls man einen falschen Schritt tut.
Das absolute Highlight ist der Besuch des „Thermal Wonderland“. Es handelt sich dabei um ein Hydrothermalgebiet, das übersät ist von Kratern, heißen und kalten Seen in den schrillsten Farben, Schlammtümpeln und dampfenden Erdspalten. Durch befestigte Wege wurde dieses Naturwunder für Besucher zugänglich gemacht. An manchen Stellen brodelt es aus der Erde, und man sollte besser die Schilder beachten und keine Zehen zum Prüfen der Temperatur in die siedende Flüssigkeit stecken. Ein besonderer Hingucker ist der Champagnerpool, der von einer 62 Meter tiefen Quelle gespeist wird. Mit 230 Grad perlt das Wasser an die Erdoberfläche und kühlt sich dann auf eine ständige Wassertemperatur von 74 Grad ab. Das mineralhaltige Wasser enthält Gold, Silber, Arsen, Quecksilber und Schwefel und zeigt daher ein großes Spektrum an intensiven Farben. Einfach nur toll!

Tipp
Kauri Museum
Das Kauri Museum in Matakohe unweit der Nationalstraße 12 bietet einen tiefen Einblick in die Pionierzeit Neuseelands. Als die europäischen Siedler das Land eroberten, rodeten sie die mächtigen Jahrtausende alten Bäume, um sie für Schiffs- und Hausbau zu verwenden. Gezeigt wird in beeindruckender Darstellung das gefährliche und entbehrungsreiche Leben der Holz­arbeiter von damals. Dampfbetriebene Sägewerke und antike Werkzeuge aller Art machen den Rundgang zu einem Erlebnis. Wertvolle Souvenirs aus echtem Kauri-Holz findet man im Museums-Shop. Eintritt: 25 NZ$

Mud Pool und hot Pool
Ganz anders und doch genauso faszinierend ist der „Mud Pool“, der Schlamm-See, in dem es überall brodelt und blubbert. Man könnte stundenlang zuschauen, denn in unregelmäßigen Abständen schießt immer wieder ein großer Blubb oder eine Matsch-Fontäne in die Höhe. Dabei werden mehrere Sinne gefordert: Es sieht interessant aus, hört sich teuflisch an und riecht nach Unterwelt. Leider waren wir zu spät, um den Ausbruch des berühmten Geysirs „Lady Knox“ zu erleben. Jeden Morgen pünktlich um 10:15 Uhr speit dieses Naturwunder seine Wasserfontäne in die Höhe und begeistert damit Hunderte von Zuschauern.
In unserem Übernachtungsort Rotorua gibt es allerdings einen anderen Geysir, der auch nachmittags arbeitet: Der Pohutu, was soviel heißt wie „großer Schwall“, zeigt dann gegen eine saftige Eintrittsgebühr, was er kann. Allerdings hat man manchmal Mühe, vor lauter knipsenden Asiaten den Geysir überhaupt ins Bild zu bekommen. Wer es ruhiger mag, geht mit einem Spaten zum Strand und gräbt sich seinen ganz persönlichen „Hot Pool“: Das Grundwasser ist so heiß, dass man einen kleinen Kanal buddeln muss, mit dem man kaltes Seewasser zufließen lässt, bis die richtige Temperatur erreicht ist. Mit einer Kerze und einem Fläschchen gut gekühlten neuseeländischen Weißwein kann man so eine romantische Nacht verbringen.
Die Erdwärme wird auch von den Maori genutzt, um Speisen zu garen. Nirgends sonst kann man die Lebensweise der Ureinwohner so hautnah erleben wie beim Besuch eines der Maori-Dörfer in der Nähe von Rotorua. Bevor wir das Village betreten dürfen, werden einige Krieger ausgesandt, um festzustellen, ob wir Freund oder Feind sind. Dann erscheint ein furchterregend aussehender Maori, der uns in den Wald zu seinen Stammesgenossen bringt, die uns in ihre Handwerke, Tätowierkunst und Tanzrituale einführen. Ausgewählte Männer lernen dann den Haka, den Ritualtanz der Maori, bei dem durch Ausstrecken der Zunge und Rollen der Augen dem Gegner Angst eingeflößt werden soll. Aber so schaurig schön wie die Maori den Haka tanzen, das kann sonst niemand nachmachen.

Auf den Spuren von Bilbo Beutlin
Auch für das leibliche Wohl wird im Maori-Dorf gesorgt. Das typische Essen der Menschen dieser Gegend ist das Hangi. Dabei werden Gemüse und Fleisch in einem Erdloch durch Dampf gegart. Wir dürfen zuschauen, wie die Erde weggekratzt und die Speisen „ausgegraben“ werden. Nach einem köstlichen Abendessen rufen alle nur noch „Kia Ora“. Wörtlich heißt es: „Mögest Du gesund sein“ oder „Möge es Dir gut gehen“. Bei den Maori wird diese Grußformel sowohl zur Begrüßung wie zum Abschied als auch zwischendurch als Zustimmung gerufen.
Die großartige Kultur der Einwohner Neuseelands, die lange im Land lebten, bevor die europäischen Siedler übers Meer kamen, zeigt sich auch in den beeindruckenden Felsgravuren am Lake Taupo. Nur vom Boot zu bestaunen sind die in Stein geritzen Masken in der Mine Bay des Lake Taupo. Diese bizarren Schönheiten haben aber moderne Maori für die Nachwelt hinterlassen.
Kein Wunder, dass Regisseur Peter Jackson für die Dreharbeiten zu „Herr der Ringe“ die verschiedensten Orte auf beiden Inseln Neuseelands auswählte. Die Natur zeigt eine große Vielfalt und ist überall spektakulär. Wir lassen es uns nicht entgehen und besuchen „Hobbiton“ . Auf der ehemaligen Schaffarm wurden in einer kleinen grünen Hügellandschaft die Erdhäuser der Hobbits erschaffen. Im Rahmen einer sachkundigen Führung, bei der allerlei Anekdoten zu Einzelheiten der Dreharbeiten erzählt werden, wandeln wir auf den Spuren von Bilbo Beutlin.
Neuseeland ohne Kiwi? Geht ja gar nicht! In der Nähe von Te Puke bietet eine Fruchtfarm Führungen durch ihre Plantage an. Es ist ausreichend Parkraum für Reisemobile vorhanden , sodass man dort in eine kleine Bahn aus überdimensionalen Kiwis umsteigen kann, und ab geht die Fahrt. Viel Wissenswertes über den Anbau dieser vitaminhaltigen Frucht wird uns vermittelt. Obwohl wir viel Spaß bei den Kiwis haben, sollen doch noch ein paar Kilometer gefahren werden, denn unser heutiges Ziel ist die Coromandel Halbinsel. Wieder einmal geht es durch Regenwald, und wir sind wie immer fasziniert von den riesigen Farnen, die in fast ganz Neuseeland das Landschaftsbild prägen. In Hahei wollen wir zwei Tage auf einem Campingplatz in traumhafter Lage verbringen. Raus aus dem Reisemobil und sofort am Strand laufen! Camperherz, was willst Du mehr? Abgerundet wird unser Glücksgefühl durch die Tatsache, dass sich ganz in der Nähe ein Pub befindet mit Hausbrauerei und Fish & Chips auf der Speisekarte. Very British! Das Leben kann so schön sein!
Neuseeland-Urlaub ist immer auch Aktiv-Urlaub. Ganz in der Nähe am Strand liegt die Cathedral Cove, eine Höhle mit spitz zulaufender Decke, die auch bei Flut begehbar ist. Bis wir dorthin gelangen, haben wir ein Stückchen Arbeit vor uns. Die Riesenfarne und knorrigen Bäume machen die Wanderung zu einer Expedition durch Regenwald. Nach dem Anstieg zur Steilküste werden wir mit grandiosen Ausblicken belohnt. Dann wieder hinunter, dorthin wo die Brandung tobt, und später das Ganze retour.
Wir staunen immer über die alten Maori-Namen in Neuseeland. Viele Ortschaften haben Namen mit einer Menge Vokale und sind schwer im Gedächtnis zu behalten. Wir übernachten in Waipapakauri und unternehmen von dort einen Ausflug zur Nordspitze, zum Cape Reinga. Da wir den berühmten Ninety Mile Beach entspannt genießen möchten, buchen wir eine Fahrt mit einem der 4×4-Lkw-Busse, die unerschrocken direkt an der Wasserkante entlangfahren, sozusagen mit einem Rad in der Brandung.
Dieses monströse Allradfahrzeug chauffiert uns bis zu dem markanten weißen Leuchtturm, der an diesem exponierten Ort seit 1941 Dienst tut. 165 Meter über dem Meeresspiegel markiert er die Stelle, wo die Tasmanische See und der Pazifik aufeinandertreffen. Ein heiliger Ort der Maori. Sie glauben, dass die Seelen der Verstorbenen genau hier die Erde verlassen.

Tipp
Sky Tower
Die beste Aussicht von ganz Auckland bietet der Sky Tower. Der Turm mit dem größten UKW-Rundfunksender der Welt wird außerdem für Fernsehprogramme, Wetterdienste und WiFi genutzt. Die Touristen lieben ihn als Basis für einen Bungeesprung am Drahtseil von der 220 Meter hohen Aussichtsplattform herab. Wer fürstlich speisen möchte mit unver­baubarer Rundumsicht, der reserviert einen Tisch im Drehrestaurant Orbit, darf dann kostenlos mit dem Aufzug in die 52. Etage fahren und sieht beim Dessert eventuell einen Menschen vom Himmel fallen.

Auckland zum Abschluss
Der nächste Fahrtag bringt uns wieder gen Süden und lässt die Maori-Kultur weiterhin unser Begleiter sein. Die dominierende Farbe des Tages ist grün, der dominierende Zustand nass, unser Empfinden ehrfurchtsvoll. Wir besuchen nämlich einen Gott und können uns nur verneigen vor dem, was die Natur zu schaffen in der Lage ist.
Wir machen Tane Mahuta unsere Aufwartung. Es ist mit 51 Metern Höhe und fast 14 Metern Stammumfang der größte lebende Kauri-Baum. Die Maori verehren ihn als Gott des Waldes und sein Lebensalter wird auf 2.000 Jahre geschätzt. Wenn man sich ihm nähert, steht auf einer Tafel geschrieben: „Du befindest Dich in der Gegenwart eines der ältesten Bäume der Welt.“ Und ja, man hätte hier auf einer Bank sitzen und über das Leben sinnieren können – wenn uns dieser Waldgott nicht ausgerechnet heute so viel Regen geschickt hätte.
Hier entlangzugehen zwischen all den urwaldartigen Pflanzen und den Kauris zu begegnen, die schon so viele Jahreszeiten erlebt haben und lange hier standen, bevor Maori oder Europäer das Land der großen weißen Wolke überhaupt entdeckt hatten, ist ein emotionaler Höhepunkt dieser Reise.
Leider hat alles Schöne im Leben ein Ende, und so führt unser Weg irgendwann wieder hinaus aus der Kauri-Welt. Zwei relativ dicht zusammenstehende Bäume bilden eine natürliche Engstelle, sodass die Straße kurzzeitig einspurig wird und unser Reisemobil wie ein Spielzeugauto aussieht. Es wirkt, als ob die Kauris ein Tor bilden zu einer Welt aus längst vergangenen Zeiten. Und wir durften für ein paar Stunden darin eintauchen.
Es fällt schwer, wieder in der Realität anzukommen. Der Kon­trast ist extrem. Wir erreichen die einzige Millionenstadt Neuseelands. Auckland wird „City of Sails“ genannt, die Stadt der Segel! Jetzt wissen wir auch warum. Der Prozentsatz der Einwohner, die ein eigenes Boot haben, soll höher sein als in jeder anderen Stadt der Welt. Hier geht unsere Rundreise zu Ende. Wir geben die Reisemobile zurück und bereiten uns auf den Heimflug vor. Ein Tag zum Bummeln und Shoppen bleibt uns. Um all das Erlebte zu verarbeiten, werden wir noch sehr viel mehr Tage brauchen.
Seite 2 – Guide Neuseeland mit Infos zur Anreise, besonderen Verkehrsbestimmungen, wichtige Telefonnummern, Wohnmobilstellplätzen in Neuseeland und vielem mehr …

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