Städte-Tour – Paris von Johannes Kühner
Tourist-Info
Tourist-Info-Center Pyramides
25-27, rue des Pyramides · 75001 Paris
Öffnungszeiten:
2. Mai-31. Oktober: 9.00–19.00 Uhr
1. November-30. April: 10.00–19.00 Uhr
Infos: de.parisinfo.com

Hier hat also alles begonnen. Die Geschichte von Paris. Auf einer Insel. Aber wer kann schon ahnen, dass ausgerechnet an dieser Stelle – unter der weltberühmten Kirche Notre-Dame – noch Spuren davon erhalten sind? Nun gut, nicht von der ursprünglichen Kelten-Siedlung, die vor 2.000 Jahren den Anfang einer Weltmetropole markierte. Aber Spuren aus der Zeit vor dem Mittelalter, als Römer die heutige Île de la Cité unter ihrer Herrschaft hatten. Über ein paar Stufen geht es hinab in eine 100 Meter lange Krypta (www.crypte.paris.fr), und dort sind sie zu sehen: Grundmauern aus längst vergangenen Zeiten – und Diashows, Modelle sowie Zeitreisen auf Monitoren.
Aber nun wieder hinauf an die Oberfläche, zu Frankreichs meistbesuchtem Denkmal – hinauf zur Kirche Notre-Dame, deren Nordturm 69 Meter in den Himmel ragt. Wer Victor Hugos berühmtesten Roman gelesen hat, wird unweigerlich wieder zurückgeworfen ins Mittelalter, wo sein Buch „Der Glöckner von Notre-Dame“ angesiedelt ist. Immerhin ist die Kirche eines der ersten gotischen Gebäude dieser Zeit und bot sich damit zwangsläufig als Kulisse an.
Ansonsten sieht es mittlerweile trist aus auf der Île de la Cité. Schuld daran trägt Baron Haussmann, der die Insel im 19. Jahrhundert modernisierte – was sie ihres ursprünglichen Flairs beraubte. Immerhin blieb noch die Conciergerie erhalten. Dieser Königspalast diente schon als Gefängnis – ein Nachbau zeigt die Zelle von Königin Marie Antoinette. Heute begeistert der Gebäudekomplex mit seinem Salle des Gens d’armes – einem einstigen Esszimmer für bis zu 2.000 Personen und der größte noch erhaltene Saal für nicht-kirchliche Zwecke des Mittelalters. Noch imposanter ist die Sainte-Chapelle (www.sainte-chapelle.fr), die quasi eingeschlossen ist in den Mauern der Conciergerie: Von oben bis unten besitzt sie riesengroße Buntglasfenster; so ergibt sich im Innenraum ein faszinierendes Farbenspiel. Notre-Dame wirkt dagegen beinahe banal.
Mehr Flair auf der Nachbarinsel
Das war’s dann aber auch schon an Besonderheiten auf der Geburtsinsel von Paris. Nun gut, da wäre noch die älteste von 37 Brücken über die Seine – die Pont Neuf. Oder der Blumenmarkt. Wer jedoch weg möchte von den touristischen Ecken und zwischen alten Mauern wandeln möchte, dem bleibt nur die charmante Insel Saint-Louis.
Auf dieser jüngeren Schwester der Île de la Cité – und von dort über eine Brücke erreichbar – finden sich noch stille, schmale Gassen, überall warten Cafés und Bistros mit ruhiger Atmosphäre – fast so, als wäre Paris hier noch ein mittelalterliches Dorf. Immer wieder fallen einem prächtige Stadtpaläste ins Auge – zum Beispiel das Hôtel Lambert, das ein reicher Privatbesitzer gekauft hat. Oder Hôtel de Lauzun, das der Stadt Paris gehört und das deshalb besichtigt werden kann.
Wer dann noch ins Eiscafé Berthillon geht, wo es das beste Eis der Stadt – ach, der ganzen Welt – gibt (siehe Rubrik „Cafés/Snacks“ auf Seite 18) und sich damit ans Seine-Ufer setzt, der wird sich sagen: Die Île de la Cité war schön – aber hier, im Schatten von Notre-Dame, Conciergerie und all den Touristen, ist es doch irgendwie ein bisschen schöner.


Unterwegs In der Stadt
Es soll schon vorgekommen sein, dass Autofahrer minutenlang im Kreisverkehr um den Arc de Triomphe gefangen waren – weil sie nicht aus dem Verkehrschaos fanden. Deshalb: Fahrzeug besser auf dem Campingplatz stehen lassen und den Nahverkehr nutzen – Métro und Bus sind für Pariser Verhältnisse sehr günstig. Wer lieber in die Pedale tritt, kann sich eines von über 23.000 Fahrrädern an einer der 1.800 Vélib-Stationen ausleihen. Der Parispass (Passlib’) für 109 Euro ermöglicht den Eintritt in viele Museen, ohne Anstehen (den Museumspass gibt es auch einzeln für 48 Euro). Zugleich dient der Pass als Nahverkehrsticket.
www.ratp.fr | www.velib.paris | de.parisinfo.com


Rundgänge
Paris als Filmkulisse: Die Tour „Set in Paris“ führt zu Drehorten – aber auch zum Lieblingsbuchladen von Ernest Hemmingway. Frühaufsteher können an jedem zweiten Freitag im Monat an die Place Denfert-Rochereau kommen, wo um 4.30 Uhr eine Tour zum Großmarkt Rungis beginnt (Anmeldung erforderlich). Am selben Platz, an der Ecke zur Avenue Colonel Henri Rol-Tanguy, geht’s in die Catacombes des Paris: Auf 1,7 Kilometern Länge wandeln Besucher auf eigene Faust unterirdisch durch einen Museumsfriedhof. Die Egouts de Paris (93, quai d’Orsay) wiederum führen in die Kanalisation, inklusive Multimedia-Show.
www.setinparis.com | www.visiterungis.com
www.catacombes.paris.fr | www.egouts.tenebres.eu


Sehenswertes
Was für Berlin die Mauer, das ist für Paris die Bastille (Place de la Bastille): Wo am 14. Juli 1789 der Sturm auf die Burg stattfand und den Beginn der Französischen Revolution markierte, erinnern heute Bodenplatten an den früheren Verlauf der Mauern. Eine bewegte Geschichte hat auch der Stadtpalast Hôtel de Sens (1, rue du Figuier), der aus dem Mittelalter erhalten geblieben ist. Nicht fehlen darf natürlich ein Besuch bei den beiden Wahrzeichen Eiffelturm (5 Avenue Anatole France) und Arc de Triomphe (Place Charles de Gaulle) – auch weil Besucher von dort einen tollen Blick über die Dächer von Paris haben.
www.toureiffel.paris | www.arcdetriompheparis.com


Museen
Das größte Holocaust-Museum Europas steht in Paris: Auf 4.000 Quadratmetern gedenkt das Mémorial de la Shoah (17, rue Geoffroy-l’Asnier) aller deportierten Juden. In die Stadtgeschichte können Besucher am besten im Musée Carnavalet eintauchen (23, rue de Sévigné). Und dann wäre da die große Kunst: Der Louvre mit dem Mona-Lisa-Gemälde (99 rue de Rivoli), beheimatet in einer ehemaligen Königsresidenz, ist das meistbesuchte Museum der Welt. Das Centre Pompidou (Place Georges-Pompidou) für moderne Kunst kann da nicht mithalten, zählt aber aufgrund seiner Außenkonstruktion als Anziehungspunkt.
www.memorialdelashoah.org | www.carnavalet.paris.fr
www.louvre.fr | www.centrepompidou.fr


Kunst und Kultur
In einem Bahnhof aus der Belle Époque ist das Musée d’Orsay (1, Rue de la Légion d‘Honneur) untergebracht – mit Werken aus der Louvre-Sammlung von der Romantik bis zum Impressionismus. Aus dem Nachlass von Pablo Picasso stammt die Kunst im Musée National Picasso (5, Rue de Thorigny) – in einem imposant umgebauten alten Palast. Spezial-Interessen bedienen das Maison Européenne de la Photographie (5/7, Rue de Fourcy) mit 15.000 Arbeiten renommierter Fotografen, das Musée de la Musique (221, Avenue Jean Jaurès) mit 900 Instrumenten sowie das Kinomuseum Cinématique Française (51, Rue de Bercy).
www.musee-orsay.fr | www.museepicassoparis.fr
www.mep-fr.org | www.citedelamusique.fr
www.cinematheque.fr


Kirchen
Notre-Dame sowie die Saint-Chapelle auf der Île de la cité (siehe Einleitung) und Sacré-Cœur (siehe Rubrik „Montmartre“) sind die wohl bekanntesten Kirchen der Metropole. Aber natürlich nicht die einzigen. Da wäre zum Beispiel die älteste Pariser Kirche Saint-Germain-des-Prés (3 Place Saint-Germain des Prés), die als Abteikirche auf früherem Weideland entstanden ist und heute einem ganzen Stadtviertel ihren Namen gibt. Oder zwei Kirchen, die mittlerweile eine andere Funktion haben: Der Pantheon (Place du Panthéon) sollte eine Kathedrale werden, ist aber zur Ruhmeshalle für Persönlichkeiten geworden – ebenso wie der Invalidendom (129 Rue de Grenelle), in dem Kaiser Napoleon I. seine Grabstätte hat.
www.pantheonparis.com | www.musee-armee.fr


Montmartre
Eine weithin sichtbare Kirche der Seine-Metropole liegt auf dem Montmartre: die Sacré-Cœur (35 Rue du Chevalier de la Barre). Die Basilika ist im wahrsten Sinne aber nur der Höhepunkt des Hügels und Stadtteils. Schon die berühmten Treppen hinauf zum Kirchenvorplatz und vor allem der Blick hinunter auf die Stadt locken viel Touristen an. Wer nicht zu Fuß gehen möchte, kann auch eine Standseilbahn nehmen. Und wem die Massen an Touristen zu viel werden, der sollte in die Seitengassen ausweichen – zum Künstler- und Wissenschaftler-Friedhof von Montmartre (20 Avenue Rachel) mit ungezählten Katzen. Oder zur Place des Abbesses mit einem Metro-Eingang in Jugendstil-Optik.
www.sacre-coeur-montmartre.com


Restaurants & Bistros
Bistro – das heißt im Französischen: klein, klassisch, wenige Speisen. Ein Bistro dieser Sorte ist das Chez Nénesse (17, rue de Saintonge). Auf der Speisekarte stehen günstige französische Gerichte. Wem eine Suppe zum Sattwerden reicht, dem sei die Bar à Soupes (33, Rue de Charonne) empfohlen. Le Bouillon Chartier (7, Rue du Faubourg Montmartre) lockt vor allem wegen seiner Historie als Suppenküche – und dem Jugendstil-Ambiente; das günstige Essen hingegen ist wenig spannend. Das Restaurant Cour du Faubourg (29, Rue du Faubourg Saint-Antoine) verfolgt einen sozialen Ansatz: Es dient der Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt. Menüs gibt es um die zehn Euro.
www.lebarasoupes.com | www.bouillon-chartier.com


Cafés & Snacks
Ist es ein Restaurant oder ein Café? Egal: Wer den Film „Die fabelhafte Welt der Amélie“ mag, wird einmal im „Les 2 Moulins“ (15, rue Lepic) vorbeischauen wollen, das als Kulisse diente. Berechtigte Lobeshymnen werden seit Jahren über das Eiscafé Berthillon (29-31, Rue Saint-Louis en l‘Île) ergossen – der Restaurantführer Gault Millau lobte es schon vor 50 Jahren in höchsten Tönen. Der Familienbetrieb verwendet weder Chemie noch Süßstoffe. Auch kleine Kuchen (Tartes) werden angeboten. Wem jetzt nach etwas Deftigem ist, der kann beim Feinkost-Bäcker Be Boulangépicier (73, boulevard de Courcelles) vorbeischauen. Sandwiches gibt es dort ab
einem Euro.
www.berthillon.fr | www.alain-ducasse.com


Einkaufen
Zugegeben: Die Geschäfte an der Champs-Élysées sind teuer. Dennoch sollte man einmal über die Prachtstraße flanieren. Auch in den Galeries Lafayette (40, Boulevard Haussmann) wird der Preise wegen kaum jemand etwas kaufen – aber das Ambiente in diesem Jugendstil-Gebäude auf sieben Etagen ist einfach faszinierend. In geschützten Denkmälern befinden sich die Galerien Vivienne (6-8, Rue Vivienne) und Véro-Dodat (19, Rue Jean-Jacques Rousseau). Rund um die Métro-Station Porte de Clignancourt steigt jedes Wochenende der größte Flohmarkt der Stadt: Marché aux Puces de Saint-Ouen. Und der älteste überdachte Lebensmittelmarkt heißt Marché des Enfants Rouges (39, Rue de Bretagne).
haussmann.galerieslafayette.com | www.galerie-vivienne.com


Mit Kindern
Ein Flugzeug steuern, in den Weltraum und die Welt der Vulkane eintauchen: Diese und viele weitere Bereiche deckt die Cité des Sciences et de l’Industrie ab (30 Avenue Corentin Cariou). Lehrreich ist auch das Aquarium tropical im Palais de la Poerte Dorée (293 Avenue Daumesnil) mit Piranhas, Rochen, Haien und Krokodilen. Und bekannt ist Paris natürlich auch für Disneyland, das 2017 seinen 25-jährigen Geburtstag feiert: mit Dornröschenschloss-Romantik und Achterbahn-Action. Einem gallischen Helden ist der Parc Astérix 30 Kilometer nördlich von Paris gewidmet – ebenfalls eine Mischung aus Themen- und Freizeitpark.
www.cite-sciences.fr | www.aquarium-portedoree.fr
www.disneylandparis.de | www.parcasterix.fr


In der Natur
Sie liegen nicht zentral, aber vielleicht sind zwei ehemalige königliche Jagdreviere gerade deswegen so beliebt. Im Bois de Vincennes gibt es einen der schönsten Zoos Frankreichs (53, avenue de Saint-Maurice), einen botanischen Garten und viel Wald. Der Bois de Boulogne am anderen Ende der Stadt wiederum lädt zum Spazierengehen ein – oder zu einem Besuch im Jardin d’Acclimatation mit fünf Kilometer langer Kahnfahrt. Wer eine zentraler gelegene Erholungsmöglichkeit sucht, kann sich im Jardin du Luxembourg einen Metallstuhl schnappen und sich damit mitten auf eine Wiese setzen. Eine wunderschöne Kulisse aus Ziegelsteingebäuden bietet der symmetrische Place des Vosges.
www.jardindacclimatation.fr | www.parczoologiquedeparis.fr


Am Abend
La Géode (26, avenue Corentin Cariou) ist ein Kino der Superlative: Zum einen wirkt es mit seinen 6.500 zu einer Kugel geformten Stahlplatten schon von außen monumental. Zum anderen verbirgt sich hinter der Konstruktion mit 36 Metern Durchmesser eine Leinwand mit 1.000 Quadratmetern Fläche inklusive 180-Grad-Blickfeld – fast dreimal so viel wie in einem Imax-Kino und zehnmal so viel wie auf normaler Leinwand. Überwiegend laufen Dokumentationen. Geöffnet ist das Kino ab 10.30 Uhr; Filme laufen bis abends um 20.30 Uhr. Wer ein bisschen Erotik, gepaart mit Varieté erleben möchte, geht – wenn auch sehr touristisch – in die Moulin Rouge (82, Boulevard de Clichy).
www.lageode.fr | www.moulinrouge.fr


Umgebung
Der Louvre hätte zur Residenz von Ludwig XIV. werden können; er baute aber lieber ein neues Schloss in Versailles. Das klassizistische Gebäude (Barockgarten nicht vergessen!) kann man in zwei Touren begehen; beide enden im prunkvollen Spiegelsaal. Nicht weniger beeindruckend ist das 55 Kilometer südlich von Paris gelegene Schloss Fontainebleau mit seiner Innenausstattung aus der Renaissance. Eine der ersten Gotik-Bauten der Welt wiederum ist die Kathedrale in Saint-Denis. Und wer die Seerosenmalereien von Claude Monet kennt, kann sich den Originalteich seiner Motive im Dorf Giverny anschauen (Anfahrt etwa 75 Minuten).
www.chateauversailles.fr | www.musee-chateau-fontainebleau.fr | www.giverny.org


Fazit
Eiffelturm, Mona Lisa und gute Küche? Ja, auch. Und selbstverständlich ist Paris ein quirliger Ort voller Sehenswürdigkeiten und Möglichkeiten – überraschenderweise auch unter der Erde. Aber die französische Hauptstadt mit mehr als 2,2 Millionen Einwohnern kann auch anders: Sie hat zum Beispiel dörfliche Ecken mitten im Zentrum. Und ausgedehnte Waldgebiete, die eher an Landidylle statt an Metropole denken lassen. Und natürlich ist da der Fluss Seine, an dessen Ufer es sich schön schlendern lässt. Paris ist nichts für den schmalen Geldbeutel – aber auf dem Weg nach Südfrankreich oder Spanien sollte man einen Zwischenstopp in dieser aufregenden Metropole in
Erwägung ziehen.

Wohnmobil-Stellplätze & Campingplätze | Paris
Camping Indigo Paris – Bois de Boulogne
2 allée du Bord de l‘Eau · 75016 Paris
GPS: 48°52’06’’N/02°14’05’’O
Einziger Campingplatz innerhalb der Stadtmauern, an der Seine. Gratis-WLAN am Empfang, Shuttle-Bus und Fahrradverleih. Kosten pro Stellplatz zwischen 25 und 38 Euro.
www.campingparis.fr


Huttopia Versailles
31 rue Berthelot · 78000 Versailles
GPS: 48°47‘38.6“N/2°09‘39.2“O
Fünf Minuten von Schloss Versailles entfernt, der Zug braucht 20 Minuten bis Paris.
france.huttopia.com/de

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