Südafrika – Von Jo‘burg zum Indischen Ozean (Seite 1 von 2) von Kathrin Kern
Deutsche Botschaft
Deutsche Botschaft Südafrika
Botschafter Walter Lindner
201 Florence Ribeiro Avenue, Groenkloof · Pretoria 0181
Tel. +27 12 4278900
Die Botschaft ist Ansprechpartner für Südafrika, Lesotho und Swasiland. Konsularischer Amtsbezirk: Provinzen Free State, Gauteng, KwaZulu/Natal, Northern Province, North West und Mpumalanga sowie Lesotho, Mauritius und Swasiland.
www.southafrica.diplo.de

Da wir auf der Erdkugel quasi geradewegs nach Süden fliegen und in derselben Zeitzone bleiben, erreichen wir nonstop ohne Jetlag Johannesburg – von den Einheimischen kurz Jo‘burg genannt. Die größte Stadt Südafrikas mit etwa 4,4 Millionen Einwohnern präsentiert sich modern und farbenfroh. Das kann natürlich nicht darüber hinwegtäuschen, dass nach wie vor etwa ein Fünftel der Bevölkerung in Blechhütten in Townships lebt – nicht selten ohne Zugang zu fließendem Wasser, Elektrizität und Müllabfuhr. Die Folge davon ist, dass die meist weißen Wohlhabenden ihren Besitz aufwendig von Zäunen, Mauern, Stacheldraht und bewaffnetem Wachdienst schützen lassen.
Wir lassen uns von einem einheimischen Stadtführer durch Soweto begleiten, die riesige Townshipsiedlung im Südwesten von Jo‘burg, die durch die Schüler- und Studentenaufstände von 1976 zum Symbol des Kampfes gegen die Apartheid wurde. Heute fahren Touristenbusse durch die Vilakazi Street, die einzige Straße der Welt mit zwei Friedensnobelpreisträgern. Hier lebten unweit voneinander entfernt Bischof Desmond Tutu und Nelson Mandela.

Nelson Mandela.

Nelson Mandela.

Die ersten Nächte bis zur Übernahme der Wohnmobile verbringen wir in einem Hotel, das sich komplett auf die Abwesenheit des Alltags spezialisiert hat. Rundhütten und weite Parklandschaft vermitteln uns sofort das Gefühl, wir seien mitten in Afrika, obwohl wir die Großstadt noch gar nicht verlassen haben. Giraffen und Zebras grasen vor der Zimmertür und stillen im Hotelpool ihren Durst.

Tipp
Dorf Lesedi
Eine Stunde nördlich von Johannesburg an der R 512 gelegen bietet das multikulturelle Dorf Lesedi die Möglichkeit, die ursprüngliche Lebensweise verschiedener afrikanischer Stämme hautnah kennenzulernen. Bei einer Führung durch die Dörfer der Zulu, Ndebele, Xhosa, Pedi und Basotho lernt man viel über die Handwerkskunst der Menschen, die in ihrer traditionellen Kleidung die Besucher durch Tänze und Gesänge in das ursprüngliche Afrika zurückversetzen. Zum Abendessen wird Krokodilfleisch serviert.

Panorama Route
Etwa 50 Kilometer nördlich von Jo‘burg befindet sich die Hauptstadt Südafrikas: Pretoria. Das Voortrekker Monument erinnert schon von Ferne sichtbar an die Pioniere, die sich 1835 mit Ochsenkarren zu Tausenden von der Kapregion aus auf den Weg gemacht hatten, um neue Gebiete des heutigen Südafrikas zu besiedeln. Wir sind beeindruckt von der Größe des quadratischen Granitbaus, der ebenso ein Wahrzeichen Pretorias ist, wie das Union Building, der prunkvolle Regierungssitz. Hier breitet Nelson Mandela in Form einer neun Meter hohen Bronzestatue seine Arme schützend aus. Seit der Nationalheld 1994 zum ersten demokratisch gewählten Präsidenten wurde und die Apartheid offiziell beendete, wird im ganzen Land liebevoll an ihn erinnert.
Nach dieser Einstimmung auf das Land am südlichsten Rand des afrikanischen Kontinents wollen wir im Wohnmobil die vielfältige Landschaft selbst erkunden. Die Panorama Route, eine landschaftlich traumhaft schöne Straße in den nördlichen Ausläufern der Drakensberge, führt uns über den Long Tom Pass und durch bewaldete Schluchten an unzähligen Wasserfällen vorbei bis zum Blyde River Canyon. Die Etappe ließe sich auf den gut ausgebauten Straßen zügig fahren, würden nicht spektakuläre Aussichtspunkte immer wieder zu einer Pause einladen. Auf den bewachten Parkplätzen können wir gegen eine kleine Gebühr unser Wohnmobil bedenkenlos abstellen und auf ausgeschilderten Pfaden die beste Perspektive für ein Erinnerungsfoto suchen.
Bei den Bourke‘s Luck Potholes lohnt sich ein längerer Stopp. „Pothole“ ist die Bezeichnung für Schlagloch und findet sich nicht selten als Warnhinweis auf Schildern am Straßenrand. Hier am Zusammenfluss von Treur und Blyde River sind damit die Jahrtausende alten Auswaschungen gemeint, die kreisrunden Löcher, die das Wasser ins Gestein gefräst hat. Von Brücken und Abbruchkanten kann man den beiden Flüssen bei der Arbeit zusehen. Hier beginnt der bis zu 800 Meter tiefe Blyde River Canyon, auf den man ein Stückchen weiter nördlich einen gigantischen Ausblick hat. Heute ist der Weg das Ziel, doch morgen heißt das Ziel „Krügerpark“.

Krügerpark
Das weltbekannte Natur-Reservat umfasst mit 20.000 Quadratkilometern eine Fläche halb so groß wie die Schweiz. Man kann tagelang von Camp zu Camp fahren und dabei mit dem Wohnmobil auf Schleichfahrt gehen. Auf einer Detailkarte des Parks sind alle Straßen, Wege, Wasserlöcher und die zwölf Camps genau eingezeichnet, sodass wir auf eigene Faust Safari machen. Nach und nach sammeln wir immer mehr Erfahrung im Umgang mit den Tieren. Generell gilt natürlich: Tiere haben Vorfahrt! Und wenn ein stattlicher Elefantenbulle die Straße überquert, dann tritt man automatisch auf die Bremse. Keine Frage! Aber wenn der graue Riese von Ferne auf uns zukommt, was dann? Dann heißt es Nerven bewahren, Motor aus und still stehen bleiben. Solange das Tier selbst den Abstand zu uns verringert, besteht keine Gefahr. Sogar eine ganze Elefantenherde zieht links und rechts an unserem Fahrzeug vorbei und betrachtet uns ganz offensichtlich als Felsen in der Landschaft. Auge in Auge mit dem Dickhäuter, das hat schon was! Man darf bloß nicht von sich aus den Tieren zu nahe kommen. Dann heben die Elefanten ihren Rüssel, stellen die Ohren auf und spätestens wenn sie laut und vernehmlich trompeten, ja spätestens dann sollte man den Rückwärtsgang einlegen.

Krügerpark.

Krügerpark.

Es ist heiß im Krügerpark, die Temperaturen bewegen sich das ganze Jahr über zwischen 25 und 35 Grad. Nicht nur die Tiere sammeln sich zur Mittagszeit am Wasserloch, auch uns zieht es dort hin. Wir haben nämlich den Vorteil, dass wir unsere Wohnung mit dabei haben und die Impalas und Giraffen beim Grasen beobachten können, während wir eine Vesperpause einlegen und Kaffee kochen. Sogar drei Nashörner nehmen in unmittelbarer Nähe ein Bad. Unser Adrenalinspiegel steigt spürbar an, aber wir beruhigen uns mit dem Wissen, dass diese Kolosse nicht gut sehen können. Wir scheinen sie nicht im Geringsten zu stören.
Südafrika im Wohnmobil, das ist besonders für Naturliebhaber ein Genuss. Nirgends sonst kommt man den Wildtieren so nah wie hier. Insgesamt hat der Staat Südafrika einen vergleichsweise europäischen Standard. Sicher, hier fahren die Autos auf der linken Straßenseite und ab und zu huscht eine schwarze Mamba über die Fahrbahn oder es grast ein Zebra am Straßenrand. Aber die Hygiene- und auch die Sicherheits-Standards auf den Campingplätzen sind sehr hoch.
Was uns aber auffällt, ist, dass die Wohnmobile in Südafrika keinen Abwassertank haben und somit das Grauwasser direkt auf den Boden fließt. Kein Wunder, in Afrika ist Wasser kostbar, selbst wenn es mit ein wenig Spülmittel versehen ist. Was noch ins Auge springt, ist die Tatsache, dass es keine Dämmerung gibt. Es wird morgens gegen 6 Uhr schlagartig taghell, aber genauso schlagartig wird es abends um 6 Uhr tiefschwarze Nacht. Und was für uns besonders verblüffend ist, ist die Erkenntnis, dass die Sonne mittags von Norden scheint. Sie geht im Osten auf, steht mittags im Norden und geht im Westen unter. Sie dreht sich also links herum! Das müssen wir Camper natürlich berücksichtigen, wenn wir uns überlegen, wie wir das Wohnmobil abstellen, um ausreichend Schatten zu haben.
Einen gepflegten Schattenplatz findet man auch auf den Aussichtsterrassen der Camp-Restaurants. Beim Sundowner hoch über dem Sabie River sieht man die Flusspferde zum Grasen an Land kommen. Das Leben kann so schön sein!

Tipp
Einheimische Souvenirs
An vielen Stellen auf Parkplätzen und am Straßenrand bieten Einheimische Schnitzereien, Schmuck und Tischdecken als Souvenirs an. In der Regel handelt es sich dabei um qualitativ hochwertige Handarbeit, die durch afrikanische Tiermotive oder bunte Perlenstickerei besticht. Um den Kaufpreis wird selbstverständlich gehandelt, wobei man die Menschen mit einem zu geringen Angebot nicht erniedrigen sollte. Ohnehin steht der südafrikanische Rand seit Langem gegen den Euro so günstig, dass nur das zugelassene Koffergewicht den limitierenden Faktor darstellt.

Royal Hlane Nationalpark
Schwer fällt nach ein paar Tagen der Abschied vom Krügerpark. Von den berühmten Big Five haben wir erst drei gesehen: Elefanten, Büffel und Nashörner. Die Raubkatzen fehlen noch. Vielleicht haben wir im Royal Hlane Nationalpark Glück. Dieses kleine Juwel liegt in Swaziland, dem kleinen Nachbar-Staat, der fast ganz von Südafrika umgeben ist. Eine offizielle Grenzkontrolle ist zu passieren. Stempel bei der Ausreise, Stempel bei der Einreise in das kleine Königreich, und schon fahren wir durch eine Landschaft, die mehr an die Schweiz als an Afrika erinnert. Das Camp im königlichen Hlane hat zwar keinen Strom, und das Duschwasser wird mit einem lodernden Feuer erwärmt, bevor es über freischwebende Leitungen in das mit Petroleumlampen beleuchtete Sanitärgebäude gelangt, aber dafür hat es ein von Wildtieren frequentiertes Wasserloch, an dem man einen ganzen Tag lang ausharren könnte.
Mitten durch den Nationalpark hindurch führt eine Straße. Schon von Ferne grüßt ein großes grünes Schild: „Cyclists &
Pedestrians Beware Of Lion And Elephant“ „Motorists Beware Big Game Crossing Road“. Das Schild an der Einfahrt warnt also tatsächlich Fahrradfahrer & Fußgänger vor Löwen und Elefanten und bittet Autofahrer, auf Wildwechsel größerer Tiere vorbereitet zu sein. Wir waren sofort auf alles vorbereitet, fragten uns allerdings, was die armen Fußgänger und Zweiradfahrer machen sollten, wenn sie einem Löwenrudel oder einer Elefantenherde begegnen. Das ist eben Afrika! Immer wieder spannend! Ob wir hier unsere persönliche Trophäenliste vervollständigen können?
Wir versuchen es mit einer Morgensafari. Vielleicht kann uns der Ranger mit seiner Erfahrung ins Löwengebiet bringen. Das bedeutet: Wecker stellen, vor Sonnenaufgang anziehen, zum Jeep schleichen und schon geht die Fahrt los durch hohes Gras.
So eine Jeepsafari ist schon deshalb ein ganz besonderes Erlebnis, weil die Anspannung steigt, je länger man nach den Raubtieren Ausschau hält. Irgendwo müssen sie doch herumschleichen. Allein die Tatsache, dass jederzeit ein Löwe auftauchen könnte, macht diesen Ausflug zu einem Highlight der Reise. Und dann plötzlich liegt eine Löwendame vor uns auf dem Weg und schaut uns tief in die Augen. Der Ranger erklärt, dass die Katzen die morgendliche Wärme auf dem Sandweg dem feuchten Gras vorziehen. Unser Glück!
Der Leopard ist noch schwieriger zu sichten. Ihn wird man nur selten im freien Gelände entdecken können. Meist liegt er versteckt auf Bäumen oder Felsen. Bei der Jeep-Schleichfahrt recken wir die Hälse und scannen aufmerksam jeden Baum und jeden Ast. Unser Fahrer bekommt einen Funkspruch. Ein anderer Ranger hat in steinigem Gebiet eine dieser edlen Raubkatzen entdeckt. Nun geht alles ganz schnell. Unser Jeep nimmt Fahrt auf und bringt uns auf direktem Wege zu einer Ansammlung von schwarzen Felsen. Eine andere Gruppe Frühaufsteher schaut gebannt nach oben. Wir folgen ihren Blicken und tatsächlich! Da liegt ein Leopard in voller Pracht … und gähnt – was für ein Schnappschuss! Jetzt haben wir die Big Five komplett!

Campingplatz in Südafrika.

Campingplatz in Südafrika.

St. Lucia
Südafrika ist ein Land mit fast 3.000 Kilometern Küste. Vom Hochland des zweitkleinsten Staates des afrikanischen Kontinents fahren wir zurück über die Grenze, reisen mit unserem Pass aus Swaziland aus und nach Südafrika wieder ein und erreichen die St. Lucia Wetlands, die Sumpfgebiete am Indischen Ozean. In diesem einzigartigen Ökosystem, das 1999 in die Liste des UNESCO Weltnaturerbe aufgenommen wurde, vermischen sich Süß- und Salzwasser. Sehr zur Freude der Krokodile und Flusspferde, die hier Hippos genannt werden. Und sehr zur Freude der Abenteurer, die diese grandiose Tierwelt hautnah erleben wollen. St. Lucia lebt vom Tourismus. Flache Boote fahren jeden Tag hinaus auf die Narrows, den 20 Kilometer langen Wasserweg, der den größten See Südafrikas, den Lake St. Lucia, mit dem Indischen Ozean verbindet. Krokodile liegen faul am Ufer, Flusspferde dümpeln in größeren Gruppen vor sich hin. Mehrere große Augenpaare sind interessiert auf uns gerichtet. Urplötzlich beginnt das Wasser zu brodeln, zwei Bullen tragen prustend einen Revierkampf aus. Als Europäer kann man es kaum fassen, aber man ist mitten drin in der Wildnis Afrikas.
Im Ort warnen überall auffällige Schilder vor der Begegnung mit den Hippos, die schneller rennen können als es ihr Leibesumfang vermuten lässt. Das kleine Städtchen St. Lucia ist bekannt dafür, dass es nicht ungewöhnlich ist, wenn man abends auf dem Heimweg vom Restaurant laute Schmatz- und Grunzgeräusche im Gebüsch hört und immer wieder ein mächtiger Schatten durch die Straßen huscht. Das Wachpersonal des Campingplatzes zeigt uns einen platt getrampelten Pfad und verspricht, dass genau hier die Flusspferde in der Dämmerung an Land gehen. Wir beziehen Stellung auf unseren Klappstühlen und starren auf das Flussufer. Die Dunkelheit senkt sich herab. Unsere Augen haben sich mittlerweile an die Lichtverhältnisse gewöhnt, die Ohren nehmen jedes noch so kleine Rascheln wahr und dann plötzlich trippeln die Kolosse auf ihren kurzen Beinen über die Uferböschung. Uns stockt der Atem. Afrika pur! Und wir mittendrin! Die Lichtverschmutzung ist in dieser Gegend besonders gering und so sieht man nicht nur Flusspferde im und außerhalb des Wassers, sondern auch die Milchstraße in voller Pracht.
Südafrika macht süchtig! Von hier aus fahren wir in die Hafenstadt Durban, entlang der Garden Route zum Treffpunkt zweier Weltmeere, bis hinab zum Kap der guten Hoffnung.
Seite 2 – Guide Südafrika mit Infos zur Anreise, besonderen Verkehrsbestimmungen (und dem Straßenzustand), wichtige Telefonnummern, Wohnmobilstellplätzen in Südafrika und vielem mehr …

VN:F [1.9.20_1166]
Artikelbewertung
Bewertung: 5.0/5 (36 Stimmen)
Südafrika – Von Jo‘burg zum Indischen Ozean, 5.0 out of 5 based on 36 ratings

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *



− 5 = 0

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>