Städte-Tour – Berlin von Mathis Paus
Tourist-Info
Berlin Tourismus
Erdgeschoss/Eingang Europaplatz· 10557 Berlin
Tel. 030-250025
Öffnungszeiten:
Täglich geöffnet von 8 bis 22 Uhr
www.visitberlin.de

Wurst liegt in der Luft. Nicht wörtlich gemeint, aber der Duft von frisch gebratener Currywurst breitet sich gemächlich über den Savignyplatz aus. An der vierspurigen Kreuzung an der Kantstraße ist neben dem Verkehrslärm ein stetes Brutzeln zu hören. Drei rote Stehtische, drapiert um ein Häuschen, laden zum Verweilen ein. „Wat darfet denn sein?“, schallt es aus dem kleinen Fenster. Ein blondierter Kopf schaut aus dem Imbiss heraus, wiegt den selbigen im Takt der Musik, die hinter der „Curry-Mamsell“ aus dem Radio wabert, und wartet auf Antwort. Berlinerisch, wie man es heute nur noch selten zu hören bekommt, fragt die Dame weiter: „Currywurst – mit oder ohne Darm?“
Die „Hasenecke“ am Savignyplatz, der guten alten Stube des alten Berliner Westens, gehört zum festen Inventar in Charlottenburg. Umgeben von Gebäuden mit prächtigen Stuckfassaden, dem Viadukt der Stadtbahn, viel Grün und noch mehr kleinen Läden, Restaurants und urigen Cafés, steht der Kiosk schon seit Anfang des 20. Jahrhunderts. Genauer: seit 1908. Ursprünglich wurden hier Zeitungen und Schnupftabak verkauft, seit knapp zehn Jahren gehen hier von Montag bis Samstag Würste und Frittiertes über die Ladentheke. Zwar ist der Imbiss nicht bundesweit bekannt wie Konkurrent „Konnopke“ oder so hip wie „Curry 36“ im Kiez Kreuzberg, aber „Hasenecke“ darf sich für seine Beständigkeit rühmen, und das honorieren die Menschen im einst schillernden Charlottenburg. Ganz ohne Extravaganzen kommen sie aber auch hier nicht aus, obwohl der Imbiss, der hier für seine Mamsellen bekannt ist, eine treue Kundschaft hat – schließlich handelt es sich um Berlin: Gerne wird die Wurst mit der scharfen Currysoße mit einem Glas Champagner heruntergespült. Prost.
Baukräne als Symbol der Aufbruchstimmung
Zum Wohle der Anwohner hat sich die City West aufs Schönste weiterentwickelt. Galt lange Zeit der Osten Berlins als spannend und trendig, so legt der Fleck Erde rund um den Kurfürstendamm nun nach. Insbesondere die Kantstraße gilt als neue Lebensader Charlottenburgs. Ein Querschnitt des gesamten Stadtteils, wie die Flaneure auf den für Berlin typischen breiten Bürgersteigen bestätigen. Trotz seiner bunten Mischung ist Charlottenburg nach wie vor die bürgerliche Konstante der Stadt. Das coole Berlin war immer anderswo, und auch der Umbau rund um den Breitscheidplatz bringt kaum jemanden auf den Gedanken, der Stadtteil könnte sich verändern. Doch genau das tut er.
Nur fünf Gehminuten ist der zentrale Platz von der „Hasenecke“ entfernt, viel zu nah, um die Wurst im Darm vollständig zu verdauen. Hier ragen Baukräne in die Höhe. Tagsüber geschäftige Werkzeuge, am Abend stille Zeugen des behutsamen Wandels. Nicht zu übersehen ist das 118 Meter hohe Zoofenster. Das Hochhaus wurde 2013 fertiggestellt und gilt als der Eisbrecher für die Wiederbelebung des Viertels. Daneben entsteht derzeit der Hotel- und Bürokomplex Upper West, der nach Fertigstellung ebenfalls über 100 Meter in den Himmel ragen wird.
Geradezu winzig, aber an ihrer Strahlkraft nichts eingebüßt, erscheint die Gedächtniskirche mit nur 71 Metern. Dabei war der „Hohle Zahn“, wie der Berliner Volksmund den sakralen Bau liebevoll nennt, vor der Zerstörung im zweiten Weltkrieg über 100 Meter hoch. Die geköpfte Kirche steht wie kein anderes Gebäude für die Beständigkeit des Quartiers und wird auch in Zukunft das Bild Charlottenburgs prägen. Wie auch die Currywurst bei „Hasenecke“.


Unterwegs in der Stadt
Der Berliner Nahverkehr ist nicht nur gut ausgebaut, mit der U- und S-Bahn, Bus und Tram sowie einigen Fähren ist er auch erstklassig vernetzt. Besonderer Clou: Für Bahn, Bus und Tram wird nur ein Ticket benötigt. In der Regel fahren in der Innenstadt alle Verkehrsmittel in Abständen von zehn Minuten. Der Nachtverkehr beginnt um 1.00 Uhr. Praktisch für Berlin-Besucher ist die Welcome Card, die 48 Stunden gültig ist. Der Preis beträgt 21,50 Euro und berechtigt zur Fahrt in allen öffentlichen Nahverkehrsmitteln. Eine Tageskarte, die für alle drei Tarifbereiche gilt, kostet 7,60 Euro.
www.bvg.de/de


Rundgänge
Berlin ist eine der beliebtesten Metropolen Europas. Klar, dass es an Besichtigungstouren nicht mangelt. Eine Option ist es, den Verband der Berliner Stadtführer zu kontaktieren. Dieser bietet die Möglichkeit, qualifizierte Stadtführer für jeden Themenschwerpunkt für Führungen zu Fuß, per Rad oder via Bus zu finden. Wer sich für die Unterwelten Berlins interessiert, ist beim gleichnamigen Anbieter genau richtig. Spezielle Thementouren entführen die Besucher in alte Bahnschächte und Luftschutzbunker. Futuristisch ist die Tour via Segway. Mit dem zweirädrigen, elektroangetriebenen Gefährt kurvt es sich schnell durch die Hauptstadt.
www.berlin-guide.org | www.berliner-unterwelten.de | www.citysegwaytours.com


Sehenswertes
Ein Klassiker ist das Brandenburger Tor (Pariser Platz), das laut einer Umfrage das zweibeliebteste Wahrzeichen Deutschlands ist. Obwohl das Tor auf eine über zweihundertjährige Geschichte zurückblicken kann, ist es als Symbol fest mit der Teilung und Wiedervereinigung von Ost- und Westdeutschland verbunden. Auch der Fernsehturm ist einen Besuch wert. Am Alexanderplatz thront der 368 Meter hohe Turm, und vom Drehrestaurant „Sphere“ genießen Besucher einen 360-Grad-Panoramablick über die Stadt. Politisch wird es am Reichstag (Platz der Republik). Ein Gang auf die Kuppel gehört zum Pflichtprogramm.
www.berlin.de | www.tv-turm.de | www.bundestag.de


Museen
Über 170 Museen und ausgewählte Sammlungen gibt es in Berlin. Allein zur Stiftung Preußischer Kulturbesitz gehören 17 staatliche Museen. Nirgends in der Stadt ist die Dichte von Kulturhäusern größer als auf der Museumsinsel (zwischen Spree und Kupfergraben). Das größte Universalmuseum der Welt, das derzeit umgebaut wird, vereint Altes und Neues Museum, Bode Museum, Pergamonmuseum und Alte Nationalgalerie. Highlight der mächtigen Sammlungen ist die Büste der Nofretete. Aber auch der 2.000 Jahre alte Pergamon-Altar lockt Scharen von Besuchern an. Seit 1999 gehört die Museumsinsel zum UNESCO-Welterbe.
www.museumsinsel-berlin.de


Kirchen
Groß, größer, kolossal: Der Berliner Dom (Am Lustgarten) ist im Zuge des ambitionierten Bauprogramms, das Kaiser Wilhelm II. nach seiner Thronbesteigung Berlin auferlegte, in den Jahren von 1894 bis 1905 entstanden. Der sakrale Bau, der nach den Plänen von Julius Raschdorf entstand, ist ein Sammelsurium von Bauformen der italienischen Renaissance und des Barock. Herzstück des Doms ist der Mittelbau mit seiner 74 Meter hohen Kuppel, die von insgesamt vier Türmen flankiert wird. Eine Spur kleiner, aber dennoch sehenswert, ist die Kirche St. Peter und Paul (Nikolskoer Weg 17). Die Architektur ist eine Reminiszenz an russische Kirchenbauten mit ihren markanten Zwiebeltürmen.
www.berlinerdom.de | www.kirche-nikolskoe.de


Spezialitäten
Berliner Eigenarten und Spezialitäten gibt es viele. Nur eines ist sicher: direkt und deftig geht es in der Metropole zu – in der Konversation, aber auch bei traditionellen Gerichten. So verwundern die absoluten Klassiker der Berliner Küche auch nicht. Blutwurst mit Kartoffeln und Sauerkraut, Falscher Hase, Eisbein mit Erbsen, Bockwurst und Bulette. Zu deutschlandweitem Ruhm haben es vor allem die Königsberger Klopse in Kapernsauce gebracht, die ihre Herkunft im Namen verraten. Geprägt ist das Berliner Essen durch die Einwanderer der Stadt. Daher auch nicht wundern: Neben den 1.300 Dönerbuden, das sind mehr als in Istanbul, haben auch die vielen Exil-Schwaben ihre Küche mittlerweile etabliert.
www.visitberlin.de


Restaurants
Von einfach bis edel – Berlin wartet mit einer schier endlosen kulinarischen Auswahl an Restaurants auf. Den Italiener an der Ecke gibt es immer noch, aber der vorher weit verbreitete Grieche oder Jugoslawe ist nur noch vereinzelt anzutreffen. Dafür kommt keine Essensmeile ohne Inder und Thai-Restaurant aus. Natürlich ist auch die Spitzengastronomie in der Hauptstadt vertreten. Star-Köche wie Tim Raue unterhalten gleich mehrere Läden. Exotik und unglaubliche Gaumenfreuden erleben Berlin-Besucher im Zenkichi. Der Japaner vereint Ambiente sowie exquisite Speisen zu einem fernöstlichen Kosmos, der in der Stadt seinesgleichen sucht. Hochpreisig, aber jeden Euro wert.
www.zenkichi.de


Cafés
Ein ausgedehntes Frühstück gibt es im „Anna Blume“ (Kollwitzstraße 83), mitten im Viertel Prenzlauer Berg. Das Café ist nach einem Gedicht von Kurt Schwitters benannt und bietet seit über zehn Jahren kulinarische und floristische Spezialitäten, denn ein Blumenladen ist gleich angeschlossen. Auch Veganer finden hier ein reichhaltiges Frühstück. Echte Kaffeehauskultur erleben Besucher im Café Wintergarten (Fasanenstraße 23). Neben einem leckeren Heißgetränk und einem Stück Kuchen bietet das Haus Lesungen, Symposien und Ausstellungen. Genau der richtig Ort, um dem hektischen Treiben der Stadt zu entfliehen.
www.cafe-anna-blume.de | www.literaturhaus-berlin.de | www.friedrichstrasse.de


Einkaufen
Berlin lässt Shoppingherzen höherschlagen. Haupteinkaufstraßen sind Kurfürstendamm und Friedrichstraße. Anlaufpunkt ist noch immer das KaDeWe (Tauentzienstraße 21–24), trotz des schleichenden Untergangs von Kaufhäusern. Antiquitäten-Fans werden in der Suarezstraße garantiert fündig. Neben Möbeln und Büchern ist der Laden „Schöne alte Gläser“ eine Perle. Dieser hat sich auf Gläser von den Jahren 1750 bis 1960 spezialisiert, mehrere Tausend davon zieren die Regale. Zudem ist Berlin für seine bunten und zahlreichen Flohmärkte bekannt. Der Markt auf der Straße des 17. Juni ist von besonderer Klasse. Hier gibt es keinen Ramsch, sondern echte Schätze.
www.schoene-alte-glaeser.de | www.kadewe.de | www.berlin.de


Mit Kindern
Ein gemütlicher Ausflug in ein Café, und kaum weint das Kind, kommen die genervten Blicke anderer Besucher. Eine Situation, die in speziellen Kindercafés kein Problem darstellt. Das „Schönhausen“ ist liebevoll eingerichtet und bietet seinen kleinen Gästen ein eigenes Spielzimmer. Auf der Terrasse kann auch im Freien gespielt werden. Spaß und Wissen erfahren Kinder im Science Center Spectrum. Hier warten der Indoor-Regenbogen, die Partnerschaukel und die Wellenwippe auf kleine und große Entdecker, die auf 1.400 Quadratmetern Phänomene aus der Welt der Wahrnehmung, Physik und Technik für sich entdecken möchten. Tolles Theater für Kinder gibt es auf der Bühne des Grips zu sehen.
www.schoen-hausen.de | www.sdtb.de | www.grips-theater.de


Kultur
Berlin ist bekanntermaßen arm, aber sexy, wie ein ehemaliger Bürgermeister einmal sagte. Dabei hat man ganz vergessen, dass die Stadt ein vielfältiges kulturelles Angebot besitzt. Insbesondere Oper und Theater sind hier zu Hause. Ein Hörerlebnis ist die Philharmonie (Potsdamer Platz), die Klassik-Fans ein großes Spektrum namhafter Dirigenten bietet. Die Berliner Oper (Bismarckstraße 35) ist das größte Opernhaus der Stadt und wartet mit Arien der Extraklasse auf. Kritisches, zeitgenössisches Theater bringt das Maxim Gorki Theater auf die Bühne und ist Anziehungspunkt für viele internationale Auoren.
www.berliner-philharmoniker.de | www.deutscheoperberlin.de | www.gorki.de


In der Natur
Trotz immer mehr Beton und Stahl ist Berlin, und vor allem das Umland, mit seinen vielen Seen auch eine Reise für Naturliebhaber wert. Fast alle Seen bieten eine gute bis hohe Wasserqualität, sodass viele Schwimmer sich dem kühlen Nass im Hochsommer nicht entziehen können. Einfach zu erreichen sind die Badestellen am Schlachtensee, dem vielbesungenen großen Wannsee und am Müggelsee, der öffentlichen Badewanne Berlins. Hier gibt es auch einen Bootsverleih. Hundehaltern sei der Grunewaldsee empfohlen, hier dürfen sogar die geliebten Vierbeiner planschen gehen.
www.berlin.de | www.seen.de | www.spreepoint.de


Am Abend
In Berlin pulsiert das Leben, besonders am Abend und in der Nacht. Restaurants, Bars, Clubs und Discos buhlen um die Aufmerksamkeit der Nachtschwärmer. Edlen Ostblock-Look verspricht die Bar CSA (Karl-Marx-Allee 96), die nach der gleichnamigen tschechischen Fluglinie benannt ist. Stilvoll, aber nicht abschreckend, geht es in der Victoria Bar zu (Potsdamer Straße 102). Hier gibt es Drinks der Spitzenklasse. Happy Hour ist täglich von 18.30 Uhr bis 21.30 Uhr. Rheinischen Frohsinn hat die Ständige Vertretung (Schiffbauerdamm 8). Hier gibt es Kölsch vom Fass, und an Karneval platzt der Saal aus allen Nähten. Essen kann man hier auch: natürlich rheinische Spezialitäten.
www.csa-bar.de | www.victoriabar.de | www.staev.de/de


Umgebung
Wem Berlin an einem Wochenende nicht genug ist, dem sei Potsdam ans Herz gelegt. Nur 25 Minuten mit der S-Bahn entfernt warten barocke Bauten, die Gärten und Schlösser von Sanssouci und die Potsdamer Kulturlandschaft, die im Übrigen zum UNESCO-Welterbe zählt, auf die Blicke neugieriger Besucher. Die Hauptstadt Brandenburgs ist eine spannende Alternative zur Metropole Berlin und gilt für viele als ein Ausflugsziel der besonders inspirierenden Art. Der Stadtkern ist geprägt vom holländischen Viertel, das mit seinen roten Backsteinbauten und geschwungenen Giebeln für Aufsehen sorgt.
www.potsdam.de | www.spsg.de | www.potsdamtourismus.de


Fazit
Die deutsche Hauptstadt ist einen Wochenendtrip definitiv wert. Das ganze Jahr über gibt es hier etwas zu entdecken und vor allem zu erleben: ob die üblichen Sehenswürdigkeiten, Kunstausstellungen, Konzerte oder die bundesweit vielbeachtete Restaurant-Landschaft. Die 3,5-Millionen-Metropole pulsiert und versprüht internationalen Glanz wie nur wenige europäische Städte. Trotzdem sind Tradition und vor allem politische Geschichte auch hier anzutreffen. Jeder Kiez ist anders, so wie auch die Menschen, die darin leben. Was alle eint: die manchmal schroffe, aber immer liebenswürdige Art im alltäglichen Umgang miteinander.

Wohnmobil-Stellplätze | Berlin
Berliner Camping-Club
Ebersstraße 27 · 10827 Berlin
GPS: 52°28‘53.8“ N / 0°00‘25.2“ O
Der Berliner Camping-Club ist inmitten der Natur. Die Zugangswege zu den Stellplätzen sind geräumig, sodass auch größere Reisemobile mühelos passieren können. Das Stadtzentrum ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln bequem in rund 25 Minuten zu erreichen. Ein Stellplatz für Caravans oder Zelte beträgt rund zehn Euro pro Übernachtung.
www.berliner-camping-club.com


Hotel & City-Camping Berlin | City Camp 1
Gartenfelder Str. 1 · 13599 Berlin
GPS: 51°02‘0,1“ N / 07°50‘37,7“ O
Idealer Campingplatz für Berlin-Besucher. Nur sieben Gehminuten vom öffentlichen Nahverkehr entfernt.
www.hettler-lange.de

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